Das Hochwasser vergiftet die Böden

Veröffentlicht: Juni 20, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Allmählich verschwindet das Hochwasser, die Pegel sinken. In viele zuvor evakuierte Gebiete können die Bewohner zurückkehren. Doch was sie vorfinden, ist Chaos: Das Hochwasser hat Verwüstung hinterlassen. Und nicht nur das – das Hochwasser hat auch Gift und Keime gebracht.

Ein aufgeschwemmtes Reh treibt in den braunen Fluten. Unweit des Flusses breiten sich metergroße Ölfilme wie Teppiche aus. Das gewaltige Hochwasser hat nicht nur zerstörte Häuser und abgeknickte Bäume hinterlassen, sondern auch giftige Böden und gesundheitsgefährliche Keime. Ackerflächen und Weiden sind potenziell gefährdet – aber auch Gärten, sagte der Professor für Bodenkunde und Bodenbiogeochemie von der Universität in Halle, Reinhold Jahn.

Die Ablagerungen der Flüsse seien prinzipiell etwas Positives. „Sie sind sehr fruchtbar“, sagte Jahn.

Doch in den Gewässern wie Elbe und Mulde kämen wegen angrenzender Industriewerke auch Schwermetalle vor. „Wenn sich diese in den Auen ablagern, ist das für die Natur problematisch“, erklärte Jahn.

Zudem lagerten in Kellern allerlei Chemikalien. Farbeimer und Öltanks seien in den Fluten nach oben getrieben worden und ausgelaufen. „Wenn es ein dünner Film ist, wird er in einem Dreivierteljahr von selbst abgebaut“, so Jahn. Sonst müssten dringend Behörden zur Reinigung gerufen werden.

Auch die in den Fluten ertrunkenen Tiere belasten die Umwelt. Die Kadaver würden Verwesungs- und Fäkalkeime ins Wasser leiten, sagte Jahn. „Es wird dringend davon abgeraten, in den Hochwassergebieten Gartengemüse zu essen“, riet Jahn. Das Grundwasser sei hingegen nicht gefährdet, da es meist aus tieferen Grundwasserstockwerken käme.

Die Landwirte kämpfen derweil mit ganz anderen Problem. Kühe und Pferde dürften erst weiden, wenn die Ämter die untersuchten Felder wieder freigeben würden, sagte der Sprecher des Landesbauernverbands Sachsen-Anhalt, Christian Apprecht, in Magdeburg. Es sei möglich, dass Weiden noch monatelang gesperrt blieben.

Die Dürrezeit muss mit Futterreserven aus den Lagern überbrückt werden. „Doch das wird irgendwann knapp“, sagte Apprecht. Die Bauern schauen mit bangen Blicken gen Winter. Da noch immer etwa 115 000 Hektar Land unter Wasser stehen und einige Gebiete kontaminiert sein könnten, kann auf den Feldern kein Heu für die kalte Jahreszeit gemacht werden.

Um die Not zu lindern, stellen Bund und Länder für die Beseitigung der Schäden in den Hochwassergebieten bis zu acht Milliarden Euro bereit – im Fluthilfefonds. Landwirtschaftliche Betriebe erhalten nach Angaben der Landesregierung eine Soforthilfe von maximal 5000 Euro.

Quelle: http://www.tagesspiegel.de

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