»Überschwemmungen sind Natur»

Veröffentlicht: Juni 17, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

Tiere und das Hochwasser: Es gibt Opfer und Profiteure, sagen Eckart Krüger und Hans-Joachim

Einst war die Arche da, als die Welt unter Wasser gesetzt wurde, nun kam nur das Wasser. Was ist also mit den Tieren, die dort leben und lebten, wo sich in den vergangenen Wochen die Elbe ausbreitete? »Überschwemmung ist Na-tur», sagt Eckart Krüger vom hiesigen BUND-Kreisverband.

»Hochwasser gehört in das System», ergänzt Hans-Jürgen Kelm, der Vorsitzende der Avifaunistischen Arbeitsgemeinschaft Lüchow-Dannenberg. Von einer Naturkatastrophe wollen sie nicht sprechen. Beide betonen, dass sich die Tiere in der Aue auf Überschwemmungen ihres Lebensraumes einstellen können, dass es nicht nur Opfer, sondern auch Profiteure gibt. Kelm betont, dass im Prinzip jedes Tier schwimmen kann. Das gelte auch für Rehe. Vier dieser Tiere sind allerdings aus dem Wasser gerettet worden und in die Auffangstation nach Klennow gebracht worden, informiert deren Leiterin Angelika Berries auf Anfrage. Kein Zweifel: Wer als Tier im Souterrain, also in der Erde wohnt, wie Mäuse, Maulwürfe oder Kaninchen, hat in den überfluteten Gebieten kaum eine Chance. Allerdings, so Krüger: »Mäuse können richtig rennen», und er erinnert daran, dass man früher bewusst Flächen unter Wasser gesetzt hat, um Maulwürfen den Garaus zu machen.

Die nun wohnsitzlosen Biber könne man derzeit überall seh-en, sie sitzen etwa bei Pölitz auf den Deichen, warten ab und seien in der Lage, eine Ersatzburg zu bauen, sagt Eckart Krüger. Übel sei es allerdings, wenn sie nun anfingen, an den Deichen zu graben. »So lange Bäume aus dem Wasser gucken, schaffen sie sich ein Notquartier, eine schräg stehende dicke Weide reicht dafür aus», sagt Kelm. Manch Jungbiber werde sicher ertrunken sein, das sei aber angesichts recht stabiler Biberbestände in der Region kein Drama. Und er wiederholt: Hochwasser gehören zum Kreislauf der Natur. Traurig seien in der Tat die Verluste bei seltenen Arten, etwa bodenbrütenden Singvögeln, »die Natur zerstört da fatal», meint Krüger. Im Elbvorland habe der Wachtelkönig gebrütet und gerufen – der sei sicher untergegangen, ahnt Hans-Jürgen Kelm. Auch ein Brachvogelpaar im Alandswerder sei Opfer des Hochwassers geworden. Das sind echte Rückschläge, denn es gibt nur noch wenige Brach- vögel und noch weniger haben einen Bruterfolg. Die Kolonie der in der Tauben Elbe brütenden Trauerseeschwalben – »so groß wie seit Jahren nicht mehr» – existiert allerdings noch, freut er sich. Eckart Krüger hofft, dass manch Kiebitz-Küken vor dem Wasser weglaufen und sich auf Trockene habe retten können. Sicherheit gibt es da allerdings nicht, denn auch Füchse und Wiesel sind jetzt dort unterwegs.

Störche und Reiher gehören dagegen zu den Profiteuren, denn im Binnenland finden sie nun gute Nahrungsbedingungen, ein Eldorado mit Fischen, die den Störchen geradezu zu Füßen liegen. Auf neu entstandenen »wunderbaren Qualmwasserflächen» sei deshalb auch »viel Storchen-Getümmel» zu beobachten. Und auch Unken und Knoblauchkröten gefielen die neuen Bedingungen: Auf einem Maisacker in der Langendorfer Marsch erlebten sie gerade ihren »zweiten Frühling», wie weit zu hören sei, berichtet Kelm.

http://www.ejz.de/index.php?&kat=50&artikel=110341932&red=28&ausgabe=

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