Sachsen-Anhalt will Schiffe versenken

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Erst bricht ein Deich bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt. Dann halten auch weitere Schutzwälle nicht mehr. Das Wasser breitet sich aus. Nun soll eine Aktion Abhilfe schaffen, die klingt, als stamme sie aus dem Drehbuch eines Actionfilms.

Während das Hochwasser vielerorts zurückgeht, ist die Lage in Sachsen- Anhalt nach dem Deichbruch bei Fischbeck weiter kritisch. Dann brachen laut dem Krisenstab der Landesregierung in der Nacht zu Freitag auch noch zwei Notdeiche nördlich von Kamern. Das Wasser floss Richtung Jederitz, Kuhlhausen und Warnau. Schätzungen zufolge steht eine Fläche von rund 200 Quadratkilometern unter Wasser.

Nun wollen die Helfer mit einer spektakulären Aktion das Leck im Deich bei Fischbeck verschließen. Mehrere Schiffe sollen am Deichbruch bei Fischbeck gegen 18.00 Uhr gesprengt und versenkt werden, um die gewaltigen Wassermassen auf ihrem Weg ins Landesinnere zu stoppen. Das gewagte Manöver sollte frühmorgens beginnen. Zunächst gehe es darum, Schiffe, Sand, Schotter, Sandsäcke, Hubschrauber und die Helfer in Position zu bringen, sagte eine Sprecherin des Krisenstabs. „Die Aktion kann den ganzen Tag dauern“, sagte sie. Ob das Vorhaben gelingt, könne noch niemand abschätzen.

Am Morgen verbreitete der MDR Sachsen-Anhalt auf Twitter, die Aktion sei angelaufen. Die Schiffe würden nach Fischbeck geschleppt, sechs Hubschrauberlandeplätze würden eingerichtet, 15 Hubschrauber seien im Einsatz. Der MDR-Journalist Stephan Schulz berichtete, zunächst wurden demnach Panzersperren verbaut. Diese sollen als Basis dienen. Dann werde noch ein Netz mit Steinen gespannt.

„Die Aktion ist hoch riskant“

Bei den zu versenkenden Schiffen handele es sich um drei zwischen 35 und 75 Meter lange, ausgemusterte Lastkähne, die mit Schotter beladen seien, berichteten der MDR und die „Mitteldeutsche Zeitung“. Die Lastkähne sollen von drei bemannten Schiffen an der Bruchstelle in Position gehalten werden. Die Kähne hätten einen doppelten Boden. Einer davon werde noch während der Fahrt mit Schweißbrennern entfernt, erläuterte MDR-Reporter Schulz. Danach sollen die Kähne dann gesprengt werden. Zudem würden bis zu 2000 Big Bags an der Deichbruchstelle abgeworfen.

„Die Aktion ist hoch riskant“, sagte Innenminister und Leiter des Krisenstabs der Landesregierung Holger Stahlknecht laut der „Mitteldeutschen Zeitung“. Aber: „Wenn die Aktion gelingt, ist der Deich geschlossen und kein Wasser kann von dort mehr in den Elbe-Havel-Winkel fließen.“ Koordiniert wird das Vorhaben von Jerichow aus, wie der Schulz auf Twitter schrieb.

Durch den Deichbruch bei Fischbeck strömen seit Tagen Wassermassen der Elbe ins Hinterland. Noch immer sind es nach Angaben des Krisenstabs mehrere hundert Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Zahlreiche Ortschaften mussten evakuiert werden, viele davon sind inzwischen überflutet.

Zahlreiche Bewohner mussten sich in Sicherheit bringen

Erst am Morgen ordnete der Krisenstab die Evakuierung der Ortschaften Jederitz und Kuhlhausen an. Die Bewohner wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Da der Wasserpegel nach dem Deichbruch bei Fischbeck in der Region weiter steige, müsse mit einer Überflutung der Orte gerechnet werden.

Ein Teil des Saaledeichs bei Breitenhagen im Salzlandkreis wurde am Vormittag gesprengt. Es wurde ein Loch im Deich vergrößert, damit das Hochwasser aus den überfluteten Gebieten besser in die Saale zurückfließen kann. Je nach Ergebnis könne eine zweite Sprengung erfolgen, hieß es.

Wenn die Pegelstände von Saale und Elbe weiter sinken, soll auch das Schöpfwerk in Aken im Landkreis Anhalt-Bitterfeld die Arbeit wieder aufnehmen, um weiteres Wasser aus den überfluteten Gebieten abzupumpen.

Lage in anderen Flutregionen verbessert sich

In der Hochwasserregion Prignitz in Brandenburg hat sich die Lage leicht verbessert. Sie kann aber nach Einschätzung des Krisenstabes noch nicht als entspannt bezeichnet werden. Wegen der kritischen Situation um die Elbestadt Havelberg in Sachsen-Anhalt wurde das Wehr Quitzöbel im westlichen Havelland wieder geöffnet. Dadurch kann aufgestautes Havelwasser direkt in die Elbe abfließen.

Die Bewohner von Wittenberge können seit Freitag wieder in ihre Häuser zurück. Landrat Hans Lange hob den Beschluss zur Evakuierung der Stadt wieder auf. Der Katastrophenalarm und die höchste Alarmstufe 4 bleiben jedoch noch bestehen. Die rund 1500 Bewohner der Altstadt waren am Samstagabend zum freiwilligen Verlassen ihrer Wohnungen aufgefordert worden, als die Elbe auf 7,50 Meter gestiegen war. Die Mehrheit blieb jedoch in der Stadt.

Auch die Elberegion in Mecklenburg-Vorpommern bleibt Katastrophengebiet. Die Behörden warnten zum Wochenende eindringlich vor Hochwassertourismus. Die Deiche dürften nicht betreten oder befahren werden, sagte ein Sprecher des Landkreises Ludwigslust- Parchim. Jede zusätzliche Belastung der mit Wasser vollgesogenen Dämme müsse vermieden werden.

Der Pegel Lauenburg in Schleswig-Holstein sank in der Nacht weiter. Er liege derzeit bei 9,11 Meter, wie ein Sprecher des Krisenstabs mitteilte. Der Wasserstand am Pegel Hohnstorf am gegenüberliegenden Elbufer lag am frühen Morgen bei 9,08 Meter. In der Nacht zum Freitag war er noch rund 20 Zentimeter höher. Die Elbbrücke nach Lauenburg sei am Morgen für den Verkehr wieder geöffnet worden. Die Bewohner in Lauenburg sollten auch die evakuierten Gebäude wieder betreten dürfen, teilte der Krisenstab bereits am Freitag mit. Rund 300 Bewohner der Altstadt hatten ihre Häuser am vergangenen Wochenende räumen müssen. Statiker sollen bei der Rückkehr die Gebäude genau unter die Lupe nehmen.

Quelle: n-tv.de

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