Das große Räumen nach der Flut

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

Noch herrscht Katastrophenalarm, doch im Ostkreis sind viele Menschen mit dem Aufräumen schon recht weit

bp/asb Gartow/Vietze. Im Ostkreis wünschen sich die Menschen ihren Alltag zurück: nicht mehr vom Blaulicht umgeben sein, nicht mehr auf Pegel und Prognosen schielen müssen. Einige sind mit den Aufräumarbeiten schon ziemlich weit.

Stefan Reinsch zum Beispiel. Der Pächter des Café Salix hat zusammen mit Partnerin Hannah Wilimzig und der Feuerwehr Gartow ganze Arbeit geleistet, will seit Café schon heute wiedereröffnen. Das Wasser ist raus aus dem Gastraum und weg von der Terrasse. Reinsch ist trotz des Hochwassers optimistisch. »Es ist ja nicht das erste Mal», sagt er. Völlig untergegangen ist seine Kanustation, doch auch das sei kein Drama. »Beim ersten Hochwasser war das ein Schock, diesmal haben wir vorher alles ausgeräumt», sagt er. Schwer im Magen liegen Reinsch allerdings die Auswirkungen auf den Tourismus: »Wir haben eine Woche verloren und es gab viele Stornierungen.» Ein kleiner Betrieb wie seiner habe keine finanziellen Puffer, sei darauf angewiesen, dass die Saison gut laufe. Die Auswirkung der Flut auf den Tourismus sind für viele Tourismusbetriebe ein Schlag ins Kontor. Auch deswegen ist Reinsch sauer auf die Deichverbände: »Ich hoffe, dass nicht immer nur höhere Deiche gebaut, sondern endlich mal an Rückdeichungsmaßnahmen gedacht wird.» Im Ort Gartow ist Normalität eingekehrt. Die meisten der Sandsäcke um den See herum sind schon verschwunden, stapeln sich in Quarnstedt. Viele Feuerwehren aus anderen Landkreisen sind bereits abgereist.

Auch in Vietze räumen die Hausbesitzer schon seit Donnerstag auf. Eon-Mitarbeiter inspizieren Haus für Haus die Sicherungskästen und schalten den Strom wieder ein. Auch die Abwasserentsorgung soll wohl ab heute wieder funktionieren. Für die Sperrmüllentsorgung hat die Gemeinde Höhbeck Abfallcontainer geordert. Die wird auch Marion Munk brauchen. Aus ihrem Haus ist das Wasser raus, den Holzfußboden hat sie schon herausgerissen. »Das war mal der Boden», sagt sie und deutet auf einen Stapel Holz, der an der Hauswand lehnt. Dreieinhalb Tage lange hat das Wasser 30 Zentimeter hoch darauf gestanden. Geblieben sind die Schäden und der Gestank: »Wie auf dem Fischmarkt.»

Für Michael und Bettina Bertram war es bereits das vierte Hochwasser, das ihr Haus geflutet hat. Die beiden haben zwar nach vielen Diskussionen eine Versicherung gegen Hochwasserschäden behalten dürfen, sind aber trotzdem reichlich genervt. Zehn Zentimeter hoch hat das Wasser in ihrem Haus gestanden, hat Fußböden, Möbel und nicht zuletzt ihre Nerven zerstört. Sauer sind die Eheleute über den Hochwasserschutz: »Spätestens, nachdem im Jahr 2011 klar war, dass die kleine Verwallung das Wasser nicht zurückhält, hätte etwas passieren müssen», sagt Michael Bertram. Zunächst müssen die beiden Ordnung in ihrem Haus schaffen, doch danach wollen sie auf Hochwasserschutz für das tiefer gelegene Vietze drängen.

Schon bei den Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser zeigen die unterschiedlichen Perspektiven auf den Hochwasserschutz: Nach der Elbeflut droht nun eine Diskussionsflut.

Quelle: ejz.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s