Ausgepowert, aber zufrieden

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

Zwei Bereitschaften aus Nordrhein-Westfalen hatten die längste Einsatzzeit an der Elbe

»Wir wollen noch ein bisschen Deich bauen», singen sie, und den Ohrwurm vom Holzmichel haben sie auf den »Deichmichel» umgedichtet. Die Stimmung im Containerdorf am Breeser Weg in Dannenberg ist hörbar gut, als dort am Sonnabendvormittag rund 280 Feuerwehrleute aus dem Regierungsbezirk Arnsberg im Südosten Nordrhein-Westfalens zum Abschiednehmen antreten, bevor es wieder auf den Weg nach Hause geht.

Seit der Nacht zum Freitag, dem 7. Juni, waren die Arnsberger im Einsatz an den Lüchow-Dannenberger Elbdeichen. Die zwei Bereitschaften mit Einsatzkräften aus den Kreisen Hamm, Soest und Unna sowie aus Dortmund und Ennepe-Ruhr waren im Rahmen der überörtlichen Hilfe angefordert worden. Die meisten von ihnen sind freiwillige Feuerwehrleute, also Ehrenamtliche, die ein paar Tage Dienst an der sich ausbreitenden Elbe taten, dann wieder ausgetauscht wurden – so dass unterm Strich weit mehr Arnsberger hier Hilfe geleistet haben. Und manch einer war gleich zweimal im Einsatz in der Elbtalaue. Diese länderübergreifende Kooperation ist auch eine Lehre aus dem Hochwasserjahr 2002. Man hat gelernt und neue Strukturen geschaffen, erklärt Hauke Speth, einer der beiden Bereitschaftsleiter. Deshalb seien diesmal auch mehr Feuerwehren im Einsatz. Die Arnsberger sind die mit der weitesten Anreise und die mit der längsten Einsatzzeit.

Eine solche »große Lage» kannten die Helfer aus Nordrhein-Westfalen bisher nur aus Übungen, nun wurde es ernst. »Müssen wir schaufeln oder pumpen?» war die Frage, die etwa Fabian Frenzel, Stefan Lippes oder Martin Bodyneck und ihre Kameradinnen und Kameraden auf der achtstündigen Fahrt gen Elbtalaue durch den Kopf ging: »Da war Ungewiss-heit und Anspannung.» Vor Ort – und sie waren in Neu Darchau, Penkefitz, Damnatz und Wulfsahl eingesetzt – mussten sie dann Sandsäcke verbauen. 120 000 Stück pro Tag werden es wohl gewesen sein, hat einer von ihnen überschlagen. Nun sind sie »ausgepowert und kaputt», aber auch zufrieden. Dass der zweite Notdeich in Neu Darchau, den sie errichteten, hält und der Ort nicht unter Wasser steht» das ist ein richtig gutes Gefühl». Und die Freundlichkeit der Anwohner ist für die drei Feuerwehrleute ebenfalls Grund zum Schwärmen. »Die haben für uns frischen Kuchen gebacken, dazu kalte Getränke, Melonen und Süßigkeiten gebracht.» Auch ihre Toiletten hätten die Anwohner selbstverständlich zur Verfügung gestellt. All das und dazu die großen Bettlaken mit dem Wort »Danke», die an den Fenstern hängen, »waren eine gute Motivation». Lob gibt es von den Arnsbergern auch für die Lüchow-Dannenberger Logistik: »sehr gut», Unterkunft im Container-Dorf der Bundespolizei und die Versorgung waren »hervorragend».

Nun müssen sie wieder Ordnung in den Wechsel von Tag und Nacht bringen, denn der ist durcheinander geraten. Einer der drei erzählt, dass er anfangs sofort auf 28 Stunden Dienstzeit kam: »Es ging gleich los, wir haben die Vorgänger direkt draußen am Deich abgelöst», ihre Unterkunft lernten sie erst nach dem Einsatz kennen. Und für einen anderen dauerte der Einsatz, der abends hätte enden sollen, erst am nächsten Morgen. »Und nachmittags mussten wir dann wieder raus». Zur Verabschiedung der Bereitschaft, »die es am längsten ausgehalten hat», kamen am Sonnabend auch Samtgemeindebürgermeister Jürgen Meyer und Gemeindebrandmeister Andreas Meyer. »Man kann auch zu anderen Zeiten hier herkommen», lud Meyer zum Urlauben in der Elbtalaue ein. Zur Erinnerung an den Einsatz hatte er für alle Elbtalaue-Buttons mitgebracht: »Tragen Sie ihn mit Stolz und zeigen damit: Wir haben Vorbildliches geleistet», sagte Jürgen Meyer.

Hupend und mit Sirenen-alarm machen sich die 280 Arnsberger dann in ihren 60 Großfahrzeugen und weiteren kleineren Wagen auf den Weg nach Hause. Am Tor winkt ihnen Nicole Werner zu, sie arbeitet beim Sicherheitsdienst, der das Gelände bewacht. »Die waren toll», sagt sie und atmet tief durch. Werner wohnt in Penkefitz, war aber viele Tage jetzt nicht dort und fragt sich, wie es wohl rund um ihr Dorf aussieht. Die Arnsberger waren auch dort im Einsatz.

http://www.ejz.de/index.php?&kat=50&artikel=110341936&red=28&ausgabe=

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