Archiv für Juni 15, 2013

Sachsen-Anhalt will Schiffe versenken

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Erst bricht ein Deich bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt. Dann halten auch weitere Schutzwälle nicht mehr. Das Wasser breitet sich aus. Nun soll eine Aktion Abhilfe schaffen, die klingt, als stamme sie aus dem Drehbuch eines Actionfilms.

Während das Hochwasser vielerorts zurückgeht, ist die Lage in Sachsen- Anhalt nach dem Deichbruch bei Fischbeck weiter kritisch. Dann brachen laut dem Krisenstab der Landesregierung in der Nacht zu Freitag auch noch zwei Notdeiche nördlich von Kamern. Das Wasser floss Richtung Jederitz, Kuhlhausen und Warnau. Schätzungen zufolge steht eine Fläche von rund 200 Quadratkilometern unter Wasser.

Nun wollen die Helfer mit einer spektakulären Aktion das Leck im Deich bei Fischbeck verschließen. Mehrere Schiffe sollen am Deichbruch bei Fischbeck gegen 18.00 Uhr gesprengt und versenkt werden, um die gewaltigen Wassermassen auf ihrem Weg ins Landesinnere zu stoppen. Das gewagte Manöver sollte frühmorgens beginnen. Zunächst gehe es darum, Schiffe, Sand, Schotter, Sandsäcke, Hubschrauber und die Helfer in Position zu bringen, sagte eine Sprecherin des Krisenstabs. „Die Aktion kann den ganzen Tag dauern“, sagte sie. Ob das Vorhaben gelingt, könne noch niemand abschätzen.

Am Morgen verbreitete der MDR Sachsen-Anhalt auf Twitter, die Aktion sei angelaufen. Die Schiffe würden nach Fischbeck geschleppt, sechs Hubschrauberlandeplätze würden eingerichtet, 15 Hubschrauber seien im Einsatz. Der MDR-Journalist Stephan Schulz berichtete, zunächst wurden demnach Panzersperren verbaut. Diese sollen als Basis dienen. Dann werde noch ein Netz mit Steinen gespannt.

„Die Aktion ist hoch riskant“

Bei den zu versenkenden Schiffen handele es sich um drei zwischen 35 und 75 Meter lange, ausgemusterte Lastkähne, die mit Schotter beladen seien, berichteten der MDR und die „Mitteldeutsche Zeitung“. Die Lastkähne sollen von drei bemannten Schiffen an der Bruchstelle in Position gehalten werden. Die Kähne hätten einen doppelten Boden. Einer davon werde noch während der Fahrt mit Schweißbrennern entfernt, erläuterte MDR-Reporter Schulz. Danach sollen die Kähne dann gesprengt werden. Zudem würden bis zu 2000 Big Bags an der Deichbruchstelle abgeworfen.

„Die Aktion ist hoch riskant“, sagte Innenminister und Leiter des Krisenstabs der Landesregierung Holger Stahlknecht laut der „Mitteldeutschen Zeitung“. Aber: „Wenn die Aktion gelingt, ist der Deich geschlossen und kein Wasser kann von dort mehr in den Elbe-Havel-Winkel fließen.“ Koordiniert wird das Vorhaben von Jerichow aus, wie der Schulz auf Twitter schrieb.

Durch den Deichbruch bei Fischbeck strömen seit Tagen Wassermassen der Elbe ins Hinterland. Noch immer sind es nach Angaben des Krisenstabs mehrere hundert Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Zahlreiche Ortschaften mussten evakuiert werden, viele davon sind inzwischen überflutet.

Zahlreiche Bewohner mussten sich in Sicherheit bringen

Erst am Morgen ordnete der Krisenstab die Evakuierung der Ortschaften Jederitz und Kuhlhausen an. Die Bewohner wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Da der Wasserpegel nach dem Deichbruch bei Fischbeck in der Region weiter steige, müsse mit einer Überflutung der Orte gerechnet werden.

Ein Teil des Saaledeichs bei Breitenhagen im Salzlandkreis wurde am Vormittag gesprengt. Es wurde ein Loch im Deich vergrößert, damit das Hochwasser aus den überfluteten Gebieten besser in die Saale zurückfließen kann. Je nach Ergebnis könne eine zweite Sprengung erfolgen, hieß es.

Wenn die Pegelstände von Saale und Elbe weiter sinken, soll auch das Schöpfwerk in Aken im Landkreis Anhalt-Bitterfeld die Arbeit wieder aufnehmen, um weiteres Wasser aus den überfluteten Gebieten abzupumpen.

Lage in anderen Flutregionen verbessert sich

In der Hochwasserregion Prignitz in Brandenburg hat sich die Lage leicht verbessert. Sie kann aber nach Einschätzung des Krisenstabes noch nicht als entspannt bezeichnet werden. Wegen der kritischen Situation um die Elbestadt Havelberg in Sachsen-Anhalt wurde das Wehr Quitzöbel im westlichen Havelland wieder geöffnet. Dadurch kann aufgestautes Havelwasser direkt in die Elbe abfließen.

Die Bewohner von Wittenberge können seit Freitag wieder in ihre Häuser zurück. Landrat Hans Lange hob den Beschluss zur Evakuierung der Stadt wieder auf. Der Katastrophenalarm und die höchste Alarmstufe 4 bleiben jedoch noch bestehen. Die rund 1500 Bewohner der Altstadt waren am Samstagabend zum freiwilligen Verlassen ihrer Wohnungen aufgefordert worden, als die Elbe auf 7,50 Meter gestiegen war. Die Mehrheit blieb jedoch in der Stadt.

Auch die Elberegion in Mecklenburg-Vorpommern bleibt Katastrophengebiet. Die Behörden warnten zum Wochenende eindringlich vor Hochwassertourismus. Die Deiche dürften nicht betreten oder befahren werden, sagte ein Sprecher des Landkreises Ludwigslust- Parchim. Jede zusätzliche Belastung der mit Wasser vollgesogenen Dämme müsse vermieden werden.

Der Pegel Lauenburg in Schleswig-Holstein sank in der Nacht weiter. Er liege derzeit bei 9,11 Meter, wie ein Sprecher des Krisenstabs mitteilte. Der Wasserstand am Pegel Hohnstorf am gegenüberliegenden Elbufer lag am frühen Morgen bei 9,08 Meter. In der Nacht zum Freitag war er noch rund 20 Zentimeter höher. Die Elbbrücke nach Lauenburg sei am Morgen für den Verkehr wieder geöffnet worden. Die Bewohner in Lauenburg sollten auch die evakuierten Gebäude wieder betreten dürfen, teilte der Krisenstab bereits am Freitag mit. Rund 300 Bewohner der Altstadt hatten ihre Häuser am vergangenen Wochenende räumen müssen. Statiker sollen bei der Rückkehr die Gebäude genau unter die Lupe nehmen.

Quelle: n-tv.de

 

Im Kampf gegen das Hochwasser in Sachsen-Anhalt greifen die Einsatzkräfte jetzt zu ungewöhnlichen Mitteln. Um die gewaltigen Wassermassen im Landkreis Stendal auf ihrem Weg ins Landesinnere zu stoppen, werden zwei Lastkähne vor einem gebrochenen Deich in der Elbe versenkt. Sie sollen den Durchfluss bei Fischbeck schließen, wie der Krisenstab der Landesregierung mitteilte. Die geplante, höchst unkonventionelle Methode wurde seit dem frühen Samstagmorgen vorbereitet.

Weiter südlich in Breitenhagen (Salzlandkreis) wurde unterdessen ein Saaledeich gesprengt. Damit soll das Hochwasser aus den dort überfluteten Gebieten schneller zurück in den Fluss geleitet werden.

„Das Ganze ist eine große logistische Herausforderung. Die einzelnen Schritte müssen sauber aufeinander abgestimmt werden“, hatte eine Sprecherin des Krisenstabs in der Nacht zu der Aktion bei Fischbeck mitgeteilt. Taucher der Bundeswehr untersuchten zunächst den Boden an der Bruchstelle des Deichs. Danach wurden Panzersperren auf dem Grund des Flusses verankert. Außerdem sollten große Netze mit Basaltsteinen ausgebreitet werden.

Lastkähne werden an die richtige Stelle gebracht

Wann die Sprengung erfolgt, war noch nicht klar. Die beiden Lastkähne – sogenannte Schuten ohne eigenen Antrieb – müssten zunächst von einem Schubschiff an die richtige Stelle gefahren werden. Nach der Sprengung sollen von einem Hubschrauber abgeworfene Säcke mit Sand und Steinen die Lücke im Deich zusätzlich schließen. Die Aktion könnte den Angaben zufolge den ganzen Tag dauern. Es gebe auch keine Gewissheit, ob sie gelinge.

Die Sprengung des Saaledeichs bei Breitenhagen (Salzlandkreis) wurde als Erfolg verbucht. Es werde noch eine zweite Sprengung geben, um das Loch im Deich zu vergrößern, hieß es – wann, war noch unklar.

Während in einigen Teilen des Landes bereits die Aufräumarbeiten laufen, ist in anderen die Lage weiter höchst angespannt. Nach dem schon einige Tage zurückliegenden Deichbruch bei Fischbeck forderte der Krisenstab am Samstag auch die Menschen in den Ortschaften Jederitz und Kuhlhausen auf, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Zuflucht würden die Betroffenen etwa in Havelberg finden. Den Angaben zufolge stünden mehr als 900 Notbetten in dem Ort bereit.

In Magdeburg, wo die Alarmstufe 4 bereits am Freitag aufgehoben wurde, entsorgten Hunderte Helfer am Schleinufer Sandsäcke. In Halle stapelt sich seit Tagen durchnässter Sperrmüll auf den Straßen. Im Burgenlandkreis wurde zumindest in den Orten Aken, Susigke, Reppichaus, Chörau, Mennewitz, Trebbichau und Obselau die Evakuierung aufgehoben, wie der Katastrophenschutzstab des Landkreises mitteilte.

Das Schöpfwerk in Aken (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) nimmt den Angaben zufolge daher vermutlich bald wieder die Arbeit auf. Weiteres Wasser könnte dann aus den überfluteten Gebieten abgepumpt werden. In Calbe (Salzlandkreis) lieferten am Samstagmorgen 14 Lastwagen Heu, Stroh und Silageballen, damit die Landwirte in der Elbe-Saale-Region ihre Tiere wieder versorgen können, wie der Landesbauernverband Sachsen-Anhalt mitteilte.

 

http://www.lvz-online.de/nachrichten/aktuell_themen/hochwasser-in-sachsen/Hochwasser-in-Mitteldeutschland/versenkte-schiffe-sollen-deichbruch-schliessen–damm-bei-breitenhagen-gesprengt/r-Hochwasser-in-Mitteldeutschland-a-193256.html

Für Wasserabfluss Saale-Deich gesprengt

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Saale

 

 Bei Breitenbach in Sachsen-Anhalt wurde Saale-Deich gesprengt. Pegel der Elbe sinkt allerorts weiter.

Andernorts müssen die Deiche halten, an der Saale bei Breitenhagen in Sachsen-Anhalt wurde am Sonnabend ein Teil des Deiches gesprengt. Damit soll das Hochwasser aus den überfluteten Gebieten schneller zurück in den Fluss geleitet werden.

Nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung wird das Ergebnis nun begutachtet. Der erste Anschein sei aber positiv. Eventuell könnte noch eine zweite Sprengung erfolgen. Wenn die Pegelstände von Saale und Elbe weiter sinken, soll auch das Schöpfwerk in Aken (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) die Arbeit wieder aufnehmen, um weiteres Wasser aus den überfluteten Gebieten abzupumpen.

Bei Fischbeck soll der gebrochene Deich mit einer außergewöhnlichen Sprengaktion gestopft werden. Zunächst werden Panzersperren am Grund verankert. Danach sollen zwei Schiffe gesprengt und versenkt werden. Sie sollen zusammen mit aus der Luft abgeworfenen Sandsäcken die Lücke im Deich schließen. Nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung in Magdeburg könnte die Aktion den ganzen Tag dauern. Es gebe keine Gewissheit, dass sie gelinge.

Durch den Deichbruch bei Fischbeck strömen seit Tagen Wassermassen der Elbe ins Hinterland. Noch immer sind es nach Angaben des Krisenstabs mehrere hundert Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Inzwischen sei Schätzungen zufolge eine Fläche von rund 200 Quadratkilometern überflutet. Zahlreiche Ortschaften mussten evakuiert werden, viele davon stehen inzwischen unter Wasser.

Weitere Orte evakuiert

Erst am Morgen ordnete der Krisenstab die Evakuierung der Ortschaften Jederitz und Kuhlhausen an. Die Bewohner wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Da der Wasserpegel nach dem Deichbruch bei Fischbeck in der Region weiter steige, müsse mit einer Überflutung der Orte gerechnet werden.

Aber für die meisten Elbanlieger entspannt sich die Lage zusehends. In Hitzacker (Kreis Lüchow-Dannenberg) und Neu Darchau (Landkreis Lüneburg) hielten die Deiche auch in der Nacht zum Samstag. Bis auf einen kurzen Stillstand in der Nacht sinke der Pegelstand der Elbe stetig, wenn auch nur langsam, teilte der Landkreis Lüchow-Dannenberg mit.

Innerhalb von zwölf Stunden falle die Wasseroberfläche um etwa sieben Zentimeter. „Hauptaufgabe ist es jetzt, die Deiche weiter zu beobachten und ihre Standfestigkeit zu überprüfen“, berichtete die Kreisverwaltung. In Vietze bei Gorleben seien bereits fast alle Häuser wieder mit Strom versorgt. Ein Sprecher des Landkreises berichtete: „In der Nacht gab es keine besonderen Vorkommnisse.“

Nach Angaben der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sank der Pegelstand in Hitzacker seit Mitternacht bis zum Mittag merklich um zehn Zentimeter von 7,60 Meter auf 7,50 Meter. In Bleckede (Landkreis Lüneburg) betrug der Wasserstand am Mittag 11,37 Meter – acht Zentimeter weniger als noch um Mitternacht.

Die wichtige Brücke in Richtung Lauenburg an der Grenze zu Schleswig-Holstein sei in der Nacht wieder geöffnet worden, sagte ein Sprecher des Katastrophenstabs für den Landkreis Lüneburg. Auf der anderen Flussseite in Lauenburg kehrten am Samstagmorgen die ersten Bewohner in die evakuierte Altstadt zurück. Aus Lüchow-Dannenberg hieß es, dass die Stadtinsel Hitzacker voraussichtlich am Abend auch von Nicht-Anwohnern wieder betreten werden dürfe. Dort war die Evakuierung der Insel bereits am Freitagmorgen aufgehoben worden.

Entwarnung für das Elbe-Hochwasser in Niedersachsen gibt es allerdings noch nicht. An vielen Pegeln seien die Wasserstände noch ähnlich hoch wie bei den Hochwassern 2002 und 2011

http://www.bz-berlin.de/aktuell/deutschland/fuer-wasserabfluss-saale-deich-gesprengt-article1694630.html

Bei Havelberg beginnt die Flut erst jetzt

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Havelberg

 

Die Fluten, die seit dem Deichbruch von Fischbeck (Sachsen-Anhalt) nahe Brandenburg in das Gebiet südlich der Stadt Havelberg fließen, sind enorm. Selbst Kamern, ein Ort acht Kilometer von der Elbe entfernt, ist bedroht. Die Bundeswehr versucht, das Elbewasser umzulenken und reißt dabei sogar Straßen auf. Auch das Umspannwerk in Sandau ist nicht sicher vor dem Wasser. Sollte das Werk abgeschaltet werden, ist der gesamte Elbe-Havel-Winkel einschließlich der Stadt Havelberg ohne Energieversorgung.

HAVELBERG/KAMERN. Die Einheimischen nennen sie Seekurve, und nie war ein Spitzname treffender: Die Landstraße, die in Sachsen-Anhalt Wulkau und Kamern verbindet, ist zur Hälfte überströmt. Während Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks versuchen, den Ort Kamern mit Deichen zu sichern, fahren etwa zwei Kilometer weiter Pionierpanzer der Bundeswehr im Akkord. Sie zerstören planmäßig die Fahrbahn, reißen den Straßendamm regelrecht ein, um das Elbewasser an dieser Stelle in die Havelpolder umzulenken. Doch der Anstieg der Fluten, die seit dem Deichbruch von Fischbeck in das Gebiet südlich der Stadt Havelberg fließen, ist enorm. „Das Wasser steigt gegenwärtig um 15 Zentimeter pro Stunde“, erläutert Daniel Decker vom Landesverbindungskommando Sachsen-Anhalt der Bundeswehr. Die Pioniere aus der Havelberger Kaserne ziehen noch eine Art Flutmulde, um dem Wasser die beabsichtigte Richtung zu geben, dann rücken sie ab – zu gefährlich.

Auf dem Rückweg ist die „Seekurve“ bereits völlig überschwemmt. Das Wasser stürzt glucksend die Straßenböschung in den Kiefernwald hinunter. Es kommt aus dem Kamernschen See, einer Art Ausbuchtung des Trübengrabens. Normalerweise liegt der See mehrere hundert Meter von der Straße entfernt. Er führt jetzt nur noch Elbewasser. Der Fluss liegt eigentlich sechs bis acht Kilometer von hier entfernt.

In Warnau haben Susan und Remo Genz alles getan, was sie tun konnten, um das 250-Einwohner-Dorf zu sichern. „Vor der Havel haben wir keine Angst, aber vor dem Elbewasser aus dem Trüben“, sag Susann Genz. Sie und ihr Mann haben bei einem Busunternehmen im völlig überfluteten Schönhausen gearbeitet. Bis zum Montag hielten sie die Verbindung zu Kollegen und Bekannten noch per Smartphone. Inzwischen wissen sie nicht, wie es den Freunden dort geht. Die Ungewissheit ist groß in diesen Tagen. Auch Sabine Husung aus Warnau weiß nicht, wie sie es richtig machen soll. „Ich war schon bei Bekannten in Havelberg untergekommen, aber dann hieß es, so schlimm wird es doch nicht, und ich bin zurückgekommen“, sagt die Frau und blickt auf die überschwemmten Wiesen und den sandsackbewehrten Deich davor.
Auf der Havelbrücke, die bei Strodehne Sachsen-Anhalt mit Brandenburg verbindet, halten sich Ralf Wellig und Markus Arenz bereit, eine Funkstation aufzubauen. Die Malteser-Helfer aus Leverkusen sollen die Kommunikation der Rettungskräfte für den Fall sichern, dass das Umspannwerk im knapp 20 Kilometer entfernten Sandau überschwemmt wird und ausfällt. Es geht das Gerücht, dass das Werk abgeschaltet werden muss, um es zu sichern. Sollte das geschehen, wäre der gesamte Elbe-Havel-Winkel einschließlich der Stadt Havelberg ohne Energieversorgung.

Für diesen Fall haben Jürgen Christmann und seine 140 Mitarbeiter von der DRK-Landesverstärkung Hessen vorgesorgt. Zumindest die Notaufnahme in der Grundschule „Am Eichenwald“ in Havelberg kann so weiter versorgt werden. Vom DRK-Bundesverband hat Christmann vorsorglich weitere Aggregate geordert. Sie werden von Berlin-Schönefeld aus nach Havelberg gebracht. 3000 Portionen Essen können die hessischen Freiwilligen pro Tag zubereiten. „Jetzt geht’s grad’“, sagt Christmann. „Aber heut’ Nacht, als die Hubschrauber die Evakuierten brachten, ging’s hier zu, wie aufm Frankfurter Flughafen.“

Inzwischen ist für 8000 Menschen die Zwangsevakuierung angeordnet worden. 3500 wollen laut Krisenstab in Magdeburg in den Orten bleiben. Sprecherin Anke Reppin sagt, das Wasser fließt bei Kamern noch nicht, wie es soll, aber das Umspannwerk sei sicher. Zuverlässige Aussagen sind in diesen Tagen Mangelware.

http://www.maz-online.de/Region/Brandenburg/Bei-Havelberg-beginnt-die-Flut-erst-jetzt

Ausgepowert, aber zufrieden

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

Zwei Bereitschaften aus Nordrhein-Westfalen hatten die längste Einsatzzeit an der Elbe

»Wir wollen noch ein bisschen Deich bauen», singen sie, und den Ohrwurm vom Holzmichel haben sie auf den »Deichmichel» umgedichtet. Die Stimmung im Containerdorf am Breeser Weg in Dannenberg ist hörbar gut, als dort am Sonnabendvormittag rund 280 Feuerwehrleute aus dem Regierungsbezirk Arnsberg im Südosten Nordrhein-Westfalens zum Abschiednehmen antreten, bevor es wieder auf den Weg nach Hause geht.

Seit der Nacht zum Freitag, dem 7. Juni, waren die Arnsberger im Einsatz an den Lüchow-Dannenberger Elbdeichen. Die zwei Bereitschaften mit Einsatzkräften aus den Kreisen Hamm, Soest und Unna sowie aus Dortmund und Ennepe-Ruhr waren im Rahmen der überörtlichen Hilfe angefordert worden. Die meisten von ihnen sind freiwillige Feuerwehrleute, also Ehrenamtliche, die ein paar Tage Dienst an der sich ausbreitenden Elbe taten, dann wieder ausgetauscht wurden – so dass unterm Strich weit mehr Arnsberger hier Hilfe geleistet haben. Und manch einer war gleich zweimal im Einsatz in der Elbtalaue. Diese länderübergreifende Kooperation ist auch eine Lehre aus dem Hochwasserjahr 2002. Man hat gelernt und neue Strukturen geschaffen, erklärt Hauke Speth, einer der beiden Bereitschaftsleiter. Deshalb seien diesmal auch mehr Feuerwehren im Einsatz. Die Arnsberger sind die mit der weitesten Anreise und die mit der längsten Einsatzzeit.

Eine solche »große Lage» kannten die Helfer aus Nordrhein-Westfalen bisher nur aus Übungen, nun wurde es ernst. »Müssen wir schaufeln oder pumpen?» war die Frage, die etwa Fabian Frenzel, Stefan Lippes oder Martin Bodyneck und ihre Kameradinnen und Kameraden auf der achtstündigen Fahrt gen Elbtalaue durch den Kopf ging: »Da war Ungewiss-heit und Anspannung.» Vor Ort – und sie waren in Neu Darchau, Penkefitz, Damnatz und Wulfsahl eingesetzt – mussten sie dann Sandsäcke verbauen. 120 000 Stück pro Tag werden es wohl gewesen sein, hat einer von ihnen überschlagen. Nun sind sie »ausgepowert und kaputt», aber auch zufrieden. Dass der zweite Notdeich in Neu Darchau, den sie errichteten, hält und der Ort nicht unter Wasser steht» das ist ein richtig gutes Gefühl». Und die Freundlichkeit der Anwohner ist für die drei Feuerwehrleute ebenfalls Grund zum Schwärmen. »Die haben für uns frischen Kuchen gebacken, dazu kalte Getränke, Melonen und Süßigkeiten gebracht.» Auch ihre Toiletten hätten die Anwohner selbstverständlich zur Verfügung gestellt. All das und dazu die großen Bettlaken mit dem Wort »Danke», die an den Fenstern hängen, »waren eine gute Motivation». Lob gibt es von den Arnsbergern auch für die Lüchow-Dannenberger Logistik: »sehr gut», Unterkunft im Container-Dorf der Bundespolizei und die Versorgung waren »hervorragend».

Nun müssen sie wieder Ordnung in den Wechsel von Tag und Nacht bringen, denn der ist durcheinander geraten. Einer der drei erzählt, dass er anfangs sofort auf 28 Stunden Dienstzeit kam: »Es ging gleich los, wir haben die Vorgänger direkt draußen am Deich abgelöst», ihre Unterkunft lernten sie erst nach dem Einsatz kennen. Und für einen anderen dauerte der Einsatz, der abends hätte enden sollen, erst am nächsten Morgen. »Und nachmittags mussten wir dann wieder raus». Zur Verabschiedung der Bereitschaft, »die es am längsten ausgehalten hat», kamen am Sonnabend auch Samtgemeindebürgermeister Jürgen Meyer und Gemeindebrandmeister Andreas Meyer. »Man kann auch zu anderen Zeiten hier herkommen», lud Meyer zum Urlauben in der Elbtalaue ein. Zur Erinnerung an den Einsatz hatte er für alle Elbtalaue-Buttons mitgebracht: »Tragen Sie ihn mit Stolz und zeigen damit: Wir haben Vorbildliches geleistet», sagte Jürgen Meyer.

Hupend und mit Sirenen-alarm machen sich die 280 Arnsberger dann in ihren 60 Großfahrzeugen und weiteren kleineren Wagen auf den Weg nach Hause. Am Tor winkt ihnen Nicole Werner zu, sie arbeitet beim Sicherheitsdienst, der das Gelände bewacht. »Die waren toll», sagt sie und atmet tief durch. Werner wohnt in Penkefitz, war aber viele Tage jetzt nicht dort und fragt sich, wie es wohl rund um ihr Dorf aussieht. Die Arnsberger waren auch dort im Einsatz.

http://www.ejz.de/index.php?&kat=50&artikel=110341936&red=28&ausgabe=

Die Spree hinunter

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Spree

von Sandra Dassler

An der Quelle werden nur die Füße nass, später sind die Schäden zu besichtigen, die das Hochwasser hinterlassen hat. Auf einer Reise vom Berg Kottmar bis nach Berlin ist zu erleben, wie Anwohner anpacken – und manchmal noch auf heißen Kaffee warten.

Woll’n wir die Berliner foppen, tun wir uns’ren Quell verstopfen“ – so in etwa könnte man den alten Oberlausitzer Spruch ins Hochdeutsche übersetzen. In den vergangenen zwei Wochen hätten sich viele Menschen entlang der Spree gewünscht, dass die Quelle des Flusses zumindest für ein paar Tage verstopft worden wäre. Doch das wäre gar nicht so einfach, wie die Bäckersfrau in Kottmarsdorf, einem kleinen Ort zwischen Bautzen und Löbau, verrät. „Zur Spreequelle wollen Sie?“, lächelt sie vielsagend: „Zu welcher denn? Es gibt nämlich mindestens drei Quellen. Am schönsten ist aber die am Kottmar.“

Auf jeden Fall ist die Quelle am Berg Kottmar die höchstgelegene, auf 478 Metern über dem Meeresspiegel.

Nasse Füße bekommt man auf dem Weg zu ihr trotzdem. Denn obwohl bereits 1921 eine halbkreisförmige Steinmauer um das unter dem vergoldeten Schriftzug „Spreequelle“ aus dem Felsen sprudelnde Nass errichtet wurde, läuft das Wasser über. Bahnt sich den Weg auf kleinen Pfaden durch den feuchten Wald, das Murmeln weiter oben und Rauschen weiter unten wird nur vom Zwitschern der Vögel übertönt.

Noch weiter unten, wo die ersten Häuser des Dorfes an den Waldrand stoßen, endet die Idylle abrupt. In allen Höfen und Häusern sind die Bewohner mit Aufräumen beschäftigt. „Unser Keller ist überflutet“, sagt eine junge Frau. „Das Wasser kam hier überall runtergeschossen.“ Ein Gemeindearbeiter in orangefarbener Weste versucht, die Regenrinne an der Straße wieder herzurichten, während Annelies Häntsch die Splitter vom Stamm der 1871 gepflanzten Friedenseiche aufsammelt. „Ich stand direkt daneben, als der Blitz einschlug“, sagt die 75-Jährige. Und erklärt, dass die Schäden hier nicht vom Hochwasser stammen, sondern von einem Unwetter am vergangenen Sonntag, das nicht nur Wolkenbruch, Starkregen und Gewitter brachte, sondern so viel Eishagel, dass sogar ein Schneepflug ausrücken musste.

Etwa 50 Kilometer flussabwärts schaut Herbert Kieschnick besorgt auf einen Bootsanlegesteg an der Talsperre Bautzen. „Der steht seit Tagen unter Wasser“, sagt er. „Wir können nicht raus.“ Kieschnick ist mit seinen 79 Jahren das älteste Mitglied im Seesportclub Bautzen und repariert ein paar kleinere Schäden, die das Hochwasser angerichtet hat. „Es hält sich alles in Grenzen“, sagt er, „kein Vergleich zu den Katastrophen anderswo.“

Die Leute hier haben herzlich gelacht, als in Brandenburg und Berlin die Nachricht verbreitet wurde, dass die Talsperre Bautzen defekt sei und das Wasser unkontrolliert herausfließe. „Wir haben eine Überlaufanlage“, erklärt Talsperrenchef Sebastian Fritze. „Wenn wir einen Meter über dem Normalwert sind, können darüber bis zu 225 Kubikmeter pro Sekunde abfließen. Wir haben aber nur 70 Kubikmeter pro Sekunde abgegeben und das auch nur vom 1. bis zum 7. Juni.“ Die Überlaufanlage wurde bisher nur dreimal genutzt: während der Hochwasser 1981, 2010 und jetzt. Momentan liege der Wasserspiegel in der Talsperre nur noch 28 Zentimeter über dem Normalwert, fast kann man in Bautzen Entwarnung geben.

Dass dies weiter flussabwärts ganz anders ist, erklärt Talsperrenchef Fritze mit den zahlreichen Nebenflüssen. Auf ihrem Weg vom nördlichen Sachsen ins südliche Brandenburg hat die Spree jedenfalls unzählige Felder, Gärten, Radwege und Straßen überschwemmt. „Unser Haus blieb verschont, wir haben nochmal Glück gehabt“, sagt Marlen Waschnick, die in Spreewitz an der sächsisch- brandenburgischen Landesgrenze gerade Sandsäcke wegräumt.

Dieses „Wir haben nochmal Glück gehabt“ hört man auch in Spremberg sehr häufig. Zwar standen dort einige Straßen, Wohn- und Geschäftshäuser sowie Gaststätten unter Wasser, der Großteil der Stadt blieb aber trocken. Zwischenzeitlich sah es anders aus, Notdeiche wurden errichtet, die Nerven lagen so blank, dass Sprembergs Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) den Vorwurf erhob, man würde Spremberg für Cottbus, die nächste Stadt an der Spree, opfern. Zwischen den Städten liegt die Talsperre Spremberg, wo man laut Schulze erst auf grünes Licht aus Cottbus gewartet habe, bevor man die Ablassmenge erhöhte. Durch den Rückstau habe sich die Situation in Spremberg verschärft.

Der Oberbürgermeister von Cottbus, Frank Szymanski (SPD), hat den Vorwurf als Wahlkampfgetöse abgetan und ansonsten genug mit eigenen Problemen zu tun. 25 Kilometer lang fließt die Spree durch die Stadt, und die alten Deiche müssen seit fast zehn Tagen einem ungeheuren Druck standhalten. 3000 Bäume sollen nun dem Fluss entlang gefällt werden, damit sie bei einem möglichen nächsten Hochwasser nicht zu Treibgut werden – schon gab es in Cottbus erste Demonstrationen gegen die Fällungen.

Überall warnen Schilder vor dem Betreten der Deiche, aber viele Menschen sind unvernünftig. Im Ortsteil Maiberg schaut sich eine Frau verstohlen um, bevor sie ihr Fahrrad am Verbotsschild vorbeischiebt. Die teure Sportkleidung verrät, dass sie öfter mit dem Rad unterwegs ist. Ein paar Meter schiebt sie, dann steigt sie in die Pedalen. Für die Maiberger ist das mehr als verantwortungslos: „Die bringt ja nicht nur sich selbst in Gefahr“, sagt eine Anwohnerin, „sondern unser ganzes Dorf und das Renaturierungsgebiet.“

Vattenfall hat die Cottbuser Spree zwischen den Ortsteilen Döbbrick und Schmogrow in den vergangenen Jahren renaturiert, um die Stilllegung der Lakomaer Teiche auszugleichen, die dem Tagebau Cottbus-Nord zum Opfer fielen. Hier sei eine herrliche Landschaft entstanden, sagt die Verkäuferin im Imbisswagen „Zum Aueroxen“, aber das Hochwasser habe einiges kaputtgemacht – wohl auch ihre Stromleitung. „Heißer Kaffee geht heute leider nicht“, sagt sie bedauernd zu einer Radwandergruppe aus Holland.

Im wenige Kilometer hinter Cottbus beginnenden Spreewald ging in der vergangenen Woche noch viel weniger. Weil die Talsperre Spremberg so viel Wasser abgab, das dann mit hoher Geschwindigkeit durch die Spreewaldfließe strömte, sperrte das Landesamt für Bauen und Verkehr erst den Unterspreewald und später auch den Oberspreewald für jeglichen Bootsverkehr. Proteste der Fährleute, die das für übertrieben hielten und nach dem kalten April und verregneten Mai weitere finanzielle Einbußen befürchteten, halfen nichts. Erst seit Freitag ist das Kahnfahren im Spreewald wieder möglich, wenn auch nur eingeschränkt.

„Hoffentlich denken die Touristen nicht, dass das Hochwasser uns hier noch Wochen beschäftigen wird“, sagt der Vorsitzende der Lübbenauer Kahnfährleute, Steffen Franke. „Das ist hier nicht wie nach einem Tsunami, wir müssen nicht aufräumen, kein Tourist muss also seinen Urlaub im Spreewald verschieben.“ Es sei denn, er fürchtet das aus den Braunkohletagebauen stammende Eisenhydroxid, das die Spree braun färbt.

Wie sich das Hochwasser darauf auswirkt, ist noch völlig unklar. Einiges wird sich im Spreewald absetzen, das meiste aber über die Umflutungsstrecken weiter in Richtung Berlin treiben. „Es wird jedenfalls nicht zu einer großen ökologischen Katastrophe führen“, sagt Matthias Freude: „Vielleicht kommt etwas bis zum Müggelsee, vielleicht sogar ein klein wenig bis Köpenick, wir werden das sehr genau beobachten“. Freude ist der Chef des brandenburgischen Umweltamts. Geboren aber ist er in Sachsen – ganz in der Nähe einer der drei Spreequellen.

Quelle: tagesspiegel.de

Keine Entwarnung trotz sinkender Pegel

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Auch wenn die Pegelstände in Deutschlands Hochwassergebieten sinken, drohen aufgeweichte Deiche weiter zu brechen. Mancherorts belasteten auch Regenschauer die Deiche zusätzlich. In Sachsen-Anhalt standen nach wie vor mehr als 200 Quadratkilometer unter Wasser – eine Fläche mehr als doppelt so groß wie der Chiemsee in Bayern. Im niederbayerischen Deggendorf an der Donau zeigte sich Bundespräsident Joachim Gauck am Freitag voller Bewunderung für die vielen tausend Helfer und sprach Betroffenen Mut zu. Der Vorstandschef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, geht von einem Schaden von „mehreren hundert Millionen Euro“ für das Unternehmen aus.

Die Versicherungen rechnen mit höheren Sachschäden als beim Hochwasser im August 2002. dpa

Quelle: tagesspiegel.de

Zwischen Hoffen und Bangen

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Das Hochwasser geht in weiten Teilen Deutschlands zurück. In Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt bleibt die Lage angespannt

Trotz sinkender Pegelstände in den Hochwassergebieten besteht wegen weicher Deiche nach wie vor die Gefahr von Dammbrüchen. Mancherorts belasteten auch Regenschauer die Deiche der Elbe zusätzlich. Die Bewohner der Altstadt-Insel von Hitzacker in Niedersachsen durften am Freitag in ihre Häuser zurück, für die Menschen in Lauenburg in Schleswig-Holstein blieb eine Rückkehr weiter ungewiss. In Sachsen-Anhalt standen nach wie vor viele Dutzend Quadratkilometer unter Wasser. Bundespräsident Joachim Gauck zeigte sich am Freitag bei einem Besuch im bayerischen Deggendorf erschrocken über die Kraft der Wassermassen, die er vom Hubschrauber aus sehen konnte.

Auch die vom Hochwasser betroffenen Anwohner imponierten Gauck: „Das Allerbeeindruckendste ist aber: Du schaust die Menschen an – die sind total erschöpft, aber nicht traurig. Die sind innerlich bewegt.“

Die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände und der Bundesorganisationen der Feuerwehren dankte in einer Mitteilung allen Helfern. „Sie haben die Not der betroffenen Menschen gelindert und noch Schlimmeres verhindert – dafür gebührt Ihnen unsere Hochachtung!“ Allein bei den Freiwilligen, Berufs- und Werkfeuerwehren seien mehr als 82 000 Menschen im Einsatz gewesen.

Der Vorstandschef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, bezifferte unterdessen den durch das Hochwasser entstandenen Schaden auf „mehrere hundert Millionen Euro“. Die Kosten für Reparaturen an Gleisen und Brücken müssten allerdings noch ermittelt werden.

EU-Finanzkommissar Janusz Lewandowski sicherte in Brüssel den Flutopfern in Deutschland zügige Hilfen zu. Voraussetzung sei, dass die Schäden erfasst und ein Antrag auf Hilfe aus dem Europäischen Solidaritätsfonds gestellt werde. Der Vorsitzende des Ausschusses für Haushaltskontrolle im Europäischen Parlament, Michael Theurer (FDP), rechnete laut Mitteilung mit bis zu 500 Millionen Euro der EU. Am Donnerstag hatten Bund und Länder einen Hilfsfonds von etwa acht Milliarden Euro beschlossen.

Landesweit sanken in Sachsen-Anhalt die Pegelstände von Elbe und Saale. In Magdeburg sollte am Freitag wieder an allen Schulen Unterricht sein. Sämtliche Bewohner konnten inzwischen in ihre Häuser zurück. Im Landkreis Stendal im Norden von Sachsen-Anhalt, wo bisher ein rund 200 Quadratkilometer großes Gebiet unter Wasser stand und Tausende ihre Wohnungen verlassen mussten, sollte nach dem Durchbruch der Landstraße 18 ein Aufklärungsflug zeigen, wo das Wasser über Nacht hingeflossen ist.

Auch in Lauenburg (Schleswig-Holstein) war die Elbe weiter auf dem Rückzug. Am Freitag wollten Einsatzkräfte damit beginnen, Pumpen in die Altstadt zu schaffen, um sie vom Wasser zu befreien. Wann die rund 300 Bewohner wieder in ihre Häuser können, blieb zunächst unklar. Am Pegel in Lauenburg wurden am Vormittag 9,31 Meter gemessen – zehn Zentimeter weniger als am Donnerstagabend. Normalerweise beträgt der Wasserstand rund 4,80 Meter.

Im Norden Brandenburgs ging das Wasser weiter zurück. Am Freitagmorgen wurde in Wittenberge ein Pegelstand von 7,17 Metern gemessen, etwa 60 Zentimeter weniger als noch drei Tage zuvor, die Evakuierung wurde aufgehoben. Trotzdem gebe es noch keine grundsätzliche Entwarnung, weil das Wasser nach wie vor stark auf die Deiche drücke. Die Hochwassergefahr könne noch etwa eine Woche andauern, hieß es. Im Spreewald durften ab Freitagnachmittag die Kahnfährleute wieder Touristen an Bord nehmen, wenn auch nur auf ausgewiesenen Routen. Die zugelassenen Strecken werden den Kahnfährhäfen mitgeteilt, in Burg, Lübbenau, Lübben und anderswo können Touristen wieder auf Tour gehen. Das individuelle Paddeln oder Kanufahren ist nach wie vor verboten.

Der Katastrophenalarm in Mecklenburg-Vorpommern soll trotz sinkender Pegelstände in Dömitz und Boizenburg erst nächste Woche aufgehoben werden. Voraussichtlich am Dienstag könnten die Schulen wieder öffnen und die Schulbusse wieder fahren. Auch das Krankenhaus in Boizenburg war am Freitag noch geschlossen. Der Wasserstand der Elbe sank trotz teils ergiebiger Regenfälle in der Nacht zum Freitag weiter. dpa/das

Quelle: tagesspiegel.de

 

Kehren Flutopfer in ihre Häuser zurück, wollen sie schnell mit dem Aufräumen beginnen: Doch wer durch das Wasser watet oder durch stark beschädigte Räume läuft, bringt sich leicht in tödliche Gefahr. Von Simone Andrea Mayer

Das große Aufräumen nach dem Hochwasser beginnt vielerorts. Doch Betroffene dürfen im Übereifer nicht unvorsichtig werden – wie der Fall eines Mannes in Sachsen-Anhalt zeigt. Der 61-Jährige wollte seinen Keller auspumpen, der bei der Flut vollgelaufen war.

Doch bei Arbeiten an einer elektrischen Anlage erlitt er einen tödlichen Stromschlag. Und das ist nicht die einzige Gefahr in überschwemmten Häusern – sogar Knallgasexplosionen sind möglich. Das alles kann passieren:

Stromschlag

Bewohner und Helfer dürfen keine überschwemmten Räume betreten, wenn noch Spannung auf dem Stromnetz ist und Geräte eingeschaltet sind. Kommen Betroffene nicht an den Hauptverteilerkasten heran, weil dieser etwa im überschwemmten Keller liegt, müssen sie den Energieversorger anrufen, erläutert Sicherheitsexperte Thomas Raphael vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Der Versorger stelle dann den Strom ab.

Denn selbst wenn Hausbesitzer es schaffen könnten, den Schalter im Hauptverteilerkasten zu betätigen, droht weiterhin Gefahr: Die Drähte, über die der Strom von den Außenleitungen zum Verteilerkasten fließt, stehen noch immer unter Spannung. Das sei auch so, wenn man den Strom nur am Sicherungskasten, nicht aber am Hauptverteilerkasten abstellt, erklärt Raphael. Auch zwischen beiden gibt es unter Spannung stehende Verbindungen.

„Kein Problem ist das, wenn der Verteilerkasten im Trockenen, etwa unter dem Dach, liegt“, sagt der Experte. „Dann schalte ich dort jene Abschnitte ab, die in den Keller führen.“ Betroffenen rät Raphael, sich vor ihrer Rückkehr in die Häuser beim Stromversorger zu erkundigen, ob dieser die Versorgung – noch immer – gekappt hat.

Aber selbst dann droht die Gefahr noch: Denn scheint die Sonne auf die Solarmodule auf dem Dach, stehen im überfluteten Keller Wechselrichter und Anschlusskasten der Anlage unter Spannung. Darauf weist der TÜV Rheinland hin.

Explosion

Noch schlimmer kann es kommen, wenn sich das technische Zubehör zu den Solarpanelen auf dem Dach in einem geschlossenen und schlecht gelüfteten Raum befindet, der länger unter Wasser stand. Hier kann sich in einer chemischen Reaktion Wasser in Sauer- und Wasserstoff gespalten haben, erläutert TÜV-Experte Willi Vaaßen. Ein Funken reicht – und es kommt zu einer Explosion. Der TÜV rät daher: Rückkehrer sollten solche Räume sofort sehr gut lüften und offenes Feuer meiden. Dazu gehört auch die Zigarettenglut.

Um Explosion und Stromschlag zu vermeiden, sollte ein Elektriker die Teile der Solaranlage in der Nähe des Generators abklemmen. Ist das Wasser abgelaufen, sollte ebenfalls ein Profi Anschlusskasten und Wechselrichter kontrollieren.

Auch Elektrogeräte dürfen erst wieder an das Stromnetz, wenn sicher ist, dass die Feuchtigkeit sie nicht beschädigt hat. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rät, diese ebenfalls vom Fachmann überprüfen zu lassen – insbesondere die Heizungsanlage mit Brenner, Pumpen und die dazugehörige Regelungs- und Sicherungstechnik.

Statik

Die Räume dürfen Bewohner erst auspumpen, wenn das Hochwasser abgeflossen und der Grundwasserspiegel niedrig genug ist. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Bodenwanne des Gebäudes beschädigt wird, erklärt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Denn der Druck des Grundwassers von unten kann so groß sein, dass nur Wasser im Keller den nötigen Gegendruck bieten kann. Grundsätzliche Hinweise, dass die Statik des Hauses gefährdet ist, sind laut Verband Deutscher Sicherheitsingenieure (VDSI) Risse oder verschobene Bauteile.

Verunreinigungen und Verletzungen

Flutopfer und Helfer sollten beim Aufräumen nach der Überschwemmung wasserdichte Handschuhe tragen. Denn der Schlamm kann Fäkalien, Heizöl oder andere Giftstoffe enthalten, erläutert der VDSI. Er kommt daher besser nicht mit der Haut in Kontakt. Die Experten raten, bei groben Arbeiten zusätzlich Bauhandschuhe zu tragen.

Wenn Bewohner erkennen, dass Pflanzenschutzmittel, Lacke, Farben, Putzmittel oder Heizöl ausgelaufen sind, müssen sie die Feuerwehr verständigen. Sind Gärten oder Felder betroffen, wird auch das Landratsamt oder das Amt für Landwirtschaft darüber informiert.

Gegebenenfalls müssen Spezialfirmen die Schadstoffe entsorgen. In davon betroffenen Räumen sollten die Fenster offen stehen, niemand darf rauchen. Bindemittel für Öl benutzen Laien am besten nur in Absprache mit der Feuerwehr, rät das BBK in einer Notfallbroschüre.

Trinkwasser

Es kann sinnvoll sein, das Trinkwasser abzukochen – da die Flut möglicherweise Krankheitserreger in die Leitungen geschwemmt hat. „Einmal aufkochen reicht“, sagt Basil Al Naqib, Wassertechnik-Experte vom Technischen Hilfswerk (THW) in Bonn. Die Keime werden bei einer Temperatur von mehr als 70 Grad abgetötet.

Quelle: welt.de

Sprengmanöver gegen Hochwasser

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt ist der Kampf gegen das Hochwasser noch nicht ausgestanden. In der Ortschaft Fischbeck sollen heute zwei Schiffe gesprengt und versenkt werden, um mit den Trümmern einen Deich abzudichten. André Plaul, Magdeburg.

http://www.br.de/nachrichten/sprengmanoever-gegen-hochwasser100.html

Quelle: br.de

Mit Sand, Kraft und Einsatz – Helden der Flut

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in im Norden

Wie viele Sandsäcke von Feuerwehrleuten, von Soldaten, Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks und Freiwilligen gefüllt, geladen, entladen und verbaut wurden, das kann niemand mehr zählen. Sicher ist aber: Jeder Sandsack ging durch dutzende Hände bis er seinen Platz in den provisorischen Deichen gefunden hatte. Vor allem dieser beispielhaften Gemeinschaftsleistung ist es zu verdanken, dass das Hochwasser im Norden nicht noch schlimmere Ausmaße angenommen hat. Zwei Wochen Kampf um die Deiche, jeden Tag, jede Nacht, gehen jetzt in die Endphase.

Es ist Zeit, Danke zu sagen!

Die Hilfe hat tausend Gesichter

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Elbanwohner sagen überall „Danke!“

Die Helfer haben Großes geleistet in Gelting, und dafür bedanken sich die Einwohner. „Ganz Gelting sagt Dank an alle Helfer!“, steht auf einem Banner vor einem Haus in Gelting (Kreis Schleswig-Flensburg). „Herzlichen Dank sagt die Stadt Dannenberg und Umgebung“, verkündet ein selbstgemaltes Schild an einem Bauzaun. Inmitten der Hochwasser-Katastrophe haben die Menschen an der Elbe sich immer wieder die Zeit genommen, den Helfern ihre Anerkennung zu zeigen. Und die haben die unzähligen Einsatzkräfte sich auch redlich verdient.

Helfer von überall her

Lange Tage und Nächte, schwere Arbeit, schmerzende Glieder. Manche arbeiteten, um ihr eigenes Zuhause zu schützen, andere reisten aus ganz Niedersachsen an oder aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und anderen Bundesländern. Und dazu kamen die unzähligen Freiwilligen, die anpackten, Essen machten, organisierten, Helfer bei sich aufnahmen. In der Not haben die Menschen in beeindruckender Weise zusammengehalten. Trotz aller Schäden, die auch dieses Hochwasser wieder angerichtet hat: Diese starke Solidarität hat allen Fluten standgehalten.

Dafür auch von uns ein herzliches Dankeschön und großen Respekt an alle Helfer!

Hochwasser fließt durch Hamburg

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Hamburg

 

Der Hochwasserscheitel der Elbe hat Hamburg erreicht. „Das Wasser wird mindestens zwei Tage hoch stehen“, sagte ein Sprecher der Umweltbehörde. Ein Absinken des Pegels werde erst am Wochenende erwartet. Für die Hansestadt bestehe aber nach derzeitigem Stand keine Gefahr. Die Stadt sei ausreichend durch Deiche gesichert. In der Hafencity, der Speicherstadt und dem Überseehafen werde das Wasser voraussichtlich nur um knapp einen halben Meter steigen.

Viel Treibgut im Fluss

Im Bereich Altengamme ist das Wasser auf 6,40 Meter über Normal Null erhöht – üblich sind 2,70 Meter. Die Deiche sind dort nach Angaben der Behörde aber für Pegel von bis zu 7,80 Meter über Normal Null ausgelegt. Sorgen bereitet nur, dass die Fluten nicht schnell genug wieder abfließen und die Deiche aufweichen könnten. Die Hamburger sollten diesen Bereich in den kommenden Tagen meiden. Auch das Schwimmen oder anderer Wassersport oberhalb der Elbbrücken ist zu gefährlich: Der Fluss fließt schneller und führt verstärkt Treibgut mit sich.

Spült Elbe-Hochwasser giftige Stoffe in den Hafen?

Das Wasser der Elbe sei derzeit zudem besonders trüb, sagte der Behördensprecher. „Auf dem Weg nach Hamburg ist ganz viel aufgewirbelt worden.“ Die Hafenverwaltung sieht ebenfalls nicht die Wassermassen als Problem. Allerdings könnten durch das Hochwasser möglicherweise problematische Stoffe in den Hafen gelangen, zum Beispiel Müll und Chemikalien, die noch aus DDR-Zeiten in den Böden entlang der Elbe lagern. Diese Stoffe könnten sich in Randbereichen des Hafens abseits des Hauptstroms ablagern und seien aufwendig zu entsorgen. Nach dem Ende des Hochwassers will die HPA deshalb das Hafengebiet daraufhin genau untersuchen.

Norder- und Süderelbe teilweise für Schiffe gesperrt

Die Norder- und Süderelbe sind bereits am Sonntag ab den Elbbrücken stromaufwärts für die Binnenschifffahrt gesperrt worden. Da die Schiffe ab Geesthacht wegen des Hochwassers nicht weiterkommen und zudem die Fließgeschwindigkeit des Wassers sehr hoch sei, werden sie bei den Norder- und Süderelbbrücken gestoppt, sagte ein Sprecher der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority. Auch die Elbfähre Zollenspieker – Hoopte hat ihren Betrieb eingestellt.

Hafen wirkt wie Flussdelta

Hamburg ist bei Hochwasser in den vergangenen Jahren meistens ohne größere Schäden davongekommen, weil die Elbe bei Geesthacht in Schleswig-Holstein deutlich breiter und tiefer wird und dadurch mehr Wasser aufnehmen kann als im Elbtal davor. Die Fluten verlaufen sich danach in den weit verästelten Nebenarmen der Elbe wie in einem Flussdelta, sodass die Pegel im Hafen selbst deutlich weniger steigen. Die großen Containerterminals der Logistikunternehmen HHLA und Eurogate erwarten derzeit keine Einschränkungen durch das Hochwasser. Auch der Flugzeugbauer Airbus, der sein Werksgelände nahe der Elbe hat, sieht sich durch Deiche ausreichend geschützt.

Hamburger Helfer zurück

Derweil sind die letzten Helfer der Hamburger Feuerwehr am Donnerstag von ihrem Einsatz in den Elbe-Hochwassergebieten Sachsens und Niedersachsens zurückgekehrt. Mit 175 Feuerwehrleuten hatten die Hamburger in Amt Neuhaus (Landkreis Lüneburg) und in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden die Fluthelfer unterstützt und rund zwei Wochen gegen die steigenden Pegel angekämpft, sagte ein Feuerwehrsprecher am Freitag. Dabei sicherten sie auch eine acht Kilometer lange Deichlinie bei Bleckede (Kreis Lüneburg) und verbauten 120.000 Sandsäcke, um den Schutzwall zu erhöhen.

Benefizkonzert auf der Reeperbahn

Unter dem Motto „Elballianz“ wird es auf Initiative von Liedermacher Rolf Zuckowski und Theaterchef Corny Littmann am Sonntag, 23. Juni, ein Benefizkonzert für die Flutopfer auf der Hamburger Reeperbahn geben. Bisher haben spontan Künstler zugesagt wie Stefan Gwildis und Band, Karl Dall, Mary Roos, Sasha, Gunter Gabriel, Annett Louisan, Johannes Oerding, Bill Ramsey und Andrea Sawatzki, wie die Veranstalter am Freitag mitteilten. Außerdem werde das Ensemble des Schmidt Theaters auftreten. In Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz und unzähligen, freiwilligen Helfern vor und hinter der Bühne sollen rund um den Spielbudenplatz Spenden für die Flutopfer entlang der Elbe gesammelt werden.

http://www.ndr.de/regional/hamburg/hochwasser1337.html

Pegel sinken, aber keine Entwarnung

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Mecklenburg Vorpommern

Die Pegelstände der Elbe in Mecklenburg-Vorpommern sinken allmählich, dennoch soll der Katastrophenalarm in der Hochwasserregion erst in der nächsten Woche aufgehoben werden. Möglicherweise werde der Katastrophenabwehrstab am Montagnachmittag eine Entscheidung treffen, sagte der Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Andreas Bonin, am Freitag in Ludwigslust. Viele Unternehmer in der Region warten auf ein Ende des Katastrophenalarms, weil sie Aufträge derzeit nicht erledigen können. Voraussichtlich am Dienstag könnten die Schulen wieder öffnen und die Schulbusse wieder normal verkehren. Viele Einrichtungen in der Region sind geschlossen, weil sie hochwassergefährdet sind oder weil dort Notunterkünfte eingerichtet wurden. Die Busse werden für den Transport von Einsatzkräften benötigt oder stehen für den Evakuierungsfall bereit.

Starkregen der vergangenen Nacht ohne Folgen

Auf den Deichen lastet derweil weiterhin großer Druck. Fast überall sickert Wasser durch. An mehr als 20 Stellen gibt es sogenanntes schmutziges Wasser. Der Deich ist an diesen Stellen nicht mehr stabil und muss mit Sandsäcken verstärkt werden. Der Starkregen der vergangenen Nacht hat aber offenbar keine weiteren Schäden an den Deichen verursacht. Landrat Rolf Christiansen (SPD) warnte erneut nachdrücklich vor dem Betreten der Deiche. Die Deichwachen seien angewiesen worden, noch aufmerksamer zu sein. Christiansen mahnte, die Deiche nicht zu betreten oder mit dem Fahrrad zu befahren. Jede unnötige Belastung müsse vermieden werden.

Sellering: „Noch einige schwierige Tage“

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) besuchte am Freitag erneut das Hochwassergebiet, um sich ein Bild von der Lage zu machen. „Erfreulicherweise sinken die Pegelstände“, sagte er nach dem Besuch in und bei Dömitz. Die Deiche seien aber sehr aufgeweicht. „Deshalb haben wir noch einige schwierige Tage vor uns.“ Den Helfern sei anzumerken, dass die letzten Tage für alle mit großen Anstrengungen verbunden waren. Es werde aber weiterhin sehr engagierte Arbeit geleistet. „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagte der Regierungschef.

Höchststände wieder unterschritten

In Dömitz lag der Pegelstand am Abend bei 6,66 Meter. Damit ist der Pegel in vier Stunden um weitere vier Zentimeter gesunken. Im weiter flussabwärts gelegenen Boizenburg betrug er 6,89 Meter, acht Zentimeter weniger als am Mittag. Zu Wochenbeginn waren Höchststände von 7,21 Metern in Dömitz und 7,32 Metern in Boizenburg gemessen worden. Ausgelegt sind die Deiche für 6,80 Meter. Normalerweise ist die Elbe in beiden Städten um die zwei Meter tief. Es habe in der Nacht keine Vorkommnisse gegeben, sagte ein Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Entwarnung könne aber erst bei Wasserständen von unter 6,50 Meter gegeben werden, betonte er.

Das Technische Hilfswerk testete am Donnerstag erstmals einen Sandsack-Ersatz. Der gewaltige Schlauch aus Planen wurde mit Wasser gefüllt und dichtete so Sickerstellen ab. Ein Schlauch kann bis zu 1.200 Sandsäcke ersetzen. Neben den Deichläufern, die Tag und Nacht die Deiche auf Sickerstellen kontrollieren,

Jagd auf Biber erlaubt

Aus Sorge um die Deiche sind die streng geschützten Biber um Dömitz und Boizenburg zum Abschuss freigegeben worden. Die untere Jagdbehörde und die untere Naturschutzbehörde haben am Freitag zwei Ausnahmegenehmigungen im Hochwassergebiet erteilt. Die Genehmigungen gälten solange, bis das Hochwasser gewichen sei. Die Jäger dürften die Biber aber nur dann schießen, wenn eindeutig sei, dass die Tiere einen Deich gefährden. In der Region um Dömitz und Boizenburg leben nach Zählungen des Amtes für das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe etwa 30 Biberfamilien. Sie haben ihre Burgen normalerweise direkt am Fluss, weil sie einen Zugang unterhalb der Wasserlinie benötigen, wie Dezernatsleiterin Anke Hollerbach von dem Amt erklärte. „Aufgrund des Hochwassers mussten sie ihre Burgen aufgeben und suchen nun neue Plätze.“ Dabei gerieten auch die Deiche in ihr Blickfeld. An den Deichen des Nebenflusses Sude hätten Biber bereits an mehreren Stellen gegraben. Hollerbach hält die Abschussgenehmigungen dennoch für überflüssig. Der Platz eines geschossenen Bibers würde mit Sicherheit schnell von einem anderen eingenommen, sagte sie.

Minister: Höhere Schäden als 2002

Die Schäden der Flut werden nach Einschätzung von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) im Nordosten höher ausfallen als beim Hochwasser von 2002. Damals mussten die Deiche und andere Hochwasserschutzanlagen für 1,6 Millionen Euro repariert werden. Bei den Landwirten hätten die Behörden damals Schäden in Höhe von neun Millionen Euro festgestellt. Beim aktuellen Hochwasser wurden die Pegelstände von 2002 um 60 bis 90 Zentimeter überschritten.

Kreissprecher: Trinkwasser ist sauber

Beim Trinkwasser müssen sich die vom Elbehochwasser betroffenen Mecklenburger bislang keine Sorgen über eine mögliche Verschmutzung machen. „Die Brunnen arbeiten ohne Probleme, bisher ist kein einziger überflutet worden“, sagte der Sprecher des Landkreises, Andreas Bonin, am Freitag. Niemand müsse sein Trinkwasser abkochen. Die Wasserwerke führten regelmäßig Qualitätskontrollen durch. Das Landesgesundheitsamt in Rostock hat unterdessen Hinweise an die Bevölkerung zum richtigen Verhalten auf überfluteten Feldern und Gartenflächen herausgegeben.

1,2 Millionen Sandsäcke verbaut

Die Einsatzkräfte haben bereits rund 1,2 Millionen Sandsäcke verbaut, um die Dämme zu erhöhen und zu verstärken, Mehrere hunderttausend lägen noch bereit, sagte der Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Andreas Bonin, am Donnerstag. Sie werden zur Abdichtung der zahllosen Sickerstellen benötigt.

Noch immer führt die Elbe mehr Wasser als bei der Rekordflut im Januar 2011. „Das darf man nicht vergessen“, betonte Bonin. Der Katastrophenalarm werde aufrechterhalten. Die Hochwasserregion zwischen Dömitz und Boizenburg darf von Ortsfremden ohne Berechtigung weiterhin nicht betreten werden.

Deichwachen patrouillieren

Rund 3.000 Helfer sind am Elbeabschnitt Mecklenburg-Vorpommerns im Einsatz, darunter 1.900 Bundeswehrsoldaten. Sie verstärken jetzt auch die Deichwachen, die mit Kontrollgängen rund um die Uhr an ihre personellen Grenzen stoßen, wie Bundeswehrsprecher Klaus Brandel sagte. Auch aus der Luft seien die Deiche überprüft worden. Der stellvertretende Landrat Wolfgang Schmülling bezeichnete die Deichwachen als zurzeit „wichtigsten Rückhalt für die Region“. Nur wenn sie Schwachstellen am Deich schnell erkennen würden, könnten die Helfer noch rechtzeitig reagieren. Problematisch seien zudem die vielen Büsche und Bäume im Deichvorland. Sie reduzierten die Abflussgeschwindigkeit der Elbefluten erheblich.

Milliardenschwerer Fluthilfe-Fonds

Die Ministerpräsidenten der Länder und mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten sich am Donnerstag auf einen Fluthilfe-Fonds wird ein Volumen von voraussichtlich acht Milliarden Euro verständigt. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) kündigte an, dass sich Mecklenburg-Vorpommern an dem Hilfspaket beteiligen werde.

Der Pröpstekonvent im Kirchenkreis Mecklenburg und das Diakonische Werk riefen unterdessen die Gemeinden zu Spenden für die Flutopfer in Mitteleuropa auf. „Wir sehen das große Ausmaß der Überschwemmungen und die zerstörerischen Folgen. Viele Menschen verlieren Hab und Gut und stehen innerhalb kürzester Zeit schon wieder vor einem Neuanfang“, sagte Dirk Sauermann, Propst im Kirchenkreis Mecklenburg.

Grundwasser steht auf Ackerflächen

Das Hochwasser bringt auch den Bauern Probleme. In den Gebieten nahe der Elbe steht auf vielen Ackerflächen Wasser. Wie der Geschäftsführer des Bauernverbandes Ludwigslust, Harald Elgeti, erklärte, drückt die Elbe Grundwasser an die Oberfläche, das jetzt auf den Feldern steht. Das Ausmaß sei noch nicht abzusehen. Möglicherweise seien zur Ernte einige Flächen noch gar nicht befahrbar. Bei Roggen und Weizen leide die Qualität der Körner unter der Nässe. Bei Gerste würden bei Nässe die Ähren abfallen oder die Körner trieben am Halm neu aus. Das Getreide sei dann Sondermüll, sagte Elgeti.

155 Kilometer Deiche schützen Tausende Menschen

Das Elbehochwasser bedroht in Mecklenburg-Vorpommern rund 14.000 Menschen. Gut 10.000 leben in Boizenburg, weitere 3.200 einige Kilometer flussaufwärts in Dömitz. Rund 1.000 Menschen leben in den Dörfern entlang der Zuflüsse Elde (bei Dömitz) und Sude (bei Boizenburg), die von hereindrückendem Elbewasser und einem Rückstau der Zuflüsse ebenfalls stark gefährdet sind. Der Elbabschnitt Mecklenburg-Vorpommerns ist 21 Kilometer lang. Die Gesamtlänge der Deiche an der Elbe und ihren Zuflüssen beträgt allerdings 155 Kilometer.

http://www.ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/hochwasser1261.html

Lauenburger bereiten Rückkehr in Häuser vor

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Lauenburg

 

Freudige Nachricht für die Bewohner der vom Elbhochwasser überflutete Lauenburger Altstadt: Sie dürfen voraussichtlich heute in ihre Häuser zurückkehren. Die Vorbereitungen dafür sind gestern angelaufen, nachdem klar war, dass das Hochwasser weiter zurückgeht. Mit Hilfe von Hochleistungspumpen wurden die Fluten aus den Straßen und Häusern befördert. Spezialisten müssen noch die Gas- und Stromleitungen in der Stadt überprüfen.

Gebäude werden einzeln überprüft

Vermutlich ab 8 Uhr am Sonnabend dürfen die Bewohner ihre Häuser wieder betreten – zusammen mit Statikern. Diese überprüfen ein Gebäude nach dem anderen. Sind diese sicher, dürfen die Bewohner dort bleiben. Im Laufe des Tages sollen dann alle etwa 300 Menschen wieder in ihre Räume zurückkehren können. Laut Krisenstab bleibt das Gebiet aber für Fußgänger und Autofahrer bis auf weiteres gesperrt, zum Schutz vor Hochwasser-Touristen. Außerdem wird es strenge Hygiene-Auflagen geben. Der Krisenstab befürchtet, dass durch das verschmutzte Elbwasser Keime und Krankheitserreger in die Altstadt gelangt sind.

Keine Gefahr an den Deichen

Noch immer sind Hunderte Helfer in Lauenburg im Einsatz, unter anderem um die Deiche zu kontrollieren. Sie sind laut Krisenstab stabil – Entwarnung gibt es aber nicht. „Wir haben in Sachsen-Anhalt gesehen, wie schnell es gehen kann“, sagte Krisenstabssprecher Peter Schütt. Der Pegelstand der Elbe sinkt derzeit um etwa einen Zentimeter pro Stunde. Der Krisenstab erwartet, dass es so weitergeht. Am Morgen lag der Pegelstand in Hohnstorf gegenüber von Lauenburg bei 9,10 Metern. In Lauenburg selbst sind es stets einige Zentimeter mehr. Normal sind rund fünf Meter.

Wer zahlt die Hochwasserschäden?

Auf viele Flutopfer kommen hohe Kosten zu. Doch welche Versicherung zahlt und wer hilft, wenn keine Versicherung vorhanden ist? NDR.de beantwortet die wichtigsten Fragen. mehr

Möglich macht das der sogenannte Fluthilfe-Fonds, den Bund und Länder am Donnerstag gemeinsam vereinbart haben. Wie groß der Hilfstopf sein wird, ist noch nicht sicher. In Berliner Koalitionskreisen ist von bis zu acht Milliarden Euro die Rede. Auch die Firmen im Lauenburger Industriegebiet können auf finanzielle Hilfen hoffen, auch wenn keine größeren Schäden entstanden sind. Den Betrieben seien Kosten durch die Umlagerung von Waren und Rohstoffen entstanden, sagte Landeswirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) bei einem Ortstermin. Man sei in intensiven Gesprächen.

Debatte über Finanzierung des Hochwasserschutzes

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat die Bundesregierung aufgefordert, dauerhaft mehr Geld als bisher für den Hochwasserschutz bereitzustellen. Der SPD-Politiker sagte der „Stuttgarter Zeitung“ (Donnerstagsausgabe), der Bund müsse die Finanzierung des Hochwasserschutzes im Binnenland neu ausbalancieren und an den Küstenschutz anpassen. „Heute ist die Lastenverteilung beim Hochwasserschutz im Binnenland zu 60 Prozent beim Bund und zu 40 Prozent bei den Ländern. Beim Küstenschutz sind es 70 zu 30.“

http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/lauenburg241.html

Zurück auf die Stadtinsel

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Hitzacker

 

Behörden heben Evakuierung in Hitzacker auf – Betretungsverbot soll heute enden

rg Hitzacker. Es hat aufgehört, das Plätschern des Wassers, das durch die Hochwasserschutzwand auf die Hitzackeraner Hafenpromenade läuft. Der Elbpegel ist deutlich gesunken, der Fluss steht wieder unterhalb der Aluminium-Profile, die die Hitzackeraner Stadtinsel vor einer Überflutung durch das Rekordhochwasser der vergangenen Tage bewahrten.

Gestern hoben daher die Behörden die Evakuierung des besonders gefährdeten Teils der Elbestadt auf, und die meisten Einwohner sind auch bereits zurückgekehrt in ihre unversehrten Häuser und Wohnungen. Das Hochwasser hat die Stadt Hitzacker und seine Einwohner verschont.

Die meisten Bewohner waren mit leichtem Gepäck gereist, nur wenige hatten auch Mobiliar und Elektrogeräte in Sicherheit gebracht. Entsprechend war auch die Rückkehr in die Stadt ein recht unspektakulärer Akt. Der erste, der um 6 Uhr morgens wieder einen Fuß auf die Stadtinsel setzte, war Hitzackers Bürgermeister Holger Mertins. »Absolut richtig» gewesen sei die Evakuierung, betont er, und sie habe auch sehr gut geklappt. Nicht zuletzt, weil die Hitzackeraner die Situation mit einer Gelassenheit hingenommen hatten, die so nicht zu erwarten gewesen sei, lobte Mertins gestern Nachmittag die Ruhe, mit der die Evakuierung vonstatten gegangen war.

Heute soll auch das Betretungsverbot der Stadtinsel enden. Noch gestern durften lediglich Bewohner, Einsatzkräfte und Mitarbeiter von auf der Stadtinsel ansässigen Firmen die Polizeisperren an der Drawehnertor-Brücke und dem Parkplatz Bleichwiese passieren.

Auf ihrem Hausmüll werden die Hitzackeraner nun jedoch noch eine Weile sitzenbleiben. Die flutbedingt ausgefallene Müllabfuhr-Tour in dieser Woche werde nicht nachgeholt, heißt es aus dem Kreishaus. Nächster Abfuhrtermin: Montag, der 24. Juni.

Quelle: ejz.de

Das große Räumen nach der Flut

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

Noch herrscht Katastrophenalarm, doch im Ostkreis sind viele Menschen mit dem Aufräumen schon recht weit

bp/asb Gartow/Vietze. Im Ostkreis wünschen sich die Menschen ihren Alltag zurück: nicht mehr vom Blaulicht umgeben sein, nicht mehr auf Pegel und Prognosen schielen müssen. Einige sind mit den Aufräumarbeiten schon ziemlich weit.

Stefan Reinsch zum Beispiel. Der Pächter des Café Salix hat zusammen mit Partnerin Hannah Wilimzig und der Feuerwehr Gartow ganze Arbeit geleistet, will seit Café schon heute wiedereröffnen. Das Wasser ist raus aus dem Gastraum und weg von der Terrasse. Reinsch ist trotz des Hochwassers optimistisch. »Es ist ja nicht das erste Mal», sagt er. Völlig untergegangen ist seine Kanustation, doch auch das sei kein Drama. »Beim ersten Hochwasser war das ein Schock, diesmal haben wir vorher alles ausgeräumt», sagt er. Schwer im Magen liegen Reinsch allerdings die Auswirkungen auf den Tourismus: »Wir haben eine Woche verloren und es gab viele Stornierungen.» Ein kleiner Betrieb wie seiner habe keine finanziellen Puffer, sei darauf angewiesen, dass die Saison gut laufe. Die Auswirkung der Flut auf den Tourismus sind für viele Tourismusbetriebe ein Schlag ins Kontor. Auch deswegen ist Reinsch sauer auf die Deichverbände: »Ich hoffe, dass nicht immer nur höhere Deiche gebaut, sondern endlich mal an Rückdeichungsmaßnahmen gedacht wird.» Im Ort Gartow ist Normalität eingekehrt. Die meisten der Sandsäcke um den See herum sind schon verschwunden, stapeln sich in Quarnstedt. Viele Feuerwehren aus anderen Landkreisen sind bereits abgereist.

Auch in Vietze räumen die Hausbesitzer schon seit Donnerstag auf. Eon-Mitarbeiter inspizieren Haus für Haus die Sicherungskästen und schalten den Strom wieder ein. Auch die Abwasserentsorgung soll wohl ab heute wieder funktionieren. Für die Sperrmüllentsorgung hat die Gemeinde Höhbeck Abfallcontainer geordert. Die wird auch Marion Munk brauchen. Aus ihrem Haus ist das Wasser raus, den Holzfußboden hat sie schon herausgerissen. »Das war mal der Boden», sagt sie und deutet auf einen Stapel Holz, der an der Hauswand lehnt. Dreieinhalb Tage lange hat das Wasser 30 Zentimeter hoch darauf gestanden. Geblieben sind die Schäden und der Gestank: »Wie auf dem Fischmarkt.»

Für Michael und Bettina Bertram war es bereits das vierte Hochwasser, das ihr Haus geflutet hat. Die beiden haben zwar nach vielen Diskussionen eine Versicherung gegen Hochwasserschäden behalten dürfen, sind aber trotzdem reichlich genervt. Zehn Zentimeter hoch hat das Wasser in ihrem Haus gestanden, hat Fußböden, Möbel und nicht zuletzt ihre Nerven zerstört. Sauer sind die Eheleute über den Hochwasserschutz: »Spätestens, nachdem im Jahr 2011 klar war, dass die kleine Verwallung das Wasser nicht zurückhält, hätte etwas passieren müssen», sagt Michael Bertram. Zunächst müssen die beiden Ordnung in ihrem Haus schaffen, doch danach wollen sie auf Hochwasserschutz für das tiefer gelegene Vietze drängen.

Schon bei den Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser zeigen die unterschiedlichen Perspektiven auf den Hochwasserschutz: Nach der Elbeflut droht nun eine Diskussionsflut.

Quelle: ejz.de

 

In den Hochwassergebieten entlang der Elbe hoffen die Anwohner, dass das Schlimmste überstanden ist. Die Pegelstände sinken, doch das Wasser drückt weiterhin stark gegen die Deiche. Entwarnung gibt es deshalb noch nicht. An vielen Pegeln seien die Wasserstände noch ähnlich hoch wie bei den Hochwassern 2002 und 2011, erklärte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Die Gefahr von Dammbrüchen sei deshalb immer noch sehr hoch. Bis mindestens Anfang kommender Woche wird der Kampf gegen das Hochwasser wohl noch anhalten.

Hitzacker: Rückkehr auf Altstadtinsel

Die 220 Bewohner von Hitzackers Altstadtinsel dürfen zurück in ihre Häuser. In Niedersachsen können die Bewohner der evakuierten Altstadtinsel von Hitzacker (Landkreis Lüchow-Dannenberg) in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Der Landkreis hatte die Evakuierung am frühen Freitagmorgen aufgehoben. Der Pegelstand war in der Nacht unter die Marke von 7,76 Meter gefallen. Auf die Insel dürfen allerdings vorerst nur Einwohner und Helfer. Erst ab einem Pegelwert von 7,46 Meter dürfen auch Besucher die Altstadt betreten. Der Katastrophenstab des Landkreises geht davon aus, dass der Katastrophenalarm bis Anfang nächster Woche bestehen bleibt. Auch im Landkreis Lüneburg bleibt der Katastrophenfall weiter ausgerufen. Der Schulbetrieb werde aber bis auf Amt Neuhaus wieder aufgenommen, teilte der Kreis mit.

Auch Lauenburger dürfen wohl bald zurück

Auch in Schleswig-Holstein entspannt sich die Hochwasserlage. Am Freitag kam die gute Nachricht für die rund 300 evakuierten Bewohner der Stadt Lauenburg: Wenn alles nach Plan laufe, könnten sie ab 8 Uhr am Sonnabend in ihre Häuser zurückkehren, teilte der Krisenstab am Freitag mit. Am Nachmittag hatten Einsatzkräfte begonnen, die Altstadt mithilfe von Pumpen von den Wassermassen zu befreien. „Wir hoffen, dass wir in der Nacht fertig werden“, sagte ein Sprecher. Anschließend sollen Spezialisten die Gas- und Stromleitungen in der Stadt überprüfen. Bauexperten und Statiker prüfen unterdessen die Häuser auf Schäden. Im Laufe des Tages sollen alle Menschen wieder in ihre Wohnungen zurückgekehrt sein. Die Evakuierung der Altstadt wird wohl am Sonntag endgültig aufgehoben. Bis dahin bleibt das Gebiet für Besucher noch gesperrt.

http://www.ndr.de/regional/elbhochwasser159.html