Hochwasser in Brandenburg – Wittenberger dürfen zurück

Veröffentlicht: Juni 14, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Die Wittenberger dürfen in ihre Häuser zurück. Der Evakuierungsbeschluss vom Sonnabend ist aufgehoben. Von genereller Entspannung spricht der Brandenburger Krisenstab aber ausdrücklich noch nicht.

 

Angesichts sinkender Pegelstände der Elbe in der Prignitz können alle Bewohner von Wittenberge wieder in ihre Häuser zurückkehren. Der Beschluss zur Evakuierung wurde am Freitag aufgehoben. Landrat Hans Lange (CDU) begründete das mit einer Stabilisierung der Hochwasserlage, wie eine Sprecherin des Krisenstabes sagte. Der Katastrophenalarm bleibe jedoch bestehen, da weiterhin höchste Aufmerksamkeit erforderlich sei. Die aufgeweichten Deiche dürfen weiterhin nicht betreten werden.

Die rund 1500 Bewohner der Altstadt waren am Sonnabendabend zum freiwilligen Verlassen ihrer Wohnungen aufgefordert worden, als die Elbe in Wittenberge auf 7,50 Meter gestiegen war. Die Mehrheit blieb jedoch in der Stadt.

 

Von genereller Entspannung ist noch keine Rede

Generell ist der Pegel der Elbe in den Hochwassergebieten in Ost- und Norddeutschland am Freitag weiter gesunken. Wegen des weiterhin hohen Drucks auf die durchweichten Deiche wollten die Behörden aber noch nicht von genereller Entspannung sprechen. Davon könne „keine Rede sein“, teilte der Landes-Krisenstab von Brandenburg in Potsdam mit.

Die Deiche erforderten „höchste Aufmerksamkeit“ von den Einsatzkräften, betonte der Krisenstab. Am Deichbruch bei Fischbeck an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt strömt weiter Wasser in das Hinterland rechts der Elbe. Dort hatten Bundeswehr-Pioniere am Donnerstag mit Bergepanzern eine Landstraße aufgebrochen, um einen künstlichen Abflusskanal für die Fluten zu schaffen und die Gemeinde Kamern zu schützen. In der Region breiten sich die Wassermassen der Elbe über immer weitere Gebiete aus.

Im Spreewald hingegen dürfen wieder Kähne fahren. Seit diesem Freitag, 15 Uhr, sind einzelne Routen von Burg, Lübbenau, Lübben und Schlepzig wieder befahrbar. Allerdings gilt die Genehmigung nicht für den gesamten Spreewald – und auch nur für gewerbsmäßige Kahnfahrer.

Paddeln bleibt wegen der starken Strömung und des teilweise hohen Wasserpegels verboten. Auf diesen Kompromiss verständigten sich die zuständigen Behörden in einer Konferenz im Landratsamt in Lübben mit den Kahnfährbetrieben. Diese hatten gegen die vor etwa einer Woche verhängte Sperrung wegen des Hochwassers protestiert.

 

Regenfälle bereiten Sorgen

Auch in Niedersachsen sanken die Pegel weiter, blieben aber auf hohem Niveau. Die Einsatzkräfte hätten die Lage an den Deichen „unter Kontrolle“, teilte der Krisenstab des Landkreises Lüneburg am Freitag mit. Die Behörden rechneten zudem damit, dass die Evakuierung von Teilen der kleinen Elbstadt Hitzacker im Kreis Lüchow-Dannenberg am Morgen aufgehoben werden konnte.

Zusätzliche Sorge bereiteten den Einsatzkräften an einigen Orten Regenfälle. Diese könnten die beanspruchten Deiche weiter durchfeuchten. In Landkreis Lüchow-Dannenberg deckten Helfer einen Notdeich mit Planen ab. Im ebenfalls hochwasserbedrohten Landkreis Ludwigslust-Parchim stuften die Experten den Regen zunächst aber als harmlos ein.

 

Nationaler Aufbaufonds ist beschlossen

Noch immer kämpfen in mehreren Bundesländern tausende Helfer von Feuerwehren, Bundeswehr und Hilfsorganisation mit den Folgen des Hochwassers. Zahlreiche Menschen müssen noch immer in Notunterkünften ausharren, weil Ortschaften geräumt wurden. An etlichen Orten elbabwärts haben unterdessen Aufräumarbeiten begonnen.

Die Flutschäden in Deutschland werden auf mehrere Milliarden Euro geschätzt, einen genaue Aufstellung gibt es nicht. Bund und Länder hatten sich am Donnerstag auf die Einrichtung eines nationalen Aufbaufonds für die Hochwassergebiete geeinigt. Er soll ein Volumen von etwa acht Milliarden Euro haben und je zur Hälfte von Bund und Ländern getragen werden. Zudem gibt es Soforthilfeprogramme.

Auch die Versicherungen rechnen mit höheren Sachschäden als beim Hochwasser im August 2002. „Wir müssen davon ausgehen, dass der Schaden durchaus höher sein kann als bei der Elbe-Flut 2002“, sagte Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland. Eine Zahl lasse sich erst nennen, wenn das Wasser in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen abgelaufen und die Schäden sichtbar seien.

Durch das Elbe-Hochwasser 2002 entstand nach GDV-Angaben in Privathaushalten und Unternehmen ein versicherter Schaden von 1,8 Milliarden Euro. Der volkswirtschaftliche Schaden wurde auf 11 Milliarden Euro geschätzt.

 

© Berliner Morgenpost 2013

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s