Archiv für Juni 14, 2013

Berlin (dpa) – Die Bundesregierung hat den Ländern angeboten, die acht Milliarden Euro Fluthilfe komplett vorzufinanzieren. Dadurch würde sich die Aufnahme neuer Schulden für 2013 entsprechend erhöhen, sagte eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums. Vorteil für die Länder: Sie könnten von den sehr günstigen Zinsen des Bundes beim Anzapfen des Kapitalmarkts profitieren. Der Bund würde sich bei dieser Lösung zusätzlich bis zu acht Milliarden Euro leihen. Die Länder könnten ihren 50-Prozent-Anteil an der Finanzierung über einen längeren Zeitraum strecken.

Quelle: n-tv.de

Hochwasser-Liveticker vom Donnerstag 13.Juni

Veröffentlicht: Juni 14, 2013 von fluthelfer in Ticker

Das Elbe-Hochwasser erreicht vielerorts seinen Höhepunkt, doch die Gefahr von Deichbrüchen bleibt hoch. Unermüdlich sind die Helfer im Kampf gegen die Wassermassen im Einsatz. Kritisch ist die Lage weiterhin in Sachsen-Anhalt, wo weite Landstriche überflutet sind. Zum aktuellen Wetterbericht geht es hier.

+++ 21:35 Konzert der Toten Hosen findet statt +++
Die Toten Hosen können ihr Konzert am Veranstaltungsort Ferropolis in Gräfenhainichen (Sachsen-Anhalt) spielen. Das Konzert werde trotz der angespannten Hochwasserlage wie geplant am Samstag stattfinden, teilten Ferropolis und die Band auf ihren Internetseiten mit. Ein für den 9. Juni geplantes Konzert der Sängerin Helene Fischer musste auf den 22. Juni verschoben werden.

+++ 21:14 Gauck besucht Deggendorf +++
Joachim Gauck reist am Freitag erneut in eine Hochwasserregion. Er wird das besonders schwer vom Hochwasser betroffene Deggendorf in Bayern besuchen. Am Sonntag hatte Gauck die Hochwasser-Städte Halle an der Saale und Meißen in Sachsen besucht.

+++ 20:24 Pegel bei Lüchow sinken langsamer +++
Die Wasserstände im Landkreis Lüchow-Dannenberg sinken langsamer ab. Grund ist, dass die Havel in die Elbe abfließt, teilte der Landkreis mit. Die Menschen von der Stadtinsel Hitzacker können damit nicht so schnell in ihre Häuser zurück, wie zunächst gehofft. Zwischenzeitlich hatte die Samtgemeinde Elbtalaue mitgeteilt, die Evakuierung könne möglicherweise schon am Freitag aufgehoben werden, wenn der Pegelstand weniger als 7,76 Meter betrage. Jetzt hieß es beim Landkreis, dieser Wasserstand werde voraussichtlich erst am Samstagabend erreicht.

+++ 19:23 Schöpfwerk in Aken wird nicht angeschaltet +++
Ein Schöpfwerk in Aken (Sachsen-Anhalt) wird zunächst nicht in Betrieb genommen. Es sei zu gefährlich, heißt es in einer vom MDR über Twitter verbreiteten Pressemitteilung des Krisenstabs der Landesregierung. Stattdessen würden zwei Hochleistungspumpen in Betrieb genommen. Entlastung werde sich auch durch eine Sprengung des bereits gebrochenen Deichs bei Breitenhagen am Freitag erhofft. Der MDR in Sachsen-Anhalt berichtete auf seiner Internetseite weiter, die Entscheidung, das Schöpfwerk nicht anzuschalten, habe zu „tumultartigen Szenen geführt“. Die „Mitteldeutsche Zeitung“ berichtete Innenminister Holger Stahlknecht sei von einem 68-jährigen Akener mit einem Stück Holz beworfen worden. Verletzt worden sei der Minister nicht.

+++ 18:43 DWD meldet Regen und Gewitter +++
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldet schauerartigen Regen und teils kräftige Gewitter, die vom Westen her kommen und sich in Richtung Osten ausweiten. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg wurde mit Sorge auf die Ankündigung reagiert, wie NDR.de berichtete. Dort bestand kürzlich noch die Gefahr, dass ein Notdeich abrutscht. „Regen ist natürlich ungünstig“, sagte eine Sprecherin NDR.de. Der Deich sei mit Planen abgedeckt worden.

+++ 18:33 Millionenschäden an Straßen und Schienen +++
Das Hochwasser hat an Straßen und Schienen in Deutschland erhebliche Spuren hinterlassen. „Insgesamt liegt der Schaden in den betroffenen Gebieten wahrscheinlich im hohen dreistelligen Millionenbereich“, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer nach Besuchen entlang der Elbe in Sachsen-Anhalt. „Belastbare Summen können wir erst nennen, wenn das Wasser abgeflossen ist.“

+++ 18:20 Sportler engagieren sich für Flutopfer +++
Weitere Sportler wollen sich für die Opfer der Hochwasserkatastrophe einsetzen: Das Team des Deutschen Schwimm-Verbandes kündigte während ihrer Mare-Nostrum-Tour im Süden Europas an, Spenden in den eigenen Reihen zu sammeln. Der Deutsche Schützenbund will unterdessen den Hilfsfonds des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für hochwassergeschädigte Sportvereine mit einer Spende in Höhe von 10.000 Euro unterstützen.

+++ 17:27 Neuverschuldung wegen Fluthilfe +++
Die Neuverschuldung des Bundes wird sich durch den Fluthilfefonds erhöhen. Dies könne jedoch auch mit der ab 2015 geltenden Schuldenbremse in Einklang gebracht werden, da Naturkatastrophen eine Ausnahme darstellten, sagte Merkel. Möglicherweise werde es einen Nachtragshaushalt für 2013 geben. Sie wolle dem Parlament aber nicht vorgreifen. Eine Steuer- oder Abgabenerhöhung schloss sie aus.

+++ 17:18 Hilfsfonds basiert auf Schadensschätzung +++
Das Volumen des Hilfsfonds orientiert sich an einer Schadensschätzung. Die tatsächliche Höhe der vom Hochwasser angerichteten Schäden stehe aber noch nicht fest, erläutert Merkel. Wenn die Summe bekannt sei, werde man sich dem auch stellen. Sie meine aber, dass die acht Milliarden Euro eine realistische Schätzung sein könnten. Bei der Flut 2002 waren mehr als 7 Milliarden Euro bereit gestellt worden. Davon wurden etwa 6,5 Milliarden Euro abgerufen.

 +++ 17:08 Merkel lobt Solidarität +++
Merkel dankt erneut den Helfern und lobt die gute Zusammenarbeit auf allen staatlichen Ebenen bei der Bekämpfung der Flut. „Die bundesweite Solidarität war beachtlich“, sagt die Kanzerlin und betont: Der Einsatz der Bundeswehr bei dem Hochwasser in diesem Jahr sei der größte im Inneren gewesen, den es je gegeben habe.

+++ 17:03 Hilfsfonds soll bis zum 5. Juli stehen +++
Der Hilfsfonds soll hälftig von Bund und Ländern getragen werden, sagte Merkel. Die Rahmenbedingungen werden bis zur letzten Bundesratsitzung vor der Sommerpause am 5. Juli geschaffen.

+++ 16:57 Merkel bestätigt Höhe des Fluthilfefonds +++
Nun auch aus dem Mund der Kanzlerin: Der Hilfsfonds für die Hochwasseropfer soll bis zu acht Milliarden Euro betragen.

+++ 16:53 Pressekonferenz mit Merkel beginnt +++
Mit etwa 20 Minuten Verspätung hat die Pressekonferenz zur Hochwasserkatastrophe mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten von Thüringen und Schleswig-Holstein begonnen.

+++  16:47 15 Prozent der Deutschen haben gespendet +++
15 Prozent der Deutschen haben laut einer Umfrage für die Opfer der aktuellen Flutkatastrophe gespendet. Das berichtete das Meinungsforschungsinstitut YouGov in Köln. 40 Prozent der Bundesbürger sind demnach bereit, einen Beitrag zu den Spendenaktionen zu leisten. 27 Prozent wollten nicht spenden, 18 Prozent waren sich noch nicht sicher.

+++ 16:25 Elbe-Pegel in Niedersachsen sinken +++
Die Pegel der Elbe in Niedersachen sinken laut dem NDR. Eine Entwarnung gebe es aber noch nicht, schreibt der Sender auf Twitter.

+++ 16:20 Schulen in Magdeburg öffnen ab Freitag +++
In den meisten Schulen in Magdeburg kann ab Freitag wieder unterrichtet werden. Die Gebäude, in denen Einsatzkräfte untergebracht oder die als Ausweichquartiere genutzt worden seien, würden langsam wieder frei, teilte die Stadtverwaltung mit. Wann genau der Unterricht wieder beginne, entschiede aber der jeweiligen Schulleiter.

+++ 16:10 Klietz und Hohengöhren wohl wasserfrei +++
Trotz des Wassereinbruchs in Schönhausen zwei positive Nachrichten aus dem Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt: Ein großer Teil von Klietz ist frei von Wasser, wie der MDR auf Twitter unter Berufung auf seinen Verkehrsflieger meldet. In Hohengöhren sei sogar gar kein Wasser. Bis nach Wulkau sei das Wasser noch nicht gekommen, hieß es weiter. Schönfeld sei nur im Norden betroffen.

+++ 15:16 Wassereinbruch im Klärwerk Schönhausen +++
Elbwasser dringt in das Klärwerk Schönhausen ein. Der Ort ist vom Deichbruch in Fischbeck betroffen.

+++ 14:54 Lieberknecht: Fluthilfe-Fonds bei acht Mio Euro +++
Der von Bund und Ländern getragene Fluthilfe-Fonds wird ein Volumen von etwa acht Milliarden Euro haben. Das teilt Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) in Berlin nach einem Treffen der Ministerpräsidenten mit.

+++ 13:38 Gera schätzt Schäden auf 30 Mio Euro +++
In einer ersten Bilanz schätzt die Gera die Hochwasserschäden auf 30 Millionen Euro. Die Fluten der Weißen Elster beschädigten in Thüringens drittgrößter Stadt etliche kommunale Gebäude und Einrichtungen.

+++ 13:26 Landkreis Lüneburg warnt vor Bakterien und Viren +++
Der Landkreis Lüneburg warnt vor Bakterien und Viren im Hochwasser. Es bestehe beispielsweise die Gefahr, sich mit Hepatitis A anzustecken. Behörden raten deshalb zur Vorsicht.

+++ 12:24 Bundeswehreinsatz kostet 50 Millionen +++
Bundesverteidigungsminister de Maizière spricht vom größten Katastropheneinsatz in der Geschichte der Bundeswehr. Rund 12.000 Soldaten leisten Unterstützung bei  der Sicherung der Deiche. Der Einsatz koste mehr als 50 Millionen Euro. Die Summe werde den Kommunen nicht in Rechnung gestellt.+++ 11:43 Wasser fließt bei Groß Rosenburg in Saale zurück +++
Am Deichbruch bei Groß Rosenburg fließt Wasser in die Saale zurück. Der Deich ist dort auf 140 Meter gebrochen. Der Landrat erwägt noch immer eine Deichsprengung, um mehr Wasser ablaufen zu lassen. Allerdings kommt es dazu frühestens morgen.

+++ 11:24 Verteidigungsminister de Maizière im niedersächsischen Hochwassergebiet +++
Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) trifft zu einem Besuch im Hochwassergebiet an der Elbe in Niedersachsen ein. Er will sich dort ein Bild von der Lage machen und mit Soldaten sprechen, die seit Tagen im Kampf gegen die Elbefluten helfen. Der Minister flog mit dem Hubschrauber nach Penkefitz im Kreis Lüchow-Dannenberg.

+++ 11:11 Polizei fasst Plünderer +++
In Groß Rosenburg nimmt die Polizei zwei mutmaßliche Plünderer fest. Die Männer wollten offenbar in einen Supermarkt eindringen. Der Ort ist seit fünf Tagen evakuiert.

+++ 11:03 Sachsen und Thüringen lehnen Flut-Soli ab +++
Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) lehnt eine Erhöhung des Solidaritätszuschlags zur Bewältigung der Flutschäden ab. „Wir müssen die Bürger nicht zusätzlich belasten“, sagt Lieberknecht im ZDF. Viele Menschen spendeten ohnehin. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) erteilt einem „Flutsoli“ eine Absage.

+++ 10:24 Künast: Bundesregierung muss Hochwasserschutz in die Hand nehmen +++
Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, fordert im Gespräch mit n-tv von Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass sie jetzt den Hochwasserschutz in Deutschland in die Hände nimmt. „Wie viele Deiche gebrochen sind – unkontrolliert fließt Wasser in Dörfer: Das zeigt uns doch, dass viel, viel zu wenig Hochwasserschutz gemacht wurde, auch in Sachsen-Anhalt, in Sachsen.“

+++ 10:10 Umweltbundesamt warnt vor Schimmel und Bakterien nach Hochwasser +++
Die hohe Luftfeuchtigkeit der vom Hochwasser gefluteten Räume bietet ideale Bedingungen für Schimmel und Bakterien, die gesundheitsschädlich sein oder Baumaterialien zerstören können. Darauf weist das Umweltbundesamt hin. Wenn das Wasser abgelaufen ist, bleiben oft Chemikalien, Fäkalien oder Heizölreste zurück. So schnell wie möglich sollte sachkundig mit dem Trocknen begonnen werden, damit sich Schimmel, Stäube und Fasern nicht im ganzen Haus ausbreiten können.

+++ 09:35 Evakuierungen von Grünewalde, Elbenau und Ranies aufgehoben +++
Der Salzlandkreis hebt die Sperrgebietsverfügung für weitere Orte auf. Einwohner können nach Grünewalde, Elbenau und Ranies zurückkehren.

+++ 08:52 Straße bei Kamern muss Wasser weichen +++
Die Bundeswehr schafft eine etwa 100 Meter breite Öffnung in der Landstraße nördlich von Kamern. Damit soll ein Durchgang für das Elbewasser in die Havelpolder geschaffen werden.

+++ 08:27 Rückkehr nach Hitzacker vielleicht am Samstag +++
Eventuell dürfen die Einwohner von Hitzacker bereits am Sonnabend in die evakuierte Altstadt zurückkehren. Auch sonst entspannt sich die Lage zusehends. Die Pegelstände sinken seit Stunden. Von Entwarnung ist allerdings immer noch keine Rede. Denn das stehende Wasser lässt die Deiche mehr und mehr durchweichen

+++ 07:25 Flut bei Fischbeck weitet sich aus +++
Seit Mittwoch wurden 6.460 Menschen in dem Gebiet bei Fischbeck in Sicherheit gebracht. Dennoch verharren weiterhin einige Menschen in ihren Häusern, weil sie ihre Tiere nicht im Stich lassen wollen. Diese Menschen sollen heute von Booten und Hubschraubern aus mit Lebensmittel versorgt werden. Die Gegend wird seit einem Deichbruch am Montag nach und nach überflutet. In ganz Sachsen-Anhalt stehen nach einer Schätzung des Bauernverbandes bereits 1100 Quadratkilometer Agrarfläche unter Wasser.

+++ 07:05 Zugausfälle und Verspätungen +++
Wegen des Hochwassers müssen sich Bahn-Reisende weiter auf Zugausfälle und erhebliche Verspätungen einstellen. Die ICE-Strecke zwischen Berlin und Hannover ist nach wie vor nicht befahrbar. In Richtung Berlin entfallen die Stopps in Wolfsburg, Stendal und Berlin-Spandau. In Richtung Hannover die in Stendal und Wolfsburg. Reisende müssen laut Bahn mit einer bis zu 70 Minuten längeren Fahrtzeit rechnen.

+++ 06:50 Warnung vor Fäkalien im Wasser +++
Landkreis Lüneburg warnt vor möglicher Verunreinigung des Elbe-Hochwassers mit Fäkalien und einer Keimbelastung. Aus Klärgruben und anderen belasteten Bereichen seien Bakterien und Viren in das Hochwasser gespült worden. Für die gesamte Region wird empfohlen, Lebensmittel aus Gärten und überfluteten Gebäuden nur nach gründlicher Reinigung zu verzehren

+++ 06:20 Gestern Merkel, heute de Maizière +++
An der Elbe in Dannenberg wird heute der Bundesverteidigungsminister erwartet. Zahlreiche Soldaten der Bundeswehr helfen im Einsatz gegen das Hochwasser.

+++ 05:05 Vorsichtiges Aufatmen in Lauenburg +++
Der Pegelstand der Elbe bleibt nahezu unverändert. Während in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern vielerorts noch immer Deichbrüche drohten, bestünde diese Gefahr im schleswig-holsteinischen Lauenburg nicht, teilt der Krisenstab mit.

+++ 03:00 Baum gefährdet Hochwasserschutzwand in Wussegel +++
In Wussegel im Landkreis Lüchow-Dannenberg (Niedersachsen) sind Einsatzkräfte damit beschäftigt, einen großen Baum zu fällen. Es soll verhindert werden, dass er auf eine sporadische Hochwasserschutzwand fällt und diese zerstört.

+++ 02:10 Lieberknecht fordert nationales Hochwasserschutzkonzept +++
Nach Ansicht der Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht muss der Hochwasserschutz in Deutschland künftig auf Bundesebene gesteuert werden. „Wir brauchen ein nationales Hochwasserschutzkonzept“, sagt die CDU-Politikerin. Auch die regionale Zusammenarbeit müsse überprüft werden. Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff plädiert für eine Anhebung des Solidarzuschlags zur Beseitigung der Hochwasserschäden.

Quelle: n-tv.de

 

 

 

 

 

 

 

Dass Deutschland seine Flüsse eingezwängt hat, verstärkt Hochwasser. Rückgängig machen lasse sich das nicht, sagt der britische Landschaftshistoriker David Blackbourn.

ZEIT ONLINE: Herr Blackbourn, wie sah Deutschlands Flusslandschaft vor 300 Jahren aus?

David Blackbourn: Es reicht schon, 200 Jahre zurückzugehen. Die Flüsse von damals wären heute nicht wiederzuerkennen. Sie waren breiter und seichter und flossen nicht in einem einzelnen Kanal, sondern verteilten sich über eine ganze Flussebene. An ihren Ufern wuchsen Auenwälder, die heute fast komplett verschwunden sind. Es gab dort mehr Tierarten zu Land und zu Wasser, zum Beispiel Lachse. Die Menschen fischten und jagten kleine Vögel.

ZEIT ONLINE: Wie haben die Deutschen über die Jahrhunderte ihre Flüsse verändert?

Blackbourn: Die Flüsse wurden einer sogenannten Rektifikation unterzogen. Sie wurden gekürzt und begradigt, um sie zu einem einzigen Strom zu machen. Das Wasser war dadurch für die Landwirtschaft leichter zu nutzen. Außerdem fließt es so deutlich schneller und ohne Hindernisse. Der Fluss wird zudem tiefer, was für den Schiffsverkehr von Vorteil ist. Man kann sagen, dass heute alle größeren Flüsse von Menschen geschaffene Kanäle sind. Das lässt sich schwer rückgängig machen. Während Rhein oder Themse in den letzten 40 Jahren zwar wieder viel sauberer geworden sind, konnte an ihrem künstlichen Korsett kaum etwas geändert werden.

ZEIT ONLINE: Viele Leute fordern, dass den Flüssen wieder mehr von ihrem natürlichen Raum gegeben wird.

Blackbourn: In den letzten Jahren gab es immer wieder Versucheder Renaturierung; zum Teil um Hochwasser zu vermeiden, zum Teil auch aus ökologischen Gründen. Meistens erstickten diese Bemühungen aber im Keim. Die Ironie an der Sache ist, dass man durch die Begradigung der Flüsse Hochwasser vermeiden wollte. Dabei haben sich die Fluten nur flussabwärts verschoben. Als Anfang des 19. Jahrhunderts der Oberrhein begradigt wurde, haben Leute davor gewarnt. In der Folge liefen Mittel- und Unterrhein wie nie zuvor über die Ufer.

ZEIT ONLINE: Gab es entscheidende Phasen für den Umgang mit Flüssen?

Blackbourn: Die Begradigung und Umleitung der Fließgewässer hing eng mit der Staatenbildung zusammen. Anfang des 19. Jahrhunderts förderte Napoléon einige deutsche Staaten, um besser gegen Preußen dazustehen. Als nun größerer, stärkerer Staat konnte dann Baden die Begradigung des Rheins über Hunderte von Kilometern stemmen. Der kanalisierte Fluss wiederum förderte den Handel und schweißte den Staat weiter zusammen. Das passierte in China genauso wie in Deutschland. Erst vor einigen Jahrzehnten sahen Ingenieure in den USA und in Europa ein, dass sie den Flüssen mehr Platz einräumen müssen. Sie versuchten, an manchen Stellen Deiche zu bauen und den Fluss an anderen Stellen kontrolliert überlaufen zu lassen.

ZEIT ONLINE: Wie gut hat das funktioniert?

Blackbourn: Es ist ein guter Ansatz, die Macht des Flusses zu akzeptieren. Aber mittlerweile sind so viele Menschen an die Flüsse gezogen und haben dort Städte und Industrie errichtet, dass es unmöglich ist, Flutkatastrophen zu vermeiden. Eine langfristige Lösung wäre, die Leute zu entmutigen, in Flutgebieten zu leben. Das wird auch jetzt schon gemacht, in Deutschland und anderswo. Die Leute sollten dort hohe Versicherungssummen zahlen müssen und finanzielle Anreize bekommen wegzuziehen — auch wenn das schmerzhaft ist.

ZEIT ONLINE: Was soll aus großen Städten im gefährdeten Gebiet werden?

Blackbourn: Natürlich kann man Dresden nicht verschieben. Aber man kann Ebenen in ländlicheren Gegenden fluten. Je mehr Wasser man dorthin verteilt, desto mehr schützt man die großen Städte. Es ist wie immer in der Geschichte: Wie das Wasser genutzt wird, sagt viel über die politischen und sozialen Machtverhältnisse. Gegenden mit Landwirtschaft werden geopfert und Metropolen gerettet.

ZEIT ONLINE: Was müssten wir tun, um Hochwasser zu vermeiden oder besser mit ihnen umzugehen?

Blackbourn: Solange die Flüsse nicht mehr Platz bekommen, lassen sich Hochwasser nicht vermeiden. Es hat schon etwas Törichtes, dass man wieder und wieder in die überschwemmten Gebiete zurückkehrt. Aber viele wollen ihre Heimat nicht verlassen. Ich bin einmal durch das Oderbruch gereist. Die Flusslandschaft dort ist vollkommen künstlich, aber sie sieht wie Natur aus und ist wunderschön. Während der dortigen Flut 1997 hat man immerhin gesehen, dass sich grenzübergreifende Zusammenarbeit lohnt — wären nicht in Tschechien weite Flächen geflutet worden, hätte das Hochwasser Frankfurt an der Oder schwer getroffen.

http://www.zeit.de/wissen/2013-06/interview-david-blackbourn-flussbegradigung-hochwasser

Nach dem Hochwasser ist vor dem Streit

Veröffentlicht: Juni 14, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

 

Über die staatliche Finanzhilfe wird es noch politischen Zwist geben. Doch den Geschädigten ist egal, woher das Geld für die Fluthilfe kommt, kommentiert Gerd Nowakowski.

Hilfsbereitschaft braucht keine Bühne. Angereiste Firmen helfen mit Gerätschaft, Kegelvereine füllen Sandsäcke, Unipräsidenten schippen Schlamm, und niemand erwartet mehr als ein Dankeschön. Wer sagt, die Deutschen tun sich schwer mit Empathie? Die Flut der Anteilnahme ist bemerkenswert an diesem Hochwasser, das erste gesamtdeutsche, weil Ostler und Westler, Nordlichter und Donauanrainer betroffen sind. Die Deutschen – ein Volk der Flutbürger.

Die Bundeskanzlerin hat das schnell begriffen. Sie ist bei den Leuten, ob in Deggendorf, Wittenberge oder Hitzacker, kehrt nicht die omnipotente Macherin heraus, sondern lässt Mitgefühl spüren: Ich bin bei denen, die Hilfe benötigen. Das wird dem Flut-abstinenten SPD-Kandidaten auf die Füße fallen: Er hat das Momentum verpasst. Es ist egal, dass er sich nicht als Deichgraf in den Vordergrund spielen wollte – Merkel macht vor, dass es auch eine andere Rolle gibt: die der Anteilnahme.

Sandsäcke werden geschleppt, doch Geld fließt sparsam. Es ist kein Widerspruch, dass es anders als 2002 keine Welle der Spendenbereitschaft gibt. Die Lage ist unübersichtlicher, keine regionale Begrenzung wie 2002, diesmal ist Deutschland über hunderte Kilometer Schaden angerichtet worden. Vieles an dieser Katastrophe ist Egoismus, Ignoranz und falscher Politik geschuldet. Das hat einen besseren Hochwasserschutz verhindert – an der Donau oder der Mulde. Auf großzügige Spenden kann diesmal niemand hoffen, der nach der ersten Jahrhundertflut das Geld nahm, um die Schäden zu beseitigen, aber keine Lehren aus dem Unheil zog. Den Bürgern von Grimma war der schöne Blick auf den Fluss lieber als eine solide Deichanlage. Wer mag da noch einmal spenden?

Dass die Schäden im Land Brandenburg bis jetzt vergleichsweise gering sind, ist das Ergebnis einer konsequenteren Hochwasserstrategie als anderenorts: Da existieren Überflutungsflächen, wurden Deiche erhöht und andere zurückversetzt, um dem Fluss Raum zu geben. Ohne sich anzulegen mit den Hausbesitzern, den Bauern, der Forstwirtschaft oder anderen Interessenvertretern, um Überflutungsflächen auszuweisen oder Häusern mehr Abstand vom Wasser zu verordnen, geht das nicht. Wenn der Fluss sich in sein Bett zurückgezogen hat, wird diese Aufgabe aber gern schnell wieder vergessen.

Die 100 Millionen Euro Soforthilfe sind nur ein Anfang. Wichtiger ist, wie der Fluthilfe-Fonds gefüllt wird, mit dem die Schäden von voraussichtlich acht Milliarden Euro beseitigt werden sollen. Ob dies durch Bundesanleihen, höheren Soli-Zuschlag oder Steuererhöhung geschieht, ist den notleidenden Menschen egal – nicht aber der Opposition. Auch nicht dem Regierungspartner FDP, der schon vor Steuererhöhung warnt.

Nach dem Hochwasser ist deswegen vor dem Streit. Bei der Fluthilfe-Finanzierung wird es auch darum gehen, ob sich die CDU noch die teuren Wahlgeschenke einer verbesserten Mütterrente oder eines höheren Kinderfreibetrags leisten kann. Die rot-grüne Bundesregierung hat im Wahlkampf 2002 die schon beschlossene Steuersenkung ausgesetzt.

Bei der Debatte wird deshalb Kandidat Steinbrück mit seiner Bundesrat-Mehrheit eine zweite Chance bekommen. Nicht ausgeschlossen, dass die empathische Kanzlerin am Ende doch noch ein Hochwasser-Opfer wird.

http://www.zeit.de/politik/2013-06/hochwasser-schaeden-streit

Der Pegelstand der Elbe sinkt weiterhin kontinuierlich (momentan ca. 7 cm in 12 Stunden). Die Lage ist nach wie vor angespannt.

Eine wichtige Aufgabe ist und bleibt das Verbringen der Sandsäcke von der Deichkrone an den Deichfuß. An verschiedenen Stellen bilden sich Sickerstellen, die abgedichtet werden müssen.

Bis zum Abend konnte das Abwasserpumpwerk in Vietze noch nicht wieder in Betrieb genommen werden.

Ab einem Wassserstand von 7,46 cm kann des Betretungsverbot für die Stadtinsel in Hitzacker aufgehoben werden. Dieser Wasserstand wird voraussichtlich am Abend des 15. Juni 2013 eintreten.

Nach wie vor sollen Deichwachen die Deiche beobachten.

Strassensperrung aufgehoben Die K 36 ist zwischen Drethem und Hitzacker wieder freigegeben.

Quelle: Mitteilung des Landkreis Lüchow-Dannenberg

http://hochwasser2013.wendland-net.de/post/hochwassser-in-luechow-dannenberg-aktuelle-lageeinschaetzung-24555

Ohnehin schon knapp bei Kasse – und jetzt ist auch noch dies und das durch das Hochwasser kaputt gegangen. Wer soll das bezahlen? – Ein Gedanke, der dieser Tage gewiss so manche Bezieher von Arbeitslosengeld II, auch Hartz IV genannt, sehr bewegt. Die Zentrale der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg gibt dazu und auch zu Fragen des Einsatzes als Hochwasser-Helfer folgende Hinweise:

  • Soforthilfen, die ausdrücklich dazu dienen, Schäden durch das Hochwasser zu beseitigen, werden nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet.
  • Wurde durch die Flut Hausrat zerstört, können die Jobcenter die Kosten für die erneute (Erst-)Ausstattung der Wohnung übernehmen. Voraussetzung dafür ist, dass diese Kosten weder durch eine Versicherung noch durch ein anderweitiges Nothilfeprogramm erstattet werden. Hausrat umfasst beispielsweise Möbel, Lampen, Haushaltsgeräte und alle Gegenstände, die üblicherweise eine normale Haushaltsführung ermöglichen.
  • Für die Dauer einer Helfertätigkeit im Rahmen des Hochwassers bestehen keine Meldepflicht und keine zwingende Notwendigkeit, eine angebotene Maßnahme oder Beschäftigung anzunehmen.
  • Ist die Wahrnehmung eines Meldetermins aufgrund des Hochwassers nicht möglich, treten keine Sanktionen ein. Vorab wäre eine telefonische Absage hilfreich, damit die Gesprächszeit neu vergeben werden kann.

 

Gefahrenherd Sandsäcke: Die Lage im Einsatzgebiet der 132 Hochwasserhelfer der Feuerwehren aus Dortmund, Bochum, Ennepe und Witten ist angespannt. Die Last der Sandsäcke droht die aufgeweichten Deiche zu zerdrücken. In der Nacht wäre die Hilfsaktion beinahe gescheitert – wegen drei Bäumen.

Aktualisierung 16.46 Uhr:

Die Heimkehr nach einer Woche voller Entbehrungen rückt näher. Die Abfahrt der Helfer aus Dortmund, Bochum und dem Ennepe-Ruhr-Kreis in Richtung Heimat ist für Samstag, 10 Uhr, geplant. Bis dahin werden sie weiter Deichfüße sichern und Sandsäcke von den Kronen tragen. In Dortmund werden sie erst am frühen Samstagabend erwartet, da sie mit Tempo 60 Kolonne fahren müssen.

Aktualisierung 12.24 Uhr:

Am Freitagmittag mussten die Einsatzkräfte der Feuerwehr Dortmund auf einer Strecke von fünf Kilometern Sandsäche von der Deichkrone zum Deichfuß herunterbauen. Die Feuerwehrleute waren nur 15 Meter vom Hochwasser der Elbe entfernt. Sie arbeiteten dabei unterhalb des Pegels auf der anderen Deichseite.

Die Lage wird als gefährlich eingestuft, da inzwischen Wasser austritt. Aufgrund starker Regenfälle in der Nacht haben die Sandsäcke viel Wasser gezogen. Im Moment lasten pro Quadratmeter 150 Kilo Gewicht auf der Deichkrone. Dieses Gewicht muss jetzt zum Deichfuss verlagert werden, da die schwere Last der Sandsäcke den aufgeweichten Deich zu zerdrücken droht.

Mehrere Tonnen Sand von Hand bewegen

Die Arbeit der Einsatzkräfte wird dahingehend erschwert,dass sie die mehreren Tonnen Sand nun per Hand bewegen müssen, da das Betreten der Deiche unter Strafe verboten ist und keine Fahrzeuge eingesetzt werden dürfen.

Die Lage bleibt weiterhin sehr angespannt, obwohl der Pegel um einen Zentimeter pro Stunde sinkt. Die Feuerwehr wird mindestens noch fünf Stunden im Einsatz sein.

Eichen drohten Leck zu schlagen

Brisant war es in der Nacht geworden: Am Restaurant Deichterassen hatte die Elbe den Deich sowie den Vorgarten des Restaurants unterspült. Drei 400 Jahre alte Eichen drohten dabei eine Schutzmauer zu durchschlagen. So wäre an dieser Stelle das Leck entstanden, durch das die Elbe Dannenberg geflutet hätte.

Die Ruhrpott-Feuerwehren haben ihre spezielle Art der Motivation. Während der Arbeit singen sie Lieder wie „Glück auf der Steiger kommt“ und „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser Deich nicht“.

Ursprungsmeldung 8.15 Uhr:

Seit der Mannschaftsbesprechung am Freitag um 8 Uhr wissen die Männer und Frauen: Die Deiche haben die Nacht überstanden. Trotzdem bleiben die Einsatzkräfte in Alarmbereitschaft. Einen konkreten Einsatz gibt es noch nicht, dafür stehen zwei Pflicht- und Putzstunden auf dem Plan.
Bis zum Donnerstagmorgen hatte die Katastrophenschutzeinheit in sieben Tagen und Nächten bei Neu Darchau insgesamt 120.000 Sandsäcke aufgeschichtet, um ein Überlaufen der Elbe zu verhindern. Bei Normalpegel liegt das Ufer 300 Meter vom Dorf entfernt – jetzt fließt die Elbe an den Hausgärten vorbei. Ein von der Feuerwehr errichteter Notdeich verhindert die Katastrophe.

Einsatzleiter vom großen Engagement beeindruckt

126 der 132 Kräfte sind ehrenamtlich für den Katastrophenschutz an der Elbe im Einsatz. Verantwortlich ist die Bezirksregierung Arnsberg. Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann sagte unserer Redaktion: „Die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren ist von unschätzbarem Wert. Sie sind das Rückgrat des Katastrophenschutzes. Ich danke ihnen von ganzem Herzen.“

„Ohne das Ehrenamt kann das hier nicht funktionieren“, sagt auch einer der Hauptamtlichen, Dr. Hauke Speth von der Dortmunder Berufsfeuerwehr. Der Einsatzleiter ist von dem großen Engagement und der guten Atmosphäre beeindruckt. Ein Unterschied zwischen Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen ist in dem Containerdorf neben dem Atomcastor-Verladebahnhof in Dannenberg ohnehin nicht zu erkennen.

Motivations-Motor unter widrigen Umständen sind vor allem die Anwohner. Die schweren Feuerwehr-Fahrzeuge können die vom Wasser aufgeweichten Deich-Areale nicht mehr befahren, so dass die bis zu acht Kilogramm schweren Sandsäcke mit Hilfe der Bundeswehr in langen Menschenketten zum Teil durch die Gärten der zu schützenden Häuser von Hand zur Wasserkante transportiert werden mussten.

Wasserstand sinkt nur leicht

„Die Bürger hier wissen zu schätzen, was wir hier leisten“, sagte Thorsten Pilzecker von der Freiwilligen Feuerwehr in Dortmund-Holzen. „Danke Jungs“, stand auf großen Transparenten. Kinder versorgten die Männer und Frauen aus dem Ruhrgebiet mit Gummibärchen. Große Kuchenbleche, frischer Kaffee und Kühltaschen mit erreichten den „Dortmunder Deich“ in Darchau.

Alles, was zwei Räder hat, verwandeln die Menschen aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg zu Sandsack-Transportern. „Die Logistik ist enorm gut“, lautet das Fazit von Dr. Hauke Speth, „Wenn wir Vlies und Stahlgitter zum Abdecken der Deiche bestellen, ist das Material 30 Minuten später da.“ Um 7.00 Uhr lag der Pegel bei 7,62 Meter. Der Wasserstand sinkt nur leicht. Die Lage bleibt angespannt.

http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/flut-helfer-holen-sandsaecke-von-aufgeweichten-deichen-id8070419.html

Hochwasser in Brandenburg – Wittenberger dürfen zurück

Veröffentlicht: Juni 14, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Die Wittenberger dürfen in ihre Häuser zurück. Der Evakuierungsbeschluss vom Sonnabend ist aufgehoben. Von genereller Entspannung spricht der Brandenburger Krisenstab aber ausdrücklich noch nicht.

 

Angesichts sinkender Pegelstände der Elbe in der Prignitz können alle Bewohner von Wittenberge wieder in ihre Häuser zurückkehren. Der Beschluss zur Evakuierung wurde am Freitag aufgehoben. Landrat Hans Lange (CDU) begründete das mit einer Stabilisierung der Hochwasserlage, wie eine Sprecherin des Krisenstabes sagte. Der Katastrophenalarm bleibe jedoch bestehen, da weiterhin höchste Aufmerksamkeit erforderlich sei. Die aufgeweichten Deiche dürfen weiterhin nicht betreten werden.

Die rund 1500 Bewohner der Altstadt waren am Sonnabendabend zum freiwilligen Verlassen ihrer Wohnungen aufgefordert worden, als die Elbe in Wittenberge auf 7,50 Meter gestiegen war. Die Mehrheit blieb jedoch in der Stadt.

 

Von genereller Entspannung ist noch keine Rede

Generell ist der Pegel der Elbe in den Hochwassergebieten in Ost- und Norddeutschland am Freitag weiter gesunken. Wegen des weiterhin hohen Drucks auf die durchweichten Deiche wollten die Behörden aber noch nicht von genereller Entspannung sprechen. Davon könne „keine Rede sein“, teilte der Landes-Krisenstab von Brandenburg in Potsdam mit.

Die Deiche erforderten „höchste Aufmerksamkeit“ von den Einsatzkräften, betonte der Krisenstab. Am Deichbruch bei Fischbeck an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt strömt weiter Wasser in das Hinterland rechts der Elbe. Dort hatten Bundeswehr-Pioniere am Donnerstag mit Bergepanzern eine Landstraße aufgebrochen, um einen künstlichen Abflusskanal für die Fluten zu schaffen und die Gemeinde Kamern zu schützen. In der Region breiten sich die Wassermassen der Elbe über immer weitere Gebiete aus.

Im Spreewald hingegen dürfen wieder Kähne fahren. Seit diesem Freitag, 15 Uhr, sind einzelne Routen von Burg, Lübbenau, Lübben und Schlepzig wieder befahrbar. Allerdings gilt die Genehmigung nicht für den gesamten Spreewald – und auch nur für gewerbsmäßige Kahnfahrer.

Paddeln bleibt wegen der starken Strömung und des teilweise hohen Wasserpegels verboten. Auf diesen Kompromiss verständigten sich die zuständigen Behörden in einer Konferenz im Landratsamt in Lübben mit den Kahnfährbetrieben. Diese hatten gegen die vor etwa einer Woche verhängte Sperrung wegen des Hochwassers protestiert.

 

Regenfälle bereiten Sorgen

Auch in Niedersachsen sanken die Pegel weiter, blieben aber auf hohem Niveau. Die Einsatzkräfte hätten die Lage an den Deichen „unter Kontrolle“, teilte der Krisenstab des Landkreises Lüneburg am Freitag mit. Die Behörden rechneten zudem damit, dass die Evakuierung von Teilen der kleinen Elbstadt Hitzacker im Kreis Lüchow-Dannenberg am Morgen aufgehoben werden konnte.

Zusätzliche Sorge bereiteten den Einsatzkräften an einigen Orten Regenfälle. Diese könnten die beanspruchten Deiche weiter durchfeuchten. In Landkreis Lüchow-Dannenberg deckten Helfer einen Notdeich mit Planen ab. Im ebenfalls hochwasserbedrohten Landkreis Ludwigslust-Parchim stuften die Experten den Regen zunächst aber als harmlos ein.

 

Nationaler Aufbaufonds ist beschlossen

Noch immer kämpfen in mehreren Bundesländern tausende Helfer von Feuerwehren, Bundeswehr und Hilfsorganisation mit den Folgen des Hochwassers. Zahlreiche Menschen müssen noch immer in Notunterkünften ausharren, weil Ortschaften geräumt wurden. An etlichen Orten elbabwärts haben unterdessen Aufräumarbeiten begonnen.

Die Flutschäden in Deutschland werden auf mehrere Milliarden Euro geschätzt, einen genaue Aufstellung gibt es nicht. Bund und Länder hatten sich am Donnerstag auf die Einrichtung eines nationalen Aufbaufonds für die Hochwassergebiete geeinigt. Er soll ein Volumen von etwa acht Milliarden Euro haben und je zur Hälfte von Bund und Ländern getragen werden. Zudem gibt es Soforthilfeprogramme.

Auch die Versicherungen rechnen mit höheren Sachschäden als beim Hochwasser im August 2002. „Wir müssen davon ausgehen, dass der Schaden durchaus höher sein kann als bei der Elbe-Flut 2002“, sagte Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland. Eine Zahl lasse sich erst nennen, wenn das Wasser in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen abgelaufen und die Schäden sichtbar seien.

Durch das Elbe-Hochwasser 2002 entstand nach GDV-Angaben in Privathaushalten und Unternehmen ein versicherter Schaden von 1,8 Milliarden Euro. Der volkswirtschaftliche Schaden wurde auf 11 Milliarden Euro geschätzt.

 

© Berliner Morgenpost 2013

Hochwasserhilfe Mitteldeutschland

Veröffentlicht: Juni 14, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe Heute in den Nachrichten Bilder gesehen wie Heizöltanks und die Tanks der Tankstellen mit Wasser geflutet wurden und somit sehr teure Entsorgungskosten und Schäden für die Umwelt entstehen. Ich habe eine Spezielle Kraftstofffilteranlage entwickelt die für solche Zwecke geeignet ist um das Wasser aus dem Diesel zu Filtern. Meine Filteranlagen werden speziell für Militär, Schiffe und Tanklager usw benutzt. Sie Filtern das Wasser zu 100% heraus, sodas nur der gereinigte Diesel im Tank zurück bleibt und wieder benutzt werden kann. Die Filteranlage hat ein Recycling system, sodass nur der wirkliche Schutz zurück bleibt. Der Diesel ist zu 100% gereinigt und wieder verwendbar und das Wasser kann auf die Straße oder wo auch immer gepumpt werden. Die Anlage ist wartungsfrei und reinigt sich selber und besonders für solche Katastrophen Einsätze geeignet. Die Firma Isimare würde solche Anlage zu Verfügung stellen. Den Techinschen Hilfswerk und den Behörden zeigen wie man effizient der Umwelt mit wenig einsatz helfen kann.
Wenn jemand mehr info’s haben möchte, bin ich telefonische unter meiner Geschäfts Nr zu erreichen: +33607930042.
Bedanke mich für Ihre Unterstützung.

MFG
Ingo Platthoff

Vietze: Das große Aufräumen beginnt

Veröffentlicht: Juni 14, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

Mit Hochdruck pumpt eine spezielle Havariepumpe des THW minütlich 15 Kubikmeter Wasser zurück in die Elbe, um die unter Wasser stehenden Häuser in Vietze möglichst schnell wieder beziehbar zu machen.

Haus für Haus inspizieren eon Avacon-Mitarbeiter die Sicherungskästen und schalten peu á peu die Stromversorgung wieder ein. Doch manch ein Hausbesitzer wird wohl noch bis Samstag warten müssen, da das Wasser in seinem Haus noch zu hoch steht und die Stromanschaltung zu gefährlich wäre.

Etwas höher im Ort beginnen die Menschen derweil mit dem großen Aufräumen. Noch ist die Frage der Kostenübernahme nicht endgültig geklärt, doch die Gemeinde orderte mehrere Abfallcontainer, in die Sperrmüll entsorgt werden kann.

Hier und da begann man auch schon damit, Schäden wie abgesackte Gehsteine zu reparieren.

http://hochwasser2013.wendland-net.de/post/vietze-das-grosse-aufraeumen-beginnt-37585

Schadensrechnung mit Unbekannten

Veröffentlicht: Juni 14, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

von Albert Funk

Wer welchen Teil der Flutkosten trägt, ist noch unklar – ebenso, wie hoch der Gesamtschaden sein wird. Erst einmal muss das Wasser abgeflossen sein.

Auf den Deichen gewinnt man Statur. Siehe Matthias Platzeck. Siehe Gerhard Schröder. Das mag sich am Donnerstag auch Verteidigungsminister Thomas de Maizière gedacht haben. Der besuchte die Flutgebiete und dort eingesetzte Bundeswehreinheiten. Eine Abwechslung für den CDU-Politiker nach den tagelangen Debatten um das „Euro Hawk“-Debakel. Obwohl natürlich seine Aussage, dass der Bundeswehreinsatz mehr als 50 Millionen Euro kosten dürfte, schmerzlich an das Loch in seinem Etat erinnert, welches das fluguntaugliche Drohnengerät gerissen hat.

12 000 Soldaten sind ausgerückt, der „größte Katastropheneinsatz in der Geschichte der Bundeswehr“, wie de Maizière sagte. Die Kosten, das stellte er klar, würden aber nicht den betroffenen Kommunen in Rechnung gestellt. Die will der Bund übernehmen.

Denn die Städte und Dörfer entlang von Elbe, Donau oder Saale, die das Wasser traf, werden ohnehin noch gehörig Geld ausgeben müssen, wenn sie nicht die Zeit seit 2002 genutzt haben wie etwa das niedersächsische Städtchen Hitzacker, das dank rechtzeitig aufgestellter Spundwände weitgehend trocken blieb. Und erst recht werden auf Bund und Länder massive Kosten zukommen. Am Donnerstag vereinbarte die Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten ein Hilfspakets in Höhe von acht Milliarden Euro, Aufteilung fifty-fifty. Dazu soll noch Geld von der EU kommen, die Länder arbeiten bereits an Anträgen in Brüssel.

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Hochwasser 2013 Schadensrechnung mit Unbekannten

14.06.2013 09:12 Uhrvon

Unterstadt unter Wasser. Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks bahnen sich ihren Weg durchs die Fluten im schleswig-holsteinischen Lauenburg. In der Nacht zum Donnerstag ist der Pegelstand der Elbe dort etwas gesunken. Foto: dpa
Unterstadt unter Wasser. Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks bahnen sich ihren Weg durchs die Fluten im schleswig-holsteinischen Lauenburg. In der Nacht zum Donnerstag ist der… – Foto: dpa

Wer welchen Teil der Flutkosten trägt, ist noch unklar – ebenso, wie hoch der Gesamtschaden sein wird. Erst einmal muss das Wasser abgeflossen sein.

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Auf den Deichen gewinnt man Statur. Siehe Matthias Platzeck. Siehe Gerhard Schröder. Das mag sich am Donnerstag auch Verteidigungsminister Thomas de Maizière gedacht haben. Der besuchte die Flutgebiete und dort eingesetzte Bundeswehreinheiten. Eine Abwechslung für den CDU-Politiker nach den tagelangen Debatten um das „Euro Hawk“-Debakel. Obwohl natürlich seine Aussage, dass der Bundeswehreinsatz mehr als 50 Millionen Euro kosten dürfte, schmerzlich an das Loch in seinem Etat erinnert, welches das fluguntaugliche Drohnengerät gerissen hat.

12 000 Soldaten sind ausgerückt, der „größte Katastropheneinsatz in der Geschichte der Bundeswehr“, wie de Maizière sagte. Die Kosten, das stellte er klar, würden aber nicht den betroffenen Kommunen in Rechnung gestellt. Die will der Bund übernehmen.

Denn die Städte und Dörfer entlang von Elbe, Donau oder Saale, die das Wasser traf, werden ohnehin noch gehörig Geld ausgeben müssen, wenn sie nicht die Zeit seit 2002 genutzt haben wie etwa das niedersächsische Städtchen Hitzacker, das dank rechtzeitig aufgestellter Spundwände weitgehend trocken blieb. Und erst recht werden auf Bund und Länder massive Kosten zukommen. Am Donnerstag vereinbarte die Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten ein Hilfspakets in Höhe von acht Milliarden Euro, Aufteilung fifty-fifty. Dazu soll noch Geld von der EU kommen, die Länder arbeiten bereits an Anträgen in Brüssel.

Bund und Länder gründen Hochwasserfonds

Stellt sich die Frage: Woher nehmen? Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Reiner Haseloff (CDU) preschte mit einer Forderung nach Erhöhung des Solidarzuschlags vor – ungeschützt, wie sich zeigte, denn Widerspruch kam schnell. Haseloffs sächsischer Kollege Stanislaw Tillich und auch Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (beide CDU) lehnten das ab. Angela Merkel auch. Nicht nötig, jetzt keine zusätzlichen Belastungen der Bürger – Schwarz-Gelb will nicht ausgerechnet im Wahlkampf eine Steuererhöhung verkünden. Auch wenn Haseloff sein Steuerplus auf ein Jahr beschränken wollte. Anderthalb Prozentpunkte zusätzlich zu den schon erhobenen 5,5 Prozent Zuschlag hätten seiner Rechnung nach etwa vier Milliarden Euro erbracht, damit wäre der Anteil der Länder am Fluthilfepaket gedeckt.

Denn die haben ein Problem mit der Summe. Auch nicht betroffene Länder müssen Zigmillionen aufbringen – nicht zuletzt Nordrhein-Westfalen. Das ist zwar im Prinzip unstrittig, doch vier Milliarden Euro auf einmal sind für die (im Vergleich zum Bund) weniger flexiblen Landesetats eine ziemliche Herausforderung. Das Modell, das am Donnerstag im Gespräch war, zielte daher darauf, ihren Anteil zunächst vom Bund über eine Anleihe vorfinanzieren zu lassen – späteres Abstottern durch die Länder inklusive. So werden keine zu großen Nachtragshaushalte nötig, auch die Einhaltung der Schuldenbremse wäre nicht gefährdet.

Freilich ist eine wirklich seriöse Schätzung der Kosten der diversen Hochwasser derzeit kaum möglich. Erst einmal muss das Wasser abgeflossen sein. Dann kann die Landwirtschaft absehen, wie groß die Ernteausfälle und die Schädigungen der betroffenen Anbauflächen sind. Dann können auch die zuständigen Ämter ermessen, wie weit die Deiche erneuert, ausgebessert und verstärkt werden müssen und welche Maßnahmen nötig sind, um bei der nächsten Flut die Schäden geringer zu halten. Erst dann wird zudem endgültig klar sein, welches Ausmaß die Instandsetzung von Brücken, Straßen und Uferanlagen haben wird. Zudem müssen die Meldungen der Versicherungswirtschaft abgewartet werden. Das alles wird noch Wochen dauern.

Quelle: tagesspiegel.de

Ein Volk der Flutbürger

Veröffentlicht: Juni 14, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

von Gerd Nowakowski

Die Menschen helfen auf den Deichen. Doch um die Finanzhilfen für die Flutopfer könnte es noch politischen Streit geben.

Hilfsbereitschaft braucht keine Bühne. Angereiste Firmen helfen mit Gerätschaft, Kegelvereine füllen Sandsäcke, Unipräsidenten schippen Schlamm, und niemand erwartet mehr als ein Dankeschön. Wer sagt, die Deutschen tun sich schwer mit Empathie? Die Flut der Anteilnahme ist bemerkenswert an diesem Hochwasser, das erste gesamtdeutsche, weil Ostler und Westler, Nordlichter und Donauanrainer betroffen sind. Die Deutschen – ein Volk der Flutbürger.

Die Bundeskanzlerin hat das schnell begriffen. Sie ist bei den Leuten, ob in Deggendorf, Wittenberge oder Hitzacker, kehrt nicht die omnipotente Macherin heraus, sondern lässt Mitgefühl spüren: Ich bin bei denen, die Hilfe benötigen.

Das wird dem Flut-abstinenten SPD-Kandidaten auf die Füße fallen: Er hat das Momentum verpasst. Es ist egal, dass er sich nicht als Deichgraf in den Vordergrund spielen wollte – Merkel macht vor, dass es auch eine andere Rolle gibt: die der Anteilnahme.

Sandsäcke werden geschleppt, doch Geld fließt sparsam. Es ist kein Widerspruch, dass es anders als 2002 keine Welle der Spendenbereitschaft gibt. Die Lage ist unübersichtlicher, keine regionale Begrenzung wie 2002, diesmal ist Deutschland über hunderte Kilometer verwüstet worden. Vieles an dieser Katastrophe ist Egoismus, Ignoranz und falscher Politik geschuldet. Das hat einen besseren Hochwasserschutz verhindert – an der Donau oder der Mulde. Auf großzügige Spenden kann diesmal niemand hoffen, der nach der ersten Jahrhundertflut das Geld nahm, um die Schäden zu beseitigen, aber keine Lehren aus dem Unheil zog. Den Bürgern von Grimma war der schöne Blick auf den Fluss lieber als eine solide Deichanlage. Wer mag da noch einmal spenden?

Dass die Schäden im Land Brandenburg bis jetzt vergleichsweise gering sind, ist das Ergebnis einer konsequenteren Hochwasserstrategie als anderenorts: Da existieren Überflutungsflächen, wurden Deiche erhöht und andere zurückversetzt, um dem Fluss Raum zu geben. Ohne sich anzulegen mit den Hausbesitzern, den Bauern, der Forstwirtschaft oder anderen Interessenvertretern, um Überflutungsflächen auszuweisen oder Häusern mehr Abstand vom Wasser zu verordnen, geht das nicht. Wenn der Fluss sich in sein Bett zurückgezogen hat, wird diese Aufgabe aber gern schnell wieder vergessen.

Die 100 Millionen Euro Soforthilfe sind nur ein Anfang. Wichtiger ist, wie der Fluthilfe-Fonds gefüllt wird, mit dem die Schäden von voraussichtlich acht Milliarden Euro beseitigt werden sollen. Ob dies durch Bundesanleihen, höheren Soli-Zuschlag oder Steuererhöhung geschieht, ist den notleidenden Menschen egal – nicht aber der Opposition. Auch nicht dem Regierungspartner FDP, der schon vor Steuererhöhung warnt.

Nach dem Hochwasser ist deswegen vor dem Streit. Bei der Fluthilfe-Finanzierung wird es auch darum gehen, ob sich die CDU noch die teuren Wahlgeschenke einer verbesserten Mütterrente oder eines höheren Kinderfreibetrags leisten kann. Die rot-grüne Bundesregierung hat im Wahlkampf 2002 die schon beschlossene Steuersenkung ausgesetzt. Bei der Debatte wird deshalb Kandidat Steinbrück mit seiner Bundesrat-Mehrheit eine zweite Chance bekommen. Nicht ausgeschlossen, dass die empathische Kanzlerin am Ende doch noch ein Hochwasser-Opfer wird.

Quelle: tagesspiegel.de

 

Die morgendliche Lagebesprechung im Kreishaus ergab keine dramatischen Ereignisse. Sowohl in Hitzacker als auch in Neu Darchau und Penkefitz hielten die Deiche bisher. Die Bewohner der Hitzackeraner Altstadt können seit dem frühen Morgen in ihre Häuser zurück kehren, da dort der Wasserstand die kritische Marke von 7,76 m unterschritten hat.

„Das Hochwasser in Lüchow-Dannenberg hat momentan den Stand des Hochwassers 2011 erreicht,“ heißt es in der Mitteilung weiter.

Im Bereich Gartow liegt der Schwerpunkt der Arbeiten auf dem Rückbau. Es wird erwartet, dass die Zufahrt zum Dorf Laasche im Laufe des Freitag wieder freigegeben werden kann. In Vietze hilft das THW mit einer starken Havariepumpe, den mit Wasser gefüllten Bereich zwischen Notdeich und Häusern in die Elbe abzupumpen. Leider war es noch nicht möglich, den Ort wieder an die zentrale Abwasserentsorgung anzuschließen. Mit einigen Pumpen wurde am Vormittag zur weiteren Entlastung Wasser aus der Kanalisation abgezogen.

Der Regen im Bereich Dannenberg führte dazu, dass die Arbeiten an den Deichen am Donnerstag Abend vorübergehend eingestellt wurden. Trotz des Regens sind die Deiche stabil, so die Kreisverwaltung. Die Abdeckungsfolie, die in Neu Darchau auf den ersten Notdeich aufgebracht wurde, hat sich demnach bewährt.

Zu Schulschließungen wird in Kürze eine gesonderte Pressemitteilung gesendet.

http://hochwasser2013.wendland-net.de/post/wasserstand-wie-2011-deiche-haben-bisher-gehalten-13778

Ein deutscher Ingenieur hat eine mobile Schutzwand entwickelt, die vor Hochwasser schützt. Die Erfindung kann dazu beitragen, dass sich Städte künftig extrem schnell vor den Fluten wappnen können. Von Silvia von der Weiden

Moderne Technik für den Hochwasserschutz ist kostspielig. In Dresden schützen derzeit mobile Schutzwände die Semperoper vor dem Elbehochwasser. Riesige Wassertanks fangen das abgepumpte Sickerwasser auf, das der Fluss in die Keller des Gebäudes drückt.

Rund 130 Millionen Euro hat das die Stadt gekostet. Angesichts der 50 Millionen Euro Schäden, die die Flut 2002 an dem historischen Gebäude verursachte, ist das eine Aufwendung, die sich nun bezahlt macht. Auch am Rhein wird Hochwasserschutz großgeschrieben.

Allein die Stadt Köln investierte in den vergangenen Jahren 260 Millionen Euro in Schutzmaßnahmen. Als eine der wirkungsvollsten hat sich schon mehrfach die insgesamt 9,3 Kilometer lange und bis zu vier Meter hohe, mobile Hochwasserschutzwand bewährt, welche die tief gelegene Altstadt und weitere Stadtteile sogar vor einem Rekordhochwasser sichern soll.

„Solche mobilen Schutzwände bestehen aus zwei Komponenten: den Mittelstützen, die im Hochwasserfall in regelmäßigen Abständen montiert werden, und den Dammbalken, die dazwischen gestapelt werden. Spezielle Verschraubungs- und Anpresstechniken sorgen für die Dichtigkeit der Schutzwand“, erläutert Xaver Storr. Er ist Geschäftsführer beim mittelständischen Anlagenbauer IBS aus dem bayerischen Thierhaupten, der die Kölner Hochwasserschutzwand ausgeführt hat. Diese lagert normalerweise, in mehrere Teile zerlegt, im Depot.

Ist Hochwasser zu erwarten, muss der Aufbau schnell gehen. Das erfordert neben einer ausgeklügelten Logistik vor allem auch leichte und kompakte Bauteile. Um neben den Dammbalken auch die Stützen unter ein Gewicht von 70 Kilogramm zu drücken, hat das Unternehmen daher eine neue Stützengeneration aus reinem Aluminium entwickelt.

Schutzwand muss gewaltigen Kräften standhalten

„Damit können die Bauteile mit zwei Mann unabhängig von zusätzlichem technischem Gerät installiert werden“, erklärt Storr. Zwei bis drei Tage Vorlauf braucht es aber auch dann, um die Schutzwand in der gesamten erforderlichen Länge zusammenzubauen. Die Schutzwand muss bei ihrem Einsatz im Hochwasser gewaltigen Kräften standhalten.

„Beim Volleinstau mit maximalem Pegelstand haben wir eine Flächenlast von mindestens zwei Tonnen pro Quadratmeter im obersten Meter der Schutzwand berücksichtigt“, erläutert der Experte. „Außerdem muss die Wand auch an ungünstigen Stellen des Bauwerks einem Anprall etwa durch Treibgut widerstehen, was einer Einzellast von drei Tonnen entspricht.“

Die sichtbare Schutzwand ist aber nur der kleinere Teil einer mächtigen Konstruktion, die auf Stahlbeton ruht. Je nach der Beschaffenheit des Untergrundes ist das Fundament bis zu 20 Meter tief im Boden verankert und hält so das vom Fluss eindringende Sickerwasser zurück. Zusätzlich sorgen Pumpwerke in regelmäßigen Abständen dafür, dass nachdrängendes Wasser nicht unter das Fundament gelangt.

Es müsste doch auch einfacher und schneller gehen, dachte sich ein Münsteraner Wasserschutzingenieur und entwickelte 2006 mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt die „ausklappbare Stauwand“.

„Die Schutzwand besteht aus einer dicken, polyesterverstärkten PVC-Plane, die von Stahlpfosten in regelmäßigen Abständen gehalten wird. Auf der wasserabgewandten Seite wird die flexible Kunststofffolie zusätzlich durch ein aufgespanntes Lawinenschutznetz aus Stahl verstärkt, was der Schutzwand die nötige Stabilität verleiht“, erläutert Hartmut Wibbeler, der Erfinder des Systems.

200 Meter lange Schutzwand extrem schnell aufgebaut

Sicherheitsgurte, die von Pfosten zu Pfosten gespannt werden, verstärken das Ganze. Der Clou: Die bis zu 1,80 Meter hohe Folie samt Netz ist zusammenrollbar und verschwindet normalerweise in einem Betonkanal, der Teil beispielsweise eines Bürgersteiges oder eines Deiches ist.

Im Ernstfall lässt sich die Schutzwand dann ruck, zuck ausrollen. „Ausgerüstet mit einem Haken und einem Multischlüssel, bauen zwei Personen in zwei Stunden 200 Meter der Schutzwand auf“, verspricht Wibbeler.

Er vermarktet das System inzwischen bereits kommerziell. Noch steht die große Bewährungsprobe dafür allerdings aus. Sicherheitstests am TuTech Zentrum für Klimafolgenforschung in Hamburg-Harburg haben ergeben, dass die Schutzwand auch bei hohen Anprallversuchen von Treibgut nicht versagt, so Wibbeler. Und auch bei den Dichtigkeitstests der Folie hätte sich nur eine geringe Durchsickerungsrate ergeben.

Der Wasserschutzingenieur zeigt sich deshalb auch sehr zuversichtlich: „Wir haben die mobile Schutzwand schon auf mehreren Messen und Ausstellungen vorgestellt. Das Interesse daran war groß.“ An einer ausfahrbaren Hochwasserschutzwand haben sich zuvor auch schon die Hersteller von Dammbalken-Wänden versucht.

„In ein solches Vorhaben haben wir viel Entwicklungsarbeit und Zeit gesteckt“, sagt IBS-Experte Storr. „Aber eine solche Technik wird nicht vom Markt nachgefragt.“ Immerhin einen Fortschritt kann das Unternehmen dabei aber vermelden: In einem Projekt in Irland erprobt es nun eine Hochwasserschutzwand, bei der zumindest die Pfosten versenkbar sind.

Quelle: welt.de

Osiander spendet 20.000 Euro für Kollegen

Veröffentlicht: Juni 14, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Die Bereitschaft, den Hochwasser geschädigten Buchhandlungen zu hilfen, nimmt weiter zu. Osiander hat 20.000 Euro an das Sozialwerk des deutschen Buchhandels überwiesen, Langenscheidt spendet Ersthilfepakete, Bastei Lübe 50 Cent bei jedem verkauften „Inferno“ von Dan Brown.

Die Geschäftsleitung der Osianderschen Buchhandlung in Tübingen hat  für die Hochwasser geschädigten Kollegen 20.000 Euro an den Hilfsfonds des Sozialwerks des Deutschen Buchhandels überwiesen.

Der Langenscheidt-Verlag hat ein „Erste-Hilfe-Paket“ mit den wichtigsten Titeln geschnürt. Diese kostenlose Erstausstattung umfasst rund 30 Exemplare und kann von betroffenen Buchhändlern beim Langenscheidt Kundenmanagement ngeordert werden (E-Mail: kundenservice@langenscheidt.de, Tel. 089 36096 – 333)

Bastei Lübbe spendet von jedem verkauften Exemplar von Dan Browns Bestseller „Inferno“, das in den kommenden 14 Tagen über die Ladentische geht, 50 Cent. Hochwassergeschädigte Buchhandlungen sollen sich hier direkt mit ihrem Bastei Lübbe Außendienstmitarbeiter in Verbindung setzen.

Der United Soft Media Verlag spendet nicht explizit für Buchandlungen, sondern für alle Flutopfer bis zum 30. Juni 2013 zehn Prozent aller Umsätze über seinen Onlineshop für die Aktion Deutschland Hilft.

Quelle: boersenblatt.net

Elb-Anwohner warten auf Entwarnung

Veröffentlicht: Juni 14, 2013 von fluthelfer in Elbe

 

In den Hochwassergebieten entlang der Elbe hoffen die Anwohner, dass das Schlimmste überstanden ist. Die Pegelstände sinken allmählich, doch das Wasser drückt weiterhin stark gegen die Deiche. Die Behörden halten daher die Gefahr von Dammbrüchen immer noch für sehr hoch. Die Regenfälle, die bis in die Nacht hinein andauerten, haben zwar keinen Einfluss auf den Pegelstand. Das Wasser von oben hat die aufgeweichten Deiche aber zusätzlich belastet.

Bis mindestens Anfang kommender Woche werde der Kampf gegen das Hochwasser und das Aufweichen der Deiche anhalten, sagte ein Sprecher des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz in Hannover. Eine Rückkehr zur Normalität sei noch nicht absehbar. Sorgen machen den Helfern zudem Gefahren durch Keime: Der Landkreis Lüneburg warnt nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen vor Viren im Hochwasser, die aus überfluteten Klärgruben ins Wasser gespült worden sind. Es bestehe die Gefahr, sich mit Hepatitis A anzustecken.

Hitzacker: Rückkehr auf Altstadtinsel

In Niedersachsen können die Bewohner der evakuierten Altstadtinsel von Hitzacker (Landkreis Lüchow-Dannenberg) heute seit sechs Uhr in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Der Landkreis hob die Evakuierung am frühen Freitagmorgen auf. Der Pegelstand war in der Nacht unter die Marke von 7,76 Meter gefallen. Auf die Insel dürfen allerdings vorerst nur Einwohner und Helfer, bis der Pegelstand auf 7,46 Meter gesunken ist.

Sinkende Pegelstände in Dömitz

In Mecklenburg-Vorpommern sinkt das Wasser ebenfalls allmählich: Die Pegelstände unterschritten am Donnerstag in Dömitz erstmals die Sieben-Meter-Marke und gingen im Durchschnitt einen Zentimeter pro Stunde zurück. Am Morgen lag der Pegelstand dort bei 6,76 Meter, im weiter flussabwärts gelegenen Boizenburg betrug er 7,03 Meter. Zu Wochenbeginn waren Höchststände von 7,21 Metern in Dömitz und 7,32 Metern in Boizenburg gemessen worden. Ausgelegt sind die Deiche für 6,80 Meter. Normalerweise ist die Elbe in beiden Städten um die zwei Meter tief.

Optimismus in Lauenburg

Auch in Schleswig-Holstein entspannt sich die Hochwasserlage nach und nach: In Lauenburg ging der Pegelstand der Elbe bis zum Morgen auf 9,29 Meter zurück. Die Einsatzkräfte zeigen sich optimistisch. Es werden erste Vorbereitungen getroffen, damit die Bewohner der überfluteten Altstadt möglichst schnell wieder in ihre Häuser könnten. Dabei soll sich heute entscheiden, ob die Hilfskräfte dort bereits ihre Hochleistungspumpen in Stellung bringen können.

Hamburger Hafenverwaltung befürchtet Giftfracht

Die Deiche in Hamburg sind nach Einschätzung der Umweltbehörde vollkommen ausreichend. Zwar sickerte am Mittwoch am Altengammer Hauptdeich das Wasser an mehreren Stellen durch. Dies stellt aber offenbar kein größeres Problem dar. Der Zentrale Katastrophenschutzdienst dichtete die Lecks mit insgesamt 40 Paletten Sandsäcken ab. Zur Kontrolle patrouillieren die Deichwarte in der Hansestadt alle zwei Stunden. Wie NDR 90,3 berichtete, befürchtet Hamburgs Hafenbehörde HPA jedoch eine Giftfracht durch die Elbeflut. Mitgeschwemmte Industrie-Abfälle und ausgelaufenes Heizöl könnten den Hafenschlick belasten.

Acht Milliarden Euro Hilfe

Um die Flutschäden zu bewältigen, hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der 16 Bundesländer am Donnerstag auf ein umfangreiches Hilfsprogramm für die Flutopfer verständigt. Der Fonds soll bis zu acht Milliarden Euro umfassen. Die genaue Höhe sei noch offen, weil das Ausmaß der Schäden noch nicht klar sei, sagte Merkel. Unterdessen besuchte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) die Hochwassergebiete an der Elbe in Niedersachsen und bedankte sich bei den dort eingesetzten Soldaten.

http://www.ndr.de/regional/elbhochwasser159.html

Evakuierung Hitzackers ab Freitag, 6.00 Uhr aufgehoben

Veröffentlicht: Juni 14, 2013 von fluthelfer in Hitzacker

 

Am späten Abend korrigierte der Landkreis Lüchow-Dannenberg seine Lageeinschätzung Donnerstag: demnach kann die Evakuierung der Stadtinsel Hitzacker voraussichtlich nun doch am Freitag, 14.06.2013, um 6:00 Uhr morgens aufgehoben werden.

Wie bereits berichtet wurde, kann die Aufhebung erst ab einem Unterschreiten des Pegelstandes von 7,76 m am Pegel Hitzacker erfolgen. Nach der (neuen) Einschätzung tritt dieser Fall in den Morgenstunden des 14.06.2013 ein. Anwohner können also voraussichtlich am Freitag Morgen in ihre Wohnungen zurück kehren.

Die Hochwasserschutzzonenverordnung der Samtgemeinde Elbtalaue regelt auch, bis wann auf der Stadtinsel das eingeschränkte Betretungsrecht gilt. Ab einem Pegelwert von 7,46 m am Pegel Hitzacker wird auch diese Einschränkung aufgehoben – dies tritt nach jetziger Einschätzung am Samstag morgen, die Sperrung der Stadtinsel wäre also ab 8:00 Uhr Morgens aufgehoben.

Die Kreisverwaltung empfiehlt jedoch, sich in dieser Frage Freitag zu informieren.

http://hochwasser2013.wendland-net.de/post/evakuierung-hitzackes-ab-freitag-6-00-uhr-aufgehoben-19484