Schutzmaßnahmen Immobilienschäden durch Hochwasser

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz

Kolbermoor in Oberbayern, Anfang Juni: Das Hochwasser der Mangfall verursacht schwere Schäden in und an den Häusern. Mittlerweile ist der Fluss in sein Bett zurückgekehrt. Was er an Hausrat zerstört hat, ist unübersehbar.

http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/geld-und-leben/geld-und-leben-immobilien-100.html

Vieles ist nicht mehr zu retten. Neben solchen Müllbergen sehen die Häuser auf den ersten Blick unversehrt aus. Auch das von Familie Meier. Doch auf sie kommen beträchtliche Sanierungskosten zu.

„Wenn wir das dann regulär machen lassen, ich schätze schon, dass da so 30.000 Euro zusammen kommen werden.“

Günther Meier, Hauseigentümer

Im Keller sind die verborgenen Schäden besonders schlimm. Der Estrich: vom Wasser angehoben. Die Wände: komplett durchfeuchtet. Es riecht modrig. Trockengeräte werden wochenlang laufen müssen. An manchen Stellen löst sich der feuchte Putz schon von der Decke. Das Tragische ist: Die Meiers kannten das Hochwasser-Risiko, als sie Anfang der 90er-Jahre ihr Haus planten. Sie wollten das Erdgeschoss höher als das Straßenniveau bauen, um sich zu schützen. Doch das Landratsamt verweigerte die Genehmigung.

„Die Fenster und den Keller kann man so dicht machen, dass kein Wasser reinkommt. Aber dass es bei den Fenstern und der Haustür reinläuft, das haben die auch nicht überrissen.“

Günther Meier, Hauseigentümer

Keine Baugenehmigung für den Hochwasserschutz – und das Anfang der 90er-Jahre. Dabei war die Gefahr bekannt. Kolbermoor ist in der Geschichte mehrfach von Überschwemmungen verwüstet worden. Doch seit fast 60 Jahren blieb die Mangfall friedlich. Die Gefahr verblasste bei Anwohnern und Behörden.

Und das nicht nur in Kolbermoor, sondern auch in Rosenheim

Baudezernent Helmut Cybulska erklärt uns, dass man erst seit ein paar Jahren das Überschwemmungs-Risiko für jedes einzelne Grundstück errechnet – und dann Auflagen zum hochwassersicheren Bauen stellt.

„Man hat die Gefahr vorher schlichtweg in dieser Form nicht gesehen. Heute würden wir anders bauen, wenn eine Bebauung heute dort zulässig wäre, dann würden Grundsätze des hochwasserangepassten Bauens berücksichtigt, dann müssten Höhenlagen korrigiert werden und dann müssten individuelle Vorkehrungen an den Gebäuden vorgenommen werden.“

Helmut Cybulska, Baudezernent Rosenheim

Der Rosenheimer Stadtteil Oberwöhr am Hochwasser-Wochenende

Hier haben sich viele Familien ihren Traum vom Eigenheim verwirklicht, noch in den letzten Jahren gekauft oder gebaut. Jetzt, wo das Wasser weg ist, kann man hier sehen, welchen Unterschied es macht, ob dabei an das Hochwasserrisiko gedacht wurde – oder nicht. In älteren Häusern liefen die Keller voll, Heizöl aus und das Wasser stand im Erdgeschoss. Erst vor wenigen Jahren setzte ein Umdenken ein: Neubauten, bei denen die Behörden Schutzvorkehrungen forderten, blieben zum Teil fast trocken.

Tipp – die Hochwasserfibel

Jahrzehntelang hat man in vielen Hochwasserregionen die Gefahr ausgeblendet: Es wurde gebaut als ob kein Gewässer in der Nähe wäre – mit tief im Boden liegenden Erdgeschossen, ohne wasserdichte Fenster, ohne Hochwasserschotts. Zum Teil haben die Behörden bauliche Vorkehrungen sogar untersagt, weil Häuser in ihrer Optik dann nicht ihren planerischen Vorstellungen entsprochen hätten. Erst in den letzten Jahren hat ein Umdenken stattgefunden: Mittlerweile werden per Computer für Grundstücke in Gefahrenzonen die Wasserstände bei möglichen Hochwasserkatastrophen simuliert. Dort darf nur gebaut werden, wenn vorgebeugt wird. Das heißt: Das Erdgeschoss muss so weit über Straßenniveau errichtet werden, dass es über dem prognostizierten Pegelstand eines hundertjährlichen Hochwassers liegt. Aber auch bei Altbauten kann man nachrüsten. Genauere Informationen darüber gibt es in der „Hochwasserfibel“ des Bundesbauministeriums.

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