Notdeich hinter dem Notdeich

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

Lage in Neu Darchau bleibt heikel – Einsatzleitung bereitet Einwohner auf mögliche Überflutungen vor

Neu Darchau. Das Wasser geht zurück. Langsam zwar, aber stetig.

Mehrere Zentimeter hat der Elbpegel bei Neu Darchau seit Dienstagabend verloren. Doch von Entwarnung kann in dem Ort im nördlichsten Zipfel Lüchow-Dannenbergs keine Rede sein. Ganz im Gegenteil sogar: Immer mehr Kräfte von Feuerwehr und auch Bundeswehr rücken seit Mittwoch Morgen an, um aus zigtausenden Sandsäcken einen neuen Notdeich zu errichten. Eine zweite Deichverteidigungslinie hinter dem ersten Notdeich. Denn der ist mittlerweile hochgradig instabil, hat große Risse und droht, nach unten, in die Elbeflut also, abzurutschen. »Wenn das passiert, dann läuft ein großer Teil des Ortes voll», sagt einer der verantwortlichen Feuerwehrleute bei der Lagebesprechung. Und das wollen, das müssen die Einsatzkräfte verhindern.

Und so fahren im Minutentakt Lkw und Traktor-Gespanne auf der Elbuferstraße vor und bringen Sandsäcke aus dem Kieswerk in Tramm. 50000 sollen es sein, andere Quellen sprechen von bis zu 100000 Säcken, die in Neu Darchau gestern und in der Nacht zu heute verbaut werden sollten. »In der Hoffnung, den zweiten Damm gar nicht zu brauchen», sagt Stefan Schmidt, der Einsatzleiter vor Ort, dem man ansieht, dass er in den vergangenen Nächten wenig Schlaf bekommen hat. Dirk Wiezer, ein Wasserbau-Ingenieur, der zur Feuerwehrkreisbereitschaft Wolfenbüttel gehört, ist da optimistischer. »Ich glaube nicht, dass der Notdeich bricht», sagt er. Aber Sicherheit gehe nunmal vor. »Und um diese Sicherheit zu gewährleisten, brauchen wir die zweite Verteidigungslinie.»

Die besteht aus einem fast zwei Meter hohen Wall aus Sandsäcken, den Feuerwehrleute und Bundeswehrsoldaten Stück für Stück aufschichten. Die Sandsäcke müssen per Hand an die neue Deichverteidigungslinie gebracht werden, die Radlader und Traktoren, die die Lkw aus Tramm entladen, dürfen nicht näher als 100 Meter an den Notdeich heran, weil die beim Fahren Erschütterungen auslösen, die dem instabilen Sandwall womöglich den Rest geben könnten. Eine anstrengende Arbeit, dazu scheint die kräftige Juni-Sonne von einem wolkenlosen Himmel, was dazu führt, dass die Kräfte regelmäßig ausgetauscht werden müssen und am Einsatzort so ein stän-diges Kommen und Gehen herrscht. »Die Leute ermüden schnell», sagt Stefan Schmidt. »Aber das ist auch verständlich. Das hier ist der Brennpunkt, dieser Abschnitt geht nie unter 100 Prozent, und das seit Tagen.»

Ob das reichen wird, ist allerdings fraglich. »Ein Restrisiko, dass die Sicherungsmaßnahmen versagen, besteht», so Jürgen Meyer, Bürgermeister der Samtgemeinde Elbtalaue. Und so gingen gestern Mitarbeiter der Verwaltung gemeinsam mit DRK-Sanitätern und Feuerwehrleuten im gefährdeten Neu Darchauer Ortsgebiet von Haus zu Haus und wiesen die Bewohner darauf hin, dass sie doch ihre Fahrzeuge in höher gelegene Bereiche fahren sollten, lose Gegenstände sichern, Möbel und Elektrogeräte möglichst hoch lagern und die Nächte am besten nicht im Erdgeschoss verbringen sollten. Und die Mitarbeiter erkundigten sich, ob die rund 110 Betroffenen im Falle eines Deichbruchs und einer Überflutung bei Freunden oder Bekannten unterkommen könnten oder ob die Samtgemeinde für sie Unterkunftsmöglichkeiten vorhalten solle. Von einer möglichen Evakuierung könne aber nicht die Rede sein, hieß es aus dem Dannenberger Rathaus. Es seien lediglich Vorbereitungen auf den schlimmstmöglichen Fall. Und man gehe nicht davon aus, dass der eintrete.

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