Land unter für Landwirte

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Sachsen-Anhalt

 

Das aktuelle Hochwasser hat größere Schäden hinterlassen als bislang angenommen – dabei ist für viele Menschen im Norden Sachsen-Anhalts weiter abwärts an der Elbe noch längst nicht alles vorbei. Heute will sich Kanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten der betroffenen Bundesländer in Berlin treffen, um über Hilfsmaßnahmen zu beraten. Neben betroffenen Bürgern und Unternehmern hofft auch der Bauernverband, dass den Land- und Tierwirten unter die Arme gegriffen wird. Wir haben Landwirte in Sachsen-Anhalt besucht.

Plötzlich ist alles hinüber

Vor 14 Tagen war die Welt noch in Ordnung für Landwirt Jens Fromm von den Vereinigten Agrarbetrieben Seydaland. Auf den Feldern des Ökobetriebs zwischen Lutherstadt Wittenberg und Jessen begannen Mais, Möhren und Buchweizen ordentlich zu wachsen. Der Raps hatte nach der Blüte schon fette Schoten gebildet: „Der prahlt im Moment noch, sieht grün aus. Aber wenn man mal eine Pflanze rauszieht, sind jetzt Schäden an der Wurzel zu ziehen, die er über die nächsten sechs Wochen wohl nicht mehr verkraften kann“, sagt Jens Fromm nun nach dem Hochwasser im Mündungsbereich zwischen Schwarzer Elster und Elbe.

Vom Ausmaß der Schäden hat sich jetzt der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Dr. Helmut Born überzeugt: „Wir stehen mit den Gummistiefeln im Wasser, die gesamte Ernte für den Bauern ist verloren.“

Ob Land- oder Tierwirte – alle sind betroffen

Bislang sind rund 20.000 Agrarbetriebe deutschlandweit betroffen. Der Bauernverband hat einen Schaden von über vier Millionen Euro errechnet. Dabei hat es Sachsen-Anhalt am Schlimmsten getroffen: „Das was hier in Sachsen-Anhalt passiert ist, ist wirklich weit voraus gegenüber allen anderen Ländern. Wenn man Sachsen dazu nimmt, dann haben wir dort über die Hälfte des Schadensereignisses für Gesamt-Deutschland.“

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes spricht nicht nur von Acker- und Grünfutterflächen, sondern auch von Betrieben und Stallungen, die überschwemmt wurden – und von Tierbeständen, die evakuiert werden mussten. Auch die Mutterkuh-Herde der Agrargenossenschaft „Elstermündung“ in Schützberg war betroffen, wie Reinhardt Zeidler erklärt: „Ich wollte es eigentlich nicht erleben, eine tote Herde zu sehen. Darum habe ich mich dazu entschieden, so zeitig zu evakuieren. Mehr braucht man dazu nicht zu sagen.“

Füreinander da sein, lautet die Devise

Die Landwirte in der Elbe-Elster-Region mussten schon 2002 und 2005 mit starkem Hochwasser klarkommen. Damals wie heute haben die Landwirte zusammengestanden und konnten auf die Hilfe vieler Freiwilliger bauen. Der Deutsche Bauernverband will diesen Zusammenhalt weiter koordinieren: „Wir haben bei einer gemeinnützigen Stiftung, der Schorlemmer-Stiftung, ein Konto eingerichtet. Das heißt, wir lassen es nicht nur bei der Bitte und Forderung an Bund und Länder und die Europäische Union, uns zu helfen, sondern wir wollen uns auch untereinander helfen.“

In diesem Zusammenhang betont der Präsident des Landesbauernverbandes Sachsen-Anhalt, Frank Zedler: „Die Ackerflächen, die unter Wasser stehen und teilweise ja auch bewusst dafür genutzt wurden – das ist sicher wichtig, um unsere Gemeinde und Städte zu schützen. Aber man muss natürlich im Nachgang dann auch darüber reden, dass die betroffenen Betriebe einen Ausgleich dafür erhalten, damit sie nicht vor dem Ruin stehen.

Tiere reagieren schlecht auf Evakuierungen

Zedler spricht Schweinezüchter Kurt Walther vom Agrarbetrieb „Grüne Aue“ in Battin aus dem Herzen. Der hat schon erfahren, dass Tiere auf Evakuierungen, andere Ställe, neue Hackordnungen schlecht reagieren – weniger fressen und weniger Nachkommen zeugen. Obwohl er jetzt nach vorn schaut, stecken ihm Arbeit und Angst noch in den Knochen: „Das ist so wie wenn jemand stirbt. Man kann Beileid wünschen, aber so richtig mitempfinden geht nicht – ist auch gut so, das ist ein Schutzreflex zum überleben.“

Der vom Hochwasser stark betroffene Öko-Landwirt Fromm hatte den Tierzüchtern der Region einen leeren Stall auf seinen trockenen Flächen als Notunterkunft bereitgestellt. Hier warten jetzt Kühe, Schweine und Schafe darauf, dass das Wasser sich aus der Aue zurückzieht. Tierwirt Reinhardt Zeidler: „Es gibt nur Heu und Wasser, aber sie sind erstmal zufrieden.“

Die Hoffnung: viel Sonne und ein wenig Regen

Nicht nur die Tiere – auch die Landwirte wollen wieder auf die Grünlandflächen, um Futter für die Tiere zu produzieren. Schon jetzt herrscht Futtermangel in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Deshalb wünschen sich Ökolandwirt Jens Fromm und seine Kollegen: „Zuerst muss es warm werden und ein bisschen regnen, die ganze Zeit, dass es sich abspült. – 25 Grad und dazu mal ein kleiner Schauer – das wäre das ideal.“

Ein kurzer Regenschauer hin und wieder würde auch die bevorstehende Mückenplage eindämmen helfen. Die stechenden Insekten sind nicht nur lästig – sie können auch Tierkrankheiten übertragen. Die Bauern wären froh, wenn sie diese Sorge nicht auch noch hätten.

http://www.mdr.de/mdr-info/hochwasser-landwirte100.html

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