Deichschutz mit High-Tech

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

 

 

Schwarz-weiß ist das Bild auf dem Monitor, auf den Feldwebel Gernot L. seinen Blick geheftet hat.

Es zeigt den Deich, der die Niederung zwischen Gartow und Nienwalde gegen die Seege abschirmt, und an dem das Wasser so hoch steht, dass es fast schon überläuft. »Das ist ein Wärmebild des Deiches», erklärt der Soldat, der in seinem Fennek sitzt, einem Aufklärungs-Radpanzer der Bundeswehr. »Die dunklen Stellen sind kalt, die hellen warm», sagt er, bedient einen Joystick, und das Bild schwenkt von dem sich hell abzeichnenden Wall auf die daneben liegende Wiese. Dort haben sich Qualmwasserpfützen gebildet, die auf dem Monitor als dunkle Flächen zu sehen sind. »Und genau danach suchen wir», erläutert der Feldwebel. Denn wenn sich solche Flecken im Deich oder am Deichfuß zeigen, wird es kritisch. Dann ist der Deich durchweicht. »Und wir sind hier, um das rechtzeitig zu erkennen.»

Der Feldwebel und die beiden anderen Soldaten in dem elfeinhalb Tonnen schweren Panzerfahrzeug gehören zum Aufklärungs-Lehrbataillon 3 in Lüneburg, er selbst stammt jedoch aus Lüchow-Dannenberg. Und das sei es auch, was diesen Einsatz für ihn zu etwas ganz Besonderem mache, erzählt der Zeitsoldat. »Wir setzen hier ein Gerät, das für Konfliktfälle erdacht und gebaut wurde, und unsere Fähigkeiten ein, um Menschen und ihr Eigentum zu beschützen. In meiner Heimat. Das ist ein gutes Gefühl», sagt er, lächelt und schaut wieder auf den Monitor. Dort sind mittlerweile auch zwei Pferde zu sehen, die friedlich am Deichfuß grasen. Mehr noch: Hinter ihnen erkennt man noch das Wärmebild ihrer Hufabdrücke im Gras. »High-Tech made in Germany», sagt der Soldat und schmunzelt. Auch die Nicht-Lüchow-Dannenberger in seiner Einheit sind in diesem Hochwasser-Einsatz sehr motiviert. Konzentriert absolvieren sie ihre Zwölf-Stunden-Schichten am sogenannten Linken-Seege-Rückstaudeich, laufen Deichwache, schauen stundenlang auf die Monitore in den insgesamt sechs Fenneks, die für diese Aufgabe eingeteilt sind. In der heißen Sonne des Tages und in den mückenverseuchten Nächten an dem mittlerweile stehenden Gewässer. Auch bei der Sicherung des Gartower Schlosses waren sie im Einsatz, tagelang, verbauten zigtausende Sandsäcke und kilometerweise Planen und Vlies. »Wir sind hier, solange wir gebraucht werden, je nach Lage», erklärt der Feldwebel. »Und wir sind gerne hier.»

In Gartow ist man froh, die Bundeswehrsoldaten an den Deichen und in Alarmbereitschaft zu wissen – für den Fall, dass irgendwo ein Deich stabilisiert werden muss – oder Schlimmeres. Und die großen Panzerfahrzeuge mit ihren futuristisch wirkenden Aufklärungs-Aparaten ziehen so manch einen neugierigen Blick auf sich. »Es halten schon mal Leute an und fragen, was wir hier machen», sagt Feldwebel Gernot L. Dann geben die Soldaten bereitwillig Auskunft, und wer möchte, der kann auch einen Blick in den Fennek werfen. »Die Akzeptanz ist groß», freut sich der Soldat. »Und wir freuen uns über das Interesse. Und darüber, dass wir helfen können.»

Insgesamt sind in Niedersachsen derzeit rund 2000 Bundeswehrsoldaten im Hochwassereinsatz, 2900 stehen als Reserve bereit, um im Fall der Fälle dort eingesetzt zu werden, wo viele helfende Hände und schweres Gerät gebraucht werden. »Die Bundeswehr tut alles, um die Deiche zu schützen», heißt es vom Landeskommando Niedersachsen in Hannover.

http://www.ejz.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s