„Das Beste wären Auwaldflächen“

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Bayern

Bauernverband und Bund Naturschutz diskutieren über Möglichkeiten eines effektiven Hochwasserschutzes an Flüssen und Bächen im Landkreis.

Von Gregor Schiegl

Der oberbayerische Bezirkspräsident und Kreisobmann des Bauernverbands, Anton Kreitmair, appelliert an die Hochwassergeschädigten im Landkreis, keine Mittel aus dem staatlichen Hochwasserfonds in Anspruch zu nehmen. In einigen Regionen, vor allem in Allgäu und in Niederbayern, gehe es um Existenzen, im Landkreis aber seien die Schäden, insbesondere bei den Bauern, „unerheblich“. Die Finanzhilfen solle man daher den am stärksten Betroffenen überlassen, sagte er nach einer Präsidiumssitzung des Bayerischen Bauernverbands. „So viel Anstand müssen die Dachauer schon haben“, sagte Kreitmair. „Wer extrem betroffen ist, den nehme ich natürlich aus.“

Nach Regenfällen mit bis zu 150 Litern pro Quadratmeter waren auch im Landkreis mehrere Bäche und Flüsse über die Ufer getreten, vor allem Maisach und Glonn. Auch Äcker und Felder waren überflutet. „Nach zwei, drei Tagen war das Wasser wieder weg.“ Dennoch wird auch im Landkreis rege diskutiert, wie der Hochwasserschutz verbessert werden kann. Wegen des Klimawandels gehen Experten davon aus, dass sich in Zukunft starke Niederschläge häufen werden.

„Der billigste Hochwasserschutz ist, wenn man in die Fläche geht“, sagt Kreitmair. Ausgleichsflächen müssten in Zukunft verstärkt entlang der Gewässer ausgewiesen werden. Dazu solle jede Kommune ihren Beitrag leisten, sei es am Zeitlbach oder an der Glonn. Forderungen, Bauern notfalls zu enteignen, weist er als „populistisch“ zurück. Die Landwirte hätten kein Problem damit, ihre Felder zum Auffangen des Hochwassers zur Verfügung zu stellen, sagt Kreitmair – sofern der Staat dafür entsprechende Entschädigungen leiste. Derzeit werde noch untersucht, welche Schadstoffe durch das Hochwasser auf die Felder der Bauern geschwemmt worden seien.

Der Kreisvorsitzende des Bunds Naturschutz, Roderich Zauscher, hält Landwirtschaft im unmittelbaren Uferbereich für ungeeignet, weil bei Überschwemmungen große Mengen Schlamm ins Wasser gelangten. „Das Allerbeste wären Auwaldflächen.“ Waldboden nehme ungleich mehr Wasser auf als ein Acker oder ein Feld. Für die Bauern wäre diese Nutzung angesichts der hohen Preise für Brennholz auch ein gutes Geschäft. Ideal wäre freilich, die Uferbereiche wieder zu echten Moosgebieten zu machen. Für die Landwirtschaft wären sie dann allerdings nicht mehr nutzbar.

Kreitmair wirft den Naturschützern vor, sie selbst hätten wichtige Maßnahmen zum Hochwasserschutz verhindert: Geröll, das sich in Flüssen ansammele, dürften die Bauern aus Naturschutzgründen nicht mehr entfernen. Deshalb habe das Hochwasser nur schlecht abfließen können. Auch die Dämme von Bibern hätten daran ihren Anteil gehabt, immer wieder hätten die geschützten Tiere die Hochwasserdeiche unterhöhlt.

BN-Chef Zauscher weist Kreitmairs Vorwürfe zurück: Die Räumung der Flüsse ziehe eine höhere Fließgeschwindigkeit nach sich – und damit erst recht erhöhte Pegelstände. Biber bremsten durch ihre Bauten das Wasser und seien somit „Hochwasserschützer“. Es sei kein Problem, einen Damm bibersicher zu machen. Wenn das in einem Fall nicht geschehen sein sollte, sei dies „Schlamperei“. Zauscher sieht das Problem an anderer Stelle: „Es wäre dringend notwendig, auch kleinere Bäche wieder zu renaturieren.“ Beim Höfaer Bach und dem Rohrbach sei das streckenweise schon geschehen und habe zumindest einige Tausend Kubikmeter Wasser zurückgehalten. Hätte es ähnliche Maßnahmen auch an der Glonn gegeben, wäre Petershausen nach seiner Einschätzung von Überschwemmungen verschont geblieben. Die Wasserkraftwerke an der Glonn müssten dafür ihren Betrieb einstellen. Zauscher sieht darin keinen großen Verlust: Alle 14 Anlagen erzeugten zusammen nur 60 Prozent des Stroms, das die künftige Windkraftanlage in Dachau erzeugt.

Quelle: sueddeutsche.de

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