Archiv für Juni 13, 2013

Fischbeck, Löbnitz, Deggendorf: Ob Dämme halten, schien in den vergangenen Tagen Glückssache zu sein. Dabei kann einen starken Deich nichts erschüttern. Woran liegt es, wenn er trotzdem bricht? Brauchen wir bessere Deiche? Oder sind sie womöglich gar nicht der beste Schutz bei Hochwasser? n-tv.de spricht mit Professor Holger Schüttrumpf, Leiter des Instituts für Wasserbau und Wasserwirtschaft der RWTH Aachen.

n-tv.de: Herr Schüttrumpf, viele Deiche an Donau, Elbe und Mulde haben dem Druck der Wassermassen in den letzten Tagen nicht standhalten können. Zahlreiche Dämme sind gebrochen. Woran liegt das?

Holger Schüttrumpf: In einigen Bereichen wurden nicht nur die höchsten jemals eingetretenen Wasserstände überschritten, sondern auch die Bemessungswasserstände. Jeder Deich ist nämlich – wie andere Bauwerke auch – auf eine bestimmte Belastung ausgelegt. Wird die Belastung höher als vorgesehen, kann es zum Versagen des Bauwerkes kommen. Dann bricht der Deich.

Hätte man nach dem Hochwasser von 2002 viel mehr Deiche viel höher bauen müssen?

In vielen Gegenden hat man die Deiche ertüchtigt. Aber aktuell müssen wir zwei Aspekte unterscheiden: Da sind zum einen die Regionen, in denen die Deiche nach 2002 noch nicht den neuen Hochwasserständen angepasst wurden. Es gibt Orte, da hat man – aus welchen Gründen auch immer – den Hochwasserschutz noch nicht komplett umgesetzt. Ein Beispiel dafür ist Grimma. Dort hatte sich eine Bürgerinitiative gegründet, die gegen den Hochwasserschutz war. Man hatte also nach 2002 die Deiche noch nicht erhöht. Deswegen ist es dort jetzt zu Überschwemmungen gekommen.
Der zweite Aspekt, den man von diesem ersten deutlich unterscheiden muss, betrifft insbesondere die Deiche in Sachsen-Anhalt: Dort waren die Wasserstände, wie ich eingangs schon sagte, höher als je zuvor und höher als die Bemessungswasserstände. Das sind Ereignisse außerhalb des planmäßigen Bereiches. Das ist dann auch nicht mehr Gegenstand des Hochwasserschutzes, sondern des Katastrophenschutzes.

Kann man Deiche beliebig hoch bauen?

Man kann Deiche auf jeden Fall noch höher bauen, als es bislang bei uns der Fall ist. Aber da sind uns auch finanziell Grenzen gesetzt. Vielleicht müssten wir uns eher fragen: Welche Sicherheit wollen wir haben? Wir können uns nur bis zu einem bestimmten Maß schützen. In Deutschland haben wir bestimmte Jährlichkeiten, also Eintrittswahrscheinlichkeiten von Hochwasserereignissen, auf die wir unsere Deiche auslegen. Das kann zum Beispiel ein Ereignis sein, das einmal in hundert Jahren auftreten könnte. Das kann auch ein Ereignis sein, das einmal in fünfhundert oder tausend Jahren auftreten könnte. Das ist regional etwas unterschiedlich. Diese seltenen Ereignisse also werden beim Deichbau berücksichtigt. Man kann die Deiche natürlich noch höher bauen und damit auf ein noch selteneres Ereignis auslegen. Es kann aber auch in Zukunft immer eine Situation eintreten, die einen noch höheren Wasserstand bringt. Eine absolute Sicherheit wird es nie geben.

Aus welchen Materialien bestehen Deiche aktuell? Sind neue Materialien im Gespräch, die weniger schnell durchweichen?

Der heutige Deich ist ein Dreizonendeich: Als erstes ist da eine wenig durchlässige Tonschicht. Die hat die Aufgabe, das Wasser zurückzuhalten. Damit gewährleistet sie die Dichtungsfunktion des Deiches. Die zweite Schicht ist der Sandkern. Der hat die Aufgabe, den Kräften des Wassers zu widerstehen. Die dritte Zone ist der Kiesfilter. Er soll das durchsickernde Wasser am Deichfuß austreten lassen, damit es keine Schäden verursacht. Ein Deich ist nämlich nie ganz undurchlässig.
Es gibt tatsächlich Überlegungen zu anderen Dichtungssystemen innerhalb des Deiches. Aber man muss sehen: Wir reden über viele Kilometer an Deichen. Zum Schluss ist das eine Kostenfrage. Deswegen verwendet man für den Deich üblicherweise Material, das gut verfügbar ist. Da bieten sich Ton, Sand und Kies an. Und auch mit diesen Materialien lassen sich widerstandsfähige Deiche bauen.

An der Küste setzt man eher auf eine zweite Deichlinie als auf eine Aufstockung der Deiche. Wäre das auch an den Flüssen eine Lösung?

An den Flüssen wird das eher nicht gemacht. An der Nordseeküste hat man in der Tat zweite Deichlinien, die sind aber überwiegend historisch entstanden; dort hatte man Land vor dem Deich gewonnen. Über die Jahrhunderte hinweg sind in Nordfriesland auf diese Weise zum Teil fünf bis sechs Deichlinien hintereinander entstanden.
Tatsächlich ist in Nordfriesland bislang noch nie eine zweite Deichlinie gebrochen. Sie bietet eine doppelte Sicherheit. Aber entlang der Flüsse ist eine zweite Deichlinie nicht realistisch. Dafür gibt es mehrere Gründe: den Flächenverbrauch, den Naturschutz, den Konflikt mit anderen Nutzungen und schließlich die Kosten. Ein Kilometer Deich kostet zwei bis fünf Millionen Euro – je nach Region. Erstmal sollten wir überall ausreichend hohe und widerstandsfähige Deiche bauen, in Kombination mit anderen Hochwasserschutzmaßnahmen, wie etwa Poldern und dezentralem Wasserrückhalt oder einer Rückverlegung von Deichen.

Nun hält ein starker Deich ja das Wasser im Fluss. Bei Hochwasser wird der dann aber immer gewaltiger und schneller, und Orte am unteren Flusslauf sind von riesigen Wassermassen bedroht. Wären Überschwemmungsgebiete da nicht grundsätzlich sinnvoller als Deiche?

Polder oder Überschwemmungsgebiete sind genauso wie Deiche ein Bestandteil des Hochwasserschutzes; da spielen verschiedene Aspekte zusammen. Hochwasserschutz muss aus mehreren Komponenten bestehen. Das dürfen nicht nur Deiche sein, es dürfen auch nicht nur Polder sein, und genauso wenig darf es nur dezentraler Wasserrückhalt sein. Ein guter Hochwasserschutz besteht aus vielen kombinierten Maßnahmen – und das sowohl im Oberlauf des Flusses als auch im Unterlauf. Gegen das Wasser, das man oben nicht mehr speichern kann, muss man sich unten wehren. Das geschieht dann eben im Wesentlichen durch Deiche und Hochwasserschutzwände. Und es ist zu unterscheiden zwischen städtischen und ländlichen Bereichen. Auf dem Land kann man unter Umständen, sofern keine Siedlungen betroffen sind, eher mal eine Überflutung zulassen oder den Deich zurückverlegen als in den Ortschaften und Städten.

Inwiefern wird das aktuelle Hochwasser den Deichbau verändern?

Auf der Grundlage dieser Ereignisse wird man die Bemessungswasserstände überprüfen und gegebenenfalls neue Belastungsgrenzen für die Deiche festlegen. Dabei wird man ein zusätzliches Sicherheitsmaß berücksichtigen. Und dann wird man Deiche nach dem aktuellen Stand der Technik als widerstandsfähiges Bauwerk planen und bauen. Um Städte, Dörfer und Gemeinden vor Hochwasser schützen zu können, brauchen wir jedenfalls – neben anderen Maßnahmen – auch in Zukunft Deiche.

Mit Holger Schüttrumpf sprach Andrea Schorsch.

Quelle: n-tv.de

Sachsen-Anhalt kämpft weiter gegen die Fluten

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Sachsen-Anhalt

 

Sachsen-Anhalt ist noch immer weitflächig vom Hochwasser der Elbe und Saale überschwemmt. In Kamern im Kreis Stendal hat die Bundeswehr eine erhöht liegende Straße aufgebrochen. Durch die Öffnung soll das durch den Deichbruch bei Fischbeck eindringende Elbwasser in die Havelpolder abfließen. Tausende Menschen in dem Gebiet östlich der Elbe wurden evakuiert. Doch viele weigerten sich und müssen jetzt per Boot und Hubschrauber versorgt werden.

Leichte Hoffnung gibt es nach dem Deichbruch an der Saale bei Groß Rosenburg. Das Hochwasser aus dem Überflutungsgebiet fließt mittlerweile in den Fluss zurück. Die Stadt Aken ist weiterhin vom Wasser eingeschlossen. Entspannt hat sich die Lage im Salzlandkreis. Die Evakuierungen der Gemeinden Grünewalde, Elbenau und Ranies bei Schönebeck wurden inzwischen aufgehoben. Auch in Magdeburg normalisiert sich die Lage.

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Sachsen: Streit um Flutschutz in Grimma

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Sachsen

 

An der Elbe in Sachsen hat sich die Lage entspannt. In Schöna, Dresden und Torgau gilt nur noch Alarmstufe 2, in Riesa die 3. In Dresden wurden am Mittag 5,52 Meter gemessen, mehr als drei Meter unter dem Höchststand vor einer Woche. Normal sind in der Landeshauptstadt knapp zwei Meter. In Teilen des Landkreises Meißen bestand noch Katastrophenalarm. Laut Innenmnisterium gibt es noch immer Probleme an einigen Deichen.

Parallel läuft eine Debatte über Defizite beim Hochwasserschutz. Die Landestalsperrenverwaltung prangerte Versäumnisse etwa in Grimma an. Der Talsperrenchef für den Raum Leipzig, Axel Bobbe, sagte der „Leipziger Volkszeitung“: „Denkmalschützer und Privatleute haben uns mindestens zwei bis drei Jahre aufgehalten.“ Ohne diese Verzögerung hätte es nicht die großen Schäden gegeben. Bobbe zufolge wurde von den nach der Flut 2002 insgesamt veranschlagten 40 Millionen Euro für den Hochwasserschutz erst die Hälfte investiert.

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Hochwasser-Pflichtversicherung?

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Thüringen

 

Die Justizminister der Länder planen eine Pflichtversicherung für Hausbesitzer gegen Elementarschäden wie Hochwasser oder Erdrutsche. Wie Thüringens Ressortchef Holger Poppenhäger mitteilte, gab es dafür bei einem Treffen der Justizminister in Saarbrücken parteiübergreifenden Zuspruch. Im November sollen demnach erste Ergebnisse vorgestellt werden. Poppenhäger nannte es ein „Gerechtigkeitsproblem“, dass viele Hausbesitzer in Hochwassergebieten keinen Versicherungsschutz bekämen oder dieser zu teuer sei. Es könne auch nicht sein, dass der Staat dann immer einspringen müsse. Um die Risiken für die Versicherer zu finanzieren, könnten die Kosten auf alle Versicherten wie bei der Haftpflichtversicherung umgelegt werden. In Frankreich, Spanien oder Dänemark gibt es eine ähnliche Hochwasser-Versicherungspflicht.

Widerspruch kam vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft. Eine „Flut-Haftflicht“ sei ungerecht und löste nicht die eigentlichen Probleme. Durch eine solche Versicherung gehe der Anreiz für bauliche Schutzmaßnahmen verloren – dadurch könnte es bei der nächsten Flut noch mehr zerstörte Häuser geben. Außerdem sei es ungerecht, alle für Grundstücksbesitzer mit Fluss- oder Seeblick bezahlen zu lassen.

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Merkel macht neue Schulden für Flutopfer

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in im Norden

 

Die Pegelstände in Norddeutschland sinken – trotz Dauerregen, der am Abend einsetzt. Auch in Mecklenburg-Vorpommern bleibt die Lage angespannt. Zumindest finanziell gibt es einen kleinen Trost: Die Flutopfer sollen acht Milliarden Euro aus einem Fonds bekommen.

Der heutige Tag:

21:01 Uhr: Nach Bundeskanzlerin Merkel und Verteidigungsminister de Maizière kommt nun auch der Bundespräsident: Joachim Gauck wird am Freitag das Hochwassergebiet in Deggendorf/Bayern besuchen. Er will den vielen tausend Helfern und Einsatzkräften danken und den Hochwasser-Betroffenen Mut zusprechen. Nach einem Lagebericht in der Einsatzzentrale trifft sich der Bundespräsident in der Technischen Hochschule Deggendorf mit Studenten, die die Arbeit der freiwilligen Helfer koordinieren. Begleitet wird Gauck vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU). Am vergangenen Sonntag hatte Gauck die Hochwasser-Städte Halle an der Saale und Meißen in Sachsen besucht. Von der aktuellen Lage und dem Besuch des Ministers berichten wir auch am Freitag. Damit beenden wir den Liveticker zum Hochwasser für heute.

20:13 Uhr: Schluss mit Sonnenschein im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Seit einiger Zeit regnet es ununterbrochen. Die Einsatzkräfte haben an vielen Stellen Planen über die Notdeiche gelegt, damit sie nicht auch noch vom Regen durchnässt werden. Auch in den nächsten Tagen werden Niederschläge erwartet.

André Gansfort vom THW-Ortsverband Lingen kontrolliert eine Pumpe, die das Wasser aus der Kanalisation von Neu Darchau zurück in die Elbe pumpt. Die Pumpe „Hannibal“ schafft 5000 Liter Wasser pro Sekunde. „Wenn das Wasser in der Kanalisation zu hoch steigt, werden die Keller überflutet“, sagt Gansfort. Zusammen mit zehn Kameraden ist er seit Dienstag im Hochwassergebiet im Einsatz. Am Sonntag werden sie abgelöst.

19.07 Uhr: Die Europaminister der Länder wollen EU-Fördermittel auch für Hochwasseropfer einsetzen. Nach ihrer Ansicht sollte geregelt werden, dass Gelder aus den Strukturfonds und dem Fonds für den ländlichen Raum in der verbliebenen Förderperiode bis Ende 2013 flexibel dafür verwendet werden können. „Wir haben es mit einer Flut bislang unbekannten Ausmaßes zu tun“, betonte der Vorsitzende der Europaministerkonferenz der Länder, Brandenburgs Wirtschafts- und Europaminister Ralf Christoffers (Linke), am Donnerstag. Das Angebot der EU-Kommission zur Unterstützung der betroffenen Gebiete werde begrüßt.

17.50 Uhr: Trotz weiter rückläufiger Elbe-Pegelstände weicht die Anspannung in Mecklenburg-Vorpommern nicht. An immer mehr Stellen sickert Wasser durch die vollgesogenen Deiche, wie ein Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim sagte. Sie würden mit Sandsäcken abgedichtet. Noch immer führe die Elbe mehr Wasser als bei der Rekord-Flut im Januar 2011. Die Pegelstände unterschritten am Donnerstag in Dömitz erstmals die Sieben-Meter-Marke. Derzeit sinkt das Wasser um knapp einen Zentimeter in der Stunde. Normalerweise liegt der Wasserstand der Elbe hier um die zwei Meter. Der Katastrophenalarm werde aufrechterhalten.

17.21 Uhr: In Hitzacker lag der Pegelstand am Donnerstag knapp unter acht Metern – am Abend zuvor waren es noch 8,07 (normal: 2,67 Meter) gewesen. Die Bundeswehr überwacht seit Tagen in den niedersächsischen Flutgebieten die Deiche. Verteidigungsminister Thomas de Maizière bedankte sich auf einem Feld bei Penkefitz im Kreis Lüchow-Dannenberg bei den Soldaten für ihren Einsatz. Es sei der bisher größte Flut- und Katastropheneinsatz, den die Bundeswehr je hatte. Bei sinkenden Wasserständen waren die Einheiten damit beschäftigt, die Deiche mit Sandsäcken auf der Rückseite zu verstärken.

16:45 Uhr: Etwa jeder sechste Deutsche hat laut einer Umfrage schon für die Opfer der aktuellen Flutkatastrophe gespendet. Das berichtete am Donnerstag das Meinungsforschungsinstitut YouGov in Köln. Gefragt wurde nach der Bereitschaft, Geld oder Sachspenden für Betroffene der Hochwasserkatastrophe in Süd- und Ostdeutschland beizusteuern. 40 Prozent der Bundesbürger sind demnach bereit, einen Beitrag zu den Spendenaktionen zu leisten. 27 Prozent wollten nicht spenden und 15 Prozent hatten bereits eine Spende getätigt. 18 Prozent sagten: „Ich weiß nicht.“

16:05 Uhr:  Landwirte und Bundeswehrsoldaten haben in Sachsen-Anhalt gemeinsam Tausende Tiere vor dem Hochwasser in Sicherheit gebracht. Etwa 10.000 Rinder, davon 1500 Milchkühe, und mehr als 1000 Schweine seien vor allem nördlich von Magdeburg und im Landkreis Stendal in andere Ställe gebracht worden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Landsbauernverbands, Fritz Schumann, der Nachrichtenagentur dpa. „Die Tiere sind nicht abgesoffen, sie leben jetzt auf höheren Inseln“, sagte er. Rinder und Schweine würden über das Wasser mit Futter versorgt.

15.40 Uhr: Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) forderte ein Bund-Länder-Konzept zum Hochwasserschutz. Er will am kommenden Dienstag eine Regierungserklärung zum Elbe-Hochwasser  abgeben. Im Anschluss an Weils Erklärung will der Landtag zudem einen Antrag der FDP zum Hochwasserschutz beraten. Unter anderem fordern die Liberalen mehr Landesgelder für Schutzmaßnahmen, eine länderübergreifende Zusammenarbeit der Elbe-Anrainerländer und bei Bedarf auch höhere Deiche.

14.57 Uhr: Der von Bund und Ländern getragene Fluthilfe-Fonds wird ein Volumen von etwa acht Milliarden Euro haben. Das teilte Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) am Donnerstag in Berlin nach einem Treffen der Ministerpräsidenten mit.

13.34 Uhr: Ein Durchbruch in einer Landstraße lässt erste Wassermassen aus der überschwemmten Region bei Fischbeck nun in Richtung Havelpolder ablaufen. Die Bundeswehr hatte am Morgen in dem Hochwassergebiet im Landkreis Stendal einen rund 50 Meter breiten Durchfluss geschaffen, wie der Krisenstab der Landesregierung in Magdeburg mitteilte. Bisher hatten sich die Wassermassen dort nach einem Deichbruch an der höher gelegenen Straße gestaut. Nach Angaben des Krisenstabs sind in dem Gebiet inzwischen rund 6400 Menschen in Sicherheit gebracht worden.

12.46 Uhr: Das Elbehochwasser in Lauenburg hat seinen höchsten Stand offenbar überschritten. Am Vormittag lag der Pegel in Lauenburg bei 9,50 Meter. Gegen Mitternacht hatte er noch bei 9,56 Meter gelegen. Die Lage habe sich weitgehend stabilisiert, an den Deichen seien bislang keine Risse festgestellt worden, sagte Krisenstabsprecher Peter Schütt. Derzeit prüfen Experten, wann mit dem Abpumpen des Wassers aus der Elbstraße begonnen werden kann. „Das hängt nicht nur vom Wasserstand, sondern auch vom Zustand der Straße ab, denn die Pumpen sind schwer und müssen von schweren Lastwagen gezogen werden“, sagte Schütt. Die Frage des Pumpeneinsatzes sei derzeit das Kernthema im Krisenstab, sagte Schütt. „Die Anwohner wollen natürlich so schnell wie möglich in ihre Häuser zurück. Aber das geht erst, wenn wieder Strom da ist und die Gebäude von Bausachverständigen auf ihre Standfestigkeit überprüft worden sind. Beides ist erst möglich, wenn die Elbstraße trocken ist“, sagte er. Durch die Überprüfung der Gebäude soll ausgeschlossen werden, dass sie wegen unterspülter Fundamente einstürzen und womöglich Nachbargebäude mitreißen.

12.05 Uhr: Um Schwachstellen in aufgeweichten Deichen zu entdecken, setzen Geo-Experten aus Hannover vom Hubschrauber aus eine Wärmebildkamera ein. Nach einem Testflug im Raum Magdeburg sollte der Hubschrauber am Donnerstag an der Elbe zwischen Lenzen in Mecklenburg-Vorpommern und dem niedersächsischen Gorleben zum Einsatz kommen, teilte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit. Das Projekt sei positiv verlaufen, bei Magdeburg seien bereits Sickerwasserstellen treffsicher entdeckt worden, sagte ein Sprecher. Eine Ortsbegehung habe die aus 300 Metern Höhe vom Hubschrauber aus entdeckten Schwachstellen bestätigt. Auf den Thermalbildern sind die durchweichten Partien zu erkennen, weil sie eine um drei bis fünf Grad niedrigere Temperatur haben, als die übrigen Flächen. Auch Qualmwasser, das bei einer Unterströmung eines Deiches auftritt, kann an seiner niedrigeren Temperatur erkannt werden. Ziel sei es, in Zukunft durch ein Abfliegen der Deiche und Dämme mit einer Thermalkamera auffällige Temperaturmuster und damit mögliche Schwachstellen zu registrieren. Die gewonnenen Daten können dann in Karten oder Luftbildern den Einsatzkräften bereits vorab und während eines Hochwassers zur Verfügung gestellt werden. Einen Einsatz von Thermalkameras vom Hubschrauber aus hat es bereits in den achtziger Jahren gegeben. Jedoch liegen keine umfassenden aktuellen Karten mehr vor, die dazu beitragen können, auffällige Durchsickerungsstellen zu erkennen. Eine jetzt eingesetzte neue Methode soll es ermöglichen, Problempunkte noch besser zu lokalisieren und analysieren.

11.43 Uhr: Die derzeitige Flut wird nach Einschätzung von Experten teurer als die Katastrophe vor elf Jahren. Die Ratingagentur Fitch schätzte die Schäden durch die Überschwemmung von Elbe, Donau und Saale auf rund zwölf Milliarden Euro. Das wäre rund eine halbe Milliarde Euro mehr als 2002 beim Hochwasser an Elbe und Oder. Damals hatten Bund und Länder die Flutopfer nach Angaben des Finanzministeriums mit einem Hilfsfonds in Höhe von sechseinhalb Milliarden Euro unterstützt.

11.10 Uhr: Knapp zwei Wochen nach Beginn des verheerenden Hochwassers in weiten Teilen Bayerns ebbt auch die zweite Flutwelle ab. Laut dem amtlichen Hochwasserlagebericht vom Donnerstagmorgen lag der höchste Punkt der ablaufenden Hochwasserwelle der Donau im niederbayerischen Raum Pfelling und Deggendorf. Neue für den Abend vom Deutschen Wetterdienst vorhergesagte Schauer und Gewitter mit starkem Regen könnten örtlich zu einem Anstieg der Wasserstände führen. Großen Einfluss auf die abfließende Hochwasserwelle der Donau hätten sie aber nicht mehr.

10.40 Uhr: Die Hochwasserlage in Magdeburg entspannt sich deutlich. Inzwischen können alle Bewohner der ostelbischen Ortsteile wieder in ihre Häuser zurück, wie die Stadt am Donnerstag mitteilte. Auch die Beschränkungen für Randau-Calenberge und Pechau seien aufgehoben. Am Freitag soll an den Schulen der Unterricht wieder anlaufen. Die Schulen, in denen Einsatzkräfte und Flutopfer untergebracht worden waren, werden frei.

10.15 Uhr: Die Regierungschefs von Bund und Ländern wollen sich an diesem Donnerstag in Berlin über die Hilfen für die Opfer der Hochwasserkatastrophe verständigen. Auf Bundesseite ist ein Aufbaufonds mit bis zu acht Milliarden Euro im Gespräch. Das Geld sollen Bund und Länder jeweils zur Hälfte aufbringen. Damit würde die Hilfe weitaus höher ausfallen als 2002. Bei der damals als „Jahrhundertflut“ eingestuften Katastrophe wurden etwa 6,5 Milliarden Euro abgerufen

9.08 Uhr: In Sachsen-Anhalt stehen ganze Landstriche meterhoch unter Wasser. Allein 1100 Quadratkilometer Agrarflächen sind nach Schätzungen des Bauernverbandes landesweit überflutet. Das Hochwasser wird für viele Wildtiere zur Todesfalle. Roland Gramling von der Umweltschutzorganisation WWF: „Fast ohne jede Chance sind Kleintiere wie Mäuse, Hamster oder Kaninchen. Viele sind in ihren unterirdischen Bauten ertrunken. Eine ernsthafte Chance zur Flucht hatten sie nicht. Gleiches gilt für Bodenbrüter, die auf der Erde ihre Nester haben oder für Vögel, die im niedrigen Schilf gerade ihren Nachwuchs großziehen. Es ist Nistzeit, die Jungtiere sind noch nicht flügge und die Elterntiere nicht in der Lage, sie zu retten.“

8.33 Uhr: Leichte Entspannung am Hochwasser-Gebiet im schleswig-holsteinischen Lauenburg: Der Anstieg der Elbe scheint gestoppt. Der Wasserstand ist in der Nacht zum Donnerstag um rund sechs Zentimeter gefallen. Am frühen Morgen lag der Pegel in Lauenburg bei 9,50 Meter. Gegen Mitternacht hatte er noch bei 9,56 Meter gelegen. Die Lage habe sich weitgehend stabilisiert, an den Deichen seien bislang keine Risse festgestellt worden, teilte ein Sprecher des Krisenstabs mit. Er rechnete damit, dass der Wasserstand im Laufe des Tages weiter zurückgehen wird.

7.11 Uhr: Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) wird heute gegen 10.50 Uhr in Dannenberg im Hochwassergebiet an der Elbe eingesetzte Soldaten treffen. Er wolle sich ein Bild von der Lage machen und mit Soldaten des Logistikbataillons 141 sprechen, teilte ein Sprecher des Landeskommandos Niedersachsen mit. Derzeit seien insgesamt 2000 Soldaten im Hochwassereinsatz, rund 2900 stünden als Reserve bereit. Die Bundeswehr überwacht in Niedersachsen mit Aufklärungsflugzeugen  die Deiche. Am vergangenen Freitag hatte de Maizière Soldaten am Zusammenfluss von Elbe und Saale südlich von Magdeburg bei ihrem Einsatz besucht.

7.05 Uhr: In den Flutregionen der Elbe sind die Pegelstände in der Nacht zum Donnerstag fast überall weiter zurückgegangen. In Hitzacker in Niedersachsen lag der Wert am frühen Donnerstagmorgen knapp unter acht Metern – am Abend zuvor waren es noch 8,07 gewesen. Nach Angaben des Landkreises Lüchow-Dannenberg blieb die Nacht ruhig. Das Hochwasser ist leicht zurück gegangen.

2006 stand die Elbe in Hitzacker 7,63 Meter hoch. Seit 2008 sorgt ein rund 36 Millionen Euro teurer Hochwasserschutz für Sicherheit. Doch jetzt ist die Stadt erneut von Hochwasser bedroht.

In Bleckede (Landkreis Lüneburg) betrug der Wasserstand zum selben Zeitpunkt etwa drei Zentimeter weniger als am Abend zuvor. Einsatzkräfte errichteten eine zweite Deichlinie bei Neu Darchau (Landkreis Lüchow-Dannenberg).

Zwar sei in Wussegel bei Hitzacker an mehreren Stellen Wasser durch die Deiche gesickert, die Lage sei jedoch unter Kontrolle, sagte die Sprecherin. Zeitweise drohte in der Nähe des kleinen Ortes auch ein Baum auf eine Schutzmauer zu stürzen. Ob der Baum weiterhin eine Gefahr darstellt und gefällt werden muss, werde im Laufe des Vormittags feststehen, hieß es.

Am Pegel Hohnstorf bei Lauenburg in Schleswig-Holstein wurden knapp neuneinhalb Meter gemessen. Ursprünglich waren für Lauenburg Pegelstände von zehn Metern und mehr prognostiziert worden. In Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern waren es knapp unter 7 Meter. Am Dienstag war hier noch der Höchstwert mit 7,21 Metern registriert worden. Nach wie vor besteht aber die Gefahr von Deichbrüchen.

In der Katastrophenregion im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt wurden bis zum späten Mittwochabend noch Menschen in Sicherheit gebracht. Einige weigerten sich nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung jedoch, ihre Häuser zu verlassen. Sie sollten im Laufe des Tages mit Booten und Hubschraubern mit Lebensmitteln versorgt werden. Durch die Bruchstelle des Elbdeichs bei Fischbeck fließt nach wie vor Wasser ins Hinterland. Bereits in der Nacht zum Montag war der Deich gebrochen. Seither sind weite Landstriche überflutet worden. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

7.02 Uhr: Bund und Länder wollen sich heute auf Milliardenhilfen für die Opfer der Hochwasserkatastrophe verständigen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) trifft am Nachmittag mit den Ministerpräsidenten der Länder in Berlin zusammen. Dabei soll unter anderem über einen Aufbaufonds für Flutschäden beraten werden.

Im Gespräch ist ein Hilfspaket von bis zu acht Milliarden Euro, das je zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert werden soll. Damit würde die Unterstützung weitaus höher ausfallen als 2002. Bei der damals als „Jahrhundertflut“ eingestuften Katastrophe wurden etwa 6,5 Milliarden Euro abgerufen.

dpa/mhu/sup

Hochwasser-Liveticker vom Mittwoch 12. Juni

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Ticker

Der Norden Deutschlands kämpft weiter gegen das Elbe-Hochwasser an. Vor allem die Gemeinden Lauenburg und Hitzacker sind betroffen. In Sachsen-Anhalt müssen erneut Menschen in Sicherheit gebracht werden. Brandenburg scheint hingegen glimpflich davonzukommen.

+++ 23:50 Milliarden-Hilfspaket im Gespräch +++
Bund und Länder wollen sich am Donnerstag auf Hilfen für die Opfer der Hochwasserkatastrophe verständigen. Im Gespräch ist ein Hilfspaket von bis zu 8 Mrd. Euro, das je zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert werden soll. Damit würde die Unterstützung weitaus höher ausfallen als 2002. Damals wurden etwa 6,5 Mrd. Euro abgerufen.

+++ 22:22 Soforthilfe in Magdeburg ausgezahlt +++
In Magdeburg wurden bereits 53.000 Euro Soforthilfe für Flutopfer ausgezahlt. Es seien weit über 100 Anträge gestellt oder entgegengenommen worden, teilte die Stadtverwaltung mit.

+++ 21:33 Erfolg für Helfer bei Kamern +++
Bei Kamern in Sachsen-Anhalt sind die Helfer offenbar einen Schritt weiter gekommen: Ein Straßendurchbruch auf der Landstraße 18 sei erfolgreich gewesen, meldet der MDR auf Twitter. Das Hochwasser solle so in die Havelpolder abfließen können.

+++ 20:30 Hertha BSC kickt für Spenden +++
Das Testspiel zwischen dem  Fußball-Bundesligisten Hertha BSC und dem Drittliga-Aufsteiger RB  Leipzig wird zur Hilfsaktion für die Hochwasser-Opfer. Die Ost-Klubs  treffen am Donnerstag um 15.00 Uhr im Dessauer Paul-Greifzu-Stadion  aufeinander. Die Einnahmen des Spiels werden gespendet. Dies gaben die Leipziger am Mittwoch bekannt.

+++ 20:11 Deichabrutsch bei Niegripp droht +++
Der Deich am Niegripper Verbindungskanal droht offenbar abzurutschen. Das berichtet der MDR Sachsen-Anhalt auf Twitter. Der Katastrophenstab Haldensleben habe vorsorglich einen Hubschrauber angefordert.

+++ 19:58 De Maizière besucht Dannenberg +++
Verteidigungsminister Thomas de Maizière reist am Donnerstagvormittag nach Niedersachsen. Er will sich über die Hochwasserlage informieren, wie das dortige Landeskommando der Bundeswehr mitteilte. Zudem werde er Soldaten besuchen, die in Dannenberg den Deich schützen.

+++ 19:35 Xavier Naidoo singt für Flutopfer +++
Popsänger Xavier Naidoo hat im niederbayerischen Straubing spontan ein Konzert zugunsten der Flutopfer gegeben. Der Auftritt sollte bis zum Abend dauern – am Nachmittag waren nach ersten Schätzungen etwa 2000 Menschen gekommen. Eintritt wurde nicht verlangt, die Besucher konnten aber freiwillig spenden. Die Initiative ging von dem Popstar selbst aus. Naidoo war mit seinen Musikern in einem Truck samt Equipment ins vom Hochwasser betroffene Straubing gekommen.

+++ 19:20 Luftverkehr wird eingeschränkt +++
Wegen schaulustiger Hobbypiloten über den Hochwassergebieten hat das Bundesverkehrsministerium den Flugverkehr eingeschränkt. Im Raum Deggendorf in Bayern sowie im Korridor Dresden/Hamburg seien nur noch Flüge der Einsatzkräfte zugelassen oder solche im öffentlichen Interesse wie beispielsweise für Luftaufnahmen zur Auswertung von Experten, sagte eine Sprecherin von Minister Peter Ramsauer. Die Beschränkungen im Luftverkehrstourismus gelten seit Dienstag und sind vorerst bis Freitag, 24.00 Uhr, geplant.

+++ 18:57 Hilfsfonds wird größer als der 2002 +++
Der geplante Hochwasser-Hilfsfonds von Bund und Ländern wird voraussichtlich größer ausfallen als der Aufbaufonds nach der Flutkatastrophe von 2002. In Koalitionskreisen war am Mittwoch in Berlin von bis zu acht Milliarden Euro die Rede, die sich Bund und Länder jeweils zur Hälfte teilen sollen. 2002 hatten Bund und Länder einen Fonds von mehr als 7 Milliarden Euro für die Opfer des damals als „Jahrhundertflut“ eingestuften Hochwassers bereit gestellt. Davon wurden etwa 6,5 Milliarden Euro abgerufen.

+++ 18:21 Einige Magdeburger dürfen nach Hause +++
In Magdeburg stabilisiert sich die Lage langsam. Die Bewohner mehrerer Stadtteile östlich der Elbe können demnach in Ihre Häuser zurückkehren, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Allerdings gilt die Alarmstufe vier weiter. Sie wird voraussichtlich erst am Wochenende unterschritten. Auch die Bewohner von Mangelsdorf und Kleinmangelsdorf durften in ihre Wohnungen zurückkehren.

+++ 17:55 Zentralrat der Muslime ruft zur Hilfe auf +++
Der Zentralrat der Muslime hat zu Spenden, Gebeten und tatkräftiger Hilfe für die Flutopfer aufgerufen. „Diesen Freitag werden in vielen Gemeinden Spenden gesammelt“, sagte der Vorsitzende Aiman A. Mazyek. Man könne aber auch bei den Aufräumarbeiten mithelfen oder für die Opfer beten. Hilfe für den Nachbarn sei ein wichtiger Aspekt im Islam. Mazyek berichtete weiter, in Halle sei die untere Etage einer Moschee überschwemmt worden.

+++ 17:35 Ein zweiter Deich für Neu Darchau +++
Der Notdeich in Neu Darchau im niedersächsischen Landkreis Lüchow-Dannenberg könnte wegrutschen. Der NDR berichtet auf Twitter, ein zweiter Deich werde hinter dem ersten errichtet.

+++ 17:20 Länder bitten EU um Wiederaufbauhilfe +++
Die neun von der Hochwasserkatastrophe getroffenen Bundesländer wollen in Brüssel um Wiederaufbauhilfe der EU bitten. Dazu ist ein gemeinsames Schreiben der Ministerpräsidenten an Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Vorbereitung. Die Federführung hat Sachsen, beteiligt zudem die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Es sei absehbar, dass der Wiederaufbau finanzielle Mittel in großem Umfang erfordern werde, heißt es in dem Entwurf des Schreibens. „Allein werden die Regionen die Folgen der Hochwasserkatastrophe aber kaum bewältigen können.“ Die EU hatte bereits Finanzhilfen angeboten – wofür sich die neun Ministerpräsidenten in dem Brief an Barroso bedanken wollen.

+++ 17:00 Landwirtschaft beklagt hohe Flutschäden +++
Auf 321 Millionen Euro beziffert Agrarministerin Ilse Aigner die bisherigen Schäden für die Landwirtschaft durch das Hochwasser in Deutschland. Diese Summe ergebe sich aus den Schadensmeldungen der Landwirtschaftsministerien der betroffenen Länder, sagte Aigner der „Saarbrücker Zeitung“ und fügte hinzu: „Aber das ist lediglich eine vorläufige Schätzung, am Ende dürfte die Gesamtsumme noch deutlich höher sein.“ Inzwischen seien mehr als 431.000 Hektar Land von Hochwasser und Starkregen betroffen. Auch in Tschechien richtete die Flut beträchtliche Schäden in der Landwirtschaft an. Nach ersten Erhebungen belaufen sich die Kosten auf 3,3 Milliarden Kronen – umgerechnet etwa 128 Millionen Euro, sagte der Agrarminister des EU-Staats, Petr Bendl, wie die Agentur CTK berichtete.

+++ 16:00 Millionenschäden an Bayerns Straßen +++
Das Hochwasser hat auf Bayerns Straßen einen Schaden von rund 40 Millionen Euro verursacht. „Wir spüren im Moment, wie stark wir auf unser Straßennetz angewiesen sind“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nach einem Besuch in Deggendorf. Auch für den Wiederaufbau der zerstörten Wohngebiete sei es daher enorm wichtig, die Straßen so schnell wie möglich wieder herzustellen. Allein am Autobahnkreuz Deggendorf betrage der Schaden 1,5 Millionen Euro. Dort werde mit Hochdruck und rund um die Uhr gearbeitet. „Ich hoffe sehr, dass wir das Autobahnkreuz bis Freitag wieder freigeben können, und dann ist die gesamte A3 wieder befahrbar“, sagte Herrmann.

+++ 15:45 Zollitsch ruft zu Spenden auf +++
Die Deutsche Bischofskonferenz hat zu Spenden für die Hochwasser-Opfer in Deutschland, Tschechien, Ungarn und der Slowakei aufgerufen. Es gebe im großen Umfang praktische Hilfe, auch viele Hilfszusagen finanzieller Art sowie Sachspenden, hieß es in einer Erklärung des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Er appelliere an die Großzügigkeit der Deutschen. Die Spenden würden rasch auf alle betroffenen Gebiete verteilt. Zu Spenden rief auch der deutsche Tierschutzbund auf. Tierheime seien überschwemmt. Zudem hätten Tiere von Menschen, die ihre Häuser und Wohnungen hätten verlassen müssen, kurzfristig aufgenommen und versorgt werden müssen.

+++ 15:35 Merkel: Bundeswehr stellt keine Rechnung +++
Auf die vom Hochwasser betroffenen Gemeinden kommen keine zusätzlichen Kosten durch den Einsatz der Bundeswehr, der Bundespolizei und des Technischen Hilfswerks (THW) zu. Sie würden keine Rechnungen stellen, versicherte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Besuch in der niedersächsischen Stadt Hitzacker. Merkel sagte weiter, neben den Soforthilfen werde ein Fonds für Langfristschäden aufgelegt.

+++ 15:30 Landrat fordert mehr Hochwasserschutz +++
Der Landrat von Lüchow-Dannenberg, Jürgen Schulz, hat weitere Schutzmaßnahmen gegen Hochwasserschäden gefordert. Die aktuelle Lage zeige, dass die derzeitigen Programme nicht ausreichten, sagte er beim Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel in der niedersächsischen Stadt Hitzacker.

+++ 15:23 Merkel dankt Helfern in Hitzacker +++
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil haben sich bei den Helfern in Hitzacker für ihren Einsatz gegen die Flut bedankt. Allein die Deichläufer gingen zwölf Stunden am Tag die Deiche ab, sagte Weil. „Das ist wirklich ein großartiges Engagement.“ Die Menschen in Hitzacker hielten zusammen, fügte Merkel hinzu. „Das macht Mut, dass wir auch die anderen Probleme bewältigen werden“, sagte sie.

+++ 15:05 Bund will Betriebe entlasten +++
Der Bund will von Hochwasser betroffene Betriebe durch die zeitlich befristete Übernahme von Sozialversicherungsbeiträgen entlasten. Das Angebot gelte für Unternehmen, die unmittelbar von der Flut betroffen seien und aufgrund dessen Kurzarbeit angemeldet hätten, teilte das Bundesarbeitsministerium mit.

+++ 14:55 Hilfen für Unternehmen im Nordosten +++
Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe verspricht Unterstützung für Unternehmen, die vom Hochwasser betroffen sind. Geplant sei ein Soforthilfeprogramm. Die Verhandlungen mit dem Bund liefen, parallel werde die Umsetzung der Hilfe im Land vorbereitet, teilte sein Ministerium mit. Die Höhe der geplanten Hilfen wurde zunächst nicht genannt.

+++ 14:40 Merkel besucht Hitzacker +++
Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht die von der Flut betroffene Stadt Hitzacker in Niedersachsen. Dort informiert sie sich über die aktuelle Lage und Hilfsmaßnahmen.

+++ 14:07 Hochwasser zerstört Steuerakten +++
Das Hochwasser in Gera trifft auch Thüringens größtes Finanzamt. Dort sind etliche Akten zerstört worden. Betroffen seien rund 100 laufende Meter, erklärt der Sprecher des Finanzministeriums, Alexander Flachs. Schuld sei Wasser, das aus der Kanalisation in den Keller des Gebäudes gedrückt wurde. Doch seien die Unterlagen nicht gänzlich verloren, weil sie auch als Kopie oder in elektronischer Form vorlägen.

+++ 13:51 Elbebrücke bei Schönhausen bleibt gesperrt +++
Die Sperrung einer Elbbrücke wegen Hochwassers bei Schönhausen in Sachsen- Anhalt wird weiterhin den Fernbahnverkehr behindern. Es sei nicht abzusehen, wann die Brücke wieder freigegeben werden kann, da auch mit Schäden an dem Bauwerk zu rechnen sei, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn.

+++ 13:43 Halle zahlt Soforthilfe aus +++
Die Stadt Halle (Saale) beginnt mit der Auszahlung der Soforthilfe für Hochwassergeschädigte. Beim Bürgerservice des Ratshofes sind bis zu elf Schalter geöffnet. Die Beratung wird täglich, auch am Wochenende, zunächst bis zum Freitag, dem 21. Juni 2013, von 8 bis 20 Uhr angeboten. Mitzubringen ist lediglich der Personalausweis.

+++ 13:37 Kanzlerin Merkel dankt Helfern in Lauenburg +++
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht sich in Lauenburg ein Bild von der angespannten Hochwasserlage. Bei ihrem etwa zehnminütigen Besuch dankt sie den Helfern von Feuerwehr und THW für ihren Einsatz.

+++ 13:28 Kanzlerin Merkel in Lauenburg +++
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trifft im Hochwasser-Gebiet in Lauenburg ein. Zusammen mit Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) informiert sie sich über die Lage in der Kleinstadt an der Elbe und die Arbeit der Einsatzkräfte. Zuvor hatte Merkel bereits Katastrophengebiete in Bayern, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg besucht.

+++ 12:57 Letzter Katastrophenalarm in Sachsen aufgehoben +++
Der Landkreis Nordsachsen hebt als letzter im Freistaat den Katastrophenalarm wegen Hochwassers auf. Bis auf das nördlich von Torgau liegende Gehöft Roter Ochse sind damit alle Evakuierungsmaßnahmen aufgehoben, teilt das Landratsamt mit. Es wird allerdings vor dem Betreten der Deiche und Hochwasserschutzanlagen gewarnt, da diese nach wie vor aufgeweicht sind.

+++ 12:43 Autobahnkreuz Deggendorf ab Freitag befahrbar +++
Die notwendigsten Maßnahmen zur Ertüchtigung der A3 am Autobahnkreuz Deggendorf werden 1,5 bis 2 Millionen Euro kosten. Noch immer wird mit einer Verkehrsfreigabe am Freitag gerechnet. Innenminister Joachim Herrmann besucht heute das bayrische Katastrophengebiet.

+++ 12:18 Deich bei Fischbeck nicht zu schließen +++
Der Deich bei Fischbeck im Landkreis Stendal kann laut Landrat Carsten Wulfänger nicht mehr geschlossen werden. Fischbeck ist inzwischen zu 80 Prozent überflutet.

+++ 11:55 Unwettergefahr in Hochwassergebieten +++
Von Donnerstag auf Freitag zieht eine Kaltfront über Deutschland hinweg. Dadurch kommt es örtlich zu unwetterartigen Regenfällen, Gewitter, Hagel und starken Sturmböen. Für die sowieso bereits instabilen Deiche in den Hochwassergebieten könnte das Wetter erneut zur Bewährungsprobe werden.

+++ 11:29 Neue Hochwasserwelle in Deggendorf geringer als erwartet +++
Die Voraussage des Pegelhöchststands für Deggendorf wird von 6,60 auf 6,10 Meter nach unten korrigiert. Der Krisenstab arbeitet derzeit an einem Konzept, wie das Wasser in den überschwemmten Gebieten von Fischerdorf und Natternberg so schnell wie möglich abgeleitet oder abgepumpt werden kann, sobald der Donaupegel wieder ausreichend weit gefallen ist.

+++ 11:16 Sickerstellen am Altengammer Hauptdeich +++
Am Altengammer Hauptdeich sickert an mehreren Stellen Wasser durch. Der Hamburger Katastrophenschutzdienst kann die betroffenen Stellen mit insgesamt 40 Paletten Sandsäcken abdichten, berichtet der NDR. Deichwarte überwachen die Lage.

+++ 11:03 Sorge um Häuser in Lauenburgs Altstadt +++
Die ständige Strömung in der Lauenburger Altstadt bereitet dem Krisenstab des Kreises Herzogtum Lauenburg  große Sorgen. Da die Elbe mit bis zu 20 Stundenkilometern die jahrhundertealten Häuser umspült, drohen Sedimente aus den Fundamenten herausgespült zu werden. Das könnte die Standhaftigkeit der Gebäude nachhaltig beeinträchtigen. Würde ein Gebäude wegbrechen, ist ein Domino-Effekt zu befürchten.

+++ 10:32 Tonnenweise Treibgut auf der Elbe +++
Noch immer bedrohen schwimmende Bäume und Äste die Deiche. Rund 50 Tonnen Treibgut haben die Einsatzkräfte in den letzten drei Tagen schon aus der Elbe gefischt. Das sind etwa 80 Raummeter.

+++ 10:05 Eisenbahnbrücke bei Magdeburg wieder frei +++
Die Eisenbahnbrücke über die Elbe bei Magdeburg ist nach dem Hochwasser freigegeben. Damit können laut Bahn zwischen Magdeburg und Biederitz wieder Züge verkehren. Das sind die Verbindungen, die zwischen der Landeshauptstadt und der Strecke Burg – Genthin – Berlin sowie Dessau – Leipzig fahren.

+++ 09:49 Telekom kann Dienste nicht überall aufrecht erhalten +++
Wegen des Hochwassers kommt es bei Telekom-Anschlüssen in einigen Landkreisen in Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt zu Störungen. Die meisten zentralen Einheiten des Festnetzes konnten vor dem Hochwasser geschützt werden. Mobilfunk steht überall zur Verfügung. Sobald ein Gebiet vom Hochwasser befreit ist, beginnen Telekom-Mitarbeiter Technik und Hausanschlüsse wieder herzustellen.

+++ 09:34 Stagnierender Pegel bei Lauenburg +++
In Lauenburg stagniert der Pegel seit der Nacht bei 9,63 Metern. „Das müsste der Scheitelpunkt sein“, sagte ein Feuerwehr-Sprecher.

+++ 09:00 Hotline für Flutopfer +++
Das Bundesverbraucherministerium schaltet eine zentrale Hotline für Hochwasser-Opfer. Die gebührenfreie Hotline ist seit 9 Uhr unter der bundesweit gültigen Telefonnummer 0800/100 3711 montags bis freitags von 9 Uhr bis 16 Uhr geschaltet. Betroffene erhalten Informationen und Unterstützung von Experten der Verbraucherzentralen vor allem zu vertrags- und versicherungsrechtlichen Fragen.

+++ 08:52 Anzeigen gegen Spendenbetrüger +++
Im Landkreis Nordwestmecklenburg werden fünf Spendenbetrüger von der Polizei festgenommen. Die Männer aus Rumänien wollten angeblich Geld für Flutopfer sammeln. Allerdings konnten sie keinen Spendenausweis vorlegen – ein Anwohner wurde misstrauisch und rief die Polizei. Die Männer im Alter zwischen 18 und 38 Jahren hatten bereits rund 270 Euro eingesammelt und mussten das Geld zurückgeben. Außerdem wurden sie wegen Betruges angezeigt.

+++ 08:36 Klietz, Kamern und Wust werden evakuiert +++
Der Krisenstab der Landesregierung Sachsen-Anhalt ordnet die Evakuierung der verbliebenen Einwohner von Klietz, Kamern und Wust an. Die Aktion wird von der DLRG durchgeführt.

+++ 08:27 Rösler für Nachtragshaushalt +++
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler plädiert im Bayerischen Rundfunk für einen Nachtragshaushalt des Bundes zur Finanzierung der Hochwasserschäden. Steuererhöhungen wegen der hohen Flutschäden hält er dagegen nicht für nötig. Der Minister und FDP-Chef geht davon aus, dass am Donnerstag beim Gespräch von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder im Kanzleramt über die Verteilung der Lasten für einen Hochwasser-Hilfsfonds gesprochen wird. Er ist für eine Aufteilung auf Bund und Länder je zur Hälfte.

+++ 08:14 Sandsäcke ausverkauft +++
Einer der größten Hersteller von Sandsäcken, die Seidel GmbH in Braunschweig, meldet leere Lagerhallen. Privatpersonen können nicht mehr beliefert werden, für Feuerwehren und Behörden gibt es keine verbindlichen Liefertermine mehr. Die Firma hat bereits vier Millionen Sandsäcke in die Hochwassergebiete geliefert.

+++ 08:00 Klietzer See läuft über +++
Durch das nach dem Deichbruch bei Fischbeck einlaufende Hochwasser tritt in dem etwa 20 Kilometer entfernten Ort Klietz der Klietzer See über die Ufer. Die Einwohner von Klietz werden evakuiert.

+++ 07:29 Pegel in Dömitz sinkt leicht +++
Das Elbehochwasser beginnt in Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern leicht zu sinken. Um sechs Uhr wurden 7,17 Meter gemessen, 3 Zentimeter weniger als am Vorabend. Im weiter stromabwärts gelegenen Boizenburg stieg die Flut hingegen in der Nacht weiter von 7,30 auf 7,32 Meter. Normal sind in beiden Städten um die zwei Meter.

+++ 07:05 40.000 Menschen in Sachsen-Anhalt evakuiert +++
Wegen des Hochwassers mussten in Sachsen-Anhalt bisher rund 40.000 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Das gibt der Krisenstab der Landesregierung bekannt.

+++ 06:49 Weiter Verspätungen auf ICE-Strecken +++
Die Sperrung einer Elbbrücke bei Schönhausen in Sachsen-Anhalt wird weiterhin Verspätungen im Fernbahnverkehr verursachen. Freigegeben wurde dagegen die bisher gesperrte Elbbrücke in Biederitz bei Magdeburg. Über sie sollen nun die ICE-Züge der Strecke Köln-Berlin fahren. Es komme aber zu Verspätungen; auch auf der Strecke Berlin-Frankfurt am Main sei weiter mit Verzögerungen zu rechnen. Auch im Regionalbahnverkehr gibt es in der Region zahlreiche Einschränkungen.

+++ 06:30 Merkel kommt nach Lauenburg und Hitzacker +++
Im von den Fluten bedrohten Ort Lauenburg sowie in Hitzacker in Niedersachsen will sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Laufe des Tages über die Lage informieren.

+++ 04:03 Mann in Aken durch Stromschlag getötet +++
In der teilweise überfluteten Stadt Aken wird ein Mann durch einen Stromschlag getötet. Der 61-Jährige wollte seinen Keller auspumpen, der vollgelaufen war.

+++ 03:17 Wust wird evakuiert +++
Nach dem Bruch des Elbedeiches bei Fischbeck erreicht das Wasser die Ortschaft Wust. 150 Menschen müssen evakuiert werden.

+++ 02:09 Tausende Vogelbruten vernichtet +++
In der Saale-Elster-Aue zwischen Merseburg und Halle vernichtet die Flut tausende Vogelbruten. Betroffen sind davon auch seltene Arten, wie der Wachtelkönig. Ornithologen zufolge braucht der Bestand zwei bis drei Jahre, um sich davon zu erholen.

Quelle: n-tv.de

Hilfsfonds soll acht Milliarden Euro betragen

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Große Wassermassen fließen durch zahlreiche Flüsse in Deutschland und fluten ganze Gemeinden. Zahlreiche Menschen müssen in Sicherheit gebracht werden, die Schäden sind groß. Hilfe soll ein Fonds schaffen. Nun haben sich Bund und Länder auf dessen Höhe geeinigt

Jetzt steht es fest: Bund und Länder legen einen Fluthilfe-Fonds von bis zu acht Milliarden Euro auf. Das Volumen bemesse sich an der derzeit abschätzbaren Schadenshöhe, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einem Treffen mit den 16 Ministerpräsidenten. Das tatsächliche Ausmaß der von der Flut angerichteten Schäden könne derzeit noch nicht genau beziffert werden. Sie halte aber die bislang veranschlagten acht Milliarden Euro für eine realistische Schätzung.

Damit wird der Fonds deutlich größer als der nach dem Hochwasser 2002. Damals hatten Bund und Länder einen Fonds von mehr als 7 Milliarden Euro für die Opfer des damals als „Jahrhundertflut“ eingestuften Hochwassers bereitgestellt. Davon wurden etwa 6,5 Milliarden Euro abgerufen.

Die Summe von acht Milliarden Euro war zuvor bereits von Koalitionskreisen genannt worden. Später hatte sie auch Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht bestätigt. Neben dem Fonds hat der Bund bisher Soforthilfen von rund 100 Millionen Euro zugesagt.

Neuverschuldung nötig

Getragen werden sollen die Kosten des Hilfsfonds jeweils hälftig von Bund und Ländern. Wie genau die Rahmenbedingungen aussehen sollen, sei noch unklar. Sie sollen bis zur letzten Bundesratssitzung vor der Sommerpause am 5. Juli festgezurrt werden.

Jede Körperschaft müsse selbst entscheiden, wie sie ihren Beitrag zu dem Hilfsfonds finanziert. Der Bund müsse dafür mehr neue Schulden aufnehmen, kündigte Merkel an. Möglicherweise werde es einen Nachtragshaushalt für 2013 geben. Sie wolle dem Parlament aber nicht vorgreifen, sagte sie. Eine Steuer- oder Abgabenerhöhung schloss die Kanzlerin aus.

Merkel dankte erneut den Helfern für ihr Engagement und lobte die gute Zusammenarbeit auf allen staatlichen Ebenen bei der Bekämpfung der Flut. „Die bundesweite Solidarität war beachtlich“, sagte sie und fügte hinzu: Der Einsatz der Bundeswehr bei der Flut sei der größte im Inneren gewesen, den es je gegeben habe. Derzeit leisteten immer noch rund 12.000 Soldaten Unterstützung bei der Sicherung der Deiche. Der Einsatz kostet nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums rund 50 Millionen Euro. Weder die Bundeswehr, noch Bundespolizei und Technisches Hilfswerk würden ihre Hilfe den betroffenen Kommunen in Rechnung stellen, betonte Merkel.

Auszahlung von Hilfen wird vorbereitet

Eine rasche Auszahlung von Fluthilfen wurde indes vorbereitet. Innenminister Hans-Peter Friedrich unterzeichnete entsprechende Fluthilfeabkommen mit Sachsen, Thüringen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt. Mit anderen von der Flut betroffenen Bundesländern wird noch verhandelt.

Er erwarte, dass es Abkommen auch mit den übrigen betroffenen Ländern wie Bayern und Brandenburg geben werde, sagte Friedrich: „Wir gehen davon aus, dass die Schäden mindestens zwischen 7,5 und 8 Milliarden ausmachen werden.“ Jetzt gehe es darum, möglichst schnell den betroffenen Menschen mit dem Geld zu helfen, das zur Verfügung stehe. Um mittel- und langfristige Schäden zu begleichen, würden Regelungen später vereinbart.

Friedrich bekräftigte, dass sich der Bund an den Soforthilfen mit 50 Prozent beteilige. „Maßgebend dafür sind die Entscheidungen der Länder, in ihren Bereichen jeweils Soforthilfe durchzuführen und zu finanzieren.“ In den Abkommen stehe ausdrücklich, dass es sich um einen vorläufigen Betrag handele, der sich erhöhen könne.

Im Namen der Länder bedankte sich die thüringische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chefin der Staatskanzlei, Marion Walsmann. Sie sprach von einem richtigen Signal in die richtige Richtung: „Für uns ist es wichtig, dass die Menschen schnell und unbürokratisch auch Hilfe in dieser ernsten Situation erhalten, dass das öffentliche Leben wieder zum Laufen kommt.“

Gefahr noch nicht gebannt

Das Hochwasser hatte vor knapp zwei Wochen begonnen und zahlreiche Gemeinden überflutet. Betroffen waren die Bundesländer Bayern, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Die Lage in einigen Flutgebieten blieb angespannt. Zwar sank der Elbe-Pegel in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Niedersachsen und auch in Lauenburg in Schleswig-Holstein. Die durchweichten Deiche und mehrere Deichbrüche hielten die Helfer aber weiter in Atem.

Im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt waren am Mittwoch wegen großflächiger Überflutungen weitere Einwohner aus mehreren Ortschaften zwangsevakuiert worden. Am Freitag soll ein Deichbruch bei Aken durch Sprengungen vergrößert werden, damit das aufgestaute Hochwasser schneller wieder in die Elbe zurückfließen kann, wie der Krisenstab der Landesregierung Sachsen-Anhalt mitteilte.

Quelle: n-tv.de

Regen sorgt für Unruhe

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

 

Der am Abend einsetzende Regen sorgt an den Deichsicherungesstellen für Unruhe. Denn starker Regen könnte den vom tagelangen Wasserdruck durchweichten Deichen nun auch von oben den Rest geben.

Deswegen lässt die Aufmerksamkeit an den kritischen Deichstellen wie Neu Darchau oder dem Penkefitzer/Wussegeler Deich nicht nach. Sandsäcke werden von den Deichkronen an die Deichfüße verlegt, um unnötigen Druck von oben auf die Deiche zu verringern, Deichläufer kontrollieren unablässig die Sicherheit der Deiche.

Denn noch bis mindestens Samstag sind die Wasserstände so hoch, dass sie an vielen Stellen noch eine Gefahr für die binnendeichs gelegenen Siedlungen und Weideflächen darstellen.

http://hochwasser2013.wendland-net.de/post/regen-sorgt-fuer-neue-befuerchtungen-33813

Neu Darchauer Notdeich trägt Ölzeug

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

Während der seit dem Nachmittag anhaltende Regen den aufgeweichten Deichen entlang der Elbe zusätzlich zu schaffen macht, besteht zumindest dieses Problem in Neu Darchau offenbar nicht. Der dortige Notdeich ist zu großen Teilen mit Plastikplane bedeckt, sodass Nässe von oben ihm nicht viel anhaben kann. Im Ort war es darum den ganzen Donnerstag über vergleichsweise ruhig.

http://hochwasser2013.wendland-net.de/post/neu-darchauer-notdeich-traegt-oelzeug-37173

Fontäne in Neu Darchau

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

Schaulustige am Ort des Geschehens staunten nicht schlecht: Nach Einsetzen des Regens musste die Feuerwer in Neu Darchau sehr schnell eine große Menge Wasser aus der Kanalisation abpumpen. Um dabei nicht den fragilen Notdeich durch Strömung zusätzlich zu gefährden, ließen die Feuerwehrleute das Wasser in einer hohen Fontäne gen Himmel steigen und in feinem Nebel über der Elbe abregnen. „Wie an der Hamburger Binnenalster oder am Genfer See“, schmunzelte ein Zuschauer. Das Schauspiel dauerte nur wenige Minuten.

http://hochwasser2013.wendland-net.de/post/fontaene-in-neu-darchau-52186

Regen belastet weiche Deiche

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

Der Kampf gegen die Elbflut im Norden dauert an – auch wenn die Pegelstände langsam sinken. An vielen Orten rinnt Wasser durch die aufgeweichten Deiche. Nun ist auch noch das Wetter schlechter geworden. Zwar hat der Regen keinen Einfluss auf den Pegelstand. Allerdings belastet das Wasser von oben die Deiche zusätzlich.

Besonders Niedersachsen leidet unter einem Regengebiet, dass zwischen dem Wendland und Hamburg unterwegs ist. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) könne es örtlich zwischen 10 und 20 Liter pro Quadratmeter regnen. „An den Deichen wird der Regen die Lage sicherlich nicht erleichtern“, sagte Achim Stolz vom Niedersächsischen Landesverband für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Auch in Mecklenburg-Vorpommern bereitet den Einsatzkräften eine Verschlechterung des Wetters Sorge. Hier sind viele Deiche bereits völlig durchweicht. An etlichen Stellen sickert das Wasser durch. Die Deichwachen sind angewiesen worden, noch aufmerksamer zu sein.

Sinkende Pegelstände in Dömitz

In vielen Orten in Mecklenburg-Vorpommern sinkt das Wasser langsam, aber sicher: Die Pegelstände unterschritten am Donnerstag in Dömitz erstmals die Sieben-Meter-Marke. Das Wasser ging im Durchschnitt einen Zentimeter pro Stunde zurück. Am späten Nachmittag wurde ein Pegelstand von 6,85 Meter gemeldet. Im weiter flussabwärts gelegenen Boizenburg betrug er 7,13 Meter. Zu Wochenbeginn waren Höchststände von 7,21 Metern in Dömitz und 7,32 Metern in Boizenburg gemessen worden. Ausgelegt sind die Deiche für 6,80 Meter. Normalerweise ist die Elbe in beiden Städten um die zwei Meter tief.

Hoffnung in Hitzacker

Ein Wechselbad der Gefühle machen zurzeit wohl die Bewohner der Altstadtinsel in Hitzacker (Landkreis Lüchow-Dannenberg) durch. Zunächst hieß es, sie könnten voraussichtlich am Sonnabend in ihre Häuser zurückkehren, dann war von Freitagmorgen die Rede, später wieder von Sonnabend. Am Donnerstagabend wollte ein Sprecher des Katastrophenstabs gar keine Prognose abgeben. Über ein Ende der Evakuierung werde entschieden, sobald der Wasserstand unter 7,76 Metern liegt. Wann dies sein werde, sei in Anbetracht der ständig variierenden Vorhersagen über die Pegelstände ungewiss, sagte er NDR.de.

Das Hochwasser bringt auch Gefahren durch Keime mit sich: Der Landkreis Lüneburg warnt nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen vor Viren im Hochwasser, die aus überfluteten Klärgruben ins Wasser gespült worden sind. Es bestehe die Gefahr, sich mit Hepatitis A anzustecken.

Optimistischer Krisenstab in Lauenburg

Im schleswig-holsteinischen Lauenburg scheint sich die Lage langsam zu entspannen. Auch hier geht der Pegelstand der Elbe allmählich zurück. Die Einsatzkräfte zeigen sich optmistisch. „Der Deich am Gewerbegebiet östlich der Altstadt hält. Er wird zweimal täglich mit Wärmebildkameras überwacht und es gibt keine Anzeichen für Schwachstellen“, sagte der Krisenstabssprecher Karsten Steffen. Erste Vorbereitungen würden getroffen, damit die Bewohner der Altstadt möglichst schnell wieder in ihre Häuser könnten.

Hamburger Hafenverwaltung befürchtet Giftfracht

Die Deiche in Hamburg sind nach Einschätzung der Umweltbehörde vollkommen ausreichend. Zwar sickerte am Mittwoch am Altengammer Hauptdeich das Wasser an mehreren Stellen durch. Dies stellt aber offenbar kein größeres Problem dar. Der Zentrale Katastrophenschutzdienst dichtete die Lecks mit insgesamt 40 Paletten Sandsäcken ab. Zur Kontrolle patrouillieren die Deichwarte in der Hansestadt alle zwei Stunden. Wie NDR 90,3 berichtet, befürchtet Hamburgs Hafenbehörde HPA jedoch eine Giftfracht durch die Elbeflut. Mitgeschwemmte Industrie-Abfälle und ausgelaufenes Heizöl könnten den Hafenschlick belasten.

Acht Milliarden Euro Hilfe

In Berlin einigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Chefs der 16 Bundesländer auf einen Fonds zur Bewältigung der Flutschäden in Deutschland. Dieser soll bis zu acht Milliarden Euro umfassen. Die genaue Höhe sei noch offen, weil das Ausmaß der Schäden noch nicht klar sei, sagte Merkel.

Derweil besuchte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) die Hochwassergebiete an der Elbe in Niedersachsen. Er bedankte sich auf einem Feld bei Penkefitz im Kreis Lüchow-Dannenberg bei den Soldaten für ihren Einsatz. Es sei der größte Flut- und Katastropheneinsatz, den die Bundeswehr je hatte.

http://www.ndr.de

Mehrere Unternehmer unterstützten die arg gebeutelten Gaststätten Tivoli und PM Lounge in der Brückenstraße.

Greiz. Sichtlich niedergeschlagen sind Jacqueline Heilsberg und Beate Degelmann vom Restaurant Tivoli in der Greizer Brückenstraße nach dem verheerenden Hochwasser. 80 Zentimeter hoch habe das Elsterwasser im Gastraum gestanden. All das, was sich die Frauen seit März 2010 aufgebaut haben, wurde buchstäblich weggespült. Kaum besser ist es Manja Weiß, die seit fünfeinhalb Jahren die PM Lounge betreibt, ergangen. Hier stand das Wasser kniehoch. Eine Versicherung haben die Gastronomen nicht.

Nun steht das Park- und Schlossfest vor der Tür, normalerweise eine Gelegenheit für die Gastronomie, sich gut zu präsentieren und Umsatz zu machen. Die arg gebeutelten Restaurantbesitzer in der Brückenstraße können jedoch keine Gäste empfangen. Zumindest nicht in den Häusern. Denn dank der Hilfe von mehreren Unternehmen werden PM Lounge und Tivoli beim Stadtfest mit von der Partie sein.

Zunächst einmal stellt die Vereinsbrauerei zehn Tischgarnituren und die Schankanlage, damit das Bier fließen kann. „Ein gewisses Kontingent an Freibier gibt es für sie zudem von uns“, verrät Brauereichef Thomas Schäfer. Andreas Malz von der gleichnamigen Fleischerei spendiert den Damen 100 Roster, die sie verkaufen können. Denn die Unternehmerinnen haben sich dazu entschlossen, sich zum Stadtfest zusammen zu tun. So wird vor dem Tivoli der Grill stehen, während die PM Lounge mit Kaffee sowie Kuchen aufwartet. Und mit Torten. Weitere Unterstützung für die Frauen gibt es nämlich von Immobilienmakler Jan Popp. Der hat einen Aufruf gestartet, gesucht werden die drei schönsten Hochwassertorten. Das soll nicht heißen, dass die Torten nun in Gummistiefelform daher kommen müssen, sondern „sie sollen einfach schön aussehen“, so Popp. Bis 13.30″Uhr müssen die Torten am Sonnabend in der PM Lounge abgegeben werden, dann entscheidet eine Jury, welches die drei ansprechendsten Exemplare sind. Welche Torte am besten schmeckt, können die Besucher entscheiden, der Verkaufserlös soll für die Sanierung der Gaststätten verwendet werden.

Für die erfolgreichen Tortenproduzenten gibt es Gutscheine, vom Fotoatelier Fetzer in Mylau, von der Greizer Friseurmeisterin Kristin Haupt sowie von der Greizer „SchnittBlume“. Auch für Unterhaltung ist gesorgt. Ohne Gage wollen mehrere Unterhalter auftreten, so „Chris Feuerdrache“, der eine heiße Show liefern will. Diskomusik gibt es von N-Projekt aus Greiz und Jana Schinnerling hat sich fürs Kinderschminken bereit erklärt.

Auch Jana Haucke von Express-Design unterstützt die Hochwasser geschädigten Gaststätten. Für die PM Lounge hatte sie 150 Euro dabei. Für das Tivoli will Haucke im Internet bei Facebook eine Fan-Seite einrichten. „Da könnt ihr dann den Leuten auch immer mitteilen, wie es mit den Bauarbeiten voran geht“, so Jana Haucke.

Gerührt waren Beate Degelmann, Jacqueline Heilsberg und Manja Weiß bei so viel Hilfe. Und dankbar, auch darüber, dass zahlreiche Freiwillige in den letzten Tagen beim Saubermachen und Räumen spontan mit angepackt haben. Auch wenn sie noch nicht genau wissen, wie es nun weitergeht, huschte trotz aller Sorgen doch ein kleines Lächeln über die Gesicher der Unternehmerinnen.

Quelle: thueringer-allgemeine.de

Neu Bleckede – Einsatzkräfte bestohlen: Motorflex weg

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Kreis Lüneburg

 

Selbst die Flutkatastrophe hält einige nicht davon ab, Helfer zu beklauen: Zwischen dem 10. – 12. 6. stahlen Unbekannte eine Motorflex der Betriebsfeuerwehr Bielefeld im Bereich der Sandladestation am Elbedeich in Neu-Bleckede.

Die Diebe hatten eine verschlossene Seitentür eines Einsatzfahrzeugs geöffnet und die Motorflex Stihl mitgenommen. Es entstand ein Sachschaden von mehreren hundert Euro. Hinweise nimmt die Polizei Neuhaus, Tel. 038841-20732, entgegen.

http://hochwasser2013.wendland-net.de/post/neu-bleckede-einsatzkraefte-bestohlen-motorflex-weg-51006

 

 

Wie die Kreisverwaltung nach der abendlichen Lagebesprechung des Katastrophenstabes mitteilt, fließt seit dem frühen Donnerstagmorgen (13.06.2013) die Havel in die Elbe ab. Das Absinken der Wasserstände wird sich damit in den nächsten Stunden und Tagen zwar fortsetzen, aber deutlich verlangsamen. Ernst-August Schulz von der Kreisverwaltung ermahnte die Mitglieder des Katastrophenschutzstabs darum am Abend, „die Aufmerksamkeit weiterhin hoch zu halten“.   Die Lage in an der Hochwasserschutzwand in Hitzacker ist nach Aussagen der Leitstelle weiterhin unproblematisch. Noch am heutigen Abend werden allerdings zwei Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) an der Hochwasserschutzwand Farbtests durchführen. Hierbei geht es schlicht darum, Durchströmungen in der Wand sichtbar zu machen, wie ein Sprecher des NLWKN informierte.   Die Aufhebung der Evakuierung der Stadtinsel Hitzacker ist laut der Hochwasserschutzzonenverordnung der Samtgemeinde Elbtalaue erst ab einem Unterschreiten des Pegelstands von 7,76 m am Pegel Hitzacker möglich. Voraussichtlich wird dies erst am Samstagabend der Fall sein. Näheres hierzu gibt es in Kürze unter www.elbtalaue.de/hw2013.

Das Abwasser-Pumpwerk in Vietze wird am Freitag seinen Dienst wieder aufnehmen. Ab Freitag Vormittag (die Uhrzeit wird noch bekannt gegeben) können die Vietzer Toiletten, Dusch- und Waschbecken wieder wie gewohnt benutzen. Nach und nach werden nun zudem die vom Stromnetz genommen Haushalte wieder mit Strom versorgt.

In vielen Bereichen der Lüchow-Dannenberger Deichstrecken hat mittlerweile das Abkaden begonnen, d. h. die Sandsäcke werden von den Deichkronen genommen, um diese zu entlasten. Wo erforderlich, werden die Sandsäcke zur Stabilisierung an die Deichfüße verlegt. Wo die Deichfüße trocken sind, werden die Säcke gleich auf Paletten gelegt und abtransportiert.   

http://hochwasser2013.wendland-net.de/post/abfluss-der-havel-in-die-elbe-pegel-sinken-langsamer-41742

Soforthilfe für Hochwassergeschädigt

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

Das Land Niedersachsen stellte 40 Millionen Euro als Soforthilfe für Hochwassergeschädigte zur Verfügung. Am Donnerstag veröffentlichte die Kreisverwaltung die Spielregeln.

Soforthilfe-Gelder gibt es sowohl für Privatpersonen, für Landwirte als auch für Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern.

In einem ersten Schritt hat der Landkreis Lüchow-Dannenberg eine einheitliche Erreichbarkeit eingerichtet. Durch das Hochwasser geschädigte Personen im Landkreis Lüchow-Dannenberg können sich an die Kreisverwaltung wenden. Hier werden zunächst die Daten der Betroffenen aufgenommen. Die Kontaktdaten lauten wie folgt: eMail finanzen@luechow-dannenberg.de oder telefonisch unter 05841 120-241.

Die geplanten Soforthilfe-Gelder für die verschiedenen Gruppen findet sich hier!

Pegel bis zum Hals

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Wer der Realität nicht traut, muss unbedingt bei der Magie der Zahlen Zuflucht nehmen. Ihr kann, ganz entgegen ihrem Ruf, ungeheure Poesie innewohnen. Wie jetzt beispielsweise, wenn von der Flutkatastrophe die Rede ist. Von einem hundertjährigen Hochwasser war des Öfteren die Rede, obwohl das letzte Ereignis, das diesen Namen trug, nur zehn Jahre zurückliegt. Ebenso gut könnte man auch von einem zehnjährigen Hochwasser sprechen, das nur alle tausend Jahre wiederkehrt. Das Phänomen der verwirrenden Bezeichnungen nennt sich Statistik. Dabei handelt es sich um die Kunst, auf eine gewünschte Antwort die passende Frage zu finden. Nutznießer dieser Gedankenakrobatik ist unter anderem die Pharmaindustrie, die bisweilen zuerst ein Präparat entwickelt und erst dann die entsprechende Krankheit kreiert. Doch zurück zur ande- ren Katastrophe. Österreich kann sich glücklich schätzen. In kaum einer anderen Situation zuvor zeigte sich, über welch ungeheure Expertendichte das Land verfügt. Ein Fachmann sprach, wenn auch nur in einem beiläufigen Nebensatz, gar von einem achtzigjährigen Hochwasser, das aber eben nicht eingetreten sei. Man wurde neugierig und fragte sich, ob nicht auch ein Hochwasser, wie es alle dreiundsechzigundeinhalbes Jahr registriert wird, das Land verschont hat, ohne dass die Bevölkerung etwas davon bemerkt hat. Viele Bewohner der gefährdeten Gebiete entlang der Flussläufe und Wildbäche kennen auch das gefürchtete Naturereignis eines einjährigen Hochwassers, das durchaus auch mehrmals im Jahr auftreten kann. Klar ist, dass dem Schlamm, der in diesem Jahr in Häuser, Vorgärten und Felder gespült wurde, auf hundert Jahre hochgerechnet keine Bedeutung zukommt. Statistisch gesehen, sind also alle betroffenen Gebäude ziemlich sauber geblieben. Das sollte doch die vielen Flutopfer irgendwie trösten. Man könnte aber auch der Realität ins Auge sehen. Wie die Erfahrung zeigt, handelt es sich dabei aber eher um ein nulljähriges Ereignis.

http://www.zeit.de/2013/25/donnerstalk

Müssen wir uns an ein Leben mit der Katastrophe gewöhnen? Der Dresdner Schriftsteller Thomas Rosenlöcher über den Alltag im Ausnahmezustand.

„Sitze oben im Erzgebirge, während unten im Elbtal das Wasser noch immer steigt“, trage ich unter dem 6. Juni 2013 in mein Tagebuch ein. Die Notiz kommt mir bekannt vor, und tatsächlich habe ich am 14. August 2002 fast denselben Satz ins Tagebuch geschrieben. Das war beim letzten Jahrhunderthochwasser.

Wobei der Satz gewiss auch damals eine Art schlechtes Gewissen ausdrückte, denn als Dresdner gehöre ich bei Katastrophen nach Dresden, in meine Kleinzschachwitzer Elbwiesengegend, die ich doch nur verlassen habe, weil mir nach 1989 die Mittel für unsere plötzlich unglaublich fein gewordene Villenwohnung fehlten. – Nun, hier im Erzgebirge kann ich immerhin dabei zusehen, wie so ein Hochwasser entsteht. 2002 besuchte das Wasser unter dem schon bald deutschlandweit berühmt gewordenen Namen Weißeritz den noch viel berühmteren Dresdner Zwinger. „Gestern früh sieben Uhr“, schrieb ich damals ins Tagebuch, „vor der Tür eine weinerliche Stimme: ›Nehmt ihr uns bei euch auf?‹ Und heute morgen vier Uhr die letzte Einquartierung; der Bruder mit der Frau, gerade noch so mit dem Moped aus dem wasserumschlossenen Kleinzschachwitz herausgekommen.“ – Ja, während wir damals an langen Tischen hier oben schwatzten und tranken, meldeten wir uns am Telefon bereits mit „Auffanglager Höckendorf“! – „Die Katastrophe als Möglichkeit plötzlichen Miteinanders“, merkte ich damals im Tagebuch an. Wobei ich damals bei dem Wort Katastrophe niemals geglaubt hätte, dass es bis zur nächsten Katastrophe nur elf Jahre dauern würde. Wobei ja das Katastrophale an dieser Katastrophe ist, dass sie – nach den Zwischenfluten von 2006 und 2010 – so langsam doch die Mitteilung einschließt, dass dergleichen nun häufiger geschehen könnte: „Es regnet gar ni mehr normal“, hörte ich meine Mutter sagen, als wir sie schon einmal vorsorglich zu uns heraufholten. Und ihre Freundin aus dem dieses Mal zuerst evakuierten Laubegast meinte: „Schon wieder eine Jahrhundertflut, Christa! Na, da haben wir uns in den letzten hundert Jahren aber gut gehalten!“

Ja, auch 2013 wieder „Auffanglager Höckendorf“. Wobei der Andrang diesmal bedeutend geringer ausfiel, auch weil die meisten unterdessen besser vorbereitet sind und wissen, wo die Elbe bei welchem Pegelstand auftauchen könnte, um ihr altes Bett zu besuchen; denn egal, wie oft sie noch auftauchen wird: Das Flussgedächtnis währt länger als alles Menschengedenken. – Jedenfalls begann Kleinzschachwitz schon allmählich zu verinseln, als ich mich doch noch mal an den Absperrungen vorbeidrückte. Und während es schon seltsam ist, wenn einem auf der Johannes-Brahms-Straße plötzlich die Elbe entgegenkommt, sah ich nun vor dem Haus meines Bruders zwischen blühenden Rhododendren einen kleinen Gardasee. Wobei sich hinter den Blüten tatsächlich ein rotes Paddelboot vorschob. Ein paar Straßen weiter deutete ein Mann mit der Schaufel auf eine abgesoffene Gärtnerei und sagte: „Der kann aber froh sein, dass er schon voorsches Jahr gestorben is und das nisch mehr erleben muss!“

Freilich, der Fluss auch diesmal wieder als Riesenbild ein Bild zum Verstummen. Vielleicht, weil das Bild auch die Furcht einschließt, dass es nicht immer so weitergehen wird mit unserem ja doch geliebten, privilegierten Jetzt. Kam der Fluss doch auch dieses Mal wieder mit einer Selbstverständlichkeit daher, als habe er sich nur in sein altes Recht zurückversetzt. Als flösse er immer schon derart breit und lautlos an den Elbhängen entlang: Ein unablässiges Maestoso – nur drüben, wo vor Kurzem noch die Fahrrinne gewesen sein muss, rast ein Blechbehälter allegretto nach Hamburg hinunter. Und wieder steht das Kirchlein Maria am Wasser im Wasser, mitsamt dem Friedhof, auf dem ich begraben sein will. Und ach, Karlis Bierbude! – immer schon meine einzige, wirkliche Akademie! – unerreichbar im Fluss! Doch während die Bretterbude beim vorherigen Jahrhunderthochwasser oben in den Bäumen hing, hat sie sich dieses Mal nur gedreht, sodass der Ausschank Richtung Meer zeigt.

http://www.zeit.de/2013/25/sachsen-flut-thomas-rosenloecher

Am Wasser gebaut

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

 

Einst gehörte Hochwasser zum Alltag. Heute flößt es Angst ein und zwingt Anrainer zur Flucht. Von Stefan Müller und Florian Gasser

Als das Wasser kam, wehrten sich die Menschen nach Kräften: Sie stellten Schutzwände auf, brachten ihr Hab und Gut in Sicherheit und verstärkten die Dämme. Die Gemeinde Baumgartenberg in Oberösterreich hatte Glück, der Machlanddamm hielt dem Druck der Wassermassen stand. Nur ein paar Zentimeter hätten gefehlt, und das gigantische Bauwerk wäre überspült worden. Es war erst im vergangenen Jahr fertiggestellt worden, fünf Jahre eher als geplant. „Das war auf Messers Schneide“, sagt Bürgermeister Erwin Kastner. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“

Besonders gefährdete Gebiete waren nach der Hochwasserkatastrophe des Jahres 2002 sogar ganz geräumt worden. 250 Häuser wurden für die Schutzmaßnahmen abgesiedelt. Wer blieb, steht nun erneut vor den Trümmern seiner Existenz. Für jene, die ihre Heimat verlassen haben, hat die Flut die Bestätigung gebracht, dass es richtig war zu gehen. Seit dem Jahrhunderthochwasser vor elf Jahren setzt die Politik auf ein umfassendes Hochwassermanagement. Nicht nur Dämme sollen künftig die Fluten zurückhalten, die Flüsse sollen wieder Platz bekommen, sich auszubreiten. Ein Unterfangen, das sich als Illusion herausstellen könnte, zu verbaut sind die Ufer bereits.

Hochwasser und Überflutungen waren schon immer Teil der Menschheitsgeschichte. Sie begegnen in der Bibel, in Sagen und Märchen. Die Schwemme machte in der Antike den Boden in Ägypten fruchtbar, blieb sie aus, waren Hungersnöte die Folge. In Europa war die Flut ein Unheilsbringer – und wurde nicht selten als Strafe Gottes empfunden. Trotz aller Bemühungen und technischen Fortschritts: Der Mensch kann sich aus der Natur nicht herausnehmen.

Erwin Kastner ist seit 23 Jahren Bürgermeister und hat viele Hochwasser miterlebt. Seit dem 11. Jahrhundert sind Aufzeichnungen zu Überflutungen, die große Teile des Ortes zerstörten, in der Dorfchronik zu finden. Nun schützt ein 45 Kilometer langes System aus einem Erdwall, Mauern und Mobilwänden die oberösterreichischen Gemeinden entlang der Donau. Die Kosten dafür: 181 Millionen Euro.

Das Siedeln am Wasser brachte Vorteile: Lange war Wasserkraft die wichtigste Energiequelle, waren Flüsse wichtige Verkehrsadern und Müllabfuhr zugleich. Kleinere Hochwasser in kurzen Abständen, oft im Jahresrhythmus, waren nichts Besonderes. Auch große Fluten gab es immer wieder. Etwa das Jahrtausendhochwasser von 1501. „Wir haben aber praktisch keine Nachrichten über Todesfälle“, sagt Christian Rohr. Der Oberösterreicher ist Professor für Umwelt- und Klimageschichte an der Universität Bern. „Es muss schon im ausgehenden Mittelalter eine Art Vorwarnsystem gegeben haben.“ Das Hochwasser sei Teil des Alltags und sogar ein Wirtschaftsfaktor geworden. Städte wie Wels, wo große Holzbrücken die Ufer verbanden, brauchten mehr Zimmerleute für häufige Reparaturen.

Im 19. Jahrhundert wurden die Flüsse Mitteleuropas zunehmend eingegrenzt, ihre Läufe begradigt. Doch das Wasser ließ sich nicht zähmen. Zwar verschwanden die kleinen, öfter wiederkehrenden Hochwasser. Geblieben sind die großen Ereignisse, die Jahrhunderthochwasser.

Konzertierte Absiedlungen ganzer Ortschaften sind historisch eher selten. Zu groß waren die Vorteile der Flusslagen, zu festgefahren die Besitzverhältnisse von Grund und Boden, zu kostspielig ein Neubau ganzer Siedlungsgebiete. Und doch finden sich Beispiele. So gab es bis ins 12. Jahrhundert nahe Wien eine Ortschaft zu beiden Seiten der Donau namens Neuburg. Immer wieder war sie vom Hochwasser zerstört worden. Bis schließlich der östliche Teil 2,3 Kilometer weiter weg neu errichtet wurde, erzählt Rohr. Er heißt seitdem Korneuburg.

Mehr als 700 Jahre später versank Oberndorf bei Salzburg 1899 komplett in der Salzach. Die Regierung machte die Katastrophenhilfe davon abhängig, den Ort 600 Meter weiter wieder aufzubauen. Das nächste große Hochwasser 1954 überstand Oberndorf trocken. Dann passierte lange Zeit nichts, der Fluss blieb in seinem Bett. Neue Einfamilienhäuser ließen den Ort wachsen. An die Hochwassergefahr konnte sich bald niemand mehr erinnern. 2002 kam es dann wieder zu massiven Schäden; ausgerechnet an der Stelle, die einst geräumt worden war.

Die Regierungen, gleich welcher Couleur, nahmen den Hochwasserschutz ernst – wenn auch die Kompetenzzersplitterung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden für Verzögerungen in der Umsetzung sorgte. Beim passiven Hochwasserschutz, also der Räumung gefährdeter Zonen, gehörte Österreich sogar zu den Vorreitern. Bereits in den siebziger Jahren war es in Niederösterreich zur Absiedlung von mehr als 100 Häusern gekommen – freiwillig und möglichst unter Beibehaltung der gewachsenen sozialen Bindungen. Die Flächen wurden in immerwährendes Grünland rückgewidmet.

Aussiedeln ist der letzte Ausweg

Im Zuge der Errichtung des Hochwasserschutzes Machland nach 2002 verschwanden die Ortschaften Hütting, ein Großteil von Mettensdorf und Pitzing sowie Eizendorf, die Froschau und Teile von Saxendorf. Es waren die größten Maßnahmen dieser Art in Mitteleuropa. Die Kosten für den Abbruch und die Ablöse der Häuser von mehr als 110 Millionen Euro teilten sich Bund und Land. Die Aussiedler entkamen zwar dem Hochwasser für immer, trugen jedoch Narben davon. „Manche sind dabei um Jahre gealtert“, erzählt Bürgermeister Kastner.

Ein Am Schauplatz-Bericht des ORF veranschaulichte am Beispiel Eizendorf die Probleme. Über einen Zeitraum von zehn Jahren dokumentierten die Reporter, wie die Dorfgemeinschaft in die Brüche ging. Eine geplante gemeinsame Neuansiedlung in Untersaxen scheiterte am Widerstand der Politiker. An die Häuser der Familien erinnern heute nur noch die quadratischen Quader eines Mahnmals.

Bis 2016 sollen in der Gemeinde Enns weitere Häuser abgesiedelt und der ganze Ort Kronau soll geräumt werden. Doch Aussiedeln ist die Ultima Ratio, der letzte Ausweg. In Zukunft soll ein integrierter Hochwasserschutz unter Einbeziehung aller relevanten Fachrichtungen von Hydrologie bis Raumplanung den Menschen Sicherheit bieten. „Wir sind auf jeden Fall auf dem richtigen Weg“, sagt Helmut Habersack, Professor für Wasserbau und hydraulische Modellierung an der Universität für Bodenkultur Wien: „Wir haben aus der Vergangenheit gelernt.“

Mit seinem Team hat er eine Methode entwickelt, um den Wert von Überflutungsflächen für ein Flusssystem zu beziffern, die „Floodplain Evaluation Matrix“. Damit kann man bei der Entscheidung, ob eine Fläche bebaut werden darf oder nicht, die Wirkung dieser Einzelmaßnahme auf das gesamte Flussverhalten beurteilen. Wenn bis jetzt eine Aufschüttung in Flussnähe beantragt wurde, konnte nur dieser Einzelfall betrachtet werden. Ein Parkplatz beispielsweise mag lediglich eine Veränderung des Wasserstandes um wenige Zentimeter bewirken. „Der Jurist wird sagen, der Effekt ist marginal. Aber in Summe führt eine Vielzahl solcher Entscheidungen zu der heutigen Situation“, sagt Habersack.

Das immer engere Korsett für Flüsse bedeutet auch mehr Hochwasser für Nachbarländer oder angrenzende Bundesländer. Mittlerweile gilt die Vorgabe, dass niemand flussabwärts durch Baumaßnahmen schlechtergestellt werden darf. In Mettensdorf in der Gemeinde Baumgartenberg waren 44 Objekte abgesiedelt worden, doch sieben Hausbesitzer wollten bleiben. Sie bekamen einen Schutz gegen ein dreißigjähriges Hochwasser, weit niedriger als der Machlanddamm, der für ein Jahrhunderthochwasser gerüstet wurde. „Weil sie so nahe an der Donau liegen und die Widerstände aus Niederösterreich so groß waren“, sagt Bürgermeister Kastner. Sonst wären die Wassermassen flussabwärts gerauscht. Mettensdorf ist vergangene Woche zur Gänze untergegangen. Wieder einmal.

Andere hausgemachte Probleme seien kaum noch umkehrbar, sagt Habersack. Seit den späten sechziger Jahren gibt es einen Gefahrenzonenplan mit roten und gelben Zonen, für besonders und weniger gefährdete Flächen. Doch die Bewilligung von Bauprojekten in diesen Gebieten wurde den Bürgermeistern und Raumplanungsbüros der Länder überlassen, mit dem Ergebnis, dass heute 400.000 Häuser in diesen Zonen stehen. „Das ist Wahnsinn“, sagt Habersack. Doch gerade strukturschwache Gemeinden kämpfen um jeden Bewohner und jeden Betrieb. Bauverbote sind dabei keine gute Werbung. Und je länger die letzte Flut zurückliegt, umso mehr gerät sie in Vergessenheit. Das zuständige Umweltministerium will die Länder in Zukunft stärker in die Pflicht nehmen, echte Bauverbote zu erlassen.

„Es gibt schon erschreckend wenig Einsicht dafür, welche Fehler passiert sind“, sagt Gerlind Weber, Professorin für Raumplanung an der Universität für Bodenkultur Wien. „Wenn wir das kritisiert haben, hat man uns zu Fortschrittsfeinden erklärt – als würden wir jemandem den Wohlstand nicht gönnen oder dem Kommunismus zusprechen.“ Weber fordert, verstärkt die ausufernde Zersiedelung einzudämmen. Das würde oft mehr freies Land sowie mehr Sicherheit bedeuten und zugleich große Kosteneinsparungen ermöglichen. Doch der Wille dazu fehle. „In unseren Gesellschaften haben wir das Problem, dass die Naturgefahren weitgehend aus unserem Alltag verdrängt sind“, sagt Christian Rohr.

Im Buch Genesis findet Gott nach der Sintflut tröstende Worte, nie wieder wolle er so eine Flut schicken. Doch inzwischen hat der Mensch längst am Klima gedreht. Glaubt man dem jüngsten Bericht des Weltklimarates IPCC, werden extreme Wetterereignisse zunehmen.

Sich dafür zu rüsten und Maßnahmen zum Hochwasserschutz umzusetzen wird schwer, glaubt Gerlind Weber. Zu wenig Naturflächen seien übrig, zu viele Siedlungsräume schon erschlossen. Und historisch gewachsene Städte abzusiedeln sei unmöglich. An der Macht des Faktischen sei nicht zu rütteln. „Vielleicht sollte man davon ausgehen, dass der Staat alle 10 Jahre drei Milliarden auf die Seite legen muss, weil Hochwasserschäden zu reparieren sind.“ Vielleicht liegt die Zukunft darin, immer erneut in den Wiederaufbau zerstörter Strukturen zu investieren, statt neue zu schaffen. Das würde einen Paradigmenwechsel nötig machen.

http://www.zeit.de/2013/25/hochwasser-oesterreich/seite-2

Hochwasser verleiht Käfern Flügel

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

 

Ameisen mit Rettungsboot, Flugrettung für Laufkäfer: Viele Arten sind auf die Flut eingestellt. Zwar ertrinken auch Tiere, aber dem Ökosystem schadet das auf Dauer nicht

Wenn die Flut kommt, ist der Mensch plötzlich ein ganz kleines Licht. Selbst High-Tech-Deiche, satellitengestützte Hochwasser-Prognosen, Dämme und Sandsäcke haben nicht verhindern können, dass auch 2013 wieder ganze Städte unter Wasser stehen, wochenlang. Zugegeben: Ohne modernen Hochwasserschutz wäre es vielleicht noch schlimmer gekommen. Aber die Natur im Griff? – nein, das hat der Mensch auch heute nicht.

Ist der Schaden nur materiell? Angesichts dramatischer Berichte über ertrinkende Biber, Kaninchen, Rehe und Störche fragen sich viele: Was bedeutet so eine Flut für die Umwelt?

Eine Katastrophe ist das Hochwasser für die an den Flüssen heimischen Arten nicht, sagen Ökologen. Mehrfach im Jahr steigt das Wasser über die Ufer und überschwemmt naheliegende Auen. „Dieser Lebensraum ist vom Hochwasser abhängig. Ohne regelmäßige Überschwemmungen wäre eine so hohe Artenvielfalt nicht möglich“, sagt Klement Tockner vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin.

Steigt der Wasserspiegel, bringen sich die meisten Tiere schnell in Sicherheit. Wer fliegen und gut schwimmen kann, ist hier klar im Vorteil. Wobei andere Arten sich auf Bäume flüchten oder sogar zeitweise unter Wasser überleben können. Zwar ertrinken auch Tiere in den Fluten, doch langfristig gefährdet das nicht das Überleben der Arten an den Auen.

Besonders eindrucksvoll ist die Überlebensstrategie einiger Ameisenarten: Sie verhaken sich bei Überschwemmungen mit den Beinen und bilden so ein schwimmendes Floß. Auch in Deutschland heimische Ameisen kennen diesen Trick.

Einige Laufkäfer-Arten haben nur in Regionen, wo Hochwasser dazu gehört, Flügel entwickelt, mit denen sie im Notfall entkommen können.

Was Forscher außerdem überrascht: Viele Tiere fliehen vor den Fluten, lange bevor das Wasser kommt. Insekten krabbeln auf Bäume, Schnecken verkriechen sich und auch einige Säugetiere wissen lange vor dem Menschen, wenn ein Hochwasser sich anbahnt. Darüber, welche Sensoren die Tiere dafür haben, und wie sie sich gegenseitig warnen, weiß man noch wenig.

Viel Raum für Pioniere

Wie ein Feuer, eine Schlamm- oder Gerölllawine (Mure) oder ein Vulkanausbruch hinterlässt ein Hochwasser Bedingungen, unter denen sich bestimmte Arten besonders gut ausbreiten können. Von der Überschwemmung profitieren etwa Pionierarten, die von den angespülten Nähr- und Schwebstoffen leben und deren Fressfeinde dezimiert wurden. „Die Neubesiedlung beginnt sehr schnell, das lässt sich selbst bei Säugetieren wie Mäusen beobachten“, sagt Thorsten Assmann, Tierökologe der Leuphana Universität in Lüneburg.

Nicht nur Tiere, auch Pflanzen sind angepasst an das Leben mit wiederkehrendem Wasser. Weiden gehören zu den ersten, die nach einer Flut wieder wachsen. „Im Prinzip ist dieses Phänomen mit Waldbränden oder Murenabgängen vergleichbar, durch diese Störereignisse wird der Lebensraum erneuert und bleibt dadurch dynamisch und vielfältig“, sagt Gewässerökologe Tockner.

Ähnliches zeigen Erfahrungen vom „Jahrhunderthochwasser“ im Jahr 2002. Forscher vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung haben zum Beispiel untersucht, wie Landschnecken-Arten und andere Weichtiere die Flut verkraftet haben. Diese naturgemäß langsamen Tiere hatten nämlich kaum Fluchtmöglichkeiten. Das Ergebnis: Langfristig dezimiert ein Hochwasser die Landschnecken nicht, wobei die Wasserliebenden unter ihnen – wenig überraschend – danach stärker vertreten waren.

Die Auenlandschaften Mitteleuropas gehören wegen dieser regelmäßigen Erneuerung mit bis zu 30.000 Arten sogar zu den Lebensräumen mit der größten Biodiversität, vergleichbar mit Korallenriffen oder Arten-Hotspots in tropischen Regenwäldern.

Doch es gibt auch Verlierer – vor allem fern der Auen, in Wäldern, wo es seit Jahrzehnten trocken war. Gerade schnell steigendem Wasser fallen Rehe oder Wildschweine zum Opfer. So dramatisch die Bilder von ertrinkenden Kitzen scheinen, ihre Population ist nicht gefährdet. „Hochwässer sind keine Bedrohung für den Wildbestand“, sagt Assmann. Selbst stark gefährdete Arten, wie die bodenbrütende Bekassine, werden von einer Flut nur wenig gestört.

„Keine Tierart wird durch Hochwasser aussterben. Natürlich verlieren viele ihren Nachwuchs, aber die Wegnahme des Lebensraums ist nicht von Dauer und die Population kann sich dementsprechend schnell erholen“, bestätigt auch Till Hopf, Naturschützer beim Nabu.

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2013-06/flut-tiere-oekologie

Fahrgastverband fordert bessere Kommunikation

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

 

Die Umsetzung dieser Entscheidung ist kompliziert. Es muss eine ganze Menge an Beteiligten einbezogen werden: Bei der Bahn sind die Bereiche Fernverkehr, Regionalverkehr und Güterverkehr organisatorisch getrennt, dazu kommen noch private Eisenbahngesellschaften, die einen Teil der Regionalstrecken betreiben. Auch bei den Mitarbeitern der Berliner Betriebszentrale sind die Aufgaben klar verteilt. Manche betreuen bestimmte Züge, andere sind für einzelne Gleisabschnitte zuständig. Nur wenn sich alle absprechen, funktioniert der Ablauf reibungslos. Alle Weichen auf den Umleitungsstrecken müssen richtig gestellt werden. Die Fernverkehrszüge IC und ICE haben Vorrang. „Schnell vor langsam ist das Prinzip“, sagt Hinke. Doch der Regional- und Güterverkehr muss mit eingeplant werden, alles muss aufeinander abgestimmt sein. Für jeden Zug erstellt die Betriebszentrale einen neuen Fahrplan. Außerdem müssen Presse und Fahrgäste informiert werden.

Ein Lokführer darf auf einer bestimmten Strecke eigentlich nur fahren, wenn er darauf eingewiesen wurde. Doch diese Vorschrift gilt während des Hochwassers nicht mehr, sonst wären viele Umleitungen nicht möglich.

Das Krisenmanagement der Bahn scheint in diesen Tagen zu funktionieren. Verspätungen sind unvermeidlich, doch die meisten Passagiere erreichen ihr Ziel.  „Für das Hochwasser kann die Bahn nichts“, sagt Winfried Karg von Pro Bahn. Nur die Kommunikation kritisiert der Fahrgastverband: „Die Fahrgäste wurden nicht richtig informiert.“ Manchmal werde auf dem Handy eine Verspätung angezeigt  und der Bildschirm am Bahnhof suggeriert, der Zug sei pünktlich. Über Änderungen bei anderen Zugbetreibern erfahre man von der Deutschen Bahn gar nichts, man müsse sich bei jedem Anbieter eigens informieren: „Es fehlt ein einheitliches Portal.“

Mittags um zwölf endet die Schicht von Karsten Feske, er wird abgelöst und kann nach Hause gehen. Der Ausnahmezustand im Bahnverkehr wird noch eine ganze Weile weitergehen.

http://www.zeit.de/reisen/2013-06/bahn-hochwasser-krisenmanagment/seite-2

Die Weichen für die Flut stellen

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

 

Das Hochwasser hat auch viele Bahnverbindungen gekappt. Christian Endt hat sich das Krisenmanagement in einer Schaltzentrale in Berlin angesehen.

In der Nacht auf Montag wird Erik Hinke vom Klingeln seines Handys geweckt. Um drei Uhr morgens erreicht ihn die Nachricht, dass eine Brücke, die bei Schönhausen in Sachsen-Anhalt über die Elbe führt, wegen des Hochwassers gesperrt werden muss. Die gesperrte Brücke liegt auf der Bahnstrecke von Berlin nach Hannover, dort können jetzt keine Züge mehr fahren. Hinke, der die Betriebszentrale der Deutschen Bahn in Berlin leitet, führt von zu Hause aus ein paar Telefonate, dann fährt er ins Büro.

Sieben Betriebszentralen hat die Bahn-Tochter DB Netz in Deutschland, dazu kommt eine Leitzentrale in Frankfurt. Von Berlin aus kümmern sich die Mitarbeiter um alle Strecken in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, außerdem um die Fernzüge nach Hannover und Hamburg.

Ob eine Brücke oder ein Streckenabschnitt wegen Hochwassers gesperrt wird, entscheidet nicht die Deutsche Bahn, sondern der örtliche Katastrophenstab. Der informiert dann die Bahn, die wiederum eine Umleitung finden muss.

Alle Gleise und Züge auf sechs Bildschirmen

In der Berliner Zentrale im Stadtteil Pankow setzen sich die Mitarbeiter zusammen und überlegen, welche Alternativrouten geeignet sind. Eigentlich gibt es für solche Situationen Notfallpläne, in denen festgelegt ist, bei welchen Streckensperrungen wie reagiert wird. Doch die helfen im Fall des aktuellen Hochwassers nichts, denn die vorgesehene Ausweichstrecke über Magdeburg musste ebenfalls gesperrt werden. „Wir konnten die Ordner gleich zugeklappt lassen“, sagt Netzkoordinator Karsten Feske, der in der Nacht zu Montag Schichtleiter in der Betriebszentrale war.

Auf Feskes Schreibtisch stehen drei Telefone. Über sechs Bildschirme behält er alle Gleise, Weichen und Züge im Blick. Der Laie sieht ein nichtssagendes Durcheinander von bunten Strichen, kryptischen Abkürzungen und vielen Zahlen. Doch Feske kann daran auf einen Blick erkennen, ob ein Zug im Zeitplan liegt oder ob es irgendwo Probleme gibt.

Feske und seine Kollegen beschließen: Die Züge von Berlin nach Hannover werden über Wittenberge umgeleitet. Das verlängert die Fahrt um eineinhalb bis zwei Stunden, aber immerhin rollt der Verkehr. Der ICE von Berlin nach Frankfurt fährt einen einstündigen Umweg über Halle.

http://www.zeit.de/reisen/2013-06/bahn-hochwasser-krisenmanagment

Alles sacken lassen

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

 

Die Ostdeutschen sind ein Volk der Aufarbeiter: Schon wird das Hochwasser fleißig historisiert. Aber was lernen wir aus ihm?

Deutschlands oberster Fluthelfer war am Sonntag im Hochwassergebiet. Und es musste ja so kommen, dass Joachim Gauck da in Meißen und Halle (Saale) steht und von Tugenden spricht. „Die Deutschen sind solidarisch“, sagte der Bundespräsident. Überall erlebe er „gefasste Flutopfer“ und „total motivierte Helfer“. Und übrigens: „Wir schaffen das.“ Am Straßenrand erspähte Gauck eine Oma, die zu ihm aufsah. Und gleich sprach er mit ihr in diesem, seinem Weihnachtsansprachen-Optimismus: „Sie sehen nicht so aus, als wären Sie entmutigt!“

Aber, Moment mal, war Joachim Gauck da nicht ein bisschen naiv? Die Menschen im Osten sind den Fluten ausgeliefert, und er redet nur von der Zuversicht! Als wären die Bürger so etwas wie Gladiatoren, Gladiatoren dieser Katastrophe.

Oder sind sie das etwa?

Und schon denkt man an all die Sandsackträger und Deichbeschützer und Schlammbezwinger; an all die Menschen in kurzen Hosen – oder auch in der Bundeswehr-Uniform. Schon denkt man an die Abertausenden, die sagten und sagen: Ja, wir bewältigen diese Flut! Ob Gauck also nicht doch recht hat? Mit der These vom Aufstand der Jungen und Alten gegen das Hochwasser 2013.

Gewiss ist es eine Spezialität des Ostens, dass die Aufarbeitung dieser Katastrophe längst schon begonnen hat. An vielen Orten steht noch das Wasser, aber die Flut wird bereits historisiert. Die Ostdeutschen, das ist wohl einfach so, sind ein Volk der Aufarbeitungserprobten. Aufarbeitung, das kann man hier. Sie ist ein guter Brauch.

Die Aufarbeitung, sie hat mehrere Seiten, die eine ist die Frage nach den praktischen Lehren aus dem Desaster – darüber wird gleich zu sprechen sein. Die andere Seite ist die des Gefühls, und da begann die Historisierung wohl mit Joachim Gauck: Denn sein Besuch war kein Kriseneinsatz eines normalen Politikers. Kein Auftritt eines Mannes, der entscheidet, wie viel Geld fließt und wohin. Als die Bundeskanzlerin ins Flutgebiet flog, da ging es nicht zuletzt auch um Wahlkampf; ums Sehen – und vor allem ums Gesehenwerden. Die Kanzlerin war sorgenschwer und wahlkampfsolidarisch. Bei Gauck aber, dessen Amt das Symbol ist, dem Gründungschef der Stasi-Unterlagenbehörde, merkte man: der ist aufarbeitungskühn.

Und liegt damit sehr richtig. Eine Kindergärtnerin in Halle sagte: „Es ist uns ein großer Trost, dass der Bundespräsident hier ist. Denn das braucht man genauso wie Geld.“

Das Herz, das ist wichtig, dieses „Wir bezwingen die Flut“, und darüber sollte man sprechen. Zum Beispiel mit Friedrich Schorlemmer, dem Theologen und Intellektuellen des Ostens, denn er kennt ja seine Leute. Vor allem ist Schorlemmer, 70 Jahre alt, ein Mann der Elbe: Geboren in Wittenberge – recht weit im Norden an diesem Fluss –, wuchs er ein Stückchen weiter südlich auf, in Werben in der Altmark, wo die Pegel zuletzt bedrohlich stiegen. Heute lebt Schorlemmer in Wittenberg. Herr Schorlemmer, gibt es den ostdeutschen Krisen-Mut?

Aber ja!, sagt er da. „Es gibt zwei gegenläufige Empfindungen. Die eine ist, dass Leute bedrückt sind. Selbst jene, die nicht vom Wasser betroffen sind, können ja nicht richtig glücklich sein. Aber andererseits…“, sagt er.

Ja, andererseits?

„Schauen Sie doch nur einmal, wie viele Leute sich den Fluten stellen! Wie viele Leute fragen: Kann mein einzelner Sack vielleicht doch helfen? Oder: Kann ich alter Sack vielleicht auch helfen? Diese Hilfe hier ist kein Happening, kein Kraft-durch-Freude-Einsatz! Nein, an jeder Ecke spürt man: Das ist etwas unglaublich Erwachsenes.“

Wie ist der Osten so erwachsen geworden, durch die Umbrüche von früher? „Ich glaube, es ist die Mentalität derer, die schon so viel erlebt haben“, sagt Schorlemmer. Wo Krise geübt ist, geht man vielleicht auch mit Katastrophen gelassener um.

Zumal nach den Erlebnissen von 2002. Schon damals sprach man von „Jahrhundertflut“. Aber 2002, 2006, 2011, 2013, das sind die Jahreszahlen der letzten größeren Hochwasserwellen, die den Osten trafen. Nur Zufall?

Wie sehr es doch um menschliche Urfragen geht in diesen Tagen des Wassers und des Schlamms. Man grübelt: Kommen solche Unwetter jetzt öfter? Zumindest, sagt Hans Joachim Schellnhuber, einer der wichtigsten deutschen Klimaforscher, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, zumindest sei der Klimawandel ein „interessanter Verdächtiger“ in den Ermittlungen um diese Flut.

Die wichtigste aller Aufarbeitungsfragen ist deshalb natürlich diese: Wenn solch Verheerendes nun häufiger vorkommt, als wir das zuletzt noch glaubten, was soll man dann daraus lernen? Müssen wir noch viel mehr mauern, Schutzwände bauen – überall dort, wo jetzt, im Juni 2013, das Wasser hindringen konnte?

Das wäre fatal, sagen manche Ökologen, eine irgendwie bizarre Strategie: Flüsse, die auch deshalb überfließen, weil man sie in zu schmale Betten quetscht, noch weiter einzuengen. Ökologischer Hochwasserschutz, das heißt, dem Wasser Platz zu machen, Deiche rückzuverlegen. Dorthin zurückzuweichen, wo die Menschen vor der Industrialisierung lebten. Überschwemmungsflächen schaffen; eben Platz für Elbe und Mulde und Pleiße für den Fall, dass mal wieder viel Regen fällt.

http://www.zeit.de/2013/25/sachsen-flut-lehren

 

Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder haben sich auf acht Milliarden Euro Hochwasserhilfe geeinigt. Finanziert werden soll das über neue Anleihen

Der Bund muss neue Schulden machen, damit die Regierung die versprochenen Hilfen für die Flutgeschädigten auszahlen kann. Bund und Länder einigten sich auf die Gründung eines nationalen Aufbaufonds für die Hochwassergebiete. Die Hilfsmittel sollen etwa acht Milliarden Euro betragen. Der Bund werde nun rasch einen Nachtragshaushalt vorlegen, sagte Kanzlerin Angela Merkel.

Die genaue Höhe des Fonds sei noch offen, „weil wir das konkrete Ausmaß der Schäden heute noch nicht kennen“, sagte Merkel. Sie sprach von einem „großzügigen und angemessenen“ Volumen. „Damit ist uns heute wirklich ein großer Schritt gelungen“, sagte die Kanzlerin. Höhere Steuern oder Abgaben wie einen „Flut-Soli“ schloss sie aus.

Das Geld werde eingesetzt zum Aufbau nach dem Hochwasser und zur Beseitigung der Schäden, sagte Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU). Als eine Finanzierungsmöglichkeit nannte sie Bundesanleihen, die je zur Hälfte von Bund und Ländern bedient werden könnten. Denkbar sei auch eine Änderung der Modalitäten bei der Abwicklung des früheren Fonds deutsche Einheit.

„Wenn es darauf ankommt, wirklich zusammenstehen“

Die Gesetzgebung für den Fonds müsse bis zum 5. Juli abgeschlossen sein. Dies sei „ein wichtiges Zeichen für die Solidarität mit den betroffenen Regionen, für die Solidarität mit den Menschen in den entsprechenden Gebieten“, sagte Lieberknecht. Zudem müsse man sich national über weiteren Hochwasserschutz verständigen.

Die Kanzlerin sagte, die Deutschen dürften stolz auf die Solidarität nach der Flut sein. „Ich darf sagen, dass unser Land einmal mehr seine große Stärke in dieser Stunde zeigt. Nämlich immer dann, wenn es darauf ankommt, auch wirklich zusammenzustehen.“ Bundesregierung und Länder würden nun prüfen, wie Maßnahmen zum Hochwasserschutz vereinfacht und beschleunigt werden könnten.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-06/hochwasser-hilfe-flut

Aufatmen in Lauenburg: Hochwasser geht zurück

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Lauenburg

 

Vorsichtiges Aufatmen bei den Bewohnern in der lauenburgischen Altstadt – und das aus zweierlei Hinsicht: Zum einen sinkt der Pegelstand der Elbe weiter leicht ab – und zwar um einen Zentimeter pro Stunde. Der Krisenstab erwartet, dass es so weitergeht. Am Donnerstagnachmittag lag der Pegelstand bei etwa 9,45 Metern. Normal sind gut fünf Meter. Außerdem stimmte der Landtag einer Soforthilfe für die vom Hochwasser betroffenen Lauenburger in Höhe von einer Million Euro zu, die gleiche Summe packt der Bund oben drauf. Möglich macht das der sogenannte Fluthilfe-Fonds, den Bund und Länder am Donnerstag gemeinsam vereinbart haben. Wie groß der Hilfstopf sein wird, ist noch nicht sicher. In Berliner Koalitionskreisen ist von bis zu acht Milliarden Euro die Rede.

Elbstraßen-Bewohner müssen Geduld aufbringen

Die Helfer in Lauenburg sind damit beschäftigt, dass die Deiche zu kontrollieren. Zurzeit sieht es gut aus. Die Lage habe sich weitgehend stabilisiert, an den Deichen seien bislang keine Risse festgestellt worden, heißt es vom Krisenstab. Außerdem laufen die Planungen für die Rückkehr der Anwohner in ihre Häuser. Ab einem Wasserstand von 9,30 Metern werde die Feuerwehr beginnen, das Wasser abzupumpen, teilte die Stadt Lauenburg mit.

„Die Anwohner wollen natürlich so schnell wie möglich in ihre Häuser zurück.“ Sie müssen sich laut Sprecher Peter Schütt aber noch in Geduld üben. „Das geht erst, wenn wieder Strom da ist und die Gebäude von Bausachverständigen auf ihre Standfestigkeit überprüft worden sind. Beides ist erst möglich, wenn die Elbstraße trocken ist“, sagte Schütt.

Unterdessen forderte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) die Bundesregierung auf, dauerhaft mehr Geld als bisher für den Hochwasserschutz bereitzustellen. Der SPD-Politiker sagte der „Stuttgarter Zeitung“ (Donnerstagsausgabe), der Bund müsse die Finanzierung des Hochwasserschutzes im Binnenland neu ausbalancieren und an den Küstenschutz anpassen. „Heute ist die Lastenverteilung beim Hochwasserschutz im Binnenland zu 60 Prozent beim Bund und zu 40 Prozent bei den Ländern. Beim Küstenschutz sind es 70 zu 30.“

http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/lauenburg241.html

Den Flüssen Ausgleichfläche zurückgeben

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Sachsen

Das Wasser ist noch nicht wieder weg, da wird bereits darüber nachgedacht, wie man eine solche Katastrophe künftig vermeiden oder doch zumindest die Folgen minimieren kann. Ein Stichwort der Diskussion leutet: mehr Platz für die Flüsse, ökologischer Hochwasserschutz. Der sei in den letzten Jahren auf der Strecke geblieben, sagen Experten. So wurden in ganz Sachsen seit 2002 nur etwa 100 Hektar Fläche den Flüssen wieder zurückgegeben, indem man Deiche zurück verlegt hat. Ist also Sachsen-Anhalt auch deshalb so stark betroffen gewesen, weil man in Sachsen die falschen Entscheidungen getroffen hat?

Überschwemmungen wären vermeidbar gewesen

Überschwemmungen in Barby, Bitterfeld und Magdeburg, der Dammbruch in Fischbeck, das alles hätte man vermeiden können, wenn Sachsen eine andere Politik betrieben hätte, sagt der Flussexperte des BUND, Winfried Lücking: „Auf jeden Fall, weil man damit den Druck des Wassers hätte vermindern können, und damit auch die Deiche geschont hätte. Im Grunde genommen ist es so, dass am gesamten Strom Rückdeichungsflächen zur Verfügung gestellt werden müssen, um dem Wasser mehr Platz zu geben.“ Aber das passiere kaum, sagt Lücking. Kein Bundesland sei da wirklich Vorbild, weder Sachsen, noch Sachsen-Anhalt oder Niedersachsen.

„Bundesweit ist es so“, erklärt Lücking weiter, „dass die Politik offensichtlich immer noch nicht verstanden hat, dass der technische Hochwasserschutz allein diese Katastrophen nicht bewältigen kann. Wir müssen wirklich großflächigen ökologischen Hochwasserschutz anwenden. Das ist dringend geboten – auch für Sachsen. Von den zur Verfügung stehenden Flächen ist gerade mal ein Prozent umgesetzt worden.“

Problem erkannt, Gefahr gebannt?

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Rainer Haseloff hat zumindest die Bedeutung des Problems erkannt, wenn er sagt: „Retentionsflächen, Ausgleichsflächen oder Deichbrüche, die partiell entspannend gewirkt haben, spielen ihre Rolle. Aber da es am Ende um Millimeter geht, kann es durchaus ein fachliches Votum geben, dass man sagt, genau diese Millimeter sind für Magdeburg, was nicht beliebig eindeichbar ist, existentiell und entscheidend.“

Wie entscheidend dies ist, hat am Wochenende Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck bei Günther Jauch deutlich gemacht, als er das einsame Beispiel Lenzen anführte, wo eine Rückdeichung ausnahmsweise geklappt hat: „Über 420 Hektar, das war eine ganz schöne Kraftanstrengung, aber es ist gelungen. Das macht uns heute Freude. Wir haben vor zehn Jahren dort noch eine Million Sandsäcke verbaut. Bis heute liegt dort kein einziger, obwohl der Wasserstand höher ist. Das wird uns hoffentlich in die Lage versetzen, dass wir es am Ende schaffen, ohne größere Schäden.“

Klingt nach Einsicht und Vernunft, aber Platzeck schmücke sich mit fremden Federn, sagt Winfried Lücking vom BUND: „Ja, das ist sehr merkwürdig. Das ist eine Maßnahme, die der BUND gemanagt hat. In den anderen Bereichen, wo das Land Brandenburg versucht hat, großflächige Rückdeichungsmaßnahmen vorzunehmen, sind sie leider gescheitert.“

Und so geht das auch in Sachsen. Den Grund nennt Ministerpräsident Stanislav Tillich: „Bei einer Forderung nach Deichverlegungen, Rückverlegung, muss man immer wieder realisieren, wir haben es mit Menschen zu tun, die damit ihre Existenz finanzieren, das heißt also Landwirte, die mit dieser Agrarfläche auch arbeiten. Was für den einen die Fabrik ist, ist für den anderen die Ackerfläche, mit der man Geld verdient. Ich kann mir vorstellen, dass der Landwirt nicht freiwillig verzichtet.“

Lösungen nur mit dem Bürger zusammen

Aber man müsse es eben wenigstens versuchen, sagt Winfried Lücking. Der BUND habe im Fall Lenzen von vornherein die Bürger, auch die Landwirte mit einbezogen. „Wenn es um solche Maßnahmen geht, braucht es offensichtlich mehr professionelle Kommunikation -damit es nicht zu solchen Verweigerungen kommt. Der Bürger muss mitgenommen werden. Man muss die Ängste und Sorgen wirklich ernst nehmen. Ohne den einen oder anderen Kompromiss wird man da nicht auskommen können.“

Retentionsflächen schaffen, mit den Anwohnern und Bauern nach Lösungen suchen – Sachsen wolle sich der Diskussion nicht verweigern, sagt Stanislav Tillich: „Über die Frage, wer wofür und durch welche Handlungen im Prinzip mehr hätte bewirken können zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt, das wollen wir klären. Meine Behörden sind da zu Gesprächen bereit. Die Koordination zwischen den beiden Ländern müssen wir verbessern.“

http://www.mdr.de

 

Es war die bislang härteste Prüfung für die 96 Hochwasser-Helfer der Dortmunder Feuerwehr in Niedersachsen: Als der Pegel der Elbe am Mittwoch seinen Höhepunkt erreichte, drohte der Deich im Einsatzbereich der Dortmunder zu brechen. Die Feuerwehrmänner mussten eine zweite Deichlinie aufbauen. Der Elbdeich in Neu Darchau im Einsatzgebiet der Dortmunder Feuerwehr – hier ein Bild von Dienstag – muss einem enormen Wasserdruck standhalten.

Im Einsatzbereich der Abteilung Arnsberg, die über 250 Einsatzkräfte umfasst und unter Dortmunder Führung steht, erreichte die Elbe am Mittwoch gegen 14 Uhr ihren Höchststand. Im Bereich Damnatz stand das Wasser knapp über 8 Meter (Normal: 2 – 2,5 Meter) und in Neu Darchau knapp unter 8 Meter.

Da der enorme Wasserdruck dazu führte, dass das Deichhinterland aufweicht, wurde am Mittwochvormittag die Bereitschaft 5 mit Einsatzkräften aus Hamm, Soest und Unna eingesetzt, um eine zweite Deichlinie mit Sandsäcken weiter auszubauen.

Gegen Mittag wurden auch die Kräfte der Bereitschaft 3 aus Dortmund und dem Ennepe-Ruhr-Kreis wieder nach Neu Darchau entsandt und zur Deichsicherung eingesetzt.

Bundeswehr hilft mit

Da das Deichhinterland mittlerweile nicht mehr befahrbar ist, werden die Strecken, über die die Sandsäcke an den Deich zu bringen sind, immer länger. Um diese längeren Wege zu überbrücken, wurden seit dem Mittwochnachmittag Soldaten der Bundeswehr der Abteilung unterstellt. Am Abend arbeiteten so mehr als 600 Einsatzkräfte auf Hochtouren daran, die Deichanlage zu sichern. Gegen 1.20 Uhr wurden die Einheiten ausgelöst und die Einsatzstelle an Feuerwehreinheiten aus Niedersachsen übergeben, die bis in die Morgenstunden den Damm sicherten.

100.000 Sandsäcke in 48 Stunden

In den letzten beiden Tagen wurden von der 3. und 5. Bereitschaft aus dem Regierungsbezirk Arnbsberg mit Unterstützung der Bundeswehr über 100.000 Sandsäcke verbaut. „Die Einheiten sind dementsprechend erschöpft aber immer noch hoch motiviert um zu helfen“, heißt es in einer

Pressemeldung der Feuerwehr.

Am Donnerstagmittag befanden sich die Einheiten aus Hamm, Soest, Unna, dem Ennepe-Ruhr-Kreis und Dortmund in Dannenberg in Alarmbereitschaft. Weitere Einheiten aus Nordrhein-Westfalen sind seit Donnerstagmorgen unterwegs, um vor Ort Personal abzulösen. Die Dortmunder Feuerwehrmänner im Hochwasser leisten großartige Arbeit

http://www.derwesten.de

Hochwasser verleiht Käfern Flügel

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Ameisen mit Rettungsboot, Flugrettung für Laufkäfer: Viele Arten sind auf die Flut eingestellt. Zwar ertrinken auch Tiere, aber dem Ökosystem schadet das auf Dauer nicht.

Wenn die Flut kommt, ist der Mensch plötzlich ein ganz kleines Licht. Selbst High-Tech-Deiche, satellitengestützte Hochwasser-Prognosen, Dämme und Sandsäcke haben nicht verhindern können, dass auch 2013 wieder ganze Städte unter Wasser stehen, wochenlang. Zugegeben: Ohne modernen Hochwasserschutz wäre es vielleicht noch schlimmer gekommen. Aber die Natur im Griff? – nein, das hat der Mensch auch heute nicht.

Ist der Schaden nur materiell? Angesichts dramatischer Berichte über ertrinkende Biber, Kaninchen, Rehe und Störche fragen sich viele: Was bedeutet so eine Flut für die Umwelt?

Eine Katastrophe ist das Hochwasser für die an den Flüssen heimischen Arten nicht, sagen Ökologen. Mehrfach im Jahr steigt das Wasser über die Ufer und überschwemmt naheliegende Auen. „Dieser Lebensraum ist vom Hochwasser abhängig. Ohne regelmäßige Überschwemmungen wäre eine so hohe Artenvielfalt nicht möglich“, sagt Klement Tockner vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin.

Steigt der Wasserspiegel, bringen sich die meisten Tiere schnell in Sicherheit. Wer fliegen und gut schwimmen kann, ist hier klar im Vorteil. Wobei andere Arten sich auf Bäume flüchten oder sogar zeitweise unter Wasser überleben können. Zwar ertrinken auch Tiere in den Fluten, doch langfristig gefährdet das nicht das Überleben der Arten an den Auen.

Besonders eindrucksvoll ist die Überlebensstrategie einiger Ameisenarten: Sie verhaken sich bei Überschwemmungen mit den Beinen und bilden so ein schwimmendes Floß. Auch in Deutschland heimische Ameisen kennen diesen Trick.

Einige Laufkäfer-Arten haben nur in Regionen, wo Hochwasser dazu gehört, Flügel entwickelt, mit denen sie im Notfall entkommen können.

Was Forscher außerdem überrascht: Viele Tiere fliehen vor den Fluten, lange bevor das Wasser kommt. Insekten krabbeln auf Bäume, Schnecken verkriechen sich und auch einige Säugetiere wissen lange vor dem Menschen, wenn ein Hochwasser sich anbahnt. Darüber, welche Sensoren die Tiere dafür haben, und wie sie sich gegenseitig warnen, weiß man noch wenig.

Viel Raum für Pioniere

Wie ein Feuer, eine Schlamm- oder Gerölllawine (Mure) oder ein Vulkanausbruch hinterlässt ein Hochwasser Bedingungen, unter denen sich bestimmte Arten besonders gut ausbreiten können. Von der Überschwemmung profitieren etwa Pionierarten, die von den angespülten Nähr- und Schwebstoffen leben und deren Fressfeinde dezimiert wurden. „Die Neubesiedlung beginnt sehr schnell, das lässt sich selbst bei Säugetieren wie Mäusen beobachten“, sagt Thorsten Assmann, Tierökologe der Leuphana Universität in Lüneburg.

Nicht nur Tiere, auch Pflanzen sind angepasst an das Leben mit wiederkehrendem Wasser. Weiden gehören zu den ersten, die nach einer Flut wieder wachsen. „Im Prinzip ist dieses Phänomen mit Waldbränden oder Murenabgängen vergleichbar, durch diese Störereignisse wird der Lebensraum erneuert und bleibt dadurch dynamisch und vielfältig“, sagt Gewässerökologe Tockner.

Ähnliches zeigen Erfahrungen vom „Jahrhunderthochwasser“ im Jahr 2002. Forscher vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung haben zum Beispiel untersucht, wie Landschnecken-Arten und andere Weichtiere die Flut verkraftet haben. Diese naturgemäß langsamen Tiere hatten nämlich kaum Fluchtmöglichkeiten. Das Ergebnis: Langfristig dezimiert ein Hochwasser die Landschnecken nicht, wobei die Wasserliebenden unter ihnen – wenig überraschend – danach stärker vertreten waren.

Die Auenlandschaften Mitteleuropas gehören wegen dieser regelmäßigen Erneuerung mit bis zu 30.000 Arten sogar zu den Lebensräumen mit der größten Biodiversität, vergleichbar mit Korallenriffen oder Arten-Hotspots in tropischen Regenwäldern.

Doch es gibt auch Verlierer – vor allem fern der Auen, in Wäldern, wo es seit Jahrzehnten trocken war. Gerade schnell steigendem Wasser fallen Rehe oder Wildschweine zum Opfer. So dramatisch die Bilder von ertrinkenden Kitzen scheinen, ihre Population ist nicht gefährdet. „Hochwässer sind keine Bedrohung für den Wildbestand“, sagt Assmann. Selbst stark gefährdete Arten, wie die bodenbrütende Bekassine, werden von einer Flut nur wenig gestört.

„Keine Tierart wird durch Hochwasser aussterben. Natürlich verlieren viele ihren Nachwuchs, aber die Wegnahme des Lebensraums ist nicht von Dauer und die Population kann sich dementsprechend schnell erholen“, bestätigt auch Till Hopf, Naturschützer beim Nabu.

Ausgerechnet Fische stört das Hochwasser

Ein Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen kann so ein Hochwasser aber durchaus  – und zwar vor allem dort, wo der Mensch die Natur verändert hat. Das zeigt sich ausgerechnet an Fischen, von denen man meinen könnte, Wasser mache ihnen wenig aus.

Das Hochwasser spült sie häufig aus ihrem Lebensraum heraus. In natürlichen Flussläufen und Auen wäre das kein großes Problem: Die Fische fänden auch woanders im Fluss genügend Nahrung und könnten problemlos in ihren angestammten Lebensraum zurück schwimmen.

Nicht so einfach ist die Rückkehr in Flüssen, die der Mensch verändert hat. In Deutschland betrifft das fast 90 Prozent der Fließgewässer. In begradigten Flüssen ist die Strömung nämlich stärker – teilweise zu stark für Fische, um flussaufwärts voranzukommen. Wehre und Staudämme versperren den Weg, Seitenarme fehlen, wo kleinere Fische sich vor Raubfischen verstecken könnten.

Hinzu kommt die Bebauung und die Landwirtschaft an den Auen: Nur knapp zehn Prozent dieser an Hochwasser angepassten Lebensräume sind noch in einem naturnahen Zustand.

Warum das der Natur und dem Menschen schadet? Weil es an Ausbreitungsmöglichkeiten für das viele Wasser fehlt. Gibt es mehr natürlichen Raum zur Überflutung, lastet weniger Druck auf den Deichen und die Höhe der Flutscheitel sinkt. Das Überflutungsrisiko für die Städte wäre geringer.

Wo ist das Hochwasser am schlimmsten?

Neben diesen Vorteilen für den Hochwasserschutz gibt es auch ökologische Argumente für eine Renaturierung. Auen sind nicht nur Lebensräume mit hoher Artenvielfalt, sondern funktionieren auch als Filter für Sedimente und gelöste Nährstoffe, als Kohlenstoffspeicher und als Grundwasserreservoir.

Angesichts dieser Vorteile hat auch die Politik Bereitschaft zum Rückbau von Deichen und Dämmen signalisiert – eine Forderung, die Naturschützer Hopf schon lange stellt: „Wir müssen bei der Renaturierung alle Interessen berücksichtigen und eine gemeinsame Lösung finden. Neben rein technischen Schutzvorrichtungen müssen zukünftig verstärkt auch ökologische Ansätze realisiert werden, es braucht eine Mischung von beidem“, sagt er. Ein bundesweites Hochwasserschutzkonzept sei deshalb alternativlos.

Heizöl, Müll und Chemikalien landen im Fluss

Ein weiteres bisher noch kaum abschätzbares Problem ist, dass die Wassermassen auf ihrem Weg Schadstoffe in die Flüsse und in überschwemmte Gebiete spülen. Heizöl aus überfluteten Häusern, Abfälle aus aufgeschwemmten Deponien oder Dioxin gelangen durch die Flut ins Ökosystem. Was die Schadstoffe anrichten werden, die das aktuelle Hochwasser in den Überschwemmungsgebieten hinterlassen wird, weiß derzeit niemand.

Quelle ZEIT ONLINE

 

Langsam sinken die Pegelstände in Deutschland. Sowie die Behörden Entwarnung geben, kehren tausende Flutopfer in ihre Häuser zurück, um mit dem Aufräumen zu beginnen. Die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk können nicht überall gleichzeitig helfen, jeder muss selbst anpacken. Der Verband Deutscher Sicherheitsingenieure (VDSI) rät zur Vorsicht: Wasser und Schlamm bergen Gefahren.

Keinem weiteren Flutopfer soll es so ergehen, wie einem 61-jährigen in Sachsen-Anhalt, der seinen voll gelaufenen Keller auspumpen wollte und dabei durch einen Stromschlag starb.

Auch die Besitzer von Solarpanels sollten Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, damit sich durch chemische Vermischung keine Explosionen ereignen. Denn dort, wo sich die Solaranlage in einem geschlossenen und schlecht gelüfteten Raum befindet, der länger unter Wasser war, kann es zu einer Explosion kommen. Dort könnte sich Sauer- und Wasserstoff zu einem explosiven Gemisch verbunden haben – hier reicht ein kleiner Funke. Solche Räume sollten nach der Rückkehr zunächst sehr gut gelüftet werden.

Hier eine 10-Punkte-Checkliste des VDSI: 

  1. Betreten Sie Ihr Haus nur, wenn die Statik offensichtlich unbeschädigt ist, sich also keine Risse gebildet oder Bauteile verschoben haben.
  2. Stellen Sie den Strom ab. Ist der Weg zum Sicherheitskasten versperrt, kann auch Ihr Energieversorger von außen den Strom abklemmen.
  3. Beginnen Sie erst mit den Aufräumarbeiten, wenn alle elektrischen Geräte abgesichert sind.
  4. Nasse Geräte, Schalter oder Steckdosen sollten vor dem nächsten Gebrauch von einem Sachverständigen geprüft werden.
  5. Tragen Sie bei den Aufräumarbeiten Gummistiefel, flüssigkeitsdichte Gummihandschuhe und bei Bedarf zusätzlich schützende Bauhandschuhe. Der Schlamm kann mit Fäkalien, Heizöl oder anderen Giftstoffe belastet sein und sollte mit der Haut nicht in Kontakt kommen.
  6. Es empfiehlt sich auch, das Leitungswasser vor der ersten Verwendung länger durchlaufen zu lassen und abzukochen.
  7. Entsorgen Sie verunreinigte Lebensmittel.
  8. Achtung – vor und in den Häusern droht Sturzgefahr. Räumen Sie herumliegendes Treibgut und Inventar beiseite, damit niemand zu Fall kommt.
  9. Sind Wasser und Schlamm beseitigt, muss Ihr Haus so schnell wie möglich trocknen. Keime, Schimmel und Schädlinge wie Stechmücken können sich sonst rasch ausbreiten. Heizen und lüften Sie ausgiebig, ziehen Sie gegebenenfalls Fachfirmen hinzu.
  10. Über weitere Sicherheitsmaßnahmen informiert Sie der Kriseneinsatzstab vor Ort.

Die Checkliste steht auch auf den Internetseiten des VDSI zum Download bereit … click hier!

http://wendland-net.de/post/achtung-beim-aufraeumen-nach-der-flut-lauern-gefahren-26259

Fluthilfen bis Juli Schachern um Milliarden

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

 

Das Feilschen um die Milliarden hat begonnen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) trifft am Nachmittag die Länderchefs in Berlin. Bis Juli soll die Lösung gefunden sein. Während der Wasserpegel sinkt und die Katastrophe langsam ihr wahres Ausmaß zeigt, steigt die geplante Höhe des Hilfspaktes auf acht Milliarden.

Acht Milliarden Euro an Hilfe: Damit würde die Unterstützung weitaus höher ausfallen als 2002. Bei der damals als «Jahrhundertflut» eingestuften Katastrophe wurden rund 6,5 Milliarden Euro abgerufen.

Der Hilfsgelder von Bund und Ländern sollen ab Anfang Juli fließen. Das Gesetz für die finanzielle Ausstattung eines Fonds bis 5. Juli stehen.

Pegel sinken langsam

In den Flutregionen der Elbe sind indes die Pegelstände in der Nacht fast überall weiter zurückgegangen. In Hitzacker in Niedersachsen lag der Wert am frühen Morgen knapp unter acht Metern – am Abend zuvor waren es noch 8,07 gewesen. Nach Angaben des Landkreises Lüchow-Dannenberg blieb die Nacht ruhig.

Am Pegel Hohnstorf bei Lauenburg in Schleswig-Holstein wurden knapp neuneinhalb Meter gemessen. Ursprünglich waren Pegelstände von zehn Metern und mehr prognostiziert worden. In Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern waren es knapp unter 7 Metern. Am Dienstag war hier noch der Höchstwert mit 7,21 Metern registriert worden. Nach wie vor besteht aber die Gefahr von Deichbrüchen.

Hilfseinsätze im Kreis Stendal

In der Katastrophenregion im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt wurden bis zum späten Mittwochabend noch Menschen in Sicherheit gebracht. Einige weigerten sich nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung jedoch, ihre Häuser zu verlassen. Sie sollten im Laufe des Tages mit Booten und Hubschraubern mit Lebensmitteln versorgt werden.

Durch die Bruchstelle des Elbdeichs bei Fischbeck fließt nach wie vor Wasser ins Hinterland. Bereits in der Nacht zum Montag war der Deich gebrochen. Seither sind weite Landstriche überflutet worden. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Schnelle Finanzhilfen gefordert

Der Präsident des Deutschen Städtetags, Ulrich Maly, forderte eine rasche Lösung. «Wir halten einen Flutopfersolidaritäts- und Aufbauhilfefonds, wie er erfolgreich im Jahre 2002 nach dem katastrophalen Hochwasser aufgelegt worden ist, für dringend notwendig», sagte er der Rheinischen Post.

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) forderte für Flutopfer großzügige Hilfen von Bund und Ländern. Albig sagte der Welt: «Wir brauchen so viel finanzielle Mittel wie notwendig. Wir führen keine Haushaltsdebatte, wenn die Menschen unsere Hilfe brauchen.»

Die EU muss her!

Bayern und acht weitere Bundesländer wollen zudem die EU um Wiederaufbauhilfe bitten. Dazu ist ein gemeinsames Schreiben der Ministerpräsidenten an Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Vorbereitung, wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr. Es sei absehbar, dass der Wiederaufbau finanzielle Mittel in großem Umfang erfordern werde, heißt es in dem Entwurf des Schreibens. Die EU hat bereits Finanzhilfen angeboten.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) plädierte dafür, den Solidaritätszuschlag für ein Jahr befristet um einen bis anderthalb Prozentpunkte anzuheben. Dies werde man als denkbare Lösung vorschlagen», sagte er der Mitteldeutschen Zeitung. Derzeit beträgt der Zuschlag 5,5 Prozent, eine Erhöhung auf sieben Prozent würde etwa vier Milliarden Euro einbringen.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring forderte Finanzminister Wolfgang Schäuble in der BILD auf, Arbeitslohnspenden für Flutopfer zu ermöglichen. Dabei geben Arbeitnehmer eine Verzichtserklärung bei ihrem Arbeitgeber ab. Der von ihnen bestimmte Teil des Bruttogehalts geht direkt an die Spendenkontos. Steuern und Sozialabgaben werden darauf nicht gezahlt.
rka/sca/news.de/dpa

 

Keimalarm nach Hochwasser

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

 

Sommer, Sonne, Badespaß. Jetzt, wo uns die erste Hitzewelle dieses Sommers erwartet, haben viele nur einen Wunsch. Raus aus der Stadt, rein in den See. Doch in den Hochwassergebieten sollten man vorher nochmal nachdenken. Es könnte sein, dass der See verunreinigt ist. Einige Seen in Mitteldeutschland sind bereits gesperrt.

Trotz sommerlichen Wetters muss der Badespaß in einigen Regionen erst einmal ausfallen. Viele Seen seien mit Keimen, Koli-Bakterien und möglicherweise auch mit Schwermetallen belastet, so Axel Bobbe von der sächsischen Landestalsperrenverwaltung: „Beim Hochwasser sind natürlich Felder überschwemmt worden, auf denen Gülle und Dünger ausgebracht wurden. Es sind Klärgruben überströmt worden und tote Tiere in den Überschwemmungsgebieten mit Wasser in Berührung gekommen, so dass das in die Seen eingeströmte Wasser so belastet ist, dass sich der Hautkontakt eigentlich verbietet.“

Was beim Baden in einem verunreinigten See passieren kann

Die möglichen Folgen hätten es in sich: „Es können Hautentzündungen passieren. Bei offenen Wunden können erhebliche Belastungen entstehen. Und wenn Sie dieses Wasser beim Baden zu sich nehmen, kann es zu Darm- und Magenbeschwerden kommen.“ Der Badespaß werde zudem durch ausgelaufendes Öl getrübt, so Bobbe weiter. Davon zeugten Schlieren auf einigen Wasseroberflächen. „Die Seen haben zwar ein nicht zu unterschätzendes Selbstreinigungsvermögen, aber in den nächsten Tagen und Wochen haben wir erst einmal eine erhebliche Beeinträchtigung.“

In der Schladitzer Bucht bei Leipzig, im Altenburger Land sowie am Cospudener- und Markkleeberger See könne ohne Bedenken gebadet werden; am Seelhausener und dem Störmthaler See aber müsse es derzeit heißen: Sonnen ja, Baden nein. So wie auch am Speicherbecken in Borna, der so genannten Adria: „Dort sind über 40 Millionen Kubikmeter Wasser eingestaut worden. Normalerweise haben wir eine Sichttiefe von acht Metern, das Wasser hat EU-Badewasserqualität. Jetzt ist dort eine trübe, braune Brühe drin, es wird Monate dauern, bis sich die Wasserqualität wieder einstellt“, so Bobbe.

In Gera bleibt das Freibad gesperrt

Nicht ganz so lange soll es in Gera dauern. Im einzigen Freibad der Stadt, dem Kaimberger Bad, kommen derzeit aber ebenfalls nur Sonnenanbeter und Planschbecken-Nutzer auf ihre Kosten. Stadtsprecher Uwe Müller: „Wir mussten den Badesee leider sperren, weil es mögliche Verunreinigungen durch Hochwasser gibt. Wir prüfen die Qualität intensiv. Sobald alles wieder in Ordnung ist, werden wir Bürger schnell informieren, damit sie das Kaimberger Bad wieder in Besitz nehmen können.“ Nach Angaben des Thüringer Sozialministeriums können derzeit an einigen Badegewässern keine Proben entnommen werden. Deshalb müssten örtliche Gesundheitsämter entscheiden, ob die Gewässer gesperrt werden. Das betrifft das Naturbad Triebes sowie die Talsperren Hohenwarthe und Zeulenroda.

Rat der Experten: Im Zweifelsfall lieber auf das Baden verzichten

In Sachsen-Anhalt, wo noch weite Landstriche unter Wasser stehen, denkt sicher derzeit kaum jemand ans Badevergnügen. Auch bei den Aufräumarbeiten dort gilt es natürlich, jeglichen Kontakt mit kontaminiertem Wasser zu vermeiden. Für die Goitzsche im Landkreis Anhalt-Bitterfeld gehen Experten davon aus, dass sich das Wasser schnell erholt, weil über den Seelhausener See nicht so viele Schadstoffe eingetragen wurden. Aus befragten Landratsämtern der Region war bis heute Mittag übrigens unisono das zu hören, was Brigitte Laux vom Landkreis Leipzig wie folgt auf den Punkt bringt: „Unsere großen Badeseen werden überprüft. Solange die Ergebnisse der Proben noch nicht vorliegen, ist anzuraten, auf die Freibäder auszuweichen.“

http://www.mdr.de/mdr-info/news/Baden-nach-Hochwasser100.html

Land unter für Landwirte

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Sachsen-Anhalt

 

Das aktuelle Hochwasser hat größere Schäden hinterlassen als bislang angenommen – dabei ist für viele Menschen im Norden Sachsen-Anhalts weiter abwärts an der Elbe noch längst nicht alles vorbei. Heute will sich Kanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten der betroffenen Bundesländer in Berlin treffen, um über Hilfsmaßnahmen zu beraten. Neben betroffenen Bürgern und Unternehmern hofft auch der Bauernverband, dass den Land- und Tierwirten unter die Arme gegriffen wird. Wir haben Landwirte in Sachsen-Anhalt besucht.

Plötzlich ist alles hinüber

Vor 14 Tagen war die Welt noch in Ordnung für Landwirt Jens Fromm von den Vereinigten Agrarbetrieben Seydaland. Auf den Feldern des Ökobetriebs zwischen Lutherstadt Wittenberg und Jessen begannen Mais, Möhren und Buchweizen ordentlich zu wachsen. Der Raps hatte nach der Blüte schon fette Schoten gebildet: „Der prahlt im Moment noch, sieht grün aus. Aber wenn man mal eine Pflanze rauszieht, sind jetzt Schäden an der Wurzel zu ziehen, die er über die nächsten sechs Wochen wohl nicht mehr verkraften kann“, sagt Jens Fromm nun nach dem Hochwasser im Mündungsbereich zwischen Schwarzer Elster und Elbe.

Vom Ausmaß der Schäden hat sich jetzt der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Dr. Helmut Born überzeugt: „Wir stehen mit den Gummistiefeln im Wasser, die gesamte Ernte für den Bauern ist verloren.“

Ob Land- oder Tierwirte – alle sind betroffen

Bislang sind rund 20.000 Agrarbetriebe deutschlandweit betroffen. Der Bauernverband hat einen Schaden von über vier Millionen Euro errechnet. Dabei hat es Sachsen-Anhalt am Schlimmsten getroffen: „Das was hier in Sachsen-Anhalt passiert ist, ist wirklich weit voraus gegenüber allen anderen Ländern. Wenn man Sachsen dazu nimmt, dann haben wir dort über die Hälfte des Schadensereignisses für Gesamt-Deutschland.“

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes spricht nicht nur von Acker- und Grünfutterflächen, sondern auch von Betrieben und Stallungen, die überschwemmt wurden – und von Tierbeständen, die evakuiert werden mussten. Auch die Mutterkuh-Herde der Agrargenossenschaft „Elstermündung“ in Schützberg war betroffen, wie Reinhardt Zeidler erklärt: „Ich wollte es eigentlich nicht erleben, eine tote Herde zu sehen. Darum habe ich mich dazu entschieden, so zeitig zu evakuieren. Mehr braucht man dazu nicht zu sagen.“

Füreinander da sein, lautet die Devise

Die Landwirte in der Elbe-Elster-Region mussten schon 2002 und 2005 mit starkem Hochwasser klarkommen. Damals wie heute haben die Landwirte zusammengestanden und konnten auf die Hilfe vieler Freiwilliger bauen. Der Deutsche Bauernverband will diesen Zusammenhalt weiter koordinieren: „Wir haben bei einer gemeinnützigen Stiftung, der Schorlemmer-Stiftung, ein Konto eingerichtet. Das heißt, wir lassen es nicht nur bei der Bitte und Forderung an Bund und Länder und die Europäische Union, uns zu helfen, sondern wir wollen uns auch untereinander helfen.“

In diesem Zusammenhang betont der Präsident des Landesbauernverbandes Sachsen-Anhalt, Frank Zedler: „Die Ackerflächen, die unter Wasser stehen und teilweise ja auch bewusst dafür genutzt wurden – das ist sicher wichtig, um unsere Gemeinde und Städte zu schützen. Aber man muss natürlich im Nachgang dann auch darüber reden, dass die betroffenen Betriebe einen Ausgleich dafür erhalten, damit sie nicht vor dem Ruin stehen.

Tiere reagieren schlecht auf Evakuierungen

Zedler spricht Schweinezüchter Kurt Walther vom Agrarbetrieb „Grüne Aue“ in Battin aus dem Herzen. Der hat schon erfahren, dass Tiere auf Evakuierungen, andere Ställe, neue Hackordnungen schlecht reagieren – weniger fressen und weniger Nachkommen zeugen. Obwohl er jetzt nach vorn schaut, stecken ihm Arbeit und Angst noch in den Knochen: „Das ist so wie wenn jemand stirbt. Man kann Beileid wünschen, aber so richtig mitempfinden geht nicht – ist auch gut so, das ist ein Schutzreflex zum überleben.“

Der vom Hochwasser stark betroffene Öko-Landwirt Fromm hatte den Tierzüchtern der Region einen leeren Stall auf seinen trockenen Flächen als Notunterkunft bereitgestellt. Hier warten jetzt Kühe, Schweine und Schafe darauf, dass das Wasser sich aus der Aue zurückzieht. Tierwirt Reinhardt Zeidler: „Es gibt nur Heu und Wasser, aber sie sind erstmal zufrieden.“

Die Hoffnung: viel Sonne und ein wenig Regen

Nicht nur die Tiere – auch die Landwirte wollen wieder auf die Grünlandflächen, um Futter für die Tiere zu produzieren. Schon jetzt herrscht Futtermangel in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Deshalb wünschen sich Ökolandwirt Jens Fromm und seine Kollegen: „Zuerst muss es warm werden und ein bisschen regnen, die ganze Zeit, dass es sich abspült. – 25 Grad und dazu mal ein kleiner Schauer – das wäre das ideal.“

Ein kurzer Regenschauer hin und wieder würde auch die bevorstehende Mückenplage eindämmen helfen. Die stechenden Insekten sind nicht nur lästig – sie können auch Tierkrankheiten übertragen. Die Bauern wären froh, wenn sie diese Sorge nicht auch noch hätten.

http://www.mdr.de/mdr-info/hochwasser-landwirte100.html

„Das Beste wären Auwaldflächen“

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Bayern

Bauernverband und Bund Naturschutz diskutieren über Möglichkeiten eines effektiven Hochwasserschutzes an Flüssen und Bächen im Landkreis.

Von Gregor Schiegl

Der oberbayerische Bezirkspräsident und Kreisobmann des Bauernverbands, Anton Kreitmair, appelliert an die Hochwassergeschädigten im Landkreis, keine Mittel aus dem staatlichen Hochwasserfonds in Anspruch zu nehmen. In einigen Regionen, vor allem in Allgäu und in Niederbayern, gehe es um Existenzen, im Landkreis aber seien die Schäden, insbesondere bei den Bauern, „unerheblich“. Die Finanzhilfen solle man daher den am stärksten Betroffenen überlassen, sagte er nach einer Präsidiumssitzung des Bayerischen Bauernverbands. „So viel Anstand müssen die Dachauer schon haben“, sagte Kreitmair. „Wer extrem betroffen ist, den nehme ich natürlich aus.“

Nach Regenfällen mit bis zu 150 Litern pro Quadratmeter waren auch im Landkreis mehrere Bäche und Flüsse über die Ufer getreten, vor allem Maisach und Glonn. Auch Äcker und Felder waren überflutet. „Nach zwei, drei Tagen war das Wasser wieder weg.“ Dennoch wird auch im Landkreis rege diskutiert, wie der Hochwasserschutz verbessert werden kann. Wegen des Klimawandels gehen Experten davon aus, dass sich in Zukunft starke Niederschläge häufen werden.

„Der billigste Hochwasserschutz ist, wenn man in die Fläche geht“, sagt Kreitmair. Ausgleichsflächen müssten in Zukunft verstärkt entlang der Gewässer ausgewiesen werden. Dazu solle jede Kommune ihren Beitrag leisten, sei es am Zeitlbach oder an der Glonn. Forderungen, Bauern notfalls zu enteignen, weist er als „populistisch“ zurück. Die Landwirte hätten kein Problem damit, ihre Felder zum Auffangen des Hochwassers zur Verfügung zu stellen, sagt Kreitmair – sofern der Staat dafür entsprechende Entschädigungen leiste. Derzeit werde noch untersucht, welche Schadstoffe durch das Hochwasser auf die Felder der Bauern geschwemmt worden seien.

Der Kreisvorsitzende des Bunds Naturschutz, Roderich Zauscher, hält Landwirtschaft im unmittelbaren Uferbereich für ungeeignet, weil bei Überschwemmungen große Mengen Schlamm ins Wasser gelangten. „Das Allerbeste wären Auwaldflächen.“ Waldboden nehme ungleich mehr Wasser auf als ein Acker oder ein Feld. Für die Bauern wäre diese Nutzung angesichts der hohen Preise für Brennholz auch ein gutes Geschäft. Ideal wäre freilich, die Uferbereiche wieder zu echten Moosgebieten zu machen. Für die Landwirtschaft wären sie dann allerdings nicht mehr nutzbar.

Kreitmair wirft den Naturschützern vor, sie selbst hätten wichtige Maßnahmen zum Hochwasserschutz verhindert: Geröll, das sich in Flüssen ansammele, dürften die Bauern aus Naturschutzgründen nicht mehr entfernen. Deshalb habe das Hochwasser nur schlecht abfließen können. Auch die Dämme von Bibern hätten daran ihren Anteil gehabt, immer wieder hätten die geschützten Tiere die Hochwasserdeiche unterhöhlt.

BN-Chef Zauscher weist Kreitmairs Vorwürfe zurück: Die Räumung der Flüsse ziehe eine höhere Fließgeschwindigkeit nach sich – und damit erst recht erhöhte Pegelstände. Biber bremsten durch ihre Bauten das Wasser und seien somit „Hochwasserschützer“. Es sei kein Problem, einen Damm bibersicher zu machen. Wenn das in einem Fall nicht geschehen sein sollte, sei dies „Schlamperei“. Zauscher sieht das Problem an anderer Stelle: „Es wäre dringend notwendig, auch kleinere Bäche wieder zu renaturieren.“ Beim Höfaer Bach und dem Rohrbach sei das streckenweise schon geschehen und habe zumindest einige Tausend Kubikmeter Wasser zurückgehalten. Hätte es ähnliche Maßnahmen auch an der Glonn gegeben, wäre Petershausen nach seiner Einschätzung von Überschwemmungen verschont geblieben. Die Wasserkraftwerke an der Glonn müssten dafür ihren Betrieb einstellen. Zauscher sieht darin keinen großen Verlust: Alle 14 Anlagen erzeugten zusammen nur 60 Prozent des Stroms, das die künftige Windkraftanlage in Dachau erzeugt.

Quelle: sueddeutsche.de

von Claus-Dieter Steyer und Dagmar Dehmer

Zwar spendeten die Deutschen in den vergangenen Wochen mehrere Millionen Euro für die Flutopfer. Dennoch kam deutlich weniger Geld zusammen als 2002. Die Bürger hoffen auf den Staat – denn für Pleitebanken und Eurokrisenländer ist schließlich auch Geld da.

Zwei Millionen Euro in vier Tagen: Die Diakonie Katastrophenhilfe hat seit Montag ihr Spendenaufkommen für die Flutopfer von einer Million auf drei Millionen Euro gesteigert, gab die Organisation am Donnerstag bei ihrer Bilanzpressekonferenz bekannt. Auch das Deutsche Rote Kreuz sieht einen Aufschwung bei den Spenden. Dort sind inzwischen 4,2 Millionen Euro eingegangen, am Montag war es auch eine Million.

Die „Aktion Deutschland hilft“ meldet sogar acht Millionen Euro, nachdem es auch dort am Montag noch eine Million gewesen war. Dennoch ist die Spendenbereitschaft deutlich geringer als bei der großen Flut 2002. Neben der Gewöhnung an die Katastrophe, die fast drei Wochen anhält, dürften auch die großen Summen zur Bankenrettung und zur Rettung von Euro-Krisenstaaten dazu beigetragen haben, dass viele dieses Mal lieber direkt, als mit Geld helfen wollen. In den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook finden sich viele Äußerungen derart, dass Geld für Krisenländer da sei, aber nicht für die „eigenen Bürger in Not“.

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Hochwasser 2013 Spendenbereitschaft deutlich geringer als 2002

13.06.2013 21:27 Uhrvon und

Briefkasten an Mauer vom Wasser umgeben Foto: dpa
Die Post kommt noch länger nicht. Ein Briefkasten in Klietz in Sachsen-Anhalt. – Foto: dpa

Zwar spendeten die Deutschen in den vergangenen Wochen mehrere Millionen Euro für die Flutopfer. Dennoch kam deutlich weniger Geld zusammen als 2002. Die Bürger hoffen auf den Staat – denn für Pleitebanken und Eurokrisenländer ist schließlich auch Geld da.

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Zwei Millionen Euro in vier Tagen: Die Diakonie Katastrophenhilfe hat seit Montag ihr Spendenaufkommen für die Flutopfer von einer Million auf drei Millionen Euro gesteigert, gab die Organisation am Donnerstag bei ihrer Bilanzpressekonferenz bekannt. Auch das Deutsche Rote Kreuz sieht einen Aufschwung bei den Spenden. Dort sind inzwischen 4,2 Millionen Euro eingegangen, am Montag war es auch eine Million.

Die „Aktion Deutschland hilft“ meldet sogar acht Millionen Euro, nachdem es auch dort am Montag noch eine Million gewesen war. Dennoch ist die Spendenbereitschaft deutlich geringer als bei der großen Flut 2002. Neben der Gewöhnung an die Katastrophe, die fast drei Wochen anhält, dürften auch die großen Summen zur Bankenrettung und zur Rettung von Euro-Krisenstaaten dazu beigetragen haben, dass viele dieses Mal lieber direkt, als mit Geld helfen wollen. In den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook finden sich viele Äußerungen derart, dass Geld für Krisenländer da sei, aber nicht für die „eigenen Bürger in Not“.

Derweil überschwemmt die Elbe die nördliche Altmark, nachdem vor vier Tagen ein Deich in Fischbeck bei Tangermünde gebrochen war. Der Krisenstab im Landkreis Stendal entschied sich am Donnerstag zur Zwangsevakuierung mehrerer Dörfer, da Gefahr für Leib und Leben bestünde. Polizisten gingen in Wust, Briest und Melkow und kleineren Ortsteilen von Haus zu Haus und forderten die rund 1000 Bewohner zum Verlassen ihrer Häuser auf. Trotz des Hinweises auf die bevorstehende Blockade sämtlicher Zufahrtsstraßen durch das steigende Wasser und die Abschaltung des Stromes blieben vor allem Männer in den Häusern zurück. Die Bundeswehr schickte am Donnerstag schwere Lastwagen und Boote, um Personen aufzunehmen. Mehrere tausend Menschen harren in Sachsen-Anhalt weiter in Notquartieren aus.

Am Morgen hatte die Bundeswehr in der rund 130 Kilometer westlich Berlins gelegenen Region eine Landstraße auf rund 50 Metern weggerissen, um dem Elbwasser einen Weg in einen Havelpolder zu weisen. Doch die erhoffte Entlastung trat nicht ein. Weiterhin gesperrt ist die ICE-Strecke von Berlin nach Hannover. Umleitungen führen zu größeren Verspätungen.

 

 

Ein neuer Sandwall bildet nun dauerhaft eine „Verteidigungslinie“ in Gartows Westen   

Deich ist vielleicht zu viel gesagt, würde sich der ein oder andere gestandene Deichbauer mokieren – den Gartower ist es egal, wie man das Gebilde im Westen ihrer Stadt nun nennt. „Sandwall“ wurde der neue Damm ebenso schon genannt, ebenso „Verteidigungslinie“.

Was dort in Rekordzeit entstanden ist, ist eine gelungene Verbindung verschiedener natürlicher Erhöhungen miteinander, um „so eine Art Deich entstehen zu lassen, die den Westen Gartows schützt“, wie ein Verwaltungsangestellter der Samtgemeinde bewusst vage formulierte.

Dass dabei – trotz des Zeitdruckes – auf Belange des Naturschutzes Rücksicht genommen werden konnte – verdankt das Projekt der vielfachen Verzahnung verschiedener Akteure ineinander. Ein Beispiel: Der Gartower Ulrich von Mirbach fungierte u.a. als Förster, „Naturschutz-Berater“, Bürgermeister Gartows und Ansprechpartner bezüglich zahlreicher besorgter Bürger.

Mithin entstand in Rekordzeit in den letzten zwei Tagen ein „Deich“, der bei Bewohnern Gartows, (Ferien-)Hausbesitzern und zahlreichen Campern des nahe gelegenen Campingplatzes für wohltuende Beruhigung sorgt. Eine Fotostory dazu finden Interessierte unter den nachstehenden Link:

Wie man „mal eben“ einen Deich baut …

http://gartow.wendland-net.de/post/wir-bauen-fuer-euch-mal-eben-nen-neuen-deich-58255

Hochwasser-Schadensbilanz

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

 

Das Schadenspotential nach dem Hochwasser in der Stadt Rosenheim liegt bei rund 150 Millionen Euro. Diese Summe meldete die Stadtverwaltung der Regierung von Oberbayern.

Diese Zahl nannte ein Vertreter der Stadt bei einer Versammlung für Hochwassergeschädigte im Raum Rosenheim. Dabei äusserten die Betroffenen viele, zum Teil wütende Fragen an die Stadt Rosenheim: „woher kam das Wasser in Oberwöhr, warum wurden wir so spät oder gar nicht gewarnt, warum ist der Hochwasserschutz in Kolbermoor noch nicht fertig?“ Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabi Bauer bemühte sich, das Gerücht aus der Welt zu schaffen, der Stadtteil Oberwöhr sei bewusst geflutet worden, um Schaden von der Innenstadt abzuwenden.

Dämme in Kolbermoor bald saniert

Die vielleicht wichtigste Nachricht kam vom Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Paul Geisenhofer: die maroden Dämme in Kolbermoor Richtung Rosenheim sollen bis Ende des Jahres fertig saniert sein und zwar beidseitig. Dann werden die Dämme einem vergleichbaren Hochwasser standhalten, so Geisenhofer, der inständig hofft, dass nicht schon im Sommer das nächste Hochwasser kommt.

Quelle: BR/Korrespondentenbüro Rosenheim

Stadt Dessau-Roßlau sucht Helfer

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Dessau

 

Als „zentrale Herausforderung“ betrachtet der Katastrophenschutzstab der Stadt Dessau-Roßlau den weiteren Rückbau von Hochwasserschutzanlagen. Hier kommen derzeit unter anderem Kräfte der freiwilligen Feuerwehren zum Einsatz. Die Stadtwerke wollen mit Personal und Technik den Sandsackrückbau bei „Mutter Sturm“ unterstützen.

Für den Rückbau der Sandsackwälle in der Wasserstadt und der Südstraße in Roßlau sucht der Katastrophenstab freiwillige Helfer. Er ruft deshalb die Bürger auf, sich an den Arbeiten zu beteiligen. „Es sind ja große Mengen an Sandsäcken, die wieder beiseite geschafft und abtransportiert werden müssen“, umschreibt der Leiter des Stabes, Roland Schneider, die enorme Herausforderung. Ansprechpartner vor Ort sind in der Wasserstadt Stadtwehrleiter Olaf Braun und an der Südstraße in Roßlau Einsatzleiter Enrico Schammer.

Nach ersten Berechnungen wurden in der Zeit des Hochwassers in Dessau-Roßlau etwa 6000 Tonnen Sand in etwa eine Million Sandsäcke und rund 4000 riesige Sandsäcke, so genannten Big Bags, gefüllt. Zusätzlich wurden noch 1000 Tonnen Steine und Schotter verbaut.

Um 6.15 Uhr konnte heute für die Mulde die Hochwasserwarnstufe 3 auf die Stufe 2 reduziert werden, für die Elbe gilt weiter die Stufe 3. Um 8 Uhr wurden für die Mulde an der Dessauer Muldebrücke 4,52 Meter und für die

Elbe am Leopoldshafen 6,29 Meter gemessen.

http://www.mz-web.de/

 

In Sachsen-Anhalt stehen ganze Landstriche meterhoch unter Wasser. Allein 1100 Quadratkilometer Agrarflächen sind nach Schätzungen des Bauernverbandes landesweit überflutet. Das Hochwasser wird für viele Wildtiere zur Todesfalle. Roland Gramling von der Umweltschutzorganisation WWF sagt, welche Arten besonders betroffen sind und warum die Fluten nicht zu großen Populationseinbrüchen führen werden.

Bilder aus den Hochwassergebieten zeigen hilflose, geschwächte Rehe oder Wildschweine, die um ihr Leben schwimmen. Welche Tierarten sind denn besonders betroffen?

Gramling: „Grundsätzlich sind es die Jungtiere, die den Wassermassen weitgehend hilflos ausgeliefert sind. Hirsche, Rehe oder Wildschweine haben gute Chancen, dem Wasser zu entkommen, wenn es langsam steigt. Bricht ein Deich, und das ist ja dieser Tage mehrfach geschehen, wird es selbst für diese Tiere schwierig. Fast ohne jede Chance sind Kleintiere wie Mäuse, Hamster oder Kaninchen. Viele sind in ihren unterirdischen Bauten ertrunken. Eine ernsthafte Chance zur Flucht hatten sie nicht. Gleiches gilt für Bodenbrüter, die auf der Erde ihre Nester haben oder für Vögel, die im niedrigen Schilf gerade ihren Nachwuchs großziehen. Es ist Nistzeit, die Jungtiere sind noch nicht flügge und die Elterntiere nicht in der Lage, sie zu retten.“

Das klingt gerade vor dem Hintergrund der Masse an Überflutungsflächen dramatisch. Machen sie sich ernsthafte Sorgen?

Gramling: „Nein. Große Populationseinbrüche wird es nicht geben. Hochwasser sind natürliche Phänomene. Für Tiere ist das ein einmaliges Ereignis und auch ein Selektionsprozess. Für die Überlebenden ist nach dem Hochwasser ein Überangebot an Raum und Futter da. Der Konkurrenzdruck auf die überlebenden Tiere nimmt ab.“

Der WWF fordert sei langem, den Flüssen wieder mehr Raum zu geben. Profitieren davon auch die Tiere?

Gramling: „Sehr. Auenwälder, die als natürliche Überflutungsflächen dienen, sind auch wichtige Lebensräume. Die Elbe hat mehr als 80 Prozent dieser Wälder verloren. Entgegen den Ankündigungen der Politik ist in der Vergangenheit zu wenig passiert, um dem Fluss mehr Raum zu geben und das Schadenspotenzial für Menschen zu verringern.“

http://www.mz-web.de/

 

Helfer kämpfen, Ministerpräsidenten tagen

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

von Claus-Dieter Steyer

Es ist noch nicht vorbei, auch wenn vielerorts die Pegelstände sinken: Der Kampf gegen das Hochwasser geht weiter. Bei der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin geht es heute um Fluthilfen. Sogar eine Erhöhung des Solidaritätszuschlags ist im Gespräch.

Das Hochwasser hat vielerorts seinen Höhepunkt erreicht, doch die Gefahr von Deichbrüchen bleibt, berichtet die Nachrichtenagentur dpa am Donnerstagmorgen. Unermüdlich sind die Helfer im Kampf gegen die Wassermassen im Einsatz. Bei der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin am Donnerstag sind Fluthilfen ein Thema.

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Reiner Haseloff hat vorab eine Erhöhung des Solidaritätszuschlags ins Gespräch gebracht, um den Wiederaufbau nach der Hochwasserkatastrophe zu finanzieren. Beim Flutgipfel am heutigen Donnerstag bei Bundeskanzlerin Angela Merkel werde er “eine auf ein Jahr befristete Erhöhung des Solidaritätszuschlages um einen bis anderthalb Prozentpunkte als eine denkbare Lösung vorschlagen“, sagte Haseloff der “Mitteldeutschen Zeitung“.

Mit den Mitteln solle der Länderanteil an den Kosten für den Wiederaufbau ersetzt werden. Die Länder seien nicht in der Lage, die Milliardensummen ohne neue Schulden zu stemmen. Dies wolle er vermeiden.

Merkel berät im Laufe des Tages mit den Ministerpräsidenten der Länder. Geplant ist die Einrichtung eines Fluthilfe-Fonds, der nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters mindestens acht Milliarden Euro umfassen soll. Die Summe sollen sich Bund und Länder je zur Hälfte teilen, wie aus Koalitionskreisen verlautete.

In den Flutregionen der Elbe fielen die Pegelstände in der Nacht zum Donnerstag fast überall weiter. In Hitzacker in Niedersachsen lag der Wert am frühen Donnerstagmorgen knapp unter acht Metern – am Abend zuvor waren es noch 8,07 gewesen. Nach Angaben des Landkreises Lüchow-Dannenberg blieb die Nacht ruhig.

Am Pegel Hohnstorf bei Lauenburg in Schleswig-Holstein wurden knapp neuneinhalb Meter gemessen. Ursprünglich waren für Lauenburg Pegelstände von zehn Metern und mehr prognostiziert worden. In Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern waren es knapp unter 7 Meter. Am Dienstag war hier noch der Höchstwert mit 7,21 Metern registriert worden. Nach wie vor besteht aber die Gefahr von Deichbrüchen.

In der Katastrophenregion im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt wurden bis zum späten Mittwochabend noch Menschen in Sicherheit gebracht. Einige weigerten sich nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung jedoch, ihre Häuser zu verlassen. Sie sollten im Laufe des Tages mit Booten und Hubschraubern mit Lebensmitteln versorgt werden.

Durch die Bruchstelle des Elbdeichs bei Fischbeck fließt nach wie vor Wasser ins Hinterland. Bereits in der Nacht zum Montag war der Deich gebrochen. Seither sind weite Landstriche überflutet worden.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) wollte am Donnerstagvormittag in Dannenberg an der Elbe eingesetzte Soldaten treffen. Er wolle sich ein Bild von der Lage machen und mit Soldaten des Logistikbataillons 141 sprechen, teilte ein Sprecher des Landeskommandos Niedersachsen mit.

Die Bundeswehr überwacht in Niedersachsen mit Aufklärungsflugzeugen die Deiche. Am Freitag hatte de Maizière Soldaten am Zusammenfluss von Elbe und Saale südlich von Magdeburg bei ihrem Einsatz besucht.
Das Elbehochwasser wird den Bahnverkehr weiter behindern. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Berlin über Stendal nach Hannover ist nach wie vor nicht befahrbar. Die ICE-Züge zwischen Berlin und Hannover und weiter ins Ruhrgebiet fahren deshalb über Magdeburg und Braunschweig. Von Donnerstag an halten sie auch in diesen beiden Städten, wie die Deutsche Bahn mitteilte.
Reisende zwischen Berlin und Hannover müssen mit einer um 60 bis 70 Minuten längeren Fahrtzeit rechnen. In Richtung Berlin entfallen die Stopps in Wolfsburg, Stendal und Berlin-Spandau, in Richtung Hannover die in Stendal und Wolfsburg.

Alte Landkarten sollen helfen

Landkarten aus den vergangenen Jahrhunderten sollen jetzt im Kampf gegen die Hochwasserfluten im Norden von Sachsen-Anhalt helfen. Denn die Elbe sucht sich nach dem großen Deichbruch in Fischbeck bei Tangermünde, rund 130 Kilometer westlich Berlins, offenbar den ursprünglichen Flussverlauf. Trotz eines Großaufgebots an Bundeswehrtechnik und anderen Einsatzkräften konnte der am Montag gerissene Deich noch nicht wieder geschlossen werden. Die starke Strömung riss alle aus der Luft abgeworfenen Steinblöcke und Sandsäcke wieder fort. Inzwischen ist selbst das 30 Kilometer von der Bruchstelle entfernte Städtchen Sandau von den Wassermassen bedroht.

Die Elbe wurde erheblich eingedeicht

In den letzten Jahrhunderten ist die Elbe in diesem Bereich erheblich eingedeicht worden, um vor allem der Schifffahrt und der Landwirtschaft gute Verhältnisse zu schaffen. „Der Fluss hatte ursprünglich einen ganz anderen Verlauf“, schilderte der Sandauer Bürgermeister Henry Wagner die Situation. „Anhand alter Karten müssen wir jetzt die alten Flutrinnen finden.“

Der Elbe müsse die Möglichkeit gegeben werden, das Wasser wieder in die alten Rinnen abzugeben. Entlang dieser historischen Flussarme könnte dann auf Höhenzügen versucht werden, mit Sandsackbarrieren ein weiteres Ausbreiten des Wassers zu verhindern. An anderen Stellen stehen die Chancen offensichtlich schlecht, der Wucht des Wassers Einhalt zu gebieten.

Wassermassen der Elbe drängen die Einwohner zwischen Tangermünde und Havelberg zur Flucht

Deshalb mussten auch im Laufe des Mittwochs die Einwohner mehrerer kleinerer Orte zwischen Tangermünde und Havelberg ihre Häuser verlassen. Oft mussten die Rettungskräfte Menschen in großer Eile zur Evakuierung überreden. Innerhalb weniger Stunden stand danach das Wasser kniehoch oder höher in den Häusern.

Nicht zuletzt dieser Deichbruch hat die Situation in den weiter flussabwärts gelegenen Gebieten von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein merklich beruhigt. In der Prignitz im Nordwesten Brandenburgs der Landrat Hans Lange von einer „sehr erfreulichen Entwicklung. Der Pegel falle weiter und habe am Vormittag 7,60 Meter angezeigt, 25 Zentimeter weniger als am vergangenen Sonntag. Dennoch erfordere die Hochwasserlage eine genaue Beobachtung der Deiche.

Die meisten Helfer hatten einen Ruhetag eingelegt. „Man wird ihre Kräfte möglicherweise noch brauchen“, sagte der Landrat. Das Wasser soll noch mehrere Tage auf einem hohen Stand verharren und täglich um einige Zentimeter zurückgehen. (mit dpa und Reuters)

Quelle: tagesspiegel.de

Bundeswehr gelingt Durchbruch einer Landstraße

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Stendal

 

Der Bundeswehr ist am Donnerstagmorgen im Hochwassergebiet im Landkreis Stendal der Durchbruch der Landstraße 18 gelungen. Wie der Krisenstab der Landesregierung mitteilte, arbeiten die Einsatzkräfte nördlich von Kamern derzeit noch an einer Durchflussvorrichtung. Dann soll das Wasser in der Region durch den Durchbruch nördlich in Richtung der Havelpolder abfließen. Bisher hatten sich die Wassermassen an der höher gelegenen Straße gestaut. Die Einsatzkräfte versprechen sich von dem Durchfluss eine Entlastung nach dem Deichbruch bei Fischbeck.

Nach Angaben des Krisenstabs sind in dem Gebiet inzwischen rund 6460 Menschen in Sicherheit gebracht worden. In den betroffenen Orten sind jedoch immer noch Menschen, unter anderem, um ihre Tiere vor dem Hochwasser zu schützen. Die noch in den Orten gebliebenen Menschen sollen heute mit Booten und Hubschraubern versorgt werden.

Die Lage am Deich bei Heinrichsberg im Landkreis Börde ist in der Nacht stabilisiert worden. Die Bundeswehr sicherte den Elbe-Deich nördlich von Magdeburg mit großen Sandsäcken, wie der Katastrophenstab des Landkreises mitteilte. Zwei Hubschrauber waren dazu im Einsatz. Zuvor war es am Mittwoch an einer Stelle zu einer kleinen Absenkung der Deichkrone gekommen. Auch am Morgen waren rund 200 Kräfte der Feuerwehr, der Bundeswehr und des Technischen Hilfswerks im Einsatz, um den Deich weiter zu stabilisieren. Ein Sprecher des Katastrophenstabs erklärte, die Arbeiten würden voraussichtlich bis zum Mittag dauern.

Ein weiterer Schwerpunkt des Hochwassers war am Morgen noch immer der Elbe-Saale-Winkel. Große Flächen und mehrere Orte bleiben überspült. In Aken (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) und Breitenhagen (Salzlandkreis) sorgen zwei Schöpfwerke dafür, dass das Wasser nicht richtig abgepumpt werden kann. Danilo Licht, Leiter der Technischen Einsatzleitstelle im Akener Rathaus, wird am Donnerstag abseits des Hochwassers aktiv. Licht will sich vor Ort ein Bild von der Unterbringung der evakuierten Akener machen und den von den Folgen des Hochwassers Betroffenen Fragen zur Situation beantworten. Beginnen wird Danilo Licht gegen 12 Uhr in der Heinz-Fricke-Halle in Köthen.

Landesweit sind die Pegel von Elbe und Saale weiter gesunken. Dennoch bleibt die Lage angespannt. In Sachsen-Anhalt sind nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung noch rund 16 400 Menschen evakuiert. In Magdeburg konnten dagegen die meisten Menschen wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Lediglich im Süden der Stadt gab es noch Ausnahmen.

Das Elbehochwasser wird den Bahnverkehr auch am Donnerstag behindern. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Berlin über Stendal nach Hannover ist nach wie vor nicht befahrbar. Die ICE-Züge zwischen Berlin und Hannover und weiter ins Ruhrgebiet fahren deshalb über Magdeburg und Braunschweig. Von Donnerstag an halten sie auch in diesen beiden Städten, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Reisende zwischen Berlin und Hannover müssen mit einer um 60 bis 70 Minuten längeren Fahrtzeit rechnen. In Richtung Berlin entfallen die Stopps in Wolfsburg, Stendal und Berlin-Spandau, in Richtung Hannover die in Stendal und Wolfsburg.

Am Donnerstag wollen sich die Regierungschefs von Bund und Ländern in Berlin über einen Aufbaufonds für die Folgen der Hochwasserkatastrophe verständigen. In Koalitionskreisen ist von bis zu acht Milliarden Euro die Rede, die sich Bund und Länder jeweils zur Hälfte teilen sollen. Damit würde die Hilfe weitaus höher ausfallen als 2002. Bei der damals zur „Jahrhundertflut“ eingestuften Katastrophe wurden etwa 6,5 Milliarden Euro abgerufen.

http://www.mz-web.de/

von Dagmar Dehmer und Claus-Dieter Steyer

Viele Bundesländer beklagen die hohen Kosten durch die Flut. Andere waren besser vorbereitet. Die Flut zeigt, wo politische Querelen einen effektiven Hochwasserschutz behindern

Wenn sich die Ministerpräsidenten am Donnerstag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen, wird es vor allem um Geld gehen. Nach ersten Schätzungen wird die Flut, von der acht von 16 Bundesländern direkt betroffen sind, volkswirtschaftliche Schäden von mehr als zwölf Milliarden Euro anrichten. Nach der Soforthilfe für diejenigen, die nach der Flut nicht in ihre Häuser zurückkehren können und in Notunterkünften untergekommen sind, geht es um den Wiederaufbau. Beim Ausmaß der Schäden gibt es regional große Unterschiede.

Wie ist die aktuelle Situation?

Am Mittwoch hat Angela Merkel Lauenburg (Schleswig-Holstein) und Hitzacker (Niedersachsen) besucht. Zuvor war sie schon in Hochwassergebieten in Bayern, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist die Lage weiter kritisch. Dort ist der Hochwasserscheitel gerade erst eingetroffen. Nach einem Deichbruch in Fischbeck in Sachsen-Anhalt hat das Land den Nachbarn Brandenburg um Hilfe bei der Evakuierung gebeten. Im Personenverkehr zwischen Hannover und Berlin sowie Frankfurt am Main und Berlin kam es zu Verspätungen von bis zu drei Stunden. Darüber hinaus gibt es nach Angaben der Deutschen Bahn weiterhin in Oberbayern, Sachsen, Thüringen und im südlichen Sachsen-Anhalt Ausfälle im Regional- und Fernverkehr. Im Hochwassergebiet sind zahlreiche Straßen gesperrt. Ortsfremde erhalten keinen Zutritt.

Was tun die Behörden als Nächstes?

Die Elbe will mit Macht in ihr altes Fließgebiet mit zahlreichen Armen und kleineren Seen zurück. Im Laufe der Jahrhunderte ist der Flussverlauf aber zugunsten der Schifffahrt, der Landwirtschaft und vieler Ortserweiterungen begradigt und eingezwängt worden. In Sandau wurden im Archiv nun alte Landkarten mit den ursprünglichen Flutrinnen gefunden. In diesen Vertiefungen und Verästelungen läuft jetzt das Wasser. Die Behörden studieren nun diese historischen Karten, um die besten Stellen für Sandsackbarrieren festzulegen. Diese Höhenzüge hatte man im Laufe der Zeit vergessen.

Warum gibt es große Unterschiede bei den Hochwasserschäden?

An den Schadensummen lässt sich teilweise ablesen, wie erfolgreich der Hochwasserschutz in dem betreffenden Bundesland in den vergangenen Jahrzehnten war. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sieht sich in der Hochwasserstrategie seines Landes bestätigt. 90 Prozent der Oderdeiche sind inzwischen saniert und auf ein statistisch 200-jähriges Hochwasser ausgerichtet worden. Entlang der Elbe soll die Sanierung der 2002 geschädigten Deiche im Jahr 2015 abgeschlossen sein. Ob sich das halten lässt, ist wohl erst klar, wenn das Wasser zurückgegangen und eine Inventur der Deiche abgeschlossen ist. Die brandenburgische Planung sieht jedoch vor, nach der Sanierung die Elbdeiche so zu erhöhen, dass sie einem statistisch alle 100 Jahre vorkommenden Hochwasser gewachsen sind. Angesichts der Fluten 2002 und 2013 fragt sich, ob das reicht. Das nächste große Projekt in Brandenburg ist die Verstärkung des Hochwasserschutzes entlang der Schwarzen Elster. Weitgehend abgeschlossen ist die Verstärkung des Hochwasserschutzes entlang der Havel. 2008 hat Brandenburg mit Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt einen Staatsvertrag geschlossen, weil die im Mündungsbereich der Havel in die Elbe gelegenen Rückhalteflächen vor allem den Nachbarländern nützen. Die Polder sind planmäßig geflutet worden. Zwischen Lenzen und Wustrow ist zudem ein Deich um 500 Meter rückverlegt worden.

Niedersachsen wird von mehreren Seiten vom Wasser bedroht: entlang der Küste durch Sturmfluten, im Weser-Ems- sowie im Elbeeinzugsgebiet. Im aktuell wieder bedrohten Hitzacker, das 2002 spektakulär abgesoffen war, ist 2008 ein neues Schöpfwerk eröffnet worden. Rund 30 Millionen Euro sind in den Hochwasserschutz in Hitzacker investiert worden. An der Donau wiederum hat vor allem der jahrzehntelange Konflikt um den Ausbau des Flusses für die Schifffahrt zwischen Straubing und Vilshofen einen besseren Hochwasserschutz verhindert. Die Deiche bei Deggendorf stammen aus den Jahren 1927 bis 1957 – und haben bekanntlich nicht gehalten. Gerade Bayern ist 1999, 2002, 2005 und 2007 von schweren Hochwasserkatastrophen getroffen worden und hat seit 1999 viel Geld in den Schutz vor den Fluten investiert. Bis 2020 werden es 2,3 Milliarden Euro sein.

Was kostet uns die Flut?

Angesichts der hohen Schäden wird es einen Nachtragshaushalt im Bund brauchen. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hat aber bereits Widerstand gegen mögliche Steuererhöhungen angekündigt. 2002 war eine Steuerentlastung zeitlich verschoben worden, die rund sieben Milliarden Euro in den Aufbaufonds brachte. Für die Versicherungen wird die Katastrophe nach ersten Schätzungen teurer als 2002. Damals zahlten sie 1,8 Milliarden Euro aus. Dieses Mal dürften es zwischen 2,5 und drei Milliarden Euro werden. Rund ein Drittel der Haushalte ist aktuell gegen Elementarschäden wie Hochwasser versichert. Die Linke, Teile der Grünen, aber auch Ökonomen und schon seit Jahren das Umweltbundesamt fordern deshalb erneut eine Pflichtversicherung für alle Hausbesitzer. 2004 war ein solcher Plan verworfen worden, weil die Versicherungen für die hohen Risiken entlang der Flüsse Staatsbürgschaften verlangt und nicht bekommen hatten. Im Vergleich zu 2002 fließen die Spenden für Flutopfer spärlich. Andererseits sind Zehntausende in die Katastrophengebiete gefahren, um beim Sandsackfüllen oder bei der Betreuung Evakuierter zu helfen.

Quelle: tagesspiegel.de

Nach der Flut, vor dem Aufräumen

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

von Sandra Dassler, Claus-Dieter Steyer und Annette Kögel

Nicht zugucken, mithelfen! Das Hochwasser hat Städte zerstört, Wohnungen und Häuser überflutet und wenn es einmal abgelaufen ist, wird es ein Chaos hinterlassen. Dafür werden Freiwillige fürs Aufräumen gesucht

Die Hilfsbereitschaft für die Hochwasseropfer kennt keine Uhrzeit und keine Entfernungen. „Kurz vor Mitternacht standen fünf Berliner vor dem Rathaus und wollten unbedingt noch Sandsäcke füllen“, sagt der Wittenberger Bürgermeister Oliver Hermann. „Sie hatten sich abends im Hauptbahnhof in den Zug gesetzt und wollten bei der Rettung der Deiche einfach dabei sein, am nächsten Morgen aber wieder an ihren Arbeitsplätzen in Berlin stehen.“ Allerdings musste der Bürgermeister den Enthusiasmus der fünf Männer etwas dämpfen. Es bestand erst mal kein akuter Bedarf an Sandsäcken, weil am Tage hunderte Helfer auf dem zentralen Sandsackplatz an der Alten Ölmühle in Wittenberge unentwegt Säcke gefüllt hatten.

Mit einem herzlichen Dankeschön, einem Schlafplatz für die wenigen Nachtstunden und dem Versprechen einer raschen Wiederkehr endete diese Episode im Hochwassergebiet in der Prignitz.

„Uns haben in den letzten Tagen unzählige Berliner geholfen“, sagt Bürgermeister Hermann. „Manche Gruppe hatte sogar eine Fahne mit dabei und kennzeichnete so ihr Revier auf dem Sandplatz.“ Außer einer Suppe, Schrippen und Getränken gab es keine Entschädigung. Danach frage ohnehin niemand. Wer aber als Berufstätiger helfen wolle, müsse erst seinen Arbeitgeber kontaktieren. Die Behörden stellen auch Nachweise über die Einsatzzeit aus.

Da sich die Situation an den Deichen ständig ändert, schwankt auch der Bedarf an Helfern. Deshalb müssen Freiwillige in jedem Fall vor ihrem Aufbruch in die Katastrophengebiete Auskünfte in den Kommunen einholen. Niemand sollte ohne Rückfrage einfach nach der Arbeit losfahren, wie es derzeit viele Berliner tun. Am Telefon des Bürgerbüros vom Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt für Hochwasserfragen (03931 – 607080) hieß es am Mittwochabend, „die vielen Freiwilligen laufen sich beim Sandsackfüllen schon fast um“. Dennoch würden mittelfristig dringend Helfer benötigt – nämlich fürs Aufräumen in der Phase, wenn das Wasser wieder abgelaufen sei. Freiwillige sollten bitte die Pegelstände beobachten und dann direkt in Fischbeck, Schönhausen oder auch Klietz anrufen.

Bei den Bürgertelefonen der Stadt Wittenberge (03877 566 90 00) und Lenzen (038 792 988 0) kann man sich dann auch erkundigen – am gestrigen Mittwoch war das Wasser leicht zurückgegangen, es waren genügend Sandsäcke gefüllt, aber man hatte Angst vor aufweichenden Deichen. In der Prignitz werden aller Voraussicht nach bald Deichläufer benötigt. Sie sind zu zweit und manchmal auch allein unterwegs. In Zwölf-Stunden-Schichten haben sie auf einem drei bis fünf Kilometer langen Abschnitt den Zustand der Deiche und der Sandsackbarrieren zu kontrollieren. Wenn sie Schwachstellen entdecken, müssen sie sofort den Einsatzstab anrufen. „Die Deichläufer müssen Kondition haben, gut sehen und sehr gut hören können, denn oft zeigen sich Schäden in Deichen durch ein Gluckern des Wassers“, weiß Bernd Lindow vom Krisenstab des Landkreises Prignitz. Auch wenn in der Prignitz am 73 Kilometer langen Flussabschnitt die Elbe in ihrem Bett bleiben sollte, stehen die Anwohner vor einem Riesenberg von Arbeit. Schließlich müssen die mehr als eine Million Sandsäcke, die allein in der Prignitz gefüllt und an die Deiche verlegt wurden, wieder weggeräumt werden.

Ausstattung der Flut-Helfer: Handschuhe, Gummistiefel, Kopfbedeckung

Dankbar über Helfer sind besonders jene Orte, in denen die Flut eine dicke Schicht aus Schlamm und Geröll hinterlassen hat. Grimma bei Leipzig gehört dazu, während in Pirna, Meißen, Riesa, Bad Schandau oder im Kurort Rathen in der Sächsischen Schweiz das große Aufräumen noch gar nicht begonnen hat. Auch hier sollten die Hilfsbereiten in den jeweiligen Rathäusern die Lage erfragen.

Wasserdichte Handschuhe, Gummistiefel, Kopfbedeckung und ausreichend Sonnenschutzcreme sowie Mückenschutz sollten sich im Gepäck befinden, ebenso wie Utensilien für eine Übernachtung. Oft stellen Bewohner ein Bett im trockenen Obergeschoss ihrer Häuser bereit. Es gibt auch immer Plätze in den großen Quartieren für die Feuerwehren und Angehörigen von Hilfsorganisationen.

Helfen in Extremsituationen birgt auch Risiken. Gesundheitsbehörden warnen vor einer Infektionsgefahr durch das Flutwasser. Dieses hatte in Thüringen mehrere Kläranlagen überschwemmt. Trotz der großen Verdünnung finden sich im Wasser Keime, zumal auch Tiere ertranken und mitgerissen wurden. Ein Impfschutz ist sehr ratsam für Gegenden, wo das Wasser noch steht. Beim Bad Wilsnacker Bürgertelefon ( 038791 99 91 19) erfährt man zwischen 7 und 20 Uhr, an welchem Standort Helfer fehlen. „Erfreulich ist, dass auch viele kleine Firmen ihre Hilfe anbieten, mit Fahrzeugen und spezieller Technik.“ Denn solche Mobile werden jetzt in vielen Gebieten benötigt, in denen es bereits ans Aufräumen geht. Dann ziehen Bundeswehr und Technisches Hilfswerk meist ab, weil sie anderswo in noch akut bedrohten Regionen gebraucht werden.

Doch zurück bleibt das Chaos. Im südbrandenburgischen Mühlberg ist das etwa so, wobei die Stadt auch auf finanzielle Hilfen hofft. Man könne auch direkt Geld auf das Konto der Stadt überweisen, sagt Kämmerin Gabriele Kretzschmar. Um eine eher langfristige Unterstützung, die dringend notwendig sei, bittet Manfred Metzger, der von Berlin aus den Einsatz des Technischen Hilfswerks koordiniert: „Wir brauchen dringend ehrenamtliche Führungskräfte, aber das muss man lernen“, sagt er: „Also gehen Sie zum THW in ihrem Bezirk oder Heimatort und lassen sich ausbilden.“ Die Aufgaben des THW würden immer anspruchsvoller, auch weil es weniger Bundeswehrstandorte mit Technik gebe.

Manche Hilfsgemeinschaften koordinieren ihre Arbeit über Facebook (www.facebook.com/hochwasser.sachsen.anhalt). Da werden viele Dankeschön-Bilder gepostet. Der Radiosender MDR Sputnik hat auch ein Helfer-Vermittlungstelefon (08000 21 00 00) und lädt am morgigen Freitag ab 16 Uhr alle Anpacker zum Dankeschönkonzert nach Halle. Das Motto: „Halle gemeinsam“. Da wird sicher auch die Helfer-Hymne 2013 gespielt, das Stück von Capital Cities, „Save and sound“. Gemeinsames Tun schweißt zusammen – so gibt es schon Single-Flirtseiten von Deichhelfern.

Quelle: tagesspiegel.de

Wasser der Elbe überflutet weitere Dörfer

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Sachsen-Anhalt
 von Claus-Dieter Steyer
Um dem Elbwasser einen Weg in einen Havelpolder zu weisen, riss die Bundeswehr am Donnerstag Teile einer Landstraße weg. Die erhoffte Entlastung trat nicht ein. Der Krisenstab im Landkreis Stendal entschied, mehrere Dörfer zu evakuieren. Doch nicht alle Anwohner kommen der Aufforderung nach.
Vier Tage nach dem großen Deichbruch in Fischbeck bei Tangermünde überflutet das Elbwasser immer mehr Häuser und Felder in der nördlichen Altmark. Der Krisenstab im Landkreis Stendal entschied sich deshalb zur Zwangsevakuierung mehrerer Dörfer, da Gefahr für Leib und Leben bestünde. Polizisten gingen in den Dörfern Wust, Briest und Melkow und kleineren Ortsteilen von Haus zu Haus, um die rund 1 000 Bewohner zum Verlassen der Häuser aufzufordern. Trotz des Hinweises auf die bevorstehende Blockade sämtlicher Zufahrtsstraßen in die Orte durch das steigende Wasser und die Abschaltung des Stromes blieben vor allem Männer in den Häusern zurück.
Sie wollten ihre Haustiere versorgen und ihr Hab und Gut nicht allein zurücklassen, hieß es. Bis zuletzt versuchten sie mit Sandsäcken und kleinen Wällen das Wasser von ihren Grundstücken fernzuhalten. Aber der Kampf war aussichtslos. Die Bundeswehr schickte schwere Lastwagen und Boote, um Personen aufzunehmen. Mehrere Tausend Menschen harren in Sachsen-Anhalt weiter in Notquartieren aus.

Am Morgen hatte die Bundeswehr in der rund 130 Kilometer westlich Berlins gelegenen Region eine Landstraße auf rund 50 Metern weggerissen, um dem Elbwasser einen Weg in einen Havelpolder zu weisen.  Doch die erhoffte Entlastung trat angesichts der riesigen Wassermassen nicht ein. Weiterhin gesperrt ist die ICE-Strecke von Berlin nach Hannover. Umleitungen führen zu größeren Verspätungen.

In den anderen Regionen entlang der Elbe sank der Pegel. Trotz des nun schon seit Tagen andauernden Drucks auf die Deiche hielten sie die Elbe in ihrem Bett. Vielerorts läuft bereits das große Aufräumen. Schrittweise normalisiert sich das Leben, wobei noch Tausende Haushalte ohne Strom sind.

Quelle: tagesspiegel.de

Schutzmaßnahmen Immobilienschäden durch Hochwasser

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz

Kolbermoor in Oberbayern, Anfang Juni: Das Hochwasser der Mangfall verursacht schwere Schäden in und an den Häusern. Mittlerweile ist der Fluss in sein Bett zurückgekehrt. Was er an Hausrat zerstört hat, ist unübersehbar.

http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/geld-und-leben/geld-und-leben-immobilien-100.html

Vieles ist nicht mehr zu retten. Neben solchen Müllbergen sehen die Häuser auf den ersten Blick unversehrt aus. Auch das von Familie Meier. Doch auf sie kommen beträchtliche Sanierungskosten zu.

„Wenn wir das dann regulär machen lassen, ich schätze schon, dass da so 30.000 Euro zusammen kommen werden.“

Günther Meier, Hauseigentümer

Im Keller sind die verborgenen Schäden besonders schlimm. Der Estrich: vom Wasser angehoben. Die Wände: komplett durchfeuchtet. Es riecht modrig. Trockengeräte werden wochenlang laufen müssen. An manchen Stellen löst sich der feuchte Putz schon von der Decke. Das Tragische ist: Die Meiers kannten das Hochwasser-Risiko, als sie Anfang der 90er-Jahre ihr Haus planten. Sie wollten das Erdgeschoss höher als das Straßenniveau bauen, um sich zu schützen. Doch das Landratsamt verweigerte die Genehmigung.

„Die Fenster und den Keller kann man so dicht machen, dass kein Wasser reinkommt. Aber dass es bei den Fenstern und der Haustür reinläuft, das haben die auch nicht überrissen.“

Günther Meier, Hauseigentümer

Keine Baugenehmigung für den Hochwasserschutz – und das Anfang der 90er-Jahre. Dabei war die Gefahr bekannt. Kolbermoor ist in der Geschichte mehrfach von Überschwemmungen verwüstet worden. Doch seit fast 60 Jahren blieb die Mangfall friedlich. Die Gefahr verblasste bei Anwohnern und Behörden.

Und das nicht nur in Kolbermoor, sondern auch in Rosenheim

Baudezernent Helmut Cybulska erklärt uns, dass man erst seit ein paar Jahren das Überschwemmungs-Risiko für jedes einzelne Grundstück errechnet – und dann Auflagen zum hochwassersicheren Bauen stellt.

„Man hat die Gefahr vorher schlichtweg in dieser Form nicht gesehen. Heute würden wir anders bauen, wenn eine Bebauung heute dort zulässig wäre, dann würden Grundsätze des hochwasserangepassten Bauens berücksichtigt, dann müssten Höhenlagen korrigiert werden und dann müssten individuelle Vorkehrungen an den Gebäuden vorgenommen werden.“

Helmut Cybulska, Baudezernent Rosenheim

Der Rosenheimer Stadtteil Oberwöhr am Hochwasser-Wochenende

Hier haben sich viele Familien ihren Traum vom Eigenheim verwirklicht, noch in den letzten Jahren gekauft oder gebaut. Jetzt, wo das Wasser weg ist, kann man hier sehen, welchen Unterschied es macht, ob dabei an das Hochwasserrisiko gedacht wurde – oder nicht. In älteren Häusern liefen die Keller voll, Heizöl aus und das Wasser stand im Erdgeschoss. Erst vor wenigen Jahren setzte ein Umdenken ein: Neubauten, bei denen die Behörden Schutzvorkehrungen forderten, blieben zum Teil fast trocken.

Tipp – die Hochwasserfibel

Jahrzehntelang hat man in vielen Hochwasserregionen die Gefahr ausgeblendet: Es wurde gebaut als ob kein Gewässer in der Nähe wäre – mit tief im Boden liegenden Erdgeschossen, ohne wasserdichte Fenster, ohne Hochwasserschotts. Zum Teil haben die Behörden bauliche Vorkehrungen sogar untersagt, weil Häuser in ihrer Optik dann nicht ihren planerischen Vorstellungen entsprochen hätten. Erst in den letzten Jahren hat ein Umdenken stattgefunden: Mittlerweile werden per Computer für Grundstücke in Gefahrenzonen die Wasserstände bei möglichen Hochwasserkatastrophen simuliert. Dort darf nur gebaut werden, wenn vorgebeugt wird. Das heißt: Das Erdgeschoss muss so weit über Straßenniveau errichtet werden, dass es über dem prognostizierten Pegelstand eines hundertjährlichen Hochwassers liegt. Aber auch bei Altbauten kann man nachrüsten. Genauere Informationen darüber gibt es in der „Hochwasserfibel“ des Bundesbauministeriums.

Wust im Havelland

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Havel

 

Der nördliche Teil von Wust im Havelland steht unter Wasser. Das berichten MDR-Reporter vor Ort. Einsatzkräfte pumpen das Wasser ab. Das Wasser steige aber langsamer als bislang. Offenbar bringt der Straßendurchbruch nördlich von Kamern Entlastung. Durch die Öffnung soll das Wasser in einen Havel-Polder abfließen, dass durch den gebrochenen Deich bei Fischbeck ins Havelland geströmt ist.

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»Angespannte Beobachtungsphase»

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

gel Lüchow. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg hat die Flutwelle der Elbe bisher ohne größere Beulen überstanden. Von Entspannung, sagt Landrat Jürgen Schulz (parteilos), könne aber noch keine Rede sein.

Er nennt die Tage bis zum Wochenende eine »angespannte Beobachtungsphase». Denn die Experten gehen davon aus, dass noch so lange eine brisante Hochwasserlage herrscht. Neuralgische Punkte sind die Landesstraße 256 in Gartow, Tiesmesland, Vietze und Neu Darchau. Inzwischen darf auch schon ein unangenehmer Blick nach vorn geworfen werden: auf die Finanzen. Denn die Kosten für den tagelangen Katastrophen-schutz-Einsatz trägt zunächst einmal der Landkreis allein. Landrat Schulz rechnet mit mindestens zwei, drei Millionen Euro. Es dürften jedoch locker über vier Millionen Euro werden. Denn die Hochwasser 2002 und 2006 waren bereits 3,9 Millionen beziehungsweise 3,4 Millionen Euro schwer. Der Landkreis selbst blieb schließlich auf 638000 und 513000 Euro sitzen. Doch weil der aktuelle Einsatz deutlich länger dauert, dürften auch die Kosten deutlich höher liegen. Die genaue Summe stehe wegen verzögerter Abrechnungen erst in zwei, drei Jahren fest, weiß Schulz. Der Landkreis muss beispielsweise aufkommen für Verdienstausfall und Auslagenersatz bei Feuerwehrleuten, für Säcke, für Sand, für Verpflegung, für Sprit oder Speditionsleistungen. Im Einsatz sind dieser Tage nach Angaben des Katastrophenschutzstabs rund 3500 offizielle Hilfskräfte vorwiegend von Feuerwehren, Bundeswehr, THW und DRK. Sandsäcke müssen nicht mehr gefüllt werden. Es liegen derzeit 330000 Säcke für Notfälle bereit. Die Herausforderung, sagt Landrat Schulz, sei diesmal »extrem» gewesen. Man sei gut vorbereitet in die heiße Phase des Hochwassers gegangen. Der Landrat lobt die Einsatzkräfte: »hochmotiviert, top besetzt, absolut professionelle Auftritte». Die Kreisverwaltung selbst hat 30 Leute im Katastrophenschutzstab zusammengezogen. Ebenfalls einen Blick voraus wagt der Landrat darauf, wie es mit dem Hochwasserschutz in Lüchow-Dannenberg zukünftig weitergeht. Bei den Höchstständen einen halben Meter über den bisherigen Rekorden seien nun auch neue Risikobereiche entstanden -beispielsweise Gartow oder Tiesmesland. Dort seien vier Gebäude mit zehn Bewohnern akut gefährdet. »Die fühlen sich allein gelassen», sagt Schulz -merkt aber gleichzeitig an, dass der Hochwasserschutz nicht nur eine staatliche Aufgabe sei, sondern auch private Verantwortung erfordere. Womöglich müsse man sich demnächst in solchen Bereichen über Sicherungsmaßnahmen Gedanken machen, die auch hohe Kosten für die betroffenen Grundstücke bedeuten könnten. Inzwischen stehen auch die neuen Rekordmarken fest, die diese Elbeflut in Lüchow-Dannenberg gesetzt hat: 7,79 Meter in Schnackenburg (bisher 7,51), 8,20 Meter in Damnatz (7,70), 8,18 Meter in Hitzacker (7,70), 7,92 Meter in Neu Darchau (7,49).

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Während im Nordwesten der Region noch hart gegen ein Durchbrechen der Deiche gekämpft wird, beginnen im Ostkreis langsam die Aufräumarbeiten.

Über 1000 Helfer waren die ganze Nacht über in Neu Darchau im Einsatz, um rechtzeitig eine zweite Deichlinie aufzubauen. Diese ist auch dringend notwendig, denn der zuvor aufgebaute Notdeich zeigt mittlerweile deutliche Risse, droht zu brechen.

Doch angesichts der kontinuierlich fallenden Pegelstände (Schnackenburg gestern morgen: 7,65 m; heute morgen: 7,41 ) könnte es auch für die Neu Darchauer halbwegs glimpflich ausgehen.

Doch für heute vorhergesagter Regen macht die Arbeit nicht einfacher.

Vom Deich zwischen Penkefitz und Wussegel liegen noch keine neuen Informationen vor.

In Vietze zieht sich das Wasser ebenfalls immer mehr zurück. Nach bisher noch unbestätigten Informationen soll die Stromversorgung im Unterdorf ab Samstag wieder funktionieren. Hier zeigt sich nach und nach das ganze Ausmaß der Schäden, die die Flut hinterlassen hat.

http://hochwasser2013.wendland-net.de/post/schuften-bis-zum-umfallen-und-beginn-des-aufraeumens-52083

Zweiter Deich für Gartow

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

 

 

So etwas hat es in Gartow bisher noch nie gegeben: Der Ort hat seit gestern eine zweite Deichlinie. Sie verläuft durch das Waldgebiet Postbruch am nordwestlichen Ortsrand zwischen der B 493 und L 256.

Letztere nämlich ist seit einigen Tagen bereits halbseitig überschwemmt – auch das ist ein Novum. »So etwas haben wir noch nie erlebt», sagt Samt- gemeindebürgermeister Fried-rich-Wilhelm Schröder (CDU).

Die Gefahr: Hält der Notdeich nicht, drohen die Wassermassen, sich in den Postbruch und von dort aus in das Areal des Campingplatzes sowie der Ferienhaussiedlung und in die Straßen Am Helk, Am Galgenberg und Birkenberg zu ergießen. Der Westen der Gemeinde Gartow stünde im schlimmsten Fall komplett unter Wasser.

Um dies zu verhindern, haben Einsatzkräfte um die Feuerwehren Frankfurt und Offenbach bereits am Wochenende den mobilen Deich vom Westrand des Gartower Sees an die L 256 verlegt. Gestern war Förster Ulrich von Mirbach mit NLWKN-Mitarbeitern im Postbruch unterwegs, um in dem hügligen Gebiet Hohenmessungen vorzunehmen. Die Zahlen sind zentral, um die zweite Verteidigungslinie auf ein möglichst einheitliches Niveau zu bringen. Schröder ist erstaunt über die Lage: »So etwas war bislang nie Thema, ein Überströmen der Landesstraße hat bisher nie stattgefunden.» Einsatzkräfte überwachen den Notdeich zwischen Gartow und Meetschow rund um die Uhr, fahren die Strecke stündlich mit Fahrrädern ab. Laut der Feuerwehr vor Ort haben die Einsatzkräfte bereits drei Bäume an der Landesstraße gefällt, um zu verhindern, dass sie auf den Notdeich krachen und diesen durchbrechen. Laut Schröder werde man in diesem Bereich in der Zukunft über einen Deichbau nachdenken müssen. »Wir bearbeiten das Hochwasser nach und dann wird auch das Thema sein», so Schröder.

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Deichschutz mit High-Tech

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

 

 

Schwarz-weiß ist das Bild auf dem Monitor, auf den Feldwebel Gernot L. seinen Blick geheftet hat.

Es zeigt den Deich, der die Niederung zwischen Gartow und Nienwalde gegen die Seege abschirmt, und an dem das Wasser so hoch steht, dass es fast schon überläuft. »Das ist ein Wärmebild des Deiches», erklärt der Soldat, der in seinem Fennek sitzt, einem Aufklärungs-Radpanzer der Bundeswehr. »Die dunklen Stellen sind kalt, die hellen warm», sagt er, bedient einen Joystick, und das Bild schwenkt von dem sich hell abzeichnenden Wall auf die daneben liegende Wiese. Dort haben sich Qualmwasserpfützen gebildet, die auf dem Monitor als dunkle Flächen zu sehen sind. »Und genau danach suchen wir», erläutert der Feldwebel. Denn wenn sich solche Flecken im Deich oder am Deichfuß zeigen, wird es kritisch. Dann ist der Deich durchweicht. »Und wir sind hier, um das rechtzeitig zu erkennen.»

Der Feldwebel und die beiden anderen Soldaten in dem elfeinhalb Tonnen schweren Panzerfahrzeug gehören zum Aufklärungs-Lehrbataillon 3 in Lüneburg, er selbst stammt jedoch aus Lüchow-Dannenberg. Und das sei es auch, was diesen Einsatz für ihn zu etwas ganz Besonderem mache, erzählt der Zeitsoldat. »Wir setzen hier ein Gerät, das für Konfliktfälle erdacht und gebaut wurde, und unsere Fähigkeiten ein, um Menschen und ihr Eigentum zu beschützen. In meiner Heimat. Das ist ein gutes Gefühl», sagt er, lächelt und schaut wieder auf den Monitor. Dort sind mittlerweile auch zwei Pferde zu sehen, die friedlich am Deichfuß grasen. Mehr noch: Hinter ihnen erkennt man noch das Wärmebild ihrer Hufabdrücke im Gras. »High-Tech made in Germany», sagt der Soldat und schmunzelt. Auch die Nicht-Lüchow-Dannenberger in seiner Einheit sind in diesem Hochwasser-Einsatz sehr motiviert. Konzentriert absolvieren sie ihre Zwölf-Stunden-Schichten am sogenannten Linken-Seege-Rückstaudeich, laufen Deichwache, schauen stundenlang auf die Monitore in den insgesamt sechs Fenneks, die für diese Aufgabe eingeteilt sind. In der heißen Sonne des Tages und in den mückenverseuchten Nächten an dem mittlerweile stehenden Gewässer. Auch bei der Sicherung des Gartower Schlosses waren sie im Einsatz, tagelang, verbauten zigtausende Sandsäcke und kilometerweise Planen und Vlies. »Wir sind hier, solange wir gebraucht werden, je nach Lage», erklärt der Feldwebel. »Und wir sind gerne hier.»

In Gartow ist man froh, die Bundeswehrsoldaten an den Deichen und in Alarmbereitschaft zu wissen – für den Fall, dass irgendwo ein Deich stabilisiert werden muss – oder Schlimmeres. Und die großen Panzerfahrzeuge mit ihren futuristisch wirkenden Aufklärungs-Aparaten ziehen so manch einen neugierigen Blick auf sich. »Es halten schon mal Leute an und fragen, was wir hier machen», sagt Feldwebel Gernot L. Dann geben die Soldaten bereitwillig Auskunft, und wer möchte, der kann auch einen Blick in den Fennek werfen. »Die Akzeptanz ist groß», freut sich der Soldat. »Und wir freuen uns über das Interesse. Und darüber, dass wir helfen können.»

Insgesamt sind in Niedersachsen derzeit rund 2000 Bundeswehrsoldaten im Hochwassereinsatz, 2900 stehen als Reserve bereit, um im Fall der Fälle dort eingesetzt zu werden, wo viele helfende Hände und schweres Gerät gebraucht werden. »Die Bundeswehr tut alles, um die Deiche zu schützen», heißt es vom Landeskommando Niedersachsen in Hannover.

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Laasches Inselleben

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

Dass die Laascher von der Außenwelt abgeschnitten sind, ist nichts Neues – wie sie damit umgehen schon

Die Milch landet im Abfluss. Literweise.

Wilhelm Pewsdorf hat keinen, der sie abholen könnte. Der Landwirt lebt in Laasche, besser gesagt: auf Laasche. Denn durch das Hochwasser ist der Ort ebenso von Wasser um- wie der Fahrdamm überspült ist. Pewsdorf muss seine Kühe trotzdem melken, muss die Tiere füttern und versorgen. Die gleiche Arbeit wie immer – nur ohne Lohn. Eine wirtschaftliche Misere. »Nur einen Vorteil hat die Sache: Ich habe die ganze Woche noch keine Rechnungen bekommen», sagt er. Laasche ist zu einer Insel geworden. Mal wieder. In der Vergangenheit gab es viel Streit über den Deichbau und rund um das Hochwasser. Oft fühlten sich die Laascher von den Behörden im Stich gelassen. Letztere weigerten sich, einen Ort mit 25 Einwohnern mit Hilfskräften gegen die Fluten zu sichern, drängten auf frühzeitige Evakuierungen. Diese Zeiten sind offenbar vorbei. Nach jahrelangem Hickhack hat Laasche einen Deich, gestern haben Boote 300 Soldaten auf die Insel gebracht, um vier kritische Stellen mit 30000 Sandsäcken auszubessern.

Und auch die Laascher halten zusammen. Abends um 19 Uhr treffen sie sich auf der Terrasse des Campingplatzes zu einer Lagebesprechung. Senior-Chefin Gisela Pewsdorf serviert Getränke, die anderen sitzen im Kreis auf Plastikstühlen.

Etwas entfernt sitzen vier Bundeswehrsoldaten an einem Tisch. Gisela Pewsdorf hat ihnen Wurstbrote geschmiert und Fleischbällchen gebraten. Sie sind gekommen, um den Laaschern zu helfen und Wache am Deich zu schieben. 24 Stunden bleiben die Soldaten, dann lösen Kameraden sie ab. Sie wohnen in einer Ferienwohnung von Marina Marquardt. »Auf Soldaten waren wir nicht eingestellt, deshalb haben wir nur Ehebetten», sagt sie und grinst. Den Soldaten macht das nichts, sie fühlen sich wohl. »Die Stimmung hier im Ort ist sehr gut, die Bewohner haben uns freundlich aufgenommen und sind sehr hilfsbereit», sagt einer der Männer. »Das Frühstück stelle ich euch in den Kühlschrank», sagt Marquardt, dann geht sie zu den anderen hinüber.

Auch dort ist die Stimmung gespannt, aber gut. Die Laascher sind längst nicht so unzufrieden mit dem Krisenmanagement der Behörden wie in den vorangegangenen Flutjahren. Im Gegenteil: »Nach den Erfahrungen der letzten Jahre empfinden wir die Organisation geradezu als perfekt», sagt Hans-Wolfgang Abbass. Man habe früh angefangen, sich zu engagieren. Alle haben sich mit Lebensmitteln bevorratet. »Für mindestens eine Woche», sagt eine Frau. In der Gaststätte hängt ein Zettel, auf dem die Laascher ihren Bedarf notieren können. Hin und wieder fahren einige mit dem Boot zum Einkaufen nach Gartow. Sibylle Hauswaldt hat über die Bäuerliche Notgemeinschaft einen leistungsstarken Trecker von einem Bio-Landwirt aus Salzwedel organisiert.

Selbst ein Feriengast ist geblieben, Dauercamper Kurt Benitz. »Ich wollte einfach helfen», sagt der Norderstedter. In seinem Wohnwagen wohnt er allerdings seit ein paar Tagen nicht mehr. Das war ihm dann doch zu unsicher. Statt Camping auf dem Festland macht Benitz nun Ferienhausurlaub auf einer Insel.

Es sieht so aus, als sei das Meckern und Querstellen in Laasche zurückgegangen. »Wir sollten nicht negativ sein, sondern optimistisch», so lautet seit ein paar Tagen das Credo von Abbass. Das wirkt offenbar. »Die Solidarität ist groß», sagt Sibylle Hauswaldt, auch, weil die »Inselsituation belastend und bedrohlich» sei. Einmal am Tag fahren Thomas Hauswaldt und Thorsten Pewsdorf mit einem Motorboot zur Lagebesprechung der örtlichen Einsatzleitung nach Gartow. Gerade kommen sie von der Sitzung zurück, pünklich zur Lagebesprechung in Laasche. »Wir haben gute Nachrichten, positiver als ich vorher gehofft hatte», sagt Rechtsanwalt Thomas Hauswaldt. Vier kritische Stellen im Deich, die sich am Vortag zwei THW-Fachberater angesehen und für problematisch befunden hatten, sollen 300 Soldaten auf einer Länge von insgesamt 600 Metern mit Sandsäcken und Vlies sichern. Das DLRG versorgt die Laascher von Meetschow aus per Boot mit Kraftstoff.

»Wir müssen jetzt die Sandentnahmestelle vorbereiten, damit morgen gleich die Säcke befüllt werden können», sagt Hauswaldt. »Zu früh geduscht», ruft einer. Dann stehen die Laascher auf und legen los. Sie müssen ihre Insel retten.

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Hochwasser beschädigte Friedensbrücke

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Dessau

 

In Dessau-Roßlau ist noch immer nicht gewiss, ob die durchs Hochwasser beschädigte Friedensbrücke weiter befahren werden kann. Statiker haben das Bauwerk untersucht und wollen nun ein Gutachten über die Standfestigkeit vorlegen. Das Muldehochwasser hatte der Brücke erheblich zugesetzt. Über die Friedensbrücke verläuft die B185, eine der wichtigsten Verkehrsadern der Region.

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Notdeich hinter dem Notdeich

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

Lage in Neu Darchau bleibt heikel – Einsatzleitung bereitet Einwohner auf mögliche Überflutungen vor

Neu Darchau. Das Wasser geht zurück. Langsam zwar, aber stetig.

Mehrere Zentimeter hat der Elbpegel bei Neu Darchau seit Dienstagabend verloren. Doch von Entwarnung kann in dem Ort im nördlichsten Zipfel Lüchow-Dannenbergs keine Rede sein. Ganz im Gegenteil sogar: Immer mehr Kräfte von Feuerwehr und auch Bundeswehr rücken seit Mittwoch Morgen an, um aus zigtausenden Sandsäcken einen neuen Notdeich zu errichten. Eine zweite Deichverteidigungslinie hinter dem ersten Notdeich. Denn der ist mittlerweile hochgradig instabil, hat große Risse und droht, nach unten, in die Elbeflut also, abzurutschen. »Wenn das passiert, dann läuft ein großer Teil des Ortes voll», sagt einer der verantwortlichen Feuerwehrleute bei der Lagebesprechung. Und das wollen, das müssen die Einsatzkräfte verhindern.

Und so fahren im Minutentakt Lkw und Traktor-Gespanne auf der Elbuferstraße vor und bringen Sandsäcke aus dem Kieswerk in Tramm. 50000 sollen es sein, andere Quellen sprechen von bis zu 100000 Säcken, die in Neu Darchau gestern und in der Nacht zu heute verbaut werden sollten. »In der Hoffnung, den zweiten Damm gar nicht zu brauchen», sagt Stefan Schmidt, der Einsatzleiter vor Ort, dem man ansieht, dass er in den vergangenen Nächten wenig Schlaf bekommen hat. Dirk Wiezer, ein Wasserbau-Ingenieur, der zur Feuerwehrkreisbereitschaft Wolfenbüttel gehört, ist da optimistischer. »Ich glaube nicht, dass der Notdeich bricht», sagt er. Aber Sicherheit gehe nunmal vor. »Und um diese Sicherheit zu gewährleisten, brauchen wir die zweite Verteidigungslinie.»

Die besteht aus einem fast zwei Meter hohen Wall aus Sandsäcken, den Feuerwehrleute und Bundeswehrsoldaten Stück für Stück aufschichten. Die Sandsäcke müssen per Hand an die neue Deichverteidigungslinie gebracht werden, die Radlader und Traktoren, die die Lkw aus Tramm entladen, dürfen nicht näher als 100 Meter an den Notdeich heran, weil die beim Fahren Erschütterungen auslösen, die dem instabilen Sandwall womöglich den Rest geben könnten. Eine anstrengende Arbeit, dazu scheint die kräftige Juni-Sonne von einem wolkenlosen Himmel, was dazu führt, dass die Kräfte regelmäßig ausgetauscht werden müssen und am Einsatzort so ein stän-diges Kommen und Gehen herrscht. »Die Leute ermüden schnell», sagt Stefan Schmidt. »Aber das ist auch verständlich. Das hier ist der Brennpunkt, dieser Abschnitt geht nie unter 100 Prozent, und das seit Tagen.»

Ob das reichen wird, ist allerdings fraglich. »Ein Restrisiko, dass die Sicherungsmaßnahmen versagen, besteht», so Jürgen Meyer, Bürgermeister der Samtgemeinde Elbtalaue. Und so gingen gestern Mitarbeiter der Verwaltung gemeinsam mit DRK-Sanitätern und Feuerwehrleuten im gefährdeten Neu Darchauer Ortsgebiet von Haus zu Haus und wiesen die Bewohner darauf hin, dass sie doch ihre Fahrzeuge in höher gelegene Bereiche fahren sollten, lose Gegenstände sichern, Möbel und Elektrogeräte möglichst hoch lagern und die Nächte am besten nicht im Erdgeschoss verbringen sollten. Und die Mitarbeiter erkundigten sich, ob die rund 110 Betroffenen im Falle eines Deichbruchs und einer Überflutung bei Freunden oder Bekannten unterkommen könnten oder ob die Samtgemeinde für sie Unterkunftsmöglichkeiten vorhalten solle. Von einer möglichen Evakuierung könne aber nicht die Rede sein, hieß es aus dem Dannenberger Rathaus. Es seien lediglich Vorbereitungen auf den schlimmstmöglichen Fall. Und man gehe nicht davon aus, dass der eintrete.

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