Hochwasser an der Elbe: Wächter der Deiche

Veröffentlicht: Juni 12, 2013 von fluthelfer in Lauenburg

 

Karl-Heinz Miekley macht mit seinem schweren Stiefel einen Maulwurfshügel platt. Die Erkenntnis: Alles trocken, keine Gefahr. Miekley steht auf einem grasbewachsenen Deich am Industriegebiet von Lauenburg in Schleswig-Holstein. An dieser Stelle sieht die Elbe fast idyllisch aus. Doch das Wasser schwappt nur knapp einen Meter unter der Spitze des Schutzwalls, die Elbe bleibt bedrohlich.

 

Karl-Heinz Miekly ist ein Deichläufer. Er kontrolliert die Dämme auf feuchte Flecken, Risse, mögliche Bruchstellen. Wenn der Pegel um einen Zentimeter steigt, bedeutet das einen zusätzlichen Druck von 16 Tonnen auf dem Deich. Und in den vergangenen Tagen ist das Wasser so hoch gestiegen wie noch nie.

Im Kampf gegen die Hochwasserflut kommt den Deichläufern daher eine wichtige Rolle zu. In Lauenburg übernehmen auch Miekley und seine Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr Lanze diese Aufgabe. „Wenn das Industriegebiet verlorengeht, ist auch Lanze verloren“, sagt der 63-Jährige.

Um 8 Uhr morgens hat ihre Schicht begonnen. Zu viert gehen die Männer einen mehrere Kilometer langen Abschnitt ab. Für die Öffentlichkeit ist der Deich aus Sicherheitsgründen gesperrt – ebenso wie die Elbbrücke von Lauenburg. Jeder Baumstamm, jeder dicke Ast kann zu einer Gefahr für den Schutzwall werden. Draußen auf dem Wasser fischt das Technische Hilfswerk Treibgut aus den Fluten. „Wirklich enorm“, sagt Miekley, „diese Wassermassen“.

Vielerorts hat das Elbe-Hochwasser den Höchststand erreicht

Am Pegel Hohnstorf, auf der gegenüberliegenden Seite der Elbe, wurden an diesem Mittag 9,54 Meter gemessen. Das ist etwas weniger als am Tag zuvor. Vielerorts steigt das Wasser nicht mehr oder sinkt, immerhin. Doch die Lage wird noch tagelang angespannt bleiben, der Pegel nur langsam sinken. Und mit jedem Tag Hochwasser steigt der Druck auf den Deich – und damit die Gefahr, dass er weiter aufweicht, dass doch noch eine Stelle bricht.

Welche dramatischen Folgen das haben kann, wurde in Fischbeck in Sachsen-Anhalt deutlich. Auf einer Länge von 50 Metern ist dort am Montag der Deich gebrochen, die Wassermassen flossen ins Landesinnere, überfluteten mehrere Ortschaften. Die Bundeswehr versuchte mit Helikoptern und sogenannten Big Packs, riesigen Sandsäcken, die Lücke wieder zu schließen. Vergeblich. An der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg breitete sich das Hochwasser weiter im Hinterland aus. Auch die letzten verbliebenen Einwohner der Dörfer Klietz, Kamern und Wust im Landkreis Stendal mussten ihre Häuser nun verlassen.

Und auch weiter nördlich in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen blicken die Menschen sorgenvoll auf die stark belasteten Deiche. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern wurde ein Sommerhochwasser-Rekord gemessen. Im niedersächsischen Landkreis Lüneburg wollten Helfer am Mittwoch fünf weitere Kilometer Deich mit Sandsäcken aufstocken. Dort und in Lüchow-Dannenberg verharrte die Elbe auf ihrem Höchststand.

Notdepot mit 20.000 Sandsäcken

Am Deich in Lauenburg können die Feuerwehrleute noch verhältnismäßig ruhig bleiben – was auch mit der Katastrophe in Sachsen-Anhalt zusammenhängt. Durch das Abfließen der Wassermassen bei Fischbeck fällt die Flut in Lauenburg niedriger aus als zuvor prognostiziert. „Das ist natürlich verdammt scheiße für die Betroffenen, aber gut für uns“, sagt Gruppenführer Sven Lang vorsichtig. Er will nicht falsch verstanden werden. „Es ist ein zweischneidiges Schwert.“

„Es herrscht angespannte Ruhe“, sagt auch Michael Bunk, Sprecher der Einsatzleitung in Lauenburg. 800 Personen seien derzeit im Einsatz. Wenn das Wasser irgendwo durchsickert, sind schnelle Trupps mit Sandsäcken zur Stelle. Eine Woche hat sich Lauenburg auf das Hochwasser vorbereiten können. Dämme wurden aufgeschüttet und verstärkt. Die Altstadt wurde überschwemmt, das war nicht zu verhindern. Aber ansonsten hoffen die Einsatzkräfte, dass der Ort verschont bleibt. Dass das Notdepot mit rund 20.000 Sandsäcken nicht benötigt wird.

Auch die Deichläufer sind verhalten optimistisch. Nach rund zwei Stunden ist die Patrouille beendet, alles in Ordnung so weit. „Dieser Deich hält“, sagt Miekley.

http://www.spiegel.de/panorama/elbe-hochwasser-erreicht-hoechststand-a-905297.html

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