Elbe-Experte wirft Politik Versagen beim Hochwasserschutz vor

Veröffentlicht: Juni 12, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

 

 

Bund und Länder haben nach Ansicht von Umwelt- und Naturschützern beim Schutz vor Hochwasser versagt. „Die Politik hat auf das falsche Pferd gesetzt und keine richtigen Konsequenzen aus der Flut 2002 gezogen“, sagte der Elbe-Experte des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz), Ernst-Paul Dörfler, der Nachrichtenagentur dpa. „Bei allem Leid und aller Tragik, die das Hochwasser jetzt mit sich gebracht hat, es war absehbar“, sagte er. Allein die Elbe habe sich wieder einen Teil ihrer ursprünglichen Aue zurückgeholt. Der rund 1100 Kilometer lange Strom ist einer der größten Flüsse in Europa.

Statt alte Auen als natürliche Überflutungsgebiete zu aktivieren, seien allein in Sachsen-Anhalt rund 500 Millionen Euro vorrangig in den Bau und die Erneuerung der Deiche gesteckt worden, kritisierte Dörfler. Diese Deiche hätten nun aber dennoch dem Druck des Wassers nicht standgehalten. „Der Kardinalfehler war, die Deiche in ihrem alten Verlauf zu ertüchtigen, zu erhöhen und zu verbreiten, sie „aufzurüsten“, ohne darüber nachzudenken, dass das Wasser ja irgendwo hin muss“, sagte Dörfler. Doch wenn das Wasser nicht ausweichen könne in die Fläche, dann könne es nur in die Höhe steigen und mit hoher Beschleunigung ins Tal, in bewohnte Gebiete stürzen.

„Klüger wäre es gewesen, wenn man damals ernsthaft begonnen hätte nach Überflutungsflächen zu suchen, nach alten Auen, die dem Fluss ja eigentlich gehören und diese Flächen planmäßig für solche Situationen freizugeben. Das hat man ignoriert“, sagte Dörfler. Nach Ansicht des BUND können mit ausreichend Überflutungsflächen auf Dauer Pegelstände von Flüssen auf natürliche Weise gesenkt werden – und das Risiko von Flutkatastrophen gemindert werden. Gänzlich verhindern könne man diese nicht, denn der Mensch habe über Jahrzehnte hinweg in die Natur eingegriffen.

„Halle-Neustadt zum Beispiel hätte nie gebaut werden dürfen“, sagte Dörfler. Es sei schon ein Irrsinn zu DDR-Zeiten gewesen, diese Stadt damals für Zehntausende Menschen in einem Sumpfgebiet aus dem Boden zu stampfen. Dafür müsse bis heute über eine sogenannte Brunnengalerie das Grundwasser der Plattenbausiedlung, die heute ein Stadtteil von Halle ist, in Kanäle gepumpt werden. In Halle-Neustadt waren vorige Woche rund 30 000 Menschen aufgefordert worden, ihre Wohnungen wegen des Hochwassers der Saale in Sachsen-Anhalt zu verlassen. Der Fluss hatte mit über 8 Metern einen so hohen Wasserstand wie seit 400 Jahren nicht mehr erreicht – innerhalb von wenigen Tagen.

http://www.mz-web.de/hochwasser/hochwasser-in-sachsen-anhalt-elbe-experte-wirft-politik-versagen-beim-hochwasserschutz-vor,20642022,23265278.html

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