Der Krisenstab

Veröffentlicht: Juni 12, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Rund 40 Leute sorgen im Innenministerium dafür, dass die Sandsäcke an den Deichen ankommen

Seit Tagen kämpft Brandenburg mit Hochwasser. Helfer werden geschickt, wenig später abgezogen und woanders eingesetzt. Im Krisenstab versucht man den Überblick zu behalten.

Knapp 1,9 Millionen Sandsäcke liegen an den Deichen. 3000 Helfer sind rund um die Uhr im Einsatz, Hubschrauber bringen Material in die Krisengebiete.

Bei Flutkatastrophen muss die Logistik klappen. Herzstück dafür ist der Krisenstab, der in Brandenburg einen sperrigen Namen trägt: Koordinierungszentrum Krisenmanagement. Er ist im Innenministerium angesiedelt. Seit mehr als einer Woche wirken dort rund 40 Mitarbeiter. Bislang tun sie es mit Erfolg. Bis auf einen Dammbruch bei Arnsnesta an der Schwarzen Elster haben die Deiche im Bundesland gehalten. Noch ist die Gefahr aber nicht gebannt. Im Norden ist die Situation angespannt und das Hochwasser wird noch lange auf die durchweichten Dämme drücken.

»Drei Millionen Sandsäcke haben wir im Grundbestand«, berichtet Cheflogistiker Hagen Bodinka von der Landesschule und Technischen Einrichtung für Brand- und Katastrophenschutz. Fast zwei Drittel sind bereits verbaut, rund eine Million allein in der Prignitz. Immer wieder werden Sandsäcke nachbestellt, auch wenn die Preise dafür derzeit steigen. »Was gebraucht wird, besorgen wir«, sagt der 52-Jährige.

In der Regel werden die Materialien im Katastrophenschutzlager in Beeskow abgerufen. Neben Sandsäcken lagern dort Abdichtfolien für Deiche, Schutzausrüstungen, Notstromaggregate, Pumpen und Schläuche. Der Bestand ergänzt, was die Landkreise selbst für den Fall der Fälle bereitliegen haben. Manchmal sind aber ganz spezielle Dinge nötig, beispielsweise Amphibienfahrzeuge oder Hubschrauber. Dann werden Bundeswehr oder Organisationen wie das Technische Hilfswerk um Hilfe gebeten. »Geht nicht, gibt’s nicht«, sagt Bodenka.

Weil es schnell gehen muss, sitzen im Krisenstab Feuerwehr, Polizei, Technisches Hilfswerk, Sanitätsdienste, Bundeswehr und Landesverwaltung. Im Kampf gegen das Hochwasser sollen weder Zeit noch Informationen durch unnötige Dienstwege verloren gehen. Im Ernstfall ist der Krisenstab des Innenministeriums innerhalb einer Stunde handlungsfähig, berichtet Sprecher Wolfgang Brandt. Mehr als eine Woche liegt hinter den Mitarbeitern, etwa eine Woche haben sie nach derzeitigen Schätzungen noch vor sich.

Dreimal täglich treffen sich die Fachleute zur Lagebesprechung am langen, ovalen Tisch. Ein überdimensionaler Touchscreen zeigt die jüngsten Meldungen aus den Hochwasserregionen, an den Wänden hängen Karten, Pegeltabellen und hydrologische Berechnungen von digitalen Geländemodellen. »Wenn nötig, können wir uns auch auf einen Helikopter schalten und die Situation aus der Luft betrachten«, erklärt Brandt.

Bei der Lagebesprechung wird die Situation analysiert. Einsatzkräfte und Material werden in Bewegung gesetzt. »Durchschnittlich 100 Mails und Faxe gehen bei mir ein«, schildert Roman Trummerer. Er sichtet die Bitten der Landkreise. Die Steuerung erfolgt allerdings durch die Krisenstäbe vor Ort. Das Krisenzentrum des Innenministerium arbeitet ihnen zu, übergeordnet ist es nicht.

Dafür erhalten die Mitarbeiter Lob. »Die Zusammenarbeit mit dem Potsdamer Krisenzentrum ist super«, schwärmt Prignitz-Landrat Hans Lange (CDU). »Die lesen uns förmlich unsere Materialwünsche von den Augen ab.« Auch im Team selbst scheint eine gute Stimmung zu herrschen. Trotz der Anspannung wird miteinander geflachst. Mit den Worten »Hier ist unser Herzstück«, zeigt Brand auf die kleine Küche des Krisenstabs. »Ohne Mampf kein Kampf« lautet das Credo.

URL: http://www.neues-deutschland.de/artikel/824216.der-krisenstab.html

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