Bricht der Notdeich in Neu Darchau?

Veröffentlicht: Juni 12, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

Es ist voll am Notdeich in Neu Darchau. Die Straße steht voll mit Treckern und anderen Fahrzeugen und mit rund 1.000 Paletten voller Sandsäcke. Zehntausende wurden heute schon verbaut, weitere 100.000 sollen noch aufgetürmt werden. Denn der Behelfs-Deich sackt ab, es dringt Wasser durch. Zu den zunächst rund 500 Kräften von Feuerwehr, THW und Bundeswehr kommen immer mehr hinzu. Sie stapeln die Sandsäcke als zusätzlichen Schutzwall gegen das Hochwasser direkt hinter dem durchweichten Notdeich. „In einer derartigen Lage waren wir bisher noch nicht“, sagt Volker Peters, THW-Sprecher, über seinen Einsatz in Neu Darchau. Mit solchen Wassermassen wie jetzt hatte man dort noch nie zu tun.

Etwa 50 Anwohner in der Gefahrenzone

Mirko Tügel von der Feuerwehr Elbtalaue spricht von einem erheblichen Restrisiko, dass der Deich wegrutscht. Ein NDR 1 Niedersachsen Reporter berichtete am frühen Abend aus Neu Darchau, der Deich sacke deutlich erkennbar nach hinten weg. Die Anwohner seien aufgefordert, Autos aus der Gefahrenzone zu entfernen und sich im oberen Stockwerk ihres Hauses aufzuhalten. Bis zu 50 Menschen sind es, die akut um ihre Wohnungen bangen müssen. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) geht aktuell davon aus, dass das Wasser noch etwa zwei Tage lang hoch am Deich stehen wird – so lange muss der provisorische Schutz mindestens noch standhalten.

Wussegel: Grundwasser drückt Straße nach oben

In der Nacht zu Mittwoch verstärkten Tausende Helfer die Deichfüße mit Sandsäcken – vor allem zwischen Wussegel (Landkreis Lüchow-Dannenberg) und Penkefitz tauchen jetzt sogenannte Blasen hinter den Deichen auf. Hier hat sich die Elbe unterirdisch verbreitet und sprudelt 20 bis 30 Meter im Hinterland wieder an die Oberfläche. Auch diese Quellen müssen mit Sandsäcken in Schach gehalten werden. Je nasser der Boden, desto schwieriger wird dies allerdings. Die Feuerwehrleute stehen an manchen Stellen schon bis zu den Knien im Matsch.

Hitzacker: Treibgut gefährdet Spundwand

Weiterhin bedrohen schwimmende Bäume und Äste die Deiche – und in Hitzacker (Landkreis Lüchow-Dannenberg) auch die dünne Spundwand, die die Altstadtinsel sichern soll. Nach Angaben der Sprecherin haben die Einsatzkräfte in den vergangenen drei Tagen schon rund 50 Tonnen Treibgut aus der Elbe gefischt. Wie lange die Deiche der Belastung durch das Wasser standhalten, weiß niemand. „Mit solchen Wassermassen haben wir keine Erfahrungen“, sagte Achim Stolz, Sprecher des NLWKN, NDR.de. Die Durchhaltefähigkeit sei abhängig von Faktoren wie Konstruktion, Pflegezustand und Lage. Entlang des niedersächsischen Elb-Abschnitts sei nach modernen Standards gebaut worden. Allein zwischen Hitzacker und Wussegel seien die Deiche noch nicht modernisiert worden.

Vietze: Zahlreiche Häuser unter Wasser

Um bei Gefahrenstellen möglichst früh eingreifen zu können, gehen rund um die Uhr Deichläufer die gesamte Deichstrecke ab. Sie kontrollieren, ob es irgendwo Schwachstellen gibt, und informieren in einem solchen Fall gleich die Experten. Doch es kann auch passieren, dass ein Deich nicht gehalten werden kann. So ist in Vietze (Landkreis Lüchow-Danneberg) am Dienstag ein Notdeich umgekippt, sodass seither zahlreiche Häuser unter Wasser stehen. Damit nicht auch die Landesstraße 256 zwischen Meetschow und Gartow überflutet wird, ist dort eine zweite Deichlinie aus Sandsäcken errichtet worden.

Landkreis Lüneburg: Keine Helfer mehr nötig

Im Landkreis Lüneburg ist der Höchststand der Elbe erreicht. Trotzdem: „Es ist ein Stück weit Beruhigung eingetreten“, sagte Bürgermeister Jens Böther (CDU) NDR 1 Niedersachsen. „Man weiß, hier steht ein Rekordhochwasser am Deich und wir haben noch einiges vor uns.“ Trotzdem werden laut Pressemitteilung des Landkreises vom Mittwoch keine Helfer mehr benötigt. Die Erhöhung der Deiche sei bis auf fünf Kilometer abgeschlossen. Schlechte Nachrichten gibt es aber auch aus dem Landkreis – für die Schüler: „Sollte die Lage weiter ruhig bleiben, dann ist auch die Wiederaufnahme des Schulbetriebs am Montag wieder möglich“, hieß es.

Bund und Land garantieren 40 Millionen Euro Soforthilfe

Unterdessen hat die niedersächsische Landesregierung beschlossen, den Opfern des Hochwassers Soforthilfen in Höhe von 40 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Die eine Hälfte davon übernimmt der Bund, die andere das Land, wie Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Hannover mitteilte.

http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/hochwasser1271.html

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