Bernreiter gilt als einflussreich und ministrabel

Veröffentlicht: Juni 12, 2013 von fluthelfer in Deggendorf

 

2002 zog er für die CSU ins Landratsamt ein. Vorher hat er Stahlbauingenieur studiert, den elterlichen Betrieb übernahm er mit 32. Bei den vergangenen Wahlen holte er gegen drei Gegenkandidaten im ersten Durchgang mehr als 60 Prozent. Bernreiter sei fähig, engagiert, kein Polarisierer, sagt ein SPD-Mann. Ob seine Partei diesmal einen Gegenkandidaten aufstellen werde, wisse er nicht. „Eigentlich kann es dann nur aus taktischen Gründen sein, wenn jemand in den Kreistag will.“

Aber vielleicht sucht Bernreiter sich ja selbst eine neue Aufgabe, weil ihm Deggendorf allmählich zu klein wird. In der CSU gilt der Niederbayer als einflussreich und ministrabel, der von Ministerpräsident Horst Seehofer angedachte Heimatminister wäre vielleicht eine Option. Vertraute sagen, so eine Herausforderung könnte ihn reizen. Doch ohne Mandat werde der vierfache Familienvater sicher nicht nach München wechseln. Auch politische Freunde raten ihm ab. Landräte seien heute die Fürsten von früher, sagt sogar Seehofer.

In München wäre er einer von vielen. Dann lieber Präsident des Landkreistages. 2010 unterlag Bernreiter in einer Kampfabstimmung seinem Parteifreund Jakob Kreidl, den inzwischen eine Plagiatsaffäre eingeholt hat. Es gibt nicht wenige Landräte, die Bernreiter auch so für den besseren Kreidl halten. Bernreiter sagt zu allen Spekulationen nur, dass er sich in zwei Wochen wieder für die Landratswahl 2014 nominieren lassen wolle. „Für volle sechs Jahre.“

Amtiert in Deggendorf der perfekte Landrat?

Wer sich in Deggendorf umhört, gewinnt den Eindruck, hier amtiert der perfekte Landrat. Nie unbeherrscht, stets ansprechbar, immer hilfsbereit sei Bernreiter, seine vielleicht einzige Schwäche allenfalls der FC Bayern. Zum Finale der Champions-League flog er jedoch erst, nachdem er auf dem Hinweg noch einen Abstecher bei der Krönung der Lallinger Mostkönigin gemacht hatte. Pünktlich zum Anpfiff war er beim Spiel.

Die größten Defizite aus Sicht des SPD-Mannes: Bernreiter spreche zu sehr Dialekt. Auch im Fernsehen sagt er „überoi“ statt überall oder „des“ anstelle von das. Man kann das auch für authentisch halten. Wenn Minister und der Regierungschef sich so wie jetzt die Klinke in die Hand geben, findet Bernreiter die richtigen Worte, in beständiger Hartnäckigkeit. Geld und nochmals Geld brauche der Landkreis jetzt, sonst nichts.

Es ist später Nachmittag, vom Bischof hat Bernreiter sich verabschiedet. Vor dem abendlichen Fernsehauftritt wolle er sich noch kurz hinlegen, sagt der Landrat. Innerhalb der nächsten Stunde wird er dreimal in seinem Büro angerufen haben.

Quelle und Bearbeiter: SZ vom 13.06.2013/dayk

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