Jetzt steigt der Druck auf die Deiche

Veröffentlicht: Juni 11, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

 

Die Wasserstände haben in weiten Teilen des niedersächsischen Elb-Gebietes ihre Höchstwerte erreicht. In der vergangenen Nacht haben sich die Pegelstände kaum verändert. „Seit 30 Stunden steht das Wasser in Schnackenburg auf stabilem Niveau“, teilte Ernst-August Schulz von der Kreisverwaltung Lüchow-Dannenberg heute Morgen mit. Ein Grund zur Erleichterung ist das allerdings nicht, wie Achim Stolz, Sprecher des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) NDR.de sagte. „Wir müssen mehrere Tage mit sehr hohen Wasserständen rechnen, die höher sind als alle Rekorde der vorherigen Hochwasser.“ Die Deiche seien dadurch extremen Belastungen ausgesetzt. Ob sie dem hohen Wasserdruck standhalten werden, darüber kann Stolz nur spekulieren. „Mit solchen Wassermassen haben wir keine Erfahrungen“, sagte er.

Kurvenbereiche sind gefährdet

Die Durchhaltefähigkeit eines Deiches sei abhängig von Faktoren wie Konstruktion, Pflegezustand und Lage, sagte Stolz. So seien etwa Deiche, die nach moderner Bauweise gebaut wurden, sicherer. Sie bestehen aus einem Sandkern, dessen Krone und Wasserseite mit einer dicken Lehmschicht abgedeckt ist und haben nur eine flache Böschung an der Wasserseite. Über einen Deichverteidigungsweg auf der Landseite können Fahrzeuge im Notfall Sandsäcke zu einer gefährdeten Stelle transportieren. Nahezu alle Deiche entlang des niedersächsischen Elb-Abschnitts seien nach diesen modernen Standards gebaut, sagte Stolz. Ein Abschnitt zwischen Hitzacker und Wussegel sei allerdings noch nicht modernisiert worden. „Da muss man ein Auge drauf haben.“ Auch Neu Darchau sei ein neuralgischer Punkt, weil dort nur ein Notdeich aufgeschüttet worden sei, der schnell durchweichen könne. Gefährdet seien außerdem Kurvenbereiche, da dort das Wasser besonders hohen Druck auf den Deich ausübe.

„Auf weitere Schadstellen einstellen“

Noch halten die meisten Deiche. Doch immer wieder gibt es schon jetzt kleine Beschädigungen. Wie etwa in Neu Darchau, wo in der vergangenen Nacht nach Angaben einer Sprecherin des Krisenstabs Lüchow-Dannenberg ein Notdeich abrutschte, den Taucher am Morgen wieder instand setzten. In Wussegel kommt inzwischen Sickerwasser aus dem Deich. Fachleute überprüfen das Problem. In Barnitz floss Wasser auf halber Höhe aus dem Deich. Die undichte Stelle konnte inzwischen wieder abgedichtet werden. „Man muss sich darauf einstellen, dass aufgrund des lang anhaltenden Hochwassers in den nächsten Tagen noch weitere Schadstellen auftreten werden“, heißt es in einem Protokoll zur Lagebesprechung des Krisenstabs von gestern Abend.

Deichläufer begutachten die Deiche

Um bei Gefahrenstellen möglichst früh eingreifen zu können, gehen rund um die Uhr Deichläufer die gesamte Deichstrecke ab. Sie kontrollieren, ob es irgendwo Schwachstellen gibt und informieren in einem solchen Fall gleich die Experten. Doch es kann auch passieren, dass ein Deich nicht gehalten werden kann. So ist in Vietze gestern ein Notdeich umgekippt. Heute stehen von den rund 50 betroffenen Häusern noch etwa die Hälfte unter Wasser. Damit nicht auch die L 256 zwischen Meetschow und Gartow überflutet wird, soll dort eine zweite Deichlinie errichtet werden. Dabei handelt es sich nach Angaben einer Sprecherin vom Krisenstab um eine reine Vorsorgemaßnahme, falls die erste Schutzlinie nicht halten sollte.

Angespannter „Dauerkribbelunruhezustand“ in Bleckede

In Bleckede und Neu Darchau sind derweil die Vorbereitungen für Evakuierungen abgeschlossen. Allerdings dürfen die Anwohner noch in ihren Wohnungen bleiben. Zurzeit ist unklar, ob die Menschen evakuiert werden müssen. Sicherheitshalber wurden aber die Einwohner von Altenheimen in Neuhaus und Strachau evakuiert. Auch die Bewohner des Pflegeheims „Zarrenthiner See“ in Neuhaus sollen heute in Sicherheit gebracht werden. In Bleckede sitzen Senioren und Mitarbeiter des Albert-Schweitzer-Familienwerks auf gepackten Koffern. Über dem gesamten Ort hänge ein „Dauerkribbelunruhezustand“, sagte der evangelische Superintendent Christian Cordes. Überall herrsche eine Mischung aus Normalität und Spannung. Cordes bemüht ein norddeutsches Sprichwort: „Vor dem Feuer kannst du weglaufen – aber nicht vor dem Wasser.“

Bund und Land garantieren 40 Millionen Euro Soforthilfe

Unterdessen hat die niedersächsische Landesregierung beschlossen, den Opfern des Hochwassers Soforthilfen in Höhe von 40 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Die eine Hälfte davon übernimmt der Bund, die andere das Land, wie Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Hannover mitteilte. Am Mittwoch wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gemeinsam Hitzacker besuchen und sich die aktuelle Lage anschauen.

http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/hochwasser1271.html

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