Deiche wie Pudding

Veröffentlicht: Juni 11, 2013 von fluthelfer in Madgeburg

 

Sachsen-Anhalt will den Hochwasserschutz beschleunigen. Es geht um neue und höhere Deiche, um mehr Überflutungsflächen. Eigentümer- und Verbandsrechte könnten beschnitten werden.

Der Elbdeich bei Fischbeck ist gebrochen. Riesige Wassermengen strömen ins Land, Anwohner müssen ihre Häuser verlassen. Der Deich bei Hohengöhren ist weich wie Pudding, niemand gibt mehr Garantien.

Auch der Wall der Umflut um Magdeburg hat einige prekäre Stellen: Bei Pechau steht das Wasser höher als die Deichkrone, nur Sandsäcke verhindern ein Überströmen. Zum Glück ließ der Druck gestern nach. Des einen Glück ist des anderen Unglück: Das Wasser ging in Magdeburg schneller zurück als vorhergesagt, weil bei Klein Rosenburg ein Saaledeich dem Druck nicht mehr standhielt. „Es sind die alten, unsanierten Deiche, die betroffen sind“, sagt Burkhard Henning, Chef des Landesbetriebs für Hochwasserschutz. „Die neuen Deiche halten.“ Jedenfalls bis gestern.

Extremes Wetter, extreme Fluten

Die Hälfte der Deiche an der Elbe wurden seit 2002 saniert. An der Saale ist es erst ein Drittel. Noch am Beginn der Flut hatte Umweltminister Hermann Onko Aeikens stets betont, dass auch die nicht-sanierten Deiche nicht gleich unsicher seien. Das sagte er gestern so nicht mehr. „Eine Flut wie 2002 hätten die alten Deiche wohl auch noch mal ausgehalten – aber wir haben es jetzt mit der schlimmsten Flut seit Menschengedenken zu tun“, sagt jetzt Aeikens.

Bislang galt die 2002er Flut als Maß: Pegelmaximum plus ein Meter drauf – so wurden die Wälle saniert. Reicht das noch? „Wir müssen darüber reden“, meint Aeikens. Ebenso über die Bauverfahren, die oft viel zu lange dauern. „Wir brauchen mehr Überflutungsflächen, wo sich der Fluss ausdehen kann.“ Doch die meisten dieser Projekte stecken in der Planphase fest. Eigentümer, Denkmalschützer, Landwirte – es gibt viele Ein- und Widersprüche. „Ich bin auch für Denkmalschutz“, sagt Aeikens. „Aber wenn ich sehe, dass Leute nach 2002 zum zweiten Mal absaufen, dann bekomme ich dazu ein anderes Verhältnis.“ Die Verfahren sollen beschleunigt werden. „Dann geht es auch um die Beschneidung von Bürger- und Verbandsrechten. Aber die Güterabwägung müssen wir treffen.“

Deichbrüche torpedieren auch andere Schutzaktionen. Beispiel Fischbeck. Da aus dem gebrochenen Damm das Wasser Richtung Havel strömt, müssen die gerade erst geöffneten Polder bei Havelberg wieder geschlossen werden, erklärt Henning. Andernfalls würde das System kollabieren. Die Überflutungsflächen sind eigentlich dazu da, Elbe-Wasser aufzunehmen, das derzeit in die Havel drückt. Die Äcker und Wiesen könnten ein Wassermenge aufnehmen, die doppelt so groß ist wie die Rappbodetalsperre. Damit könnten sie die Flut flussabwärts mildern. Könnten.

Die Zeit drängt, meint Aeikens. Die nächste große Flut komme bestimmt. „Offenbar haben die Klimaforscher recht: Wir müssen mit größeren Wetter-Extremen rechnen.“

1994 erwischte es den Harz. 1999 die Anrainer an der Oder. 2002 Tausende an Elbe und Mulde. Die Elbe-Hochwasser im April 2006 und Januar 2011 reichten fast an die 2002er Pegel heran. Die Flut 2013 übertrifft sie an vielen Orten um mehr als einen halben Meter.

http://www.volksstimme.de/nachrichten/sachsen_anhalt/1090290_Deiche-wie-Pudding.html

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