Warten auf die große Welle

Veröffentlicht: Juni 10, 2013 von fluthelfer in Hitzacker

 

Behörden evakuieren Hitzackers Stadtinsel – Notdeich in Neu Darchau abgerutscht – Mehrere Schulen bleiben geschlossen

rg Hitzacker. Gespenstisch ruhig ist es auf der Hitzackeraner Stadtinsel. Die Bewohner haben ihre Häuser verlassen, sind meist zu Freunden oder Verwandten gezogen, haben ihr Hab und Gut soweit es ging in Sicherheit gebracht vor dem, was sich da vor der Hochwasserschutzwand, die die Stadt-insel gegen die wütende Elbe abschirmt, zusammenbraut: ein Rekordhochwasser, mit einem Pegel von prognostizierten 8,45 Metern.

So hoch, dass die Behörden die am Freitag noch ausgesetzte Evakuierung des besonders gefährdeten Stadtteils Hitzackers angeordnet haben, und zwar bis gestern Abend, 20 Uhr. Jetzt ist nur noch Polizei in der Stadt, auf Patrouille, um die verlassenen Häuser vor ungebetenem Besuch zu schützen. Und so ist das lauteste Geräusch auf der Stadtinsel das Plätschern des Wassers, das durch die Fugen der Schutzmauer drückt und auf die Promenade läuft. Literweise zwar, aber harmlos. Und alle, nicht nur die Hitzackeraner Stadtinsulaner, hoffen, dass das auch so bleibt. Sie hoffen und warten auf die große Hochwasserwelle. Ab Dienstag wird sie in Hitzacker erwartet. Dann, spätestens aber Donnerstag, wird die Elbe dort ihren Höchststand erreichen, prognostitzieren die Behörden.

Eine Gefahr für die Hitzackeraner Hochwasserschutzmauer, diese Konstruktion aus Stahl und Aluminium, ist das Treibgut, das die Elbe tonnenweise mit sich führt. »Wenn ein schwerer Baumstamm gegen die Mauer rauscht, dann kann sie ernsthaften Schaden nehmen, der dann auch nicht mehr behoben werden könnte – weil da dann ja das Wasser mit unglaub- lichem Druck durchschießen würde», erklärt einer der Männer in den Booten, die unablässig vor der Stadt patrouillieren und eben dieses Treibgut ab- fangen, bevor es Schaden anrichten kann. DLRG-Boote sind im Einsatz, Feuerwehrboote, Boote der Wasserwacht, der Polizei und selbst der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Das, was sie herausfischen, landet am Ufer: Baumstämme, dicke Äste, aber auch Fässer, Reifen, und sogar ein Hochsitz, den die Fluten irgendwo mitgerissen haben.

Auch vor Neu Darchau fahren Boote auf Treibgut-Wache. Dort war am späten Sonn-abendnachmittag ein gut 60 Meter langes Stück des gerade errichteten Notdeiches instabil geworden und letztlich abgerutscht. Mehrere hundert Einsatzkräfte der Feuerwehr, des THWs und schließlich gestern auch der Bundeswehr und der Polizei arbeiten seither daran, den Wall, der große Teile Neu Darchaus gegen das aufziehende Elbhochwasser abschirmt, mit mehreren zehntausend Sand-säcken, Stahlmatten und Fließ wieder instand zu setzen. Dabei kamen auch speziell ausgebildete Taucher zum Einsatz.

Ebenfalls seit dem späten Sonnabend-Nachmittag werden im Kieswerk Tramm und an anderen Stellen im Landkreis auch wieder Sandsäcke befüllt. Viele hundert Menschen meldeten sich erneut als freiwillige Helfer, was es möglich machte, die zuvor gebundenen Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Bundeswehr abzulösen. Diese Kräfte werden nämlich an den Deichen gebraucht, um dort die Hochwasserschutzanlagen zu verstärken und in Teilbereichen auch weiter zu erhöhen. Denn an vielen Stellen würden die neu prognostizierten Rekord-Pegelstände der Elbe die Deich- kronen erreichen, und ein Überspülen der Deiche müsse unbedingt verhindert werden, hieß es noch gestern Abend aus dem Kreishaus, wo auch am Wochenende der Krisenstab täglich zweimal tagte.

Unterdessen forderte Landrat Jürgen Schulz (parteilos) den Bund und das Land auf, Konsequenzen aus dem nun bereits fünften bedrohlichen Hochwasser innerhalb von elf Jahren zu ziehen und ein abgestimmtes Hochwasserschutzkonzept auf den Weg zu bringen. »Da muss man ran, da müssen viele Fragen geklärt werden – auch wenn das lange dauert und schwer ist», so Schulz. »Vor 40 Jahren reichten die Hochwasser schon an die Deichkronen», erklärte Schulz. »Heute haben wir neue, viel höhere Deiche, und das Hochwassser kommt da wieder oben ran – das kann es doch nicht sein.»

Wegen des Hochwassers bleiben folgende Schulen geschlossen: die Grundschulen Neu Darchau, Dannenberg und Hitz- acker sowie das Fritz-Reuter-Gymnasium Dannenberg, die Bernhard-Varenius-Schule Hitz-acker und die Nicolas-Born-Schule Dannenberg bis einschließlich Freitag und die Elbtalschule Gartow, die Grundschule Gartow und die Freie Schule Hitzacker bis einschließlich Dienstag.

Quelle: ejz.de

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