Dammbruch lässt der Elbe freien Lauf

Veröffentlicht: Juni 10, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Im Kampf gegen drohende Überflutungen müssen die Einsatzkräfte in Sachsen-Anhalt einen herben Rückschlag hinnehmen: In der Nähe von Fischbeck gibt es einen massiven Bruch am Elbe-Deich. Der Ort ist überflutet. Weitere Städte und Dörfer werden zur Stunde evakuiert, während sich die Wassermassen der zu einem riesigen See angeschwollenen Elbe unkontrolliert ins Land ergießen.

Seit Samstag waren Hunderte Freiwillige an einem Elbdeich in Fischbeck (Sachsen-Anhalt) im Einsatz, um das Unheil abzuwenden. Am Sonntagmittag war für sie Schluss: Alle Zivilisten mussten augenblicklich das durchweichte Bauwerk verlassen und den Profis der Bundeswehr Platz machen. Mit schwerem Gerät und Helikoptern versuchten sie in einem Großeinsatz einen Deichbruch zu verhindern. Am Ende vergeblich, denn in der Nacht brach der Deich auf einer Länge von zehn Metern. Schnell wurden daraus 50 Meter – ein unglaubliches Tor, durch das sich die Wassermassen der zu einem riesigen See angeschwollenen Elbe ergießen. Der kleine Ort Fischbeck soll schon vollständig überflutet sein, dutzende weitere Orte – darunter Jerichow mit seinem romanischen Kloster – sind in höchster Gefahr. Fluchtartig müssen die Bewohner das Land verlassen.

Den Flüchtenden bleibt nur wenig Zeit. Die Wassermassen ergießen sich mit einer enormen Kraft in Richtung Osten, also in Richtung Brandenburg. Der Brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck hatte noch am Sonntag den gefährdeten Deich bei Fischbeck besucht und sorgenvoll auf sein Bundesland geschaut. „Ein Deichdurchbruch könnte Folgen für das Milower Land bis hinüber nach Rathenow haben“, sagte Platzeck noch vor Stunden. Das Dramatische an der Entwicklung: Zu dieser Zeit etwa waren zur Entlastung der Elbe-Hochwasser-Region rund um Wittenberge die Polder an der Havel geflutet worden. Die sind damit voll und nicht mehr in Lage, weitere Wassermassen aufnehmen zu können.

Die zehn Polder können bis zu 140 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. Die Flächen reichen von der südwestlichen Prignitz über Havelberg bis ins havelländische Rathenow. „Es ist möglich, dass dadurch in Rathenow einige Keller voll Wasser laufen können“, erklärte Bodo Schwiegk vom Landesumweltamt. Mit anderen Worten: Rathenow bekommt jetzt das Hochwasser von zwei Seiten ab. Noch hat sich der Katastrophenstab nicht zu dieser dramatischen Entwicklung geäußert. Vorerst werden Orte westlich Rathenows evakuiert – dazu gehören Kabelitz, Wust, Schönhausen Steinitz, Mangelsdorf und Klein Mangelsdorf im Landkreis Jerichower Land.

Weiterer Brennpunkt im Landkreis Stendal ist Höhengöhren, rund zehn Kilometer nördlich vom Fischbeck. Nach einer Deichrutsch auf 30 Metern Länge, wird dort zur Stunde versucht, ein Deichbruch zu verhindern. Die Lage ist kritisch. Die Menschen in Höhengöhren müssen unverzüglich ihre Häuser verlassen.

Sinkende Pegel

Aufgrund des massiven Deichbruchs in Fischbeck sinkt jetzt der Pegelstand bei Tangermünde rasant. Das könnte die nördlichen Regionen um Wittenberge entlasten.

In der Landeshauptstadt Magdeburg bleibt die Lage derweil angespannt, obwohl der Pegelstand der Elbe in der Nacht nach Aussagen einer Sprecherin des Krisenstabs „schneller als gedacht“ sank. Inzwischen liege der Pegel unter 7,30 Meter, er hatte zuvor einen Höchststand von 7,48 Meter erreicht. Der Deichbruch bei Fischbeck habe auf Magdeburg keine Auswirkungen, sagte die Sprecherin.

„Die Situation in Magdeburg ist im Moment unter Kontrolle“, sagte die Sprecherin weiter. „Grund zum Aufatmen oder zur Entwarnung gibt es aber noch nicht.“ Deshalb könnten die evakuierten Einwohner auch noch nicht in ihre Häuser zurück. In Magdeburg waren in den vergangenen Tagen insgesamt 23.500 Menschen zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert worden.

Heftige Unwetter in Sachsen

Nach heftigen Regengüssen hat es in Sachsen weitere Überschwemmungen, Erdrutsche und Schlammlawinen gegeben. Betroffen ist vor allem der Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge. Für Glashütte und Sebnitz wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Wegen eines Erdrutsches war am Abend zeitweise eine Straße zwischen Berggießhübel und Pirna blockiert. In vielen Orten, so auch in Zschorlau im Erzgebirge, wurden Grundstücke und Straßen überflutet. Keller liefen voll. In Königswalde bei Annaberg-Buchholz machte eine Schlammlawine den Rettungskräften zu schaffen. In Hochkirch im Landkreis Bautzen mussten Menschen per Hubschrauber in Sicherheit gebracht werden.

Zugverkehr betroffen

Wegen eines Dammbruchs bei Fischbeck musste die nahe gelegene Elb-Eisenbahnbrücke bei Hämerten gesperrt werden. Vor allem auf den Strecken von Hannover und Frankfurt/Main nach Berlin mussten sich Bahn-Reisende auf erhebliche Beeinträchtigungen und Zugausfälle einstellen. Die Bahn spricht von Verspätungen zwischen einer und drei Stunden. Sie richtete großräumige Umleitungen ein.

Auf bestimmten Teilstrecken fallen Verbindungen allerdings ganz aus. Zwischen Rathenow und Stendal in Sachsen-Anhalt verkehrt kein Regionalverkehr. Die Einrichtung eines Busnotverkehrs ist wegen des Hochwassers derzeit nicht möglich.

Die Bahn kündigte wegen der Störungen Kulanzregelegungen für Reisende an, die bis zum 23. Juni gelten. Die Ticketkosten für Fahrten in die Hochwassergebiete sollen erstattet werden. Informationen erhalten Reisende auf der Homepage der Bahn oder telefonisch unter 08000 99 66 33.

Quelle: n-tv.de

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