Xaver Waindinger hält im überfluteten Haus durch

Veröffentlicht: Juni 8, 2013 von fluthelfer in Fischerdorf

 


Der Fischerdorfer ist in seinem überfluteten Haus geblieben − Seine Frau versorgt ihn vom Damm aus über eine Tüte an einer Angelschnur
Eigentlich ist der Fischerweg in Deggendorf eine recht idyllische Wohngegend, eingereiht zwischen Donau und Isar. Die Hochwasserflut hat nun alles verändert. Xaver Wandinger hat hier ein Haus. Er ist einer der vielen Geschädigten, die in ihren Häusern geblieben sind. Wandinger hat die Katastrophe Tag für Tag, Stunde für Stunde in ihrem Zentrum miterlebt.

Ehefrau Gabi hat das Familienhaus zwei Tage, nachdem die Flut gekommen war, mit dem Boot der DLRG verlassen. Ehemann Xaver war nicht zu bewegen, das kampflos aufzugeben, was mühevoll in vielen Jahren aufgebaut wurde.

Noch rechtzeitig wurden Möbel oder Musikinstrumente der Töchter vom Erd- ins Obergeschoss geschleppt. Nur was fest eingebaut ist, wie etwa die neue Küche, steht rund einem Meter in der Wasserbrühe. Xaver Waindinger nimmt es mit Galgenhumor.

„Gott sei Dank gibt es keine Todesopfer zu beklagen, sondern es sind materielle Schäden“, meinte er zur Deggendorfer Zeitung, die ihm einen Besuch abstattete.
Über den neu gebauten Donaudamm, der bereits für ein 100-jährliches Hochwasser ausgerichtet ist, kann das Haus erreicht werden. Xaver Waindinger zeigte sich in der Not erfinderisch: Vom Hausobergeschoss aus spannte er mit einer Angelschnur einen Versorgungszug zum Damm, von wo aus ihn seine Ehefrau mit dem „Nötigsten“ versorgt. Dazu gehören auch Batterien fürs Handy, damit der Kontakt zur Außenwelt gesichert ist.

Die Männer vom städtischen Entwässerungsamt mit Alfons Straßer, Helmut Berthold und Manfred Spieß, kämpfen gleich neben der Maximiliansbrücke fieberhaft darum, dass das Schöpfwerk nicht ausfällt, weil sonst zusätzlich Donauwasser hinzukommen würde. „Wenn du etwas brauchst, dann schrei uns einfach“, haben sie Waindinger gesagt.

Die Wasserversorgung funktioniert noch, der Strom ist abgeschaltet, einige Flaschen Wein hat er auch noch im Haus, so dass das „Leben“ eigentlich recht gut zu ertragen wäre, wenn da nicht die stinkende Ölbrühe rund ums Haus schwimmen würde.

Im Keller, der aus einer sogenannten Betonwanne errichtet wurde und dennoch flutete, hat Waindinger seine Heizöltanks am Boden fest montiert. Sie sind deshalb nicht ausgelaufen, während in anderen Häusern, wo die Tanks aufgetrieben wurden, das Öl austrat. Weil das Wasser nur langsam abzieht, wird sich das Öl im Boden festsetzten, glaubt Waindinger und macht sich Sorgen um seinen Garten und die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen, wo nun alles schwimmt: Siloballen, Mülltonnen, Gartenmöbel, Fahrräder oder jede Menge Brennholz, das sich mit Öl vollsaugt. Auch hat er schon beobachtet, wie Schwalben aus der Brühe tranken und dann abstürzten, weil sie sich vergifteten. Vorbeigeschwommen sind farbige Koi-Karpfen aus Gartenteichen, die dann aber verschwunden sind. An einem Begrenzungspfosten auf dem Damm hat sich ein Bienenschwarm festgesetzt, beobachtet der Xaver vom Fenster aus. Zwei Rehe liefen den Damm entlang und wussten nicht wohin. Biber sind aus ihren Quartieren an der Isar zum Donaudamm geschwommen und haben versucht, neue Löcher zu graben. „Die wurden aber abschossen, um nicht noch weitere Schäden anzurichten“, sagte Waindinger und schließt sein Fenster, weil der Gestank auch durch das nun warme Wetter unerträglicher wird. Wenn heute, Samstag, das Wasser weiter zurück geht, dann will er sein Haus verlassen, nicht mit dem Boot, sondern in Gummistiefel.

Xaver Waindinger lobte trotz des Elends die Stadt, die den Ausbau des Donaudamms vorangetrieben hat, der den Wassermassen − anders als der alte Isardeich − Stand gehalten hat. Sonst wäre eine noch größere Katastrophe über Fischerdorf hereingebrochen.


http://www.pnp.de/region_und_lokal/landkreis_deggendorf/

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