Papierfabrik Golzern bei Grimma verlagert den Standort

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in Grimma

 

Das Hochwasser hat Tausende privat getroffen. Doch auch die Wirtschaft spürt die Folgen der Flut. Viele Unternehmen haben ihren Sitz in der Nähe von Flüssen. Wo diese über die Ufer traten, stehen nun Arbeitsplätze auf der Kippe. Ralf Geißler hat sich umgehört, wie die Wirtschaft das Hochwasser verkraftet.

Ein Unternehmer muss auch im Chaos seine Würde wahren. Martin Röhrenbeck trägt ein weißes Hemd. Die Flut hat ihn schon ein zweites Mal getroffen. Die Mulde schwappte Anfang der Woche durch seine Papierfabrik Golzern bei Grimma. Nun läuft Röhrenbeck über Schutt und Unrat zu einer Halle, die ein Generator notdürftig mit Strom versorgt. „Das ist eigentlich unsere Hauptproduktionshalle hier. Da hinten in der Ecke kann man noch die Verpackungsmaschine und die Verpackungsstraße erkennen. Das ist alles komplett von der Flut überschwemmt worden. Die Motoren sind nicht mehr brauchbar, die sind festgesetzt mit Schlamm ähnlich wie die Schaltschränke.“

Hoffen auf Hilfe vom Staat

 

Den Gesamtschaden beziffert Röhrenbeck auf mindestens zehn Millionen Euro. Produzieren kann er hier nichts mehr. Die Hochwasserfolgen spüren viele Unternehmen – auch solche, die nicht an Flüssen sitzen. Denn Wirtschaft ist ein komplexes Gebilde. Bei Porsche in Leipzig etwa ging gestern eine Schicht lang nichts mehr. Geschäftsführer Siegfried Bülow: „Wir haben Schwierigkeiten mit unseren Materialtransporten. Insbesondere aus Bratislava bekommen wir Karosserien. Und die Züge, die über das Elbtal nach Deutschland fahren, sind natürlich im Moment sehr behindert, so dass wir von Tag zu Tag schauen müssen, wie sich die Situation entwickelt und so steuern wir unsere Produktion.“

Auch bei VW Zwickau standen die Bänder schon still. Wie hoch der Schaden der Flut am Ende sein wird, lässt sich nicht beziffern. Thomas Brockmaier hofft jetzt auf den Staat. Der Hauptgeschäftsführer der IHK Halle-Dessau fordert, dass Vorschriften in diesen Zeiten nicht so streng ausgelegt werden. „Bei Lenkzeiten beispielsweise von LKW-Fahrern. Da sind Kipplasterfahrer, die hören auf zu fahren, weil sie bei einer Überschreitung der Lenkzeit das ein Jahr in ihren Büchern stehen haben und da muss man Leine geben und sagen: Ihr könnt das machen.“

Mancher will nicht wieder am Fluss bauen

Bislang hat die Politik vor allem Geld versprochen – wenn auch nicht viel. In Sachsen gibt es 1.500 Euro Soforthilfe für Unternehmer. Manche lächeln darüber, Papierfabrikant Röhrenbeck tut das nicht. „Also, es nutzt in der Tat jeder Euro etwas. Natürlich haben wir ganz andere Summen zu stemmen, um wieder neu anfangen zu können. Aber 1.500 Euro wenn ich es allein für meine Belegschaft rechne, wären das für jeden 25 Euro und die möchte ich natürlich keinem verwehren.“ Röhrenbeck will seine Fabrik wieder aufbauen – allerdings nicht an der Mulde. Der Geschäftsführer sucht einen neuen Standort, höher gelegen. Denn bei der nächsten Flut zahlt die Versicherung vermutlich nichts mehr. Zurück werden leere Hallen bleiben. Direkt am Ufer der Mulde enden dann 150 Jahre Papierverarbeitung.

http://www.mdr.de/mdr-info/hochwasser-und-wirtschaft100.html

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