Mühlberger fühlen sich in Notquartieren geborgen

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in Mühlberg

 

Im Amt Elsterland werden seit Mittwochabend die ersten Mühlberger in Notquartieren betreut. Wegen des bedrohlich steigenden Hochwassers sind sie der Aufforderung gefolgt, sich in Sicherheit zu bringen. Die freiwilligen Feuerwehren haben zwei Turnhallen für sie hergerichtet.

Normalerweise wird in der Tröbitzer Turnhalle Badminton oder Fußball gespielt. Jetzt stehen dort Bierzeltgarnituren zum Sitzen und Doppelstockbetten. Die Halle ist vom Krisenstab des Landkreises Elbe-Elster ebenso wie die in Schönborn als Notquartier für vom Hochwasser bedrohte Mühlberger bestimmt. Etwa 40 Kameraden der freiwilligen Feuerwehren haben sie am Mittwochabend hergerichtet. „Die ersten Mühlberger standen gegen 18 Uhr vor der Tür. Gegen 22 Uhr sind endlich die Betten vom Katastrophenschutzlager Beeskow eingetroffen. Decken kamen erst um Mitternacht. 0.30 Uhr hatten wir alles aufgebaut“, schildert Gerald Schmidt, stellvertretender Amtsbrandmeister Anlaufschwierigkeiten.

160 Schlafplätze werden in Tröbitz vorgehalten, 40 in Schönborn. Weitere Betten sind noch in Reserve. Aber bis gestern machten die Mühlberger nur verhalten Gebrauch von dem Angebot. Knapp 50 Personen, darunter etliche Kinder, sind bis Mittag eingetroffen.

Wolfgang Frase und der 81-jährige Werner Schröter haben nicht lange gezögert.

Mit dem Nötigsten machten sie sich auf nach Tröbitz. Als im Fernseher neueste Nachrichten von Mühlberg vermeldet werden, verharren sie vor dem Bildschirm. 10,20 Meter Pegelstand werden erwartet, heißt es. „2002 haben alle vom Jahrhunderthochwasser gesprochen. Jetzt, zehn Jahre später, sind schon wieder 100 Jahre vorbei“, scherzt Wolfgang Frase trotz allem.

Auch wenn in der ersten Nacht kaum einer richtig schlafen konnte, sind alle des Lobes voll über die gute Betreuung. „Wir sind sehr herzlich aufgenommen worden“, sagt Sindy Winkler, die mit insgesamt zwölf Verwandten in Tröbitz ist. „Wenn es so entspannt läuft, wird man ruhiger“, sagt sie. „In einer Stunde standen alle Betten“, würdigt Wolfgang Frase Fleiß und Organisation.

Die 59-jährige Eveline Bloch ist seit gestern Mittag in Tröbitz. „Eigentlich wollte ich zu meinem Bruder, aber dort ist es nicht behindertengerecht“, erklärt sie. Schnell ist ein Brett für den Turnhalleneingang gefunden – Eveline Bloch kann so problemlos rein- und rausrollen und dreht mit Hündchen Lisa gleich eine Runde durchs Industriegebiet.

Carola Schröter, Silvio Heinrich und Roland Girke vom Verpflegungstrupp des DRK-Verbandes Elbe-Elster Nord haben Nudeln mit Tomatensoße zu Mittag gekocht. Girke ist seit 6 Uhr morgens auf den Beinen. 22.30 Uhr am Mittwoch kam die Einsatzmeldung. Bis Sonntag sind die Schönborner für die Mittagsversorgung verantwortlich.

Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist enorm. Martina Reichardt aus Bad Liebenwerda und Rettungsschwimmerin Sybille Zipke vom Wonnemar bringen Spiel- und Badesachen. „Dann können die Mühlberger das Erlebnisbad neben der Turnhalle benutzen“, lädt Schwimmmeister Maik Gentsch ein.

Anke Lindner aus Tröbitz war Stunden vor Ort, muss dann aber zur Schicht im Supermarkt in Doberlug-Kirchhain. „Nach 21 Uhr schaue ich noch mal vorbei“, kündigt sie an. Die Tröbitzer Kita bietet an, Mütter mit Kleinkindern aufzunehmen. „Das läuft hier sehr gut“, freut sich Notfallseelsorgerin Elke Greißner, die auch schon zum zweiten Mal nach dem Rechten schaut.

 

 

Quelle: http://www.lr-online.de

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