Der Norden rüstet sich für die Elbfluten

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in im Norden

Das Hochwasser stellt Teile Deutschlands weiter vor große Probleme. In Magdeburg steht das Wasser schon höher als bei der Flut 2002. Die nördlichen Bundesländer bereiten sich mit Millionen Sandsäcken auf das Schlimmste vor.

Der Überblick.

In Sachsen hat das Hochwasser die höchsten Pegelstände teilweise schon erreicht, nun bedrohen die Fluten zunehmend den Norden Deutschlands.n“Das wird ganz knapp“, sagte ein Sprecher des Brandenburger Innenministeriums in der Nacht. Kritisch ist die Lage laut der Koordinierungsstelle Katastrophenschutz vor allem in Mühlberg an der Elbe. Dort stieg das Wasser in der Nacht bis auf 9,88 Meter. Am Freitagmittag soll der Höchststand erreicht werden. Stündlich nimmt der Wasserstand um knapp einen Zentimeter zu. „Die Lage ist ganz, ganz schwierig“, sagte Wolfgang Brandt von der Koordinierungsstelle.

Angelegt sind die Deiche in der Stadt auf zehn Meter Wasserhöhe, 2002 stieg das Hochwasser auf 9,98 Meter. Die 2100 Einwohner, die Mühlberg freiwillig verlassen sollten, sind bisher zu großen Teilen geblieben. Das größte Problem ist laut der Koordinierungsstelle nicht die Höhe des Wasserstandes, sondern die Dauer des Hochwassers. Brandt rechnet damit, dass es noch etwa eine Woche lang Druck auf die Deiche ausüben wird.

Auch in Sachsen-Anhalt ist die Lage weiter angespannt. Teile von Bitterfeld und der nahen Gemeinde Muldestausee werden evakuiert. In dem Gebiet leben rund 10.000 Menschen. Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld forderte sie auf, sofort ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Hintergrund: Wegen Sicherungsmaßnahmen am Lober-Leine-Kanal am Seelhausener See erhöhe sich die Gefahr eines Wassereinbruchs in den Goitzschesee. Wenn Wassermassen unkontrolliert in den See laufen, könnten Teile von Bitterfeld überflutet werden.

Der Druck auf die Dämme in Halle an der Saale sinkt, bleibt aber laut dem Krisenstab der Stadt enorm hoch. Am Morgen ging der Pegelstand in Halle-Trotha auf 7,45 Meter zurück. Das waren fast zehn Zentimeter weniger als in der Nacht. Die Entwicklung sei insgesamt positiv. Die Lage stabil, aber weiter sehr ernst.

In Magdeburg hat der Pegelstand der Elbe die Marke des Hochwassers von 2002 überstiegen. Damals wurden 6,72 Meter gemessen, inzwischen sind es 6,97 Meter – und das Wasser soll weiter steigen, der Scheitel wird erst für Sonntag erwartet. Normal sind für die Elbe in Magdeburg knapp zwei Meter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Betroffenen in den Flutgebieten am Donnerstag erneut Unterstützung versprochen. „Ich glaube, dass man sich darauf verlassen kann, dass das Menschenmögliche getan wird“, sagte sie bei einem Besuch in Bitterfeld.

Im Kampf gegen die Wassermassen kam am Donnerstagabend in Wittenberg ein 74 Jahre alter Mann ums Leben. Er wurde von einem Baufahrzeug erfasst.

In Sachsen hatte das Elbe-Hochwasser seinen Höhepunkt am Donnerstag erreicht. In Dresden verharrte der Fluss stundenlang bei 8,76 Metern. Seither ist die Situation in der Stadt nach Angaben eines Sprechers stabil. Während Stadtteile im Osten und Westen unter Wasser standen, blieb die historische Altstadt bisher verschont.

In Niedersachsen dürfen die Menschen wieder hoffen: Die Prognosen für die höchsten Pegelstände wurden deutlich nach unten korrigiert. Für die besonders bedrohte Kleinstadt Hitzacker erwartet die Hochwasserzentrale nun für Dienstag und Mittwoch Höchststände von 7,65 Metern – 1,15 Meter weniger als noch vor zwei Tagen. Die auf einer Insel gelegene Altstadt wird trotzdem bis Sonntag evakuiert. „Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Ab einem bestimmten Pegel muss der Landkreis handeln“, sagte ein Sprecher des Kreises Lüchow-Dannenberg. Der Kreis geht demnach von einem Pegelstand der Elbe von 8,15 Metern aus.

Im Landkreis Lüneburg waren in der Nacht erneut Hunderte Helfer im Schichtdienst im Einsatz. Nun hätten aber fast alle Deiche die erforderliche Höhe. „Jetzt heißt es, den Status quo zu halten und die weitere Entwicklung abzuwarten“, sagte Sigrid Ruth vom Einsatzstab des Landkreises. Bereits eine halbe Million Sandsäcke seien im Kreis Lüneburg gefüllt worden.

URL: http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-norddeutschland-ruestet-sich-fuer-elbe-hochwasser-a-904289.html

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