So teuer wird die Flut für Dresden und Halle

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Dresden, Halle

 

Dresden bangt, Halle versinkt: Das Hochwasser hat Deutschland weiter fest im Griff. Auf die Bundesländer kommen Milliardenkosten zu. Während der Bundestag heute über Hilfen berät, kämpfen Sachsen-Anhalt und Bayern weiter gegen die Wassermassen. In Niedersachsen steht das Schlimmste wohl noch bevor.

Sachsen rechnet mit Hochwasserschäden in Milliardenhöhe. Der Leiter des neuen Wiederaufbaustabs in der Staatskanzlei, Fritz Jaeckel, geht von zwei bis 2,5 Milliarden Euro aus.

Der Stab will sich um Geld aus dem EU-Solidaritätsfonds für Katastrophenfälle bemühen. Voraussetzung sei eine nationale Schadenssumme von mindestens 3,67 Milliarden Euro. Das komme in Sachsen, Bayern, Thüringen und Brandenburg gemeinsam zusammen.

Der EU-Haushaltskommissar Janusz Lewandowski hatte angesichts laufender Haushaltsverhandlungen in Brüssel jedoch gewarnt, diese Kasse sei leer: «Wir sind ohne Mittel, auf jeden Fall für den Solidaritätsfonds», sagte der Kommissar.

Bundestag berät, Städtetag fordert Soforthilfe

Die Flutkatastrophe beschäftigte am Donnerstag den Bundestag. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte den von Flutschäden Betroffenen weitere Unterstützung zu, die über die Soforthilfe des Bundes von 100 Millionen Euro hinaus gehen soll. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte: «Wir lassen die betroffenen Menschen nicht allein.»

Im Bundestag diskutierten die Fraktionen am Vormittag über die Folgen und Konsequenzen der Rekordflut. Schäuble sagte, es werde alles getan, um die langfristigen Schäden zu beheben. «Darauf können sich alle verlassen.» Lammert dankte wie Schäuble den Helfern vor Ort, insbesondere den vielen Freiwilligen. Erneut werde die Erfahrung gemacht, dass Not und Leid einhergingen mit Tatkraft und Hilfe sowie einer «eindrucksvollen menschlichen Zuwendung».

Der Deutsche Städtetag hält angesichts der enormen Schäden in den Hochwasser-Regionen weitere Hilfen des Bundes für unumgänglich. «Die 100 Millionen Euro des Bundes sind als Soforthilfe angekündigt und als solche wichtig zur kurzfristigen Unterstützung», sagte Städtetagspräsident Ulrich Maly der Saarbrücker Zeitung. Die Schäden würden voraussichtlich aber deutlich höher sein.

Flutwelle rollt auf Niedersachsen zu

Indes hat das Hochwasser auf Elbe, Donau und Saale weite Teile Deutschlands weiter fest im Griff. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. In Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Bayern drohten in der Nacht noch Überflutungen, auch wenn das Wasser der Flüsse teilweise schon wieder sank.

Auch in Sachsen blieb die Lage in den Elbkommunen kritisch. In Niedersachsen steht in den Regionen rund um die Elbe das Schlimmste noch bevor: Zum Wochenende wird mit einem kräftigen Anstieg des Wassers gerechnet. Weil die Pegelstände der Elbe nicht genau vorhergesagt werden können, ist die Lage oft nur schwer berechenbar.

BRANDENBURG: Hier zittert besonders der 4000-Einwohner-Ort Mühlberg im Elbe-Elster-Kreis. Ein Pflegeheim in der Altstadt wurde bereits am Mittwoch evakuiert, rund 2100 Anwohner wurden von den Behörden aufgefordert, freiwillig ihre Wohnungen zu verlassen. Auch der Landkreis Prignitz bereitet sich auf den Ernstfall vor. «Wir wissen auch dort nicht, wie hoch das Wasser stehen wird», sagte ein Sprecher des Krisenstabs in Potsdam. In Nordbrandenburg wird der Höhepunkt der Flutwelle am Wochenende erwartet.

NIEDERSACHSEN: Vom heutigen Donnerstag an bis zum Wochenende wird mit einem Anstieg der Elbe gerechnet. Tausende Einsatzkräfte und Anlieger entlang des Flusses bereiten sich bereits auf die kritische Phase vor. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg werden ab heute Deichwachen Tag und Nacht eingesetzt. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) will sich zudem zusammen mit seinem Amtskollegen aus Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), ein Bild von der Lage in den Hochwassergebieten machen.

SACHSEN-ANHALT: Die Wassermassen hielten auch am Donnerstagmorgen besonders denRaum Bitterfeld und die Stadt Halle im Griff. «Wir hoffen, dass die Deiche halten», sagte eine Sprecherin des Krisenstabs inMagdeburg. InBitterfeld drohte der angrenzende Goitzschesee über die Ufer zu treten und die Stadt zu überfluten. EinDeich wurde daher gesprengt, um die Dämme zu entlasten. Entwarnung konnte noch nicht gegeben werden.

Auch in Halle wurde wegen der steigenden Gefahr von Dammbrüchen an der Saale eine mögliche Evakuierung geplant, von der im schlimmsten Fall 30.000 Einwohner betroffen sein könnten. Teile der Altstadt wurden bereits überschwemmt und Häuser geräumt, darunter nach Angaben der Stadt Halle zwölf Altenheime. Insgesamt mussten in Sachsen-Anhalt bislang 2511 Menschen ihre Häuser wegen des Hochwassers verlassen.

BAYERN: Aufgeweichte Deiche, die zu brechen drohen, stehen auch im Süden im Mittelpunkt: In Straubing und Deggendorf kämpften Einsatzkräfte die ganze Nacht, um die Dämme zu stabilisieren. «Es ist alles im Einsatz», sagte ein Sprecher der Stadt Straubing, wo das Hochwasser auf der Donau bereits langsam zurückgeht. Entwarnung gebe es aber trotzdem noch keine – ebenso wenig wie in Deggendorf, wo erst im Laufe des Tages mit sinkenden Wasserständen gerechnet wird. Am Morgen wird dort auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erwartet. Er will sich an mehreren Orten über das Donau-Hochwasser informieren.

SACHSEN: Die Menschen in Sachsen blicken gebannt nach Tschechien, von woher die Elbe-Scheitelwelle anrollt. Brennpunkte blieben in der Nacht zum Donnerstag Dresden und die Elbkommunen in der Sächsischen Schweiz, so ein Sprecher des Landeshochwasserzentrums. Der Scheitel der Elbe wurde für Dresden bereits für den Mittag erwartet. Dabei werde aber der Pegelstand der Jahrhundertflut von 2002 wohl nicht übertroffen. In der Sächsischen Schweiz sind viele Touristenorte überflutet, darunter Pirna, Meißen und Riesa. Dort werde das Wasser erst am Wochenende den Höchststand erreichen.

 

http://www.news.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s