Göschwitzer Saalebogen: Viel Geld in den Schlamm gesetzt

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Land unter im nagelneuen Landschaftspark Göschwitz: Naturschützer fordern Konsequenzen aus dem Saale-Hochwasser. Weniger Eingriffe hätten den Landschaftsraum weniger stark verändert – und wären viel billiger gewesen.

Naturschutzbeiratsmitglied Dr. Siegfried Klaus denkt an den in Jena-Göschwitz neu geschaffenen Landschaftspark „Saalebogen“. Den in Ufernähe gelegenen Park hatte der Oberbürgermeister nur Tage vor dem Hochwasser eröffnet. Er wurde von der Saale komplett überspült. 782.000 Euro sind damit im wahrsten Sinne des Wortes in den Schlamm gesetzt. Bei der Einweihung war der „Park als Katalysator für Stadtentwicklung“ gewürdigt worden.

„Der Wunsch der Anlieger aus dem Gewerbegebiet nach Naherholung ist verständlich“, sagt Siegfried Klaus. Man hätte diesem Ziel aber mit weit geringerem Aufwand – etwa mit Stichwegen – vollauf Genüge tun können. Nach Auffassung des Naturexperten habe die Stadt stattdessen die Maximalvariante gewählt. Klaus kritisiert vor allem den Stadtarchitekten für seine Worte „Nur gestaltete Landschaft ist sicher“.

Stadtentwicklungsdezernent Denis Peisker (Bündnisgrüne) versteht die Argumentation, will zunächst aber abwarten, bis der Schaden im Landschaftspark beziffert werden kann. „Ich gehe davon aus, dass die Landschaftsgestalter berücksichtigt haben, dass sie im Überschwemmungsgebiet arbeiten.“ Naturschutzbelange seien bei den PlanNaturschutzbeirats seien weitgehend ignoriert worden

Argumente des Naturschutzbeirats weitgehend ignoriert

Die Argumente des Naturschutzbeirats seien weitgehend ignoriert worden, ebenso die Hinweise auf die zu schützende Artenvielfalt, erwidert Klaus. Der Raum war einst als Ausgleichsmaßnahme für bauliche Eingriffe gewidmet, ein Stück Wildnis war saalenah entstanden, mit seltenen Vogelarten. Auch der Biber hatte sich hier wieder eingestellt.

Bauen im unmittelbaren Überschwemmungsraum bleibe riskant. Die Planungen für das Projekt hatten begonnen, als noch Katrin Schwarz verantwortliche Dezernentin für Stadtentwicklung war.

Die teure Bepflanzung schlammüberzogen, Bänke und Papierkörbe stehen tief im Wasser. Am schwersten vom Saalehochwasser betroffen und tief verschlammt sind die Bereiche, an denen die schützenden Ufergehölze der Saale auf mehr als 100 Metern Länge komplett gerodet wurden. Das Saaleufer war dort aufgeweitet und abgeflacht worden, damit der Fluss besser erlebbar wird.

Während die ursprüngliche Vegetation ein Saalehochwasser zum Nulltarif überstanden hätte, werden nun wieder Steuermittel zur Beseitigung der erheblichen Schäden benötigt. Dr. Siegfried Klaus sagt: „Daraus sollten die Stadtväter lernen. Das nächste Saalehochwasser kommt bestimmt. Und nicht erst in 100 Jahren!“

Quelle: otz.de

 

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