Archiv für Juni 6, 2013

Von Christian Rothenberg

Mit Fluten kennen sie sich aus in Eilenburg. 2002 überschwemmt das Hochwasser die ganze Stadt und richtet einen Schaden von 250 Millionen Euro an. Und 2013? Während die Nachbarschaft im Wasser versinkt, trotzt Eilenburg den Naturgewalten – mit scheinbar einfachen Mitteln.

Das Stadtfest haben sie dann doch lieber abgesagt in Eilenburg. Aus moralischen Gründen. Man kann ja nicht feiern, wenn ringsum alle Städte und Dörfer untergehen. Also blies Oberbürgermeister Hubertus Wacker die Veranstaltung kurzerhand ab. Dabei hätte man in der nordsächsischen Kleinstadt in diesen Tagen allen Grund zum Feiern.

Während sämtliche Städte entlang der Mulde in den vergangenen Tagen von den Fluten überrascht wurden, blieb Eilenburg verhältnismäßig trocken. Dessau, Grimma und Zschepplin versanken im Hochwasser, aber die 15.000-Einwohner-Stadt hielt dem Ansturm stand. Dass die Stadt sich als eine der ersten Kommunen mit modernen Hochwasserschutzanlagen ausrüstete, hat sich offenbar bezahlt gemacht. Die Geschichte der brutalen Hochwasser von 1953, 1974 und 2002 prägten hier Generationen, aber im Jahr 2013 ist alles anders. Eilenburg, die Festung, die Insel inmitten der Brandung – ausgerechnet diese Stadt gilt plötzlich als Vorbild in Sachen Hochwasserschutz.

Vor elf Jahren hatte die Stadt noch für ganz andere Schlagzeilen gesorgt. Bundesweit wurde Eilenburg im August 2002 bekannt, weil es dem Hochwasser so hoffnungslos ausgeliefert war. Die Fluten durchbrachen die Deiche, viele der vorhandenen Schutzmauern rissen sie einfach um. Sie verwandelten den Marktplatz in einen See, in der Innenstadt stand das Wasser mit Pegelständen von bis zu zwei Metern in den Häusern, fast 10.000 Haushalte waren betroffen. Tagelang herrschte in der Muldenstadt der Ausnahmezustand. Der Schaden betrug über 250 Millionen Euro.

Mehr Platz für die Mulde

Gefördert durch den Freistaat Sachsen steckte Eilenburg seit 2002 über 35 Millionen Euro in insgesamt 13 Kilometer neue Deiche und Hochwasserschutzmauern. Die Mulde und ein weiterer Seitenarm, der Mühlgraben, teilen die Stadt in drei Abschnitte. Um dem Elbe-Nebenfluss mehr Überflutungsflächen zu geben, um Strömungsgeschwindigkeit und Wasserstände zu reduzieren, verlegte man Deichanlagen und Mauern zurück und opferte sogar Teile von Gewerbegebieten.

Widerstand, etwa durch Bürgerinitiativen, die den Bau der Schutzwände verhindern wollen, gab es kaum. „Auch wenn man durch die neuen Mauern vielleicht nicht mehr so leicht in die Auen schauen kann oder das Wasser plätschern sieht: Die Akzeptanz bei den Bürgern war da“, sagt Stadtsprecher Heiko Leihe n-tv.de. In anderen Städten war es komplizierter. In Grimma stellten sich Einwohner quer, die beklagten, die Hochwassermauern würden den Blick auf die historische Stadtmauer erschweren. Eine Kompromisslösung musste entwickelt werden. Das kostete Zeit, der Bau des Flutschutzes begann viel später als geplant. Abgeschlossen ist er bis heute nicht.

Eilenburg preist seit einigen Monaten seinen fertig überarbeiteten Hochwasserschutz im Internet an. Die Muldestadt sei nun „nach menschlichem Ermessen vor einem Jahrhunderthochwasser“ sicher, heißt es auf der Seite der Stadt. Dass die neuen Mauern schon so schnell auf eine ernste Probe gestellt werden würden, wusste man im Rathaus da noch nicht.

„Ein bisschen feuchte Füße“

Am ersten Juni-Wochenende 2013 wird in Golzern, 30 Kilometer südlich, ein Pegelstand von 7,80 Meter gemessen. Golzern ist maßgeblich für Eilenburg. Von dort benötigt das Wasser noch etwa sechs Stunden flussabwärts. Als man in Eilenburg von den Zahlen deutlich über der für Alarmstufe IV geltenden Marke von sechs Metern erfährt, wird ein Krisenstab einberufen. Es bleiben sechs Stunden: um sich auf das Hochwasser vorzubereiten, die Bevölkerung zu informieren, die Innenstadt zu evakuieren. Katastrophenalarm!

Die Bahn stellt den Zugverkehr ein, sogar eine Überflutung der Stadt wird nicht mehr ausgeschlossen. 7000 Bürger werden in Notquartiere gebracht. Plötzlich besteht höchste Gefahr. Halten die neuen Anlagen? Die Eilenburger erleben bange Stunden. Das Wasser steht 6,80 Meter hoch, bis zur Oberkante der neuen Schutzwände. „Es war eine Null-Zentimeter-Entscheidung“, sagt Leihe, „wenn die Wände zehn Zentimeter niedriger gewesen wären, hätten wir sie nicht verteidigen können“. Aber die Dämme halten, die Innenstadt bleibt trocken. Es gibt nur wenige überflutete Gebiete, etwa 20 Häuser und kleinere Gewerbegebiete sind betroffen.

Seit Mittwoch kehrt das gesellschaftliche Leben allmählich zurück. Die 7000 Menschen dürfen zurück in ihre Häuser. Noch immer gibt es Bereiche, in denen kein Strom verfügbar ist, weil Trafoanlagen im Wasser stehen. Ab und an kommt es auch zu kurzen Ausfällen bei der Wasser- und Stromversorgung. Aber damit können die Eilenburger gut leben: Im Vergleich zu 2002 ist das nichts.

Und auch, wenn es um Millimeter ging, der Krisenstab fühlt sich bestätigt: Die Stadt sei gewappnet gegen ein Jahrhunderthochwasser. Hundertprozentige Sicherheit bedeutet das nicht. „Wir sind mit einem blauen Auge und ein bisschen feuchten Füßen davongekommen“, sagt Oberbürgermeister Wacker. „Die Bürger sind fast wunschlos glücklich und wahnsinnig dankbar.“

Quelle: n-tv.de

Viele Helfer in den vom Hochwasser betroffenen Städten melden sich spontan – ihre Informationen beziehen sie über das Internet. Experten meinen: Nicht nur die Pegelstände der Flut 2013 sind historisch. Auch die digitale Vernetzung hat eine neue Qualität.

Wer sagt, dass Freunde in sozialen Netzwerken nur virtuell sind und sich in der Not verdrücken, der sollte zum «Studentenclub Bärenzwinger» in Dresden gehen. Rund 350 Menschen stehen dort, es ist 21 Uhr. Sandsack um Sandsack wandert hinunter zu der Kneipe, die in einem Gewölbekeller liegt und das Hochwasser fürchten muss. «Ich habe am Montag den Aufruf auf Facebook gesehen und bin sofort gekommen», sagt Max Pagenkopf. Der 27-Jährige weist den Helfern Aufgaben zu und schreibt die neusten Informationen zum Hochwasser auf eine Tafel – auch die kommen über Facebook und Twitter rein. Die Solidarität mit den überschwemmten Gebieten ist groß in diesen Tagen. Und das Internet wird zu ihrer Plattform.

Ob in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen: Überall wird sich digital organisiert und ausgetauscht. Die Facebook-Gruppe «Hochwasser Passau 2013» beispielsweise hat mittlerweile über 2000 Mitglieder, die Facebook-Seite «Hochwasser Halle – Saale» wurde rund 11 000 Mal mit einem «Gefällt mir» versehen. Oft geht es um die Fragen: Wer braucht Hilfe? Was kann ich machen? Auf Twitter laufen sekündlich Informationen mit dem Hashtag #hochwasser.

«Für Deutschland ist das zweifellos eine neue Entwicklung», sagt der Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bei der Jahrhundertflut 2002 hätten die sozialen Netzwerke noch in den Kinderschuhen gesteckt. International würden Facebook und Twitter mittlerweile schon stärker bei Katastrophen eingesetzt – etwa bei dem Erdbeben in Haiti.

«Vieles passiert momentan spontan», sagt Neuberger zu der Situation in den Hochwassergebieten. «Es wäre gut, wenn es eine zentrale Stelle gebe, die so etwas wie eine Art redaktionelle Prüfung übernimmt», regt er an. Das könne eine Kommune, oder auch eine Hilfsorganisation sein. Damit könnten Falschinformationen herausgefischt und korrigiert, Hilfe aber auch koordiniert werden.

Denn die Stärke der sozialen Medien ist zwar, dass sie schnell und mobil verfügbar sind – und zu spontanen Zusammenschlüssen führt. Dennoch betrachten Behörden und Kommunen das spontane Anpacken bisweilen mit Sorge. So hätten zum Beispiel eine über das Internet organisierte Gruppe ohne Anweisung Säcke auf einen Deich bei Dresden geschleppt, erzählt Katrin Schöne, Sprecherin der sächsischen Landestalsperrenverwaltung. «Teilweise waren sie mit Anhänger und Traktor gekommen.»

Dabei sei das weder notwendig noch nützlich gewesen. Ein Meter Sandsackmauer wiege eine Tonne, die dann zusätzlich auf den Deich drücke. Das Gewicht könne zu einem Abrutschen führen. Wer helfen will, solle sich besser an die Krisenstäbe wenden.

Überhaupt wirken die Aktionen in den Hochwasser-Städten bisweilen noch wie das Internet selbst: Vieles schwirrt umher, einige versuchen den Überblick zu bewahren. Der Unterschied: Während Facebook und Twitter nie schlafen gehen, lassen bei den Helfern irgendwann doch die Kräfte nach.

Quelle: n-tv.de , dpa

Es wird alles Menschenmögliche getan

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

In vielen Teilen Deutschlands kämpfen die Menschen weiter gegen das Hochwasser. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte den betroffenen Regionen bei einem Besuch im Hochwassergebiet bei Bitterfeld in Sachsen-Anhalt erneut die Hilfe der Bundesregierung zu.

Die Hochwasser-Lage ist in vielen Bundesländern noch immer kritisch. In einigen Regionen begannen zwar schon erste Aufräumarbeiten, doch die Flut rollt auf Norddeutschland zu. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Menschen in den Hochwassergebieten erneut Unterstützung zugesagt. „Ich glaube, dass man sich darauf verlassen kann, dass das Menschenmögliche getan wird“, sagte sie am Donnerstag bei einem Besuch in der Chemiestadt Bitterfeld. Dort drohte das Wasser eines Sees, in die Innenstadt zu laufen. Merkel zeigte Verständnis für die Ängste der Menschen. Zugleich lobte sie, dass Hand in Hand gearbeitet werde und es eine große Solidarität gebe. „Das ist wunderbar.“ Für viele Menschen in den m neuen Ländern sei das Hochwasser die dritte große Veränderung seit der Wende 1989. Schon 2002 habe man von einer Jahrhundertflut gesprochen. Jetzt sei das Land deutlich besser vorbereitet gewesen als 2002.

Sachsen-Anhalt: Am Donnerstag kam in Barby ein freiwilliger Helfer ums Leben. Am Vormittag sei in der Stadt an der Elbe ein 1950 geborener Mann beim Befüllen von Sandsäcken zusammengebrochen, teilte der Katastrophenschutzstab des Salzlandkreises mit. Eine Reanimation durch einen Notarzt sei erfolglos geblieben. Bereits am Mittwoch war den Angaben zufolge im Bernburger Ortsteil Aderstedt eine Frau während einer Evakuierung kollabiert und gestorben.

Die langsam nach Norden ziehende Hochwasserflut in Sachsen-Anhalt bedroht die Stadt Bitterfeld. Dort könnte es zu einem Wassereinbruch in die Innenstadt kommen. Zwei Deichsprengungen brachten zunächst nicht die erhoffte Entlastung, wie der Krisenstabs mitteilte.

Auch in Halle war die Lage am Donnerstag weiterhin angespannt, obwohl der Pegelstand der Saale zurückging. Im Norden des Landes versuchten tausende Helfer und die Bundeswehr, einen Bruch der Elbdeiche zu verhindern. Die Flutspitze wurde in Magdeburg für den Montag erwartet. Vielerorts füllten Freiwillige in Kiesgruben oder auf eigens eingerichteten Plätzen Tausende Sandsäcke, die die Deiche verstärken sollten. Insgesamt mussten in Sachsen-Anhalt bislang 2511 Menschen ihre Häuser wegen des Hochwassers verlassen.

Sachsen: Die Elbe hat in Dresden wohl den Höchststand erreicht. Um 12 Uhr lag der Pegelstand bei 8,76 Metern. „Wir sind schon im Scheitelbereich, der Wert ist seit zwei Stunden gleichbleibend“, sagte ein Sprecher des Landeshochwasserzentrums. Damit liegt das Maximum unter der Prognose, die von etwa neun Metern ausgegangen war. Normal sind knapp zwei Meter. Während Stadtteile im Osten und Westen unter Wasser standen, blieb die historische Altstadt mit Semperoper, Schloss, Frauenkirche und Zwinger anders als bei der Flutkatastrophe 2002 verschont. In der Sächsischen Schweiz sind viele Touristenorte überflutet, darunter Pirna, Meißen und Riesa. Dort werde das Wasser erst am Wochenende den Höchststand erreichen.

Die Stadt Dresden hat Schaulustige, die die Helfer bei der Arbeit behindern ein Bußgeld über 1000 Euro angedroht. Auch in Niederbayern gab es sogenannte Katastrophen-Touristen, die die Überschwemmungen beobachten.

Zwei im Wasser treibenden Gastanks aus Tschechien wurden gesichert. Ein dritter Tank war zuvor im tschechischen Hrensko gestoppt worden. Die tonnenschweren Behälter enthielten einen Rest Stickstoff. Sie hatten sich im Hafen von Decin gelöst. Mit vier Hubschraubern suchte die Bundespolizei in der Elbe auch nach mehreren anderen Containern aus dem Deciner Hafen. Ein neu gebauter Überlauf von der Weißen Elster in den Zwenkauer See bewahrte Leipzig nach Aussage eines Stadt-Sprechers vor dem Schlimmsten. „Ohne das wären wir abgesoffen“, sagte er. Durch den Überlauf flossen 130 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den See.

Niedersachsen/Schleswig-Holstein: Bis zum Wochenende wird mit einem Anstieg der Elbe gerechnet. Tausende Einsatzkräfte und Anlieger entlang des Flusses bereiten sich bereits auf die kritische Phase vor. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg werden Deichwachen Tag und Nacht eingesetzt. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) will sich zudem zusammen mit seinem Amtskollegen aus Mecklenburg- Vorpommern, Till Backhaus (SPD), ein Bild von der Lage in den Hochwassergebieten machen.

Brandenburg: Das Hochwasser wird die Deiche noch tagelang gefährden. Innenminister Dietmar Woidke (SPD) schätzte die Situation schwieriger ein als 2002 beim letzten katastrophalen Hochwasser. Die Behörden gingen davon aus, dass die Flut noch bis zu eineinhalb Wochen gefährlich sein könne. „Es ist eben nicht nur die Elbe, die kommt. Dieses Mal kommen alle Nebenflüsse mit großer Wucht mit dazu“, sagte Woidke am Donnerstag im rbb-Inforadio. Die Scheitelwelle der Flut wird erst in den nächsten Tagen erwartet. Dabei ist ungewiss, ob sich die Scheitel treffen – und ob sich die Mengen addieren. Das Wasser werde nicht rasch zurückgehen und daher noch etwa zehn Tage auf die Deiche drücken, sagte Wolfgang Brandt, ein Sprecher des Innenministeriums.

Mühlberg an der Elbe gab Katastrophenalarm und begann mit Evakuierungen. Betroffen seien 2500 der 4000 Einwohner. „Die Sicherheit der Menschen ist nicht mehr zu gewährleisten“, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Der Wasserstand erreichte nach Behördenangaben 9,02 Meter, bis Freitag könnte er auf 10,20 Meter steigen. Bei der Rekordflut vom August 2002 wurden 9,98 Meter erreicht. Bei Herzberg an der Schwarzen Elster brach auf 20 Meter Länge ein Deich. Menschen seien nicht in Gefahr, teilten die Behörden mit. Bei Bad Liebenwerda wurde ein Deich geöffnet. „Die Situation an der Elbe ist gefährlicher als an Spree, Schwarzer Elster und Lausitzer Neiße“, sagte Innenminister Dietmar Woidke (SPD).Bei Wittenberge wird für Sonntag ein Rekord von 7,50 Meter erwartet.

Bayern: Das Hochwasser entlang der bayerischen Donau bleibt trotz sinkender Pegel bedrohlich. In der gefährdeten Region um Deggendorf und Straubing ging das Wasser am Donnerstag zwar stündlich um mehrere Zentimeter zurück. Die Gefahr, dass die durchgeweichten Dämme brechen, war aber weiter sehr hoch. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) besuchte das Gebiet und machte sich in einem Hubschrauber ein Bild von der Lage. „Es ist unbeschreiblich schlimm. Das übersteigt alle Dimensionen“, sagte er in Deggendorf. Bei Osterhofen musste die Bundesstraße 8 vorübergehend komplett gesperrt werden. „Die Verkehrssituation rund um Deggendorf verschärft sich dadurch weiter“, sagte eine Sprecherin. Die Autobahnen A3 und A92 im Krisengebiet seien wegen Überflutung immer noch gesperrt. Alle Versuche, die A92 freizubekommen, seien bislang gescheitert.

Während der Scheitelpunkt des Hochwassers an der Donau von Kelheim über Regensburg und Straubing bis Deggendorf erreicht ist und die Pegelstände fallen, stagniert der Wasserstand an den Messstellen bis nach Passau. Die in den letzten Tagen stark überflutete Stadt ist zwar fast drei Meter unter seinem Höchststand der letzten Tage, seit 36 Stunden aber herrscht Stillstand.

Thüringen: Thüringen hat beim Hochwasser das Schlimmste überstanden. Die Lage entspannte sich am Donnerstag weiter. Nur noch an drei Messstellen der Saale – in Kaulsdorf, Rothenstein und Camburg-Stöben – galt die höchste Alarmstufe 3, wie die Landesanstalt für Umwelt und Geologie in Jena mitteilte. Das Wasser zog nach Norden ab und bedrohte nun Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Tschechien: Für die Hochwasser geplagte tschechische Industriestadt Usti an der Elbe ist das Schlimmste wohl überstanden. Das Wasser stieg am Donnerstag nicht über die bedrohliche 11-Meter-Marke. Der höchste Wasserstand war am frühen Morgen mit 10,71 Metern gemessen worden, wie die zuständige Behörde mitteilte. Wohngebiete und Geschäfte am rechten Flussufer blieben überflutet. Im benachbarten Decin (Tetschen) waren ufernahe Straßen überschwemmt. In Terezin (Theresienstadt) brach ein provisorischer Damm am Elbezubringer Ohre (Eger). Helfer brachten Menschen eines Ortsteils in Sicherheit. „Wir haben einen tosenden Lärm gehört und die Beine unter die Arme genommen“, sagte ein Einwohner dem tschechischen Rundfunk. „Es war Nacht und die Situation sehr unübersichtlich.“

In Prag an der Moldau entspannte sich die Lage weiter. Kilometerlange Hochwasser-Schutzwände hielten stand. In einer U-Bahn-Station kämpften Einsatzkräfte gegen einsickerndes Grundwasser. Schaulustige waren zunehmend ein Problem für Helfer und Betroffene. Die Polizei patrouillierte mit Booten, um Plünderungen zu verhindern.

Österreich: Österreich hat am Donnerstag den Höhepunkt des Hochwassers wohl überstanden. Lediglich in der Region hinter Wien nahe der slowakischen Grenze stiegen die Donau-Pegelstände noch, wie die Behörden mitteilten. Die Lage bleibe insgesamt angespannt, da die Fluten nur langsam aus den überschwemmten Gebieten wichen. Das Wasser drücke weiter auf Dämme und Wälle.

Tausende konnten noch immer nicht in ihre Häuser zurück. Wichtige Verkehrswege blieben gesperrt. Dauerregen und aus Deutschland kommendes Hochwasser hatten fast im ganzen Land zu katastrophalen Zustände geführt. Mindestens zwei Menschen starben. Der Sachschaden soll in die Milliarden gehen.

http://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/

Land unter für Jenaer Multifunktionsarena

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Grünen-Fraktionschefin warnt vor unüberlegten Entscheidungen und den unabsehbaren Zusatzkosten bezüglich der geplanten Multifunktionsarena in Jena.

Jena/Erfurt. Die Jenaer sollten sich angesichts des Hochwassers in den Saaleauen noch sehr viel genauer überlegen, ob dies der richtige Platz ist für eine Multifunktionsarena. Das sagt die Jenaer Landtagsabgeordnete der Grünen, Anja Siegesmund . Und sie betont, dass sie nicht die Flut zum Vorwand nehmen will, gegen ein ungeliebtes Projekt vorzugehen. Vielmehr zeige allein schon die Lage das Problem auf: „Es heißt nicht umsonst Saaletal und Saaleauen“, macht sie im Gespräch deutlich, dass auch in Zukunft mit Hochwasser in diesen Bereichen zu rechnen sein wird. Schon jetzt sind die Schäden am Ernst-Abbe-Sportfeld groß. Entstehen hier weitere Bauten, wie sie zu einer Multifunktionsarena gehören, dann sei mit unabsehbaren Folgekosten zu rechnen, wenn immer wieder die Flut in das Bauwerk eindringt.

Nach dem Hochwasser seien vor allem auch die Kommunen in der Pflicht, ganz genau hinzuschauen, wenn es um Baumaßnahmen geht. „Wer die Bilder vor Augen hat, wie der gesamte Stadionbereich unter Wasser steht, muss sich fragen, ob die Debatte zur Bebauung nicht noch einmal ganz neu geführt werden muss“, macht die Jenaerin deutlich. Sie rechnet damit, dass Überflutungen in den nächsten Jahren eher häufiger auftreten, falls weiterhin viele Flächen versiegelt und Hochwasserschutzmaßnahmen außer acht gelassen werden.

Bau der Multifunktionsarena neu diskutieren

Die Entscheidung, ob die Multifunktionsarena kommt, ist nicht vor Frühjahr 2014 zu erwarten, erklärt die Grüne. Weil so gesehen die Zeit nicht drängt, könnten nun vor allem auch der Hochwasserschutz und die Folgekosten in der Debatte die nötige Rolle spielen, hofft sie. „Wir müssen auf die Verhältnismäßigkeit achten: Es gibt Fördermittel, wenn die Co-Finanzierung steht. Das ist alles schön, aber die Betriebs- und Reparaturkosten, die Instandhaltungskosten und zusätzliche Hochwasserschutzmaßnahmen sind nicht eingepreist“, gibt Siegesmund zu bedenken. Sie will das geklärt wissen – und nicht wegen der kritischen Sicht auf das Bauwerk einfach in die Ecke der Gegner gestellt werden. „Wir sollten aus dem, was gerade passiert, die richtigen Lehren ziehen“, so Siegesmund.

Selbst war Siegesmund vom Hochwasser nur mittelbar betroffen: Ihre Kinder hatten schulfrei; seit gestern werden sie wieder unterrichtet. Dass dieses Hochwasser gerade auf Kinder eine enorme Wirkung hat, stellte sie bei ihrer Tochter fest: Das Mädchen malte Bilder von Fluten, in denen Wale schwammen. Sie hoffe, dass in den Schulen auf das Hochwasser und seine Ursachen nun auch eingegangen werde, so Siegesmund.

Quelle: otz.de

Bau der Multifunktionsarena neu diskutieren

Dresden erwartet die Flutwelle

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Es sind bange Stunden für Dresden. Wie schon 2002 droht der Stadt an der Elbe ein Jahrhunderthochwasser. Die Dresdner schippen Sandsäcke, hoffen auf ihre Deiche. Hunderte sind bereits evakuiert worden. Die Altstadt ist von mobile Schutzwänden eingekreist, sie sollen das Wasser abhalten. Auch andere zittern noch. In Halle kämpfen die Menschen gegen die Saale-Fluten, in Bitterfeld gibt es nur noch Rückzugsgefechte gegen die Wassermassen. Während sich auch Orte in Niedersachsen und Brandenburg aufs Hochwasser vorbereiten, beginnen in Passau und Grimma die Aufräumarbeiten.

Das Hochwasser auf Elbe, Donau und Saale hat Tausende Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Allein in Halle waren bis zu 30.000 Menschen bedroht. Dort stieg die Saale auf den höchsten Stand seit 400 Jahren. In Bayern überschwemmte die Donau mehrere Ortschaften – von manchen Häusern schauten nur noch die Dächer aus der braunen Flut. Der Scheitelpunkt des Elbe-Hochwassers sollte als nächstes Dresden erreichen. Weiter stromab – nach den Zuflüssen aus Mulde und Saale – rechnen die Elbanrainer für die kommenden Tage mit Rekordständen.

Die Bundesregierung kündigte an, neben der Soforthilfe von 100 Millionen Euro ein Kreditpaket der staatlichen Förderbank KfW in gleicher Höhe für Firmen, Kommunen und Privatleute auf den Weg zu bringen. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) versprach den Geschädigten im Land 20 Millionen Euro Soforthilfe. Die Kasse der EU für die Flutopfer in Mitteleuropa ist hingegen leer, wie Haushaltskommissars Janusz Lewandowski in Brüssel sagte.

Auch Niedersachsen wird wieder zum Hochwassergebiet. Vorsorglich packen etwa die Bewohner der historischen Stadtinsel von Hitzacker ihre Sachen zusammen – 250 Bewohner sollen die Insel voraussichtlich am Freitag verlassen. Erst am Wochenende und in der kommenden Woche wird der Pegel der Elbe auf Rekordhöhe ansteigen.

Die niedersächsischen Landkreise Lüchow-Dannenberg und Lüneburg riefen deshalb Katastrophenalarm aus. Dort werden mehr als zwei Millionen Sandsäcke befüllt. In Lauenburg in Schleswig-Holstein kommt es oft zu Hochwasser, erstmals wird aber aus Furcht vor den Wassermassen die Unterstadt evakuiert.

Für die Unterbringung von 2000 Einsatzkräften aus ganz Niedersachsen bleiben fünf Schulen in den Gemeinden Lüchow, Gartow, Clenze und Dannenberg geschlossen. Mehrere hundert Schüler dürfen bis mindestens Freitag zu Hause bleiben.

Während die einen sich rüsten, stecken die anderen längst drin im Schlamm. Angespannt ist die Lage vor allem in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bayern. Im sachsen-anhaltischen Halle läuft die Evakuierung, im bayerischen Landkreis Deggendorf wurden viele Menschen in Sicherheit gebracht. In Passau scheint das Schlimmste hingegen überstanden.

30.000 Betroffene in Halle

In Halle in Sachsen-Anhalt spitzt sich die Lage zu. Dort blicken die Menschen gespannt auf den Pegel der Saale. Der Fluss stieg auf ein Rekordhoch von 8,07 Metern. Das ist der höchste Stand seit 400 Jahren. Normal sind weit unter 3 Meter. Das Hochwasser der Saale hatte am Morgen einen Damm auf 200 Metern mitten in Halle überflutet, so dass die Innenstadt und weitere Stadtteile voll Wasser liefen. Die Polizei warnte die Menschen über Lautsprecher vor der Gefahr.

Die Stadt hat Notquartiere eingerichtet und schon 1000 Menschen zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert. Bis zu 30.000 Betroffene werden es, wenn das Wasser weiter steigt. Vor allem die Klausvorstadt sowie die südlichen und östlichen Stadtteile von Halle-Neustadt seien extrem gefährdet. In einigen Straßenzügen wurde der Strom abgestellt. Bis zum Freitag bleiben in Halle-Neustadt alle Schulen geschlossen.

Die Behörden berichten auch von einer kritischen Lage in Dessau, wo der Scheitel der Mulde angekommen sei und das Wasser nicht in die Elbe abfließen könne. Hunderte Bundeswehrsoldaten und ein Dutzend Freigänger der JVA Dessau-Roßlau helfen dort, die Deiche zu stabilisieren. Mit dabei sind Hunderte freiwillige Helfer, die auf einem alten Flugplatzgelände Sandsäcke füllen.

In Bitterfeld schwindet die Hoffnung. Nachdem die Notsprengung eines Deichs am Seelhauser See nicht die erhoffte Wirkung brachte, fließt jetzt viel Wasser in die Stadt. Die Sprengung war erfolgt, um den Druck auf den brüchigen Damm zu vermindern. Außerdem wurde ein Verbindungskanal angelegt, um Wasser kontrolliert in den Goitzschesee abzuleiten. Beide Maßnahmen haben den Dämmen aber nur kurzzeitig Erleichterung verschafft.

Im Kreis Nordsachsen wurden alle Bewohner von Löbnitz und Sausedlitz am Seelhausener See zwangesevakuiert. „Der Seelhausener See ist einfach voll und er läuft über.“ Es besteht die Gefahr, dass die Sogwelle abfließenden Wassers zu Erdabbrüchen führt.

Zudem hat der Landkreis Stendal Katastrophenalarm ausgerufen. Bedroht sind vor allem die Dörfer zwischen Tangermünde und Tangerhütte. Dort sollen bis morgen 50.000 Tonnen Lehm und Kies für einen Notdeich verbaut werden. Bereits seit Dienstagabend gilt auch im Jerichower Land – auf der Westseite der Elbe – Katastrophenalarm. Innenminister Holger Stahlknecht kündigt Unterstützung durch 3.000 Bundeswehrsoldaten im Norden des Landes an.

Evakuierungen in Dresden

In Dresden bereitet die Elbe zunehmend Sorge. „Der Pegel steigt langsam,  aber kontinuierlich“, sagte Stadtsprecherin Heike Großmann. Der Höchststand wird für Donnerstag erwartet. Mehrere hundert Menschen wurden in Dresden vor der Elbeflut in Sicherheit gebracht. Außerdem wurde in einigen Straßenzügen der Strom gekappt.

Das sächsische Innenministerium schätzt, dass der Höchststand ab Donnerstag mindestens vier Tage lang auf relativ hohem Niveau bleibt. Das stellt erfahrungsgemäß eine große Belastung für die Deiche dar. Die Dresdner Altstadt ist durch Hochwasserschutzmauern und mobile Schutzwände gesichert – zumindest bis zu einem Pegel von 9,40 Meter.

Ganz schlimm trifft es die Menschen erneut im engen Elbtal der Sächsischen Schweiz. In Orten wie Bad Schandau, Rathen, Königstein, Wehlen, Heidenau und Pirna müssen Tausende Bewohner ihr Hab und Gut zurücklassen und in höher gelegene Gebiete fliehen. Die Orte entlang der Elbe leben meist vom Tourismus und waren 2002 zum großen Teil zerstört und seitdem wieder liebevoll aufgebaut worden.

Wenigstens eine Gefahr ist gebannt. Zwei große Gascontainer, die sich im Hafen von Decin gelöst hatten, wurden mit Hilfe des Windes von Hubschrauber-Rotoren in Schmilka und bei Bad Schandau ans Ufer getrieben, teilte die Bundespolizeidirektion Pirna mit. Ein dritter Tank war zuvor bereits in Tschechien gestoppt worden. Die tonnenschweren Behälter enthielten einen Rest Stickstoff. Mit insgesamt vier Hubschraubern sucht die Bundespolizei im Hochwasser der Elbe bis nach Dresden nun noch nach mehreren Containern aus dem Deciner Hafen.

Brandenburg bereitet sich vor

Zunehmend bedrohlich entwickelte sich die Hochwasser-Lage in Brandenburg. In Arnsnesta im Elbe-Elster-Gebiet an der Grenze zu Sachsen-Anhalt brach in der Nacht ein Deich, teilte das Potsdamer Innenministerium mit. Für die Gegend befürchteten die Behörden nach eigenen Angaben höhere Wasserstände als bei der so genannten Elbe-Jahrhundertflut von 2002. Da das Gelände dort unzugänglich ist, hat der Landkreis die Bundeswehr gebeten, per Hubschrauber Sandsäcke zur Schließung der Lücke dorthin zu fliegen.

Schwerpunkte des Hochwassers bleiben auch die Elbe bei Mühlberg sowie die Schwarze Elster und die Spree bei Spremberg. Mühlberg begann damit, 2500 seiner 4000 Bürger aus der Gefahrenzone zu holen. „Die Sicherheit der Menschen ist nicht mehr zu gewährleisten“, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Der Wasserstand erreichte nach Behördenangaben 9,02 Meter und könnte bis Freitag auf 10,20 Meter steigen – höher als bei der Rekordflut vom August 2002.

Für die Spree am Pegel Spremberg und für den Elbe-Nebenfluss Schwarze Elster am Pegel Bad Liebenwerda wurde bereits die höchste Alarmstufe 4 ausgerufen. Mit der für die nächsten Tage angekündigten Hochwasserwelle werden die Pegelstände dort noch deutlich steigen.

Mecklenburg-Vorpommern zieht nach

Nach Niedersachsen hat auch Mecklenburg-Vorpommern für den Kreis Ludwigslust-Parchim den Katastrophenfall ausgelöst. Laut Umweltminister Till Backhaus deuten die Prognosen „auf ein Szenario hin, das wir wirklich noch niemals gehabt haben“. Er geht davon aus, dass Anfang nächster Woche mit „der vollen Wucht dieser Flut“ zu rechnen sei. „Wir müssen uns auf eine höchst komplexe und schwierige Lage vorbereiten.“

Landkreis Deggendorf fast abgeschnitten

In der schwer getroffenen Dreiflüssestadt Passau ging das Wasser der Donau zwar fast drei Meter zurück – entlang der Ufer sind aber immer noch einige Straßen überflutet. Auch die Innenstadt ist nach wie vor abgeschnitten. Das Gröbste ist aber überstanden. Für 90 Prozent der Haushalte haben die Stadtwerke die Trinkwasserversorgung wieder hergestellt. Im Laufe des Tages sollen die restlichen Haushalte folgen. In Passau beginnen jetzt die Aufräumarbeiten.

Der vom Donauhochwasser nahezu überschwemmte Landkreis Deggendorf ist nach der Sperrung der Autobahnen A 3 und A 92 fast vollständig vom Umland abgeschnitten, das Hochwasser erreichte am Mittwoch seinen höchsten Stand. Nur noch eine völlig überlastete Landstraße führt in die Region.

Nach Angaben von n-tv Reporter Carsten Lueb, mussten Tausende Menschen in den Regionen Straubing und Deggendorf ihre Wohnungen verlassen. Etliche Dörfer seien komplett von der Außenwelt abgeschitten und nur noch per Hubschrauber zu erreichen.

Zunehmend behindern auch Schaulustige die Helfer. Bereits am Dienstag hatte der Chef des bayerischen Feuerwehrverbandes, Alfons Weinzierl, Geldstrafen für Gaffer gefordert, die Rettungskräfte behindern.

Thüringen räumt auf

Auch in Thüringen entspannt sich die Hochwasserlage mit fallenden Pegelständen weiter. Nachdem der Katastrophenalarm gestern Abend bereits für den Landkreis Greiz zurückgenommen wurde, gilt der Katastrophenfall in Thüringen nur noch für den Saale-Holzland-Kreis. In den meisten Landesteilen haben die Aufräumarbeiten begonnen. Die Kommunen listen die Schäden auf. Für eine genaue Bilanz ist es aber noch zu früh.

Das Deutsche Rote Kreuz warnte unterdessen eindringlich davor, in den Hochwassergebieten die Deiche zu betreten. „Es besteht Lebensgefahr!“, hieß es in einer Mitteilung des DRK-Landesverbandes Dresden. „Auch wenn das Interesse an den Wassermassen sehr groß ist, sollten Schaulustige sich und andere nicht unnötig in Gefahr bringen“, hieß es.

Rösler verspricht Wiederaufbau-Kredit

Die Bundesregierung will neben der allgemeinen Soforthilfe von 100 Millionen Euro ein 10-Punkte-Programm für Unternehmen in den Hochwasser-Regionen auflegen. Damit soll der Wiederaufbau unterstützt werden.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) möchte, dass die staatliche Förderbank KfW an Firmen, Privathaushalte sowie Kommunen Kredite über weitere 100 Millionen Euro vergibt. Die Industrie erwartet keine Rückschläge für das Wachstum. Auch die Bauern sollen Unterstützung bekommen.

Elbwasser strömt nach Usti

In Tschechien überflutet das Hochwasser der Elbe weite Teile der Industriestadt Usti (Aussig) im Norden des Landes. Die Elbe stieg in der Stadt mit fast 100.000 Einwohnern weiter an. In der Nacht soll der Pegelstand bis auf 11,1 oder 11,5 Meter klettern, normal sind an dieser Stelle etwa zwei Meter. Aus Angst vor Dieben blieben viele Menschen in ihren Häusern. Die Polizei wollte einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera gegen Plünderer einsetzen.

In Prag entspannt sich die Lage langsam, das U-Bahnnetz im Zentrum der Millionenstadt bleibt aber geschlossen.

http://www.n-tv.de/panorama/Dresden-erwartet-die-Flutwelle-article10762721.html

Göschwitzer Saalebogen: Viel Geld in den Schlamm gesetzt

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Land unter im nagelneuen Landschaftspark Göschwitz: Naturschützer fordern Konsequenzen aus dem Saale-Hochwasser. Weniger Eingriffe hätten den Landschaftsraum weniger stark verändert – und wären viel billiger gewesen.

Naturschutzbeiratsmitglied Dr. Siegfried Klaus denkt an den in Jena-Göschwitz neu geschaffenen Landschaftspark „Saalebogen“. Den in Ufernähe gelegenen Park hatte der Oberbürgermeister nur Tage vor dem Hochwasser eröffnet. Er wurde von der Saale komplett überspült. 782.000 Euro sind damit im wahrsten Sinne des Wortes in den Schlamm gesetzt. Bei der Einweihung war der „Park als Katalysator für Stadtentwicklung“ gewürdigt worden.

„Der Wunsch der Anlieger aus dem Gewerbegebiet nach Naherholung ist verständlich“, sagt Siegfried Klaus. Man hätte diesem Ziel aber mit weit geringerem Aufwand – etwa mit Stichwegen – vollauf Genüge tun können. Nach Auffassung des Naturexperten habe die Stadt stattdessen die Maximalvariante gewählt. Klaus kritisiert vor allem den Stadtarchitekten für seine Worte „Nur gestaltete Landschaft ist sicher“.

Stadtentwicklungsdezernent Denis Peisker (Bündnisgrüne) versteht die Argumentation, will zunächst aber abwarten, bis der Schaden im Landschaftspark beziffert werden kann. „Ich gehe davon aus, dass die Landschaftsgestalter berücksichtigt haben, dass sie im Überschwemmungsgebiet arbeiten.“ Naturschutzbelange seien bei den PlanNaturschutzbeirats seien weitgehend ignoriert worden

Argumente des Naturschutzbeirats weitgehend ignoriert

Die Argumente des Naturschutzbeirats seien weitgehend ignoriert worden, ebenso die Hinweise auf die zu schützende Artenvielfalt, erwidert Klaus. Der Raum war einst als Ausgleichsmaßnahme für bauliche Eingriffe gewidmet, ein Stück Wildnis war saalenah entstanden, mit seltenen Vogelarten. Auch der Biber hatte sich hier wieder eingestellt.

Bauen im unmittelbaren Überschwemmungsraum bleibe riskant. Die Planungen für das Projekt hatten begonnen, als noch Katrin Schwarz verantwortliche Dezernentin für Stadtentwicklung war.

Die teure Bepflanzung schlammüberzogen, Bänke und Papierkörbe stehen tief im Wasser. Am schwersten vom Saalehochwasser betroffen und tief verschlammt sind die Bereiche, an denen die schützenden Ufergehölze der Saale auf mehr als 100 Metern Länge komplett gerodet wurden. Das Saaleufer war dort aufgeweitet und abgeflacht worden, damit der Fluss besser erlebbar wird.

Während die ursprüngliche Vegetation ein Saalehochwasser zum Nulltarif überstanden hätte, werden nun wieder Steuermittel zur Beseitigung der erheblichen Schäden benötigt. Dr. Siegfried Klaus sagt: „Daraus sollten die Stadtväter lernen. Das nächste Saalehochwasser kommt bestimmt. Und nicht erst in 100 Jahren!“

Quelle: otz.de

 

Die Hochwasserlage im Überblick

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Das Hochwasser entlang der Donau in Bayern blieb trotz sinkender Pegel bedrohlich. In der gefährdeten Region um Deggendorf und Straubing ging das Wasser zwar stündlich um mehrere Zentimeter zurück. Die Gefahr, dass durchgeweichte Dämme brechen, war aber weiter sehr hoch. Hunderte Einsatzkräfte versuchten, die Dämme zu sichern. In Oberbayern ist das Schlimmste wohl überstanden. In keinem der seit Sonntag betroffenen Landkreise besteht mehr der Katastrophenfall, teilte die Bezirksregierung in München mit.

In Sachsen-Anhalt waren Orte weiter akut bedroht wie Bitterfeld. Dort könnte es zu einem Wassereinbruch in die Innenstadt kommen, in der rund 10.000 Menschen leben. Zwei Deichsprengungen hatten nicht die erhoffte Entlastung gebracht. Auch in Halle war die Lage weiterhin angespannt, obwohl der Pegelstand der Saale zurückging.

Angespannt blieb die Lage auch in den überschwemmten Gebieten entlang der Elbe in Sachsen – das Hochwasser des Flusses erreichte am Donnerstag seinen Höhepunkt. In Dresden kam es mittags auf 8,76 Meter. Damit lag das Maximum unter der Prognose, die von etwa neun Metern ausgegangen war. Normal sind knapp zwei Meter. Während Stadtteile im Osten und Westen unter Wasser standen, blieb die historische Altstadt anders als bei der Flutkatastrophe 2002 zunächst verschont. Der hohe Wasserstand soll vier bis fünf Tage anhalten. Nach Angaben der Stadt waren rund 9000 Haushalte ohne Strom.

 

Das Elbe-Hochwasser wird für Niedersachsen vermutlich weniger bedrohlich als befürchtet. Prognosen für die höchsten Pegelstände wurden am Donnerstag erneut um rund einen halben Meter nach unten korrigiert. Für Hitzacker werden nun für Dienstag und Mittwoch Höchststände von 7,65 Metern erwartet, 1,15 Meter weniger als noch vor zwei Tagen. Der Hochwasser-Höhepunkt könnte eventuell Mitte der Woche überschritten sein, sagte ein Sprecher des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

In Brandenburg wird der Höhepunkt der Flut ebenfalls erst in den kommenden Tagen erwartet. Innenminister Dietmar Woidke (SPD) schätzte die Situation dennoch schwieriger ein als 2002. „Es ist eben nicht nur die Elbe, die kommt. Dieses Mal kommen alle Nebenflüsse mit großer Wucht mit dazu“, sagte Woidke im rbb-Inforadio.

Hunderte Bundeswehr-Soldaten unterstützten die Schutzmaßnahmen an der Elbe in Mecklenburg-Vorpommern. Etwa 40.000 Sandsäcke wurden bereits gefüllt – zwei Millionen Sandsäcke sind zur Verstärkung der Deiche nötig. Das Wasser soll wohl kommenden Donnerstag den Höchststand erreichen.

max/Reuters/AFP/dpa

Drohende Überflutung

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Wittenberg

Bahn sperrt ICE-Strecke bei Wittenberg

ICE-Passagiere auf der Strecke Hamburg-Berlin-München müssen mit Verspätungen rechnen. Da die Elbe bei Wittenberg die Gleise überspülen könnte, muss die Bahn einen Abschnitt sperren. Die Fernzüge werden umgeleitet. Wittenberg/Leipzig – Die Lutherstadt an der Elbe richtet sich auf den Ernstfall eines Hochwassers ein. Am Vormittag stieg der Pegel des Flusses weiter. Da das Wasser droht, die Gleise zu überfluten, hat die Bahn einen ICE-Streckenabschnitt bei Wittenberg gesperrt. Fernzüge auf der Strecke Hamburg-München werden über Dessau umgeleitet, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Die Reisezeit auf der Linie, die unter anderem in Berlin, Leipzig, Naumburg und Jena hält, verlängere sich um etwa eine Stunde. Regionalzüge nach Wittenberg aus Leipzig und Halle fahren nur bis zum Bahnhof Pratau. Es werde noch geprüft, ob ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet werden könne.

URL: http://www.spiegel.de/reise/aktuell/drohende-ueberflutung-bahn-sperrt-ice-strecke-bei-wittenberg-a-904228.html

 

 

Am Donnerstag Mittag trafen sich am Dömitzer Pegelhäuschen die Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, Till Backhaus und Stefan Wenzel, um gemeinsam die aktuelle Lage zu besprechen.

Eine erste Auswirkung der intensiven Zusammenarbeit zeigt sich in dem gemeinsamen Beschluss, sowohl in Mecklenburg-Vorpommern als auch in Niedersachsen Deichhöhen, die nur für 7,50 Wasserstand ausgelegt sind, um 30 cm zu erhöhen. Noch während des Pressetermins telefonierte Minister Backhaus mit seinen Kollegen in Schleswig-Holstein und Brandenburg, um sie zu ähnlichen Beschlüssen zu bewegen. „Es nützt ja nichts, wenn nur wir hier erhöhen, das müssen alle Elbanlieger tun,“ so Backhaus.

Ein neuer Wind weht offensichtlich im Hochwassermanagement: auch Stefan Wenzel betonte, wie sehr es ihn freue, dass bereits so frühzeitig eine gemeinsame Koordination der Probleme möglich wurde. „Ich freue mich sehr, dass es auch gestern schon gelungen ist, alle Beteiligten länderübergreifend zusammen zu bringen, alle Schwachstellen gemeinsam zu prüfen,“ so Wenzel.  

Auch wenn die Prognosen nicht mehr ganz so hoch lägen wie noch in den Vortagen, so werden „uns die nächsten Tage noch sehr fordern,“ war sich der Niedersächsische Umweltminister bewusst. „Wir werden über einen sehr langen Zeitraum Hochwasser bekommen, was bedeutet, dass die Deiche durchweichen werden. Man muss also über einen langen Zeitraum hinweg sehr aufmerksam sein.“

Beide Minister betonten die Wichtigkeit einer gemeinsamen strategischen Ausrichtung, die langfristige Konzepte entwickelt, wie mit den zu erwartenden immer häufiger auftretenden Hochwasserlagen umzugehen ist. Dazu gehören nach Ansicht beider Minister ausreichende Rückzugsmöglichkeiten für die Flüsse sowie ein länderübergreifendes Gehölzmanagement. Diese Forderungen wollen sie gemeinsam in der heutigen Sitzung der Umweltminister einbringen.

Anders als verschiedene Medienberichte, die davon sprechen, dass die Flutwelle erst Mitte bis Ende nächster Woche Niedersachsen erreichen wird, erwarten Backhaus und Wenzel die erste Flutwelle Montag/Dienstag in hiesigen Bereichen.

 

http://wendland-net.de/

Entspannung, aber keine Entwarnung

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Hitzacker

+++ 18.09 Uhr: Entspannung, aber keine Entwarnung: Das Elbe-Hochwasser wird für Niedersachsen vermutlich weniger bedrohlich als befürchtet. Die Prognosen für die höchsten Pegelstände wurden am Donnerstag erneut um rund einen halben Meter nach unten korrigiert. Für die besonders bedrohte Kleinstadt Hitzacker werden nun für Dienstag und Mittwoch Höchststände von 7,65 Metern vorhergesagt. Das wäre knapp weniger als die bisherige Höchstmarke von 7,70 Meter und 1,15 Meter weniger als noch vor zwei Tagen prognostiziert wurde.

 

Quelle: http://www.rp-online.de

Höchste Pegelstände nach unten korrigiert

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

Das Elbe-Hochwasser könnte für Niedersachsen deutlich weniger bedrohlich werden als bisher befürchtet. Die Prognosen für die höchsten Pegelstände wurden am Donnerstag erneut um rund einen halben Meter nach unten korrigiert. Trotzdem bleibt die Anspannung, die Helfer sind im Dauereinsatz.

Für Hitzacker werden nun für Dienstag und Mittwoch Höchststände von 7,65 Metern vorhergesagt, 1,15 Meter weniger als noch vor zwei Tagen. Die Altstadtinsel dort wird deshalb nach derzeitiger Planung frühestens Sonntag evakuiert. Außerdem könnte der Hochwasser-Höhepunkt eventuell schon Mitte der Woche überschritten sein, sagte ein Sprecher des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

Das Rekord-Hochwasser an der Elbe bedroht die Deiche in Niedersachsen. Es bestehe die Gefahr, dass die Deiche durchweichten, warnte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Donnerstag in Lüneburg. „An einzelnen Orten wird der Höchststand nach derzeitiger Prognose wahrscheinlich erst Freitag oder Samstag kommender Woche erreicht werden“, sagte NLWKN-Sprecher Achim Stolz.

Die Behörden hatten frühere Angaben über die Höchststände der Flut nach unten korrigiert. So wird für die besonders gefährdete Ortschaft Hitzacker im Kreis Lüchow-Dannenberg statt eines Höchststandes von 8,80 Metern nun mit 8,15 Metern gerechnet. Auch dann würden die Wassermassen noch fast einen halben Meter höher stehen als jemals zuvor. Einsatzkräfte waren rund um die Uhr damit beschäftigt, die Elbdeiche zu sichern.

Im Landkreis Lüneburg sollen die Deiche mit rund einer Million Sandsäcken auf 70 Kilometern Länge um 30 Zentimeter erhöht werden. Dort waren bereits 2500 Helfer im Einsatz, darunter auch 1200 Bundeswehr-Soldaten. In Lüchow-Dannenberg sah es ähnlich aus. „Bei uns sind rund 3800 Kräfte im Einsatz, Tendenz steigend“, erklärte Jenny Raeder, Sprecherin der Hochwasser-Pressestelle des Landkreises. 660 Soldaten seien im Einsatz.

Die Schulgebäude und Turnhallen in den Gemeinden Gusborn, Dannenberg, Neu Darchau, Clenze, Gartow und Lüchow würden zur Unterbringung von Tausenden Einsatzkräften aus ganz Niedersachsen benötigt, wie der Landkreis mitteilte. Die Grundschule Hitzacker und die Bernhard-Varenius-Schule in Hitzacker sollen von Freitag an bis zum 14. Juni für die Schüler ihre Pforten schließen.

Die Bewohner der Lauenburger Altstadt dagegen können nun doch vorerst in ihren Häusern bleiben. Aufgrund der günstigeren Hochwasserprognosen habe der Krisenstab die ursprünglich für Freitag angeordnete Evakuierung ausgesetzt, sagte ein Sprecher des Krisenstabes am Donnerstag. Bei dem angekündigten Wasserstand sei eine generelle Gefährdung sei nicht zu befürchten, sagte der Sprecher.

Die Vorbereitungen zur Evakuierung sollen jedoch weitergehen. „Damit können wir kurzfristig neu entscheiden, falls sich die Prognose wieder ändern sollte,“ sagte Schütt. Das Fahrverbot in der Altstadt bleibt bestehen. Auch die Sperrung der Altstadt für Fußgänger von Sonnabend, 8.00 Uhr, bis Montag, 8.00 Uhr, soll aufrechterhalten werden. Ursprünglich waren die Behörden davon ausgegangen, dass das Hochwasser der Elbe am nächsten Donnerstag einen Pegelstand von 9,75 Metern erreichen könnte.

Schon am Mittwochabend rückten 1600 Soldaten in die Bereiche Lüneburg und Dannenberg aus. Eine Panzerlehrbrigade aus Munster bereitet sich mit Personal und Material auf einen Einsatz an der Elbe vor. Aus vielen Landesteilen setzten sich Einsatzkräfte Richtung Elbe in Bewegung.

Mit 27 Fahrzeuge etwa starteten am Mittwochabend 130 Feuerwehrleute aus der Grafschaft Bentheim Richtung Lüneburg. „Für Niedersachsen wird es sehr schlimm“, sagte am Mittwochabend auch der Hochwasser-Experte Martin Socher aus dem Umweltministerium in Sachsen mit Blick auf die Auswirkungen der Elbe-Flut.

Aufgrund des Hochwassers rief der Landkreis Lüchow-Dannenberg dazu aus, Altölbestände in der Deponie in Woltersdorf zu entsorgen.

Hochwasser ist keine Gefahr für Gorleben

Die Sicherheit im Atomzwischenlager Gorleben ist nach Angaben des Betreibers nicht durch das drohende Rekord-Hochwasser an der Elbe gefährdet. „Das Lager liegt vier Meter höher als der Ort Gorleben, wir erwarten nicht, dass das Wasser bis zu uns kommt“, sagte der Sprecher der Gesellschaft für Nuklearservice, Jürgen Auer, der dpa in Hannover

Das Transportbehälterlager ist rund drei Kilometer von der Elbe entfernt. „Selbst wenn das Lager überflutet würde, besteht keine Gefahr“, betonte Auer. Die 120 Tonnen schweren Atommüllbehälter könnten weder aus der Halle geschwemmt werden, noch könnte Radioaktivität das Wasser kontaminieren. Wir beobachten die Situation und die Entwicklung aber dennoch sehr aufmerksam“, betonte Auer. Derzeit sei die Lage aber so entspannt, dass sich einige Mitarbeiter des Zwischenlagers sogar an den Sicherheitsvorbereitungen direkt an der Elbe einbringen könnten.

Dort bereiten sich die Helfer auf das Jahrhundert-Hochwasser vor. Die Pegelstände werden vermutlich in der zweiten Hälfte der kommenden Woche den Höhepunkt überschreiten. Für die besonders gefährdete Ortschaft Hitzacker unweit Gorlebens im Kreis Lüchow-Dannenberg wird ein Rekord-Höchststand von 8,15 Metern erwartet.

Innerstetalsperre bewahrt Hildesheim vor Rekord-Hochwasser

Die Innerstetalsperre im Harz hat den Landkreis Hildesheim vor einem Rekord-Hochwasser bewahrt. Wären in dem Stausee nicht zwei Hochwasserwellen zurückgehalten worden, wäre der Pegel in Heinde beim jüngsten Hochwasser Ende Mai noch über den Rekordstand von 2007 gestiegen, teilten die Harzwasserwerke am Donnerstag mit.

Dank des Einstaus sei der Pegel am 27. Mai „nur“ auf 6,42 geklettert und damit um 33 Zentimeter unter der Höchstmarke aus dem Jahr 2007 geblieben. Der Innerstestausee bei Langelsheim im Kreis Goslar hat ein Fassungsvermögen von rund 19,3 Millionen Kubikmetern. Die Talsperre ist derzeit zu gut 90 Prozent gefüllt.

http://www.haz.de/Nachrichten

Helfen? Aber selbstverständlich!

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

Schaufeln, stopfen, stapeln: Hitzacker wartet auf die Flutwelle, die mit der Elbe kommt. Im Nordosten Niedersachsens packen Hunderte Freiwillige mit an, um das Wasser in seine Schranken zu weisen.

Die entscheidende Frage lautet: Hält sie oder hält sie nicht?

Das ist es, was die Menschen in Hitzacker jetzt umtreibt. Schließlich ist es kaum sieben Jahre her, da hatte sich die Elbe das kleine Städtchen im Nordosten Niedersachsens zuletzt einverleibt. Man lernte dazu und baute eine 900 Meter lange Metallwand. Auf ihr ruht jetzt alle Hoffnung.

Das Bollwerk soll die Altstadt von Hitzacker vor dem Wasser schützen, das in den kommenden Tagen heranrollen wird. Und wenn man den Worten von Feuerwehr und Verwaltung glaubt, gibt es da auch wenig Grund zum Zweifel. Zumal für Hitzacker die Pegel-Prognosen auch gestern wieder gesenkt wurden: Für Dienstag und Mittwoch werden Höchststände von 7,65 Metern vorhergesagt. Das wäre dann knapp weniger als die bisherige Höchstmarke von 7,70 Meter – und 1,15 Meter weniger als noch vor drei Tagen befürchtet wurde.

Trotzdem. In den Straßen der idyllischen Kleinstadt herrscht Unruhe, schließlich gilt Katastrophenalarm. Feuerwehrwagen kurven umher, Traktoren schaffen Sandsäcke zur Elbe. Ab heute darf kein Auswärtiger mehr die Insel betreten, bis Sonntagmittag müssen alle rund 250 Bewohner ihre Wohnungen verlassen haben. Vorsorglich, wie es heißt.

Matthias Boensch traut der neuen Hochwasserschutzwand nicht so ganz. „Wenn die Spundwand bricht, kann man gar nicht so schnell laufen, wie das Wasser kommt.“ Die anstehende Evakuierung hält er deswegen für richtig. Schließlich hat er noch gut im Gedächtnis, wie wüst es bei der Flut von 2002 in Hitzacker aussah.

Damit sich das nicht wiederholt, greift Boensch selbst zur Schaufel und stopft Sandsäcke in einer Kiesgrube im Dannenberger Ortsteil Tramm. Die Sonne steht schon tief am Himmel. „Nach Feierabend habe ich zu meinem Sohn gesagt: ,Ich war 2002 mit deiner Schwester schippen, jetzt gehen wir los‘“. Die Hitzacker Altstadt kann Boensch von hier aus zwar nicht retten, dafür aber die Deiche an anderen Stellen im Landkreis verstärken.

Sein 13-jähriger Sohn Paul macht natürlich mit. Paul ist Mitglied der Jugendfeuerwehr, als solches darf er nicht in der Kiesgrube mitanpacken; versicherungstechnische Gründe. Trotzdem wollte der Junge zum großen Einsatz seinen Beitrag leisten und kam mit seinem Vater hierher – nicht als Jugendfeuerwehrmann, sondern ganz privat.

Paul und sein Vater zählen zu Hunderten freiwilligen Helfern, die sich bei Feuerwehreinsatzleiter Stephan Viehöfer in der Kiesgrube täglich anmelden. Wie viele Helfer es inzwischen sind, kann Viehöfer nicht sagen. „Viele kommen einfach hierher, stellen sich irgendwo dazu und schippen Sand oder knoten Säcke zu“, sagt Viehöfer. Anmeldungen sind zwar erwünscht, aber keine Pflicht: „Wir wollen ja nur wissen, wie viele Leute wir verpflegen müssen.“

Viehöfer schätzt, dass inzwischen weit mehr als 100 .000 Sandsäcke die Kiesgrube verlassen haben. „Alle zwei Minuten fährt hier ein Traktor mit einem Anhänger voll Sandsäcke vom Gelände“, sagt Viehöfer. Per Funkt bestätigt er gleich die nächste Lieferung Zehntausender leerer Sandsäcke.

Auch bei Nacht sind noch mehr als 200 Helfer in der staubigen Grube am Schaufeln und Stopfen. Darunter Feuerwehrmann Florian Kreysel – und das, obwohl er am nächsten Morgen wieder arbeiten muss. „Ich habe um 18 Uhr angefangen, um 2 Uhr gehe ich ins Bett, und um 6 Uhr klingelt wieder der Wecker“, erzählt der Klempnergeselle. Hartes Pensum. Eigentlich würde ihn sein Chef ja freistellen, aber zurzeit gebe es im Betrieb viel zu viel zu tun.

Kreysel ist mit elf Helfern aus Wustrow angereist. Sie machen einen recht professionellen Eindruck. „Wir schaffen gut 6000 Sandsäcke in zwölf Stunden“, sagt Kreysel. Das Team hat sogar eine eigene Konstruktion entwickelt, um die Sandsäcke schneller zu füllen. Dass sie bei der Flut mitanpacken, ist für sie ganz selbstverständlich. „So etwas gehört einfach zur Arbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr“, sagt Kreysel. Und auf dem Land helfe man einander eben.

Eine Selbstverständlichkeit, auch für Sandra Schefert. Die Feuerwehrfrau stapelt die fertigen Sandsäcke an der Elbe zum Deich auf. „Es läuft super“, sagt sie, „wir schaffen pro Tag etwa einen Kilometer.“ Unermüdlich ist sie mit ihren Kollegen von der Feuerwehr Karwitz im Einsatz, obwohl auch sie nicht direkt vom Hochwasser bedroht ist. „Wir waren am Morgen die ersten und am Abend die letzten, die gearbeitet haben“, sagt Schefert. Mit dieser Einstellung will sie weiterarbeiten. Bis die Flutwelle kommt. Schefert sagt, und es klingt zuversichtlich: „2002 wurden wir vom Hochwasser überrascht – jetzt sind wir vorbereitet.“

 

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Hannovers Helfer bleiben länger in Magdeburg

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Madgeburg

 

Die Hochwasserhelfer aus Hannover werden deutlich länger in Magdeburg bleiben als zunächst angenommen. Der Einsatz wird voraussichtlich noch eine ganze Woche andauern.

„Wir werden vermutlich bis zum Ende kommender Woche im Einsatz bleiben“, sagte am Donnerstag Einsatzleiter Dieter Rohrberg. Grund dafür ist das späte Eintreffen des Scheitelpunkts der Elbe. Die größte Flutwelle wird laut neuesten Prognosen wohl erst am Sonntag oder Montag eintreffen. „Es kann sein, dass die Hochwasserlage dann bis zu fünf Tage benötigt, um abzuklingen“, sagte Rohrberg. So lange müssten die Helfer vor Ort bleiben.

Zusammen mit seinem Stab koordiniert Rohrberg derzeit rund 800 Helfer aus Berlin, Wolfsburg, Braunschweig, dem Landkreis Goslar und Hannover. Die rund 130 Einsatzkräfte von den Feuerwehren aus Stadt und Region Hannover waren am Dienstagmorgen um 8 Uhr die ersten an der Einsatzzentrale auf dem Magdeburger Messegelände, von wo aus der nördliche Teil der Stadt gesichert wird.

Seit Einsatzbeginn ist das Kontingent der Helfer stetig angewachsen. „Wir haben innerhalb von zwei Tagen alle wesentlichen Aufgaben bewältigen können“, sagte der Einsatzleiter. 70.000 Sandsäcke wurden ebenso in Deichen verbaut wie 5000 so genannte Big Bags – riesige Sandsäcke, die pro Stück jeweils eine Tonne wiegen.

„Am Freitagabend werden wir die Einsatzkräfte austauschen“, kündigte Rohrberg an. Wegen der hohen Arbeitsbelastung könnten die Helfer nur im Schichtbetrieb arbeiten. Außerdem bestehen die Hilfskräfte zu rund 80 Prozent aus ehrenamtlichen Helfern, sagte Rohrberg. Diese müssten sich in vielen Fällen wieder bei ihren Arbeitgebern melden.

 

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Pfarrkirchner sollen Trinkwasser abkochen

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Pfarrkirchen

 


Die Bürger der Stadt Pfarrkirchen werden gebeten, bis auf weiteres das Trinkwasser nur im abgekochten Zustand zu konsumieren. Das teilen die Stadtwerke am Donnerstagabend mit.

Eine routinemäßige Untersuchung der Trinkwasserversorgung einer privaten Entnahmestelle habe einen auffälligen mikrobiologischen Befund ergeben, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung.

Aktuell könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Verunreinigung aus dem städtischen Trinkwasserversorgungsnetz kommt. Deshalb bitten die Stadtwerke um die Vorsichtsmaßnahme.


http://www.pnp.de

Kreis Wittenberg

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Wittenberg

16.56Uhr: An der Schwarzen Elster ist ein weiterer Damm bei Jessen im Kreis Wittenberg gebrochen. Der Deich sei am Donnerstag auf einer Länge von 30 Metern aufgerissen, sagte ein Sprecher des Landkreises. Das Wasser ströme auf den Ortsteil Klossa zu. Ein Hubschrauber sei angefordert worden. Ziel sei es, mit dem Ablegen der Sandsäcke aus der Luft die Bruchstelle möglichst zu verkleinern. Am Mittwoch war bereits ein Deich am knapp sieben Kilometer entfernten Premsendorf gebrochen.

Quelle: http://www.focus.de

Zwethau

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

+++ 6. Juni 2013, 15:50 Uhr: Zwethau +++
Alle Helfer, die die Sicherungsmaßnahmen am Deich bei Zwethau unterstützen möchten, finden sich bitte am S&L-Markt in Zwethau ein. Busse fahren die Freiwilligen zum Damm, um dort die Bundeswehrsoldaten zu unterstützen. Bitte nicht selber zum Deich fahren – sonst kommen die Einsatzfahrzeuge nicht mehr durch!

Ein Überblick: So hat das Hochwasser Kulturhäuser getroffen

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Deggendorf, Passau

 


Das Jahrhunderthochwasser in Ostbayern hat Anfang Juni auch zahlreiche Kultureinrichtungen zerstört. Viele Inhaber bzw. Betreiber treibt die Existenzangst um. Dass zahlreiche Veranstaltungen abgesagt wurden, ist da noch das kleinste Übel. Nachfolgend eine Überblick:

Landestheater Niederbayern: Freunde des Landestheaters Niederbayern sind erschüttert von den Bildern aus dem 1645 errichteten Gebäude. Im Fürstbischöflichen Opernhaus am Innufer stand das Wasser im Parkett bis zur zehnten Reihe und fast bis an die Oberkante der Brüstung zum Orchestergraben. Auch dieser lief voll. „Es sieht sehr schlimm aus“, sagte Pressesprecher Konrad Krukowski am Dienstag der PNP. Möglicherweise müssen alle hydraulischen und elektrischen Anlagen sowie Sessel und Boden im Zuschauerraum erneuert werden. Bis auf Weiteres ist das Theater geschlossen − „ein Spielbetrieb ist de facto diese Spielzeit nicht mehr möglich.“ Sieben Vorstellungen sind betroffen. Die Besucher bekommen ihr Geld zurück, allerdings erst ab 11. Juni, denn momentan gibt es weder Telefon noch Internet. Das Landestheater hofft, wie geplant Verdis „Rigoletto“ bei den Burgenfestspielen auf der Veste Oberhaus ab 15. Juni zeigen zu können. Das Hochwasser erreichte auch die Einrichtung in Straubing. Hugo von Hofmannsthals’ „Jedermann“ (11./12. Juni) kann nicht im Herzogschloss stattfinden, weil der untere Hof des Schlosses unter Wasser steht. Die erwähnten Aufführungen finden im Theater am Hagen statt. Das Theater in Landshut ist nicht betroffen.

Deggendorfer Stadthallen: Voraussichtlich bis Montag, 10. Juni dient die Einrichtung als Stützpunkt für die Einsatzkräfte, die gegen das Hochwasser im Landkreis kämpfen. Deshalb wurden die bevorstehenden Veranstaltungen abgesagt: „Erfolgreich in Niederbayern“, „Jazz and more Kulturabend“ (beide Donnerstag) und das Konzert „Harfe und Klavier“ (Samstag).

Café Museum: Den Passauer Jazzclub hat es hart getroffen: Konzertgewölbe im Keller und Gastronomie inklusive Küche sind laut Inhaber Jürgen Waldner waren mit Schlamm gefüllt. Deshalb hat Waldner einen Spendenaufruf für den Neuanfang gestartet. Wenn irgendwie möglich, will er im Juni das Sommerprogramm „Jazz am Russenkai starten“ − 60 Gratiskonzerte, wenn nötig mit Bierbänken und drei Getränken auf der Karte.

Scharfrichterhaus: Theater und Restaurant in Passau waren bis an die Decke voll mit Wasser. Scharfrichterhaus-Gründer Walter Landshuter schätzt den Schaden auf 300.000 Euro. Alle Veranstaltungen sind vorerst abgesagt, frühestens in vier Wochen ist an eine Wiedereröffnung zu denken. Wenn es überhaupt eine gibt. Denn Inhaber Matthias Ziegler, der seit Jahren ein Vermögen in die Sanierung und Einrichtung investiert, überlegt laut, das Traditionshaus gar nicht wieder aufzusperren.

Promenade Lichtspiele: Im Passauer ProLi, das unweit des Inns liegt stand das Wasser bis unter die Decke.

Passauer Kinos: Vom Hochwasser verschont blieb das Passauer Cineplex und das Metropolis. Trotzdem hatten die Einrichtungen am Montag geschlossen, im Cineplex finden seit Dienstag wieder Vorstellungen statt. Seit Donnerstag läuft der Betrieb im Cineplex und Metropolis normal, das Scharfrichter Kino bleibt bis auf weiteres geschlossen. Das aktuelle Kinoprogramm und die Vorstellungszeiten finden Sie unter http://www.regioevent.de/kino.

MMK Wörlen: Vergleichsweise glimpflich davongekommen ist das Museum Moderner Kunst − Wörlen (Passau). Geflutet wurden Kassenbereich und Skulpturenraum, beides war rechtzeitig geräumt. Die im Museum höher gelegenen Ausstellungsräume waren nicht betroffen.

Passauer Galerien: Nicht abzuschätzen sind die Folgen der Flut für die vielen Galerien und freischaffenden Künstler der Passauer Altstadt, die das Kulturleben ebenso tragen wie die Institutionen.

http://www.pnp.de/

Kreis erklärt Prignitz zum Katastrophengebiet

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Prignitz

 

Ich geh’ hier nicht raus“, sagt Karissa Nickel aus Breese. In dem etwas geduckten Haus mit der leuchtend gelben Fassade hat schon ihre Mutter lange ausgeharrt, als 2002 das Hochwasser einen Meter hoch im Keller stand. „Ich träum’ schon nachts von dem schönen Deich, den sie uns versprochen haben“, sagt die Frau. Doch jetzt heißt es erst einmal Sand schippen. Noch nicht direkt in Säcke, denn die sollen erst gebracht werden, aber von der Straße aufs Grundstück, denn wer weiß, ob nicht jemand anders zugreift. Der Stepenitzgrund gehört zu den am tiefsten liegenden Punkten von Breese und ist demnach vom Hochwasser besonders betroffen. Gegen Mittag kommt Bürgermeister Werner Steiner vorbei und deutet an, dass eine Evakuierung nötig werden könnte.

Als problematisch gilt auch der Abschnitt vom Hafen in Wittenberge bis zur Stepenitzbrücke. Dort wurde gestern von Feuerwehrleuten eine Spritzwand errichtet und mit Sandsäcken verstärkt. Sie soll nicht nur das Gelände sichern, sondern verhindern, dass die Fluten in die Innenstadt fließen. Feuerwehrleute aus Wittenberge und anderen Orten der Prignitz, unter anderem aus Meyenburg, dichteten die Führungsschienen ab und setzen dann die Kunststoffelemente ein, die den Hochwasserschutz auf insgesamt 8,99 Meter Höhe heben sollen (wenn man das sogenannte Freibord von einem Meter hinzurechnet). Eine ähnliche Aufgabe kommt den aufgeschütteten Dämmen zu, die etwa das Industriegebiet Süd sichern helfen sollen.

Auf dem Gelände der Alten Ölmühle werden Sandsäcke gefüllt, allein bis gestern Mittag waren es bereits 24 000, wie der Wittenberger Bürgermeister Oliver Hermann mitteilte. Keiner ist zu jung oder zu klein, um zu helfen. Die Schüler der 6. Klasse der Jahn-Grundschule packen mit an. Selbst aus dem knapp 100 Kilometer entfernten Rheinsberg kamen Freiwillige nach Wittenberge.

„Über die Bereitschaft der Bürger mitzuhelfen sind wir sehr erfreut“, sagt der Bürgermeister. Wir brauchen auch jede Hand, denn unsere Feuerwehrleute arbeiten an der Belastungsgrenze.“ Daher forderten Oliver Hermann wie auch die Amtsdirektoren von Bad Wilsnack/Weisen und Lenzen-Elbtalaue die Feststellung des Katastrophenfalls. „So haben wir ganz andere Möglichkeiten, Mittel und Personal anzufordern“, erläuterte der Wittenberger Bürgermeister. Am Nachmittag wurde die Bitte erhört: Landrat Hans Lange stellt den Katastrophenfall fest.

Für den Landkreis und die vom Hochwasser betroffenen Kommunen sind damit deutlich erweiterte Befugnisse verbunden: Damit darf die Hilfe der Bundeswehr angefordert werden. MAZ-Informationen zufolge sind bereits 140 Panzergrenadiere aus Viereck bei Eggesin in der Prignitz. Sie sollen zwischen Bälow und Sandkrug eingesetzt werden.

Unterdessen wurde die Hochwasser-Prognose der Bundesschifffahrtsverwaltung gestern deutlich gesenkt. War vorgestern noch von bis zu 8,20 Metern am Pegel Wittenberge für Sonntag die Rede, nannte der Landkreis in seiner Hochwassermeldung eine Höhe von 7,25 Meter. Die Schifffahrtsverwaltung des Bundes gab als (ungesicherte) Vorhersage für Sonntag 7,39 Meter und 7,59 Meter für Dienstag an. Das ist noch nicht unbedingt ein Grund zum Aufatmen, aber die Aussichten sind vielleicht nicht mehr ganz so düster.

Karissa Nickel und ihre Kinder Bianka und Tony sowie deren Freunde und Bekannte wollten versuchen, das Haus im Stepenitzgrund in Breese mit Sandsäcken zu sichern. Gleiches unternahm die Feuerwehr am Sportplatz und dann im Ort. Am Nachmittag war ganz Breese für den Durchgangsverkehr gesperrt: Es wurden Sandsäcke aufgeschichtet. (Von Andreas König)

Ein neuer Sandsackfüllplatz wird am Donnerstag auf dem Sportplatz des Eisenbahnersportvereins an der Breeser Straße eingerichtet. Der Standort Packhofstraße wird aufgegeben. Bürger können den Sand dort für den Privatgebrauch kostenlos entnehmen.

FREIWILLIGE FEUERWEHREN AUS DEM LANDKREIS HELFEN TATKRÄFTIG AM DEICH

  • Der Kreisfeuerwehrtag , bei dem sich wie gestern angekündigt am Samstag, 8. Juni, in Vettin (Gemeinde Groß Pankow) die Wehren im Wettkampf messen wollten, fällt aus. Alle betreffenden Feuerwehren seien in Bereitschaft, hieß es. Das wurde am Abend des 4. Juni wegen der Hochwasserlage so beschlossen, informierte gestern Ernst Bohusch aus Vettin. Ein neuer Termin für das Kreisfeuerwehrtreffen soll dann bekannt gegeben werden.
  • Der Meyenburger Amtsausscheid findet wie geplant am Sonnabend in Stepenitz statt. Die Stepenitzer Wehr ist wegen ihres 120-jährigen Bestehens dieses Jahr der Gastgeber für den Ausscheid. Laut Meyenburgs Ordnungsamtsleiter Matthias Habermann schickten die Meyenburger Feuerwehren ihre Leute bereits gestern zum Helfen an den Deich. Auch am morgigen Freitag und am Sonntag, 9. Juni, sind sie wieder vor Ort im Einsatz.
  • Die Feierlichkeiten zu 140 Jahre Feuerwehr Putlitz finden nach dem Stand von gestern Nachmittag wie geplant am Freitagabend und am Samstag statt, informierte Putlitz-Berges Amtsdirektor Gerd Ehrke. Das könne sich aber – je nach Lageentwicklung – auch ändern, gab der Amtsdirektor zu bedenken. Laut Amtsbrandmeister Christian Reisinger sind Kräfte aus dem Amtsbereich am Freitag und am Sonntag vor Ort, so dass die Putlitzer am Samstag Zeit zum Feiern haben. Amtsdirektor Ehrke merkte kritisch an, dass wesentlich weniger Arbeitslose in den Feuerwehren aktiv sind als beim letzten Hochwasser. „Wenn es dann um die Arbeitszeit in den Betrieben geht, wird es schwierig“, sagte er. bat

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12527776/19287300/Deiche-werden-verstaerkt-Stepenitzgrund-Breese-auf-Evakuierung-eingestellt.html

Zehn Fakten zur Flut

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Von Axel Bojanowski

Eine der schwersten Hochwasserkatastrophen trifft Deutschland. Was sind die Ursachen? Wurde aus vorigen Fluten nichts gelernt? Bringt Regen am Wochenende erneute Probleme? Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen.

Wie kam es zum Hochwasser?

Der Deutsche Wetterdienst hat berechnet, wie viel Wasser in den vier fatalen Tagen Ende letzter Woche vom Himmel gefallen sind: Knapp 23 Billionen Liter Wasser seien auf Deutschland gestürzt. Das Wetterungetüm hat einen Namen. Meteorologen sprechen von der Vb-Wetterlage; der Name bezeichnet die Zugbahn der Luft: Sie strömte vom Mittelmeer nach Norden. Vb gibt es nicht oft, etwa drei bis fünfmal pro Jahr. Diesmal sorgten mehrere Zufälle für extreme Regenmassen: Die Luft strömte ausgerechnet ins dicht besiedelte Mitteleuropa. Zwei Hochdruckgebiete im Osten und Westen klemmten die Tiefdruckzone über Mitteleuropa fest. Es handelte sich gleich um mehrere der gefürchteten Mittelmeer-Tiefs, die Meeresluft aus den Subtropen nach Norden lenkten, die besonders feucht war. Die nasse Mittelmeerbrise traf in Mitteleuropa auf kühle Luft, auf der sie aufstieg wie auf einer Rampe. In kühler Höhe kondensierte die Feuchtigkeit zu Wolken wie an einer kühlen Fensterscheibe. Ausgerechnet in dieser Zeit fehlten starre Luftmassengrenzen, die den Aufstieg der Luft stoppen. So wuchsen kilometerhohe Wolkentürme, die sich vor Gebirgen stauten. An Erzgebirge, Thüringer Wald, Bayerischem Wald, Schwarzwald, Harz und Alpen schüttete es deshalb besonders heftig.

Wurde rechtzeitig gewarnt?

Ja. Bereits Mitte vergangener Woche warnten Wetterdienste vor lang anhaltenden Regengüssen im Süden und in der Mitte Deutschlands. Ausdrücklich wurde bedrohliches Hochwasser vorhergesagt. Erst traten kleinere Flüsse über die Ufer. Sie laufen nun in den großen Strömen zusammen. Der Pegelanstieg von Elbe, Elster, Donau oder Rhein wird Tage im Voraus prognostiziert.

Wie besonders ist das Hochwasser?

Meteorologen konstatieren für die meisten betroffenen Orte ein „hundertjähriges Ereignis“, also eine Flut, wie sie sich im Durchschnitt alle 100 Jahre ereignet. Die Güte der Daten ist jedoch umstritten. Flüsse traten immer wieder über ihre Ufer, doch die Aufzeichnungen sind lückenhaft; vor allem aus der Zeit vor Erfindung des Buchdrucks. „Und ich hab immer noch Angst vor dem Rhein“, schrieb Heinrich Böll im Gedenken an viele Flutkatastrophen. Im Sommer 1342 etwa kam es zum Regen-Supergau, berichtet der Geograf Rüdiger Glaser von der Universität Würzburg. Binnen acht Tagen fiel in Mitteleuropa so viel wie sonst in einem halben Jahr. Auch 1732 forderten Flusshochwasser in Deutschland zahlreiche Opfer. 1784 schwoll die Elbe gar so stark an, dass sie für immer ihren Lauf veränderte. Diesmal aber fiel so mancher Rekord: In Passau etwa wurde der höchste bekannte Pegelstand aus dem Jahr 1501 um mehr als einen halben Meter übertroffen.

Ist der Klimawandel schuld?

Statistische Berechnungen zeigen, dass Hochwasser in Mitteleuropa in den vergangenen 500 Jahren nicht häufiger geworden zu sein scheinen. Weil immer mehr Menschen an die Ufer zogen, stiegen aber die Schäden durch Hochwasser. Zieht man diesen Wertzuwachs-Effekt jedoch ab, zeigt sich Berechnungen zufolge keine ungewöhnliche Zunahme in den vergangenen vier Jahrzehnten. Ausnahme scheint allerdings das Frühjahr: In dieser Zeit wachse die Gefahr hoher Pegel, weil häufiger Regen falle anstatt Schnee, das Wasser also auf einmal in die Flüsse rauscht, zeigt eine Studie. Grundsätzliche Überlegungen aber lassen vermuten, dass die Klimaerwärmung mehr Starkregen bringt: Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit halten, weshalb es häufiger heftig regnen könnte. Für den Zeitraum von 1951 bis 2000 sei aber kein eindeutiger Trend zu vermehrten extremen Niederschlägen festzustellen, berichtet der Deutsche Wetterdienst. Allerdings gebe es im Winter einen Trend zu mehr Ereignissen mit Tagesniederschlägen von mehr als 30 Litern pro Quadratmeter.

Für die Zukunft zeigen Klimamodelle jedoch keine verlässlichen Ergebnisse. Entscheidend dürfte die Frage sein, ob die gefürchtete Vb-Wetterlage häufiger wird. Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigen in den vergangenen Jahrzehnten eine Zunahme der Vb-Wetterlage im Sommer. Hält der Trend an? Erste Simulationen zeichnen ein unklares Bild.

Ist die Asphaltierung des Bodens schuld?

Kaum. Niederschläge, die große Flüsse wie Elbe oder Rhein steigen lassen, strömen aus einem Gebiet, das fast so groß ist wie halb Deutschland. Aber nur gut ein Zehntel der Fläche Deutschlands ist mit Asphalt oder Gebäuden künstlich versiegelt. Ein Blick in die Landschaft offenbart das wahre Problem: Der Regen selbst versiegelt den Boden, Felder und Wiesen sind derzeit überschwemmt von ausgedehnten Seen. Ursache war der starke Niederschlag in kurzer Zeit: Vielerorts fielen mehr als 300 Liter in vier Tagen, das Wasser steht dann 30 Zentimeter hoch, sofern es nicht abfließt. Der Regen füllt alle Poren in der Erde, so dass weiterer Regen nicht versickern kann – das Wasser strömt direkt in Flüsse und Bäche. 40 Prozent der Landesfläche Deutschlands hätten Ende Mai neue Bodenfeuchte-Rekorde aufgewiesen, berichtet das Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (Cedim). Vielerorts zählt der Mai zu den nassesten seit Aufzeichnungsbeginn vor rund hundert Jahren.

Wurde aus der Hochwasserkatastrophe von 2002 gelernt?

Darüber wird gestritten. Nach den Fluten an der Elbe 2002 wurden zahlreiche Schutzmaßnahmen beschlossen: Bessere Deiche, Schutzmauern, Flutungsflächen. Der Bund erließ 2005 ein neues Hochwasserschutzgesetz. Es verpflichtet die Länder unter anderem, mehr Überschwemmungsflächen auszuweisen. In solchen Gebieten dürfen neue Gebäude nur noch in Ausnahmefällen gebaut werden. Vielerorts gab es Fortschritte, Bund und Länder investierten viele Milliarden Euro in den Hochwasserschutz. Viele Orte in Bayern erhöhten die Deiche. Hitzacker in Niedersachsen hat eine flexible Wand gegen Fluten angeschafft. Auch Grimma hat aufgerüstet. Doch die neue Schutzmauer, die die Altstadt vor dem Wasser bewahren soll, ist gerade mal halbfertig. Bürgerproteste hatten den Bau gestoppt, weil er angeblich das Stadtbild verschandelt.

Umweltverbände prangern Versäumnisse an. Der WWF macht für die Überschwemmungen die Kommunen mitverantwortlich. Die setzten meist nur auf technische Schutzmaßnahmen wie bessere Deiche. Dabei fehle es vor allem an Überflutungsflächen, den sogenannten Poldern. Deiche verlagern das Hochwasser flussabwärts. Dort schwellen die Fluten umso stärker, je weniger Wasser unterwegs aus dem Fluss laufen kann. Flutungsflächen indes geben dem Fluss Raum, die Pegel fallen. „Die Elbe hat mehr als 80 Prozent ihrer natürlichen Überflutungsflächen und Auwälder verloren“, sagt Georg Rast, WWF-Referent für Wasserbau. Nötig sei, den Flüssen wieder mehr Raum zu geben. Doch diese Art des Hochwasserschutzes ist schwieriger durchsetzbar als Deichbauten: Landbesitzer müssen weichen. Der Bayerische Ministerpräsident Seehofer droht nun sogar Landwirten mit Enteignung, die sich dem Hochwasserschutz widersetzen.

Doch es gibt auch Fortschritte: In Lenzen an der Elbe etwa ist es gelungen, den Deich zurückzuverlagern; nun hat die Flut mehr Platz. In den nächsten Tagen wird man sehen, ob die Maßnahme wirkt.

Wie schnell kommt die Elbe-Flut voran?

Die Elbe fließt gewöhnlich in gemütlichem Fußgängertempo. Für die 500 Kilometer von Dresden bis zur Schleuse in Geesthacht vor den Toren Hamburgs benötigt das Wasser ungefähr sieben Tage. Entlang flacher Ufer mit viel Vegetation verlangsamt sich das Tempo. In begradigten Abschnitten nimmt der Fluss Fahrt auf.

Wie hoch steigen die Pegel an der Elbe?

Der Scheitel der Flut wird in Dresden mit 8,80 Meter für Donnerstag erwartet; flussaufwärts in Tschechien fällt der Wasserstand bereits leicht. 2002 erreichte die Elbe dort 9,40 Meter. Mit erheblichen Schäden muss auch diesmal gerechnet werden, der Scheitel des Hochwassers scheint besonders lang zu sein, so dass das Wasser wohl nur langsam abfließen wird. In Dessau könnte bereits im Laufe des Tages ein neuer historischer Höchststand von mehr als 7,16 Meter erreicht werden. Der Scheitelpunkt wird hier jedoch erst am Samstag erwartet. Nach neuesten Berechnungen könnte das Wasser noch auf über 7,50 Meter steigen. In Magdeburg wird möglicherweise in der Nacht zum Samstag der alte Wasserstandsrekord von 6,80 Metern gebrochen, bis Sonntag sind sogar 7,20 Meter nicht auszuschließen. Wittenberge erwartet einen neuen historischen Wasserstand von mehr als sieben Metern im Laufe des Sonntags.

Der Scheitel der Flut wird Schleswig-Holstein voraussichtlich Mitte nächster Woche erreichen. Nach Angaben der zuständigen Behörde in Magdeburg wird für nächsten Donnerstag in Lauenburg ein Pegelstand von 9,75 Meter erwartet. Dieser Wert liegt rund einen halben Meter über dem bisherigen Höchststand von 2011. Der Krisenstab des Kreises halte an der Anordnung fest, dass die Bewohner der Unterstadt am Freitag ihre Häuser verlassen müssen. Die besonders gefährdete Ortschaft Hitzacker im Kreis Lüchow-Dannenberg muss mit 8,15 Metern gerechnet – die Wassermassen würden fast einen halben Meter höher stehen als jemals zuvor gemessen.

Halten die Deiche an der Elbe?

Das lang andauernde Hochwasser werde die Deiche in Niedersachsen stark beanspruchen; es bestehe die Gefahr, dass sie durchweichten, warnt der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Vom Hubschrauber aus wollen Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) das Geschehen überwachen: Aus 300 Meter Höhe soll eine Wärmekamera die Temperatur der Deiche messen, um Durchfeuchtungen aufzuspüren, teilt die Behörde mit. Einsatzkräfte und Freiwillige versuchen, die Elbdeiche zu sichern. Im Landkreis Lüneburg sollen die Deiche mit rund einer Million Sandsäcken auf 70 Kilometern Länge um 30 Zentimeter erhöht werden. Dort waren bereits 2500 Helfer im Einsatz, darunter auch 1200 Bundeswehrsoldaten. In Lüchow-Dannenberg sah es ähnlich aus. „Bei uns sind rund 3800 Kräfte im Einsatz, Tendenz steigend“, erklärte Jenny Raeder, Sprecherin der Hochwasser-Pressestelle des Landkreises. 660 Soldaten seien im Einsatz.

Im Süden werden Gewitter und Dauerregen erwartet – droht erneut Hochwasser?

Das ist möglich. Die Wetterdienste sagen ab Freitag Gewitter und Starkregen für die Mittelgebirge und Süddeutschland voraus. Am Montag sei gar im Süden wieder Dauerregen möglich, mahnt der Deutsche Wetterdienst. Gerade im Einzugsgebiet der Elbe seien nächste Woche erhebliche Regenmengen möglich, berichtet der Wetterdienst Meteomedia. Da jedoch Dauer, Intensität und die Lage dieser Niederschlagsgebiete noch mit Unsicherheit behaftet seien,lassen sich die Auswirkungen auf die Flüsse noch nicht ganz absehen, erklärt das Institut für Wetter- und KlimakommunikationIWK.

Besonders in den derzeit von Hochwasser betroffenen Gebieten seien erneute, aber wohl meist lokale Überschwemmungen oder Pegelanstiege nicht auszuschließen, da der Boden in diesen Regionen meist kein Wasser mehr aufnehmen kann. „Blitzeinschläge stellen in überschwemmten Wohngebieten durch die hohe Leitfähigkeit des Wassers eine besonders hohe Gefahr dar“, warnt das IWK.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/hochwasser-fakten-zur-flut-an-fluessen-elbe-rhein-donau-a-904232.html

Existenzangst nach dem Hochwasser

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Grimma

Aus Grimma berichtet Heike Baldauf

Wo die Flut vorbei ist, beginnt die Arbeit der Gutachter. In Grimma ist der Schaden für viele beträchtlich und existenzbedrohend. Nur wenige sind gegen Hochwasserschäden versichert – nach der letzten Flut waren bezahlbarePolicen kaum noch zu bekommen.

Am Tag vier nach der Muldeflut tragen, kehren und spritzen die Menschen in der Altstadt den Fluss aus ihren Häusern. Mit Schaufeln, Besen und Wasserschläuchen ziehen sie in die Schlacht. Stadt und Technisches Hilfswerk schicken Bagger, Container und Kehrmaschinen. Die Feuerwehr ist weiterhin im Dauereinsatz. Unzählige Helfer sind unterwegs. Auf dem Markt wird kostenlos gespendetes Essen und Wasser in Flaschen ausgegeben.

Es ist die Zeit der Nachbarschaftshilfe, des solidarischen Miteinanders. Und der Gutachter von Versicherungen. Jetzt geht es nicht mehr um steigende Pegel. Es geht um die nackte Existenz.

„Die Gutachter kommen heute“, sagt Udo Schönfeld, das Handy am schlammverschmierten Ohr. Wie einige seiner Kunden ist er mit seinem Büro für Versicherungen der LVM abgesoffen. Sein Ladengeschäft liegt direkt am Markt. Hier stand das Wasser mannshoch. Er hat auch noch einen Spielwarenhandel – von der Mulde mitgenommen.

„Keine Versicherung wollte das Risiko tragen“

Doch die Gutachter mit den spitzen Bleistiften und fachmännischen Blicken, die heute für die wenigen Kunden in Grimma unterwegs sind, die gegen Überschwemmungen abgesichert sind, sagen ihm nur guten Tag. Mehr nicht. „Ich habe keine Versicherungspolice für Elementarschäden.“ Das klingt vielleicht paradox, meint er. „Doch einige Jahre nach der Flutkatastrophe von 2002 wollte keine Versicherung das Risiko tragen.“ Fünf Jahre danach hat er sein Büro eröffnet. Hier allein schätzt er den Schaden „auf 50.000 Euro“.

So wie Schönfeld ergeht es den meisten Bewohnern der Straßen unmittelbar hinter dem Fluss und der Stadtmauer. Ihre Wohnungen, Häuser, Geschäfte und Werkstätten liegen im Gebiet der höchsten Gefährdungsklasse 4. Das bedeutet, dass hier statistisch gesehen häufiger als einmal in zehn Jahren mit einem Hochwasser zu rechnen ist.

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) hat nahezu jedes Gebäude in Deutschland in eine von vier Gefährdungsklassen eingestuft. Seit Frühjahr 2012 können sich Mieter, Hausbesitzer und Unternehmer darüber im Internet informieren. Unter zuers-public.de sind die Überschwemmungsdaten der Wasserwirtschaftsämter abrufbar.

Das computergestützte System ZÜRS (Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen) ist längst zu einem Instrument der Versicherungswirtschaft geworden. Auch wenn dort der Freistaat Sachsen informiert, dass ZÜRS „keine rechtlich verbindliche Auskunft liefert“.

Die Ausnahme: Alte DDR-Policen

Bereits 2004, zwei Jahre nach der angeblichen Jahrhundert-Flutkatastrophe an Mulde und Elbe, sahen Verbraucherschützer aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen den finanziellen Folgen künftiger Hochwasser mit großer Besorgnis entgegen.

Die Einführung einer Elementar-Pflichtversicherung für Wohngebäude, wie von ihnen gefordert, „wurde von Politik und Versicherungswirtschaft nicht umgesetzt“, so Sprecherin Julia Schäfer. „Zur Begründung dafür hieß es unter anderem, dass die erforderlichen Garantien für den Bund und die Länder zu teuer seien.“

Für Betroffene, die in gefährdeten Gebieten wohnen und immer seltener bezahlbaren Versicherungsschutz gegen Hochwasser und andere Elementarschäden erhalten, bedeutet das ein Leben und eine Zukunft in Angst, heißt es bei den sächsischen Verbraucherschützern. Ohne Versicherungsschutz sind Hochwasseropfer erneut auf staatliche Förderkredite und Spenden angewiesen. Doch mit einer so hohen Spendenbereitschaft der Menschen wie im Jahr 2002 könne man ein zweites Mal nicht rechnen.

Eine Ausnahme bilden alte DDR-Policen, die Überschwemmungsschäden absichern und durch die Allianz weitergeführt werden.

Im Jahr 2010, auch ein Flutjahr für Sachsen, startete die Verbraucherzentrale eine Umfrage unter 43 Versicherungsunternehmen, mit der Bitte um Auskunft zum Versicherungsschutz und den Konditionen in gefährdeten Zonen. Anlass war die Aufforderung von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich an die Bürger, mehr Eigenvorsorge vor derartigen Naturereignissen zu betreiben. Gegen Überschwemmungen könne man sich versichern, habe es geheißen. „Im Gegensatz dazu hörten wir immer wieder, dass Betroffene keinen Versicherungsschutz erhalten“, erzählt Versicherungsexpertin Andrea Heyer.

Griff in die Stadtkasse

Das Ergebnis der Umfrage, an der sich 28 Unternehmen beteiligten, ging für Grimma nicht gut aus. Kein Angebot; ZÜRS 4; ohne Überschwemmung; individuelle Prüfung – so lauteten die Antworten auf eine von der Verbraucherzentrale konkret genannte Adresse. „Mir klingt dieser Tage immer wieder die Aussage des GDV im Ohr, dass 99 Prozent aller Haushalte den Schutz gegen Elementarschäden bekommen würden“, sagt Heyer. „Da haben wir unsere Zweifel.“ Deshalb werde die Verbraucherzentrale Sachsen eine erneute Umfrage starten und mit Infoständen in betroffene Regionen kommen, auch nach Grimma.

Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger hat noch keine Antwort gefunden auf die Versicherungsfrage, die ihn wie die Bevölkerung der Stadt umtreibt. Einige Leute haben schon laut gesagt, dass sie ihre Geschäfte in der Altstadt aufgeben und wegziehen wollen. Noch ist sein Team dabei, die Schadenshöhen von Bürgern und Firmen aufzunehmen.

Doch anders als Kommunen ringsum wartet Berger nicht ab, was von Bund und Land zur Finanzierungsfrage an Signalen nach Grimma schwappt. Vier Tage nach der Evakuierung der Gefahrenzone der Mulde hat an diesem Donnerstag jeder Erwachsene, der sich ausweisen konnte und von der Katastrophe betroffen ist, 400 Euro in die Hand gedrückt bekommen, Kinder 250 Euro.

„Mit einem Griff in die Stadtkasse haben wir das vorfinanziert“, sagt Rathaussprecher Sebastian Bachan, der die gute Nachricht über Facebook verbreitete und damit eine lange Schlange an Hilfesuchenden auslöste.

Der Bürgermeister hatte für die Organisation der Geldausgabe keine Zeit. Er kämpft schon wieder an anderen Fronten.

http://www.spiegel.de/panorama/flut-in-sachsen-betroffene-sind-gegen-hochwasser-nicht-versichert-a-904240.html

Deggendorf Eine Stadt versinkt in den Donau-Fluten

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Deggendorf

 

Die Donau ist Deggendorf zum Verhängnis geworden. Nach mehreren Deichbrüchen stehen 2000 Menschen vor dem Aus. Drei Meter hoch steht das Wasser im bayerischen Ort. Viele Menschen retteten sich vor den Fluten aufs Dach, mussten per Hubschrauber gerettet werden.

Immer wieder starten die Hubschrauber vom Volksfestplatz in Deggendorf zu gefährlichen Einsätzen. Sie retten die vom Hochwasser eingeschlossen Menschen aus den überspülten Ortsteil Fischerdorf. «Einige sind trotz der dramatischen Lage in ihren Häusern geblieben und warten mittlerweile auf den Dächern auf Hilfe», erklärt der Einsatzleiter Alois Schraufstetter am Mittwoch. Von der Luft aus werden die Eingeschlossenen mit Hilfe von Winden in den Hubschrauber gezogen oder per Boot in Sicherheit gebracht.

«Es herrscht absolute Lebensgefahr. Die Häuser stehen bis zu drei Meter im Wasser», sagt der 57 Jahre alte Kommandant der Deggendorfer Feuerwehr. Nach zwei Dammbrüchen mussten die Ortsteile Fischerdorf, Natternberg und die Gemeinde Niederalteiech evakuiert werden. Etwa 2000 Menschen haben ihr Hab und Gut zurückgelassen. Die meisten sind bei Freunden und Verwandten untergekommen. Nur wenige warten in den Notunterkünften in der Deggendorfer Stadthalle oder in einer Schule.

Horst Seehofer zur Lage in Deggendorf: «unbeschreiblich schlimm»

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ist erschüttert über das Hochwasser. «Es ist unbeschreiblich schlimm. Das übersteigt alle Dimensionen», sagte Seehofer in Deggendorf. Zuvor war Seehofer mit dem Hubschrauber über die Hochwassergebiete im Landkreis Deggendorf geflogen. Zu den möglichen Auswirkungen ergänzte er: «Es ist schwer zu sagen, wenn man mit den Naturgewalten kämpft, ob man dann gewinnt.»

Das Hochwasser entlang der bayerischen Donau bleibt trotz sinkender Pegel bedrohlich. In der gefährdeten Region um Deggendorf und Straubing ging das Wasser am Donnerstag zwar stündlich um mehrere Zentimeter zurück. Die Gefahr, dass die durchgeweichten Dämme brechen, war aber weiter sehr hoch.

Die Jahrhundertflut 1954 traf Deggendorf nicht so schlimm wie das Hochwasser 2013

Gisela und Hans Löfflmann aus Fischerdorf haben bereits am Dienstag ihr Haus verlassen. «Nach dem Dammbruch stieg das Wasser rasend schnell. Im Erdgeschoss stand das Wasser ruckzuck 1,50 Meter hoch,» sagt die 64-Jährige. Sie hätten nur noch das Nötigste wie Unterwäsche und Kleidung mitgenommen – Möbel, Fernseher oder andere Wertgegenstände in Sicherheit zu bringen, schaffte das Ehepaar nicht mehr. «Es hieß: Wir setzen unser Leben aufs Spiel, wenn wir daheim bleiben», sagt der noch immer erschütterte Hans Löfflmann.

Bereits als Jugendlicher hatte der heute 75-Jährige die Jahrhundertflut von 1954 erlebt. «Damals habe ich selbst noch geholfen, aber so schlimm wie jetzt war es damals nicht», erinnert er sich. Er ist zwar froh, dass seine Frau und er in Sicherheit sind. Die Sorge um ihr Haus ist ihm aber anzusehen. «Die Garage war komplett unter Wasser, als wir weggebracht wurden. Und wir wissen nicht, ob die Versicherung alle Schäden bezahlt.» Das Ehepaar ist zumindest den Anweisungen der Einsatzkräfte gefolgt und damit in Sicherheit.

Andere Bewohner harrten dagegen in ihren Häusern aus, obwohl die Fluten die Umgebung in eine gigantische Seenplatte verwandelten. «Selbst jetzt ist nicht jeder bereit, sein Haus zu verlassen», erläutert Einsatzleiter Schraufstetter. Dabei sei die Lage äußerst kritisch – inzwischen läuft Öl aus den Heizungstanks, und einige Gastanks treiben auf dem Wasser.

Schule als Notunterkünft for die obdachlosen Menschen aus Deggendorf

Bislang sei noch niemand verletzt worden, versichert der Einsatzleiter. Das klingt angesichts einiger dramatischer Einsätze fast unglaublich: Unmittelbar nach dem Dammbruch in Winzer waren vier Landwirte auf ihrem Traktor von den Wassermassen umspült und konnten sich mit letzter Kraft an dem Fahrzeug festhalten, bis sie aus der Luft gerettet wurden.

Die Eheleute Löfflmann warten unterdessen in der Stadthalle, bis sie in die Schule gebracht werden, in der sie die kommende Nacht verbringen. «Dass es mal soweit kommt, hätte ich niemals gedacht. Wir haben in den letzten Tagen noch die Bilder vom Hochwasser in Passau gesehen und gedacht, dass uns das nicht passiert», sagt Gisela Löfflmann. Jetzt ist sie selbst Opfer der Jahrtausendflut in Bayern geworden.

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Wie viel Wasser kommt in die Havel?

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Havel

 

Im Süden und Osten Deutschlands kämpften die Menschen auch gestern mit dem Hochwasser. Geradezu beschaulich dagegen die Situation im Havelland. Fast geruhsam schlängelt sich die Havel in ihrem Bett. Doch die Situation wird sich in den kommenden Tagen ändern. Bei Grütz werde die Havel bis zum Wochenende einen Pegelstand von etwa zwei Metern erreichen, prognostizierte gestern Joachim Karp, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brandenburg, Außenstelle Rathenow, auf einer von Landwirten der Unteren Havel Nord anberaumten Sonderberatung. Für die Jahreszeit normal wären 1,40 Meter. Damit kommt Wasser auf die Wiesen. Wie sich die Situation entwickelt, werde vor allem davon abhängen, wie viel Wasser aus der Spree kommt. Es kann viel Wasser werden. „Böse ist auch die Vorschau für die Elbe“, so der Außenstellenleiter. Das diesjährige Elbhochwasser werde voraussichtlich die Dimension von 2002 erreichen.

Wie sich die Hochwassersituation auf die Untere Havel auswirkt, wird die kommende Woche offenbaren. Die Situation kann schlimm werden. Was Karp dann sagte, hörten die Landwirte nicht gern. Es könnte passieren, dass alle sechs Polder der Unteren Havel Nord für eine Flutung geöffnet werden, um Wasser aus der Havel aufzunehmen oder zu helfen die Elbe zu entlasten. Aufnehmen können die sechs Polder zusammen 80 bis 90 Millionen Kubikmeter Wasser. „Wir werden uns auf eine solche mögliche Situation vorbereiten“, sagte Rhinows Ordnungsamtsleiter Michael Mirschel. Für die Landwirtschaftbetriebe gehört zu diesen Vorkehrungen auf höher gelegenen Flächen Weidemöglichkeiten zu schaffen. Die Agrargenossenschaften Böhne und Hohennauen müssten jeweils etwa 500 Tiere umstellen. Noch während der Beratung kontaktierte Gerhard Stackebrandt, stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, das zuständige Landesministerium, um Modalitäten für gewährte EU-Ausgleichszahlungen zu klären. Zügige Klärung wurde zugesagt. Auch Peter Haase von der Naturparkverwaltung bot Unterstützung bei der Bearbeitung von Anträgen an. Diese ermöglichen den Landwirten einen vorzeitigen Erntebeginn auf Naturschutzflächen, die normalerweise erst nach dem 15. Juni bewirtschaftet werden dürfen. Die Untere Naturschutzbehörde hat erste Anträge bewilligt. Problem ist nur der Zeitfaktor und das einige Flächen aufgrund von Frühjahrshochwasser noch nicht befahrbar sind. Werden alle Polder geflutet rechnen Landwirte mit 70 Prozent Ernteausfall. (Von Norbert Stein)

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12527162/19287300/Landwirte-bangen-Oeffnung-aller-sechs-Polder-der-Unteren.html

So teuer wird die Flut für Dresden und Halle

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Dresden, Halle

 

Dresden bangt, Halle versinkt: Das Hochwasser hat Deutschland weiter fest im Griff. Auf die Bundesländer kommen Milliardenkosten zu. Während der Bundestag heute über Hilfen berät, kämpfen Sachsen-Anhalt und Bayern weiter gegen die Wassermassen. In Niedersachsen steht das Schlimmste wohl noch bevor.

Sachsen rechnet mit Hochwasserschäden in Milliardenhöhe. Der Leiter des neuen Wiederaufbaustabs in der Staatskanzlei, Fritz Jaeckel, geht von zwei bis 2,5 Milliarden Euro aus.

Der Stab will sich um Geld aus dem EU-Solidaritätsfonds für Katastrophenfälle bemühen. Voraussetzung sei eine nationale Schadenssumme von mindestens 3,67 Milliarden Euro. Das komme in Sachsen, Bayern, Thüringen und Brandenburg gemeinsam zusammen.

Der EU-Haushaltskommissar Janusz Lewandowski hatte angesichts laufender Haushaltsverhandlungen in Brüssel jedoch gewarnt, diese Kasse sei leer: «Wir sind ohne Mittel, auf jeden Fall für den Solidaritätsfonds», sagte der Kommissar.

Bundestag berät, Städtetag fordert Soforthilfe

Die Flutkatastrophe beschäftigte am Donnerstag den Bundestag. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte den von Flutschäden Betroffenen weitere Unterstützung zu, die über die Soforthilfe des Bundes von 100 Millionen Euro hinaus gehen soll. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte: «Wir lassen die betroffenen Menschen nicht allein.»

Im Bundestag diskutierten die Fraktionen am Vormittag über die Folgen und Konsequenzen der Rekordflut. Schäuble sagte, es werde alles getan, um die langfristigen Schäden zu beheben. «Darauf können sich alle verlassen.» Lammert dankte wie Schäuble den Helfern vor Ort, insbesondere den vielen Freiwilligen. Erneut werde die Erfahrung gemacht, dass Not und Leid einhergingen mit Tatkraft und Hilfe sowie einer «eindrucksvollen menschlichen Zuwendung».

Der Deutsche Städtetag hält angesichts der enormen Schäden in den Hochwasser-Regionen weitere Hilfen des Bundes für unumgänglich. «Die 100 Millionen Euro des Bundes sind als Soforthilfe angekündigt und als solche wichtig zur kurzfristigen Unterstützung», sagte Städtetagspräsident Ulrich Maly der Saarbrücker Zeitung. Die Schäden würden voraussichtlich aber deutlich höher sein.

Flutwelle rollt auf Niedersachsen zu

Indes hat das Hochwasser auf Elbe, Donau und Saale weite Teile Deutschlands weiter fest im Griff. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. In Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Bayern drohten in der Nacht noch Überflutungen, auch wenn das Wasser der Flüsse teilweise schon wieder sank.

Auch in Sachsen blieb die Lage in den Elbkommunen kritisch. In Niedersachsen steht in den Regionen rund um die Elbe das Schlimmste noch bevor: Zum Wochenende wird mit einem kräftigen Anstieg des Wassers gerechnet. Weil die Pegelstände der Elbe nicht genau vorhergesagt werden können, ist die Lage oft nur schwer berechenbar.

BRANDENBURG: Hier zittert besonders der 4000-Einwohner-Ort Mühlberg im Elbe-Elster-Kreis. Ein Pflegeheim in der Altstadt wurde bereits am Mittwoch evakuiert, rund 2100 Anwohner wurden von den Behörden aufgefordert, freiwillig ihre Wohnungen zu verlassen. Auch der Landkreis Prignitz bereitet sich auf den Ernstfall vor. «Wir wissen auch dort nicht, wie hoch das Wasser stehen wird», sagte ein Sprecher des Krisenstabs in Potsdam. In Nordbrandenburg wird der Höhepunkt der Flutwelle am Wochenende erwartet.

NIEDERSACHSEN: Vom heutigen Donnerstag an bis zum Wochenende wird mit einem Anstieg der Elbe gerechnet. Tausende Einsatzkräfte und Anlieger entlang des Flusses bereiten sich bereits auf die kritische Phase vor. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg werden ab heute Deichwachen Tag und Nacht eingesetzt. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) will sich zudem zusammen mit seinem Amtskollegen aus Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), ein Bild von der Lage in den Hochwassergebieten machen.

SACHSEN-ANHALT: Die Wassermassen hielten auch am Donnerstagmorgen besonders denRaum Bitterfeld und die Stadt Halle im Griff. «Wir hoffen, dass die Deiche halten», sagte eine Sprecherin des Krisenstabs inMagdeburg. InBitterfeld drohte der angrenzende Goitzschesee über die Ufer zu treten und die Stadt zu überfluten. EinDeich wurde daher gesprengt, um die Dämme zu entlasten. Entwarnung konnte noch nicht gegeben werden.

Auch in Halle wurde wegen der steigenden Gefahr von Dammbrüchen an der Saale eine mögliche Evakuierung geplant, von der im schlimmsten Fall 30.000 Einwohner betroffen sein könnten. Teile der Altstadt wurden bereits überschwemmt und Häuser geräumt, darunter nach Angaben der Stadt Halle zwölf Altenheime. Insgesamt mussten in Sachsen-Anhalt bislang 2511 Menschen ihre Häuser wegen des Hochwassers verlassen.

BAYERN: Aufgeweichte Deiche, die zu brechen drohen, stehen auch im Süden im Mittelpunkt: In Straubing und Deggendorf kämpften Einsatzkräfte die ganze Nacht, um die Dämme zu stabilisieren. «Es ist alles im Einsatz», sagte ein Sprecher der Stadt Straubing, wo das Hochwasser auf der Donau bereits langsam zurückgeht. Entwarnung gebe es aber trotzdem noch keine – ebenso wenig wie in Deggendorf, wo erst im Laufe des Tages mit sinkenden Wasserständen gerechnet wird. Am Morgen wird dort auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erwartet. Er will sich an mehreren Orten über das Donau-Hochwasser informieren.

SACHSEN: Die Menschen in Sachsen blicken gebannt nach Tschechien, von woher die Elbe-Scheitelwelle anrollt. Brennpunkte blieben in der Nacht zum Donnerstag Dresden und die Elbkommunen in der Sächsischen Schweiz, so ein Sprecher des Landeshochwasserzentrums. Der Scheitel der Elbe wurde für Dresden bereits für den Mittag erwartet. Dabei werde aber der Pegelstand der Jahrhundertflut von 2002 wohl nicht übertroffen. In der Sächsischen Schweiz sind viele Touristenorte überflutet, darunter Pirna, Meißen und Riesa. Dort werde das Wasser erst am Wochenende den Höchststand erreichen.

 

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Die digitale Flut

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

 

Von Jonas-Erik Schmidt

Viele Hochwasser-Helfer – ob in Dresden, Halle oder Passau – melden sich spontan und packen an. Ihre Informationen beziehen sie über das Internet. Experten meinen: Nicht nur die Pegelstände der Flut 2013 sind historisch. Auch die digitale Vernetzung hat eine neue Qualität.

Wer sagt, dass Freunde in sozialen Netzwerken nur virtuell sind und sich in der Not verdrücken, der sollte zum «Studentenclub Bärenzwinger» in Dresden gehen. Rund 350 Menschen stehen dort, es ist 21 Uhr. Sandsack um Sandsack wandert hinunter zu der Kneipe, die in einem Gewölbekeller liegt und das Hochwasser fürchten muss.

«Ich habe am Montag den Aufruf auf Facebook gesehen und bin sofort gekommen», sagt Max Pagenkopf. Der 27-Jährige weist den Helfern Aufgaben zu und schreibt die neusten Informationen zum Hochwasser auf eine Tafel – auch die kommen über Facebook und Twitter rein. Die Solidarität mit den überschwemmten Gebieten ist groß in diesen Tagen. Und das Internet wird zu ihrer Plattform.

Ob in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen: Überall wird sich digital organisiert und ausgetauscht. Die Facebook-Gruppe «Hochwasser Passau 2013» beispielsweise hat mittlerweile über 2000 Mitglieder, die Facebook-Seite «Hochwasser Halle – Saale» wurde rund 11.000 Mal mit einem «Gefällt mir» versehen. Oft geht es um die Fragen: Wer braucht Hilfe? Was kann ich machen? Auf Twitter laufen sekündlich Informationen mit dem Hashtag #hochwasser.

Zentrale Koordinationsstelle fehlt

«Für Deutschland ist das zweifellos eine neue Entwicklung», sagt der Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bei der Jahrhundertflut 2002 hätten die sozialen Netzwerke noch in den Kinderschuhen gesteckt. International würden Facebook und Twitter mittlerweile schon stärker bei Katastrophen eingesetzt – etwa bei dem Erdbeben in Haiti.

«Vieles passiert momentan spontan», sagt Neuberger zu der Situation in den Hochwassergebieten. «Es wäre gut, wenn es eine zentrale Stelle gebe, die so etwas wie eine Art redaktionelle Prüfung übernimmt», regt er an. Das könne eine Kommune, oder auch eine Hilfsorganisation sein. Damit könnten Falschinformationen herausgefischt und korrigiert, Hilfe aber auch koordiniert werden.

Denn die Stärke der sozialen Medien ist zwar, dass sie schnell und mobil verfügbar sind – und zu spontanen Zusammenschlüssen führt. Dennoch betrachten Behörden und Kommunen das spontane Anpacken bisweilen mit Sorge.

Nicht überall wird Hilfe gebraucht

So hätten zum Beispiel eine über das Internet organisierte Gruppe ohne Anweisung Säcke auf einen Deich bei Dresden geschleppt, erzählt Katrin Schöne, Sprecherin der sächsischen Landestalsperrenverwaltung. «Teilweise waren sie mit Anhänger und Traktor gekommen.»

Dabei sei das weder notwendig noch nützlich gewesen. Ein Meter Sandsackmauer wiege eine Tonne, die dann zusätzlich auf den Deich drücke. Das Gewicht könne zu einem Abrutschen führen. Wer helfen will, solle sich besser an die Krisenstäbe wenden.

Überhaupt wirken die Aktionen in den Hochwasser-Städten bisweilen noch wie das Internet selbst: Vieles schwirrt umher, einige versuchen den Überblick zu bewahren. Der Unterschied: Während Facebook und Twitter nie schlafen gehen, lassen bei den Helfern irgendwann doch die Kräfte nach.

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„Das übersteigt alle Dimensionen“

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Kilometerlang erstreckt sich braune Brühe über Wohnviertel und Industrieanlagen: Die Schäden des Hochwassers in Deutschland sind immens. Finanzminister Schäuble sagt neue Hilfsgelder zu, Bayerns Ministerpräsident Seehofer zeigt sich beim Besuch im Krisengebiet erschüttert.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer ist entsetzt über das Ausmaß des Hochwassers. „Es ist unbeschreiblich schlimm. Das übersteigt alle Dimensionen“, sagte Seehofer am Donnerstag in Deggendorf. Zuvor war Seehofer mit dem Hubschrauber über die Hochwassergebiete im Landkreis Deggendorf geflogen. Zu den möglichen Auswirkungen ergänzte er: „Es ist schwer zu sagen, wenn man mit den Naturgewalten kämpft, ob man dann gewinnt.“

Wie hoch die Schäden der Flut in vielen Teilen Deutschlands ausfallen, ist noch unklar. Doch die Schätzungen verheißen nichts Gutes. Allein Sachsen kalkuliert mit einem Finanzbedarf von mehr als zwei Milliarden Euro. Da wirken die von der Bundesregierung versprochenen 100 Millionen Euro an Soforthilfen vergleichsweise übersichtlich.

Doch bei dieser Summe soll es offenbar nicht bleiben. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat den von Flutschäden betroffenen Bürgern weitere Unterstützung über die Soforthilfe hinaus zugesagt. Es werde über die ersten Maßnahmen hinaus alles getan, um die langfristigen Schäden zu beheben, sagte Schäuble am Donnerstag im Bundestag. „Darauf können sich alle verlassen.“ Es werde solidarische Hilfe geleistet wie bei der Flutkatastrophe 2002.

Angaben zu konkreten Summen machte Schäuble nicht. Die Bundesregierung hat jedoch bereits angekündigt, neben der 100-Millionen-Euro-Soforthilfe ein Kreditpaket der staatlichen Förderbank KfW in gleicher Höhe für Firmen, Kommunen und Privatleute auf den Weg zu bringen. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht versprach den Geschädigten in ihrem Bundesland 20 Millionen Euro Soforthilfe.

Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte: „Wir lassen die betroffenen Menschen nicht allein.“ Schnelle Hilfe habe Priorität. Dies sei Konsens aller im Bundestag vertretenen Parteien.

Zuvor hatte der Deutsche Städtetag Alarm geschlagen. „Die 100 Millionen Euro des Bundes sind als Soforthilfe angekündigt und als solche wichtig zur kurzfristigen Unterstützung“, sagte Städtetag-Präsident Ulrich Maly der „Saarbrücker Zeitung“. Die Hochwasserschäden würden voraussichtlich aber deutlich höher sein. „Deshalb wird sicher, wenn das ganze Ausmaß sichtbar wird, über weitere Hilfen gesprochen.“

Zugleich forderte er eine rasche Abstimmung von Bund und Ländern. „Der Bund muss umgehend mit den Ländern und Kommunen klären, wie die Bürgerinnen und Bürger unbürokratisch gezielte Unterstützung und Finanzmittel erhalten“, sagte Maly. Über die Lage der Kommunen – auch, aber nicht nur angesichts des Hochwassers – debattiert an diesem Donnerstag auch der Bundestag.

Die SPD verlangt nach den katastrophalen Überschwemmungen in Ost- und Süddeutschland einen Milliarden-Hilfsfonds für die betroffenen Regionen. „Ich halte einen Hilfsfonds wie 2002 für erforderlich“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, am Donnerstag im Bundestag. Das Paket müsse Milliardensummen umfassen.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/milliardenschaeden-schaeuble-sichert-flutopfern-unterstuetzung-zu-a-904083.html

Was ist ein Scheitelpunkt?

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Momentan ist der so genannte Scheitelpunkt das Thema in vielen Hochwasserregionen Mitteldeutschlands. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Begriff und warum ist die exakte Messung des Scheitelpunktes so wichtig?

von Christopher Gaube

Der Scheitelpunkt ist eigentlich ein Begriff aus der Mathematik. Gemeint ist hier der höchste Punkt einer nach unten geöffneten Parabel, wenn man so will, ein U auf den Kopf gestellt. Im Querschnitt kommt das einer Welle gleich. Übertragen auf das Hochwasser handelt es sich also um den höchsten Punkt, den das Wasser erreicht.

Wie hoch, das lässt sich auch für Hydrologen nur schwer berechnen. Abhängig ist die Höhe des Scheitelpunktes nämlich von vielen Faktoren. So spielen die Regenmengen  eine Rolle, aber auch ob der Fluss viele Nebenarme besitzt und welche Gewässer in ihn münden

Genauso schwer ist es vorauszusagen, wie schnell sich so ein Scheitelpunkt fortbewegen wird. Und auch wie lange es dauert, bis das Wasser wieder sinkt. Das ist nämlich abhängig davon, wie schnell das Wasser in die nächsten Gewässer abfließen kann. Führen diese selbst Hochwasser, kann sich das Wasser auch stauen. Deshalb entstehen neben kurzen auch so genannte langgezogene Scheitel. Immer dann, wenn ein Hochwasserscheitel über eine lange Zeit sein Niveau hält, wird es gefährlich. Genau dann weichen Dämme und Deiche auf und drohen zu brechen.

Wichtig ist die Messung der Scheitelspitzen übrigens auch für den Deich- und Straßenbau. Die ermittelten Werte geben Auskunft darüber, wie hoch und stabil Brücken sein müssen, um den kommenden Hochwässern standzuhalten.

Quelle: mdr.de

Die unscheinbaren Helfer – Sandsäcke

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Er ist der heimliche Held an den übergelaufenen Flüssen und in den überschwemmten Gebieten. Die Rede ist vom Sandsack. Christopher Gaube stellt den unscheinbaren Helfer einmal genauer vor.

von Christopher Gaube

Im Normalfall ist es nicht besonders nett, wenn man vom „nassen Sack“ spricht. In den bedrohten Hochwassergebieten ist er allerdings sehr begehrt. Der Sandsack. Ihn gibt es in verschiedenen Ausführungen, wobei das Material eine entscheidende Rolle spielt: Naturfasern oder Kunststoff, das ist die Gretchenfrage. Entscheidender Vorteil der Kunststoffsäcke ist, dass sie günstiger und haltbarer sind. Bereits verfüllte Säcke können auch über längere Zeit gelagert werden. Jutesäcke hingegen geben im Verbund einen größeren Halt – rutschen nicht so schnell weg. Und sie können sich mit Wasser vollsaugen, quellen auf und dichten so zusätzlich ab.

Im trockenen Zustand wiegt so ein Sandsack übrigens bis zu 20 Kilogramm. Für die Helfer also echte Schwerstarbeit, denn oft werden die Säcke auf den letzten Metern zum Einsatzort nur mittels Menschenketten transportiert. So können Deiche und Dämme schnell erhöht und Löcher gestopft werden. Auch Häuser, Keller und Geschäfte werden mit den Sandsäcken vor dem Hochwasser geschützt. Richtig verlegt sind die so entstandenen Wälle wasserdicht.

Werden die Sandsäcke nicht mehr gebraucht, dann werden sie wieder eingesammelt und einfach geleert. Der Sand wird dann beispielsweise auf Spielplätzen wiederverwendet. Teilweise werden die Säcke aber auch getrocknet und wieder eingelagert.

Neben dem Hochwasserschutz kann man die Sandsäcke auch noch für ein ganz unerwartetes Vorhaben einsetzen – nämlich zum Hausbau. Das Ganze nennt sich dann Earth-Bag-Architektur. Türen und Fenster werden aus Holzkonstruktionen errichtet, die Wände bestehen aber aus Sandsäcken – werden am Ende noch verputzt. So entstehen nicht nur ganz gewöhnliche Häuser, sondern auch Kuppeln und Bögen sind möglich.

Quelle: mdr.de

Hochwasserwelle rollt auf den Kreis zu

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Havel

 

Die Hochwasserwelle rollt jetzt auf den Landkreis zu. Weil die Elbe so viel Wasser führt, wird sich das ebenfalls auf die Havelniederung bei Babe (Amt Neustadt) auswirken. „Wir richten uns jetzt auf die Flutung des Polders dort ein“, sagte Neustadts Amtswehrführer Heino Arndt gestern nach einem Gespräch mit dem Katastrophenschutz des Landkreises.

Bereits zum Wochenende könnte bei Babe Havelwasser in die Wiesen gelassen werden, um damit Druck aus der Elbe zu nehmen. Zuletzt wurde das beim Jahrhunderthochwasser vor elf Jahren notwendig. Nun wird bei Wittenberge am Sonntag ein Elbpegel von 8,20 Metern erwartet. Zum Vergleich: Beim sogenannten Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002 stand der Pegel in Wittenberge bei 7,34 Meter.

Derzeit gilt die Lage rund um Babe noch nicht als katastrophal. Deshalb blieb es gestern auch nur bei „ersten Absprachen“, wie Wehrführer Arndt sagte. „Vorbeugen ist besser als heilen“, betonte Arndt. Auch Neustadts Ordnungsamtsleiterin Kathrin Lorenz beruhigt. Sie steht mit Arndt wie auch mit dem Katastrophenschutz in Neuruppin in permanentem Kontakt und sagt: Alles, was unternommen wird, ist „lageabhängig“.

Die bei Babe Betroffenen würden über das Landwirtschaftsamt zwar ohnehin informiert. Trotzdem wollte man bereits gestern auch seitens des Amtes schon mal auf die Landwirte zugehen. Zu klären ist, wie Vieh in Sicherheit gebracht werden kann, und es geht ums Mähen, damit die Bereiche möglichst viel Wasser aufnehmen können. Man unternehme alles, um auf eine Flutung der Wiesen vorbereitet zu sein, so Lorenz.

Ob als Nächstes auch die Bewohner einiger Orte bis in die Breddiner und Dreetzer Gemeindegebiete hinein gewarnt werden müssen, das soll heute besprochen werden. Vor elf Jahren ließ die Amtsverwaltung Hochwasserinfos als Postwurfsendung in die Haushalte bringen. Das Flugblatt enthielt Hinweise zum Verhalten im Ernstfall.

Heute früh soll außerdem ein Krisenstab der Neustädter Regionalstelle des Landesumweltamts seine Arbeit aufnehmen: Es besteht aus drei Neustädter Mitarbeitern sowie vier Beschäftigten vom Hauptsitz des Landesumweltamts in Groß Glienicke bei Potsdam. Neben Deichkontrollen in der Region und der Überwachung der Flusssysteme um Dosse und Jäglitz hat das Team viel zu koordinieren. So gibt es laut Bereichsingenieur Sebastian Köppen mehrere Polder die auf sachsen-anhaltinischem Gebiet liegen. Länder, Landkreise und Landräte seien bei Entscheidungen gefordert. Schließlich gehe es immer auch um die Frage von Existenzen und Kosten.

Im Nachbarlandkreis Prignitz kam gestern unterdessen der dortige Hochwasserkrisenstab in Perleberg zusammen. Auch Ministerpräsident Matthias Platzeck schaute vorbei. Ein Hilfeersuchen aus der Prignitz gibt es aber noch nicht. Dieses würde von der Prignitz aus ohnehin erst an die Koordinierungsstelle des Innenministeriums ergehen und dann nach Neuruppin weitergeleitet werden, hieß es aus der Kreisverwaltung. Die Infos erreichen über den Kreisbrandmeister die Ostprignitz-Ruppiner Feuerwehrleute. Mindestens ein Tag Vorlauf ist für den Einsatz notwendig.

„Wir würden dann vor allem auf diejenigen setzen, die entweder zu Hause sind oder in öffentlichen Verwaltungen arbeiten“, sagte der Kyritzer Feuerwehrchef Manfred Giese. Zuletzt gehörten 2010 Kyritzer Feuerwehrleute zu den 120 Helfern aus OPR, die beim Ausbessern vom Hochwasser bedrohter Deiche im Kreis Elbe-Elster halfen. So, wie in den Jahren zuvor schon an der Oder und eben auch an der Elbe. „Es gibt schon vorformierte Teams im Landkreis für diese Hilfsfälle“, sagte Wusterhausens Gemeindebrandmeister Ralf Hohmann. (Von Matthias Anke)

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12527280/19287300/Die-Elbe-soll-durch-Oeffnung-eines-Polders-bei.html

Aufatmen im Markt Winzer: Das Schöpfwerk läuft weiter

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Deggendorf

 

Kaum kam am Donnerstagmorgen die Meldung, dass der Damm bei Ruckasing gehalten werden kann, geisterte schon die nächste Schreckensmeldung durch den Landkreis Deggendorf: Das Schöpfwerk Mühlau bei Neßlbach (Markt Winzer) sei ausgefallen, der Polder werde geflutet, Mühlau, Gries und Sattling müssten sofort notevakuiert werden.

Flussmeister Wolfgang Englmüller machte sich mit Werner Lemberger sofort nach dieser Nachricht auf den Weg nach Mühlau, um das zu überprüfen. Und tatsächlich: Eine Pumpe ist ausgefallen. Aber: Kein Grund, das Schöpfwerk aufzugeben oder gar den Polder zu fluten. „Wir installieren eine weitere, größere Pumpe, dann läuft das Schöpfwerk wieder“, sagt Englmüller − und die Feuerwehrleute aus Neßlbach um ihren Kommandanten Markus Müller und seinen Amtsvorgänger Franz Augenstein setzen das sogleich in die Tat um. Und schon lässt sich das Wasser wieder aus dem Polder, weg vom Schöpfwerk, pumpen. Gefahr gebannt. „Das ist doch auch mal eine gute Nachricht“, freut sich Englmüller.

http://www.pnp.de/

Gepard in Schlauchboot gerettet

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Halle

 

Das Hochwasser an Elbe und Saale bedroht auch zahlreiche Tiere. In Sachsen-Anhalt musste ein Gepard betäubt und dann mit einem Schlauchboot aus dem Bernburger Zoo in Sicherheit gebracht werden.

Halle – Es wirkt fast wie eine Szene aus dem Kinofilm „Life of Pi“: eine Raubkatze in einem kleinen Boot auf dem Wasser. In Sachsen-Anhalt haben Helfer einen Gepard vor dem Hochwasser aus dem Bernburger Tiergarten gerettet. An manchen Stellen stand das Wasser dort schon hüfthoch. Ein Tierarzt betäubte das verängstigte Tier mit einem gezielten Schuss. Der Gepard ist nun im Bergzoo in Halle untergebracht.

„Arche Noah“ nennt Sprecher Tom Bernheim den hochgelegenen Zoo inzwischen. Denn hier sind bereits zahlreiche andere gerettete Tiere aus Sachsen-Anhalt zu Gast: Vögel, Affen und Pinguine. Aber alles geht eben nicht: Ein Bär sitzt in Bernburg weiter auf einer Insel in seinem Gehege, auch Wölfe und Wisente müssen im Käfig bleiben. Die Rettungsboote sind zu klein für sie. Provisorisch errichtete Podeste sollen den Tieren aber vorübergehend Schutz bieten.

Für einige Tiere kam jedoch jede Hilfe zu spät. Mehrere Hirsche seien im Bernburger Tiergarten in den Fluten der Saale ertrunken, sagt Bernheim. Auch die Meerschweinchen haben das Hochwasser nicht überlebt.

Dem Wildpark Weißewarte bei Stendal unweit der Elbe könnte das Schlimmste erst noch bevorstehen. Die Pfleger schauen mit bangen Blicken auf die steigenden Fluten. Die meisten Tiere seien aber schon in privaten Auffangstationen oder im Tierpark Stendal untergekommen, teilte die Wildparkverwaltung mit. Nur die Hirsche müssten bei einer Überflutung Schutz auf kleinen Rettungsinseln suchen.

URL: http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-gepard-aus-zoo-in-bernburg-gerettet-a-904216.html

So erhalten Hochwasser-Opfer die Soforthilfe des Freistaats

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Deggendorf, Passau

 

Die bayerische Staatsregierung hat Finanzmittel als Sofortgeld für hochwassergeschädigte Privathaushalte, Unternehmen sowie land- und forstwirtschaftliche Betriebe zur Verfügung gestellt. Es werden pauschal 1500 Euro für Privathaushalte und 5000 Euro für Unternehmen bzw. land- und forstwirtschaftliche Betriebe zur Ersatzbeschaffung von durch das Hochwasser zerstörten Hausrat aus Wohnungen bzw. zerstörten Betriebsvermögen zur Verfügung gestellt.

In Passau kann die Soforthilfe im Dienstleistungszentrum Passavia der Stadt Passau, Vornholzstraße 40, 1. Stock, Zi. 104 und 108, beantragt werden. Die Bürozeiten: Donnerstag von 10 bis 20 Uhr, darauffolgende Tage (auch Samstag und Sonntag) von 7 bis 20 Uhr. Der Antrag kann persönlich, per Fax (Nr. 37738) oder eingescannt per Mail  (martin.dupper@passau.de) bei der Stadt Passau gestellt werden. Der Antrag muss vom Geschädigten vollständig ausgefüllt und unterschrieben sein. Die Antragsunterlagen sind erhältlich in den oben genannten Büros und im Internet auf www.passau.de. Zudem werden die Anträge in den betroffenen Gebieten verteilt. Nach Abgabe des Antrags erfolgt die Überweisung des Betrags im Laufe der nächsten Woche auf das genannte Konto.

In der Stadt Deggendorf kann die Soforthilfe im Bürgerbüro im Neuen Rathaus, Franz-Josef-Strauß-Straße 3, beantragt werden. Die Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 7 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 8 bis 18 Uhr. Die Stadt Deggendorf bittet darum, alle nicht das Hochwasser betreffenden Angelegenheiten zu einem späteren Zeitpunkt im Bürgerbüro zu erledigen.

Im Landkreis Deggendorf sind für die Soforthilfe die jeweiligen Gemeinden zuständig. Anträge also bitte direkt an die Rathäuser vor Ort richten. Einzige Ausnahme: Niederalteich. Da hier das Rathaus nicht arbeitsfähig ist, übernimmt das Landratsamt die Anträge für Niederalteich unter der Hotline 0991/3100285 oder via hochwasserhilfe@lra-deg.bayern.de. Herunterladen kann man sich die Anträge unter www.landkreis-deggendorf.de.

Im Landkreis Passau sind ebenfalls die jeweiligen Gemeinden für die Abwicklung der Anträge verantwortlich. Die Anträge kann man auf der Seite des Landkreises herunterladen: www.landkreis-passau.de

http://www.pnp.de

Behörden warnen vor Deichbrüchen

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern kämpfen die Menschen gegen das Hochwasser. In Norddeutschland bereiten sich Tausende Helfer auf die Flut vor. Angela Merkel und Joachim Gauck reisen ins Hochwassergebiet.

Der Überblick.

In Bayern und Ostdeutschland steht das Wasser meterhoch in Städten und Gemeinden, in den nördlichen Bundesländern wappnen sich die Menschen für die Flut der Elbe. Die Pegelstände werden in Niedersachsen zwar erst Ende kommender Woche den Höhepunkt erreichen. Aber schon seit Tagen verstärken Tausende Helfer die Deiche.

Aufgrund der langen Hochwasserphase bestehe die Gefahr, dass die Deiche durchweichen, warnte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

Das Hochwasser soll bereits ab Freitag auch in Niedersachsen bedrohliche Ausmaße annehmen. Im Landkreis Lüneburg sollen die Deiche mit rund einer Million Sandsäcken auf 70 Kilometern Länge um 30 Zentimeter erhöht werden. 2500 Helfer sind im Einsatz, darunter auch 1200 Bundeswehr-Soldaten. In Lüchow-Dannenberg sieht es ähnlich aus. „Bei uns sind rund 3800 Kräfte im Einsatz, Tendenz steigend“, sagte eine Sprecherin des Landkreises.

Das Hochwasser in Brandenburg wird die Deiche noch tagelang gefährden. Innenminister Dietmar Woidke schätzte die Situation ernster als 2002 ein. Die Behörden gingen davon aus, dass die Flut noch bis zu eineinhalb Wochen gefährlich sein könne. „Es ist eben nicht nur die Elbe, die kommt. Dieses Mal kommen alle Nebenflüsse mit großer Wucht mit dazu“, sagte Woidke im rbb-Inforadio.

Die Scheitelwelle der Flut wird erst in den nächsten Tagen erwartet. Dabei ist ungewiss, ob sich die Scheitel treffen – und ob sich die Mengen addieren. Das Wasser werde nicht rasch zurückgehen und daher noch etwa zehn Tage auf die Deiche drücken, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Befürchtet wird eine Verschärfung der Lage, sollte die Elbe die Wassermengen nicht mehr aufnehmen können und es zu einem Rückstau in die Schwarze Elster kommen.

In Mecklenburg-Vorpommern soll erstmals der Krisenstab im Landesinnenministerium zusammentreten. In Schleswig-Holstein, wo der Ort Lauenburg bedroht ist, befürchtet das Umweltministerium „noch nie dagewesene Wasserstände“. 4000 Helfer sind in Lauenburg und Umgebung im Einsatz.

Höchstwert in Dresden wohl erreicht

In Dresden hat die Elbe vermutlich den Höchststand erreicht. Um 12 Uhr mittags lag der Pegel bei 8,76 Metern. „Wir sind schon im Scheitelbereich, der Wert ist seit zwei Stunden gleichbleibend“, sagte ein Sprecher des Landeshochwasserzentrums. Normal sind knapp zwei Meter. Während Stadtteile im Osten und Westen unter Wasser standen, blieb die historische Altstadt mit Semperoper, Schloss, Frauenkirche und Zwinger bisher verschont – anders als bei der Flutkatastrophe 2002.

Weiter nördlich in Sachsen-Anhalt ist die Lage kritisch. In Bitterfeld könnte es zu einem Wassereinbruch kommen. Nach einem Deichbruch floss das Wasser in den Seelhausener See, was die Innenstadt bedroht. Zwei Deichsprengungen durch die Bundeswehr brachten bislang nicht die erhoffte Entlastung. Eine dritte Sprengung wurde abgesagt. Es werde auf andere Weise versucht, für Entlastung zu sorgen, sagte ein Sprecher des Krisenstabs.

Kanzlerin Angela Merkel besuchte am Nachmittag die Region Bitterfeld/Wolfen. Bereits am Dienstag war sie in mehrere Hochwassergebiete gereist. Bundespräsident Joachim Gauck will am Sonntag in Halle (Saale) an einem Gottesdienst teilnehmen. Anschließend sei ein Gespräch mit Betroffenen und Helfern geplant, teilte das Präsidialamt mit.

Auch in Halle blieb die Lage angespannt, obwohl der Pegelstand der Saale zurückging. Bereits am Mittwoch hatten die Behörden 30.000 Bewohnern dringend empfohlen, sich freiwillig aus den bedrohten Gebieten zu entfernen. Ein Damm mitten im Stadtgebiet war so instabil, dass ihn Helfer nicht mehr betreten konnten.

Bundesstraße bei Osterhofen gesperrt

Dramatisch ist die Lage nach wie vor entlang der Donau in Bayern. In der gefährdeten Region um Deggendorf und Straubing geht das Wasser zwar stündlich um mehrere Zentimeter zurück. Die Gefahr, dass die durchgeweichten Dämme brechen, ist aber weiter hoch. Ministerpräsident Horst Seehofer machte sich in einem Hubschrauber ein Bild von der Lage. „Es ist unbeschreiblich schlimm. Das übersteigt alle Dimensionen“, sagte er in Deggendorf.

Bei Osterhofen musste die Bundesstraße 8 komplett gesperrt werden. „Die Verkehrssituation rund um Deggendorf verschärft sich dadurch weiter“, sagte eine Sprecherin. Die Autobahnen A3 und A92 im Krisengebiet seien wegen Überflutung immer noch gesperrt.

In Thüringen entspannte sich die Lage hingegen zusehends. Nur noch an drei Messstellen der Saale – in Kaulsdorf, Rothenstein und Camburg-Stöben – galt die höchste Alarmstufe 3, wie die Landesanstalt für Umwelt und Geologie in Jena mitteilte.

URL: http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-in-deutschland-norden-wappnet-sich-a-904147.html

Das laute Rauschen

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Sachsen

Aus Torgau berichtet Anna-Lena Roth

Vor dem Fenster von Ingrid Liebau hat sich die Elbe in ein braunes Meer verwandelt. Die 77-Jährige wohnt im sächsischen Torgau – und dort herrscht Katastrophenalarm. Hunderte Helfer bereiten die Stadt auf den Höhepunkt der Flut vor, ihnen bleiben wenige Stunden.

Sie sei nicht schlampig, das möchte sie extra betonen. Auch wenn es in ihrer Küche gerade sehr wüst aussieht. Kaffeeflecken, dreckiges Geschirr, Pappteller, Essensreste. Aber das ist im Moment nicht wichtig, Ingrid Liebau hat andere Sorgen. Direkt vor ihrem Wohnzimmerfenster herrscht Ausnahmezustand.

Liebau wohnt im nordsächsischen Torgau, am Mittwoch wurde hier Katastrophenalarm ausgerufen. Die Elbe fließt direkt vor Liebaus Wohnung entlang, die 77-Jährige hat in den vergangenen Tagen vom Balkon aus beobachten können, wie der Pegel des Flusses stieg und stieg. Aktuell sind es 8,83 Meter, bis Freitag könnten der Stadt zufolge noch einmal 40 Zentimeter hinzukommen.

Früher sei die Elbe mal stahlblau, mal türkisfarben gewesen, sagt Liebau. Und jetzt? Jetzt bahnt sich einige Meter von ihr entfernt eine braune Wassermasse ihren Weg. Angst hat Liebau nicht. „Ich sitze nicht tatterig und hilflos hier rum.“ Stattdessen kocht sie literweise Kaffee oder organisiert Dutzende Bockwürste, um sie vor ihre Haustür zu bringen, direkt zu den Fluthelfern – deshalb das Chaos in ihrer Küche. Den Teppich in ihrem Wohnzimmer hat sie zur Seite gerollt. Sie hat ja doch ständig dreckige Schuhe, wenn sie wieder hoch in ihre Wohnung kommt, um Nachschub zu holen.

Sie macht das gerne, sagt sie. Freut sich, dass sie so wenigstens ein bisschen helfen kann. Denn Sandsäcke schleppen, das schaffe sie mit ihren 77 Jahren nun wirklich nicht mehr. Die Beutel wiegen etwa 20 Kilo. Das überlässt sie lieber anderen.

150 Meter Sandsäcke

Vor Liebaus Wohnung haben sich am Mittag zwei lange Menschenketten gebildet, vom Sofa aus hört sie die Befehle, die Funksprüche, die Gespräche. Etwa 450 Menschen seien gekommen, sagt Einsatzkoordinator Jörg Altmeyer. Technisches Hilfswerk, Freiwillige Feuerwehr, Bundeswehr. Und Dutzende Bewohner von Torgau: Kinder, Jugendliche, Senioren. Sie alle sorgen dafür, dass auf 150 Metern Länge Sandsäcke gestapelt werden, vier Schichten übereinander. Denn durch den Druck der Elbe ist der Torgauer Deich in der Nähe des Schlosses aufgeweicht, das Wasser drückt sich durch – der Sand soll die anliegenden Häuser schützen.

Während der Arbeiten wird viel gelacht, es riecht nach Sonnencreme und Schweiß. Wer nicht anpacken kann, backt Kuchen oder sorgt für Wassernachschub. Ängstlich wirkt hier niemand. Vielleicht strahlt diese demonstrative Gelassenheit der Helfer auch auf die direkt Betroffenen wie Frau Liebau ab.

Auch bei der Stadt selbst halten sich die Sorgen in Grenzen. „Wir hatten genug Zeit, uns vorzubereiten“, sagt Sprecher René Vetter. Nach der Rekordflut von 2002 seien Pläne entwickelt worden – und nun wisse man genau, an welchen Stellen Deiche verstärkt oder besonders begutachtet werden müssten. Der befürchtete Pegelstand von 9,20 Metern sei also nicht das größte Problem, sagt Vetter. Allerdings solle es etwa fünf Tage dauern, bis er wieder auf acht Meter gesunken sei. Viel Zeit, um die Deiche aufzuweichen.

Liebau kann es kaum erwarten, bis aus dem braunen Meer vor ihrem Fenster wieder ihre Elbe wird. Tagsüber geben ihr die vielen Helfer Sicherheit. Sorgen dafür, dass sie weiß: Ich muss nicht auf Knien in meinem Keller stehen und Schlamm entsorgen. Aber nachts nimmt das Große, Braune, Wilde überhand. Die Laternen vor ihrem Haus funktionieren nicht. Liebau liegt dann in ihrem Bett, es ist stockdunkel. Und von draußen hört sie nur Rauschen. Viel zu laut.

URL: http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-in-torgau-wie-sich-bewohner-auf-flut-vorbereiten-a-904263.html

Hochwasser an Donau und Elbe

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Welle der Verwüstung

Was die Flut anrichtet, lässt sich in vielen Orten besichtigen – so auch im bayerischen Deggendorf. Wohnungen, Autos und Geschäfte stehen dort unter Wasser. Anderen Städten an Donau und Elbe ist das Schicksal Deggendorfs

Warnung und Drohung zugleich.

Deggendorf – Joachim Zimmermann hat eine Schreinerei in Fischerdorf, einem Stadtteil Deggendorfs. Er hatte eine Schreinerei, muss es wohl nun heißen. Fischerdorf ist komplett von der Donau überspült. Zimmermann, auf einem schwarzen Schlauchboot der Feuerwehr, will sehen, was von seinem Betrieb noch übrig ist.

Die Einsatzkräfte auf dem Boot trauen sich nur selten, den Motor anzuwerfen. Sie gleiten direkt über die Straßen, unter denen überschwemmte Autos stehen. Auf einem Hausdach, das gerade noch aus dem Wasser ragt, ruhen sich ein paar Gänse aus. Möbel, Benzinkanister und Unmengen von Holz schwimmen in der braunen Brühe. Das Wasser ist mit Öl getränkt, zwischen den einzelnen Ruderschlägen tauchen immer wieder Heizöl- und Gastanks auf, so groß wie Autos.

Als das Schlauchboot bei der Schreinerei ankommt, offenbart sich für Zimmermann, wie schwer die Schäden sind. „Die Werkstatt im Erdgeschoss steht komplett unter Wasser, alle Maschinen und die Materialien wie Lacke und Holz sind umspült“, sagt er. Vor einigen Tagen hatte er die Türen noch mit Folien und Montageschaum abgedichtet. „Jetzt habe ich eine Tür nach innen aufgerissen, damit das Wasser später abfließen kann.“

Wie Joachim Zimmermann geht es Zehntausenden Menschen in Deutschland. Das Hochwasser hat ihre Häuser verschluckt, ihre Geschäfte verwüstet, ihre Autos zerstört. Allein bei Deggendorf steht eine Fläche so groß wie der Tegernsee unter Wasser. In der Stadt gilt wie auch in Passau und Regensburg weiter die höchste Meldestufe vier, außerdem auch in Straubing einige Kilometer flussaufwärts. Dort sank das Wasser von knapp acht auf 7,19 Meter.

Einen kleinen Erfolg verzeichneten die Einsatzkräfte im nahe gelegenen Osterhofen. Dort ist die Gefahr, dass ein 2,5 Kilometer langer Damm bricht, erst einmal gebannt. Die Wasserwacht im Landkreis Deggendorf teilte mit, die Bevölkerung werde dennoch auf eine  mögliche Evakuierung vorbereitet. Denn der Kollaps des Deiches sei immer noch nichtausgeschlossen. 2500 Menschen und eine Fläche von mehr als hundert Fußballfeldern seien von Überflutung bedroht. 335.000 Hektar Ackerfläche betroffen

Was in Deggendorf an der Donau, in Grimma an der Elbe oder in Halle an der Saale geschieht, dient anderen Orten an den Flüssen als Warnung und Drohung zugleich: Laut Bundesinnenministerium sind in den diversen Hochwassergebieten 85.000 Einsatzkräfte von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk, Bundeswehr und weiteren Organisationen im Einsatz. Hinzu kamen Tausende freiwillige Helfer.

Sie füllen Sandsäcke, helfen Betroffenen, räumen in der von den Fluten zurückgelassene Zerstörung auf – doch oft ist es ein aussichtsloses Bemühen. Das Wasser drückt, die bis an die Grenze belasteten Dämme weichen auf und drohen zu brechen – mancherorts ist das auch schon geschehen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sprach davon, das Hochwasser übersteige alle Dimensionen. Kanzlerin Angela Merkel versprach weitere Finanzhilfen für Betroffene.

Allein in der Landwirtschaft hat die Flut bislang Schäden von rund 173 Millionen Euro angerichtet. Insgesamt sind 335.000 Hektar Ackerfläche oder zwei Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche in Mitleidenschaft gezogen. Diese Zahlen nannte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) auf Basis einer ersten vorläufigen Schadensbilanz. Es ist offensichtlich, dass die Summe noch erheblich steigen wird.

Am schwersten sind bislang Landwirte in Bayern betroffen: Für sie wurden finanzielle Einbußen von rund 75 Millionen Euro gemeldet. In Sachsen lag der Betrag bei knapp 30 Millionen, in Sachsen-Anhalt bei 20 Millionen Euro. Die Wassermassen haben vor allem bei Spargel, Erdbeeren, Mais und Getreide Verluste bis hin zum Totalausfall verursacht.

Die Hochwasserlage im Überblick:

Der Verkehr in Bayern ist weiter stark beeinträchtigt. Die Autobahnen 3 und 92 bleiben bei Deggendorf gesperrt. Die Bahn sperrte die Strecke zwischen Übersee und Traunstein bis Montag. In Oberbayern ist das Schlimmste wohl überstanden. In keinem der seit Sonntag betroffenen Landkreise besteht mehr der Katastrophenfall, teilte die Bezirksregierung mit. Als letzte hoben am Mittwochabend Stadt und Landkreis Rosenheim den Katastrophenalarm auf. In Passau sank der Wasserstand im Vergleich zum historischen Rekord zwar um drei Meter, stagnierte dann aber. In der Altstadt zwischen Inn und Donau steht das Wasser teilweise noch immer meterhoch.

In Sachsen-Anhalt waren Orte wie Bitterfeld weiter akut bedroht. Dort könnte es zu einem Wassereinbruch in die Innenstadt kommen, in der rund 10.000 Menschen leben. „Das Wasser steigt permanent“, sagte die Oberbürgermeisterin von Bitterfeld- Wolfen, Petra Wust. Zwei Deichsprengungen hatten nicht die erhoffte Entlastung gebracht. Auch in Halle war die Lage weiterhin angespannt, obwohl der Pegelstand der Saale zurückging. Der Wasserspiegel der Elbe steigt weiter. In Magdeburg wird der Hochwasserscheitel für das Wochenende erwartet. In Barby im Salzlandkreis starb ein Mann, der als Freiwilliger geholfen hatte, Sandsäcke zu füllen. Angespannt blieb die Lage auch in den überschwemmten Gebieten entlang der Elbe in Sachsen – das Hochwasser des Flusses erreichte am Donnerstag seinen Höhepunkt. In Dresden kam es mittags auf 8,76 Meter. Damit lag das Maximum unter der Prognose, die von etwa neun Metern ausgegangen war. Normal sind knapp zwei Meter, 2002 wurden 9,40 Meter gemessen. Während Stadtteile im Osten und Westen unter Wasser standen, blieb die historische Altstadt anders als bei der Flutkatastrophe 2002 zunächst verschont. Der hohe Wasserstand soll vier bis fünf Tage anhalten. Nach Angaben der Stadt waren rund 9000 Haushalte ohne Strom.

Thüringen hat das Schlimmste überstanden. Die Lage an den Flüssen entspannte sich weiter. Nur noch an drei Messstellen der Saale – in Kaulsdorf, Rothenstein und Camburg-Stöben – galt die höchste Alarmstufe 3. Mit dem Rückgang des Wassers werden die Zerstörungen immer mehr sichtbar.

In Brandenburg wird der Höhepunkt der Flut ebenfalls erst in den kommenden Tagen erwartet. Laut Innenminister Dietmar Woidke wird die Lage schwieriger als 2002. „Es ist eben nicht nur die Elbe, die kommt. Dieses Mal kommen alle Nebenflüsse mit großer Wucht mit dazu“, sagte der Minister. Hunderte Bundeswehrsoldaten unterstützten die Schutzmaßnahmen an der Elbe in Mecklenburg-Vorpommern. Etwa 40.000 Sandsäcke wurden bereits gefüllt – zwei Millionen Sandsäcke sind zur Verstärkung der Deiche nötig. Das Wasser soll wohl kommenden Donnerstag den Höchststand erreichen. Umweltminister Till Backhaus (SPD) erwartet ein nie dagewesenes Hochwasser an der Elbe. In Dömitz erreichte der Fluss schon eine Höhe von 4,42 Meter, normal sind gut zwei Meter. Ausgelegt sind die Deiche für ein Hochwasser von 7,50 Meter. Das Problem sei, dass zu den Fluten der Elbe auch das Hochwasser der Saale komme.

In Niedersachsen wird das Elbe-Hochwasser wohl weniger bedrohlich als befürchtet ausfallen. Prognosen für die höchsten Pegelstände wurden um rund einen halben Meter nach unten korrigiert. Für Hitzacker werden nun für Dienstag und Mittwoch Höchststände von 7,65 Metern erwartet, 1,15 Meter weniger als noch vor zwei Tagen.

URL: http://www.spiegel.de/panorama/flut-in-deggendorf-staedte-ruesten-sich-fuer-hochwasser-a-904256.html

Hochwasser – eine Folge des Klimawandels?

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

 

Während die Wasserpegel immer noch steigen, suchen nicht nur Meteorologen nach Ursachen für das Hochwasser. Der Jetstream oder der kalte, nasse Winter stehen ebenso im Fokus wie der Klimawandel. Von Simone Humml

Ursache für das Hochwasser in Bayern und Ostdeutschland ist eine ungewöhnliche Großwetterlage – und der Klimawandel könnte einen Rolle dabei gespielt haben. Als einen Verdächtigen haben Forscher den Jetstream im Visier, eine starke Luftströmung in großer Höhe. Doch auch der kalte und nasse Winter begünstigte die Fluten. Auch er könnte kein Zufall sein.

„In der Regel wird unsere Großwetterlage vom Jetstream bestimmt, der in acht bis zehn Kilometer Höhe vom Atlantik Richtung Osten zieht“, erläutert der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber. „Dieser Jetstream ist ziemlich stark gespannt und schlägt manchmal eine Falte nach Norden oder Süden, die aber in ein paar Tagen wieder ausgebügelt wird.“ Diesmal sei die Falte jedoch wie eingefroren wochenlang erhalten geblieben. Folge: „Im Mai 2013 lagen wie auf eine Perlenschnur gezogen Tiefdruckgebiete über Zentraleuropa.“ Beult sich eine Jetstreamwelle, nach ihrem Entdecker auch Rossby-Welle genannt, nach Norden, dann strömt warme Luft nach Deutschland. Geht sie nach Süden, dann kommt kältere Luft von der Arktis hinein.

Phänomen der „eingefrorenen Wellen“

Erst im Februar hatten PIK-Forscher um Vladimir Petoukhow jedoch das Phänomen der über lange Zeit „eingefrorenen“ Wellen in einer Studie beschrieben. Laut Schellnhuber gab es dieses auch 1997 bei der Oder- und 2002 bei der Elbflut. „Beim Hitzesommer 2003 hatten wir dagegen eine solche ausgeprägte Welle nach Norden, sodass subtropische Luft lange Zeit nach Europa einzog, 2010 geschah Ähnliches über Russland.“

In den vergangenen Jahrzehnten habe es immer häufiger solche Situationen gegeben. Liegt das am Klimawandel?

„Das lässt sich nicht eindeutig beantworten. Aber wir haben einen interessanten Verdächtigen“, sagt Schellnhuber und nennt noch weitere Indizien: Gewöhnlich sei der Jetstream recht straff, weil der Temperaturunterschied zwischen der Arktis und Europa groß sei. Da sich die Arktis aber stärker erwärme als die gemäßigten Breiten, verringere sich der Unterschied. „Wir erwarten, dass sich die Jetstream-Wellen künftig noch stärker ausprägen könnten.“ Zudem könne die Erdatmosphäre pro Grad Erwärmung sieben Prozent mehr Wasser aufnehmen, das dann irgendwann wieder auf die Erde falle.

Aus Rekonstruktionen sei bekannt, dass es „eingefrorene“ Jetstreamwellen schon bei früheren Fluten gegeben habe, sagt Schellnhuber. Er sieht aber eine Tendenz zu deren Häufung. „Jetzt wird es hochspannend zu prüfen, ob diese Tendenz sich verstärkt.“

Mehr kalte Luft strömt nach Europa

Eine weitere Ursache für das Hochwasser sei der lange Winter und das nasse Frühjahr, sodass die Böden zu feucht waren, um das Wasser der Regenfälle Ende Mai aufzunehmen. Auch hier gebe es einen Zusammenhang mit dem Klimawandel, meint Schellnhuber. Der Rückgang des arktischen Eises führt älteren Studien zufolge zu einer stabilen Hochdrucklage nördlich von Skandinavien – und dazu, dass mehr kalte Luft im Winter nach Europa strömt, was den Winter verstärke.

Der Hochwasser-Experte des PIK-Instituts, Fred Hattermann, vergleicht die Erderwärmung und die Ufernutzung: Eine Analyse von Wetter- und Landschaftsdaten des PIK habe ergeben, dass die Erderwärmung mehr zur Zunahme von starken Hochwassern beiträgt als etwa die Landnutzung an den Ufern und die Begradigung oder Vertiefung der Flüsse, sagte Hattermann gegenüber der „Frankfurter Rundschau“. Selbst wenn die Bodennutzung und die Flussläufe sich seit den 50er-Jahren gar nicht verändert hätten, sei es zu den großen Überschwemmungen in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt gekommen.

Ein direkter Zusammenhang bestehe dagegen zwischen den ostdeutschen Flutkatastrophen der vergangenen Jahre und Ostwind-Wetterlagen, die im Sommer zugenommen haben, sagte Hattermann. Diese auch derzeit herrschende Wetterlage führe oft zu starken Niederschlägen in Ost- und Süddeutschland, weil sie Feuchtigkeit aus dem Mittelmeerraum mit sich bringe. Sie sei in den vergangenen 20 Jahren deutlich häufiger aufgetreten als zuvor und werde künftig weiter zunehmen.

Boden satt von Feuchtigkeit

Auch das Deutsche Geoforschungszentrum in Potsdam (GFZ) bestätigt, dass die Böden „feuchtegesättigt“ waren und so die Hochwasserkatastrophe verstärkt hat. „40 Prozent der Landesfläche Deutschlands wiesen Ende Mai neue Bodenfeuchterekorde auf“, schreibt das Zentrum mit Verweis auf eine Studie des Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (Cedim) in Potsdam. Der Boden habe einfach kein Wasser mehr aufgenommen, sodass mehr direkt in die Flüsse gelangt sei. „Vielerorts zählt der Mai zu den nassesten seit Aufzeichnungsbeginn vor teilweise mehr als 100 Jahren“, berichtet das Cedim, das vom GFZ und dem Karlsruher Institut für Technologie betrieben wird.

Insgesamt haben die Unwetterkatastrophen in Deutschland nach Daten des Rückversicherers Munich Re deutlich zugenommen. „Seit 1980 hat sich die Zahl atmosphärisch bedingter Ereignisse, also Stürme und Überschwemmungen, pro Jahr hierzulande mehr als verdoppelt“, rechnet der Leiter des Klimazentrums der Munich Re, Ernst Rauch, vor. Auch die Wetterlage, die zu dem neuen Hochwasser geführt habe, sei in den vergangenen Jahrzehnten häufiger geworden. „In der Wissenschaft gibt es Studien, die diese Entwicklung in Zusammenhang mit dem Klimawandel stellen“, meint er – ohne sich festlegen zu wollen.

Falls es keine so hohen Schäden geben sollte wie 2002, liegt das nach Ansicht des Cedim vor allem am besseren Hochwasserschutz wie dem Deichausbau und der inzwischen „hochwassererprobten“ Bevölkerung. „Viele Leute hatten die Erfahrungen noch präsent und waren nicht vollkommen hilflos“, sagte Cedim-Hochwasserexperte Florian Elmer. Erdgeschosswohnungen seien gefliest, Öltanks gesichert worden. Die Menschen in Passau etwa seien zwar von der Höhe, aber nicht vom Hochwasser an sich überrascht worden.

Quelle: welt.de

Das Naturphänomen der Großen Welle

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Häuser mit Seeblick werden in dem Maße begehrter, wie das Bewusstsein für Überschwemmungen abnimmt. Dabei sind Hochwasserkatastrophen keineswegs gebannt, wie die Geschichte der „Hafenwelle“ zeigt. Von Berthold Seewald

Die Einwohner des Dresdner Stadtteils Laubegast haben es geschafft. Zum zweiten Mal innerhalb von elf Jahren melden sie „Land unter“. Denn den Bau der zwei Meter hohen Mauer, die nach den Erfahrungen der Flut von 2002 das jetzt hätte verhindern können, haben sie mit Erfolg blockiert. „Wenn wir uns hier einmauern, dann bin ich zwar in einem Sicherheitsgefängnis, aber in einem Gefängnis. Der wunderbare Wohnwert dieses Viertels – das ist nun mal ein Fischerdorf – der ist dann einfach hin“, sagt einer der Betroffenen..

Auf die Idee, einem Wohnsitz am Wasser einen „wunderbaren Wohnwert“ beizumessen, ist Homo sapiens recht spät gekommen. Bis ins 20. Jahrhundert waren ihm Flüsse und Meere als Handelswege und Arbeitsplätze zwar genehm, aber wenn er an ihren Ufern wohnen musste, baute er die Fenster zur meerabgewandten Seite ein. Ein freier Blick aufs Wasser war nichts Erstrebenswertes; im Landesinneren galt es als sicherer.

Heute sind Häuser mit Seeblick begehrte Immobilien. „Dass dies alles an vielen Küsten innerhalb weniger Minuten zerstört werden kann, wird ausgeblendet“, konstatiert die Kulturhistorikerin Linda Maria Koldau. Die Professorin der Universität Utrecht hat soeben ein Buch über „Tsunamis“ vorgelegt. Wenn man „Meere“ gegen „Flüsse“ vertauscht, provoziert es zu den aktuellen Flutbildern zahlreiche Déjà-vus.

„Die moderne Gesellschaft zeichnet sich gegenüber alten Kulturen dadurch aus, dass sie die natürlichen Risiken der Küstenbesiedlung grundsätzlich ignoriert. Aus geografischer Sicht besitzen Küstenregionen generell eine besonders hohe Vulnerabilität. In vielen Ländern sind sie trotzdem dicht besiedelt und umfassend erschlossen … an ihnen liegen die größten Städte der Welt: Tokio, New York, Mumbai, Manila, Jakarta, Shanghai, Los Angeles.“

Schlimme Erfahrungen werden verdrängt

Die abendländische Kulturgeschichte der „Hafenwelle“, wie das japanische Wort Tsunami übersetzt heißt, ist ein schönes Beispiel für die Fähigkeit des menschlichen Gehirns, schlimme Erfahrungen zu verdrängen. Wie die Bewohner von Laubegast die Flutwelle von 2002 offenbar in der Geschichte entsorgt haben, sublimierten die Europäer ihre Erinnerungen an große Überflutungen in Legenden oder Science-Fiction-Romanen, die allenfalls zur gruseligen Erbauung in küstennahen Orten dienten, aber nicht mehr als Mahnung.

Erst die Tsunami-Katastrophe, die Weihnachten 2004 in den Anrainerstaaten des Indischen Ozeans rund 230.000 Todesopfer forderte, hat das Naturphänomen der Großen Welle wieder ins Bewusstsein befördert. Und es bedurfte des Tsunamis, der im März 2011 Japan verwüstete und zur Atomhavarie von Fukushima führte, um zu erkennen, dass derartige Katastrophen sich keineswegs an einen Hundertjährigen Kalender halten, sondern jederzeit wiederkehren können. Was im Übrigen auch für starke Regenfälle im Erzgebirge gilt.

Um unserem historischen Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen, hat Linda Maria Koldau eine Liste von großen Tsunamis und ihren Folgen zusammengestellt. Für die letzten 4000 Jahre verzeichnet das National Geophysical Data Center der USA mehrere Tausend Tsunamis. Die früheste genauer rekonstruierbare Erdbebenwelle war die Storegga-Rutschung vor rund 8000 Jahren. Frank Schätzing hat ihre Genese in seinem Roman „Der Schwarm“ ausführlich beschrieben.

Demnach gerieten Gashydrate im Boden des norwegischen Kontinentalabhangs möglicherweise durch ein Erdbeben auf einer Länge von fast 300 Kilometern ins Rutschen. Rund 5600 Kubikkilometer Material bewegten sich über 800 Kilometer Richtung Nordwesten. Die Küsten Englands, Schottlands, der Faröerinseln und Dänemarks wurden von den dabei entstehenden Riesenwellen verwüstet.

„Das Meer, rückwärts getrieben“

Mit dem Santorin-Ausbruch um 1620 v. Chr. bewegen wir uns bereits auf historischem Boden. Auch wenn Archäologen immer noch darüber streiten, welche Funde sie der Katastrophe zuordnen sollen, müssen die Folgen dramatisch gewesen sein. Die Explosion des Vulkans Santorin in den Kykladen trieb eine Wasserwand durch das östliche Mittelmeer, deren Auflaufhöhe an der Küste Palästinas noch sieben Meter betrug.

Der römische Historiker Ammianus Marcelinus hat die Folgen eines Bebens beschrieben, das 365 n. Chr. Kreta erschütterte: „Das Meer, rückwärts getrieben, verzog sich mit hinwälzenden Wogen, sodass im eröffneten Abgrund die vielgestaltigen Arten derer wahrgenommen werden konnten, die in der Meerestiefe schwimmen … Da erhebt sich, wie durch die Zurücksetzung gekränkt, ein Getöse des Meeres in entgegengesetzter Richtung, das über brodelnde Untiefen hinweg heftig auf Inseln und weite Gebiete des Festlands vorstieß und zahllose Gebäude in Städten … einebnete … und viele Tausend Menschen (tötete).“

Das berühmte Erdbeben von Lissabon, das 1755 die Zukunftsgewissheit der Aufklärung nachhaltig erschütterte, war zugleich eine Tsunami-Katastrophe. Mit bis zu 30 Meter Höhe überspülte die Welle weite Teile Portugals, Zehntausende verloren ihr Leben.

Auf die Explosion des Vulkans Krakatau 1883 in der Sundastraße folgte ein Tsunami größten Ausmaßes. Mehrere Küstenstädte und mehr als 300 Dörfer wurden überflutet. Die Leichen ihrer Bewohner fand man ein Jahr später an der Ostküste Afrikas.

Es ist nur eine Frage der Zeit

Ein Musterbeispiel für die Zufälligkeit eines Tsunamis bietet das Jahr 1958 in der Lituya Bay in Alaska. Rund 30,5 Millionen Kubikmeter Fels stürzten von bis zu 900 Meter Höhe in den Fjord, mit bis zu 200 Stundenkilometern raste eine Welle durch die Bucht und rasierte am gegenüberliegenden Hang den Wald bis zu einer Hohe von 524 Metern ab. Wie durch ein Wunder kamen nur zwei Menschen ums Leben.

1960 traf es Chile. Nach einer Reihe von Erdbeben bildete sich eine acht Meter hohe Wasserwand, die mit 200 Stundenkilometern auf die Küste traf. Weitere Wellen verwüsteten die Küste auf 700 Kilometern. 22 Stunden später erreichten die Fluten die japanischen Inseln Hokaido und Honshu und zerstörten 5000 Häuser.

Damals beschlossen die Pazifik-Anrainer die Einrichtung eines Warnsystems. Wie ernst man es nahm und was es leistete, zeigte sich bei der Flut 2004. Selbst in Japan, wo seit dem siebten Jahrhundert rund 200 Tsunamis mit Hunderttausenden Toten gezählt wurden, konnte man sich der Versuchung nicht entziehen, die Augen vor der Gewalt des Wassers zu verschließen.

Das Tohoku-Beben, das im März 2011 mit einer Magnitude von 9,0 Tsunamis von bis zu 40 Meter Höhe gegen das Land schickte, sprengte alle Vorstellungen. Die Kernschmelze im Reaktorblock von Fukushima erinnerte auch Bewohner küstenferner Siedlungen daran, dass Flutkatastrophen eine globale Dimension haben.

Koldaus Studie kann man durchaus als Plädoyer gegen die Kurzsichtigkeit in Laubegast oder Grimma verstehen, wo Bürgerinitiativen Maßnahmen zum Hochwasserschutz verhindert haben. Wenn jetzt eine Betroffene inmitten der Fluten zu Protokoll gibt, dass dies „der Preis für so viel Schönheit“ sei und sie bereit sei, ihn zu zahlen, hält ihr Koldau die Prophezeiung des amerikanischen Tsunami-Experten Edward Bryant entgegen: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis eine der größten Städte der Welt von einem Tsunami verstümmelt wird.“ Das wäre wohl ein zu großer Preis für die Schönheit.

Quelle: welt.de

Ernteausfälle – 30.000 Hektar unter Wasser

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Bayern

Das Hochwasser hat bei den Landwirten enorme Schäden verursacht. Nach ersten Schätzungen stehen alleine in Bayern 20.000 Hektar Ackerland und 10.000 Hektar Wiesen und Weiden unter Wasser. Für unzählige Bauern ist die Lage existenzbedrohend. Nicht zuletzt, weil Wiesen viele Jahre brauchen, um sich von der Flut zu erholen.

Video

Quelle: br.de

Hochwasser 2013 Mulde & Elbe in Dessau

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Dessau

05.06.2013 Hochwasser, Überschwemmung und Flut in Dessau 2013. Hier fließt die Mulde in die Elbe und es werden Höchststände erwartet. Der Katastrophenalarm wurde bereits großflächig ausgerufen. Die Mulde hat aktuell auf dem Weg durch Sachsen-Anhalt nach Dessau seine Spuren hinterlassen. So ist in Bitterfeld bereits ein Damm gebrochen und das Wasser fließt. Stark betroffen von der Mulde sind aber sehr viele Orte und Städte, wie Bad Schandau, Bitterfeld, Halle, Grimma und viele andere… Höchste Pegel werden auch von der Elbe erwartet, wo man gespannt auf die Pegelstände nach Sachsen insbesondere nach Dresden schaut. Die Pegel liefern gute Anhaltspunkte zur weiteren Entwicklung der Wasserhöhen.

Havelpolder werden geflutet – Deicherhöhung wird rechtzeitig fertig

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Havel

Um die hochwassergefährdeten Gebiete im Norden zu entlasten, werden die Havelpolder – Überflutungsflächen an der Havel – geflutet. Dadurch wird der „Druck“ des Wassers gemindert. Auf diese Maßnahme haben sich die zuständigen staatlichen Stellen heute geeinigt.

Die Erhöhung des Deiches zwischen Hitzacker und Penkefitz mit Sandsäcken wird rechtzeitig vor Eintreffen des Hochwassers fertig. Das ist dem Fleiß vieler Freiwilliger zu verdanken. Die Frauen und Männer der Feuerwehren, weiterer Organisationen und „private“ Helfer „zeigen hervorragende Leistungen“, freut sich Petra Steckelberg, Erste Samtgemeinderätin der SG Elbtalaue. In deren Gebiet sind zurzeit rund 1300 Kräfte von Feuerwehr und THW sowie 700 Bundeswehroldaten im Einsatz; im gesamten Kreisgebiet sind es insgesamt 3000 Helferinnen und Helfer.

Wussegel wird aufgrund der aktuellen Hochwasserlage voraussichtlich nicht evakuiert, jedoch Hitzacker. Dort wird die Evakuierung am Sonntag erfolgen, teilt die Samtgemeinde mit.

 

Quelle: http://wendland-net.de