Dresden bangt, Halle erlebt Rekordflut

Veröffentlicht: Juni 5, 2013 von fluthelfer in Dresden, Halle

 

Während in Passau das Gröbste überstanden ist und die Aufräumarbeiten beginnen, bangen andere Orte angesichts steigender Pegelstände weiter. Halle an der Saale hat so viel Wasser wie seit 400 Jahren nicht mehr. 30.000 Menschen sollen ihre Häuser verlassen. Auch Dresden reagiert mit Evakuierungen auf die Flut.

In weiten Teilen Süd- und Ostdeutschlands heißt es weiterhin «Land unter». Während einige Hochwassergebiete bereits die Schäden sichten können, sind andere noch akut von den Wassermassen bedroht.

Am frühen Mittwochmorgen war die Lage vor allem in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bayern angespannt. In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden wurden weitere Evakuierungen vorbereitet, auch im bayerischen Landkreis Deggendorf wurden Menschen in Sicherheit gebracht. In Passau scheint das Schlimmste hingegen überstanden.

In der schwer getroffenen Dreiflüssestadt ist das Wasser der Donau zwar fast drei Meter zurückgegangen – entlang der Ufer seien aber immer noch einige Straßen überflutet, teilte ein Sprecher mit. Auch die Innenstadt sei nach wie vor abgeschnitten. Das Gröbste sei aber überstanden: «Langsam kommen wir weg von der Katastrophe und hin zum Hochwasser.»

Deggendorf ist eine Insel

Der vom Donauhochwasser teilweise überschwemmte Landkreis Deggendorf ist nach der Teilsperrung der Autobahn 92 fast vollständig vom Umland abgeschnitten. Die Region sei nur noch über einige wenige Straßen für Helfer und Fahrzeuge zu erreichen, erklärte eine Landkreissprecherin am Mittwochmorgen.

In der Nacht wurden weitere Häuser evakuiert – 50 bis 80 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. In der Region Deggendorf und Straubing mussten bereits am Dienstag rund 6000 Menschen ihre Häuser wegen des Hochwassers verlassen.

Pegel der Elbe steigt

In Dresden bereitet die Elbe zunehmend Sorge. «Da steigt der Pegel langsam, aber kontinuierlich», sagte Stadtsprecherin Heike Großmann. Am Mittwochmittag lag er bei 8,43 Metern. Mehr als 600 Menschen sollten vor den Wassermassen in Sicherheit gebracht werden. Die Vorsichtsmaßnahme hatte am Vortag begonnen. Vor allem im Osten der Stadt könnten weitere Evakuierungen hinzukommen. Außerdem sei in einigen Straßenzügen der Strom abgeschaltet worden.

Das Landeshochwasserzentrum erwartet für Donnerstagmittag bis zu 8,80 Meter, normal sind etwa zwei Meter. Das Hochwasser der Elbe werde aber dort die Dimension der Flutkatastrophe von 2002 nicht ganz erreichen. «Wir gehen von neun Meter plus aus, die 9,40 Meter sind inzwischen ausgeschlossen», sagte der Referatsleiter im Umweltministerium, Martin Socher, am Mittwoch.

Um nicht nur Touristen zielgenau zu informieren, hat die Tourismus Marketing-Gesellschaft die aktuelle Lage in den Regionen auf ihrem Internetportal zusammengefasst.

Halle erlebt Rekordflut

Auch in Halle an der Saale spitzt sich die Hochwasserlage gefährlich zu: Rund 30.000 Menschen wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Die Saale hatte einen Wasserstand von 8,07 Meter erreicht. Das war der höchste seit 400 Jahren in der Stadt in Sachsen-Anhalt, wie die Behörden am Mittwoch mitteilten. Normal liegt der Pegelstand dort bei knapp 2 Metern.

Vom Hochwasser bedroht sind fünf große Gebiete. Notquartiere wurden eingerichtet. Die Dämme seien durchgeweicht, Einsatzkräfte versuchten, diesen mit Sandsäcken zu stabilisieren. Dennoch trete an Sickerstellen Wasser aus und teils über die Deiche. «Das Wasser läuft auf die ersten Häuser zu», sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) zur Situation am Gimritzer und Passendorfer Damm. Der Druck auf diese beiden Hauptdeiche sei extrem hoch

In Brandenburg steigen die Pegelstände der Elbe zwar an, trotzdem ist die Lage noch weitgehend entspannt: «Ganz so heftig ist es noch nicht», sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Mittwochmorgen. Entlang der Elbe sei die höchste Warnstufe noch nicht erreicht – mit der für die nächsten Tage angekündigten Hochwasserwelle aber würden die Pegelstände deutlich steigen.

Thüringen atmet auf

Unterdessen entspannte sich die Hochwasserlage in Thüringen mit fallenden Pegelständen weiter. Nachdem der Katastrophenalarm am Dienstagabend bereits für den Landkreis Greiz zurückgenommen wurde, gilt der Katastrophenfall in Thüringen nur noch für den Saale-Holzland-Kreis. In den meisten Landesteilen haben die Aufräumarbeiten begonnen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Flutopfern bei einem Besuch in Greiz am Dienstag finanzielle Hilfe zugesagt. Das 100-Millionen-Euro-Soforthilfeprogramm des Bundes solle auch Privatleuten und Gewerbetreibenden zugutekommen. Sie würden nicht alleingelassen, sagte Merkel.

Das Deutsche Rote Kreuz warnte unterdessen eindringlich davor, in den Hochwassergebieten die Deiche zu betreten. «Es besteht Lebensgefahr!» hieß es in einer Mitteilung des DRK-Landesverbandes Dresden. «Auch wenn das Interesse an den Wassermassen sehr groß ist, sollten Schaulustige sich und andere nicht unnötig in Gefahr bringen», hieß es.

 

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