Bayern entspannt, der Norden bangt

Veröffentlicht: Juni 5, 2013 von fluthelfer in Ticker

In Bayern wird am Mittwoch das Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Der Wasserstand sinkt im Süden, doch im Norden geht die Angst vor dem Hochwasser noch um und Millionen Sandsäcke werden geschleppt. Lesen Sie hier alles im Liveticker vom Mittwoch, den 5. Juni, nach.

+++ 21:41 Experte: „Für Niedersachsen wird es sehr schlimm“ +++
Das vom Hochwasser gebeutelte Sachsen macht den Menschen im nördlicheren Niedersachsen keine Hoffnung auf eine routinierte Bewältigung der Flut. Experte Martin Socher aus Sachsens Umweltministerium sagte trocken: „Für Niedersachsen wird es sehr schlimm.“ Während auch in Sachsen noch der Pegel der Elbe leicht steigt, wird es in Norddeutschland erst zum Wochenende extrem.

+++ 21:20 Sachsen fürchtet bis zu 2,5 Milliarden Euro Flutschaden +++
Während das Wasser noch immer leicht steigt, schätzt Sachsen schon die Schäden der Flut. Der Leiter des neuen Wiederaufbaustabs in der Staatskanzlei, Fritz Jaeckel, geht von zwei bis 2,5 Milliarden Euro aus. Der Stab will auch Geld aus dem EU-Solidaritätsfonds für Katastrophenfälle bekommen. Voraussetzung sei eine nationale Schadenssumme von mindestens 3,67 Milliarden Euro – was in ganz Deutschland voraussichtlich der Fall sein wird. In den EU-Kassen fehlt jedoch derzeit das Geld, um den Fonds zu füllen.

+++ 20:30 Elbe in Dresden steigt vorerst nicht weiter +++
Dresden könnte ein Hochwasser-Rekord wie im Jahr 2002 erspart bleiben. Der Pegel der Elbe liegt am Abend bei knapp über 8,60 Meter, damals erreichte er 9,40 Meter. Dennoch gilt in Dresden die höchste Warnstufe, mehrere hundert Bewohner mussten schon ihre Häuser verlassen. Helfer befüllen und stapeln auch weiter Sandsäcke, weil Wassermassen über die Elbe nach Tschechien nachfließen. Normalerweise ist das Wasser der Elbe etwa zwei Meter hoch.

+++ 19:59 Organisatoren müssen Kanu-EM verschieben +++
Wegen der weiter ansteigenden Hochwasser-Fluten des Flusses Weichsel kann die EM der Slalom-Kanuten frühestens am Samstag beginnen und nicht wie geplant am Freitag. Das teilt der Deutsche Kanu-Verband mit. An der Strecke bei Krakau wird die Weichsel noch einen weiteren Meter ansteigen. Wegen des hohen Wasserstandes sind im unteren Streckenabschnitt Toraufhängungen und Tribünen überflutet.

 

+++ 19:03 EU hat kein Geld für Hochwasser-Hilfe +++
Die EU hat laut ihrem Haushaltskommissar Janusz Lewandowski kein Geld, um den Hochwassergebieten in Mitteleuropa zu helfen. Wegen fehlender Mittel im EU-Budget des laufenden Jahres seien Verzögerungen zu erwarten, warnt er. Derzeit werde zwar zwischen den Mitgliedsstaaten ein Nachtragshaushalt von insgesamt 11,2 Milliarden Euro für dieses Jahr verhandelt. Doch auch diese zusätzlichen Mitteln reichten für die Fluthilfe und neue Anforderungen für Syrien nicht aus, sagt Lewandowski. Die Erstattungen aus Brüssel könnten also voraussichtlich erst im kommenden Jahr geleistet werden.

+++ 18:40 Lieferengpass: Porsche stoppt die Produktion +++
Im Leipziger Porsche-Werk werden wegen des Hochwassers vorerst keine Autos mehr produziert. Die Produktionshalle selbst ist zwar nicht überflutet, es fehlt jedoch der Nachschub. Transportzüge könnten das vom Hochwasser schwer betroffene Tschechien nicht passieren, teilt Porsche mit. Aus dem slowakischen Bratislava kommen deshalb keine Geländewagen-Karosserien. Wann die Produktion weitergeht, ist ungewiss.

+++ 18:31 Halle sitzt auf gepackten Koffern +++
In Halle an der Saale sammeln sich Menschen in Notunterkünften. 30.000 sind aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Als erste kommen viele Rentner und Pflegebedürftige in Turnhallen unter. Ein 74 Jahre alter Rentner berichtet: „Man hat zu mir gesagt: ‚Packen Sie Ihre Sachen zusammen und kommen Sie mit.'“ Der Mann war erst am Vortag nach einer Herz-OP und einem Kuraufenthalt in seine Wohnung in Halle-Neustadt zurückgekehrt. Viele andere Hochwasseropfer hoffen, die Nacht bei Freunden oder Verwandten verbringen zu können statt auf Pritschen.

+++ 18:06 Flutwelle rollt gen Norden +++
Norddeutschland erwartet mehr als nasse Füße: Die Elbe schwillt dort weiter an, zunehmend werden Häuser geräumt. Am Freitag sollen die etwa 250 Bewohner der historischen Stadtinsel von Hitzacker in Niedersachsen vorübergehend umziehen. Die Pegel sollen übers Wochenende bis in die nächste Woche hinein massiv steigen. Hitzacker liegt am Rande der Elbe und wird vom Fluss Jeetzel umflossen.

+++ 17:58 Leipzig froh über Schutzbau: „Ohne das wären wir abgesoffen“ +++
Es gibt auch gute Nachrichten aus den Hochwassergebieten: Während Dresden oder Halle teilweise unter Wasser stehen, kann Leipzig aufatmen.  Erst vor wenigen Wochen war ein Entlastungsbauwerk vor der Stadt fertiggestellt worden. Ein Stadtsprecher ist sich sicher:  „Ohne das wären wir abgesoffen.“ Durch einen Überlauf wurde in den vergangenen Tagen Wasser aus dem Fluss Weiße Elster in den Zwenkauer See geleitet – 130 Kubikmeter pro Sekunde. „Diese 130 Kubikmeter hätten die Deiche nicht mehr ausgehalten.“

+++ 17:47 Tschechen fürchten Plünderungen in Flut-Gebieten +++
Ein großer Teil der tschechischen Stadt Usti am Fluss Elbe ist geflutet – nun fürchten einige der 100.000 Bewohner, dass Plünderer die Notlage ausnutzen. Die Polizei will in der Nacht einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera einsetzen, um Diebe aufzuspüren. Aus Angst vor Einbrechern bleiben viele Menschen in ihren Häusern, obwohl dies gefährlich ist. Denn das Wasser in Usti soll noch weiter steigen. Erwartet wird ein Pegelstand zwischen 11,1 und 11,5 Metern, normal sind an dieser Stelle etwa zwei Meter.

+++ 17:33 Altmaier will Flut-Pannen umgehend aufdecken +++
Bundesumweltminister Peter Altmaier verlangt, mögliche Versäumnisse beim Hochwasserschutz gleich in den kommenden Wochen zu untersuchen. „Sobald sich das Wasser verlaufen hat, muss es eine umfassende und sehr transparente Fehler- und Schwachstellen-Analyse geben“, sagt der CDU-Politiker. Dazu will Altmaier auch in die betroffenen Regionen reisen und kamerawirksam bei Aufräumarbeiten mit den Betroffenen sprechen.

+++ 17:21 Knapp 400 Freiwillige schützen Dresden +++
Das akut unter dem Hochwasser der Elbe leidende Dresden wird von ständig 300 bis 400 freiwilligen Helfern beschützt. Unter ihnen sind viele Studenten, die Aufrufen bei Facebook folgten. So auch Clemens Hultsch, der seit drei Jahren in Dresden wohnt. Er wolle helfen, die schöne Stadt zu schützen, sagt der Student. Feuerwehrmann Tobias von Ludwig aus der Einsatzleitung lobt: „Die vielen jungen Leute haben uns von Anfang an fasziniert.“

+++ 17:10 Tourismus kommt in Hochwassergebieten zum Erliegen +++
Im sächsischen Elbtal ist das öffentliche Leben aus den Fugen – und auch der Tourismus ruht. Weitere Kultureinrichtungen schließen. Die Meißner Albrechtsburg bleibt „bis auf Weiteres“ zu, in Dresden bleiben das Carl-Maria-von-Weber-Museum und das Kraszewski-Museum bis Ende der Woche geschlossen. Auch das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bleibt wohl bis 16. Juni geschlossen.

+++ 16:12 Der Norden rüstet mit Sandsäcken auf +++
Unaufhaltsam schieben sich die Wassermassen auch in den Norden Deutschlands vor. Entlang der Elbe in Niedersachsen rüsten sich Anwohner und Tausende Einsatzkräfte für ein Rekordhochwasser. Mehr als zwei Millionen Sandsäcke werden zur Stunde gefüllt. „Die Helfer arbeiten jetzt Tag und Nacht, und wir hoffen, dass sie bis Freitag fertig werden, dann wird das kritische Hochwasser erwartet“, sagte etwa die Sprecherin des Landkreises Lüneburg, Frauke Noweck.

+++ 15:45 Im Süden und im Osten werden Blutkonserven knapp +++
Zahlreiche Blutspender haben gerade ganz andere Sorgen, als sich anzapfen zu lassen. In Teilen von Bayern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind deshalb Spendetermine von Hochwasseropfern ausgefallen, weitere Absagen werden folgen. Das Deutsche Rote Kreuz ruft jetzt Spender in den nicht betroffenen Gebieten auf, verstärkt die bestehenden Termine wahrzunehmen. Nur so könnten ausreichend Blutpräparate für die Patientenversorgung bereitgestellt werden, teilte der Blutspendedienst West mit.

+++ 15:30 Lauenburg erwartet Hochwasser-Rekord +++
Die Bürger von Lauenburg in Schleswig-Holstein sind an Hochwasser der Elbe gewöhnt – doch diesmal wird erstmals die Unterstadt evakuiert. 150 Häuser müssen ab Freitagmorgen verlassen werden, kündigt Bürgermeister Andreas Thiede an. Am kommenden Wochenende soll der Pegel neun Meter erreichen, am Mittwoch nächster Woche rechnen die Behörden mit einem historischen Höchststand von 10,35 Metern.

+++ 15:22 Bayerns Hochwasseropfer kriegen sofort 1500 Euro +++
Hochwasseropfer in Bayern sollen Sofortgeld zur Linderung der gröbsten Schäden bekommen. Richtwert sind 1500 Euro – in besonderen Fällen kann es auch mehr sein. Das kündigt Ministerpräsident Horst Seehofer nach der Kabinettssitzung an. Die Auszahlungen sollen noch in dieser Woche beginnen.

+++ 15.20 Drama in Halle: 30.000 verlassen ihre Häuser +++
Passau, Deggendorf und nun Halle: In mehr und mehr Städten müssen Anwohner dem Hochwasser weichen. 30.000 Menschen sind nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung von Sachsen-Anhalt sind aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Das Hochwasser der Saale hatte am Morgen einen Damm mitten in Halle überflutet, so dass die  Innenstadt und weitere Stadtteile voll Wasser liefen. In Sachsen-Anhalt haben acht Landkreise und  Städte Katastrophenalarm ausgelöst.

+++ 15:02 Bratislava steht das Schlimmste noch bevor +++
In der slowakischen Hauptstadt Bratislava erreicht der Wasserstand der Donau einen neuen Höchststand. Laut des staatlichen Wetterdienstes steht die Flut mittlerweile bei 9,80 Meter. Die Scheitelwelle kommt erst in der kommenden Nacht. Schon jetzt ist der abgelegene Stadtteil Devin am Zusammenfluss von Donau und March vollkommen vom Rest der Stadt abgeschnitten. Hunderte Bewohner ufernaher Straßen bereiten sich auf die Evakuierung ihrer Häuser vor.

+++ 14:40 Hubschrauber verhindern Gas-Unglück +++
Hubschrauber treiben mit dem Wind ihrer Rotoren in Sachsen zwei unkontrolliert im Wasser treibende Gastanks ans Ufer. Feuerwehrleute befestigten sie in Schmilka und Bad Schandau an der Elbe. Die beiden Gastanks hatten sich am Morgen im Hafen von Decin in Tschechien gelöst. In den tonnenschweren Behältern ist ein Rest Stickstoff. Nun sucht die Polizei mit vier Hubschraubern noch mehrere unkontrolliert herumtreibende Container aus dem Deciner Hafen.

+++ 14:30 Binnenschiffer rechnen mit Verlusten +++
Viele deutsche Binnenschiffer haben durch das Hochwasser mehr als eine Handbreit zu viel Wasser unter’m Kiel. „Zahlreiche Schiffe liegen vor Anker, können unter Umständen nicht geladen oder gelöscht werden und der Transport funktioniert nicht überall reibungslos“, sagt Jens Schwanen vom Bundesverband der Binnenschifffahrt. Die Branche rechnet deshalb mit Einnahmenverlusten. Dennoch wollen die Schiffer nicht zu laut klagen: „Die verheerenden Schäden, die das Hochwasser den Menschen und ihrem Hab und Gut gebracht hat, sind weitaus schlimmer.“

+++ 14:21 Zu viel Wasser: Kanu-EM fällt wohl aus +++
Auch die EM der Slalom-Kanuten an diesem Wochenende wird wohl dem Hochwasser zum Opfer fallen. Der weiter ansteigende Pegel der Weichsel im polnischen Krakau macht ein Training auf der künstlichen EM-Strecke unmöglich, berichtet der Deutsche Kanu-Verband. So seien im unteren Streckenabschnitt Toraufhängungen und Tribünen überflutet. „Uns bleibt im Moment nichts weiter als abzuwarten“, sagt Cheftrainer Michael Trummer.

+++ 14:20 Innenminister Friedrich gesteht Mängel beim Hochwasserschutz +++
Die Flut ist noch akut, da beginnen Bundespolitiker schon mit der Fehleranalyse. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sagt, in manchen Orten sei der Hochwasserschutz konsequent umgesetzt worden. Andernorts sei er „im Planfeststellungsverfahren stecken geblieben“, oder das gesamte Konzept sei nicht umgesetzt worden. Der schnelle Schutz der 2002 vom Hochwasser verwüsteten Regionen zahlt sich laut Friedrich jetzt aus: Mancherorts seien die Pegel diesmal höher gestiegen als 2002, und dennoch seien die Schäden geringer.

+++ 14:06 „Apokalyptische Katastrophe“: Greizer Park gleicht Mondlandschaft +++
In Thüringen wird langsam das Ausmaß der Zerstörungen deutlich. Besonders schlimm hat es den Greizer Landschaftspark an der Weißen Elster getroffen. „Es ist eine Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes“, sagt der Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Helmut-Eberhard Paulus. Der Park gleicht einer Mondlandschaft. Das als national bedeutsames Denkmal eingestufte Ensemble aus Park und Palais ist gerade erst mit Millionenaufwand saniert und rekonstruiert worden. Der nun entstandene Schaden: rund 2,6 Millionen Euro. Die Stiftung hofft auf Spenden (Sparkasse Gera-Greiz, BLZ 830 500 00, Kontonummer 14175843)

+++ 13:49 Grimmaer verzweifelt: „Gerade alles schön gemacht“ +++
Im mittleren Sachsen ist der Pegelstand zurückgegangen. In Ordnung ist deswegen noch lange nichts. In Grimma, der stark betroffenen Stadt an der Mulde, machen sich die Menschen an die Aufräumarbeiten. Der Katastrophenalarm könne sicher bald aufgehoben werden, sagt Stadtsprecherin Marlen Rabold. Etwa 1000 freiwillige Helfer – auch von auswärts – packen mit an. Aus den Worten der Sprecherin ist die Verzweiflung dennoch herauszuhören: „In den letzten zehn Jahren haben wir alles schön gemacht. Und nun hat’s uns wieder erwischt.“ Einige Betroffene müssen seelsorgerisch betreut werden.

+++ 13:25 Meteorologe lässt hoffen – warm und trocken +++
In den Flutgebieten Deutschlands gibt es Anlass zu Hoffnung: „Wie im Rest unseres Landes bleibt es erst einmal bei sommerlichen bis frühsommerlichen Aussichten“, sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander. Er warnt jedoch: Es kann heftige Gewitterschauer geben. Und wenn die auf ohnehin schon aufgeweichte Deiche niederprasseln, werden sie zur zusätzlichen Belastung.

+++ 12:53 Soldaten aus Frankreich und Holland packen mit an +++
In der Not zeigen europäische Nachbarn Solidarität: In den Hochwassergebieten sind laut Bundeswehr-Kommando auch französische und niederländische Einheiten im Einsatz. Die Franzosen halfen zunächst als Teil der Deutsch-Französischen Brigade im bayrischen Deggendorf aus und werden mit ihren deutschen Kameraden im Tagesverlauf nach Sachsen verlegt. Eine niederländische Einheit hält sich in Frankenberg in Sachsen bereit.

+++ 12:25 Seelhausener See läuft über +++
Alle Bewohner von Löbnitz und Sausedlitz am Seelhausener See (Landkreis Nordsachsen) müssen sofort ihre Häuser verlassen. Im Zweifelsfall drohen Zwangsevakuierungen. „Der Seelhausener See läuft über“, heißt es aus dem Krisenstab. Es bestehe die Gefahr, dass die Sogwelle abfließenden Wassers zu Erdabbrüchen führe.

+++ 11:57 Mecklenburg-Vorpommern löst Flutalarm aus +++
Ausläufer der Elbe-Flut erreichen nun auch Mecklenburg-Vorpommern. Im Kreis Ludwigslust-Parchim rufen die Behörden Katastrophenalarm aus. Landesumweltminister Till Backhaus sagt: „Die Prognosen deuten auf ein Szenario hin, das wir wirklich noch niemals gehabt haben.“ Das Hochwasser soll am Montag, Dienstag oder spätestens Mittwoch nächster Woche mit der vollen Wucht das nördliche Bundesland.

+++ 11:36 Experte: Flut nutzt Merkel, kommt aber zu früh +++
Die Bilder von Angela Merkel in den Hochwassergebieten erinnern an Gerhard Schröder 2002 oder den „Deichgrafen“ Matthias Platzeck 1997. Auch die Kanzlerin kann so ihr „Image als Krisenlenkerin“ stärken, sagt Politologe Oskar Niedermayer n-tv.de. Ansonsten dürften die Auswirkungen auf die Bundestagswahl im Herbst gering sein: „Das Hochwasser kommt etwas zu früh.“

+++ 11:13 Rhein bleibt bis Freitag gesperrt +++
Für die Rheinschifffahrt bedeutet das Hochwasser eine lange Pause: Bis Freitag geht trotz sinkender Pegelstände nichts. Fracht- und Passagierschiffe dürfen wegen des Hochwassers seit dem Wochenende im Süden und Südwesten nicht fahren. Auch die Donau ist auf deutschem Gebiet noch nicht wieder frei.

+++ 11:01 Sachsen stehen vier schwere Tage bevor +++
Die schlimme Flutkatastrophe von 2002 haben die Menschen in Sachsen nicht vergessen. Im Jahr 2013 gibt es, bei aller Dramatik, eine gute Nachricht: So schlimm wie damals wird es nicht werden. „Wir gehen von neun Meter plus aus, die 9,40 Meter sind inzwischen ausgeschlossen“, sagt der Referatsleiter im Umweltministerium, Martin Socher. Nach den Worten von Innenminister Markus Ulbig wird der Wasserstand aber noch weiter ansteigen. Der Höchststand bleibt dann mindestens vier Tage lang auf relativ hohem Niveau. Der Scheitel ist bisher noch nicht im tschechischen Usti durch. Diese Region grenzt an Sachsen. Für Dresden erwartet das Landeshochwasserzentrum für Donnerstagmittag zunächst einen Wasserstand bis zu 8,80 Meter.

+++ 10:34 Feuerwehr warnt vor Gas-Containern in den Elbfluten +++
Das Hochwasser bringt auch Gegenstände mit sich, die andernorts verloren gegangen sind. So haben sich laut MDR in Tschechien Gas-Container gelöst, die im Landkreis Sächsische Schweiz in der Elbe gesichtet werden. Es besteht Explosionsgefahr. Zwei sind schon von der Feuerwehr gesichert worden, doch weitere könnten von der anderen Seite der Grenze folgen. Die Einsatzkräfte raten zur Vorsicht.

+++ 10:21 Südwesten ist aus dem Gröbsten raus +++
Im Ländle atmen die Menschen entlang der Flüsse auf. „Die Wasserstände der Flüsse fallen kontinuierlich“, sagt ein Sprecher der Hochwasser-Vorhersage-Zentrale in Karlsruhe. Auch die vorhergesagten einzelnen Gewitter im Land sollen keine weiteren negativen Auswirkungen haben. Lediglich am Main bei Wertheim (Main-Tauber-Kreis) stagnieren die Messwerte. Das liege daran, dass der Fluss derzeit enorme Wassermassen aus bayerischen Einzugsgebieten führt. Aber auch der Pegel des Mains wird voraussichtlich von Donnerstag an sinken.

+++ 9:58 Passauer haben wieder Trinkwasser +++
Für 90 Prozent der Haushalte haben die Stadtwerke die Versorgung wieder aktiviert. Im Lauf des Tages sollen die restlichen Haushalte folgen. Noch muss das Wasser aber aus hygienischen Gründen mit Chlor aufbereitet werden. Vor der Zubereitung von Getränken oder Speisen sollte es sicherheitshalber auch noch abgekocht werden.

+++ 9:52 Flut überschwemmt tschechische Industriestadt Usti +++
In Tschechien richtet die Elbflut ebenfalls drastische Schäden an. Weite Teile der Industriestadt Usti im Norden des Landes sind überschwemmt. Hier leben 100.000 Menschen. Die Wassermassen strömen schneller als erwartet über die Hochwasserwände im Stadtteil Strekov. In Prag entspannt sich die Lage dagegen langsam, das U-Bahnnetz im Zentrum der Millionenstadt ist aber weiter außer Betrieb.

+++ 9:37 Elb-Städten steht das Schlimmste noch bevor +++
Die sächsischen Städte und Gemeinden entlang der Elbe erwartet der Höhepunkt des Hochwassers. Immer mehr Menschen müssen sich in Sicherheit bringen, die Einsatzkräfte bereiten weitere Evakuierungen vor. In Dresden werden um 660 Menschen aus dem Stadtteil Gohlis in Sicherheit gebracht. Auch der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bereitet Evakuierungen vor. 11.000 Menschen haben hier das Gebiet bereits verlassen. Der Landkreis Nordsachsen ruft Katastrophenalarm aus. „Das Schlimmste steht uns noch bevor“, erklärte ein Sprecher.

+++ 9:02 Dämme in Deggendorf halten – Pegel stagniert +++
Für Entwarnung ist es noch zu früh, doch in Bayern deutet sich Entspannung an. Die Pegelstände in Straubing und Deggendorf stagnieren, wenn auch auf hohem Niveau. „Unsere Dämme haben gehalten“, sagt ein Polizeisprecher in Deggendorf. In der Donaustadt ist das Wasser langsamer gestiegen als erwartet, am Mittag wird vermutlich der Höchststand erreicht werden. Nach wie vor sind die Zufahrtsstraßen in die Stadt gesperrt.

+++ 8:47 Elbepegel steigt – Scheitelpunkt nicht in Sicht +++
Die Wasserstände an den Pegeln der Elbe in Sachsen steigen stetig an. In Schöna im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist die Zehn-Meter-Marke überschritten. In der Landeshauptstadt Dresden steht die Elbe bei 8,27 Metern, in Riesa bei 8,74 Metern und im nordsächsischen Torgau bei 7,90 Metern. Die Wasserstände steigen weiter steigen – allerdings sehr langsam, sagt ein Sprecher des Landeshochwasserzentrums am Mittwochmorgen. Wann der Scheitel erreicht ist, lässt sich noch nicht sagen.

+++ 8:31 Schulfrei in Bitterfeld, Aken und Dabrun +++
Im Krisengebiet in Sachsen-Anhalt fällt für die Schüler heute der Unterricht aus: So können die Kinder in Bitterfeld-Wolfen, Aken und Dabrun zuhause bleiben.

+++ 7:52 Deichsprengung in Bitterfeld bringt nichts +++
In Bitterfeld haben die Einsatzkräfte zur Entlastung einen Deich am Seelhausener See gesprengt. Dadurch sollte ein unkontrolliertes Bersten des Deichs verhindert werden. Doch die Aktion bringt laut Krisenstab nicht die erhoffte Entlastung. Die Lage in der sachsen-anhaltinischen Stadt bleibt angespannt.

+++ 7:43 Kinder in Niedersachsen haben schulfrei +++
In Niedersachsen werden fünf Schulen geschlossen. Der Grund: 2000 Einsatzkräfte aus dem gesamten Bundesland müssen in den Gemeinden Lüchow, Gartow, Clenze und Dannenberg untergebracht werden. Mehrere hundert Schüler freut’s: Sie dürfen bis mindestens Freitag zu Hause bleiben.

+++ 7:28 Rösler beruft Spitzentreffen über Fluthilfen ein +++
Wirtschaftsminister Philipp Rösler will sich heute bei einem Spitzentreffen mit Vertretern der deutschen Wirtschaft treffen und beraten, wie von der Flut betroffenen kleinen und mittelständischen Unternehmen unbürokratisch geholfen werden kann. Bei n-tv sagte der FDP-Politiker: „Natürlich müssen wir erst mal eine Bestandsaufnahme vorne hmen, und die tatsächlichen Schäden werden wir erst dann erkennen, wenn die Wassermassen abgeflossen sind. Trotzdem ist jetzt schon klar: Sie werden auch ganz praktische Lösungen anbieten müssen.“ Rösler wiederholte sein Vorhaben, die Kreditanstalt für Wiederaufbau zu nutzen, „die noch aus dem Jahr 2002 Erfahrungen und Programme hat“.

+++ 7:10 Biologe: Nach der Flut droht Mückenplage +++
Je nachdem, wie sich das Wetter entwickelt, könnte auf die Flut in Deutschland eine Mückenplage folgen. Der Biologe Norbert Becker sagt: „Wenn es zum Beispiel jetzt nach wie vor sehr kalt bleibt, dann sind die nicht stechlustig und auch nicht fluglustig.“ Wird es hingegen warm, „dann kann man schon sagen, dass die sich sehr stark bemerkbar machen“ – und in manchen Bereichen zur Plage würden. Vor allem Auen und überschwemmte Wiesen können dann zum bevorzugten Hort der lästigen Tiere werden.

+++ 6:43 Landkreis Deggendorf kaum noch zu erreichen +++
Die Menschen im Landkreis Deggendorf warten fast vollständig vom Umland abgeschnitten auf ein Ende des Hochwassers. Die Donau ist hier über die Ufer getreten und hat weite Gebiete überschwemmt. Die A92 ist teilweise gesperrt. Nur noch wenige Straßen führen in die und aus der Region. In der Nacht evakuieren Helfer weitere 50 bis 80 Menschen.

+++ 6:26 Saale erreicht in Halle höchsten Stand seit 400 Jahren +++
In Halle steigt das Hochwasser der Saale auf den höchsten Stand seit 400 Jahren. Der Pegelstand beträgt nach den Worten eines Stadtsprechers mehr als acht Meter. Die Straßen am Rande der Altstadt werden dadurch wohl rund einen Meter hoch vom Wasser überspült. Grund dafür ist auch der steigende Grundwasserspiegel. Zudem ist ein Damm durch die Flut stark aufgeweicht. Einsatzkräfte versuchen, ihn mit Sandsäcken zu stabilisieren.

+++ 5:02 Schaden für Tourismus: Urlauber sagen ab +++
Die bayerischen Wirte klagen über sinkende Umsätze. „Es gibt viele Stornierungsanfragen in den Nachbarregionen ohne Hochwasser“, sagte eine Vertreterin des Branchenverbandes Dehoga. So würden Gruppen ihre Reservierungen absagen, die eine Fahrradtour an den Flüssen des Freistaats geplant hatten. Auch Busunternehmen, deren Reiseangebot eine Schiffsreise auf der Donau beinhaltete, zögen die Buchungen zurück oder führen bestimmte Regionen erst gar nicht an. Die Schifffahrt ist auf Bayerns Flüssen wegen des Hochwassers nur noch eingeschränkt möglich. Diese Verluste belasten die Gastronomen und Hoteliers noch zusätzlich zum langen Winter und dem verregneten Start der Freiluftsaison.

+++ 2:32 Deich in Bitterfeld gesprengt +++
Am vollgelaufenen Seelhausener See in Bitterfeld wird ein Stück Deich gesprengt. Zuvor war ein unkontrollierter Deichbruch befürchtet worden. Damit wäre eine erhebliche Menge an Wasser in die Stadt Bitterfeld geflossen.

Quelle: n-tv.de

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