Nach der Flut kommt der Kampf gegen Schlamm und Dreck

Veröffentlicht: Juni 4, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Land unter in Gera: Der Hofwiesenpark, wo zur Bundesgartenschau 2007 knapp 1,5 Millionen Gäste flanierten, ist ein großer brauner See. Auch durch die Straßen im Ortsteil Untermhaus ergießt sich die dreckige braune Brühe der Weißen Elster und flutet Keller. Mancherorts hat das große Aufräumen schon begonnen.

Gera/Jena. Mit schweren Fahrzeugen durchkämmen Panzerpioniere die Straßen und bringen die Einwohner in Sicherheit – doch nicht immer verlassen die Bürger freiwillig ihre Wohnungen und Häuser. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) spricht angesichts des Hochwassers von einem „bedrohlichen Zustand“ und zeigt auch ein Herz für Tiere. „Bist du wasserscheu?“, fragt sie Kater Columbo, den sein Besitzer Simon Herm per Schlauchboot in Sicherheit bringt.

Etwa 100 Menschen werden nach Angaben des Geraer Krisenstabs bis zum Nachmittag in Sicherheit gebracht. Sie kommen bei Bekannten oder in Notunterkünften unter. Besonders betroffen vom Hochwasser sind die Stadtteile Untermhaus, Debschwitz und Liebschwitz. Doch auch in etlichen anderen Teilen der Stadt ist die Katastrophe zu spüren. Etwa 10.000 Haushalte sind am Montag ohne Strom, weil Trafostationen ausgefallen sind.

Die Lage in Ostthüringen ist dramatisch: Trotz einer leichten Entspannung an einigen Flusspegeln galt am Montag weiterhin Katastrophenalarm im Altenburger Land, im Kreis Greiz und in der Stadt Gera. Auch andere Regionen, darunter die Region Saalfeld, Teile Südwestthüringens oder das Weimarer Land litten unter den Hochwasserfolgen. Regierungschefin Christine Lieberknecht (CDU) befürchtet durch das Hochwasser in Thüringen immense Folgeschäden – etwa durch unterspülte Straßen und Häusermauern.

„Die Schäden des Hochwassers 2002 in den Nachbarbundesländern weisen auf Milliardengrößenordnungen hin“, sagte die Regierungschefin bei einem Besuch in Gera.

Auch wenn die Pegelstände am Montag vielerorts stagnierten oder sanken: Die Gefahr sei noch nicht gebannt, warnten Lieberknecht und Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU).

An der Bleilochtalsperre musste kontrolliert Wasser in die Saale abgelassen werden, um ein Überlaufen einer der großen Saaletalsperren zu verhindern, berichtete Reinholz. Der Ablauf werde mit 80 Kubikmetern pro Sekunde so dosiert, um Überschwemmungen in dem Ort Ziegenrück zu vermeiden. In Ortschaften an der Saale von Ziegenrück über Rudolstadt bis Jena schauten die Menschen besorgt zum Himmel. Wenn es keine weiteren starken Regenfälle gebe, sollte es trotz der angespannten Lage in den Orten und Städten an der Saale keine zusätzlichen Überschwemmungen geben, sagte Reinholz.

Der Minister schloss nicht aus, dass die nach der Bleilochtalsperre folgende Hohenwartetalsperre das ankommende Wasser nicht mehr fassen kann. „Wir müssen sie notfalls kontrolliert überlaufen lassen.“

Im Altenburger Land Evakuierungen aufrechterhalten

Vom Hochwasser in Gera waren vor allem die Ortsteile Untermhaus, Debschwitz und Liebschwitz betroffen. Laut Krisenstab wurden etwa 100 Menschen in Sicherheit gebracht. Die Evakuierungen gingen weiter, aber auf freiwilliger Basis. Dennoch waren viele Straßenzüge komplett unter Wasser. Probleme bereitet der Ausfall von Strom, Warmwasser und Fernwärme. Ohne Strom waren etwa 10.000 Haushalte. Das Waldklinikum mit mehr als 800″Betten blieb ohne Warmwasser und Fernwärme. „Um die Patienten trotzdem waschen zu können, bereiten die Schwestern warmes Wasser in Kochern zu“, sagte Kliniksprecherin Katrin Wiesner. In Jena sanken nach Polizeiangaben die Pegelstände.

Im Altenburger Land wurden die Evakuierungen nach Angaben einer Sprecherin des Landratsamtes aufrechterhalten. Bis heute Morgen sollen 250 Bundeswehrsoldaten zur Unterstützung eintreffen.

Massive Probleme meldete der Kreis Weimarer Land rund um den Zusammenfluss von Saale und Ilm bei Großheringen und flussaufwärts an der Ilm. In Bad Sulza, wo zahlreiche Straßen unter Wasser stünden, wurde wie auch in den meisten Ostthüringer Regionen der Unterricht an den Schulen abgesagt. Es gab einen großen Feuerwehreinsatz, um das Firmengelände von Viega, einem Hersteller von Rohrleitungssystemen, in Großheringen zu sichern.

In Bad Salzungen rutschten in der Nacht zum Montag nach Angaben des Landratsamtes Wartburgkreis Teile eines Hangs bis an zwei der evakuierten Häuser heran.

Hoffnung für die Betroffenen machte der Deutsche Wetterdienst. Dort rechnete man mit allmählich nachlassenden Niederschlägen in Thüringen und auch in Sachsen. Für Dienstag wurde für beide Länder bisher zunächst kaum Regen vorhergesagt, allerdings war wieder von einzelnen Schauern und möglicherweise auch Gewittern am Nachmittag die Rede.

In anderen zuvor vom Hochwasser betroffenen Regionen entspannte sich die Lage weiter. Jedoch ist damit nach Behördenangaben noch kein Normalzustand erreicht. Die Erfurter Stadtverwaltung warnte eindringlich vor dem Betreten der durchweichten Deiche. Unterspülungen und Hohlräume könnten lebensgefährlich werden.

Für die Menschen in den Notunterkünften wird das Ausharren zur Geduldsprobe. Auf Ma­tratzen, Matten und Liegen haben in Gößnitz knapp 200 Menschen in einer höher gelegenen Turnhalle die Nacht verbracht. „Ich konnte nicht wirklich ein Auge zumachen“, erzählt die 22 Jahre alte Mandy Teichmann. Sie versucht mit kleinen Bausteinen ihren zweijährigen Sohn Leon bei Laune zu halten. „Wo ich wohne, steht das Wasser bis zur ersten Etage. Ich wohne glücklicherweise im zweiten Stock.“ Nicht allen geht es so. Viele sorgen sich um ihr Hab und Gut und blicken mit Sorgen auf die Rückkehr in ihre Häuser.

Quelle: otz.de

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