Zur Jahrtausendflut angestiegen

Veröffentlicht: Juni 3, 2013 von fluthelfer in Passau

 

Zerborstene Schaufenster, metertiefe Teiche und eine Entwarnung ist noch lange nicht in Sicht: In den Hochwassergebieten in Bayern, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt bangen die Bürger um ihre Existenz. In Passau wurde der Rekordpegel von 1964 geknackt.

Die Jahrhundertflut von 2002 wird zurückgedrängt. Im bayerischen Passau wurde am Montag ein neuer Hochwasser-Rekord gemessen. Das dramatische Hochwasser hat weite Teile Süd- und Ostdeutschlands in Katastrophenregionen verwandelt. In etlichen Städten und Landkreisen in Bayern, Thüringen und Sachsen galt Alarmzustand.

Große Helferschar im Einsatz

Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums waren in den Überflutungsgebieten insgesamt 1800 Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) im Einsatz, außerdem halfen 500 Bundespolizisten. Zudem wurden 1760 Soldaten mobilisiert.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sicherte den Betroffenen am Montag Hilfe zu. «Die Bevölkerung kann sich darauf verlassen, dass wir alles tun, ihr die Schäden zu erleichtern», sagte er in Chemnitz bei einem Besuch von sächsischen Hochwassergebieten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte an diesem Dienstag in die betroffenen Gebiete reisen.

Das Hochwasser machte auch Straßen und Autobahnen unbefahrbar. Zudem war der Bahnverkehr beeinträchtigt. Insbesondere in Süd- und Niederbayern seien einige Strecken unterbrochen, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Die Hochwasserlage hatte sich am Wochenende extrem verschlimmert. Einen Lichtblick gibt es: Der Deutsche Wetterdienst hob am Montag seine Unwetterwarnung für weite Teile Sachsens auf. Bis zum Abend könne es aber noch leichten Regen geben.

Die deutschen Hochwassergebiete im Überblick

 

Bayern: An der Donau in Passau wurde am Montag ein neuer Hochwasser-Rekord gemessen: Das Wasser überschritt die Marke von 12,66 Metern aus dem Jahr 1954. Die Passauer Altstadt und andere Teile des Zentrums der Dreiflüssestadt sind überflutet. In der Altstadt musste zum Teil der Strom abgestellt werden, jetzt drohen Probleme bei der Trinkwasserversorgung. 150 Soldaten wurden als Helfer in die Stadt abkommandiert.

Auch in Rosenheim ist die Lage nach wie vor dramatisch: Nach einem Dammbruch des Auerbaches mussten rund 170 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Außerdem drohte ein weiterer Damm in Kolbermoor bei Rosenheim zu brechen. Am Main in Unterfranken zeichnete sich dagegen eine Entspannung ab.

Sachsen: In sieben Landkreisen und den drei Städten Dresden, Chemnitz und Zwickau galt am Montag Katastrophenalarm. Tausende Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Einige Hausbesitzer verweigerten die Evakuierung – zum Ärger von Landesinnenminister Markus Ulbig (CDU): «Das, was wir hier machen, ist kein Spaß.» In Dresden wurde ein Pegelstand von bis zu 9 Metern erwartet – fast so viel wie bei der Jahrhundertflut im August 2002 (9,40 Meter).

In Grimma stand das Wasser der Mulde meterhoch in der Altstadt, die nur noch mit Schlauchbooten befahrbar ist. Dort ging man davon aus, dass die Hochwassermarke von 2002 erreicht wird. Auch an der Weißen Elster und den Mulden im Landkreis Leipzig hatte sich die Lage verschärft. «Die Evakuierungen werden ausgeweitet», sagte eine Sprecherin des Krisenstabes in Grimma. Rund 6000 Menschen sollen im Landkreis betroffen sein. Die Hochwasserkatastrophe ähnele der Jahrhundertflut in Sachsen von 2002, sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). «Wir haben eine sehr, sehr prekäre Situation, die durchaus mit der von 2002 vergleichbar ist.»

Thüringen: In Gera sowie den Kreisen Greiz und Altenburger Land, wo Katastrophenalarm herrschte, mussten sich bisher mehr als 2000 Menschen in Sicherheit bringen. Der bereits am Wochenende evakuierte Ort Serbitz stand komplett unter Wasser. In Gera befürchtete die Stadtverwaltung das Bersten einer Hochwasserschutzmauer, die nur noch 30 Zentimeter aus dem Wasser ragte. Massive Probleme meldete der Kreis Weimarer Land rund um den Zusammenfluss von Saale und Ilm bei Großheringen und flussaufwärts an der Ilm. In Jena hat sich am Montag die Hochwassersituation an der Saale dagegen leicht entspannt. In Thüringen unterstützten Soldaten seit Sonntagabend die Einsatzkräfte.

Sachsen-Anhalt: Der Burgenlandkreis und der Landkreis Anhalt-Bitterfeld riefen den Katastrophenalarm aus. An den Grenzen zu Thüringen und Sachsen trat die Weiße Elster flächendeckend über die Deiche. Im Süden des Landes mussten Hunderte ihre Wohnungen verlassen. Es werde mit weiteren Evakuierungen gerechnet, sagte der Leiter des Krisenstabes im Burgenlandkreis, Dieter Engelhardt, der Nachrichtenagentur dpa. In Halle wurde ein Pflegeheim geräumt. Straßen und Häuser wurden überflutet, teils musste der Strom abgeschaltet werden.

Die ersten Todesopfer in Deutschland

In anderen Bundesländern blieben die Folgen weniger dramatisch: Nordrhein-Westfalen etwa blieb vom Hochwasser weitgehend verschont. In Hessen stiegen die Pegelstände am Main nach Angaben des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie jedoch weiter. In Mainz wurde am Montagmorgen ein Rhein-Pegelstand von 6,64 Metern gemessen, bis Dienstag rechnet das rheinland-pfälzische Umweltministerium mit einem Anstieg auf etwa 7,20 Meter. Das wäre dort der höchste gemessene Wert seit 1988. In Baden-Württemberg entspannte sich indessen die Lage an den Flüssen. Für die beiden Vermissten aus dem Kreis Reutlingen besteht laut Polizei kaum noch Hoffnung.

 

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