Land unter: Wassermassen überfluten die Kulturstadt

Veröffentlicht: Juni 3, 2013 von fluthelfer in Thüringen
Weimar. Zahlreiche Einsatzkräfte verteilten Sandsäcke. Die B87 zwischen Bad Berka und Kranichfeld ist mindestens übers Wochenende gesperrt.

Wer helfen konnte, machte sich auf die Beine. Überflutete und unterspülte Straßen, umgestürzte Bäume und unzählige Gebäude, in die das Wasser einbrach, forderten am Sonntag in Stadt und Landkreis jede Hand.

Der heftige Regen hatte von Mitternacht an den Pegel der Ilm rapide klettern lassen. In nur zwölf Stunden stieg das Wasser am Messpunkt Mellingen auf mehr als die doppelte Höhe von 1,50 Meter auf 3,34 Meter – und damit einen halben Meter über die dritte und höchste Hochwasser-Alarmstufe, die der Thüringer Umweltminister am Vormittag auch offiziell für die Ilm in und um Weimar ausrief.

Bad Berka und München entwurzelt. Diesmal war es eine rund 25 Meter hohe Eiche, die auf die Straße stürzte und gegenüber am Ilmufer die Leitplanke durchschlug. Noch an weiteren Stellen in Richtung Tannroda löste sich der Hang mitsamt Gehölzen. Die Bundesstraße wurde gesperrt – voraussichtlich auch übers Wochenende. Nachmittags wurde die Sperrung bis Kranichfeld erweitert.

Auch auf der B“85 in Blankenhain musste der Verkehr zeitweilig unterbrochen werden. Aus Richtung Freibad überspülte das Wasser die Bundesstraße. Mit Sandsäcken und Pumpen kamen die Feuerwehren den Fluten bei, konnten aber nicht verhindern, dass Keller zuliefen und gegenüber vom Schwanenteich ein zweiter See entstand.

Bad Berka überflutete das Hochwasser die Ilm- und die Trebestraße. Am Freibad trat zudem der Bach über die Ufer und überschwemmte bereits am Morgen die Liegewiesen. Ebenfalls vom Morgen an musste die überspülte Straße zwischen Mellingen und Magdala gesperrt werden. In Mellingen traf es vor allem die Blankenhainer Straße. Dort lief das Wasser in einen Stromverteiler und forderte den Einsatz des Energieversorgers. Innerorts mussten außerdem Brücken gesperrt werden.

Nichts mehr ging im benachbarten Lehnstedt. Zunächst wurde die Ortsdurchfahrt überflutet. Dann schnitt das Wasser auch den Weg nach Hammerstedt ab. Ähnlich hart traf es die Alt- und Neudörnfelder sowie die Krakendorfer. Auch hier wurden zumindest morgens die kompletten Ortslagen gesperrt.

Außerhalb der Gemeinden schuf das Wasser ebenfalls unüberwindliche Hürden. Zwischen Buchfart und Hetschburg musste die Straße ebenso gesperrt werden wie zwischen Blankenhain und Tannroda. Nahe dem Abzweig nach Thangelstedt hatte das Wasser dort eine erkennbare Bucht aus dem Untergrund der Straße gespült. In Hetschburg musste die Kirchgemeinde zudem ihren Gottesdienst am Sonntag wegen der überfluteten Kirche absagen.

Weimar traf das Hochwasser empfindlich

Weimar traf das Hochwasser vom Nachmittag an empfindlich. Am Vormittag konnten sich die Feuerwehren noch auf Kontrollen konzentrieren und darauf, in den Ortsteilen, so in Possendorf, vorsorglich Sandsäcke zu schichten. Kurz vor Mittag musste in Ehringsdorf die Ilmbrücke an der Kipperquelle gesperrt werden – bei Hochwasser stets ein neuralgischer Punkt. Gegen 16 Uhr wurde Großalarm gegeben und sämtliche verfügbaren Feuerwehrleute in der Stadt und den Ortsteilen hinzugezogen.

Gemeinsam mit dem Ordnungsamt machten die Retter im Bereich von Untergraben, Brühl und Gerberstraße die Halter der dort geparkten Fahrzeuge ausfindig, um die Pkw vor dem drohenden Wasser in Sicherheit zu bringen. Später wurde das gesamte Areal gesperrt – am Abend auch die Kegelbrücke. Die Feuerwehren verteilten mehrere tausend Sandsäcke. Die Oberweimarer Falkenburghalle musste geschlossen und der Trainingsbetrieb unterbrochen werden. Die benachbarte Steinbrücke wurde gesperrt. Und nachdem die Klassik-Stiftung zunächst lediglich die Brücken im Ilmpark gesperrt hatte, riet sie später gänzlich vom Besuch des Parkes ab.

Vom Ilm-Hochwasser betroffen ist seit Freitag auch die Berksche Bahn. Weil die Gleise zwischen Bad Berka und Kranichfeld teilweise unterspült waren, wurde der Abschnitt gegen 10 Uhr gesperrt, so dass die Erfurter Bahn Schienenersatzverkehr einrichtete.

Doch auch das war offenbar nicht ohne Weiteres möglich, wie Robert Zehrer, Planer bei der Erfurter Bahn, sagte: „Im Moment werden vielerorts mehr Busse gebraucht. Deshalb mussten wir zeitweise auch auf Taxis ausweichen, als unser Busfahrer eine Pause einlegen musste.“

Schüler hatten nach der zweiten Stunde frei

Der Bus startet in Bad Berka zwar in etwa zu der Zeit, zu der auch die Ilmtalbahn in Richtung Kranichfeld abfährt, doch da er die Umleitung über Tiefengruben nehmen und alle Unterwegs-Bahnhöfe anfahren muss, kommt er später als die reguläre Bahn in Kranichfeld an. Folglich ändern sich die Abfahrtzeiten in Gegenrichtung. Die Sperrung gilt bis heute, im Laufe des Tages wird über das weitere Vorgehen entschieden. Nicht beeinträchtigt ist der Bahnverkehr zwischen Bad Berka und Weimar.

Auf Nummer sicher ist am Freitag wegen der Situation im Straßen- und Bahnverkehr auch die Schulleiterin der Klosterbergschule Bad Berka gegangen: Beate Schmidt gab allen Schülern, die per Bahn in die Kurstadt kommen und telefonisch die Erlaubnis ihrer Eltern dazu erhalten hatten, nach der zweiten Stunde frei. Die Schüler erreichten so die letzte Bahn, die in Richtung Kranichfeld fuhr. „Es war mir heute wichtiger, die Schüler angesichts der Hochwassersituation in Sicherheit zu wissen.“ Den Unterrichtsausfall hält Schmidt für vertretbar, weil der Krankenstand an der Schule hoch ist.

Quelle: otz.de

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