Archiv für August 22, 2012

Hitzacker »in der Elbe»

Veröffentlicht: August 22, 2012 von fluthelfer in Hitzacker
Bürgermeister Holger Mertins blickt als Inselbewohner auf das Hochwasser 2002 zurück

as Hitzacker. Es war im August vor zehn Jahren, als aus der Stadt Hitzacker (Elbe) durch die Hochwasserflut »Hitzacker in der Elbe» wurde. Heute wird das Wortspiel von den Bewohnern rückblickend mit einem Schmunzeln quittiert.

Indessen: Viele Bewohner der Stadt – vor allem der Insel – werden diese schlimmen Tage niemals vergessen, als das Hochwasser binnen weniger Stunden, aber dennoch langsam und unaufhaltsam in zahlreiche Häuser strömte. Die Schäden an den Gebäuden gingen in die Hunderttausende.

Einer, der sich noch gut an das schlimme Hochwasser erinnert, ist Hitzackers Bürgermeister Holger Mertins, der selber auf der Stadtinsel wohnt: »Das Schlimmste waren die unterschiedliche Prognosen über die Pegelhöchststände. Da jagte eine Hiobsbotschaft die andere und sorgte für enorm viel Verunsicherung in der Bevölkerung», schildert der Ratsvorsitzende. In der Vorlaufzeit von den ersten Hochwasservorhe rsagen bis zur Überflutung des Stadtkerns habe es fast eine Woche gedauert. Und in dieser Zeit beschäftigte die Hitzackeraner auf der Insel nur eine einzige Frage: Wie kann ich mein Haus, mein Grundstück schützen und mein Hab und Gut retten? So wurden Keller- und Wohnräume leer geräumt und das Inventar bei Freunden oder gar im Verdo trocken deponiert.

»Schließlich haben wir uns eine Insel auf der Insel aufgebaut», scherzt Mertins. Gemeinsam mit dem Fischhändler Ernst-August Kerting, dem ältesten Bewohner der Stadtinsel, und Museumsleiter Klaus Lehmann habe er in der Zollstraße zwei Wälle als Schutz errichtet. Doch das Elbwasser sei schließlich binnen weniger Stunden vom Kranplatz aus über die Elbstraße bis in die Zollstraße und hinein in den Friseursalon seiner Frau geflossen. »Da war eben nichts zu machen», zuckt Mertins mit den Schultern, als er nun – zehn Jahre später – vor dem Gebäude die Höhe des damaligen Wasserstandes andeutet. Soweit die bedrückende Phase des auflaufenden Hochwassers.

Doch was für Mertins ebenso fest in Erinnerung mit dem Hochwasser 2002 bleibt, das ist das hervorragende nachbarschaftliche Verhältnis, das in den Tagen der Überschwemmung herrschte. Mehr noch: »Wir haben unglaublich viel Unterstützung erfahren. Es herrschte eine großartige Solidarität auch unter den Helferinnen und Helfern. Da kamen junge Menschen aus dem Südkreis und wollten einfach nur helfen. Viele Freunde hatten sich spontan Urlaub genommen, um für uns da zu sein. Das war schon Wahnsinn, was da geleistet wurde.»

Bild: Nur auf Stegen – sie waren den Anwohnern und Einsatzkräften vorbehalten – oder im Boot konnte man sich während des Hochwassers im August 2002 über Hitzackers Stadtinsel bewegen. 4 Aufn.: EJZ-Archiv

Quelle: ejz.de

Vor Hochwasser in Zukunft geschützt

Veröffentlicht: August 22, 2012 von fluthelfer in Hitzacker
Schutzbauten für 69 Millionen Euro

as Hitzacker. Eine schlimme Hochwasserflut, wie sie im Jahr 2002 die Stadtinsel heimsuchte, wird es in der Elbestadt – nach heutigen Prognosen – nicht mehr geben. »Wir sind froh und stolz, dass Hitzacker so einen Hochwasserschutz erhalten hat, mit Schöpfwerk, einer schönen Promenade mit der Schutzwand und dem Sielbauwerk», unterstreicht Hitzackers Bürgermeis-ter Holger Mertins.

Dadurch werde nun die Stadt vor künftigen Flutereignissen geschützt; so wie es im Januar 2011 für alle Bewohner erlebbar war, als die aufgestellten Aluwandaufbauten das Eindringen des Elbwassers in die Stadt verhinderte.

Der Bürgermeister nimmt den Rückblick zum Anlass, allen Helferinnen und Helfern noch einmal Dank für ihren un- eigennützigen Einsatz auszusprechen. »Das ist nicht alles selbstverständlich.» Er erinnert an die vielen spontanen Geld-spender und -sammler, die die Hilfebedürftigen auf der Insel in ihrer Not unterstützt hatten.

Schon ein halbes Jahr vor dem Jahrhunderthochwasser war der Schutz vor Fluten an der Jeetzel ein ernstes Gesprächsthema, ergänzt Peter Hildebrandt, Geschäftsführer der Deichverbände in Lüchow-Dannenberg. Damals habe der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Auftrag des Jeetzeldeichverbandes ein Variantenmodell vorgelgt, durch welche Bauprojekte die ermittelten Deichminderhöhen an der Jeetzel ausgeglichen würden.

Unmittelbar nach dem Jahrhunderthochwasser sei die Debatte über den gemeinsamen Schutz der Jeetzelniederung samt Hitzacker unter dem Eindruck der Schäden sofort weitergeführt worden. »Da ging es gleich um den Standort des Schöpfwerkes, ob es eher bei Lüggau oder an der Jeetzelmündung in Hitzacker gebaut werden soll», erinnert Hildebrandt.

Der Startschuss für den Bau des Hochwasserschutzes an Jeetzel und Elbe sei am 22. Oktober 2002 im Gildehaus in Lüchow gefallen. Dort hatten sich die Bezirksregierung, der Landkreis, der NLWKN, die Deichverbände und der Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände geeinigt. Seitdem sind Schöpfwerk, Sielbauwerk und Schutzwand in Hitzacker sowie 55 km neue Deichverteidigungsweg an der Jeetzel gebaut worden – Kosten 69 Mio. Euro – ohne direkte finanzielle Beteiligung der Betroffenen.

Quelle: ejz.de