Entfesselung mit Augenmaß gefordert

Veröffentlicht: August 21, 2012 von fluthelfer in Hochwasserschutz, NRW

Die Sieg soll sich ihren Flusslauf zwischen Siegburg und Mondorf nach dem Willen der EU wieder selbst suchen. Bei Anwohnern ist das umstritten. Ein Vorschlag der schwarz-grünen Kreiskoalition soll Freizeitnutzung und Naturschutz versöhnen.

 

„Die Siegaue muss erlebbar bleiben.“ Mit dieser Forderung gehen die Koalitionsfraktionen von CDU und Grünen im Kreistag in die weitere Diskussion über eine Renaturierung der Siegauen zwischen der Autobahn 59 an der Siegburger Stadtgrenze und der Mündung des Flusses bei Niederkassel-Mondorf. In einem gemeinsamen Antrag fordern die beiden Parteien den Kreis auf, sich in den weiteren Gesprächen mit der Kölner Bezirksregierung dafür einzusetzen, dass bei der angestrebten naturnahen Umgestaltung des Uferbereichs nicht nur ökologische Aspekte berücksichtigt werden. Bei einer entsprechenden Überarbeitung des Landschaftsplanes müsse auch den Interessen von Landwirtschaft und Naherholung Rechnung getragen werden.

Nach dem Willen von Schwarz-Grün sollen Erholungssuchende von den sich verändernden Uferverläufen, Siegstränden und Schotterflächen nicht ausgeschlossen werden. Zudem müssten vorhandene Spazier- und Radwege erhalten sowie Reit- und Wanderwege mit eingeplant werden. Klar positionieren sich CDU und Grüne auch in der Diskussion über den Meindorfer Sportplatz um dessen Fortbestand viele Bürger des Sankt Augustiner Stadtteils im Falle einer Renaturierung des Flusslaufes fürchten. Wenn dieser nicht verlegt werden könne oder solle, müsse er am jetzigen Standort bleiben, argumentiert der Kreistagsabgeordnete Martin Metz (Grüne). Der in Siegnähe gelegene Platz müsse dann „gegen die Eigendynamik des Gewässers abgesichert werden“.

Dem Gewässer seine Eigendynamik zurückgeben – das ist eines der Ziele der von der Bezirksregierung vorangetriebenen Renaturierung. Die Kölner Behörde will damit eine verbindliche Richtlinie der Europäischen Union umsetzen. Die Sieg, die mit ihren noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Uferbefestigungen zu einem kanalartigen Fluss gemacht wurde, soll von den Fesseln dieser Befestigungen befreit werden. Landschaftsplaner wollen dem Gewässer innerhalb bestimmter Grenzen die Möglichkeit geben, sich seinen natürlichen Flusslauf selbst zu suchen und dabei auch Seitenarme auszubilden.

Dagegen regt sich entlang des Flusses Widerstand. Vor allem in dem siegnahen Sankt Augustiner Stadtteil Meindorf wird Front gegen die Pläne gemacht. Die Meindorfer fürchten, dass dem Projekt ein beliebtes Naherholungsgebiet zum Opfer fällt. Bereits im Frühjahr hatten sich bei einer Unterschriftensammlung rund 500 Meindorfer dafür ausgesprochen, dass alle Sport- und Erholungsmöglichkeiten wie Radwege, ein Spielplatz, ein Grillplatz und der örtliche Sportplatz erhalten bleiben. Kritik hatten die Meindorfer auch an der Informationspolitik der Bezirksregierung geäußert, von der sie sich bei den Planungen übergangen fühlen. Diese Kritik hat die schwarz-grüne Koalition jetzt noch einmal bekräftigt. „Das hat die Menschen verunsichert, viele befürchten nun eine Einschränkung der Aufenthaltsqualität, das hätte verhindert werden können“, sagte Norbert Chauvistré, der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion.

 

Quelle: ksta.de

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