Archiv für August, 2012

»Hochwasserschutz so gut wie nie zuvor»

Veröffentlicht: August 24, 2012 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg

Forderung: Eisbrecher-Einsätze für Zukunft sichern
as Bleckede/Hitzacker. »Der Hochwasserschutz an der Elbe und in der Jeetzelniederung ist heute so gut wie nie zuvor. Der Hochwasserschutz wird aber auch künftig eine Daueraufgabe bleiben.

» Das hat Niedersachsens Umweltminister Dr. Stefan Birkner (FDP) in Bleckede unterstrichen. Dorthin hatte das Ministerium Vertreter von Feuerwehr, THW, der Bundeswehr, der Deichverbände und des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) eingeladen, um auf die Elbeflut vor zehn Jahren zurückzublicken. Zu den Referenten zählten auch der Lüchow-Dannenberger Landrat Jürgen Schulz und Heinz Anders, Ehrenvorsitzender des Jeetzeldeichverbandes (JDV).

Birkner lobte, es sei den vielen tausend Helferinnen und Helfern an der unteren Mittelelbe zwischen Schnackenburg und Geesthacht – mit Ausnahme in Laasche – gelungen, Deichbrüche durch das Füllen und Verlegen von Millionen von Sandsäcken zu verhindern. Das sei eine enorme Leistung ge-wesen. Zumal: »Die Flut hat damals an der gesamten Elbe 20 Menschenleben gefordert und Schäden in Höhe von 9 Milliarden Euro verursacht.» Die Schäden in Niedersachsen wären wohl noch größer gewesen, wenn nicht im Oberlauf der Elbe Deichbrüche für Entlas-tung gesorgt hätten.

Seitdem sei der Hochwasserschutz deutlich verbessert worden. Der Bund und das Land Niedersachsen hätten in den vergangenen neun Jahren rund 160 Millionen Euro in Schutzmaßnahmen investiert. »So haben wir in Niedersachsen 140 Kilometer Deiche verstärkt und neue Deichverteidigungswege, dem Rückgrat der Deichverteidigung, geschaffen.» Mit dem Bau von Sielbau-, Schöpfwerk und Hochwasserschutz-wand seien Hitzacker und die Jeetzelniederung nun wirksam geschützt. Und auch die Seegeniederung und Laasche seien durch neue und verstärkte Deiche für künftige Hoch- wasserereignisse gut gerüstet.

Im Hinblick auf die Zukunft habe das Ministerium Jana Freimann als Beauftragte für den Hochwasserschutz an der Elbe berufen. Sie soll mit Wasserwirtschaft und Naturschutz die Probleme der Verbuschung und der Sedimentation der Elbe angehen. Um beim Hochwasserschutz länderübergreifend zu handeln, habe Niedersachsen im Frühjahr eine Vereinbarung mit Mecklenburg-Vorpommern unterzeichnet, sagte Birkner.

Elvyra Kehbein, stellvertretende NLWKN-Leiterin in Lüneburg, erinnerte daran, dass im Jahr 1940 ein Hochwasser, das mit dem von 2002 vergleichbar ist, an der Elbe gemessen wurde. Nach Fertigstellung von Deichen und Schutzbauten habe das Elbehochwasser 2011 das Land nur 130000 Euro gekostet, davon 100000 Euro an Stromkosten für die Pumpen in Hitzacker.

Landrat Jürgen Schulz und Heinz Anders forderten den Umweltminister auf, dafür zu sorgen, dass der Einsatz der Eisbrecher auch nach der Schließung des Wasser- und Schiffahrtsamtes in Lauenburg gewährleistet sein wird. Die Eisbrecher seien unverzichtbar für den Schutz der Deiche vor drohendem Eisversatz. Schulz erinnerte daran, dass das Elbehochwasser 2002 im Landkreis mit 5000 Freiwilligen pro Tag von einer Welle der Hilfsbereitschaft geprägt gewesen sei. Er dankte dem Minister für die Finanzierung der Schutzmaßnahmen. So sei die Resolution des Kreistages vom Dezember 2002, in dem Hilfe für den Bau des Hochwasserschutzes erbeten worden war, nahezu abgearbeitet.

JDV-Ehrenvorsitzender Heinz Anders blickte zurück: Vor dem Deichbauprojekt in den 50er-Jahren sei die Jeetzelniederung durchschnittlich an 125 Tagen pro Jahr überflutet gewesen. Zwei Drittel des Jeetzelwassers stamme aus der Entwässerung der Altmark. Nach dem Hochwasser 2002 habe der JDV als Maßnahmeträger die notwendigen Schutzbauten in Hitzacker und an der Jeetzel zielstrebig und auch gegen den Widerstand einzelner unbeirrt realisiert. Dabei sei der JDV maßgeblich von Umweltminister Hans-Heinrich Sander und der Landtagsabgeordneten Karin Bertholdes-Sandrock (CDU) unterstützt worden. Anders erinnerte daran, dass die jüngsten Hochwässer von höheren Pegelständen bei niedrigeren Durchflusswassermengen gekennzeichnet gewesen seien. Deswegen seien die Probleme Verbuschung und Sedimentation dringlich zu lösen.

Hans Graulich, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, erinnerte daran, dass der Hochwassereinsatz 2002 mit 8400 Feuwehrleuten der zweitgrößte in der Geschichte der Feuerwehr in Niedersachsen nach der Waldbrandkatastrophe 1975 gewesen sei. Die damals erstmals eingesetzte Stabsstruktur habe sich bewährt.

Quelle: ejz.de

Hitzacker »in der Elbe»

Veröffentlicht: August 22, 2012 von fluthelfer in Hitzacker
Bürgermeister Holger Mertins blickt als Inselbewohner auf das Hochwasser 2002 zurück

as Hitzacker. Es war im August vor zehn Jahren, als aus der Stadt Hitzacker (Elbe) durch die Hochwasserflut »Hitzacker in der Elbe» wurde. Heute wird das Wortspiel von den Bewohnern rückblickend mit einem Schmunzeln quittiert.

Indessen: Viele Bewohner der Stadt – vor allem der Insel – werden diese schlimmen Tage niemals vergessen, als das Hochwasser binnen weniger Stunden, aber dennoch langsam und unaufhaltsam in zahlreiche Häuser strömte. Die Schäden an den Gebäuden gingen in die Hunderttausende.

Einer, der sich noch gut an das schlimme Hochwasser erinnert, ist Hitzackers Bürgermeister Holger Mertins, der selber auf der Stadtinsel wohnt: »Das Schlimmste waren die unterschiedliche Prognosen über die Pegelhöchststände. Da jagte eine Hiobsbotschaft die andere und sorgte für enorm viel Verunsicherung in der Bevölkerung», schildert der Ratsvorsitzende. In der Vorlaufzeit von den ersten Hochwasservorhe rsagen bis zur Überflutung des Stadtkerns habe es fast eine Woche gedauert. Und in dieser Zeit beschäftigte die Hitzackeraner auf der Insel nur eine einzige Frage: Wie kann ich mein Haus, mein Grundstück schützen und mein Hab und Gut retten? So wurden Keller- und Wohnräume leer geräumt und das Inventar bei Freunden oder gar im Verdo trocken deponiert.

»Schließlich haben wir uns eine Insel auf der Insel aufgebaut», scherzt Mertins. Gemeinsam mit dem Fischhändler Ernst-August Kerting, dem ältesten Bewohner der Stadtinsel, und Museumsleiter Klaus Lehmann habe er in der Zollstraße zwei Wälle als Schutz errichtet. Doch das Elbwasser sei schließlich binnen weniger Stunden vom Kranplatz aus über die Elbstraße bis in die Zollstraße und hinein in den Friseursalon seiner Frau geflossen. »Da war eben nichts zu machen», zuckt Mertins mit den Schultern, als er nun – zehn Jahre später – vor dem Gebäude die Höhe des damaligen Wasserstandes andeutet. Soweit die bedrückende Phase des auflaufenden Hochwassers.

Doch was für Mertins ebenso fest in Erinnerung mit dem Hochwasser 2002 bleibt, das ist das hervorragende nachbarschaftliche Verhältnis, das in den Tagen der Überschwemmung herrschte. Mehr noch: »Wir haben unglaublich viel Unterstützung erfahren. Es herrschte eine großartige Solidarität auch unter den Helferinnen und Helfern. Da kamen junge Menschen aus dem Südkreis und wollten einfach nur helfen. Viele Freunde hatten sich spontan Urlaub genommen, um für uns da zu sein. Das war schon Wahnsinn, was da geleistet wurde.»

Bild: Nur auf Stegen – sie waren den Anwohnern und Einsatzkräften vorbehalten – oder im Boot konnte man sich während des Hochwassers im August 2002 über Hitzackers Stadtinsel bewegen. 4 Aufn.: EJZ-Archiv

Quelle: ejz.de

Vor Hochwasser in Zukunft geschützt

Veröffentlicht: August 22, 2012 von fluthelfer in Hitzacker
Schutzbauten für 69 Millionen Euro

as Hitzacker. Eine schlimme Hochwasserflut, wie sie im Jahr 2002 die Stadtinsel heimsuchte, wird es in der Elbestadt – nach heutigen Prognosen – nicht mehr geben. »Wir sind froh und stolz, dass Hitzacker so einen Hochwasserschutz erhalten hat, mit Schöpfwerk, einer schönen Promenade mit der Schutzwand und dem Sielbauwerk», unterstreicht Hitzackers Bürgermeis-ter Holger Mertins.

Dadurch werde nun die Stadt vor künftigen Flutereignissen geschützt; so wie es im Januar 2011 für alle Bewohner erlebbar war, als die aufgestellten Aluwandaufbauten das Eindringen des Elbwassers in die Stadt verhinderte.

Der Bürgermeister nimmt den Rückblick zum Anlass, allen Helferinnen und Helfern noch einmal Dank für ihren un- eigennützigen Einsatz auszusprechen. »Das ist nicht alles selbstverständlich.» Er erinnert an die vielen spontanen Geld-spender und -sammler, die die Hilfebedürftigen auf der Insel in ihrer Not unterstützt hatten.

Schon ein halbes Jahr vor dem Jahrhunderthochwasser war der Schutz vor Fluten an der Jeetzel ein ernstes Gesprächsthema, ergänzt Peter Hildebrandt, Geschäftsführer der Deichverbände in Lüchow-Dannenberg. Damals habe der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Auftrag des Jeetzeldeichverbandes ein Variantenmodell vorgelgt, durch welche Bauprojekte die ermittelten Deichminderhöhen an der Jeetzel ausgeglichen würden.

Unmittelbar nach dem Jahrhunderthochwasser sei die Debatte über den gemeinsamen Schutz der Jeetzelniederung samt Hitzacker unter dem Eindruck der Schäden sofort weitergeführt worden. »Da ging es gleich um den Standort des Schöpfwerkes, ob es eher bei Lüggau oder an der Jeetzelmündung in Hitzacker gebaut werden soll», erinnert Hildebrandt.

Der Startschuss für den Bau des Hochwasserschutzes an Jeetzel und Elbe sei am 22. Oktober 2002 im Gildehaus in Lüchow gefallen. Dort hatten sich die Bezirksregierung, der Landkreis, der NLWKN, die Deichverbände und der Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände geeinigt. Seitdem sind Schöpfwerk, Sielbauwerk und Schutzwand in Hitzacker sowie 55 km neue Deichverteidigungsweg an der Jeetzel gebaut worden – Kosten 69 Mio. Euro – ohne direkte finanzielle Beteiligung der Betroffenen.

Quelle: ejz.de

»Wabbelweicher Deich wie eine Blase»

Veröffentlicht: August 21, 2012 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg
Beim Hochwasser 2002 an der Jeetzel wurden drohende Deichbrechungen bei Dannenberg verhindert

as/rg Lüggau. »Das kann man sich gar nicht vorstellen, wenn man es nicht selber erlebt hat: Der Jeetzeldeich bei Dannenberg und Bückau war wabbelweich wie eine Blase. Man hatte das Gefühl, als wenn man auf einem Wasserbett steht, und gleich schießt eine Fontäne in die Höhe.

» Diese plastische Erinnerung sprudelt förmlich aus Diplomingenieur Peter Hildebrandt heraus. Der Geschäftsführer der Deichverbände in Lüchow-Dannenberg arbeitete beim Hochwasser 2002 als Fachberater für Deichschutz – nahezu 72 Stunden ohne Schlaf.

Dass sich die äußerst gefährliche Lage am Deich zwischen dem Johanniterhaus in Dannenberg und Bückau entspannte, als Stahlmatten, Flies und jede Menge Sandsäcke, die per Hubschrauber einschwebten, plaziert wurden, sei nur der »enormen Zahl der Helferinnen und Helfern» zu verdanken gewesen. Egal, ob von Feuerwehr, THW oder Bundeswehr oder die vielen Freiwilligen aus allen Teilen des Landkreises und darüber hinaus. »Ob beim Sandsackfüllen oder beim Deichwache laufen – über-all gab es eine Hilfsbereitschaft, die längst nicht so selbstverständlich vorkommt.» So sei beim Hochwasser 2002 erstmals auch die Funktion der Deichverbandsvorstände als verantwortliche Deichgeschworene für bestimmte Abschnitte einer breiteren Öffentlichkeit deutlich geworden.

»Das war schon eine logis- tische Meisterleistung aller Einsatzkräfte. Denn damals gab es ja überhaupt keine praktische Erfahrungen, wie man den enormen Wasserdruck im weichen Deich verteilen kann», erinnert sich Hildebrandt. »Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, in welch kurzer Zeit die Helfer damals im ganzen Landkreis über drei Millionen Sacksäcke gefüllt hatten, um eine Katastrophe zu verhindern.» Die Herkunft der Sandsäcke, die in Windeseile beschafft wurden, lässt Hildebrandt heute noch schmunzeln: vom Kaffeesack aus Mexiko bis zum Plastiksack aus Südostasien.

Auch an der Mündung des Prisserschen Mühlenbachs war die Hochwasserlage äußerst prekär. Die Evakuierung des Johanniterhauses und des Krankenhauses, die Dannenbergs Samtgemeindebürgermeister Jürgen Meyer, der ebenfalls rund um die Uhr im Einsatz war, forciert hatte, sei vollends gerechtfertigt gewesen, unterstreicht Hildebrandt. Er macht deutlich, wie nahe sich der Jeetzeldeich vor einem Bruch befunden hatte. »Dann hätte Dannenberg unter Wasser gestanden», ist sich der Ingenieur sicher.

Herausragend sei weiter oberhalb des Flusses beispielsweise auch die Leistung des THW gewesen, den Jamelner Mühlenbach, der die wohl steilsten Deiche im Landkreis besaß, mit Sandsäcken vor der Mündung abzudichten. »Ein ,Macht mal vorsichtshalber» und die Helfermaschinerie setzte sich in Gang», ist Hildebrandt noch heute vom Tempo der Helfer fasziniert.

Mit zeitlichem Abstand habe er mehrfach darüber nachgedacht, ob die schnellen Entscheidungen, die es damals zu fällen galt, richtig gewesen seien, reflektiert der Ingenieur. »Man konnte ja niemanden fragen. Da gehörte schon eine Menge Mut dazu, etwas zu entscheiden, was hohe Kosten verursacht.» Hildebrandt meint damit auch die Absperrung der Jeetzel mit Spundwänden an der B-216-Brücke bei Lüggau. Dort hatte Ingenieur Jörg-Heinrich Siemke mit Billigung des Einsatzstabes – in nicht einmal 48 Stunden – leistungsstarke Pumpen aus Hol-land »gepumpt» – also geliehen. Dadurch war wohl die drohende Überschwemmung Dannenbergs verhindert worden. Denn die Pumpen beförderten pro Sekunde sechs Kubikmeter Jeetzelwasser über die abgeschottete Brücke. Die Spundwände verhinderten ein Zurückdrücken des Wassers in den stark gefährdeten Dannenberger Deich- bereich.

Unsicher sei sich Hildebrandt einzig in der Frage gewesen, ob das Abholzen des Bahndamms bei Pisselberg für die Deichverteidigung nötig gewesen wäre. »Aber da hatten das dann schon andere entschieden», erinnert sich der Ingenieur an den Besuch des damaligen Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel. Dieser machte sich vom Einsatz der Bundeswehr bei Pisselberg und in der Sandkuhle in Tramm ein Bild über die Hilfsmaßnahmen.

»Das Hochwasser 2002 war eine einzigartige Erfahrung, auch wenn es danach noch einige Fluten mehr gab», erinnert sich Stefan Schmidt. Damals saß er im Dannenberger Einsatzstab und war quasi als Spieß für das eingesetzte Personal verantwortlich. »Die Leute, ganz egal ob Freiwilliger, Feuerwehrleute, THW, Bundeswehr oder woher auch immer, waren bis in die Haarspitzen motiviert», erinnert er sich an »eine unglaublich dramatische Zeit». »Jeder wusste, worum es ging. Nämlich darum, ein noch größeres Unglück zu verhindern», weiß Schmidt noch heute. Man habe die Einsatzkräfte »quasi zu Ruhephasen zwingen müssen». Denn kaum waren sie irgendwo abgezogen, »meldeten sie sich schon wieder bei uns und fragten: Wo können wir jetzt was machen.» Dass der Einsatz im Raum Dannenberg so gut funktionierte, sei aber nicht zuletzt auch dem Samtgemeindebürgermeister Jürgen Meyer zu verdanken, betont Stefan Schmidt. »Der stand als Hauptverwaltungsbeamter immer und voll hinter uns.»

Quelle: ejz.de

Entfesselung mit Augenmaß gefordert

Veröffentlicht: August 21, 2012 von fluthelfer in Hochwasserschutz, NRW

Die Sieg soll sich ihren Flusslauf zwischen Siegburg und Mondorf nach dem Willen der EU wieder selbst suchen. Bei Anwohnern ist das umstritten. Ein Vorschlag der schwarz-grünen Kreiskoalition soll Freizeitnutzung und Naturschutz versöhnen.

 

„Die Siegaue muss erlebbar bleiben.“ Mit dieser Forderung gehen die Koalitionsfraktionen von CDU und Grünen im Kreistag in die weitere Diskussion über eine Renaturierung der Siegauen zwischen der Autobahn 59 an der Siegburger Stadtgrenze und der Mündung des Flusses bei Niederkassel-Mondorf. In einem gemeinsamen Antrag fordern die beiden Parteien den Kreis auf, sich in den weiteren Gesprächen mit der Kölner Bezirksregierung dafür einzusetzen, dass bei der angestrebten naturnahen Umgestaltung des Uferbereichs nicht nur ökologische Aspekte berücksichtigt werden. Bei einer entsprechenden Überarbeitung des Landschaftsplanes müsse auch den Interessen von Landwirtschaft und Naherholung Rechnung getragen werden.

Nach dem Willen von Schwarz-Grün sollen Erholungssuchende von den sich verändernden Uferverläufen, Siegstränden und Schotterflächen nicht ausgeschlossen werden. Zudem müssten vorhandene Spazier- und Radwege erhalten sowie Reit- und Wanderwege mit eingeplant werden. Klar positionieren sich CDU und Grüne auch in der Diskussion über den Meindorfer Sportplatz um dessen Fortbestand viele Bürger des Sankt Augustiner Stadtteils im Falle einer Renaturierung des Flusslaufes fürchten. Wenn dieser nicht verlegt werden könne oder solle, müsse er am jetzigen Standort bleiben, argumentiert der Kreistagsabgeordnete Martin Metz (Grüne). Der in Siegnähe gelegene Platz müsse dann „gegen die Eigendynamik des Gewässers abgesichert werden“.

Dem Gewässer seine Eigendynamik zurückgeben – das ist eines der Ziele der von der Bezirksregierung vorangetriebenen Renaturierung. Die Kölner Behörde will damit eine verbindliche Richtlinie der Europäischen Union umsetzen. Die Sieg, die mit ihren noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Uferbefestigungen zu einem kanalartigen Fluss gemacht wurde, soll von den Fesseln dieser Befestigungen befreit werden. Landschaftsplaner wollen dem Gewässer innerhalb bestimmter Grenzen die Möglichkeit geben, sich seinen natürlichen Flusslauf selbst zu suchen und dabei auch Seitenarme auszubilden.

Dagegen regt sich entlang des Flusses Widerstand. Vor allem in dem siegnahen Sankt Augustiner Stadtteil Meindorf wird Front gegen die Pläne gemacht. Die Meindorfer fürchten, dass dem Projekt ein beliebtes Naherholungsgebiet zum Opfer fällt. Bereits im Frühjahr hatten sich bei einer Unterschriftensammlung rund 500 Meindorfer dafür ausgesprochen, dass alle Sport- und Erholungsmöglichkeiten wie Radwege, ein Spielplatz, ein Grillplatz und der örtliche Sportplatz erhalten bleiben. Kritik hatten die Meindorfer auch an der Informationspolitik der Bezirksregierung geäußert, von der sie sich bei den Planungen übergangen fühlen. Diese Kritik hat die schwarz-grüne Koalition jetzt noch einmal bekräftigt. „Das hat die Menschen verunsichert, viele befürchten nun eine Einschränkung der Aufenthaltsqualität, das hätte verhindert werden können“, sagte Norbert Chauvistré, der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion.

 

Quelle: ksta.de

Wie schwer ist ein Sandsack?

Veröffentlicht: August 20, 2012 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg
Geschichten zur »Hochwassernacht» in Erinnerung an die Jahrhundert-Elbeflut des Jahres 2002

mh Hitzacker. Museumsleiter Klaus Lehmann stemmte den Sandsack und fragte in die Runde: »Wie schwer ist er?» Die mehr als 100 Gäste in der Hitzackeraner Elb- und der Zollstraße waren durchweg Experten für den simplen Schutz vor Fluten. Sie hatten vor genau zehn Jahren mit Sandsäcken ihr Hab und Gut vor dem Elbewasser mehr schlecht als recht ge- sichert.

Oder sie hatten als Helfer tausende von Säcken gefüllt, transportiert und in den Straßen der Fachwerkinsel gestapelt. So gab es reichlich Gesprächsstoff während der »Hochwassernacht» am vergangenen Freitag, zu der das Stadtmuseum »Das Alte Zollhaus» eingeladen hatte. Leute von der Feuerwehr und dem THW waren gekommen, die Kanu-Freunde hatten ih- re Hochwasser-Shirts übergestreift, man war sich an den Tischen per Du, denn das Hochwasser hat aus Nachbarn Freunde gemacht.

»Heiß war es Mitte August, als wir von den reißenden Fluten in Dresden hörten», regte Gastgeber Lehmann die Erinnerungen an. »Auswärtige Helfer fragten mit Blick auf die Jeetzel, wo denn das Wasser bliebe, während wir die ersten Krisenpläne besprachen», erzählte Jürgen Meyer, damals Einsatzleiter in der Samtgemeinde, vom allmählichen Anstieg bis zum Pegelstand NN +14,99 Meter am 23./24. August. Es war der bis dahin höchste in der Geschichte der Elbestadt. Es wurde nicht evakuiert, aber sehr viel improvisiert. Und das Tag und Nacht. Die Fotos auf zwei installierten Großleinwänden legten Zeugnis davon ab.

»Wir hatten viel zu wenige Sandfüllmaschinen. Da schnitten wir einfach die Köpfe von den Warnhütchen für Stra-ßensperren ab», erinnerte sich Gerd Piper am Tisch mit vie- len Helfern. Nachts hatte er die Einsatzleitung der Feuerwehr übernommen, tagsüber ging er seinem Job auf dem Bauhof nach. Auch Henning Bodendieck war als Leiter des Bauhofs bis zu 24 Stunden im Einsatz: »Wir haben unter anderem die Stege in den Straßen und den Treibstoff für die Generatoren besorgt und die vielen Hel- fer von auswärts eingewiesen.» Noch heute schwärmt Henning Bodendieck vom Miteinander im Krisenstab. »Einmal besprochen und es funktionierte. Der Handschlag galt, man konn- te sich auf jeden verlassen.»

Auch in der damaligen Kurverwaltung am Weinbergsweg war Organisationstalent gefragt. »Wir haben Akten evakuiert, statt Zimmer vermittelt, im Verdo Möbel der Insulaner gestapelt und schaulustige Touris-ten freundlich aufgeklärt», erzählte Loni Thorwesten als ehemaligen Mitarbeiterin. »Ich möchte eine Stadtführung im Boot», sei einer der frechen Vorschläge gewesen. Für Peter Wieczorek, Inhaber des »Parkhotels», drohte die Saison die Elbe runter zu gehen. »Es hagelte Absagen, aber dann haben sich viele Journalisten bei uns einquartiert.» Leere Gästebet-ten gab es in der Nachsaison in ganz Hitzacker, denn bundesweit wurde vor der Mückenplage in der Elbtalaue gewarnt. »Die Schwärme sind aufgestiegen wie Rauchwolken», mag sich Alfred Freitag gar nicht gern erinnern. Der Berliner hatte sich Urlaub für die Stadtinsel genommen. Seiner Findigkeit war es zu verdanken, dass die Hitzackeraner täglich mit frischen Brötchen beliefert wurden, denn er hatte die tief gelegene »Knigge»-Backstube von Wasser freigehalten. Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit habe ihm für seinen Einsatz eine Verdienstmedaille überreicht. Es war die Zeit der Heldinnen und Helden. Insulaner, deren Wohnungen überflutet waren, halfen trotz eigener Not ihren Nachbarn oder schmierten wie Edeltraut Schult tausende Brötchen. »Meine Möbel standen im Orgelraum der Kirche, mit Pumpen war nichts mehr im Haus zu retten, also habe ich anderen geholfen.»

Und auch der Humor ist den Hitzackeranern nicht verloren gegangen. »August Kerting hat uns mit seinem Hochwasserschluck viel Freude gemacht», schmunzelte Klaus Lehmann in die Runde. Der älteste Insulaner holte in der »Hochwassernacht» wieder eine Flasche Köm aus seinem Haus Ecke Zoll- und Elbstraße und schenkte wie im August vor zehn Jahren aus. Und wie viel wog nun der Sandsack? 9,2 Kilo verkündete Klaus Lehmann zu später Stunde. Die Insulanerin Nina Radke hatte das richtig geraten und damit eine Fahrt mit Frühstück auf dem bekannten Sofafloss gewonnen.

Quelle: ejz.de

Durch die Ereignisse im Nachbarland Sachsen alarmiert, wird auch im weiteren Verlauf von Elbe und Mulde mit einer schweren Flutkatastrophe gerechnet. Überall in Sachsen-Anhalt werden Deichanlagen verstärkt und Evakuierungen vorbereitet. Vor allem an der Mulde jedoch, die im Normalfall schon einer der schnellsten Flüsse in Mitteldeutschland ist, reichen die Zeit und alle Anstrengungen nicht aus, das Schlimmste zu verhindern.

12. August, Montag:

Innerhalb von nur zwölf Stunden fallen auf dem Brocken im Harz, dem höchsten Berg Norddeutschlands, 101 Liter Regen pro Quadratmeter. Dies ist der höchste Zwölfstundenwert seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen 100 Jahre zuvor. Seit Tagen anhaltende, starke Regenfälle sorgen allerdings vor allem in anderen Teilen von Sachsen-Anhalt schon für kleinere Überschwemmungen.

13. August, Dienstag:

Drei Stadtteile von Dessau werden evakuiert. Rund 4.600 Menschen sollen bis zum Abend des nächsten Tages ihre Häuser verlassen.

14. August, Mittwoch:

Die Jahrhundertflut erreicht Sachsen-Anhalt, erste kleinere Orte in Ufernähe werden überschwemmt. Im Landkreis Bitterfeld tritt die Mulde über die Ufer und überflutet die Orte Jeßnitz und Raguhn. Bundeswehrsoldaten sichern einen Mulde-Deich bei Pouch in der Nähe von Bitterfeld mit Sandsäcken.

Aus allen Teilen Deutschlands kommen Soldaten, Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks und viele Freiwillige. Viele von ihnen versuchen zunächst vor allem, Mulde-Dämme rund um Bitterfeld zu sichern und zu verstärken. Der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen muss geschützt werden. Da kaum jemand genau weiß, wie stark nach Jahrzehnten die Böden des sogenannten Chemie-Dreiecks durch die DDR-Chemieindustrie belastet sind, wächst die Sorge, dass Schadstoffe ausgespült und mitgenommen werden. Eine Umweltkatastrophe droht.

In Dessau rechnet man für den Abend mit dem Eintreffen der Flutwelle. In den meisten Gebieten der Region gilt Katastrophenalarm. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zeigt sich bei einem Besuch in der Hochwasserregion erschüttert über das Ausmaß der Katastrophe. Ihre werde eine „nationale Aufgabe“.

15. August, Donnerstag:

Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich wird nach und nach überschwemmt. Gegen Mittag bricht bei Bitterfeld ein Damm der Mulde, das Wasser schießt in das 62 Quadratkilometer große Restloch des früheren Braunkohle-Tagebaus Goitzsche, das zwar seit seit Jahren schon kontrolliert und planmäßig geflutet wird, nun aber sogar überzulaufen droht.

Im Süden von Magdeburg wird das Pretziener Wehr geöffnet, um die Landeshauptstadt und unter anderem auch Schönebeck an der Elbe zu schützen. Die Überflutungsflächen können die Elbe etwas entlasten. Auch in der Landeshauptstadt selbst wird nun Katastrophenalarm ausgelöst. Rund 20.000 Einwohner vor allem östlich der Elbe sollen bis Sonnabend ihre Häuser verlassen. Seit Tagen schon steigt nach schweren Regenfällen das Wasser in tiefer liegenden Gebieten wie dem Herrenkrug, wo die Pferderennbahn schon arg in Mitleidenschaft gezogen wird.

Auch im Süden von Brandenburg wird das Elbe-Hochwasser bedrohlicher. Die kleine Stadt Mühlberg mit rund 5.000 Einwohnern wird fast komplett geräumt. Doch etwa 300 Bürger weigern sich, die Häuser zu räumen. Auch Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein bereiten sich auf die Flutwelle vor, die im Norden Deutschlands nun Mitte der kommenden Woche erwartet wird.

Am Abend richten sich bange Blicke auf die Mulde bei Bitterfeld. Durch den Bau eines mehrere hundert Meter langen Deichs aus Sandsäcken soll noch einmal Zeit gewonnen werden. Der Katastrophenstab tagt bis in die Nacht hinein, um kurz nach Mitternacht eine folgenschwere Entscheidung zu fällen…

16. August, Freitag:

Der Katastrophenstab entscheidet um 01.00 Uhr nachts: Bitterfeld muss doch evakuiert werden. Insgesamt fliehen auch aus zahlreichen Städten und Dörfern der Umgebung fast 10.0000 Menschen aus den gefährdeten Gebieten. Gerüchte über Plünderungen machen die Runde, weshalb viele Bewohner der Stadt lieber in Lebensgefahr bleiben, als ihr Hab und Gut zurückzulassen.

Zunächst werden sechs von zehn Stadtteilen in Bitterfeld evakuiert. Nach wie vor fließen riesige Mengen Wasser aus der Mulde in die Goitzsche, die schon seit Jahren planmäßig und langsam geflutet worden war. Im Süden Sachsen-Anhalts überfliegen Tornados der Bundeswehr die Deiche, rund 2.000 Soldaten sind im Einsatz.

Während im ganzen Osten von Deutschland nach Schätzungen mehr als 100.000 Menschen auf der Flucht sind, werden auch für mecklenburgische und niedersächsische Regionen die Evakuierungen von Siedlungen mit rund 30.000 Menschen vorbereitet.

17. August, Sonnabend:

In Bitterfeld bricht in der Nähe des Stadions ein Sandsackdamm, der das steigende Wasser der Goitzsche aus der Stadt fernhalten sollte. Die Helfer versuchen, den vier Meter hohen Damm zu reparieren. Auch der Nordosten von Bitterfeld wird überflutet, das selbe Schicksal droht der ganzen Innenstadt. Ein Drittel der 17.000-Einwohner-Stadt steht mittlerweile unter Wasser. Die Polizei rief die letzten Einwohner auf, ihre Wohnungen sofort zu verlassen. Im Kreis Wittenberg sind rund 30.000 Menschen vom Hochwasser bedroht

Bundespräsident Johannes Rau lobt bei einem Besuch in Bitterfeld den Einsatz der freiwilligen Helfer in den Hochwassergebieten. Die CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Georg Milbradt, Wolfgang Böhmer und Bernhard Vogel kommen mit Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) zusammen, um über die Folgen der Hochwasserkatastrophe zu beraten.

Im süd-brandenburgischen Mühlberg steht der Elbe-Pegel einige Stunden lang bei 9,96 Metern. Während die Flutwelle flussabwärts rollt, kommt Hoffnung auf. Feuerwehr und Bundeswehr versuchen weiter, den Damm zu verstärken, um eine Überflutung der Stadt doch noch zu verhindern.

18. August, Sonntag: Flut in Waldersee und Seegrehna

An diesem Tag bricht der Elbe-Deich bei Seegrehna. Noch Jahre später argwöhnen viele Bewohner der Gegend, er sei gesprengt worden, um Dessau und den Wörlitzer Park zu schützen. Doch der Leiter des Landesbetriebs für Hochwasserschutz, Burkhard Henning sagt dazu zehn Jahre später:

„Ich kann ausdrücklich bestätigen, dass kein Deichbruch durch Hinzufügung menschlicher Kraft entstand, sondern nur durch die Gewalt des Wassers. Der Deich brach, weil er versagt hat.“ Burkhard Henning, Leiter des Landesbetriebs für Hochwasserschutz

Riesige Wassermassen ergießen sich in das Hinterland. In Rehsen hatten die Dorfbewohner vorsorglich einen fast zwei Kilometer langen Notdeich gebaut. Doch das Wasser steigt im Minutentakt weiter. Die letzten Versuche, den notdürftigen Deich noch einmal aufzustocken, müssen abgebrochen werden.

Auch in Dessau kann ein Damm nicht gehalten werden. Der sogenannte Schwedenwall im Osten von Waldersee hält den Wassermassen der Mulde nicht mehr stand. Schnell erweitert sich die Deich-Bruchstelle auf etwa 70 Meter. Der Dessauer Stadtteil Waldersee wird überflutet. Das Wasser steht teilweise über zwei Meter hoch. Mehrere Tage werden Bewohner nicht in ihre Häuser zurückkehren können.

Auch bei Wittenberg hat heute ein Deich nachgegeben. Das Elbe-Wasser bedroht hier 35 Dörfer. Nach dem Dammbruch in Dessau rechnen Behörden damit, dass die Mulde einen weiteren Stadtteil überfluten könnte. Die ersten Ausläufer des Hochwassers erreichen die Autobahn 9 bei Dessau.

Auf dem Flughafen Leipzig/Halle wird jetzt ein Sandsack-Logistikzentrum eingerichtet. Hubschrauber der Bundeswehr bringen von dort aus Sandsäcke in die vom Hochwasser bedrohten Regionen. In ganz Sachsen-Anhalt sind jetzt rund 60.000 Hektar Ackerfläche vom Hochwasser betroffen, etwa 11.000 Rinder und 10.000 Schweine müssen in Sicherheit gebracht werden.

Elbabwärts im Landkreis Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern sowie in Lüchow-Dannenberg und Lüneburg in Niedersachsen wird Katastrophenalarm ausgelöst. Bundeswehrsoldaten, Feuerwehrleute und Helfer verstärken Deiche und beginnen auch hier mitr dem Abtransport von Rindern, Schafen, Schweinen und Pferden aus tiefer gelegenen Gebieten.

19. August, Montag: Magdeburg kommt glimpflich weg

In der Nacht um 03.00 Uhr scheint der Kampf der Rehsener um Häuser, Äcker und Weiden verloren. Das Wasser schießt über den Notdeich, überflutet Teile des Dorfs und Stallanlagen. Viele Tiere sterben. Im Dorf selbst steht das Wasser jetzt zwei Meter am alten Dorfdeich, der eigentlich schon vor Jahrzehnten seine Funktion als Schutz vor Hochwassern verloren hatte. Wenn dieser Deich auch noch bricht, versinkt das ganze Dorf. Der Druck müsste weg, wofür es in der Tat eine Möglichkeit gäbe: Das Wasser könnte in den Schönitzer Polder geleitet werden, ein natürliches Überflutungsgebiet, das allerdings bewohnt ist.

Unterdessen macht Hochwasser die Autobahn 9 bei Dessau zum Nadelöhr. In Richtung Nürnberg ist die Fahrbahn zwischen Vockerode und Dessau-Ost auf 1,5 Kilometern Länge nur noch einspurig befahrbar. Die Durchlässigkeit der Verkehrsader kann jedoch dauerhaft gesichert werden.

In Magdeburg trifft das Hochwasser eher ein als vorhergesagt. Die Elbe-Pegel steigen schneller als erwartet. Der Scheitelpunkt der Flutwelle soll am Abend ankommen. Der Krisenstab behält sich die Entscheidung über die Evakuierung weiterer Teile der Stadt östlich der Elbe aber noch vor.

Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) sagte, die Lage an allen Dämmen sei kritisch. Obwohl tausende Häuser entlang der Elbe unter Wasser stehen, wird die Hauptstadt von Sachsen-Anhalt aber vom Schlimmsten verschont bleiben. Allerdings ist der Eisenbahnknotenpunkt Magdeburg lahmgelegt. Auch wegen der schweren Schäden an den Bahnanlagen in Sachsen kommt der Zugverkehr in Ostdeutschland weiträumig zum Erliegen.

Hochwasser bedroht MDR-Landesfunkhaus in Magdeburg

Mitte August bis Anfang September 2002 war in Magdeburg auch das MDR-Landesfunkhaus verwaist. Wegen des Elbe-Hochwassers ward der Sendebetrieb ausgelagert worden

Das „Wunder von Mühlberg“

In elbnahen Gebieten des Landkreises Wittenberg hat es bis zu diesem Tag sieben Dammbrüche gegeben. Doch auch Wittenberg selbst bleibt weitgehend verschont. Derweil erreicht das Hochwasser Brandenburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Millionen von Sandsäcke verstärken die Deiche.

Im Süden von Brandenburg ereignet sich das „Wunder von Mühlberg“: Alle Fachleute hatten die Dämme dort aufgegeben – doch sie halten, obwohl das Wasser fast zehn Meter hoch knapp unter den Deichkronen steht. Die Helfer haben ihren Kampf gegen das Wasser gewonnen. Schon am nächsten Tag können die 5.000 Einwohner in ihre Häuser zurück.

20. August, Dienstag: Die Deichöffnung von Rehsen

In der Nacht haben Rehsener selbst Hand angelegt und den Deich geöffnet. Dadurch bleibt der Ortskern verschont, doch der gesamte Schönitzer Polder wird überflutet – und mit ihm sechs Höfe. Sie stehen wochenlang unter Wasser, zwei Wochen lang gibt es keinen Strom. Zum Einkaufen werden die Leute mit dem Boot abgeholt. Sie sind überzeugt davon, dass die Rehsener die Situation in Schönitz zu verantworten haben.

Längst sind nicht alle Wunden verheilt

Für einige Rhesener hat die Sache ein Nachspiel. Fünf von ihnen werden angeklagt. Da ihnen aber keine konkrete Beteiligung an der Deichzerstörung nachgewiesen werden kann, werden sie freigesprochen. Die Geschichte jedoch belastet die Bewohner dies- und jenseits des Deichs noch immer.

Während der Ereignsisse in Rehsen versuchen Helfer im ganzen Land, die aufgeweichten Deiche zu sichern oder Schutzwälle zu reparieren. Magdeburg kam glimpflich davon, allerdings gibt es auch hier noch keine Entwarnung. Der Wasserstand der Elbe wird nach Einschätzung von Experten bis zum Sonntag über der kritischen Marke von sechs Metern bleiben. Nach dem Höhepunkt bei 6,70 Metern in der vergangenen Nacht werde das Wasser nur langsam zurückgehen, teilte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz mit.

Inzwischen sind auch in Brandenburg erste Evakuierungen angelaufen. Die Flutwelle der insgesamt rund 1.100 Kilometer langen Elbe ist nach Angaben von Experten jetzt mehr als 500 Kilometer lang. Der Schwerpunkt reicht mehr als 200 Kilometer von Niegripp bei Magdeburg bis Boizenburg an der Landesgrenze von Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.

Der Bayer-Konzern spendet eine Million Euro für die Region Bitterfeld als Soforthilfe für die am schlimmsten betroffenen Menschen. Wie die Staatskanzlei in Magdeburg mitteilt, haben in Sachsen-Anhalt bis zum Dienstag rund 60.000 Menschen ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssen.

21. August, Mittwoch:

Weitere 13.000 Menschen müssen in Norddeutschland gefährdete Gebiete verlassen.

22. August, Donnerstag:

Das Elbe-Hochwasser trifft Norddeutschland nicht so schlimm wie befürchtet. Große Teile von Hitzacker an der Elbe in Niedersachsen werden jedoch überschwemmt, und noch immer leben 45.000 Menschen in Notunterkünften.

Die Bundeswehr stockt ihre Einsatzkräfte immer weiter auf. Etwa 16.300 Soldaten sind jetzt in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg im Einsatz, weitere 10.500 Einsatzkräfte helfen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

23. August, Freitag:

Bewohner von Dessau-Waldersee können kurze Zeit in ihren zum Teil noch immer überfluteten Ort zurückkehren. Überall bietet sich ein Bild der Zerstörung, doch es gehen auch viele Sach- und Geldspenden ein.

24. August, Sonnabend:

Mit Dynamit sprengt das Technische Hilfswerk einen Deich bei Seegrehna. Das Wasser soll aus dem überfluteten Gebiet jetzt schneller wieder ablaufen, um die Gemeinden bei Wörlitz zu schützen. Man hofft, den Elbe-Pegel um bis zu 30 Zentimeter senken zu können.

25. August, Sonntag:

In der brandenburgischen Prignitz zieht sich die Elbe langsam wieder in ihr Flussbett zurück. Die Evakuierung von 38 Orten wird aufgehoben.

26, August, Montag:

Am schnellsten sinken die Pegel in Sachsen-Anhalt und Brandenburg, etwas langsamer weiter elbabwärts in Niedersachsen. In Sachsen-Anhalts Hauptstadt Magdeburg und in der Prignitz heben die Behörden den Katastrophenalarm auf. In vielen Gemeinden der Prignitz können die Menschen in ihre Häuser zurück.

28. August, Mittwoch:

Sachsen-Anhalt hat das Schlimmste der Jahrhundertflut überstanden, der Landkreis Wittenberg hebt den Katastrophenalarm auf. In Dessau und im Landkreis Bitterfeld wird der Notstand aber noch aufrecht erhalten.

29. August, Donnerstag:

Das Hochwasser an Elbe und Mulde und auch an Harzflüssen wie der Ilse hat nach offiziellen Angaben in Sachsen-Anhalt 85 Städte und Dörfer getroffen. Das Landwirtschaftsministerium in Magdeburg rechnet mit einem Schaden allein im ländlichen Raum von 420 Millionen Euro.

30. August, Freitag:

Erste Soforthilfen für Unternehmen werden ausgezahlt.

13. September, Freitag:

Nach 32 Tagen wird der Katastrophenalarm auch für Dessau aufgehoben.

Quelle: mdr.de

Das Drama in Weesenstein

Veröffentlicht: August 15, 2012 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Lebensrettende Mauer

Weesenstein im Ausnahmezustand

Erst regnete es in Strömen, dann verwandelte sich die Müglitz innerhalb kürzester Zeit in einen reißenden Strom. Mareike Wiemann hat einen Mann getroffen, der fast alles verlor

Alptraum in Glashütte und Aue

 

Kein Gas, keinen Strom, kein Telefon – in der Uhrenstadt Glashütte ging nach der Flut 2002 nichts mehr. Auch in Aue rissen die Wassermassen der Mulde alles weg.

Zehn Jahre nach der Flut – in Weesenstein

 

MDR-Reporterin Bettina Wobst blickt zehn Jahre nach der Flut nach Weesenstein. Ein Flut-Museum erinnert heute dort an die Naturkatastrophe.

Bildergalerie

Zehn Jahre danach – Hochwasserschutz an Müglitz und Weißeritz

Quelle: mdr.de

 

Erinnerung an das Hochwasser 2002 in Grimma

Veröffentlicht: August 15, 2012 von fluthelfer in Grimma

Bildergalerie Grimma 2002

Fluchtpunkt Frauenkirche

 

Unsere Reporter sind in der Nacht, in der die Flut kommt, vor Ort und erleben gemeinsam mit den Bewohnern Grimmas Hilflosigkeit und Verzweiflung angesichts der Katastrophe.

Die Nacht, in der die Flut kam

Nach der Flut

Erste Aufräumarbeiten

So schnell wie das Mulde-Hochwaser in Grimma kam, so schnell war es auch wieder weg. Was blieb, waren gewaltige Schäden.

Ein Jahr danach

Mit dem Hochwasser verschwanden auch die Fernsehkameras, doch für die Flutopfer in Grimma begannen die eigentlichen Probleme erst jetzt.

Zehn Jahre später

Grimmaer Pöppelmannbrücke wieder frei

Den Kampf gegen die Fluten hat Grimma 2002 verloren. In der historischen Innenstadt hieß es „Land unter“. Neben Dutzenden Häusern wurde auch die Mulde-Brücke von Daniel Matthäus Pöppelmann zerstört. Dem Rekordwasserstand von 8,68 Meter hielt das einstige Wahrzeichen der Stadt nicht stand. Doch zehn Jahre später gibt es wieder Grund zu feiern.

Unter dem Titel „Aufgetaucht – Grimma zehn Jahre nach der Flut“ hat die Stadt an diesem Wochenende den Wiederaufbau und die Eröffnung der Pöppelmannbrücke gefeiert. 12.000 Einwohner und Gäste waren zur Eröffnung mit einem Brückenfest gekommen. Dazu hatten sich Hobbymaler, Kunstradler, Musiker und Vereine auf und an der Brücke versammelt.

Den Auftakt zur Eröffnungsfeier gestalteten die Musiker der Sächsischen Bläserphilharmonie mit einer sogenannten Landschaftssymphonie. Während sie auf der Brücke spielten, wurde das Bauwerk selbst mit einer Lichtperformance in Szene gesetzt.

Die Flut in sieben Bildern

Das Werk erzählte in sieben Bildern von der Flutkatastrophe 2002 – mit Licht, Klang und Musik. Zu hören waren klassische Orchester-Töne und Choräle. Aber auch die Feuerwehr mit Pumpen und Wasserschläuchen war an der Aufführung beteiligt. Die Gesamtleitung lag in den Händen von Kurt Uwe Andrich. Als Geschäftsführer der Denkmalschmiede Höfgen inszeniert er seit 15 Jahren in Landschaften. Laut Andrich sind Aufführungen dieser Art besonders „eindrucksvollen Momente“. Bei der Show am Sonnabend waren Andrich zufolge Projektionen, Fotografien und Filmsequenzen zu sehen sein, welche die unvergesslichen Tage in chronologischer Abfolge Revue passieren ließen. Es wurde an die „kollektive Erfahrung der Angst“, aber auch an die „Kraft der Solidarität und der Gemeinschaft“ erinnert. Zum Abschluss glitten Schwimmkerzen auf die Brücke zu.

Dokumentation zur Geschichte der Pöppelmannbrücke

Grimma erinnert seit Tagen schon an die Jahrhundertflut. Unter dem Motto „Abgebrannt, gesprengt und weggespült“ können sich Interessierte in der St. Georgenkapelle eine Dokumentation über die fast 300-jährige Geschichte der Pöppelmannbrücke ansehen. Einige der Bilder, Gegenstände und Fotos werden erstmals öffentlich gezeigt. Die zweite Ausstellung „WasserZeichen“ zeigt in der Klosterkirche 30 großformatige Fotos über das Hochwasser in Grimma.

Grimma wird zum Touristenmagnet

Die historische steinerne Brücke von 1719 nach Plänen des Dresdner Zwingerbaumeisters Matthäus Daniel Pöppelmann wurde bei der Flut 2002 nahezu völlig zerstört. Am 13. August 2002 stand das Wasser dort 8,68 Meter hoch. Das waren 2,70 Meter mehr als beim bisherigen Rekord von 1771.

Besonderen Respekt verschaffte sich der damals erst 34 Jahre alte Bürgermeister Matthias Berger. Er war erst kurz zuvor ins Amt gewählt worden. Er bewahrte in den Tagen der Flut Ruhe und zeigte Mut, richtete einen Krisenstab ein und dirigierte alle Rettungsmaßnahmen. 3.000 bis 5.000 Freiwillige waren damals in der Stadt, um mit anzupacken. Rund 250 Millionen Euro Schaden hatte die Flut angerichtet, 14 Millionen Euro Spendengelder kamen zusammen. Auch nach der Flut zeigten Berger und seine Einwohner Tatkraft und bauten die Stadt neu auf. Heute ist die Innenstadt ein Kleinod, mit hübsch sanierten Fachwerkhäusern, Gassen und Gässchen, florierendem Handel. Kaum ein Laden steht leer. Inzwischen freut sich Grimma über stark steigende Übernachtungszahlen. Diese haben sich innerhalb weniger Jahre verdoppelt.

Alte und neue Brücke vereint

Seit 2009 wurde die Pöppelmannbrücke für rund 6,4 Millionen Euro als Stahlkonstruktion wieder aufgebaut. Die 280 Tonnen schwere Konstruktion ist 65 Meter lang und ruht auf den originalen, verschalten Pfeilern des Vorgängerbaus. Die neue Brücke wurde so konstruiert und gebaut, dass die Mulde auch in Hochwassersituationen problemlos durchfließen kann. Das neu installierte Flutalarmierungssystem zählt zudem zu den fortschrittlichsten in Deutschland. In den kommenden Jahren soll die alte Stadtmauer als Schutzwall gegen Hochwasser ausgebaut werden.

Grimma – zehn Jahre nach der Flut

Auch Grimma war 2002 von der Flut betroffen. Damals wussten viele nicht, wie es weiter gehen sollte. Heute aber ist die Kleinstadt im Muldental ein echtes Schmuckstück

Quelle: mdr.de

Erinnerungen an die Jahrhundertflut

Veröffentlicht: August 6, 2012 von fluthelfer in Thüringen

Vor zehn Jahren suchte die sogenannte Jahrhundertflut Mitteldeutschland heim. Ein weniger bekannter Schauplatz des Geschehens: die Talsperre Windischleuba. Wir erinnern uns.

http://www.mdr.de/thueringen-journal/video70620.html

Die Jahrhundertflut – 10 Jahre danach

Veröffentlicht: August 2, 2012 von fluthelfer in Thüringen

Im August erinnert das MDR THÜRINGEN JOURNAL an die Ereignisse während der Jahrhundertflut in Mitteldeutschland vor zehn Jahren. Hier ein Überblick über die geplanten Beiträge.

Montag, 06.08.2012 | 19:00 Uhr

Talsperre Windischleuba

Damals wie heute ist sie ein besonderer Fall: Die Talsperre an der Pleiße liegt auf Thüringer Gebiet, gehört aber der sächsischen Talsperrenverwaltung. Im April 2002 war eine Instandsetzung vom Thüringer Umweltministerium abgesegnet worden – samt Kostenbeteiligung. Aber das Hochwasser im Sommer kam, ehe die Arbeiten beginnen konnten.

Dienstag, 07.08.2012 | 19:00 Uhr

Sonneberg: Zehn Jahre nach der Flut

Sonneberg und Eisfeld in Südthüringen eröffnete im Jahr 2002  die Hochwasser-Saison schon im Januar – als die Jahrhundertflut im Sommer an Pleiße und Elbe wütet, da wußten die Südthüringer schon: Es ist vieles nicht geregelt bei der Schadensfinanzierung. Sie beklagen damals, es dauere zu lange, das Flüsschen Röthen und die Werra gegen neue Hochwasser zu schützen. Während in Sonneberg bisher einiges für den  Hochwasserschutz getan worden ist, warten die Eisfelder nach 10 Jahren immer noch darauf, dass die Werra hochwassersicher umgebaut wird. Doch die Zeit drängt, denn die Mittel drohen zu verfallen. Was ist seither passiert?

http://www.mdr.de/thueringen-journal/video70780.html

Mittwoch, 08.08.2012 | 19:00 Uhr

Gößnitz: Wie sicher ist die Pleiße-Aue?

Im Sommer 2002 wurden in Gößnitz Wohnhäuser, ein Kindergarten und eine Auto-Großlager vom Hochwasser überflutet. Nach den Millionen-Schäden wurden Millionen investiert. Was haben diese Investitionen gebracht?

http://www.mdr.de/thueringen-journal/video70944.html

Donnerstag, 09.08.2012 | 19:00 Uhr

Hochwasser im Eichsfeld

Im August 2002 gab es auch im Eichsfeld Hochwasser. In Kirchohmfeld gab es riesige Schäden. Wir blicken zurück.

http://www.mdr.de/thueringen-journal/video71108.html

Freitag, 10.08.2012 | 19:00 Uhr

Wie funktioniert das Hochwasser-Warnsystem in Thüringen?

Die Umweltbehörden in Thüringen sind in den vergangenen zehn Jahren neu organisiert worden. Geblieben ist die Hochwasser-Warnzentrale in der TLUG. Wie schnell kann sie heute warnen?

http://www.mdr.de/thueringen-journal/video71282.html

Sonnabend, 11.08.2012 | 19:00 Uhr

Serbitz: Wann kommt die Schutzmauer

Ein Deichbruch bedrohte während der Flut im Sommer 2002 die Ortschaft Serbitz. Mittlerweile gibt es einige Kilometer nördlich, in Sachsen, ein Auffangbecken. Doch wenn das voll ist, flösse das Wasser wieder nach Serbitz. Denn der lange geplante Bau einer Schutzmauer ist gerade gestoppt worden.

Sonntag, 12.08.2012 | 19:00 Uhr

Treben: Die Kita-Chefin erinnert sich

In Treben wurde vor zehn Jahren ein gerade sanierter Kindergarten überflutet. Die damalige Chefin der Einrichtung erinnert sich im Gespräch mit dem MDR an die Ereignisse – auch an die Welle der Hilfsbereitschaft, von der die Kita bis heute profitiert.

Quelle: mdr.de

 

Angst vor einer Überschwemmung

Veröffentlicht: August 2, 2012 von fluthelfer in Hochwasserschutz, NRW

Der Wenigerbach in Seelscheid soll renaturiert werden: Anwohnerin Ute Weitner macht das Sorgen, denn ihr Grundstück grenzt direkt an den Bach. Sie fürchtet, dass ihr Grundstück bei Dauerregen überflutet wird.

 

Um die geplante Renaturierung des Wenigerbaches in Seelscheid gibt es nach dem Planfeststellungsbeschluss weiterhin Streit. So fürchtet die Anwohnerin Ute Weitner, dass ihr Grundstück künftig bei Dauerregen überflutet wird. Es schließt flussabwärts an jenen Bachabschnitt an, der freigelegt werden soll. Der Wenigerbach ist dort recht schmal. „Schon jetzt steht das Wasser nach starkem Regen bis zum Rand der Wiese.“

Weitner erwartet, dass der Bach künftig regelmäßig über die Ufer tritt, ja vielleicht bis zu ihrem Haus hochsteigt. „Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Renaturierung“, betont sie. Doch frage sie sich, „warum im Zuge der Maßnahme der Bach hier nicht einfach verbreitert werden kann, damit sich das Wasser nicht staut“.

Der Bach solle in den ursprünglichen Zustand versetzt und gerade nicht gelenkt werden, sagt dagegen Franz Lohre, Leiter der Gemeindewerke. Er bezieht sich auf eine Berechnung, nach der einer grundsätzlichen Verbesserung der hydraulischen Situation des Baches eine „leichte Erhöhung“ der Überflutungsgefahr für Weitners Grundstück gegenübersteht – bezogen auf ein 100-jähriges Regenereignis. Die Gefahr lasse sich mit einer Erhöhung der Uferwallung auf dem Grundstück kompensieren. Zudem verweist Lohre auf das Wasserhaushaltsgesetz: „Es ist allgemeine Sorgfaltspflicht des Gewässeranliegers, sich gegen Hochwasser zu schützen.“ Dennoch hätten die Gemeindewerke „angeboten, die Uferwallung nicht nur um 20, sondern um 50 Zentimeter zu erhöhen“. „Zusätzlich wollen wir einen Zufluss gegenüber dem Grundstück abschrägen, damit das Wasser von der anderen Seite besser abfließen kann.“

Weitner bezweifelt die Sicherheit des Walles und hält die Hochwassergefahr für erheblich, das habe ihr ein Gutachter privat bestätigt. „Die Gefahr entsteht erst durch die Maßnahme.“ Zudem ist sie verärgert, nicht zum Planfeststellungsverfahren gebeten worden zu sein, „obwohl der Gemeinde Einwände von uns schriftlich vorlagen“. Erst über das Ergebnis seien sie informiert worden. Vom Kreis heißt es, das Verfahren sei öffentlich bekannt gemacht, die Unterlagen vom 16. Mai bis 15. Juni offengelegt worden. Die Bürger hätten Gelegenheit gehabt, Bedenken einzureichen.

Quelle: ksta.de