Neue Betten für die Gewässer

Veröffentlicht: Juli 17, 2012 von fluthelfer in Hochwasserschutz, NRW

Nicht nur der Unterlauf der Sieg soll in Sankt Augustin von seinem künstlichen Lauf befreit werden und künftig so fließen, wie es der Fluss vor Jahrhunderten tat. Auch an Schleuterbach und Siemensbach kommt es zu Eingriffen.

Die Sieg soll in Zukunft wieder so fließen, wie das einst vor Jahrhunderten der Fall war: So wird der Fluss in den kommenden Jahren an seinem Unterlauf weitgehend aus dem künstlichen Korsett befreit. Doch auch im kleineren Maßstab werden die Gewässer nach Möglichkeit renaturiert. An Schleuterbach und Siemensbach etwa, die durch den Niederpleiser Wald fließen, sollen in den kommenden Monaten erhebliche Eingriffe vorgenommen werden. Wie Martina Hirschberg als Geschäftsführerin des Wasserverbandes Rhein und Sieg erklärt, erhalten die beiden schlanken Gewässer an einigen Stellen ein ganz neues Bett. Dabei gilt es, ökologisch und landschaftsarchitektonisch sinnvolle Ideen umzusetzen.

So verschwindet das Wasser seit den 1960er Jahren im angrenzenden Industriegebiet im Erdboden, von dort wird es der Kläranlage zugeführt. Das, so betont Hirschberg, sei früher gar nicht einmal so sinnlos gewesen, wie das nun vordergründig klingen möge. „Denn die Kläranlage benötigt für ihren Betrieb eine bestimmte Mindestmenge an Wasser.
Mittlerweile jedoch sei das überflüssig – und auch die Gesetzeslage hat sich geändert: Im Sinne der Nachhaltigkeit ist es oberstes Gebot, nicht mehr Wasser als nötig wiederaufzubereiten. Schon im kommenden Jahr soll das Wasser beider Bäche dem Pleisbach zugeführt werden – der einst auch der natürliche Abfluss war.

Dazu jedoch bedarf es einer nicht unbeträchtlichen Anstrengung: Die Bäche erhalten nicht nur neue Betten, sondern sie werden in Zukunft um das Industriegebiet herumgeführt. Der Siemensbach soll dann neben einem Spazierweg verlaufen, der die Straße „Am Kreuzeck“ mit der Grundschule am Pleiser Wald verbindet. Zwischen 60 und 70 Zentimeter tief muss das Bachbett sein, damit es auch bei einem erhöhten Spiegel ausreichend Wasser aufnehmen kann. Weit oberhalb der Wohnbebauung wird zudem der Schleuterbach in einem kastenförmigen, flacheren Bett heimisch. Wer zurzeit am Spazierweg entlangläuft, sieht bereits die neue Trasse des Baches, für die eine Schneise in den Wald geschlagen worden ist. „Das sieht nicht schön aus“, sagt Hirschberg, doch sie ist überzeugt, dass die Landschaft letztlich hinzugewinnen werde.

Die vor zwei Wochen begonnenen Arbeiten wurden nach einer Ortsbegehung mit einem Artenschutzexperten indes schnell ausgesetzt: Die Nester von bodenbrütende Vögeln könnten beschädigt oder zerstört werden. Unter anderem, so Hirschberg, habe man Zaunkönige dort gesichtet. Der Technische Beigeordnete der Stadt, Rainer Gleß, hat mit dieser Pause seinen Frieden: „Ich halte das für richtig.“ Mit der Fertigstellung des Projekt rechnet er Anfang kommenden Jahres. Insgesamt lässt sich die Stadt die Maßnahme um die 400 000 Euro kosten, der Wasserverband stellt neben Expertenwissen auch die erforderlichen Maschinen zur Verfügung.

 

Quelle: ksta.de

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