Archiv für Januar 21, 2011

Elbe stetig gestiegen

Veröffentlicht: Januar 21, 2011 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg
Feuerwehren im Dauereinsatz – THW mit drei Pumpen am Kateminer Mühlenbach

as Neu Darchau. Lächelnd deutet die Kateminerin Irma Lienecke auf den roten Pflanzkasten in ihrem Garten: »Beim Hochwasser 2006 war er nicht mehr zu sehen. Und auch diesmal soll das Wasser so hoch steigen.

In der Nacht zum Donnerstag ist es ganz schön gestiegen. Damit muss man eben leben, wenn man am Wasser wohnt.» Seit 3.30 Uhr ist die 81-jährige Rentnerin auf den Beinen, denn ihr Haus liegt unmittelbar an der Flutkante der Elbe. »Seit drei Tagen läuft die Pumpe für den Kriechkeller. Hoffentlich fällt sie nicht aus.» Doch das scheint die einzige Befürchtung der älteren Dame zu sein, denn die Feuerwehr hatte am Mittwoch einen breiten Sanddamm an ihrem Grundstück errichtet und den Garten mit Sandsäcken ge- sichert. »Die Feuerwehrleute haben den ganzen Tag über gearbeitet. Das war schon toll.» Die alleinstehende Frau telefoniert regelmäßig mit ihrer Tochter in Hamburg, »aber die muss sich keine Sorgen machen. Der Bürgermeister und die Feuerwehrleute lassen mich nicht allein. Es ist ja schon mein drittes Hochwasser.»

Auch ihre Nachbarin Maria Schmidt (73) blickt skeptisch auf die überflutete Straße vor ihrem Haus in der Straße Zum Werder. »Den Keller haben wir schon ausgeräumt. Ob wir die Gefriertruhe auch hochbringen müssen, entscheiden wir mit meinem Sohn heute Abend. Der ist ja bei der Feuerwehr», wirkt die Rentnerin gelassen. Auch in ihrem Keller arbeitet eine Pumpe seit Dienstagabend.

Apropos Pumpe. Auf der gesperrten Straßenbrücke über den Kateminer Mühlenbach haben Helfer des Technischen Hilfswerkes aus Bremen, Stade und Stelle drei große Pumpen aufgebaut. Die Förderleistung beträgt maximal 35000 Liter pro Minute. Sie pumpen das Bachwasser in Richtung Elbe. »Dadurch schützen wir die unter Denkmalschutz stehende Wassermühle», unterstreicht Gemeindebrandmeister Erhard Burmester.

Gestern Vormittag trat dort an der Sandsackdichtung – auch mit sogenannten Big-Packs – ein Problem auf. »Es galt, eine Unterläufigkeit zu beheben», schildert Diplomingenieur Heiko Warnecke, der seitens des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz als Fachberater hilft. Feuerwehrmänner und -frauen der Wehr aus Karwitz waren dort damit beschäftigt, die Sperre mit Planen abzudichten. Zunächst waren Feuerwehrleute aus Schutschur, Mützingen, Harlingen, Splietau und Karwitz eingesetzt. Zur Sicherheit wurden am späten Vormittag die Wehren aus Breese/Marsch, Damnatz, Groß Heide und Streetz zur Unterstützung angefordert. »Insgesamt sind bislang 15 der 23 Feuerwehren aus der Samtgemeinde Elbtalaue hier eingesetzt worden», berichtet Burmester. Gestern Vormittag zählte die Örtlichen Einsatzleitung 80 Feuerwehrfrauen und -männer.

Im Einsatzleit-Container vor dem Jugendzentrum in Neu Darchau herrscht ebenso rege Betriebsamkeit wie an den Sandsackfüllstellen am Göpel-Haus am Hafen in Neu Darchau sowie auf dem Dorfplatz in Katemin. »Von hier aus werden Radlader geordert, Sandsäcke und Sand angefordert und an jene Stellen verteilt, an denen noch Bedarf ist», erläutert Burmester. Sein Blick auf den Computerausdruck, der den Pegelverlauf der Elbe abbildet, beunruhigt ihn nicht. Allerdings: »Den Aufwand, den wir hier betreiben, der ist schon enorm. Da wird man sich was überlegen müssen.»

Bürgermeister Ralf Hinneberg strahlt ebenfalls Gelassenheit aus. »Die Bürgerinnen und Bürger fühlen sich ganz gut. Sie wissen ja noch vom Hochwasser 2006, was auf sie zukommen kann.»

Bild: Irma Lienecke (81) aus Katemin zeigt auf den roten Pflanzkasten in ihrem Garten: „Beim Hochwasser im Jahr 2006 war er nicht mehr zu sehen.“ Aufn.: A. Schmidt

Quelle: ejz.de