Archiv für Januar 11, 2011

Nach der Welle ist vor dem Regen

Veröffentlicht: Januar 11, 2011 von fluthelfer in Hochwasserflut 2011

Die Hochwasserwelle war weniger schlimm als befürchtet. Doch während die Pegel vielorts langsam sinken, kommen Meterologen mit der nächsten Hiobsbotschaft: Regen. Die kommenden Tage werden mild, aber sehr nass.

Das Wasser des Rheins geht langsam zurück. Laut Hochwasserschutzamt der Stadt Köln falle der Pegel etwa einen Zentimeter pro Stunde. Am Dienstagmorgen war der Pegelstand bereits um sieben Zentimeter auf 8,84 Meter gesunken. Ein Sprecher sagte, er gehe weiter von sinkenden Pegelständen aus. In Koblenz erreichte der Wasserstand bereits am Montagnachmittag mit 7,52 Meter seinen Scheitel, inzwischen ist er wieder etwas gesunken.

Unterdessen dringt in die historische Altstadt in Wertheim im Main-Tauber-Kreis wie erwartet seit Montagabend das Hochwasser ein. Die Stadt mit ihren rund 24.000 Einwohnern ganz im Norden Baden-Württembergs an der Grenze zu Bayern kennt die steigenden Fluten aber seit Jahren und hatte dementsprechend vorgesorgt. Anwohner und Geschäftsleute sicherten ihre Häuser und Wohnungen rechtzeitig so gut es ging und räumten alles Bewegliche aus der Gefahrenzone. Viele Läden haben mobile Warenständer und Fliesen statt Teppichböden.

Dank eines Wegesystems aus etwa 400 Metern Stegen bleibt die Altstadt an zentralen Punkten passierbar. Zudem stehen Boote bereit. Bei Wertheim mündet die Tauber in den Main. Gegen 19 Uhr am Montagabend hatte der Pegelstand des Mains die kritische Marke von 5,20 Metern erreicht, wie die Stadt berichtete. Der Kampf mit Pumpen gegen das anrückende Wasser sei daraufhin gestoppt worden. Gegen 23 Uhr war das Wasser bereits sechs weitere Zentimeter gestiegen.

Für die Nacht von Dienstag auf Mittwoch erwarteten die Behörden in Wertheim einen Pegelstand von etwa 5,50 Metern. Die Altstadt soll dann soweit überflutet sein, dass das Geschäftsleben zum Erliegen kommt. Das aktuelle Hochwasser ist nicht außergewöhnlich. In der Einsatzleitung der Feuerwehr an der Tauberbrücke war die Lage gegen Mitternacht ruhig und entspannt. Es habe bisher keine Zwischenfälle gegeben, hieß es. Alles sei gut vorbereitet und abgesprochen.

Nach Angaben der Hochwasser-Vorhersage-Zentrale hatte im Jahr 1995 das Januar-Hochwasser in Wertheim 6,37 Meter erreicht. Das ist beinahe ein Meter mehr als die Vorhersage für die Nacht zum Mittwoch.

Wettervorhersage: Milder und regnerischer

Bis zum Freitag sagen die Meterologen Regen vorher. Heute ist es zunächst bedeckt oder neblig trüb, gebietsweise auch heiter, vereinzelt leichter Nieselregen. Noch am Vormittag gibt es im Westen etwas Regen, lokal und kurzzeitig auch gefrierender Regen möglich, in höheren Mittelgebirgslagen teils Schnee, der bis zum Abend etwa eine Linie Schleswig-Holstein-Allgäu erreicht.

Die Temperatur liegt im Nordosten kaum oder nur wenig über dem Gefrierpunkt, sonst 2 bis 9 Grad mit den höchsten Werten am Oberrhein. Schwacher bis mäßiger in Höhenlagen frischer Wind aus südlichen, später im Westen aus westlichen Richtungen.In der Nacht zu Mittwoch weiter ostwärts ausgreifende Regenfälle, nur in höheren Lagen sowie vorübergehend im Nordosten Schnee. Tiefstwerte zwischen +5 und -1 Grad.
jag/news.de/dpa

Wasser der Elbe steigt

Veröffentlicht: Januar 11, 2011 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg
Hochwasser auch an Jeetzel und Dumme

ab/dm Lüchow. Schmelzende Schneemassen in Deutschland lassen viele Flüsse anschwellen. Nur noch über Stege können beispielsweise die Anwohner der historischen Altstadt von Hannoversch Münden die dort überfluteten Straßen passieren.

An Rhein und Mosel sind in etlichen Städten und Orten wie Koblenz und Zell bereits vor wenigen Tagen viele Keller voll- gelaufen.

In Lüchow-Dannenberg ha-ben längs der Elbe wohnende Bürgerinnen und Bürger schlimme Erinnerungen an Hochwasserkatastrophen. Nur ungern denkt man an die Fluten von 2002 und 2006. Müssen sie sich jetzt angesichts der zu erwartenden Hochwasserwelle erneut Sorgen machen?

»Es ist alles im grünen Bereich», beruhigt der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). »Aufgrund ansteigender Temperaturen und damit verbundener Schneeschmelze steigen sehr wohl im oberen Einzugsgebiet der Elbe die Pegel an – jedoch noch nicht in Niedersachsen», sagt Herma Heyken vom NLWKN.

Im tschechischen Einzugs- gebiet sei die Wasserführung in Moldau und Elbe schneller angestiegen als vorhergesagt, meldet die Hochwasser-Vorhersage-zentrale Elbe. Vom Tschechischen Hydrometeorologischen Institut Prag sei bis gestern früh ein Wasserstandsanstieg von 80 Zentimetern in 24 Stunden prognostiziert worden. Ein weiterer Anstieg werde nicht ausbleiben. Diese Tendenz werde sich im weiteren Verlauf an den Hochwassermeldepegeln der El-be in Sachsen-Anhalt fortsetzen – verstärkt infolge der noch zu erwartenden hohen Zuflüsse aus Mulde und Saale.

Das Hochwasser werde wohl am kommenden Wochenende die Elbe auf Lüchow-Dannenberger Gebiet erreichen, so NLWKN-Mitarbeiterin Herma Heyken. Aber erst wenn der Pe-gel in Neu Darchau einen Wasserstand von mehr als sechs Metern anzeige, müsse man Vorsorgemaßnahmen treffen, indem die erste von drei Warnstufen ausgelöst werde. Davon sei man derzeit freilich noch ein ganzes Stück entfernt. Natürlich würden jedoch Temperaturanstieg, der schmelzende Schnee und zusätzlich Regen für »Land un-ter» auch im Elbvorgelände sorgen.

Indessen sind die Jeetzel und die Dumme im Bereich Wustrow über ihre Ufer getreten. In der oberen Jeetzel-Niederung zwischen dem Städtchen und Lüchow halten keine Deiche den Fluss in seinem Bett, so dass nun eine große Seenlandschaft entstanden ist. Dutzende Hektar Acker und Wiesen stehen jetzt unter Wasser, weil das wegen des steigenden Elbpegels kaum noch abfließen kann.

Auch die Dumme hat gut einen Kilometer vor ihrer Mündung in die Jeetzel ihr Bett verlassen und bietet nun am Kalibahndamm Schwänen und anderen Wasservögeln viel Platz zum Bad. Solche Überschwemmungen von Jeetzel und Dumme sind in den vergangenen Jahren durch die Regulierung und Verlegung der Flussbetten Ende der 1960er-Jahre seltener geworden. Vor diesen Maßnahmen stand die obere Jeetzelniederung oft monatelang jedes Jahr unter Wasser.

Bild: Tauwetter, Regen, gesättigte Böden und der Rückstau durch das Elbehochwasser lassen in diesen Tagen auch die Jeetzel zwischen Wustrow und Lüchow über die Ufer treten, so dass eine wahre Seenlandschaft entstanden ist. Hier von der Jeetzel-Brücke bei Klennow aus gesehen. Aufn.: D. Boick

Quelle:ejz.de