Neue Schauer im Anmarsch

Veröffentlicht: August 8, 2010 von fluthelfer in Hochwasserflut 2010

 

Ein Rückgang der Fluten wird noch auf sich warten lassen: Experten prognostizieren neue Schauer. Währenddessen arbeiten die Einsatzkräfte in den Krisengebieten auf Hochtouren. Der sächsische Innenminister Ulbig bezeichnet die Lage als angespannt.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet nicht mit einer schnellen Beruhigung der Lage im sächsischen Hochwassergebiet nahe der polnischen Grenze. Meteorologe Robert Scholz berichtete am Sonntag von extremen Niederschlägen bis zu 160 Litern pro Quadratmeter. Aktuelle entspanne sich die Lage vorübergehend, nachdem der Dauerregen nach Nordosten abgezogen sei. Von Westen ziehe aber schon wieder ein neuer Tiefausläufer mit weiteren Schauern und Gewittern heran.

Dabei seien örtlich wieder sehr hohe Regenmengen durch Starkregen möglich, in der Fläche werde jedoch nicht mehr soviel Niederschlag zusammen kommen, hieß es weiter. Das von Norditalien über die Alpen gezogene Tief «Viola» hat den Angaben zufolge in den vergangenen Tagen die enormen Regenmengen im Südosten Deutschlands verursacht, stellenweise über 100 Liter pro Quadratmeter. Nachdem zuerst Bayern und der Alpenrand betroffen waren, wurde am Freitag und Samstag vor allem Sachsen mit unwetterartigen Regenfällen heimgesucht, wo es dann am Samstag zu der Hochwasserkatastrophe kam.

 

«Vollgesogen mit feuchter Luft aus dem Mittelmeerraum bildeten sich an einer Luftmassengrenze, die sehr warme Luft im Osten und recht kühle Luft in Westeuropa trennt, zahlreiche Schauer und Gewitter», schrieb der Wetterexperte. Besonders in der Grenzregion zu Tschechien und Polen kamen demnach im Stau der Gebirge extrem hohe Regenmengen zusammen. Dabei traten in den engen Tälern des Erzgebirges und des Zittauer Gebirges viele Bäche und Flüsse über die Ufer, einige Ortschaften wurden regelrecht überflutet.

Erinnerungen an 2002

In Sachsen wurden Erinnerungen an das Jahrhunderthochwasser 2002 wach: Auch damals waren nach heftigen Regengüssen zunächst Bergflüsse über die Ufer getreten, dann große Wasserläufe bis hin zur Elbe. 21 Menschen starben damals, die Schäden gingen in die Milliarden.

Im Landkreis Görlitz liefen am frühen Sonntagmorgen weitere Evakuierungen auf Hochtouren, berichtete die Polizei. So musste im Landkreis Görlitz eine Behinderteneinrichtung geräumt werden. Laut DRK sollten etwa 280 Menschen einer Polizeischule untergebracht werden.

Die Katastrophengebiete im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Für Besucher sind diese Gebiete bis auf weiteres nicht zugänglich. Probleme bereiteten derzeit sogenannte Katastrophentouristen.

Innenminister: Lage angespannt

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) nannte die Lage in den Hochwassergebieten «angespannt». Ulbig sagte dem Sender MDR Info, durch den Dammbruch auf der polnischen Seite seien zusätzliche Wassermassen gekommen. Die Pegelstände seien kontinuierlich gestiegen. Ulbig betonte, die Menschen müssten aus der Gefahrenzone heraus. Deshalb sei evakuiert worden. «Die Feuerwehr, die Polizeikräfte tun das, was in ihren Kräften steht.»

Er appelliere an die Menschen, den Anweisungen zu folgen. Derzeit seien die Gebäude der unteren Altstadt betroffen. Die Einsatzkräfte würden die Nacht über verstärkt, und sie sollten auch ausgewechselt werden. «Das wird derzeit organisiert», sagte er.

Zur Tagesentwicklung erklärte Ulbig, es werde damit gerechnet, dass die Pegel in Görlitz nach einem kurzen Absinken wieder ansteigen könnten. Das hänge damit zusammen, dass «der Höchstpegel, der derzeit durch Zittau durch ist, sich dann im Laufe des Vormittages (…) auf Görlitz zubewegt.»

Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (CDU) warnte vor historischen Neiße-Pegelständen. Es drohe ein Rekord-Pegel von 8 Metern. Kupfer betonte, der historische Höchststand habe bei 6,78 Metern gelegen.
cvd/sgo/news.de/ddp/dpa

 

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