Hochwasser Flut rollt nach Brandenburg

Veröffentlicht: August 8, 2010 von fluthelfer in Hochwasserflut 2010

 

Wie geht es in den Hochwassergebieten weiter? Experten prognostizieren neue Schauer. Die Einsatzkräfte arbeiten auf Hochtouren. Das rollt der Scheitel der Welle weiter.

Acht Jahre nach dem Jahrhunderthochwasser von 2002 ist Sachsen am Wochenende erneut von einer Flutkatastrophe heimgesucht worden. Nach schweren Regenfällen mit Rekordmengen bis zu 160 Liter pro Quadratmeter und dem Bruch einer Staumauer in Polen überschwemmten die Wassermassen der Neiße und anderer Flüsse Straßen und ganze Ortschaften. Allein in Sachsen wurden mehr als 1400 Menschen evakuiert, im Dreiländereck Deutschland/Polen/Tschechien gab es mindestens elf Tote. Der sächsische Innenminister Markus Ulbig sprach von einer «sehr ernsten Lage», zum Teil galt Katastrophenalarm.

Kritisch war die Lage im Landkreis Görlitz, aber auch im Raum Zittau und Weißwasser sowie rund um Chemnitz. Der Pegel der Neiße in Görlitz lag am Sonntagvormittag bei 7,07 Metern – normal ist zu dieser Jahreszeit ein Stand von 1,70 Metern. In den kommenden Stunden werde ein weiterer Anstieg auf 7,20 Meter erwartet, sagte der Pressesprecher des sächsischen Umweltministeriums, Andreas Kunze. Für die Spree in der Lausitz galt die höchste Hochwasserwarnstufe 4. Im Bereich der Elbzuflüsse sei es neben Hochwasser auch zu Erdrutschen gekommen.

Entwarnung konnte auch am Sonntag noch nicht gegeben werden. Aktuell entspanne sich die Lage zwar vorübergehend, nachdem der Dauerregen nach Nordosten abgezogen sei, erklärte der Deutsche Wetterdienst. Von Westen ziehe aber schon wieder ein neuer Tiefausläufer mit weiteren Schauern und Gewittern heran.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich, der sich vor Ort ein Bild machte, sagte aber am Sonntagmittag in Görlitz, das Gröbste sei überstanden. Das Wasser laufe langsam ab. Mit den gewaltigen Schäden des Jahrhunderthochwassers vor acht Jahren sei das jetzige nicht vergleichbar, es seien die richtigen Lehren gezogen worden. Die Landesregierung richtete ein Spendenkonto für die Flutopfer ein.

Im sächsischen Neukirchen wurden am Samstag beim Auspumpen eines Kellers die Leichen von zwei Männern und einer Frau im Alter zwischen 63 und 74 Jahren gefunden. Wie die Polizei in Chemnitz mitteilte, hatten sie offenbar versucht, ihr dort befindliches Hab und Gut vor den eindringenden Wassermassen zu retten, und waren dabei ertrunken. In Tschechien ertranken vier Männer. Drei weitere Hochwassertoter wurden in Polen gemeldet.

Wohngebiet überschwemmt

Im Landkreis Görlitz herrschte seit Samstagnachmittag, 16 Uhr, Katastrophenalarm, später kamen Teile der Sächsischen Schweiz hinzu. Der Sprecher des Innenministeriums, Frank Wend, sagte, in der betroffenen Region sei es das schlimmste Hochwasser seit über 100 Jahren. Mehrere Orte und Ortsteile wurden wegen Überschwemmungen der Neiße und Mandau evakuiert. In Zittau wurde ein Wohngebiet überschwemmt, so dass die Menschen dort eingeschlossen waren. Zudem mussten der Zugverkehr teilweise eingestellt und die Autobahn 72 vorübergehend gesperrt werden.

Erheblich verschärft hatte sich die Lage nach dem Bruch einer Staumauer am polnischen Fluss Witka bei Radmeritz in der Nähe der deutschen Grenze. Der sächsische Innenminister Ulbig sagte im Sender MDR Info, dadurch seien zusätzliche Wassermassen in das ohnehin schon von Hochwasser betroffene Gebiet geströmt. «Die Feuerwehr, die Polizeikräfte tun das, was in ihren Kräften steht», fügte er hinzu. Schäden gab es auch an historischen Häusern in der Görlitzer Altstadt. Das Deutsche Rote Kreuz war mit mehr als 100 Kräften im Einsatz, darunter Luftretter mit Spezialausbildung. Zudem wurden Hubschrauber zur Rettung der von den Fluten bedrängten Menschen eingesetzt.

Ein für Montag geplantes Treffen von Bundesinnenminister Thomas de Maizière mit seinem polnischen Amtskollegen zur Sicherheit im Grenzgebiet wurde wegen der Flutkatastrophe abgesagt.

Auch Brandenburg und Sachsen-Anhalt betroffen

Hochwasser wurde auch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt erwartet, wenn auch nicht mit so dramatischen Auswirkungen wie in Sachsen. Die Pegelstände der Elbe stiegen noch. Kritisch war die Lage in Tschechien, wo ebenfalls mehr als 1000 Menschen vor dem Hochwasser in Sicherheit gebracht werden mussten. In Chrastava an der Lausitzer Neiße und der am Nebenfluss Smeda gelegenen Ortschaft Frydlant wurden mehrere Einwohner mit Hubschraubern von den Dächern ihrer Häuser gerettet. In der südpolnischen Stadt Bogatynia standen drei Viertel aller Straßen unter Wasser. Aber auch in Bayern brachte der Dauerregen den Starnberger See zum Überlaufen, wie Meteorologin Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst berichtete.


cvd/news.de/ap

 

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