Hochwasserschutz – Polder

Veröffentlicht: Mai 31, 2010 von fluthelfer in Hochwasserschutz

 

Das Pfingsthochwasser von 1999 traf das Allgäu ganz besonders. Allein im Iller-Tal entstanden Schäden in Millionhöhe. Die Lehre daraus: Man baute einen Polder nahe Immenstadt.

Das Pfingsthochwasser von 1999 schockte vor allem auch das Allgäu. Bis zu 300 Liter Regen prasselten damals innerhalb 24 Stunden auf einen Quadratmeter. So mancher Landwirt war in seiner Existenz bedroht. Allein im Iller-Tal entstanden Schäden in Höhe von 60 Millionen Euro. Um so etwas künftig zu verhindern, wurde in diesem Gebiet eines der größten Schutzprogramme Bayerns umgesetzt: das Projekt „Obere Iller“.

„Riesige Badewanne“

Hochwasser will man dort unter anderem durch einen Polder in den Griff bekommen. Stauplatz im Allgäu ist eine gletschergeformte riesige Wiesenmulde: der Polder Weidachwiesen am Seifener Becken nahe Immenstadt. 2007 wurde das Projekt fertig gestellt.

Nach Angaben von Helmut Weis, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten, wurde der natürliche Polderraum durch Baumaßnahmen so erweitert, dass er nun über eine Einstautiefe von sieben Metern verfügt. Früher waren es nur zwei Meter.

Damit kann das Becken im Notfall sechs Millionen Kubikmeter Wasser zwischenspeichern. „Wir lassen praktisch eine riesige Badewanne volllaufen“, so Weis. Für das Projekt wurde sogar die Iller auf einer Länge von mehr als einem Kilometer um 100 Meter verlegt.

Polder

Ein Flutpolder ist ein sogenanntes Retentionsgebiet: ein vom Fluss getrenntes, teils deichgeschütztes Gelände, das niedriger als seine Umgebung liegt, und bei Hochwasser geflutet wird.

Deutliche Flusspegel-Absenkung

Der Zwischenspeicher im Seifener Becken ist ein sogenannter gesteuerter Flutpolder: Kommen die Fluten, passieren sie zunächst das Einlassbauwerk – das kappt die Hochwasserspitze. Mit sieben Einlässen lässt sich die Menge des „abgefangenen“ Wassers dosieren. Über eine Flutrinne läuft es dann in den etwa zwei Kilometer langen und 900 Meter breiten Polder Weidachwiesen östlich der Iller. Innerhalb von etwa acht Minuten ist er voll. Der Flusspegel kann damit um bis zu 50 Zentimeter gesenkt werden. Ein Auslassbauwerk hält das Wasser zurück und gibt es dosiert wieder an die Iller ab.

Bund Naturschutz wenig euphorisch

Der Polder soll Jahrhundert-Hochwasser wie jene von 1999 oder 2005 bewältigen können. Die Unterlieger, die Einwohner von Kempten oder Neu-Ulm, blieben damit künftig vor derartigen Katastrophen verschont. Der Bund Naturschutz (BN) zeigt sich von einem derartigen Großprojekt dennoch nicht übermäßig begeistert – schon allein wegen des massiven Eingriffs in die Landschaft und des Gewässer-Regimes. Zwei Millionen Kubikmeter Erdreich wurden an der oberen Iller bewegt.

Christine Margraf, Leiterin der BN-Fachabteilung München, kritisiert grundsätzlich das Polder-Prinzip: Fließendes Wasser könne nicht natürlich über eine Auenlandschaft gebremst werden, sondern werde künstlich gestoppt und müsse längere Zeit stehen. Dadurch erwärmt es sich und wird sauerstoffärmer, was Absterbeprozesse nach sich ziehe. Zudem seien Niederschlags-Vorhersagen nicht so genau zu treffen, dass man das Hochwasser punktgenau steuern könne. So könnten weitere, nicht prognostizierte Wassermassen herabdonnern, obwohl der Polder schon voll ist – und die Einwohner von Kempten oder Neu-Ulm blieben doch nicht verschont.

 

Bayern plant sechs weitere Polder

Das Iller-Programm kostete insgesamt etwa 100 Millionen Euro. Die Summe teilten sich EU, Bayern, Kommunen, der Landkreis Oberallgäu und der Bund. Im Freistaat soll es laut Umweltministerium noch sechs weitere Flutpolder geben. (Stand: Juni 2010)

Im Genehmigungsverfahren

Donau: Riedensheim (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen)
Rückhaltevolumen: 8,1 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 12 Millionen Euro

In Planung

Mangfall: Feldolling (Landkreis Rosenheim)
Rückhaltevolumen: 4,6 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 30 Millionen Euro

Main: Bergrheinfeld (Landkreis Schweinfurt)
Rückhaltevolumen: 4,3 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 13 Millionen Euro

Donau: Katzau (Landkreis Pfaffenhofen)
Rückhaltevolumen: 7,2 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 24 Millionen Euro

Donau: Öberauer Schleife bei Straubing
Rückhaltevolumen: 10,8 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 33 Millionen Euro

Donau: Isarmündung (Landkreis Deggendorf)
Rückhaltevolumen: 1,5 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 10 Millionen Euro

Quelle: br.de
 

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