Archiv für Mai, 2010

Hochwasser – Was tun? Eine Checkliste

Veröffentlicht: Mai 31, 2010 von fluthelfer in Hochwasserschutz

 

Alles Wasserempfindliche raus aus dem Keller, Heizöltank ordentlich versiegeln, Gummistiefel parat – einige Tipps für den Fall, dass Hochwasser im Anmarsch ist.

  • Beachten Sie die aktuelle Berichterstattung in Fernsehen, Radio und Internet! Sollten in Ihrer Umgebung Dämme oder Brücken vom Einbruch bedroht, das Trinkwasser verunreinigt oder wichtige Verkehrsadern gesperrt sein, erfahren Sie es dort zuerst.
  • Schauen Sie in den Keller, bevor es das Wasser tut: Verderbliche und wasserempfindliche Gegenstände in Keller und Souterrain sollten Sie nicht in Bodennähe aufbewahren, Wertgegenstände in Sicherheit bringen. Wichtig: Keine giftigen oder ätzenden Stoffe einlagern (Benzinkanister, Insektizide, Autobatterien)!
  • Stellen Sie sicher, dass Ihr Heizöltank ordnungsgemäß versiegelt und befestigt ist! Für Hochwassergebiete gelten besonders strenge Schutzvorschriften.
  • Wo ist Ihr Auto? Wenn es in Gewässernähe oder in einer Bodenmulde steht, sollten Sie besser umparken.
  • Regenmantel in der Reinigung, Gummistiefel noch im Geschäft? Stellen Sie sicher, dass alles für den Notfall griffbereit ist!
  • Notieren Sie Notfallnummern: Neben dem Notruf 112 sollten Sie die Telefonnummern der Freiwilligen Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks und Ihres Landratsamts griffbereit haben. Dort erfahren Sie auch, ob und wo Sie im Notfall Sandsäcke erhalten. Beachten Sie, dass eine flächendeckende Versorgung meist nicht möglich ist!

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Hochwasserschutz – Polder

Veröffentlicht: Mai 31, 2010 von fluthelfer in Hochwasserschutz

 

Das Pfingsthochwasser von 1999 traf das Allgäu ganz besonders. Allein im Iller-Tal entstanden Schäden in Millionhöhe. Die Lehre daraus: Man baute einen Polder nahe Immenstadt.

Das Pfingsthochwasser von 1999 schockte vor allem auch das Allgäu. Bis zu 300 Liter Regen prasselten damals innerhalb 24 Stunden auf einen Quadratmeter. So mancher Landwirt war in seiner Existenz bedroht. Allein im Iller-Tal entstanden Schäden in Höhe von 60 Millionen Euro. Um so etwas künftig zu verhindern, wurde in diesem Gebiet eines der größten Schutzprogramme Bayerns umgesetzt: das Projekt „Obere Iller“.

„Riesige Badewanne“

Hochwasser will man dort unter anderem durch einen Polder in den Griff bekommen. Stauplatz im Allgäu ist eine gletschergeformte riesige Wiesenmulde: der Polder Weidachwiesen am Seifener Becken nahe Immenstadt. 2007 wurde das Projekt fertig gestellt.

Nach Angaben von Helmut Weis, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten, wurde der natürliche Polderraum durch Baumaßnahmen so erweitert, dass er nun über eine Einstautiefe von sieben Metern verfügt. Früher waren es nur zwei Meter.

Damit kann das Becken im Notfall sechs Millionen Kubikmeter Wasser zwischenspeichern. „Wir lassen praktisch eine riesige Badewanne volllaufen“, so Weis. Für das Projekt wurde sogar die Iller auf einer Länge von mehr als einem Kilometer um 100 Meter verlegt.

Polder

Ein Flutpolder ist ein sogenanntes Retentionsgebiet: ein vom Fluss getrenntes, teils deichgeschütztes Gelände, das niedriger als seine Umgebung liegt, und bei Hochwasser geflutet wird.

Deutliche Flusspegel-Absenkung

Der Zwischenspeicher im Seifener Becken ist ein sogenannter gesteuerter Flutpolder: Kommen die Fluten, passieren sie zunächst das Einlassbauwerk – das kappt die Hochwasserspitze. Mit sieben Einlässen lässt sich die Menge des „abgefangenen“ Wassers dosieren. Über eine Flutrinne läuft es dann in den etwa zwei Kilometer langen und 900 Meter breiten Polder Weidachwiesen östlich der Iller. Innerhalb von etwa acht Minuten ist er voll. Der Flusspegel kann damit um bis zu 50 Zentimeter gesenkt werden. Ein Auslassbauwerk hält das Wasser zurück und gibt es dosiert wieder an die Iller ab.

Bund Naturschutz wenig euphorisch

Der Polder soll Jahrhundert-Hochwasser wie jene von 1999 oder 2005 bewältigen können. Die Unterlieger, die Einwohner von Kempten oder Neu-Ulm, blieben damit künftig vor derartigen Katastrophen verschont. Der Bund Naturschutz (BN) zeigt sich von einem derartigen Großprojekt dennoch nicht übermäßig begeistert – schon allein wegen des massiven Eingriffs in die Landschaft und des Gewässer-Regimes. Zwei Millionen Kubikmeter Erdreich wurden an der oberen Iller bewegt.

Christine Margraf, Leiterin der BN-Fachabteilung München, kritisiert grundsätzlich das Polder-Prinzip: Fließendes Wasser könne nicht natürlich über eine Auenlandschaft gebremst werden, sondern werde künstlich gestoppt und müsse längere Zeit stehen. Dadurch erwärmt es sich und wird sauerstoffärmer, was Absterbeprozesse nach sich ziehe. Zudem seien Niederschlags-Vorhersagen nicht so genau zu treffen, dass man das Hochwasser punktgenau steuern könne. So könnten weitere, nicht prognostizierte Wassermassen herabdonnern, obwohl der Polder schon voll ist – und die Einwohner von Kempten oder Neu-Ulm blieben doch nicht verschont.

 

Bayern plant sechs weitere Polder

Das Iller-Programm kostete insgesamt etwa 100 Millionen Euro. Die Summe teilten sich EU, Bayern, Kommunen, der Landkreis Oberallgäu und der Bund. Im Freistaat soll es laut Umweltministerium noch sechs weitere Flutpolder geben. (Stand: Juni 2010)

Im Genehmigungsverfahren

Donau: Riedensheim (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen)
Rückhaltevolumen: 8,1 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 12 Millionen Euro

In Planung

Mangfall: Feldolling (Landkreis Rosenheim)
Rückhaltevolumen: 4,6 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 30 Millionen Euro

Main: Bergrheinfeld (Landkreis Schweinfurt)
Rückhaltevolumen: 4,3 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 13 Millionen Euro

Donau: Katzau (Landkreis Pfaffenhofen)
Rückhaltevolumen: 7,2 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 24 Millionen Euro

Donau: Öberauer Schleife bei Straubing
Rückhaltevolumen: 10,8 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 33 Millionen Euro

Donau: Isarmündung (Landkreis Deggendorf)
Rückhaltevolumen: 1,5 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 10 Millionen Euro

Quelle: br.de
 

Hochwasserschutz – Mobile Mauern in Regensburg

Veröffentlicht: Mai 31, 2010 von fluthelfer in Hochwasserschutz

Die Donau führt immer wieder gewaltiges Hochwasser. Regensburg wird daher regelmäßig überflutet. Die Stadt behilft sich inzwischen mit mobilen Hochwasserschutz-Elementen.

Wegen ihrer vielen Zuflüsse ist die Donau ganz besonders hochwassergefährdet. Unter anderem Regensburg weiß ein Lied davon zu singen. Nach dem Hochwasser von 2002 investierte man fünf Millionen, um die Donau-Dämme zu erhöhen und zu befestigen.

Zusätzlich behilft sich Regensburg mit sogenannten mobilen Hochwasserschutz-Elementen. Diese portablen Aluminium-Wände können bei Bedarf zu einer Hochwasserschutzmauer zusammengebaut werden, erläutert Alfons Lerch, Leiter der Planungsabteilung im Wasserwirtschaftsamt Regensburg. Der Vorteil: Nach Entwarnung kann die Wand wieder entfernt werden. Die Stadtplanung ist somit nicht beeinträchtigt und die Sichtbeziehung der Einwohner zum Gewässer bleibt ungestört.

Quelle: br.de

Hochwasserschutz – Die Deichbauer von Eschenlohe

Veröffentlicht: Mai 31, 2010 von fluthelfer in Hochwasserschutz

 

Seit der Überschwemmung von 2005 ist das oberbayerische Eschenlohe die bayerische Hochwasser-Symbolgemeinde schlechthin. Den Fluten hielten damals Dämme und Deiche nicht stand. Eschenlohe baute daraufhin noch höhere.

August-Flut 2005: Das Fernsehen zeigte immer wieder Bilder aus dem temporär untergegangenen Eschenlohe. Der 1.600-Einwohner-Ort im Werdenfelser Land nahe Garmisch ist seitdem die bayerische Hochwasser-Symbolgemeinde schlechthin. Das Wasser stand bis zu 1,50 Meter hoch in dem kleinen Ort.

Die Überschwemmungen der Loisach richteten horrende Schäden an, in manchen Haushalten mehr als 100.000 Euro. Die Dämme und Deiche hatten den Fluten nicht standgehalten.

Auf zu neuen Ufern – vor allem zu höheren und massiveren

Danach wurde im notorisch von Fluten heimgesuchten Eschenlohe wieder mal heftig diskutiert, was zu tun sei. Nicht alle Einwohner waren von der Aussicht auf eine noch massivere Uferverbauung begeistert. Stattdessen wurde eine tiefe Ausbaggerung der Loisach oder eine Ableitung ins Murnauer Moos vorgeschlagen.

Durchgesetzt hat sich doch der klassische Hochwasserschutz – in modernisierter Variante. Im Sommer 2006 war dann Spatenstich für neue, höhere Dämme und Deiche. Zusätzlich schaffte man aber auch Raum für ökologischen Hochwasserschutz: Zwei Zuflüsse sollten renaturiert, ein Fünf-Hektar-Auwald südlich der Gemeinde gepflanzt werden.

Eine neue Loisach-Brücke kommt ohne Pfeiler aus, sodass die Wassermassen künftig ohne Widerstand fließen können. Das gesamte Projekt kostete rund sechs Millionen Euro, von denen der Freistaat den größten Teil übernahm.

Warten auf Entschädigung

Hohe Summen werden in den Hochwasserschutz gepumpt. Bei der Entschädigung von Betroffenen wird der Geldfluss jedoch rasch zum Rinnsal, obwohl sie nicht nur vollgelaufene Keller beklagen, sondern zum Teil schwere Folgeschäden. Flutopfer müssen oft sehr lange auf eine Entschädigung warten.

Schutzprogramme weiterer Kommunen

Mehrere Hochwasser-Katastrophen kurz hintereinander zeigten Wirkung: Eschenlohe machte seine Deiche höher, anderswo griff man zu anderen Maßnahmen. Einige bayerische Beispiele:

Schwabach (März 2010)
In Schwabach gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Überschwemmungen. Um Abhilfe zu schaffen, übergab im März 2010 Umweltminister Markus Söder der mittelfränkischen Stadt eine halbe Million Euro Fördergelder für zwei Rückhaltebecken und größere Kanalrohre zum besseren Wasserabfluss.

Coburg (November 2009)
Zusätzlich zu den zwei Rückhaltebecken begann man im November 2009 in Coburg mit der Grabung eines zwei Kilometer langen Stollens. Er soll künftig Hochwasser durch den Bergrücken zwischen Oberlauter und Beuerberg in das Rückhaltebecken des Goldbergsees leiten. Die 27 Millionen Euro für das Projekt, das 2012 fertig sein soll, teilen sich die Stadt, die Gemeinde Lautertal, der Freistaat Bayern und die EU.

Weiden (September 2009)
Nach 14-jähriger Bauzeit wurde im September 2009 der Flutkanal entlang der Weidener Altstadt eingeweiht. Er soll vor einem hundertjährigem Hochwasser schützen. Die Kosten von 5,7 Millionen Euro finanierte hauptsächlich der Freistaat Bayern unter Beteiligung der Stadt.

Quelle: br.de

Maßnahmen gegen Hochwasser Technischer Schutz

Veröffentlicht: Mai 31, 2010 von fluthelfer in Hochwasserschutz

 

Traditionelle Flutabwehrtechnik wie Deiche und Dämme hat bei den jüngsten Hochwassern in vielen Orten versagt. Mancherorts setzt man auf mobile Schutzelemente. Für manche Gebiete eignen sich am besten Rückhaltebecken oder Polder.

Hochwasser hat eine belebende Wirkung für Auenlandschaften, aber auch eine zerstörerische in Ansiedlungen. Gerade Städte und Gemeinden, die nah am Wasser gebaut sind, behelfen sich seit Jahrhunderten in der Regel mit einfachen Mauern, Deichen oder Dämmen.

Doch diese traditionelle Flutabwehrtechnik hat bei den jüngsten Hochwassern in vielen Orten versagt. Meistens investiert man dann in den Ausbau dieser Wehre. Andernorts, wie in Regensburg, setzt man auch auf sogenannte mobile Schutzelemente: Wände, die auf- und wieder abgebaut werden können.

Für manche Gebiete eignen sich besser Rückhaltebecken oder Polder. Man nutzt dazu natürliche Senken, die man zum Teil durch technisch anspruchsvolle Anlagen mit Schleusensystemen aufrüstet. Damit ist eine kontrollierte Überschwemmung in dem für das Hochwasser vorgesehenen Muldengelände möglich. Das erfordert allerdings die Reservierung größerer Flächen für den Hochwasserschutz. In Bayern wurde an der Iller bei Immenstadt im Allgäu das erste große Polder-Projekt verwirklicht. Bürgerproteste dagegen gab es kaum, aber Kritik von Naturschützern

Quelle: br.de

Hochwasserschutz – Moore als Schwämme und Wälder als Schirme

Veröffentlicht: Mai 31, 2010 von fluthelfer in Bayern

 

Mit die effizientesten Hilfsmittel der Natur gegen Überschwemmungen sind Moore und Wälder. In Bayern sind jedoch viele davon verschwunden.

Noch um 1900 war vor allem Südbayern von Mooren durchzogen. 95 Prozent davon sind verschwunden. Sie wurden trockengelegt – entweder für den Torfabbau oder für die Gewinnung von Flächen für Landwirtschaft, Industrie oder Besiedelung.

Dabei ist ein Moor eines der effizientesten Hilfsmittel der Natur gegen Überschwemmungen: Torfmoose können Wasser aufnehmen wie ein Schwamm, ihre Saugfähigkeit ist fünf Mal stärker als die von Wiesen. Durch die Speicherung verzögert sich die Wasserabgabe in die Bäche und Flüsse. Moorflächen gibt es zum Beispiel noch entlang der Iller im Allgäu. Für deren Erhalt kämpft der Bund Naturschutz.

Blätter und Nadeln fangen Regen ab

Aber auch Wälder sind ein guter Schutzschild gegen Hochwasser. Die Blätter von Laubbäumen und die Nadeln von Tannen, Fichten oder Kiefern können wie ein Regenschirm die nassen Massen zurückhalten. Bis zu 50 Prozent des Niederschlags bleiben in den Bäumen hängen und gelangen erst gar nicht auf den Boden. Die Tropfen verdunsten, bis der Regen vorbei ist.

Auch Waldboden kann viel Wasser speichern, sechs Mal mehr als etwa eine Almwiese. Doch im 19. Jahrhundert wurden auch in höheren Regionen viele Wälder abgeholzt. Sie mussten Almen für die Viehwirtschaft weichen. Auch heute noch halten Landwirte die Almen frei von Bäumen und Sträuchern. Doch ohne Wurzelwerk wird der Boden fester und kann dadurch weniger Regen aufnehmen. Das Wasser läuft damit ungebremst in die zahllosen Bäche, die Alpenflüsse wie Isar oder Iller speisen.

So mancher Naturschützer wünscht sich daher eine Wiederaufforstung von Almwiesen. Doch demgegenüber stehen nicht nur die Interessen von Landwirten, auch die des Tourismus: Bayerische Almen sind längst eine als Erholungsraum begehrte Kulturlandschaft.

Quelle: br.de

Hochwasserschutz – Die Au und der Verbau

Veröffentlicht: Mai 31, 2010 von fluthelfer in Bayern

Die Natur braucht ab und zu Überschwemmungen: Sie schaffen neue Lebensräume. Früher wollte man die Hochwassergefahr durch Flussbegradigungen und Bodenversiegelungen bannen – vergebens.

Ein Fluss ist niemals nur ein Fluss. Zu seinem komplexen Ökosystem gehört auch die Auenlandschaft. Das isländische Wort für Fluss, á (gesprochen: au), erinnert noch an diese Einheit. Wenn es zu einem Hochwasser kommt, begeht die Natur keinen „Fehler“ – im Gegenteil: Auen benötigen ab und zu Überschwemmungen.

Ohne Fluten weniger Weiden, Eichen und Ulmen, ohne Wiesentümpel keine Brachvögel. In Ursprungslandschaften schiebt Hochwasser große Mengen an Geröll talwärts, pflügt so die Landschaft regelmäßig um und sorgt für Lebensraumvielfalt. Es entstehen Kiesinseln, in dessen Ruhewasserzonen sich Jungfische und Kleintiere tummeln können. In neuen Sand- und Schlammbänken fühlen sich Muscheln und Insekten wohl.

Die nassen Massen verweilen lassen

Die ursprünglichen Überschwemmungsgebiete sind bei Hochwasser eine Art Pufferzone. Sie wirken wie natürliche Rückhalteflächen für die nassen Massen. Die Zusatzmengen können in der Au verweilen, bis sie langsam abgeflossen oder in den Boden gesickert sind – und Siedlungen bleiben so in der Regel verschont.

Die Natur hat also durchaus ihr eigenes Regulativ, wenn die Unwetter mal über die Stränge schlagen. Man hat das inzwischen längst erkannt: Das deutsche Wasserhaushaltsgesetz schreibt vor, dass Überschwemmungsgebiete zu erhalten oder – falls verbaut – wiederherzustellen sind. Letzteres stößt in der Praxis jedoch oft auf Widerstand.

Auch eine Frage der Ästhetik

Auch der Mensch profitiert von Überschwemmungen oder anders ausgedrückt: von der Dynamik unterschiedlicher Wasserstände eines Flusses. Sie sorgt nämlich für Bewegung im Grundwasser und sichert sowohl die Qualität des Trinkwassers als auch die Fruchtbarkeit von Böden. Nicht zuletzt hängt von der Verlaufsform des Gewässers sein Erholungswert ab. An kanalartig zubetonierten Uferlinien hält er sich in Grenzen.

Auwald-Projekt in Neuburg

Zum natürlichen Hochwasserschutz kehrt man an der Donau zwischen Neuburg und Ingolstadt zurück. Der ausgetrocknete Auwald dieses Abschnitts wird wiederbelebt. Zwei- bis dreimal pro Jahr flutet man Donauwasser in ein verzweigtes System von Bächen und Kanälen. Das Biotop kann so wieder seine typische Auwald-Flora und -Fauna mit Spechtern, Bibern, Libellen oder Hirschkäfern sowie Veilchen, Märzenbecher oder Silberweide zurückerhalten. Das vom bayerischen Staat geförderte Projekt kostete 13 Millionen Euro.

Der Verbau

Neuburg ist das Gegenmodell dazu, wie früher mit Auwäldern umgegangen wurde, als man das Ökosystem zerstörte, indem man die Au vom Fluss abtrennte und ihr das Wasser-Rückhaltevermögen nahm. Auch heute ist das oft noch die Regel. Vor allem im 19. Jahrhundert, als die Schifffahrt ein immer größerer Wirtschaftsfaktor wurde, begradigte man Flüsse in großem Stil – und durch Dämme und Deiche schnitt man sie von der Auenlandschaft ab.

Flüsse begradigt, Boden versiegelt …

Der Natur quasi Fehler unterstellend, nannte man das Ausrichten der Gewässer am Lineal einst „Flusskorrekturen“. Sie dienten auch dazu, Siedlungsflächen für die wachsende Bevölkerung oder Ackerbaugebiete zu gewinnen. Aus ehemaligen Überschwemmungsgebieten wurde Baugrund für Wohn- oder Gewerbegebiete sowie Infrastruktur. „Bodenversiegelung“ heißt diese Art Umwandlung von grüner Landschaft in der Fachsprache. Ganze Ökosysteme verschwanden dabei, manche Flüsse verloren bis zu 80 Prozent ihrer Auenlandschaft, was auch die Existenz so mancher Tier- und Pflanzenart bedrohte.

… die Hochwassergefahr blieb

Begradigte Flüsse haben aber – neben einem geringeren ästhetischen Wert – den Nachteil, weniger Wassermengen führen zu können. Die großräumige Versiegelung bewirkte außerdem, dass weniger Wasser in den Boden sickern kann. Ein ähnlicher Effekt ergab sich durch den später aufkommende Intensiv-Ackerbau mit schwerem Landwirtschaftsgerät, durch den sich die Böden immer mehr verdichteten. Ein übriges bewirkten Maßnahmen der Flurbereinigung: Dadurch verschwanden viele Hecken, natürliche Terrassen, Senken oder kleine Hügel – alles bremsende Elemente bei Überschwemmungen.

Dauerregen durch Fünf-b-Wetterlage

Abflussbeschleunigung und Bodenverdichtung steigern jedoch die Hochwassergefahr – gerade auch in Bayern, wo nicht selten eine sogenannte Fünf-b-Wetterlage herrscht: Ein Mittelmeer-Tief wird über die Alpen transportiert. Nördlich des Gebirgszuges setzen sich die feucht-warmen Luftmassen fest und kollidieren mit kalter Polarluft. Im Luv, der Wind abgewandten Alpenseite, können die Regenwolken nicht abziehen und es gießt tagelang in Strömen – wie 1999, 2002 und 2005.

Jahrhundert-Hochwasser

Bei einem „Jahrhundert-Hochwasser“ erreicht ein Gewässer eine Pegelhöhe, die im statistischen Mittel einmal in 100 Jahren erreicht oder überschritten wird. Dementsprechend spricht man auch von einem 50- oder 200-jährigen Hochwasser etc. Diese Marken dienen als Maßstab für die Intensität der Schutzmaßnahmen. Die traditionell flutgeplagten Niederlande richteten sich stellenweise sogar für ein 1.250-jähriges Hochwasser ein.

Quelle: br.de

Maßnahmen gegen Hochwasser – Ökologischer Schutz

Veröffentlicht: Mai 31, 2010 von fluthelfer in Bayern

 

Dämme und Deiche säumen meist direkt das Ufer. Doch Hochwasserschutz sollte nicht nur den Fluss, sondern das gesamte Ökosystem miteinbeziehen. Denn eine Auenlandschaft wirkt bei Hochwasser wie ein natürliches Rückhaltebecken.

Traditionelle Flutabwehrtechnik wie Damm und Deich befindet sich häufig direkt am Flussufer – eine Tatsache, die regelmäßig Kritiker aus dem Ökobereich auf den Plan ruft. Sie fordern, dass Deiche, wo immer möglich, hinter die Au zurückverlegt werden, was laut Bund Naturschutz immer noch viel zu selten umgesetzt wird. Hochwasserschutz solle nicht nur den Fluss, sondern sein gesamtes Ökosystem einbeziehen – und nicht davon abtrennen. Die Natur solle wieder die Fläche zurückbekommen, die man ihr einst abgetrotzt hatte.

Kämpfe um Flächen

Konflikte bleiben da nicht aus. Solche Forderungen kollidieren häufig mit städtebaulichen, gewerblichen oder landwirtschaftlichen Interessen. Immer wieder murren Bauern, deren Anbaugebiete bis dicht an ein Fluss- oder Bachufer reichen. Sie sind wenig begeistert, wenn das örtliche Wasserwirtschaftsamt diese Flächen plötzlich als Überschwemmungsgebiet ausweist.

Zurück zur Natur

Dennoch ist ökologischer Hochwasserschutz inzwischen in Bayern kein Fremdwort mehr. Immer mehr Kommunen bemühen sich um Flussrückbau in natürliche Verläufe, um Entfernung von Begradigungen, um Renaturierung von Ufer- und Auenlandschaften. So wurden zum Beispiel an der oberen Iller im Allgäu oder in Neustadt an der Donau Deiche zurückverlegt, damit die Flüsse mehr Überschwemmungsraum erhalten. Als Vorzeigeprojekt in Sachen Renaturierung gilt der Isar-Abschnitt im Münchner Süden.

Quelle: br.de

Mit guten Deichen in den Sommer

Veröffentlicht: Mai 22, 2010 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg
Deichbehörde der Kreisverwaltung prüft Zustand des Hochwasserschutzes

fk Pevestorf. Zweimal im Jahr wird der Zustand der Deiche in den fünf Deichverbänden des Landkreises geprüft. Jeweils im Frühjahr und im Herbst rückt die Aufsichtsbehörde, die Deichbehörde der Kreisverwaltung in Lüchow, zu ihren Deichschauen aus.

Dann werden Baumaßnahmen besichtigt, Schäden festgestellt oder Aus- besserungen begutachtet.

Am Mittwoch fand die letzte Etappe dieser Bereisungen im Bereich des Gartower Deich- und Wasserverbandes statt. Sie endete mit der Abschlussbesprechung in Pevestorf. »Sehr ordentlich» formulierte Ernst-August Schulz, der Leiter der Deichbehörde, im Protokoll dieser Schau über den Zustand der Deiche an Elbe, Seege und Aland. Größere Beanstandungen gab es auch an den anderen Deichen im Kreisgebiet nicht. Was bei früheren Gelegenheiten als notwendig erachtet wurde, ist entweder im Bau oder fertig gestellt. In Hitzacker sind die Hochwasserschutzanlagen an den Jeetzeldeichverband übergeben. Im Dannenberger Bereich haben Schafe zur Einstufung des Pflegezustandes »gut» beigetragen. In Laasche ist der umstrittene Hochwasserschutz ebenfalls abgeschlossen. An einigen Stellen, so beim Dannenberger Deich und Wasserverband oder bei Nienwalde, wird noch an der Erhöhung der Deiche, an ihrer Verlegung oder an Deichverteidigungswegen gebaut. Aber auch dort neigen sich die Baumaßnahmen ihrem Ende entgegen. Am Gartower Schloss entsteht ein neues Deichstück. Es soll den Schlossbereich bei künftigem Hochwasser schützen. Die Betonarbeiten sind abgeschlossen, der Sandkern des neuen Deiches aufgeschüttet.

Verzögerungen gab es allerdings in Nienwalde. Dort sperrte sich ein Grundstückseigen-tümer gegen die Rückverlegung der Deichlinie. Umplanungen waren nach Auskunft des Kreisverbandes der Wasser- und Bodenverbände nötig. Bis Monatsende wird nun mit dem Planfeststellungsbeschluss gerechnet. Ein größeres Projekt steht im Bereich Dannenberg noch aus: der Bahndamm bei Pisselberg. Er soll in Zukunft als Hochwasserschutz dienen. Dazu muss er mit eine »Kleischürze», einem speziellen Belag auf der Wasserseite, geschützt werden. Nach den bisherigen Erfahrungen ist der Bahndamm bei Hochwasser ohne eine solche Schürze durchlässig. Aber die Planungen stocken. Es fehlt die Zustimmung der Deutschen Bahn.

Die Beanstandungen bei dieser Frühjahrsdeichschau betrafen geringe Beeinträchtigungen der Deiche. Etwa, wenn Sitzbänke auf die Deichkrone gestellt wurden, die Einsatzfahrzeugen den Weg versperren könnten. Oder wenn, wie im Bereich Quarnstedt, Bäume zu dicht an den Deichfuß gepflanzt wurden. Schäden durch Wildschweine gibt es immer wieder, vor allem am Elbholz und bei Quarnstedt. Aber diese seien in diesem Frühjahr vergleichsweise gering gewesen, meinte der Gartower Deichhauptmann Ulrich Flöter. »Wir gehen mit guten Deichen in das Sommerhalbjahr,» erklärte Ernst-August Schulz zum Abschluss der Deichschau. Rainer Claaßens, stellvertretender Geschäftsführer des Kreisverbandes der Wasser- und Bodenverbände, ergänzte: »Wenn morgen das Hochwasser käme, hätten sich die Deichverbände keine Unterlassungen vorzuwerfen.»

Bild: Der neue Deich am Schloss in Gartow ist praktisch so gut wie fertiggestellt. Nun muss noch die Grasansaat entsprechende Standfestigkeit entwickeln. Aufn.: K.-F. Kassel

Quelle: ejz.de