Archiv für November, 2009

Zuerst die unstrittigen Bereiche

Veröffentlicht: November 17, 2009 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg
Kreisnaturschutzausschuss: Untere Deichbehörde informierte über geplanten Gehölzrückschnitt an der Elbe

dm Lüchow. 188 öffentliche und private Eigentümer von Flä-chen an der Elbe werden in den nächsten Tagen und Wochen Post vom Landkreis Lüchow-Dannenberg erhalten. Die Untere Deichbehörde wird Kommunen, das Land, Landwirte und andere Grundstücksbesitzer in dem Schreiben auffordern, Gehölz auf diesen Arealen an der Elbe zurückzuschneiden.

Leiter Ernst-August Schulz vom Fachdienst Tiefbau informierte den Kreistagsausschuss für Verbraucher-, Umwelt- und Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft am Montag bei dessen Sitzung im Lüchower Kreishaus über den geplanten Gehölzrückschnitt für den Hochwasserschutz. »Wenn wir nichts tun, ist es sicher, dass die Elbdeiche nicht wie bisher bei extremem Hochwasser ausreichen.» Der derzeitige Abflusszustand müsse deshalb erhalten werden, betonte Schulz: »Unsere Aufgabe ist es, Wasser durchzuleiten.» Das niedersächsische Umweltministerium hatte per Erlass bestimmt, dass bis Ende des Jahres einen Erhaltungs- und Entwicklungsplan für das Deichvorland der Elbe ausgearbeitet wird. Ziel ist es, dass Hochwässer durch den Bewuchs am Ufer und im Deichvorland nicht aufgestaut werden und schneller ablaufen. Damit der Gehölzrückschnitt überhaupt in absehbarer Zeit beginnt, hat sich der Landkreis zunächst im ersten Abschnitt die naturschutzfachlich unbedenklichen Maßnahmen vorgenommen, berichtete Ernst-August Schulz. Es handelt sich dabei um 280 einzelne Maßnahmen zwischen Schnackenburg und Neu Darchau – rund 80 Prozent des nach Erkenntnis der Unteren Deichbehörde notwendigen gesamten Gehölzrückschnitts am hiesigen Elbufer. Der Landkreis hat in einer Liste jede einzelne Maßnahme benannt und genau aufgeführt, was wo getan werden soll. Diese Liste ist mit der Biosphärenreservatsverwaltung abgestimmt und von der Behörde fast im gesamten Umfang abgesegnet worden.

Bis Ende Februar 2010 haben die Grundstückseigentümer nun Zeit, das Gehölz entsprechend der Vorgaben des Landkreises auf ihren Flächen selbst zurückzuschneiden. Fachdienstleiter Schulz hofft, dass diese Arbeiten in den nächsten Monaten nicht durch Elbehochwasser be- oder gar verhindert werden. Der Landkreis werde die betroffenen Flächeneigentümer unterstützen. Wer eine Firma beauftragen müsse, um diese Arbeiten erledigen zu lassen, für den könne es teuer werden, weiß Schulz. Klaus Wojahn (CDU) fordert, dass die Behörde den Rückschnitt koordiniert.

Im nächsten Jahr werde sich die Untere Deichbehörde den naturschutzfachlich relevanten Bereichen widmen, kündigte Fachdienstleiter Schulz an. Es handele sich dabei um gut ein Fünftel aller aus Sicht der Behörde notwendigen Rückschnittmaßnahmen. Dabei geht es um die geschützten Bereiche im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue. Es gebe über ein Dutzend geschützte Flächen, die auch für den Hochwasserschutz eine besondere Rolle spielen, erläuterte Ernst-August Schulz. Beispielhaft nannte er den Abschnitt Tiesmesland, ein Nadelöhr für die Elbe. Maßnahmen in solchen Bereichen müssten auf anderen Flächen ausgeglichen werden. Das Biosphärenreservat werde dafür geeignete Flächen zur Verfügung stellen.

Dr. Johannes Prüter, der Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung, stimmte dem Unterhaltungsplan für die Flächen außerhalb der besonders geschützten Bereiche grundsätzlich zu: Es müsse das getan werden, was hydraulisch erforderlich ist. Für die Lebensraumtypen nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union ist seiner Ansicht nach eine differenzierte Betrachtung notwendig, bei der grundsätzlich alle vorhandenen Daten und Gutachten berücksichtigt werden. Er sprach sich zudem für eine langfristige Lösung aus. Eckhard Seebass vom BUND äußerte erneut Bedenken, dass mehr Gehölz zurückgeschnitten wer-de als unbedingt notwendig.

Quelle: ejz.de

Kosten höher als anfangs geplant

Veröffentlicht: November 16, 2009 von fluthelfer in Landkreis Lüchow-Dannenberg
Eindeichung des Gartower Schlosses hat begonnen – Spundbohlen werden ins Erdreich gepresst

ab Gartow. Nichts ist es mit einem ohrenbetäubenden Lärm, wie er von einigen Anwohnern befürchtet worden war. Die 20 Tonnen schwere Maschine arbeitet recht leise.

»Wir rammen ja auch nicht, sondern pressen, und das ist ein himmelweiter Unterschied», sagt der Vorarbeiter einer Hamburger Baufirma, Dirk Menzel. Und so werden derzeit hinter dem Gartower Schloss an der Seite zum kleinen Gartower See stählerne Spundbohlen in die Erde gepresst – mit einem Druck von bis zu 80 Tonnen. Das Erdreich, in das die 1,5 bis 4,5 Meter langen Bohlen platziert werden, sei unkompliziert, ist Menzel zufrieden.

Das wesentlich lautere Rammen, wie es zu Beginn vom Gartower Deich- und Wasserverband in Erwägung gezogen wur-de, war bald wieder vom Tisch; die von einer Ramme verursachten Erschütterungen hätten nämlich einigen Schloss- gebäuden nicht gut getan. »Die Bausubstanz, eine Untersuchung hat das ergeben, wäre in Mitleidenschaft gezogen worden», weiß Verbandsvorsteher Ulrich Flöter: »Es wäre wohl zu Rissen in den historisch-wertvollen Gemäuern gekommen.»

Mit dem Anlegen der Bau-straße vor einigen Tagen und den momentanen Pressarbeiten hat das Bauprojekt »Ein- deichung des Gartower Schlosses» begonnen. Die Bohlen für die Spundwand werden auf einer Länge von rund 120 Metern ins Erdreich gepresst, durchgehend so um die 70 Zentimeter Spundwand ragen nach ihrer Fertigstellung aus dem Bo-den. Auf der Oberkannte wird dann ein sogenannter Betonrehm angebracht, der die mobilen Hochwasserschutz-Elemente tragen soll.

Ein Lager für die Elemente sollte ganz in der Nähe der Spundwand gebaut werden, da-von jedoch sieht Gartows Deich- und Wasserverband ab, und zwar aus Kostengründen. Ein solches Gebäude könne sich der Verband finanziell nicht leisten, denn das Bauprojekt werde teurer als zu Beginn kalkuliert. Da war man rund von 600000 Euro ausgegangen. Nun aber rechnet man mit rund der Hälfte mehr. Der bisherige Kos-tenrahmen sei nicht zu halten, so Ulrich Flöter: »Weil die Ausschreibung einiger Gewerke höhere Preise ergeben hat.» Man werde voraussichtlich wohl so bei 900000 Euro landen, woran sich Andreas Graf von Berns-torff mit einer beträchtlichen Summe beteilige. Die Elemente des mobilen Hochwasserschutzes sollen künftig in Lüggau im dort vorhandenen Lager des Kreisverbandes der Wasser- und Bodenverbände untergebracht werden

Das Pressen der Spundbohlen wird wohl noch in dieser Woche abgeschlossen werden können, ist von Vorarbeiter Dirk Menzel zu hören. Gleich danach wird laut Verbandsvorsteher Ulrich Flöter das Bauen des neuen, des grünen Deiches im Schlosspark in Angriff genommen. Zuvor muss der Behelfsdeich abgetragen werden. Nach seiner Fertigstellung voraussichtlich in den ersten Monaten des kommenden Jahres, wird das Schloss an seiner hochwassergefährdeten Seite von einem etwa 400 Meter langen Deich flankiert. Hochwasser können dem Schloss dann nicht mehr gefährlich werden. Eine Baufirma aus Lü-chow-Dannenberg will schon mal mit dem Anlegen einer Deichscharte beginnen – einer künstlichen Öffnung in der Deichlinie, die als Fuß- und Fahrweg dienen soll.

Die bereits fertiggestellte Bau-straße im Schlossgarten wird demnächst auch einem Saugbagger als Anfahrtsweg dienen. Der Bagger soll den an das Schloss angrenzenden kleinen Gartower See entschlammen. Diese Arbeit hätte längst erledigt sein sollen, doch immer wieder wurde sie bisher verschoben. Ulrich Föters Hoffnung: »dass es endlich bald losgeht.»

Begonnen hingegen hat die Erhöhung des Deichverteidigungsweges an der Elbe – und zwar in zwei Abschnitten: Ab der Holtorfer Steege in Richtung Elbholz auf einer Länge von zwei Kilometern sowie in Pe- vestorf oberhalb der Fährstelle in Richtung Elbholz. Die Erhö-hung kostet insgesamt rund 630000 Euro.

Quelle: ejz.de