Nutzen für Natur umstritten

Veröffentlicht: November 15, 2006 von fluthelfer in Hochwasserschutz, NRW

Sankt Augustin – Eine großflächige Renaturierungsmaßnahme am Pleisbach zwischen Niederpleis und Birlinghoven stößt auf unterschiedliche Bewertungen beim Kreis und bei Naturschützern. In dem Naherholungsgebiet, wo einst Felder und Äcker bis an den Bach heranreichten, wurden nun unter Federführung des Wasserverbandes des Rhein-Sieg-Kreises so genannte Gewässerrandstreifen eingerichtet. Sie sind in der Regel zehn bis 20 Meter breit und sollen dem Gewässer ermöglichen, seine ursprüngliche Eigendynamik wiederzuerlangen. Zudem dient der Grünstreifen als natürlicher Schutzwall gegen die mitunter schädlichen Einflüsse der Landwirtschaft.

Ausgleichsmaßnahme

Insgesamt haben Geschäftsführer Hermann Meierhenrich und zehn Mitarbeiter des Wasserverbandes zwei Kilometern des Pleisbaches ein neues Gesicht gegeben. Dabei wurden unter anderem neue Abzäunungen gebaut und Viehtränken am Ufer errichtet. Inklusive der Kosten für den Grunderwerb hat das Projekt rund 300 000 Euro verschlungen. Möglich gemacht wurde es in erster Linie durch so genannte Ausgleichsmaßnahmen, zu denen die Deutsche Bahn AG im Zuge des Neubaus der ICE-Strecke Köln-Frankfurt verpflichtet war. Nicht zuletzt deshalb hat die Bezirksregierung Köln dem Projekt eine Förderung mit Landesmitteln in Höhe von 80 Prozent bewilligt.

Der Pleisbach ist nicht das einzige Gewässer im Kreis, das in jüngster Zeit renaturiert wurde. Auch entlang des Wahnbachs ziehen sich auf rund 60 Prozent seines Laufes nun wieder natürliche Gewässerrandstreifen. Zu diesem Zweck musste etwa 150 verschiedenen Grundstückseigentümern eine Gesamtfläche von 30 Hektar abgekauft werden. Kostenpunkt: 600 000 Euro.

In seiner Funktion als Vorsteher des Wasserverbandes bezeichnete Frithjof Kühn die Renaturierungsmaßnahme als vorbildlich: „Hier ist in beispielhafter Weise zu erkennen, welche wichtige Arbeit der Wasserverband Rhein-Sieg-Kreis für die ökologische Aufwertung der Bäche leistet.“

Paul Kröfges, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), bewertet das Gesamtbild des hiesigen Gewässerschutzes allerdings völlig anders: „Der Rhein-Sieg-Kreis eignet sich hervorragend als schlechtes Beispiel für die Beachtung des Verschlechterungsverbots der Wasserrahmenrichtlinie“, erklärte er. Damit spielt Kröfges auf zahlreiche wasserrechtliche Entscheidungen der jüngsten Zeit an, die keineswegs im Sinne der Natur gewesen seien.

Großer Aufwand

Als Beispiel nannte er die häufige Genehmigung von Bauvorhaben in Überschwemmungsgebieten.

Auch mit der Renaturierungsmaßnahme in Niederpleis ist der BUND unzufrieden. Kröfges‘ Stellvertreter Achim Baumgartner findet, dass zwar mit „großem Aufwand Zäune gebaut“ worden seien, für die Natur aber ansonsten kaum ein Nutzen zu erkennen sei. Außerdem, ergänzte Kröfges, habe der Wasserverband bei der Maßnahme komplett auf Beratungen mit den Umweltverbänden verzichtet. „Dabei“, so Kröfges weiter, „wäre es doch schön gewesen, wenn man unser Fachwissen mit eingebunden hätte“. So müsse man sich mit der Hoffnung begnügen, dass dies wenigstens in Zukunft häufiger geschehen werde.

Quelle: ksta.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s