Archiv für Juli 21, 2013

Der Freistaat setzt sich weiter für den Hochwasserschutz in der Stadt Coburg ein. Dies betonte die Bayerische Umweltstaatssekretärin Melanie Huml im Rahmen des Spatenstichs für den zweiten Bauabschnitt zur Umsetzung eines umfassenden Hochwasserschutzkonzepts für die Stadt Coburg: “Unser Ziel ist es, die Stadt und seine Bewohner nachhaltig vor einem hundertjährlichen Hochwasser zu schützen. Mit dem heutigen Spatenstich machen wir einen weiteren großen Schritt, um einen vollständigen Hochwasserschutz für die Stadt Coburg zu erreichen.” Für die bis Ende des Jahres 2014 dauernden Baumaßnahmen werden insgesamt 2,4 Millionen Euro investiert. 420.000 Euro stellt das Bayerische Umweltministerium zur Verfügung, 750.000 Euro werden von der EU bereit gestellt und mit 1,23 Millionen Euro beteiligt sich die Stadt Coburg. Im Rahmen des zweiten Bauabschnitts werden entlang der Lauter auf einer Gesamtlänge von rund 290 Metern zwischen der Heilig-Kreuz-Schule bis zur Raststraßenbrücke beidseitig Hochwasserschutzmauern errichtet. Darüber hinaus werden 300 Meter Kanalleitungen verlegt, die anfallendes Niederschlagswasser in das Hochwasserschöpfwerk am Schleifanger ableiten. “Mit diesem Projekt vereinen wir gleichzeitig Hochwasserschutz und Ökologie. Durch eine naturnahe Gestaltung der Uferböschungen auf einer Länge von rund 150 Metern werten wir den Fluss der Lauter deutlich ökologisch auf”, so Huml. Außerdem wird die Verrohrung an der Mündung des Rottenbachs in die Lauter auf einer Länge von rund 30 Metern beseitigt und der Flusslauf freigelegt. Dadurch wird auch dieser Bereich der Gewässerlandschaft renaturiert und das Stadtbild verschönert.

Mit dem im Jahr 2013 in Betrieb genommenen Hochwasserrückhaltebecken Goldbergsee und der Lauterüberleitung wurde das größte Hochwasserschutzprojekt in Oberfranken abgeschlossen. Insgesamt 56 Millionen Euro wurden hier bereits in den Hochwasserschutz für die Stadt Coburg investiert. Um einen vollständigen Schutz gegen ein hundertjährliches Hochwasser zu erreichen, werden in nächsten Jahren weitere Maßnahmen im Stadtgebiet von Coburg mit einem Kostenvolumen von voraussichtlich 5,1 Millionen Euro umgesetzt.

Seit den Hochwasserereignissen Ende der 90er Jahre und kurz nach der Jahrtausendwende betreibt Bayern ein nachhaltiges Hochwassermanagement. Über 1,6 Milliarden Euro wurden seitdem eingesetzt. Nach den schweren Hochwasserereignissen im Juni 2013 hat die Staatsregierung das Hochwasseraktionsprogramm 2020 plus aufgelegt. Dadurch wird das bestehende bayerische Hochwasserschutzkonzept fortgeschrieben, damit notwendige Maßnahmen schneller umgesetzt werden können. Dafür wurde das finanzielle Volumen noch einmal kräftig aufgestockt. Insgesamt 3,4 Milliarden Euro werden bis zum Jahr 2020 in ganz Bayern investiert.

Quelle: Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit

Stadt geht an Reserve – Marienberg stockt Betrag um 330.000 Euro auf

Veröffentlicht: Juli 21, 2013 von fluthelfer in Sachsen

Die Stadt Marienberg erhöht die Aufwendungen für die Beseitigung der Schäden an der kommunalen Infrastruktur aus Hochwasser und Starkregen um 330.000 Euro. Das hat der Stadtrat in seiner jüngsten Zusammenkunft einstimmig beschlossen.

 

Bereits in der vorherigen Ratssitzung hatte das Gremium einhellig zugestimmt, 100.000 Euro aus der städtischen Geldreserve zur Schadensbeseitigung zu entnehmen. Damit stehen insgesamt 430.000 Euro zur Verfügung, um schnell reagieren und Baufirmen beauftragen zu können. Doch die Kommune hofft auf eine Refinanzierung. Am Montag habe der Freistaat eine Förderrichtlinie herausgegeben, nach der die Beseitigung von Schäden an nicht versicherbarer Infrastruktur mit 90 Prozent gefördert werden kann, sagte der Beigeordnete für Stadtentwicklung und Ordnung, André Heinrich, der die Stadtratssitzung leitete: “Das klingt nicht schlecht.”

 

Allerdings sei eine Bagatellgrenze gesetzt worden: Nur für Maßnahmen über 10.000 Euro könne eine Förderung beantragt werden. Die Möglichkeit, dabei Vorhaben zusammenzufassen, sind nach den Worten von André Heinrich beschränkt. Bei näher zusammenliegenden Schäden zum Beispiel im Schwarzwassertal sei dies möglich, nicht aber ein einfaches Zusammenfassen von verschiedenen Straßen. Zudem hat die Stadt beim Landkreis einen Antrag auf Soforthilfe gestellt und will daraus den Eigenanteil für die Maßnahmen finanzieren. (bz)

Quelle: freiepresse.de

Deichbau auf eigenes Risiko

Veröffentlicht: Juli 21, 2013 von fluthelfer in Halle
Von Jan Möbius
Halles Oberbürgermeister hat mit dem Bau eines neuen Deiches begonnen. Dagegen regt sich Unmut. Das Gericht lässt ihn erst einmal gewähren. Stattdessen setzte es für kommenden Donnerstag einen ersten Verhandlungstermin an.

Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) darf an dem neuen Hochwasserschutz-Deich am Rande der Neustadt erst einmal weiter bauen lassen – aber nun auf eigenes finanzielles Risiko der Stadt. Das hat das Verwaltungsgericht am Freitag vorerst entschieden.

Wiegand hatte ohne Beratung mit dem Stadtrat die Arbeiten beauftragt. Drei Wohnungseigentümer vom benachbarten Gut Gimritz reichten dagegen einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht ein.
Mit der Entscheidung, den 4,9 Millionen Euro teuren Deichbau nicht zu stoppen, ist für das Verwaltungsgericht der Fall aber nicht abgeschlossen. Für kommenden Donnerstag ist ein Verhandlungstermin angesetzt, zu dem neben den Klägern auch Wiegand persönlich vorgeladen ist. Offenbar geht das Gericht davon aus, dass der Oberbürgermeister der einzige ist, der die Vorgänge genau kennt.

„Wir haben ihn außerdem darauf hingewiesen, dass die Stadt auf eigenes finanzielles Risiko handelt. Sollte das Landesverwaltungsamt zu dem Schluss kommen, dass die Arbeiten eingestellt werden müssen, erfolgt der Rückbau auf eigene Kosten der Kommune“, sagte Volker Albrecht, Sprecher des Verwaltungsgerichts gegenüber der MZ.

Oberbürgermeister Wiegand hatte am Montag Fakten geschaffen. Am Morgen wurde der Bereich, an dem der neue, etwa 1 500 Meter lange Deich entstehen soll, abgesperrt. Zeitgleich wurde damit begonnen, rund 100 Bäume zu fällen, um Platz zu schaffen. Wenige Stunden später informierte Wiegand die Presse über den plötzlichen Baustart.

Der Stadtrat war darüber bis zu diesem Zeitpunkt in Unkenntnis. In der Ratssitzung wenige Tage zuvor hatte Wiegand lediglich mitgeteilt, dass ein Vergabeverfahren für einen Deichbau läuft.
Sein schnelles Handeln begründete Wiegand mit der akuten Gefährdung der Bevölkerung bei einem möglichen neuen Hochwasser im Herbst. Der alte Deich, der Neustadt vor einer Saaleflut schützten soll, gilt als total verschlissen. Nur mit großer Mühe konnte er beim Juni-Hochwasser gehalten werden.

Das Umweltministerium Sachsen-Anhalts hatte das Vorgehen Wiegands scharf kritisiert. Hochwasserschutz sei Landessache. Auch das Landesverwaltungsamt prüft die Rechtmäßigkeit des Alleingangs.
Ihren Eilantrag begründen die Kläger beim Verwaltungsgericht damit, dass der neue Deich das Überschwemmungsrisiko für ihre Wohnanlage erhöhe. Darüber hinaus fordern sie ein ordentliches Planfeststellungsverfahren. Zudem halten die Kläger die Stadt für den Deichbau nicht zuständig.

Quelle: mz-web.de

Von Angelika Andräs

 

Es gibt Überlegungen, einer Kita einen neuen sicheren Standort mit Neubau zu geben. Neubau spielt auch bei der Schwimmhalle eine Rolle.

Wie geht es weiter mit vom Hochwasser stark geschädigten Gebäuden und Einrichtungen in Zeitz? Im Gespräch mit der MZ erklärt der Zeitzer Oberbürgermeister Volkmar Kunze (FDP), welche Überlegungen es zum Beispiel zur Schwimmhalle, zum Thälmannstadion und zu Kindertagesstätten gibt. Er führt aus, welche Untersuchungen gegenwärtig laufen, welche Abwägungen anstehen und welche Anfragen zur Förderung gestellt worden sind. „Alle Einrichtungen bleiben erhalten“, ist eine Kernaussage. Aber das bedeutet nicht, dass es genau am alten Standort sein muss. So gibt es für die Kindertagesstätte Kleine Strolche die Überlegung, die Einrichtung an einen nicht hochwassergefährdeten Ort umzulagern. Was die Schwimmhalle angeht, bleibt der geplante Neubau Bestandteil der aktuellen Diskussion. Und auch im und rund um das Stadion könnte es Veränderungen geben. Entschieden wird am 1. August in der Sondersitzung des Zeitzer Stadtrates. Vorher will Kunze mit den Betroffenen sprechen – mit Eltern und Sportlern.

Quelle: mz-web.de

Die richtige Verteilung der Spenden

Veröffentlicht: Juli 21, 2013 von fluthelfer in Stendal

Es gibt Fragen, die hört Landrat Carsten Wulfänger in seiner Eigenschaft als Leiter des Stabes „Wiederaufbau“ momentan oft: Wann gibt es Geld und wie viel oder wie und wann und an wen werden die gespendeten Euro verteilt?

Klar, dass die von der Flut betroffenen Menschen an die Zukunft denken (müssen) und deshalb gerne wüssten, wann sie mit einem Zuschuss aus dem knapp eine halbe Million Euro enthaltenden Spendentopf rechnen können. Denn derjenige, der sich dazu entschlossen hat, sein Heim nach der Katastrophe wieder aufzubauen, der ist auf jeden Zuschuss angewiesen. Vor allem wenn er das Pech hatte, von keiner Versicherung gegen mögliche Hochwasserschäden versichert worden zu sein.

Doch Spenden einsammeln ist die eine Seite der Medaille, das Geld dann aber gerecht zu verteilen die andere. Wulfänger und sein Stab sind deshalb nicht gerade in keiner beneidenswerten Rolle, denn es gilt, die Spendengelder fair und vor allem transparent nach eindeutigen Vorgaben zu verteilen. Ansonsten laufen die Verantwortlichen Gefahr, in die Schusslinie der Kritik zu geraten.

Wobei auch klar ist: Es allen recht zu machen ist eine Kunst, die niemand kann. Das dürfte auch in diesem Fall nicht anders sein. Doch immerhin können die Verantwortlichen im Landratsamt auf die gemachten Erfahrungen aus dem Jahre 2002 zurückgreifen und dieses Wissen sozusagen als Basis für ihren Vergabekatalog nutzen. Dass dies nicht von heute auf morgen geht, liegt auf der Hand. Trotzdem: Der Landkreis tut gut daran, sich so schnell wie möglich dieses Themas anzunehmen und deutlich zu machen, wie die Vergabe der Gelder erfolgen soll. Schließlich haben die hoffenden Bürger ein Recht darauf – vor allem auch diejenigen, die in der Not für ihre Mitmenschen gespendet haben. Und das sind nicht gerade wenige.

Quelle: az-online.de

Hochwasser weg, Touristen auch

Veröffentlicht: Juli 21, 2013 von fluthelfer in Prignitz

In der Prignitz hinterließ die Flut relativ geringe Schäden. Dennoch sind die Folgen hart – besonders beim Tourismus.

„Ein Wernesgrüner für die Wernesgrüner?“ Die Radler auf dem Elbdeich direkt in Mödlich in der Prignitz blicken sich kurz an, beratschlagen und folgen dann kurzerhand der Einladung des Gastwirts der „Alten Fischerkate“. Der kennt inzwischen die meisten Dialekte der Touristen und spricht diese dann gezielt in ihrer „Muttersprache“ an. „Das hat sich im Laufe der Jahre ganz von selbst ergeben“, sagt Peter Dressler im Schatten der Sonnenschirme. Er profitiert zweifellos von der Lage am – laut Allgemeinen Deutschen Fahrradclub – beliebtesten Fernradweg der Bundesrepublik. Doch in diesem Jahr erwies sich dies wochenlang als Nachteil.

Fast den kompletten Juni blieben die Gäste aus, und auch jetzt kommen sie nur spärlich. Die Bilder vom Hochwasser schrecken viele Touristen nach wie vor von einem Ausflug in die Prignitz oder andere Brandenburger Regionen ab.

Dabei ist die Situation paradox. Denn genau wie beim großen Hochwasser 2002 hielten auch im Juni die Deiche in Brandenburg dem Druck der Elbe stand. Hier brach im Unterschied zu Sachsen und Sachsen-Anhalt kein Damm, so dass es weder im Raum Mühlberg im Südwesten noch in der Prignitz im Nordwesten zu größeren Schäden kam. Lediglich im kleinen Ort Breese bei Wittenberge drang das Wasser in die Keller mehrerer Häuser ein. Hier fehlt bisher ein leistungsstarker Damm. Ende des Jahres soll mit dem Bau begonnen werden.

Die größten Einbußen erlitten die Landwirte im Landkreis Havelland, weil hier das Hochwasser „planmäßig“ die Felder überschwemmte. Am zweiten Juni- Wochenende waren die großen Tore am Wehr in Quitzöbel am Zusammenfluss von Elbe und Havel hochgezogen worden, um den Pegel des großen Flusses um die entscheidenden Zentimeter zu senken. Mehrere Millionen Kubikmeter Elbwasser ergossen sich mehrere Tage in das Bett der Havel und brachten diese wiederum zum Überlaufen. „7,5 Millionen Euro Schaden meldeten die Bauern“, hieß es vom Landkreis. „Dazu kommen Schäden an der Infrastruktur in Höhe von weiteren 1,5 Millionen Euro.“ Die betreffen auch Teile des Havelradweges, der an einigen Stellen bei Rathenow noch unterbrochen ist.

Inzwischen haben sich die Radler aus dem Vogtland auf einem schattigen Platz in der Alten Fischerkate niedergelassen und genießen das Bier aus der Heimat. Auch sie seien anfangs etwas verunsichert gewesen, ob denn der Elberadweg durchgängig zu befahren ist, erzählen sie. „Aber dann waren wir doch überrascht, wie gut die Strecken in Schuss sind“, sagt einer der Radler. „Nur in Sachsen-Anhalt in der Nähe der gesperrten Eisenbahnbrücke über die Elbe bei Schönhausen mussten wir einige Umleitungen fahren.“ Gastwirt Peter Dressler hört die Worte gern. Das müsste sich nur überall herumsprechen, sagt er. „In vielen Regionen Deutschlands herrscht leider ein völlig falsches Bild von unserer Lage nach dem Hochwasser.“ Im Juni habe es nur Absagen gegeben, so dass er kein einziges seiner 32 Zimmer vermieten konnte. Dabei gehört der Juni zu den umsatzstärksten Monaten. In diesem Jahr seien die Verluste besonders schmerzhaft, weil die Saison nach dem kalten und nassen Frühjahr ohnehin erst spät begonnen habe.

Seinen Berufskollegen geht es da in der ganzen Prignitz nicht viel besser. „Die Einbußen liegen bei den meisten Betrieben zwischen 50 und 100 Prozent“, teilte der Tourismusverband mit. Alles hänge vom Elberadweg ab, sei er doch der wichtigste Baustein im regionalen Tourismus. Doch selbst im 25 Kilometer von der Elbe entfernten Perleberg leiden Hoteliers unter den unzähligen Absagen,und einige Betreiber kämpfen bereits ums Überleben ihrer Betriebe.

Auch in der Elbestadt Wittenberge sind noch genügend Übernachtungsplätze frei. An der Alten Ölmühle, wo im Juni täglich mehrere Hundert Freiwillige Sandsäcke gefüllt hatten, herrscht gespenstische Ruhe. In der Strandbar mit Blick auf die große Eisenbahnbrücke sitzen kaum Gäste. In der Ausstellung über die überstandene Flut macht es sich ein Radler aus Rüdesheim auf einem Sofa aus Sandsäcken bequem. Er reicht sein iPhone und bittet darum, ein Foto von ihm zu machen. „Die Freunde am Rhein sollen ruhig neidisch werden“, sagt Gerd Hochschneider und macht ein zufriedenes Gesicht. „Die haben sich einfach nicht auf den Elberadweg getraut und sind stattdessen an den Bodensee gefahren.“ Auch lange Recherchen im Internet hätten sie nicht umstimmen können. „Die wollten tatsächlich nicht als Gaffer bei den Aufräumarbeiten stören. Dabei ist hier alles in bester Ordnung.“ So wie die Männergruppe aus Wernesgrün behält auch der Radler aus Rüdesheim seine guten Eindrücke aus der Prignitz nicht für sich. Er veröffentlicht Fotos auf seiner Facebook-Seite und schreibt ein paar Zeilen über seine Erlebnisse an der Elbe. Die vielen Hoteliers und Gastwirte an der Strecke können die Werbung gut gebrauchen.

Quelle: tagesspiegel.de

Der Imker Rolf-Dieter Gebhardt verlor während des Hochwassers zehn von 15 Bienenvölkern und seine gesamte Imkerwerkstatt. Um eine Ablaufklappe im Keller zu öffnen, begab er sich fast in Lebensgefahr.

Schon das gesamte Frühjahr gab den Imkern der Region um Gera Anlass zur Klage. Es war den Bienen lange zu kalt, um zum Honigsammeln auszufliegen.

Das Bienenjahr hatte sich um einen Monat nach hinten verschoben. Und nun traf einige auch noch die Flut.

Auch Imker Rolf-Dieter Gebhardt aus Gera-Untermhaus hat durch das Hochwasser der Weißen Elster 10 seiner 15 Bienenvölker verloren.

Da das Wasser bis zu 1,20m hoch in seinem Garten gestanden hatte, waren die unteren drei Reihen seines Bienenstockes nicht zu retten gewesen. “Die Tiere sind einfach in ihren Stöcken ersoffen”, klagt der Imker, der noch zwei andere Imker kennt, die ebensolche Verluste zu verzeichnen haben.

Ebenso schmerzt ihn die Überschwemmung seiner gesamten Imkerwerkstatt, die er im Keller seines Wohnhauses seit vielen Jahren betrieb. Hier wurden der Honig geschleudert, die Imkerwerkzeuge und viele historische Exponate der Imkerei aufbewahrt.

“Auch das viele Anschauungsmaterial, das ich zu Bienenlehrstunden für Kinder und Jugendliche über die Jahre angeschafft habe, ist unwiederbringbar verloren”, beklagt der 70-Jährige.

Dass auch mehrere Zentner eingelagerter Honig und etwa 1600 für die Honigernte vorbereitete Gläser im Container gelandet sind, schmerzt ihn zusätzlich. “Wir konnten nur den diesjährigen Honig retten, den wir unter provisorischen Umständen geschleudert haben”.

Neben der Sorge um seine Bienenwirtschaft mussten der Imker und seine Frau Edith die Überschwemmung des kompletten Kellers im Wohnhaus verkraften. Bis unter die Kellerdecke habe das Wasser gestanden. Von der viel zu späten Warnung der Polizei, das eigene Hab und Gut vor der Flut in Sicherheit zu bringen, spricht er und berichtet von abenteuerlichen Aktionen: Im voll Wasser gelaufenen Keller habe er durch mehrere Tauchgänge versucht, die Ablaufklappe am Kellerboden zu öffnen – in der Nacht um drei Uhr bei absoluter Dunkelheit, schließlich war die Stromversorgung unterbrochen

Als ausgebildeter Rettungsschwimmer sei ihm das auch gelungen, doch das kalte Elsterwasser habe ihm noch Stunden später zu schaffen gemacht. “Das Wasser war so kalt, dass ich noch drei Stunden lang gezittert habe”, berichtet er von dem gefährlichen Unterfangen.

Als das Wasser ablief, war klar, dass man fast nichts retten kann. Weder Tiefkühltruhen, Waschmaschine und Trockner noch die Elektronikwerkstatt und die Imkerküche. Glücklicherweise hatten sich gleich in den ersten Tagen nach der Flut Familienmitglieder, Freunde und Bekannte daran gemacht, die Kellerräume und den Garten zu entrümpeln.

Das Lehrerehepaar Lüdke aus Kaimberg packte ebenso mit an, wie der Dachdecker Richter der Familie die Arbeits- und Duschräume auf seinem Firmengelände zur Verfügung stellte. Freunde brachten ein Notstromaggregat und versorgten alle Helfer mit Kaffee.

Ein Blick ins Haus zeigt, dass man hier alles komplett neu aufbauen muss. Eine Handwerksfirma pickert derzeit Boden und Wände ab, um das Gemäuer trocken zu legen.

An Honigschleudern ist hier erst einmal lange nicht zu denken. Zwar ist das Haus auf Elementarschäden versichert, doch von den geschätzten 7000 Euro Schaden allein an der Imkerei werde er wohl nur einen Bruchteil ersetzt bekommen, meint Rolf-Dieter Gebhardt.

Tausende Euro müsste er aufwenden, um Imkerwirtschaft und Bienenerziehung für Kinder wieder aufnehmen zu können.

Überglücklich ist er, dass er durch einen befreundeten Imker aus Aga wieder zu neuen Bienenvölkern gekommen ist. Die Vermehrung dieser Tiere war schon erfolgreich, so dass es in insgesamt zehn Bienenstöcken wieder geschäftig summt.

“Kommende Woche ist die Lindenblüte vorbei und dann gehen die Bienen schon in den Winter”, sagt er. Noch nie habe man Mitte Juli Lindenblüte gehabt, das Jahr sei wahrlich verrückt. Auch wenn ihm noch sein Imkerwerkzeug fehlt, hofft er doch auf eine recht gute Honigernte. “Ich bin trotz allem zuversichtlich und froh, denn ich habe wieder Bienen.”

Nun könne man nur hoffen, dass sich im kommenden Jahr alles wieder normalisiert, sagt er.

Die von der Diakonie zugesagten 1000 Euro aus einer Spende des Schulfördervereins vom Geraer Goethe-Gymnasi-um/Rutheneum kann er bestens gebrauchen.

Quelle: otz.de

Neue Deiche für Wünschendorf

Veröffentlicht: Juli 21, 2013 von fluthelfer in Thüringen
Großes Interesse an Gemeinderatssitzung: Die Bürger erfahren, dass das Planfeststellungsverfahren für die Sanierung der Schutzanlagen entlang der Weißen Elster läuft. Unterlagen liegen bis zum 8. August aus.

Wünschendorf könnte nach dem verheerenden Hochwasser die erste Thüringer Gemeinde sein, in der in einen umfangreichen neuen Hochwasserschutz investiert wird. Unabhängig von der Flut steht das Thema aber seit Jahren auf der Tagesordnung von Gemeindeverwaltung und der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG). Die Landesbehörde ist für den Hochwasserschutz entlang der Weißen Elster und der Weida zuständig.

Nun sind alle Planungen in Papierform gegossen. Nach Ostern hatte die TLUG den Antrag auf Planfeststellung beim Landesverwaltungsamt gestellt. Seitdem läuft das Verfahren, in dem auch die Öffentlichkeit beteiligt wird: Drei dicke Ordner liegen noch bis zum 8. August im Wünschendorfer Rathaus und im Landesverwaltungsamt in Weimar aus. Am 17. September soll dann der Erörterungstermin mit jenen stattfinden, die Stellungnahmen eingereicht haben, informierte Bürgermeister Jens”Auer (parteilos) zur jüngsten Gemeinderatssitzung. Mehr als 100 Einwohner waren dazu in den großen Saal der “Elsterperle” gekommen.

Mit Baubeginn im März wird gerechnet

Der Bürgermeister rechnet nicht damit, dass die Einsprüche das Verfahren verzögern oder die Pläne auf den Kopf stellen. “So könnte es ab Winter Baurecht geben und im Frühjahr könnte der Bau beginnen”, blickt Auer voraus. Auch die TLUG geht von einem Baubeginn im März aus. Probleme mit Eigentümern gebe es nicht, teilte Lutz Baseler von der TLUG auf Nachfrage mit.

Die TLUG plant, lediglich die Deiche entlang der Weißen Elster und auch nur in Wünschendorf zu sanieren. Veitsberg, Mildenfurth und Meilitz bleiben damit außen vor. Wie Jens Auer auf eine Bürgernachfrage antwortete, sei ein Weida-Schutz bereits in der Planung. “Die Schäden an der Turnhalle und an der Weidaer Straße zeigen, dass die Weida nicht zu unterschätzen ist”, sagte der Bürgermeister.

Doch zunächst hat die Weiße Elster Vorrang: Von der Eisenbahnbrücke in Cronschwitz bis zur Weißen Brücke in Richtung Gera werden die Hochwasserschutzanlagen saniert und zum Teil erneuert. Die Landesanstalt nutzt die bestehenden Deiche und Mauern. Sie werden erhöht und stabilisiert, teilweise werden Spundwände eingesetzt, Mauern neu begründet, besser verankert oder neu aufgebaut. Gefördert wird die rund zwei Millionen Euro teure Investition von der Europäischen Union.

Nach Ansicht von Bürgermeister und Feuerwehr ist die Gemeinde auf diesen Hochwasserschutz angewiesen. Die Juni-Flut habe gezeigt, Wünschendorf ist “nicht in der Lage, den Damm auf dieser Höhe und über diese Länge zu verteidigen”. Jens Auer will dies aber nicht als Kritik an den Einsatzkräften verstanden wissen. Er hege keine Zweifel an deren Leistungen. Aus diesem Grund sei auch dem Aufbau einer gesonderten Wasserwehr eine Absage zu erteilen. Die freiwillige Feuerwehr verfüge über die entsprechende Ausbildung und Ausrüstung. Sie brauche aber Nachwuchs.

Rund 63000 Euro auf dem Spendenkonto

Ungebrochen ist indes Spendenbereitschaft. Auf rund 63″000 Euro ist das Spendenkonto angeschwollen, das die Gemeinde für die vom Hochwasser betroffenen Privatleute eingerichtet hat. Es seien in den Wochen nach der Katastrophe Summen zwischen 10 und 20000 Euro eingezahlt worden, Die letzte größere Summe überwies die Burkersdorfer Firma Somatic GmbH, die anlässlich der Einweihung einer neuen Fertigungshalle um Spenden statt Geschenke und Blumen gebeten habe und diesen Betrag noch verdoppelte. 10000 Euro kamen am Ende zusammen. Weiterhin sind auch Sachspende bei der Wünschendorfer Verwaltung eingegangen. Jens Auer ermutigte die Betroffenen dazu, sich zu melden. “Niemand will als Bittsteller auftreten, aber ich versichere Ihnen, das nehmen wir so nicht wahr”, wandte sich Auer an die Flutopfer.

Um die Spenden gerecht zu verteilen, hat der Gemeinderat die Bildung eines Gremiums beschlossen. Ihm gehören die Gemeinderatsmitglieder Karina Lose (CDU), Otto Weber (FWG), Andreas Nerlich und Gerd Birnkammerer (BGW), Sieglinde Kloucek (OWBF) und Marco Geelhaar (Heimatverein) an. Mitglieder sind außerdem der Bürgermeister sowie als sachkundige Bürger Pfarrer Christof Schulze, Konrad Meyer, Reiner Stroh, Harald Gnebner und Martin Winter.

Quelle: otz.de

Dieter Schropp ging 1957 in den Westen. Seiner Heimat Wünschendorf bleibt er aber seit Jahrzehnten verbunden. Jetzt spendet er für den Wiederaufbau nach dem Hochwasser.

Dieter Schropp macht kein großes Gewese. “Ich hab mir gedacht: Was solls?!”, erzählt der 81-Jährige am Telefon. 100.000 Euro hat er der Gemeinde Wünschendorf gespendet. Der gebürtige Wünschendorf, der 1957 die DDR verließ und heute in der Lüneburger Heide lebt, will seiner Heimat beim Wiederaufbau nach der Flut helfen. Ob der freudigen Botschaft ging auf der jüngsten Gemeinderatssitzung erst ein Raunen durch den Saal, dann applaudierten die mehr als 100 Wünschendorfer.

Dieter Schropp ist in der Gemeinde kein Unbekannter. Seit Jahren überweist er Geld, für die Feuerwehr oder den Jugendclub. Aufhebens darum hat er nie gemacht, Posieren mit Spendenschecks kam nicht in Frage. Auch jetzt ist es nicht er selbst, der in die Öffentlichkeit geht.

Die Geschichte, seine Geschichte erzählt er aber gern. “Die Verbindung zu Wünschendorf ist nie abgerissen”, sagt er. Obwohl Schropp vielleicht Gründe dafür gehabt hätte.

Der 1932 Geborene will Tierarzt werden, darf aber in der jungen DDR nicht studieren. Also lernt er Konsumkaufmann. “Und als ich fertig war, hieß es. Bergbau, Wismut, Aue”. Da habe er nein gesagt und stattdessen in der Fleischerei geholfen, die die Familie in Wünschendorf führte. Als es für Vater und Mutter in der Plan- und volkseigenen Wirtschaft der DDR zu viel und der Vater aus dem Betrieb liquidiert wurde, wie Schropp heute sagt, sei für ihn Schluss gewesen. Er war Mitte 20, als Kaufmann und Fleischer gut ausgebildet. Er sagt, er wollte dort leben, wo er sich die Schlafzimmermöbel kaufen kann, die er will und nicht die, die vorrätig sind.

1957 packt er seine Koffer und fährt mit dem Motorrad unter einem Vorwand ins Rheinland. Wie hat er sich dabei gefühlt? “Eine Scheidung ist eine Lachnummer dagegen”, sagt Schropp noch heute. Es seien harte Jahre gewesen, und in so manch einsamen Stunde habe er seine Entscheidung bereut. Doch der Mann, der mit 50 Mark in der Tasche und allein auf sich gestellt “rübermachte”, findet als Fleischer schnell eine Anstellung. Er macht seinen Meister, besucht die Veterinärschule, wird Fachberater für die Fleischindustrie und kehrt ab Ende der 1960er-Jahre zumindest zeitweise nach Gera und Wünschendorf zurück. Messe-Reisen nach Leipzig machen es möglich. Weil in der Messestadt die Hotels und Restaurants hoffnungslos überlaufen sind, sucht und findet Schropp Ausweich in Gera und pendelt nach Leipzig mit dem Bus. So hat er Gelegenheit, an den Abenden noch nach Wünschendorf zu fahren. “Ich habe meine Heimat nie vergessen”, sagt Dieter Schropp.

Auch nicht, was Hochwasser anrichten kann. 1954 – bei der letzten großen Elsterflut – lebt Schropp noch im Dorf. Das Elternhaus steht in Veitsberg am Zusammenfluss von Weida und Weißer Elster. Dem 1,80 Meter großen jungen Mann stand das Wasser damals bis zum Bauchnabel, die Flut verwüstete die Fleischerei. Ein Freund habe ihm vor einigen Jahren gesagt, so etwas komme nicht wieder, es gebe ja die Talsperren. “Es kam wirklich so nicht wieder. Es kam schlimmer”, hat der ehemalige Wünschendorfer nun anhand von Fotos und Zeitungsberichten festgestellt, die ihm alte Freunde regelmäßig schicken.

Für was seine großzügige Spende eingesetzt wird, dazu will Schropp der Gemeinde keine Vorschriften machen. Wenn ihm sein Vater als kleiner Jung fünf Mark zusteckte mit der Aufforderung, damit sorgsam umzugehen, das Geld vielleicht in die Spardose zu werfen, da gab er die Münze lieber wieder zurück. “Die Gemeinde wird es gut anlegen”, weiß Schropp.

Bürgermeister Jens Auer (parteilos) will das Geld für die Beseitigung der Schäden an kommunalem Eigentum verwenden, kündigte er zur Gemeinderatssitzung an. Stärker als bisher vermutet, haben Weida und Weiße Elster an Turnhalle und Straßen gewütet. Der Schaden und die Einsatzkosten summieren sich auf 637.000 Euro.